Deutsche Nahostpolitik - Planlos, naiv, weltfremd

Außenminister Heiko Maas ist auf dem Weg in die Türkei und versucht zu retten, was zu retten ist. Ist es Weltfremdheit? Ist es Naivität? Oder einfach nur Leichtfertigkeit? Die deutsche Nahostpolitik unterbietet sich derzeit selbst – und das ist, schaut man auf die letzten Jahre, gar nicht so einfach.

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Außenminister Heiko Maas auf dem Weg in die Türkei / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Im September erscheint von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Seit einiger Zeit nun waltet das saarländische Meisterduo Heiko Maas und Annegret Kamp-Karrenbauer. Seit der Horizont der deutschen Nahostpolitik ungefähr von Saarlouis nach Völklingen reicht, hat sich Deutschland endgültig in eine Art diplomatische Parallelwelt katapultiert.

Dabei muss man gerechter Weise sagen, dass die eigentliche Misere im Auswärtigen Amt begann. Und zur Wahrheit gehört auch, dass die Probleme sehr viel älter sind als die Amtszeit von Heiko Maas. Der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident des Saarlandes steht lediglich in einer Kontinuität aus Desinteresse, Verantwortungslosigkeit und Blauäugigkeit, die die deutsche Nahostpolitik im Grunde seit Ende des 19. Jahrhunderts kennzeichnet. Die allerdings verkörpert der Saarländer sehr eindrucksvoll.

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Andreas Zimmermann | Sa, 26. Oktober 2019 - 12:06

...einen Spruch "Ich will endlich mal mit Profis arbeiten!". Der Satz impliziert allerdings, dass man selber schon Profi sein sollte um diesen Anspruch zu stellen und außerdem legt er wohl eher unprofessionelles Verhalten im Umfeld nahe. Weshalb dieser Spruch höchst selten kommt und meist ironisch gemeint ist. Die Frage ist nun wo in dieser Truppe von Dilettanten, Partei-Karrieristen und Selbstdarstellern die Profis sind die das Fordern könnten? Da fällt mir ehrlich gesagt kein Name ein. Denn die die es müsste, fiel bisher nicht unbedingt durch Professionalität sondern nur durch einen großen Machtinstinkt auf. Das ist zwar auch eine Qualität zum Regieren aber es sollte kein Alleinstellungsmerkmal sein. Was bleibt, sind andauernde Provinzpossen und Klamauk auf Staatsniveau - im Grunde genommen liefern die Laiendarsteller ja nur was die Wähler bestellt haben und die richtigen Reallife-Loser sind ja auch noch gar nicht da, sondern sitzen in den Startlöchern und warten auf ihren Einsatz!

Christoph Kuhlmann | Sa, 26. Oktober 2019 - 12:39

Allerdings passt die Konzept- und Planlosigkeit gut in die allgemeine Lage. Außen-, europa- und innenpolitisch. Seitdem Trump an der Macht ist die Illusion eines Konsenses verflogen. In der Flüchtlingspolitik steht Deutschland in Europa alleine da, unabhängig davon, ob es zum offenen politischen Konflikt kommt wie mit Osteuropa oder die Bereitschaft der deutschen Linie zu folgen sich in Lippenbekenntnissen erschöpft, wie bei West- und Südeuropäern. Da moralisiert man lieber auf nationaler Ebene vor sich hin und isoliert sich immer mehr.

Klaus Peitzmeier | Sa, 26. Oktober 2019 - 12:53

Sg Herr Grau, ich fand ihre Artikel schon immer sehr unsachlich. Dieser über Herrn Maas, den ich als Person nicht schätze, ist es aber ganz besonders.
Was soll es heißen, daß der Horizont der deutschen Nahostpolitik ungefähr von Saarlouis nach Völklingen reicht? Soll diese Analyse intelligent oder witzig sein? Seine Hornbrille u sein Slim-fit-Anzug werden als Zeichen des Unfähigen, eben eines "Diplomatendarstellers" gewertet. Damit kann ich schon wieder nichts anfangen.
Dann schlagen Sie einen Bogen vom 19.Jh. zur Gegenwart u schreiben immer wieder von den deutschen Interessen im Nahen Osten. Ich laß ihren Artikel bis zum Ende, um dann endlich den einen Punkt des deutschen Interesses im Nahen Ostens zu erfahren, nämlich die Flüchtlingsproblematik. Gibt es noch mehr Interessen, oder war`s das? Dann sollte Deutschland sich bloß fein raushalten aus dem Durcheinander u bestimmt keine Soldaten in diese Region senden. Die Soldaten sollten eher dafür sorgen die EU-Aussengrenze zu sichern.

Zu spät seit 2012 mischen wir bei dem blutigen Regime-Change mit Ich zitiere den damaligen ZON Artikel " die syrische Opposition kommt auch aus Wilmersorf". Dieses blutige Desaster unter der Parole "Assad muss weg" wurde von außen mit HIlfe saudischer Lakaien geschürt und am Laufen gehalten. Und unter dem Motto "der Feind meines Feindes ist mein Freund" wurde von den üblich Guten alles Unterstützt, verharmlosend auch Aktivisten, Rebellen, gemäßigte Opposition, Kämpfer usw.,genannt, was man glaubte diesem Ziel näher zu bringen. Das Spiel lief nicht wie geplant und um icht nicht wie die völligen Deppen dazustehen versucht man irgendwie noch einen Fuß in die tür zu bekommen. Das einzige das sinnvoll wäre auch um die Flüchtlingsproblematik zu lösen wäre sofortige Aufhebung aller Sanktionen und aktiv sich am Wiederaufbau des Landes zu beteiligen.

Manfred Sonntag | Sa, 26. Oktober 2019 - 18:06

Der folgende Spruch trifft doch zu: Der hässliche Deutsche trägt nicht mehr Stahlhelm und Wehrmachtsuniform. Er hält stattdessen in allen Lebenslagen eine gesinnungsethische Lektion bereit. (NZZ) Egal ob dabei Israel, Polen,Ungarn u.v.a.m. abgekanzelt werden, es kann jeden treffen. Selbst unsere maßgeblichen Befreier und Unterstützer der deutschen Einheit, die Briten, Amerikaner und Russen werden mit Besserwisserei überzogen. Das im Artikel beschriebene Unvermögen unserer "Eliten" setzt dem Ganzen die Krone auf.

Martin Beyer | Sa, 26. Oktober 2019 - 18:52

Ich verstehe nicht wie man ein derartiges Geschwurbel veröffentlichen kann? Unzusammenhängende historische Bezüge, zusammengestopeltes űber Kolonialpolitik, Israel, Hisbollah usw. gepaart mit platten persönlichen Angriffen.

Gisela Fimiani | Sa, 26. Oktober 2019 - 22:07

In unserer Parteiendemokratie ist die Karriere dessen gesichert, der sich als gehorsamer Parteisoldat seiner Partei unterwirft. Wer fühlt sich von derartigen Bedingungen angezogen? Ich vermute, dass die Begabten hier eher passen. Ist es verwunderlich, wenn die eher Unbegabten um jeden Preis ihre Posten verteidigen. Wo sonst bietet sich ihnen ein angenehmer Status und eine großzügige Versorgung einschließlich bester Anschlussverwendung. Mittelmäßigkeit und Dilettantismus sind diesem System inhärent. Der einzige Störfaktor sind (noch) die quengeligen, kritischen Bürger. Im zukünftigen Brüsseler Zentralstaat wird man sich ihrer entledigt haben.

Ernst-Günther Konrad | So, 27. Oktober 2019 - 06:17

Maas bildet doch nur das ab, was Sie zurecht in Ihrem Artikel schreiben. Mangelnde bzw. fehlende eigene nationale Interessen. Wir sind für alle anderen da, bezahlen alles und jeden und unsere eigenen Interessen? Die bleiben auf der Strecke. Scholl-Latour fehlt mit seinen brillianten Analsyen als Kenner der arabischen und asiatischen Welt. Es ist niemand mehr da, der die Länder bereist, die Sprachen dort spricht und tief in die islamischen Gedanken eindringen kann und sie versteht. Ja, das Elend fing viel früher an. Maas ist nur ein exellenter Darsteller dieser Hilflosigkeit. Dafür gehört ihm Anerkennung. Selten war ein Politker so grandios hilf- und gedankenlos aussenpolitisch in Erscheinung getreten wie er.
Und jetzt hat ermit Cavasoglu auch noch einen "verbündeten" gegen seine eigene Ministerkollegin gefunden und stellt sich offen gegen sie. Ja, der Vorschlag von AKK war unausgegoren und nicht zu Ende gedacht. Nur, von Maas kam was? Nichts. Von Merkel hört man was? Nichts.