Trümmelfeld nach einem Luftangriff auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa im Jahr 2019: „Schlimmste menschengemachte Katastrophe der Gegenwart“ / dpa

Krieg im Jemen - „Die Saudis wissen nicht, wie sie diesen Krieg beenden sollen“

Unter Beteiligung Saudi-Arabiens und des Iran herrscht seit sieben Jahren Krieg im Jemen. Die Nothilfe der Vereinten Nationen spricht von der „schlimmsten menschengemachten Katastrophe der Gegenwart“. In Deutschland wird von dem Konflikt aber kaum Notiz genommen. Im Gespräch erklärt der Islamwissenschaftler Guido Steinberg, warum der Iran kein Interesse an Frieden hat, warum große Teile der Bevölkerung hungern und weshalb eine Flucht nach Europa für einen Jemeniten nahezu unmöglich ist.

Autoreninfo

Ben Krischke ist Redakteur bei Cicero. Er studierte Journalistik und lebt in München.

So erreichen Sie Ben Krischke:

Guido Steinberg ist promovierter Islamwissenschaftler, Autor und Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Steinberg gilt als einer der führenden Nahost-Forscher in Deutschland. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Krieg am Golf. Wie der Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien die Weltsicherheit bedroht“.

Herr Steinberg, seit 2015 herrscht im Jemen Krieg. Die Nothilfe der Vereinten Nationen spricht gar von der „schlimmsten menschengemachten Katastrophe der Gegenwart“. Warum scheinen wir von diesem Konflikt in unseren Breitengraden kaum Notiz zu nehmen?

Mir scheint, dass in Deutschland die Wahrnehmung all dessen, was im Nahen Osten vor sich geht, sowieso sehr schwach ausgeprägt ist. Das ist etwas anders in Frankreich oder in Großbritannien, weil es dort eine gewachsene Tradition des Interesses für diese Region gibt. Deutschland dagegen hat sich in den letzten Jahrzehnten in der weltpolitischen Provinz eingerichtet. Mich hat zum Beispiel insgesamt erschrocken in den vergangenen zwei Jahren, wie wenig Interesse in Deutschland an der Welt insgesamt geherrscht hat. Es gibt nur bestimmte Länder des Nahen Ostens, die bei uns Interesse wecken. Israel zum Beispiel. Und die Türkei, wenn man sie zum Nahen Osten zählen will, was ich zumindest teilweise tue. Dass der Jemen-Krieg auch noch in der Peripherie des Nahen Ostens stattfindet, scheint es zusätzlich zu erschweren, dass dieser Konflikt in unser Bewusstsein vordringt. Da ist der Jemen in der Wahrnehmung wohl auf einer Stufe mit Somalia.

Cicero Plus weiterlesen

  • i
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
Karl-Heinz Weiß | Sa, 16. April 2022 - 16:04

Gut aufbereitete Informationen über eine weitgehend vergessene Region. Und in Deutschland war man 2015 der Meinung, durch die Willkommenskultur alle Probleme zu lösen. Auch eine Teilstaatenlösung verspricht keine dauerhafte Befriedung-keine guten Aussichten für eine Beendigung des Ukraine-Kriegs. Einzig in Zypern klappt es-dank der UN und das seit fast 50 Jahren.

Bernhard Homa | Sa, 16. April 2022 - 16:45

- Katar sei "prowestlich, bedroht seine Nachbarn nicht", mit anderen Worten: eine antiaufgeklärte Diktatur, aber Hauptsache "auf unserer Seite" – opportunistische Heuchelei in Reinkultur. Im Übrigen gibt es mehr als genug Belege für die Unterstützung islamistischer Bewegungen durch Katar – so viel zu "keine Bedrohung"
- "international anerkannte Regierung um Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi": ja, anerkannt von der Saudi-Koalition und ihren willfährigen westlichen Unterstützern, geflohen aus dem Land und als saudische Marionette eben dort residierend
Ansonsten tänzelt Her Steinberg hübsch darum herum, dass die Hungerkrise ganz überwiegend durch die saudische Blockade und Bombardierungen verursacht wurde und wird – das sind lupenreine Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen. Aber sowas ist natürlich bei "prowestlichen" Staaten völlig ok, gell?

Albert Schultheis | Sa, 16. April 2022 - 22:59

dass Sie sich des himmelschreienden Themas des Kriegs im Jemen annehmen. Während wir hier Gerechtigkeit für die Ukraine fordern und nach schweren Waffen schreien, um den Krieg in der Ukraine nur noch weiter anzuheizen, vollzieht sich im Jemen ein viel, viel schlimmeres Verbrechen - ohne dasss wir davon überhaupt Notiz nehmen. Und diesen Krieg führen im Wesentlichen unsere ziemlich besten Freunde in den USA und in Saudi Arabien. Aber uns ist wichtig, dass Putin als der neue Hitler, als der Wahnsinnige im Kreml porträtiert wird. Wir haben es wieder einmal geschafft, uns auf die Sonnenseite der Moral zu stellen. Frohe Ostern!

Und ja, Danke lieber Cicero & all fleißigen Helfern,

das IHR all jenen eine Stimme & ein Gesicht gibt, die auf der großen Theaterbühne der Welt & ihrer Dirigenten wie Crew so gut wie gar nicht vorkommen & oder absichtlich aus egoistischen, manipulistischen Gründen seh-und gehörlos ausrangiert wurden.

Danke für die Auferstehung des begießend von Liebe, Demut & des Betrachten

Frohe, gesegnete Ostern euch allen :-))

Da kritisiert man den Schröder, macht ihn zur Unperson, weil er Gas-Deals mit unseren östlichen Nachbarn eingefädelt hat - sicherlich keine lupenreine Demokratie, so wie wir uns die gerne vorstellen, aber selber unfähig sind, sie einzurichten! - mit Putin, dem Schlächter und Kriegsverbrecher. Gleichzeitig fährt der Grüne Habeck zu den Saudis und macht seinen Kotau (ist ja ein netter, wohlerzogener Bengel, der Habeck) vor dem Scheich, dem Schlächter und Kriegsverbrecher, und bettelt ihn um ein bisschen Gas an. Grüne Verlogenheit gepaart mit Grüner Dummheit.
Trotzdem: Ihnen allen, liebe Ciceronen und Leser, ein gesegnetes Osterfest!

Ernst-Günther Konrad | So, 17. April 2022 - 11:34

Warum? Weil er jetzt um Gas bettelt, das man von Russland jetzt nicht will? Warum hat man nicht schon vorher mit Katar Verträge geschlossen und N2 erst gar nicht bauen lassen? Richtig. Katar ist eine üble Diktatur, die ihr eigenes Volk unterdrückt und gegen alle "westlichen" Werte, einschließlich Frauenrechte und die gehypten LGBTQI+ Bewegung bekämpft bzw. erst gar nicht zulässt? Was hat man sich das Maul zerrissen wegen Sklavenarbeit für die Stadien der WM. Die sollen pro-westlich sein? Die Nutzen einfach nur die Situation aus und festigen mit westlichem Geld ihre eigenen Interessen und tun das eben nicht, weil sie so pro-westlich sind.
@ Bernd Homma - Sie haben mit allem recht was die da schreiben. Auch diese Tatsachen werden von den grünen nicht erkannt. Wie auch. Keine Bildung, nur Ideologie und jetzt in Regierungsverantwortung werden deren moralische Werte Dröppche for Dröppche, nein nicht Hollands Coffee Milk, sondern zerbröselt. Wieder ein Beweis mehr, wie verkommen GRÜNE sind

und in Bezug auf die Grünen kann man inzwischen behaupten sie sind die größte Mogelpackung die uns je untergejubelt wurde. Von der "Friedenspartei" zu bedingungslosen, im Geiste treuen Goebbelsjüngern zu mutieren das muss man erst hinbekommen.

Joachim Kopic | So, 17. April 2022 - 14:57

... es gibt nur den EINEN wahren Krieg und der herrscht in der Ukraine (täglich via "Selenskyj-Kanal präsentiert) ... alle anderen Auseinandersetzungen sind doch keine Kriege, da soll man sich mal nicht so haben...
Ironie zu Ostern