Thomas Kemmerich (M), Sprecher der Gruppe der FDP, und Mario Voigt (CDU, r), Fraktionsvorsitzender, unterhalten sich vor Beginn einer Aktuellen Stunde im Thüringer Landtag. / dpa

Debattenkultur - Ritualisierte Plattitüden

Deutschland versinkt in Ambivalenzverweigerung. Die Debatte um das Interview von Alice Weidel und die Abstimmung der CDU im thüringischen Landtag sind aktuelle Beispiele. Doch in einer Demokratie haben die Bürger einen Anspruch auf Debatten, die die Komplexität der Dinge widerspiegeln.

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Zuletzt erschien „Vom Wald. Eine Philosophie der Freiheit“ bei Claudius.

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Was haben der 8. Mai 1945 und eine Abstimmung über die Grunderwerbssteuer in einem deutschen Landtag miteinander zu tun? Auf den ersten Blick natürlich gar nichts. Auf den zweiten Blick sehr viel. Denn die Diskussionen um die beiden Themen zeigen, wie verquast hierzulande Debatten geführt werden und wie sehr sich manche Ideologen von der Realität abgekoppelt haben. 

Beginnen wir bei der Kapitulation der Wehrmacht. Gefragt, warum sie im Mai nicht am Empfang der russischen Botschaft anlässlich des Jahrestages des Sieges über Deutschland teilgenommen habe, antwortete Alice Weidel in einem Fernsehinterview: „Ich habe natürlich für mich entschieden – das ist eine persönliche Entscheidung gewesen –, aus politischen Gründen daran nicht teilzunehmen. Also hier die Niederlage des eigenen Landes zu befeiern mit einer ehemaligen Besatzungsmacht, das ist etwas, wo ich für mich persönlich entschieden habe – auch mit der Fluchtgeschichte meines Vaters –, daran nicht teilzunehmen.“ 

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Lisa Werle | Sa., 16. September 2023 - 11:44

Wenn die CDU die Grundsteuer senken möchte, damit Bürger sich ihr Haus weiter leisten können, dann geht das natürlich gar nicht in den Augen der rot-grünen Deutschland-Zerstörer.
Dann macht sich ein Ramelow, der seine Existenz nur der AfD verdankt, mit kindischem Alarmismus lächerlich - und dann darf auch ein Kühnert mit dumm-dreisten Kommentaren nicht fehlen: „Die heutige Abstimmung im Erfurter Landtag war kein Unfall“. Na, das will ich doch hoffen, dass die CDU so weitermacht mit ihrer selbständigen Politik.
„Die CDU in Thüringen hat sich sehenden Auges darauf eingelassen, eine politische Entscheidung herbeizuführen, die ohne die Stimmen der AfD nicht möglich gewesen wäre“ – sehr richtig, Kühnert. Denn die SPD hat sich ja seit einigen Jahren von dem Gedanken ‚zum Wohle des Landes‘ verabschiedet.
„Demokraten dürfen die AfD niemals zum parlamentarischen Zünglein an der Waage machen" - genau, Kühnert. Das haben die die CDU-Demokraten in Thüringen getan. Bravo! Weiter so, Herr Vogt.

Urban Will | Sa., 16. September 2023 - 12:00

einer Niederlage und dem hiermit verbundenen Elend für viele Deutsche und der Frage, ob Deutschland hierdurch „befreit“ wurde, war zu erwarten. Das zeichnet diese Dame ja auch aus als Grüne.
Dass es auf Seiten von Links – Grün unterschiedliche Arten von Opfern gibt und die Opfer der russischen Besatzer nun halt mal mehr oder weniger nicht zählen, ist auch klar.
Frau Weidel hat sehr überzeugend argumentiert und mit keinem Wort die Bedeutung des Sieges über Deutschland angezweifelt. Auch hier zeigt sich wieder, dass eine Hohlsusel wie Paus ihr nicht mal in Ansätzen das Wasser reichen kann.
Was Thüringen angeht, kann man einfach nur den Kopf schütteln über so viel Infantilität und Dummheit auf Seiten von Links – Grün. Dieses Kasperletheater war eine Verhöhnung der Demokratie und der Wähler. Aber letztere werden's ihnen noch dicker zeigen, wer letztendlich das Sagen hat in einer Demokratie.
Die deutsche verkommt seit Jahren zu einer Moral – Muppet – Show. Es wird Zeit, dies zu ändern.

Peter Sommerhalder | Sa., 16. September 2023 - 12:07

versinkt zunehmend in Phrasen und herbeimoralisierter Komplexitätsverweigerung“

Dies ist in Deutschland wirklich äusserst ausgeprägt. Jeder einigermassen wache Geist sieht doch, dass die Ampel nur auf sich selber schaut. Die grosse Mehrheit der Bürger will die Ampel nicht und was macht Scholz: Er lobt die Ampel in den Himmel und warnt davor,, dass man die negativen Folgen der Ampelentscheidungen nicht sehen und schon gar nicht schlechtreden soll.

Was ist denn das für ein billiges/schäbiges, unerhörte Verhalten von Scholz...?

Wilfried Düring | Sa., 16. September 2023 - 12:07

JEDER Deutsche kann wirklich nur schämen und angewidert vom diesem Regime abwenden! In 'bester deutscher Tradition' der SA (1931-35) und/oder 'roter Arbeiterfäuste'’ haben gestern in Berlin gewalttätige Demonstraten versucht, einen Auftritt der Sängerin Anna Netrebko zu verhindern. Aus einem einzigen Grund: Netrebko ist Russin! Wir sollten uns erinnern: Die Shoa - der Versuch der fabrik-mäßigen organisierten Auslöschung des jüdischen Volkes - begann nicht mit Lagern, Mord und Deportation. Es begann damit, daß Filme nicht mehr gezeigt, Lieder nicht mehr gesungen, Bücher nicht mehr verkauft und vor allem Künstler nicht mehr auftreten durften, weil sie die falsche Rasse, den falschen Glauben, die falsche Staats-angehörigkeit, die falsche 'Haltung', den falschen Ehepartner hatten oder als 'entartet' eingestuft wurden! Entsprechendes galt für Ärzte, Juristen, Professoren, Dozenten, Lehrer usw.. Gestern zeigte in Berlin der Faschismus uns allen seine hässliche Fratze! Wer schützte Netrebko?

auch empfunden. Wir sind nicht mehr weit entfernt von der Bücherverbrennung und kauft nicht von dem und dem. Wir werden dem Naziregime immer ähnlicher. Während Frau Netrebko vom Publikum vor Ort sowohl in Frankfurt wie in Berlin (noch) mit Ovationen gefeiert wurde tobte draussen der Mop kreuziget sie (bildlich gesprochen).

Gegen Netrebko wurde nicht demonstriert, weil sie Russin ist - sie ist übrigens auch Österreicherin - sondern wegen ihrer Nähe zu Putin und einem ukrainischen Separatistenführer. Im März 2022 distanzierte sie sich in einer über ihren deutschen Anwalt verbreiteten Erklärung vom Krieg gegen die Ukraine. Die Prawda bezeichnete sie daraufhin als „schwache Frau“, die ihr „Wohlbefinden“ über ihre Nationalität gestellt habe. Im Westen hält man ihre Erklärung offensichtlich für unglaubwürdig - daher die grundsätzlich legitimen Proteste. Von gewaltsamen Ausschreitungen im Rahmen dieser Proteste ist mir nichts bekannt.
Dass Sie - zumal auf der Grundlage von Falschbehauptungen (über das Motiv der Proteste) - in diesem Zusammenhang Vergleiche mit der Judenverfolgung im Dritten Reich bzw. der Shoah aufstellen, ist einfach nur widerwärtig und abstoßend - eine unglaubliche Verharmlosung dieser Verbrechen!

Karl-Heinz Weiß | Sa., 16. September 2023 - 12:40

Die Reaktion von Frau Weidel im zitierten Interview weist auf ein weiterhin bestehendes deutsches Tabuthema hin. Alexander Mitscherlich konstatierte vor Jahrzehnten bei den Deutschen eine "Unfähigkeit zum Trauern". Richtigerweise müsste es "Unmöglichkeit zum Trauern" heißen, denn das individuelle Trauern ist weiterhin geächtet. Ironischerweise wird Frau Weidel ansonsten stereotyp als Russlandversteherin eingeordnet. Auf diesem Weg wird es nicht gelingen, die AfD zu halbieren.

Wilfried Düring | Sa., 16. September 2023 - 12:47

AfD-Chef Chrupalla nahm am im Mai am Empfang der russischen Botschaft zum 'Tag des Sieges' teil. Glaubt man den Wokisten, war das falsch. Chrupalla zeige damit, daß er ein 'diktatursozialisierter' Russen-Troll und 'Putin-Knecht' sei und den 'völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg' verharmlose. AfD-Chefin Weidel nahm am selben Empfang NICHT teil. Nun hören wir von den Wokisten - das war auch falsch. Weidel habe sich geweigert, 'die Befreiuung' zu feiern. Damit habe sie die Niederlage der Nazis bedauert und deren Millionen Opfer verhöhnt. Was lernen wir daraus? Was wollen uns die Wokisten sagen? - AfD-ler können sagen und nicht sagen, tun und lassen, was sie wollen. Falsch ist es IMMER! Und verboten werden, muß die Partei auf JEDEN Fall! Und das genau wird vorbereitet - Ziel des Regimes ist es, durch das Verbot der AfD, die Ergebnisse der Wahlen 2024 zu manipulieren. Denn eines ist SICHER: freie, gleiche und geheime (Landtags-) Wahlen im Osten - bedeuten: DAS ENDE dieses Regimes!

Gunther Freiherr von Künsberg | Sa., 16. September 2023 - 12:58

Zusammenarbeit ist eine Frage der Definition. Identisch abzustimmen ist keine Zusammenarbeit, was die Linken aber gerne so definieren. Unter Zusammenarbeit ist das gemeinsame entwickeln von Gesetzen, Strategien und andere politische Vorhaben zu verstehen. Dies ist mit der AFD nicht nur wegen des Parteiprogramms, sondern auch wegen deren Repräsentanten nicht angezeigt. Das hindert aber nicht zu identischer Zustimmung und /oder Ablehnung von Gesetzen. Es ist im Interesse nicht nur der Berliner Ampel sondern auch der linken Ampel-Parteien in den Ländern den Begriff Zusammenarbeit so weit wie möglich auszudehnen um konservative Abstimmungsmehrheiten zu verhindern. Dabei scheuen weder die SPD noch die Grünen Koalitionen mit den kommunistischen Linken, die von der Mitte weiter links entfernt sind als die AFD rechts der Mitte.

Wolfgang Tröbner | Sa., 16. September 2023 - 13:14

Sie bringen es auf den Punkt, lb. Herr Grau. Dass es um unsere "Debatten"-Kultur so schlecht bestellt ist, liegt vor allem an Grünen, Linken und Woken. Man schaue sich nur die unsäglichen Talkshows an, die hauptsächlich von diesem Personenkreis bevölkert werden. Da muss man immer wieder feststellen, dass deren "Argumente" durch keinerlei Sachkenntnis getrübt, dafür aber mit sehr viel "Moral" (neudeutsch: Haltung) angereichert sind. Wirkliche Debatten sollen so verhindert und schon im Keim erstickt werden. Und wie man leider auch immer wieder feststellen muss, diese Personen schrecken auch nicht vor ganz plumpen Lügen zurück, nur um sich bei derartigen "Debatten" durchzusetzen und die sogen. Deutungshoheit zu behalten. Zudem sind sie meist noch rotzfrech und dreist und versuchen, andere Meinungen auch akustisch zu unterbinden. So kann sich eine wirkliche Debatte überhaupt nicht erst entwickeln. Wie kann und soll man mit einem solchen Plebs überhaupt diskutieren?

Walter Bühler | Sa., 16. September 2023 - 13:30

Von Journalisten, von Politikern und von vielen "Prominenten" in unserer Gesellschaft (auch in der Wissenschaft!) wird der Mythos kultiviert, ALLES lasse sich in einfacher Sprache erfassen und für JEDES PROBLEM dieser Welt gebe es eine ENDGÜLTIGE Lösung, die man beim richtigen EXPERTEN, beim supergeilen GURU oder bei einer gottgleichen AUTORITÄT problemlos einsehen kann.

Dieser Mythos hat den großen Vorteil, dass er eigene Faulheit, Bequemlichkeit und Inkompetenz rechtfertigt. Menschen, die keine quadratische Gleichung lösen können, glauben heute trotzdem, dass Sie wüssten, was das richtige Klimamodell oder was "Künstliche Intelligenz" ist.
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Der gesunde Menschenverstand alter Art hat nie ganz vergessen, dass jeder sich irren kann, dass es immer ein Restrisiko gibt, und dass man gegenüber der Wahrheit einen gewissen Respekt behalten muss.

Heute begnügen sich viele mit dem Halbwissen, das sie von den Brüsten der "Experten" nuckeln, und lassen alle Vorsicht fahren.

Sancta simplicitas

Heidrun Schuppan | Sa., 16. September 2023 - 13:48

es bleibt wohl jedem Deutschen selbst überlassen, ob er den Sieg des Stalinismus mit der dazu gehörigen Besatzung der damaligen DDR (Lager der Nazis wurden praktischerweise für die Lager der Stasi-Schergen wieder verwendet) über die Nationalsozialisten als Sieg feiern möchte.

Albert Schultheis | Sa., 16. September 2023 - 13:57

Es ist keinesfalls so, dass "Populisten verfallen immer wieder auf die Idee, die Menschen vertrügen nur einfache Wahrheiten." Gerade die Populisten - die Menschen aus dem "Pöbel" - bilden die unverfälschte Wirklichkeit die vollständige Realität ab. Es sind die Parteien, die aufgrund von Simplizismus, Infantilisierung und Verblödung aus der komplexen, vielfältigen Wirklichkeit ein simplifiziertes, eingängiges Narrativ konstruieren, um es tausendmal zu wiederholen und es ihren Nachläufern einzubläuen. Man braucht den Menschen die Komplexität nicht zuzumuten, sie mutet sich ihnen von selbst zu - jeden Tag auf's Neu! In einer Demokratie muss man stattdessen den Parteien die Komplexität der Wirklichkeit zumuten! Allerdings wird man dabei feststellen müssen, dass viele herausragende Vertreter von Parteien dieser Komplexität in keinster Weise gewachsen sind. Spätestens dann müsste man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass man ggf. die falschen Leute gewählt hat. Aber ...

dass die AfD die komplexen Folgen eines EU-Austritts überschaut?
Oder ob vielleicht nur die bierzeltmäßige Stimmungsmache im Vordergrund steht? Haben Sprüche wie: "Die EU muss sterben, damit Europa (sprich Deutschland) leben kann" für Sie irgendeinen Gehalt?

Ist das nur Unterhaltung für Dumme oder ist die AfD dieser Komplexitöt etwa nicht gewachsen, hat sie das durchgerechnet?

Hans Jürgen Wienroth | Sa., 16. September 2023 - 14:19

Wie kann man in einer „infantilisierten Gesellschaft“ verständliche Antworten auf komplexe Sachverhalte erwarten? Da sind die einfachen, eingängigen populistischen Reden doch viel verständlicher. Könnte sich sonst die Story von den klimaneutralen erneuerbaren Energien so verbreiten, weiß doch jeder, der in Naturwissenschaften in der Schule aufgepasst hat, dass Energie nur gewandelt werden kann. Gleiches gilt für die Politik, wo uns einfache Lösungen angeboten werden. Dabei werden Informationen und Unterhaltung im ÖRR immer infantiler, bloß keine Anstrengung fürs Gehirn. Der Mensch soll sich nach der Arbeit erholen, nicht mit den verschiedenen Lösungsmöglichkeiten beschäftigen. Da ist es doch praktisch, wenn (fast) alle Parteien dasselbe wollen und die Bösen, die andere Lösungen vorschlagen, die grenzt man ganz einfach durch die „Nazi-Ecke“ aus. Das funktionierte doch bisher (bis Aiwanger) immer.

Ich sehe mir hin & wieder ein Fußballspiel an, habe Messi, Ronaldo, Toni Kros selbst Robben & Ribéry live gesehen. Kenne die Stadien in Barcelona, Madrid, Mailand, Dortmund, Schalke, München & Berlin weil ich mich nebenbei auch für die Architektur der Stadien interessiere schon aus beruflichem Interesse.. Aber ich bin auch der Meinung, dass im Fußball & beim Bauen, mindestens jeder zweite Fußballtrainer oder Baumeister ist.
Und da drängt sich die Geschichte Flick / Völler auf, und ein interessanter Artikel den ich dazu gelesen habe. wo? Ist mir entfallen. Jedenfalls war die Quintessenz, keine taktischen Varianten „ aus dem x ten P. G. Lehrbuch“ was kein Mensch versteht, sondern aus einer stabilen Abwehr heraus zu spielen und es hat anscheinend funktioniert.( ich habe das Spiel nicht gesehen.) und deswegen sage ich eben, oftmals sind die einfachen Lösungen die besseren, unkompliziert, schnell umsetzbar und meist kostengünstiger.
Das wiederum ist natürlich auch nicht immer so.
M fG

Markus Michaelis | Sa., 16. September 2023 - 14:56

Oft wird in Bezug auf die AfD gesagt, dass sie die Dinge gefährlich und falsch simplifiziert und einfache Antworten vorgaukelt. Ich sehe mehr, dass insgesamt in der Politik zu viel simplifiziert wird. Klimawandel hat z.B. in den Nachrichten und politischen Botschaften nur Gefahren und negative Auswirkungen. Für viele ist das wohl wirklich so, andere sehen die Gefahr, dass wenn die Botschaft nicht ganz klar ist, der "Normalbürger" unsicher werden könnte. Das gilt aber nicht nur für Klima, eigentlich alle großen Themen haben eher klare Botschaften und Standpunkte, weniger Infos und Fragen. Es gibt Ausnahmethemen, wie vielleicht Sterbehilfe, aber zu Europa, Migration, Religion, Minderheiten, alle möglichen Gerechtigkeitsthemen, Schulden, Demokratie, Corona und vielem mehr überwiegen meist die klaren Standpunkte, die mit Argumenten nur der einen Seite gegen Gegner zu verteidigen sind.

Das ist mehr eine Eigenschaft der Gesellschaft als nur der AfD.

... die sich nur im schnuckeligen Heim ihres ideologischen Netzwerks wohlfühlen, die basteln sich ihre simple und unkomplizierte Welt zurecht, in der alles ganz einfach und klar zu sein scheint. Die Probleme werden einem diábolos in die Schuhe geschoben, einem Teufel (in Menschengestalt), der sich weigert, ihre heile ideologische Idylle zu lobpreisen.

Ohne einen solchen Teufel würde diese Verspinnung der Realitätsverweigerer in sich selbst vermutlich nicht sehr lange funktionieren. Gerade deswegen sind paradoxerweise die Atheisten unter ihnen - im Zusammenhang mit der AfD! - so extrem auf den Teufelshass und den politischen Exorzismus fixiert. Ihr Hass trifft jeden, der nicht ihre Ideologie anbetet.

Fragt sich nur, wie lange solche Realitätsverweigerer in der Illusion von ihrer heilen Welt gefangen bleiben können.

Christoph Kuhlmann | Sa., 16. September 2023 - 16:09

der deutschen Politik ist durch das habermassche Diskursmodell geprägt. Es führt zu einer immer stärkeren Eingrenzung des Sagbaren. An den Fakultäten funktioniert das, in der Gesellschaft nicht. Ein theoretischer Überbau für die Art und Weise, wie politische Themen behandelt werden dürfen. Habermas unterstellt den gesellschaftlichen Akteuren Rationalität. Genau diese ist unserem Land längst abhandengekommen. Die moralisierten Kopfgeburten, die gewisse Kreise hysterisch vertreten, haben nichts mit dem Common Sense zu tun. Den Werten und ihrer Anwendung, denen eine Mehrheit der Gesellschaft ohne mediale Dauerpropaganda zustimmen würde, würde sie umfassend informiert. Zum Beispiel über die Kosten der Ideale. Mittlerweile scheitern die links - liberalen Konstrukte zunehmend an der Realität. Die Kreativität dieses Milieus ist natürlich durch zahlreiche moralische Scheren im Kopf und sonst wo stark eingeschränkt. Ich vermute, man wird in Zukunft die Hilflosigkeit dieser Gruppen bemerken.

Ernst-Günther Konrad | Sa., 16. September 2023 - 18:23

Ich kann Ihrem Artikel nur zustimmen und den meisten Foristen hier auch. Was mir auffällt ist die Tatsache, dass die FDP bei der ganzen Sache so gut bis lautlos dabei wegkommt. Immerhin haben doch ihre vier Stimmen den Ausschlag gegeben. UNION und AFD allein hätten nicht gereicht. Dann ist ja bei der FDP auch die Brandmauer gefallen oder haben die bislang keine gezogen? Immerhin ist die FDP ja in der Ampel und dennoch haben sie vernünftigerweise auch für die Senkung gestimmt. Warum wohl bleibt die FDP so unbehelligt bei der Sache?
@ Winfried Düring - sie haben völlig recht. Egal, wie sich die AFD positioniert, was sie sagt oder nicht sagt, aus allem wird versucht etwas gegen diese Partei zu konstruieren. Nur dreht sich der Wind derzeit und das nicht zuletzt nicht nur wegen der desaströsen Ampel Politik, sondern weil man glaubt, die AFD mittels solcher Aktionen, wie jetzt auch wieder gegen A. Weidel zu diffamieren. Doch der Bürger wacht auf. Er erkennt die Lüge und Beeinflussung.

Die Cathy | Sa., 16. September 2023 - 18:47

... nimmt zB ein schlichter Hohlkopf wie Kevin K. (womögl. ohne - Schul abschluss, Beruf sowieso, und Unibesuch Lichtjahre entfernt - ) irgendwelche Beurteilungen zum Wahlverhalten überwiegend schulabgeschlossener Bürger abzusondern..
Wie sagt Dieter N..: wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die.... halten.

Dorothee Sehrt-Irrek | So., 17. September 2023 - 09:49

Vertreter der kleinsten Fraktion im Thüringischen Landtag, zum Ministerpräsidenten gewählt wurde.
Es stellte m.E. die politische Gewichtung im Landtag auf den Kopf.
Dann war es anscheinend ruhig.
Jetzt aber hat doch Herr Brodkorb vlt. deutlich gemacht, dass die Linke in Thüringen ihre Politik als Minderheit durchzusetzen suchte, mithilfe der "Nötigung" der CDU.
Das ist nicht ganz so krass, wie der erste Vorfall, aber auch nicht viel besser?
Der m.E. demokratischere Vorgang wäre gewesen, wenn die Regierung in Gesprächen auf die CDU zugegangen wäre und einen Kompromiss erzielt hätte, der beiden die Würde beliess.
Das wäre auch ein gutes Zeichen gewesen für eine doch jedenfalls nicht auszuschliessende Zusammenarbeit einer ganz großen Koalition nach den nächsten Wahlen oder einer von den Linken geduldeten Minderheitenregierung, angeführt von der CDU.
Keine Ahnung, ob CDU/FDP/SPD und Grüne demnächst eine größere Koalition bilden können ohne Linke oder AfD.
Es wäre doch den Versuch wert?