40 Jahre Historikerstreit Aus den Hohlwegen deutscher Erinnerungskultur Der Historikerstreit vor vierzig Jahren wirkt auch heute noch nach. Die damals scheinbar geklärte Frage nach dem Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen ist mit ganz erstaunlichen neuen Fronten wieder offen. VON GERRIT DWOROK
Yishai Sarid im Porträt : Mephisto in Jerusalem Der Bestsellerautor Yishai Sarid wagt mit jedem neuen Buch einen Blick in die Seele der israelischen Gesellschaft. Im Frühjahr erscheint sein neuer Roman – eine literarische Reise in bewegte Zeiten, die Vergangenheit und Gegenwart Israels eindringlich miteinander verknüpft. VON RENÉ SCHLOTT
Das Tagebuch der Anne Frank : Das Urteil einer Tochter In Anne Franks Tagebuch liest die Welt von Verfolgung, Angst und Hoffnung im Versteck. Weniger beachtet wird eine andere Geschichte, die zwischen den Zeilen steht: die schwierige Beziehung eines jungen Mädchens zur eigenen Mutter. Doch was begegnet uns in diesen Zeilen eigentlich? VON LISA DAVIDSON
Zum Tod von Jürgen Habermas : Der doppelte Philosoph Jürgen Habermas ist mit 96 Jahren verstorben. Seinen Einfluss erwarb er sich nicht allein mit philosophischen Werken. Habermas trat zugleich immer als politischer Intellektueller in Erscheinung. Nicht immer auf rühmliche Weise. Wesentlichen Fragen wich er dabei aus. VON MATHIAS BRODKORB
Strafrecht und Meinungsfreiheit : Hitler mit Hakenkreuz – wer hätte das gedacht? Wegen einer satirischen Hitler-Putin-Montage wird gegen den Historiker Rainer Zitelmann ermittelt. Schützt der Staat hier die Demokratie – oder schüchtert er kritische Stimmen ein? KOLUMNE: UNGEFILTERT VON WOLFGANG KUBICKI
Debatte über mögliches Olympia 2036 : Steinmeier demonstriert das Gegenteil von mutiger Staatsräson Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier möchte nicht, dass Olympia 2036 in Deutschland stattfindet – wegen Hitlers Propagandaspielen 1936. Wer ausgerechnet dieses Jahr vom Tisch wischt, sagt im Kern: Wir trauen uns die Konfrontation nicht zu. VON FLORIAN HARTLEB
Cicero im Januar : Ein Anfang Zum 120. Geburtstag Hannah Arendts erinnert ihr Denken daran, dass Politik den Mut zum Anfang braucht. Gegen Perfektionismus und Lagerdenken setzt sie Vielfalt, Streitfähigkeit und Freundschaft. Eine Denkerin, deren Risiko des Denkens heute Hoffnung gibt. VON ALEXANDER MARGUIER
Weimarer Verhältnisse? : „Der Rückgriff auf 1933 scheint mir frivol“ Herrschen in Deutschland bald „Weimarer Verhältnisse“? Im Cicero-Interview erklärt der Schriftsteller Jens Bisky, wie Mythen über die Weimarer Republik unser Denken prägen – und warum historische Analogien oft in die Irre führen. INTERVIEW MIT JENS BISKY
Nachbetrachtung zu Robert Lifton : Die unvernünftigen Tage der Menschheit Der jüngst verstorbene Psychiater Robert Lifton hat erklärt, wie gesellschaftliche Normalität in den Wahnsinn abgleiten kann. Eine Pflichtlektüre für jeden, der unsere Gegenwart verstehen will – ein Blick in die Dunkelheit der menschlichen Seele. VON RALF HANSELLE
Film der Woche: „Das Verschwinden des Josef Mengele“ : Auf falscher Distanz Mit dem KZ-Arzt Josef Mengele befassten sich bereits etliche Filme und Bücher. Von dessen Jahren im südamerikanischen Exil erzählt nun „Das Verschwinden des Josef Mengele“. Den entscheidenden Fragen geht das Drama aber aus dem Weg. VON URSULA KÄHLER
Literaturen im Oktober : Frage der Mittäterschaft, „tugendhafter Antisemitismus“, Wildwestgeschichten Götz Aly macht Neid und Habgier zum Nährboden der Mittäterschaft in der Nazizeit. Eva Illouz sieht im Poststrukturalismus den Grundstein für den neuen „tugendhaften Antisemitismus“. Yasmina Reza macht aus Strafprozessen literarische Dramen. Christoph Nußbaumeder entführt in den Wilden Westen. VON PETER HOERES, RALF HANSELLE, VIOLA SCHENZ UND RENÉ SCHLOTT
Buchauszug „Rechts und Links“ : AfD, NSDAP und der Mythos vom rechten Rand Im heutigen politischen Diskurs wird die AfD häufig in die Nähe der NSDAP gerückt. Doch historisch war der Nationalsozialismus alles andere als eindeutig rechts. Ein Blick zurück stellt Gewissheiten in Frage – und wirft neue auf. VON PETER HOERES
Film der Woche: „Bonhoeffer“ : Von bösen Mächten Radikale Rechte und Evangelikale in den USA haben Dietrich Bonhoeffer für sich entdeckt. Auch das Biopic „Bonhoeffer“ geriet in den tobenden Kulturkampf. Dabei ist der Film ideologisch unverdächtig. Allerdings überzeichnet und verzerrt er deutlich. VON URSULA KÄHLER
Andres Veiel im Porträt : Hitlers Kinokanone Mit einer Doku über Leni Riefenstahl bringt Andres Veiel die Oma von Lüge und Fake News auf die Kinoleinwand zurück. Der Regisseur versteht sich als „überzeugter Aufklärer“ – und fordert mehr Medienpädagogik, um die „Generation Tiktok“ gegen Bilderfluten schlauzumachen. VON DIETER OSSWALD
Film der Woche: „Riefenstahl“ : Triumph des Unwillens Mit seinem Dokumentarfilm „Riefenstahl“ bemüht sich Andres Veiel um eine neue Sicht auf die umstrittene und schillernde Regisseurin des Dritten Reichs. Das Ergebnis ist ein schwacher Versuch, Leni Riefenstahl für aktuelle politische Themen zu instrumentalisieren. VON URSULA KÄHLER