Israelisches Militär am Kibbuz Baram / picture alliance

Ukraine, Israel, Bergkarabach - Eine neue Ära der Gewalt in den internationalen Beziehungen?

Es deutet sich ein von Gewalt geprägter Wandel in der globalen Sicherheitsarchitektur an. Nur eine wohlüberlegte Mischung aus Verteidigungsfähigkeit und Dialogbereitschaft wird den stürmischen Zeiten in den internationalen Beziehungen gerecht werden.

Autoreninfo

Botschafter a.D. Rüdiger Lüdeking war während seiner Zeit im Auswärtigen Dienst (1980-2018) in verschiedenen Verwendungen, u.a. als stv. Beauftragter der Bundesregierung für Abrüstung und Rüstungskontrolle und Botschafter bei der OSZE, mit Fragen der Sicherheits- und Rüstungskontrollpolitik intensiv befasst.

So erreichen Sie Rüdiger Lüdeking:

Der terroristische Angriff auf Israel und die unsäglichen Gräueltaten gegen wehrlose Zivilisten, die die Hamas dabei verübt hat, haben schockiert und verstört. Der Nahe Osten ist als Konfliktherd wieder in den Blickpunkt der westlichen Öffentlichkeit gerückt. Damit stellt sich nach dem Krieg in der Ukraine wie auch den vielen gewaltsamen Auseinandersetzungen in anderen Teilen der Welt die Frage: Stehen wir vor einer neuen Phase in den internationalen Beziehungen, die von Gewalt geprägt ist? 

Sicherlich: Es hat immer kriegerisch ausgetragene Konflikte in der jüngeren Vergangenheit gegeben. Man denke nur an Afghanistan, den Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea oder dem im Jemen. Das unsägliche Leid, das durch diese bewaffneten Konflikte ausgelöst wurde, ist zwar von den westlichen Gesellschaften wahrgenommen worden. Aber letztlich waren diese Konflikte nicht nur geographisch weit entfernt. Sie schienen allein regionale Ursachen zu haben, weshalb sie zwar menschliches Mitgefühl ausgelöst haben, sie betrafen uns jedoch nicht unmittelbar. 

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Tomas Poth | Mo., 16. Oktober 2023 - 16:12

Dieser Begriff allein ist schon Gegenstand und Hintergrund der Konflikte.
Es ist die nach WKII in erster Linie vom "Westen" (US-Nato), verstärkt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, gesetzte Ordnung, die zunehmend von vielen Staaten hinterfragt wird. Die BRICS Staaten rütteln derzeit sehr aktiv daran.
Wenn der "Westen" Konflikte befrieden will, dann muß er seine Hegemon-Politik aufgeben und an Lösungen einer neuen Weltordnung mitarbeiten, die in der Welt eine größere Zustimmung und Akzeptanz findet.
Alles andere führt nur zur Verstärkung alter Konflikte und der Schaffung neuer Konflikte.
Der "Westen" muß sich bewegen, allen voran die USA. Die EU muß sich aus den Klauen der USA befreien.

Dr. Herbert Schultz-Gora | Mo., 16. Oktober 2023 - 17:59

Antwort auf von Tomas Poth

Und Dank an Autor und Redaktion für die lesenswerte Ausbreitung des fachlichen Portfolios eines in Konfliktbewältigung erfahreren Diplomaten.

Gunther Freiherr von Künsberg | Mo., 16. Oktober 2023 - 17:59

zeichnete den kalten Krieg der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts aus. Mittlerweile muss Politik und Geschichte neu gedacht werden. Demokratische Staaten müssen sich zwangsläufig mit der Abwehr von Gewalt rüsten/befassen. Dagegen nutzen totalitäre Staaten regionale Besonderheiten aus um daraus kriegerische Gewalt ausbrechen zu lassen, indem sie entweder selbst Krieg führen oder zündeln um Kriege auszulösen. Dabei ist kein Mittel perfide genug wie z.B. der Missbrauch demokratischer Grundrechte wie Presse-Religion-und Meinungsfreiheit sowie das Demonstrationsrecht. Eine regelbasierte Weltordnung nutzt nur den Protagonisten, die eine solche anerkennen. Die Anerkennung solcher Rechte ist Diktatoren fremd. Nur wirtschaftliche Umstände sind geeignet Diktatoren in die Knie zu zwingen. Deshalb ist es geboten jegliche Unterstützung auch im humanitären Bereich zu unterlassen, weil humanitäre Leistungen indirekt Waffen finanzieren.

Henri Lassalle | Mo., 16. Oktober 2023 - 20:14

die Menschheit begleitet, sie ist wohl unausrottbar. Entscheidend für die Auslösung von Gewalt ist das Gefühl der eigenen Stärke. Montesquieu hat es deutlich zum Ausdruck gebracht: Wenn die Nationen sich stark fühlen, beginnen sie einen Krieg. Dafür gibt es viele Belege. Ein weiterer Anlass zur Gewalt ist ideologische, religieuse (Dreissigjähriger Krieg...) zurechtgelegte Legimitation. Deshalb werden Staaten mit autoritären Regierungen versuchen, ihre Stärke einzusetzen, um irgendwelche Konzeptionen zu verwirklichen. Die Hamas stellte Schwächen im israelischen Sicherheitssystem fest und griff an, ähnlich dachten vorher die Russen vor dem Angriff der Ukraine, indem sie an Schwächen des Westens gewohnt waren. Die inzwischen hochgerüsteten Nazis wiederum gingen von einer schwachen russischen Armee aus, weil die in Finland jämmerlich versagt hatte......

Christoph Kuhlmann | Di., 17. Oktober 2023 - 06:49

Am Ende gewaltsamer militärischer Konflikte, werden oft seitens der Siegermächte Regeln gesetzt, denen sie sich im Krieg nicht verpflichtet fühlten. Im Übrigen auch nach dem Krieg nicht. Die vier Alliierten des WK II sind das beste Beispiel dafür. Bleiben wir bei Russland. Der Krieg in der Ukraine läuft seit 2014. Ab 2022 ist es ein klassischer Raubkrieg, ohne das geringste Freigenblatt der Legitimation. Alles, was Russland beeindruckt, ist auf Gewalt basierende Macht. Was will der Autor also verhandeln? Die Ziele des russischen Neoimperialismus gehen weit über die Ukraine hinaus. Auf so kleiner Flamme wird dieser Konflikt nie wieder ausgetragen werden. Ich halte an der Meinung fest, dass es ein Fehler wäre, die bestehende Diktatur durch eine gesichtswahrende Lösung zu stabilisieren und halte die Position der Bundesregierung in Sachen Taurus für beschämend. Sie müssten spätestens mit den F 26 geliefert werden, und zwar ohne Auflagen. In Übereinstimmung mit dem Völkerrecht.

Armin Latell | Di., 17. Oktober 2023 - 08:11

wer sollte bei den westl. Falken zu „wohldosierter, vielschichtiger Politik“ willens oder überhaupt fähig sein? Die EU oder womöglich die dummländische Regierung auf keinen Fall, die sind pure Vasallen der vsa, die ausschließlich ureigene Interessen vertreten, und zwar mit der Methode „hau drauf und Schluss“. „Diplomatische Lösung scheint unerwünscht zu sein“-für die Kriegstreiber keine Option! „Gewalt als Mittel zur Durchsetzung von Interessen darf sich nicht auszahlen“-ebenfalls hehre Worte, wie ist oder war das bei Aserbaidschan vs. Armenien, vsa vs.Irak, vsa vs. Libyen, vsa vs. Afghanistan, vsa vs. Syrien? Die Katze lässt das Mausen nicht, da helfen keine noch so gute Worte.

Naumanna | Di., 17. Oktober 2023 - 10:27

Israel hat ein sehr kleines Land, gemessen an den arabischen Staaten im Umfeld. Dieses Land sollte den Israelis ohne wenn und aber gehören dürfen. Mit der ganzen Stadt Jerusalem. Dann ist der Konflikt beseitigt. Die sogenannten "Palästinenser" würden sich sofort in den Staat Israel integrieren - es gibt ja jetzt schon viele Moslems, die in Israel hohe Ämter bekleiden. Das Problem sind nur die Radikalen, die daran interessiert sind, Konflikte zu schüren. Wer sich nicht integrieren möchte, dem steht es ja frei, in eines der arabischen Länder auszuwandern. Haus- und Landbesitzer können ja angemessen entschädigt werden, so dass sie in einem arabischen Land neues Eigentum erwerben können. Aus meiner Sicht ist das die einzige praktikable Lösung.
Und was die Loslösung der EU von den USA betrifft, so dachte ich bis vor kurzem ähnlich - inzwischen muss ich aber sagen - vor allem nach dem Angriff auf Israel - , es ist gut, dass wir die NATO und die USA an unserer Seite haben zur Abschreckung ..

Naumanna | Di., 17. Oktober 2023 - 10:29

Nach meinen Informationen wollte Russland seinerzeit in die EU aufgenommen werden. Dann hätten wir keinen Ukrainekonflikt usw. - warum das damals nicht realisiert wurde, kann ich nicht verstehen. Jetzt ist es dafür natürlich wohl zu spät. Aber man weiß nie, wie sich Geschichte entwickelt.

Urban Will | Di., 17. Oktober 2023 - 13:16

Antwort auf von Naumanna

wollte, weiß ich nicht, aber der recht frisch amtierende Präsident Putin machte im Deutschen Bundestag im November 2001 Deutschland und Europa ein recht klares Angebot, was in Washington und wohl auch anderswo zahlreiche Kinnladen auf die Tischplatten knallen ließ.

Und was danach kam, wissen wir: massive Ausweitung der NATO gen Osten, Ignoranz der russischen Sicherheitsbedürfnisse, etc., auch die Aufnahme von EU- und NATO-Beitritt in die ukrainische Verfassung. (Man stelle sich vor, Mexiko würde per Verfassungsrang den Beitritt zu einem Militärbündnis mit Nordkorea, Russland, China und Iran verkünden und in diesem Zusammenhang die Stationierung von A-Waffen in Betracht ziehen. Wie lange würde Sam dem tatenlos zuschauen?)

Und was dann kam, wissen wir auch.

Was Putin nicht „freisprechen“ soll, was ich wiederum nur deshalb hinschreibe, weil einige Kasper hier im Forum einem auf solche Beiträge immer wieder vorhalten, man sei „Putinversteher“ oder gar "-Bewunderer" und all den Quatsch.

Albert Schultheis | Di., 17. Oktober 2023 - 10:36

einfältiger, geschichtsklitternder kann man über die besagten "bewaffneten Konflikte" nicht schreiben!
"Afghanistan, den Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea oder dem im Jemen. ... letztlich waren diese Konflikte nicht nur geographisch weit entfernt. Sie schienen allein regionale Ursachen zu haben, weshalb sie zwar menschliches Mitgefühl ausgelöst haben, sie betrafen uns jedoch nicht unmittelbar." - So kriegt man in einem Halbsatz sämtliche Verantwortung für die Schlachtereien und Gemetzel vom Hals! Dass die USA in Afghanistan einen weiteren Krieg aus der barbarischen Reihe der Domino-Theorie-Kriege geführt haben - gegen Russland! - schon vergessen? Und dass der Proxy-Krieg der USA und Deutschlands in der Ukraine nur dem gleichen Ungeist des Kalten Krieges Version 2.0 - der Habgier und verruchten Domino-Theorie - erwachsen ist, wird zwar felsenfest geleugnet, ist aber gleichermaßen nicht von der Hand zu weisen. Dito Yemen! Was juckt's uns, "wenn die Völker Asiens aufeinander schlagen?"

Urban Will | Di., 17. Oktober 2023 - 10:51

gute Aspekte enthält.
Vor allem zeigt der Autor Mut, auch die Mitverantwortung d USA/NATO beim Ukrainekrieg hier offen anzusprechen.
Es fehlte noch eines: wer Putin in Den Haag vorführen möchte, muss auch George W dorthin schicken.
Kriege sind Kriege, egal, wer sie beginnt.

Aber vieles hier ist hehres Wunschdenken.
Eines fehlt mir hier auch: das Ansprechen der negativen Wirkung von Selbstanmaßung und moralischer Überhöhung. Da gibt es die vom Westen immer noch gepflegte Mär, die ganze Welt müsse „demokratisch“ in seinem Sinne sein.
Offensichtlich denken viele Erdenbürger anders.
Da gibt es – noch ein Beispiel - eine Hamas, sinnbildlich für den politischen Steinzeitislam, der postuliert, andere umbringen zu dürfen, um seine Ziele zu erreichen.

Ohne Hirn und Verstand wird die Welt keine bessere werden, da hilft es auch nicht, mehr Waffen zu produzieren, um irgendwelche „Fähigkeiten“ zu stärken.
Und Verstand wird nur in den Köpfen der Menschen produziert.
Toleranz ist die beste Medizin.