Deutschlands moralischer Allmachtsanspruch Vom Eroberer der Welt zum Retter der Welt Vom Traum der Welteroberung zur Pflicht der Weltrettung zieht sich eine ungute Linie durch die deutsche Geschichte. Wurde der alte Anspruch auf Totalität wirklich überwunden – oder kehrt er heute in moralisch-humanitärer Form zurück? VON AGLAJA STIRN UND WOLFGANG BALZER
Schuld, Schwäche und das Böse : Die strukturelle Asymmetrie deutscher Zuschreibungen Deutsche sehen sich im politischen Diskurs als verantwortliche Täter, während Migranten und kulturell Fremde bevorzugt als Opfer der Umstände erscheinen. Es gibt eine tiefe moralische Asymmetrie der Gegenwartskultur – zwischen Selbstanklage und Überhöhung, Psychologisierung und Schuldabwehr. VON AGLAJA STIRN UND WOLFGANG BALZER
Fall Thomas Kemmerich : Privat-Inquisitor in Aktion Der Rauswurf Thomas Kemmerichs aus einem Restaurant zeigt: Die hässliche Gestalt des übereifrigen Gesinnungstäters hat wieder Konjunktur. Dieser ist bereit, jeden Anstand seiner politischen Moral zu opfern. Schuld daran ist nicht nur die Politik, sondern die gesamte Gesellschaft. KOLUMNE: GRAUZONE
Moral statt Analyse : Deutschland leistet sich die dümmsten Debatten Es ist fast schon ein Volkssport: Kaum sagt jemand etwas Unbequemes, dauert es keine Stunden, bis die nächste nationale Erregungsschleife läuft. Dann debattiert Deutschland so lange über Nebensächlichkeiten, bis keiner mehr weiß, worum es eigentlich ging. VON NIKOLAOS GAVALAKIS
Wohin mit Ihrem Geld? : Gute Geschäfte ESG-Richtlinien (Environmental, Social und Governance) sollen Anlegern moralisch vertretbare Aktien aufzeigen – Investieren in die gute Sache. Was dies bedeutet und wo Widersinnigkeit herrscht, analysiert Daniel Stelter. VON DANIEL STELTER
Nationale Traumata : Deutschland ist ein moralischer Schwächling Die Deutschen neigen dazu, ihre eigene Schwäche mit moralischem Hochmut zu tarnen. Statt ihre eigenen Interessen zu formulieren, inszenieren sie sich als die besseren Menschen – sowohl außen- als auch innenpolitisch. VON BERND STEGEMANN
Politisierung der EM : Geht’s raus und spielt’s Fußball Nach dem WM-Desaster von Katar scheint sich die deutsche Nationalmannschaft bei der Heim-EM wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren: den Fußball. Was nicht heißt, dass die üblichen Verdächtigen nicht trotzdem versuchen, diese EM zu politisieren. VON BEN KRISCHKE
Internationaler Strafgerichtshof : Moral macht blind für die Wirklichkeit Der Antrag auf einen Haftbefehl gegen Israels Regierungschef Netanjahu ist ein Desaster. Es will unpolitisch sein, wo es unmöglich ist. Grund für diese Blindheit ist die zunehmende Verrechtlichung und damit Moralisierung internationaler Politik. KOLUMNE: GRAUZONE
Lieferkettengesetz : Ein gut gemeintes, aber selbstgerechtes Blendwerk Das EU-Lieferkettengesetz wird wohl am Widerstand der FDP scheitern. Schon das nationale Lieferkettengesetz lässt deutsche Mittelständler verzweifeln, für die es eigentlich gar nicht gedacht ist, und schwächt diejenigen Länder, die es vor Ausbeutung schützen soll. VON CARSTEN KORFMACHER
Angst, Regression und Infantilisierung als politisches Programm : Angst zu(m) Ersticken - Teil 1 Statt auf den mündigen Bürger setzte die Corona-Politik auf Angsterzeugung. Ein Novum oder die Fortsetzung und Vertiefung einer längeren Entwicklung? Kontext und Folgen des Angst-Framings sind noch lange nicht ausreichend verstanden. VON MATTHIAS SCHRAPPE
Kulturelle Hegemonie : Im Visier der politischen Moralisten Das scharfe Schwert der in unserer Gesellschaft besonders lautstarken Moralisten ist die Bezichtigung Andersdenkender als rechte Verfassungsfeinde. Doch die politische Deutungshoheit des links-grünen Milieus beginnt zu bröckeln. VON THOMAS MAYER
Literaturen im Juli : SED, Sexpuppen, Sittenwächter Aron Boks und Clemens Meyer schreiben über ostdeutsche Biografien. Olga Tokarczuk erzählt eine Schauergeschichte. Und Alain Finkielkraut nimmt sich die Sittenwächter im Kulturbetrieb vor. VON CICERO-REDAKTION
Politik der Gefühle : Betroffenheitskult Unsere Gesellschaft ist von einer absurden Betroffenheitsobsession erfasst. Schon die Mehrdeutigkeit des Wortes zeigt, dass hier subjektive Gefühle mit angeblichen Tatsachen vermischt werden. Egomanie wird zum moralischen Maßstab. KOLUMNE: GRAUZONE
WDR-Moderator Jean-Philippe Kindler : „Ja das ist Hetze, dazu will ich aufrufen ...“ In einem Clip ruft der Kabarettist und WDR-Moderator Jean-Philippe Kindler zu Hetze gegen die CDU auf. Reaktion des Senders: bisher keine. Das zeigt nicht nur, wie verlogen das Milieu der hiesigen Sprachwächter ist, sondern auch, wie sich das politische Klima verändert hat. KOLUMNE: GRAUZONE
Historikerin Eva Schlotheuber : „ Früher war nicht alles besser oder schlechter “ Vom Mittelalter lernen heißt, dass wir mit weniger Arroganz auf andere Gesellschaften in unserer globalisierten Welt schauen sollten, meint die Historikerin Eva Schlotheuber. VON VOLKER RESING