US-Truppenabzug - Selbst schuld

Die Entscheidung des US-Präsidenten, 12.000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen, ist ein hässliches, engstirniges Signal. Doch Schuld an der Misere trägt auch die deutsche Gesellschaft.

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Ein Transportflugzeug von Typ C-5 Galaxy startet vom US-Militärflughafen in Spangdahlem / dpa

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Militär ist keine Wirtschaftsförderung. Das vergisst man in Deutschland allzu gerne. Militärische Stationierungen haben aus militärischen Erwägungen heraus zu erfolgen, auch aus politischen, nicht aus wirtschaftlichen – zumindest nicht in erster Linie. Dass, zumal in Deutschland, militärische Einrichtungen häufig in strukturschwachen Gebieten liegen, hat historische und eben militärische Gründe.

Der frakionsübergreifene Aufschrei über die angekündigte Truppenverlegung der US-Armee aus Standorten in Rheinland-Pfalz und Bayern ist daher aus lokalpolitischer Sicht zwar verständlich, darf aber nicht der Maßstab sein. Doch hierzulande macht sich selbst die Bundespolitik diese Perspektive zu eigen. Weltpolitik betreibt man hier gern mit der Brille des Lokalpolitikers auf der Nase. 

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Christian van der Ploeg | Sa, 1. August 2020 - 09:01

Wie Herr Grau völlig richtig schreibt gibt es logische militärische Überlegungen dazu, und sicher spielt Trumps Ego auch eine Rolle. Aber:
Wer seit Jahrzehnten das Minimum von 2% nicht bereit ist in seine Verteidigung zu stecken, 24/7 auf allen Medien und in der Politik ein teilweise unerträgliches Trump—Bashing (immerhin der gewählte Präsident unseres wichtigsten Verbündeten) betreibt, den US-Botschafter wie einen Aussätzigen behandelt, keine Feierlichkeiten zum Jubiläum der Berliner Luftbrücke bereitstellt, das eigene Militär mit völlig unfähigen Quotenministerinnen vor die Wand fährt, braucht sich über fehlendes Interesse unsere Verbündeten nicht zu wundern.

Christa Wallau | Sa, 1. August 2020 - 09:08

bequem gemacht haben, ist an Vielem schuld, was bei uns falsch läuft! Darauf geht eben auch der elende Zustand der Bundeswehr zurück. Schon vor der Aussetzung der Wehrpflicht gab es keine breite Akzeptanz (von Achtung gar nicht zu reden!)für unsere Soldaten, welche die wichtige Aufgabe der Außenverteidigung übernehmen. Seit es nur noch eine Freiwilligen-Armee gibt, ist der Kontakt zur Bevölkerung ganz abgerissen.
Und da will man sich wundern, daß sich in der Truppe ein eigenes, radikales Denken entwickelt? Wer geht denn wohl noch zu einer gesellschaftlich kaum geachteten Institution, die ihm tägliche Härte u. im Ernstfall den Einsatz seines Lebens abverlangt, wenn er nicht gleichzeitig dort eine Nische findet, in der er seine speziellen Phantasien ausleben kann? Im Grunde handelt es sich um eine
Söldnermentalität.
Aber -wie bei so vielem anderen- was kümmert das den trägen u. feigen Otto-Normal-Deutschen?
Er hat ja s e i n e Wohlfühl-Nischen u. läßt Merkel eine gute Frau sein!

Christoph Kuhlmann | Sa, 1. August 2020 - 09:43

mit Frankreich gleichauf. Das in den letzten Jahrzehnten Beschaffungskosten zu niedrig angesetzt wurden, zu wenig Ersatzteile bestellt wurden und deshalb viele Waffen nicht einsatzfähig waren und teilweise immer noch sind stimmt zwar, aber wenn man eine europäische Rüstungsindustrie will, müssen erstmal wieder die Strukturen bei den Lieferanten geschaffen werden um überhaupt eine steigende Nachfrage bedienen zu können. Facharbeiter wachsen nicht auf Bäumen und lassen sich auch nicht Jahrzehnte auf Eis legen. Soll heißen, die "Friedensdividende", die man zu Zeiten der Wiedervereinigung am Wehretat einsparte ist kaum der Rede Wert, bedenkt man die Folgekosten in den Jahrzehnten danach. Ein langsames aber stetiges Hochfahren der Rüstung ist mit Sicherheit die wirtschaftlichste Lösung. Im Hauruckverfahren treibt man die Preise hoch. Wenn allerdings warme Unterwäsche für Natomanöver in Norwegen fehlt, fragt man sich wirklich ob alles jahrelang ausgeschrieben werden muss.

Andre Möller | Sa, 1. August 2020 - 09:53

Nicht nur die Bundeswehr ist ein Schatten ihrer selbst, Deutschland ist ebenso ein Schatten seiner selbst! Und große Teile insbesondere Westeuropas dazu. Denk ich an Deutschland in der Nacht.... nur im Gegensatz zu Heinrich Heine mit umgekehrtem Vorzeichen. damals zu viel preußischer Militarismus, aber heute? An den Aufgaben und Merkmalen eines Staates hat sich nichts geändert: Er muss u. a. seine Grenzen und die Bevölkerung glaubhaft schützen können, sonst ist er keiner.

Dominik Roth | Sa, 1. August 2020 - 09:58

Ein Land, das seit Jahren den Posten des Verteidigungsministers mit dafür weitgehend unqualifizierten Personen besetzt, in dem das Militär keine gesellschaftliche Rolle spielt, das gerne und oft auf die Amerikaner schimpft, aber sich im Krisenfall von ihnen abhängig macht mit einer Erwartungshaltung, als sei es eine Selbstverständlichkeit, das muss mal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

Solange Konsens ist, dass es immer nur um Verteidigung, niemals um Angriff gehen darf, muss eine Armee in der Gesellschaft ein hohes Ansehen genießen. Wer, wenn es hart auf hart kommt bereit ist, sein Leben zu geben, verdient den höchsten Respekt. Und es ist auch nichts falsch daran ein wenig stolz auf das eigene Militär zu sein.
Das Gegenteil ist leider der Fall.

Klaus Decker | Sa, 1. August 2020 - 10:26

Der Hass der meinungsbildenden Milieus auf Amerika
(USA!) hat sich unter Trump in einem Maße gesteigert, der in der völlig irrationalen Frage kulmuniert, ob die USA noch eine befreundete Macht seien. Zumindest aus der linken Ecke wird "ceterum censeo" der Abzug der Amerikaner (Atomwaffen!)zu einem Dauerbrenner. Und nun:
Ungeheuerlich, es kommt zum Teilabzug!
Da Taucht natürlich sofort der altbekannte Gedanke aus der Mottenkiste auf: Wir Europäer schaffen das schon alleine, wenn wir nur wollen.
Zumindest, was Deutschland betrifft, ist die Antwort: Unsere Gesellschaft will nicht und unsere
Politik kann nicht. Wozu auch, wir sind doch von Freunden umgeben! Wie aus einer solchen pazifistischen Grundhaltung eine europäische Armee mit der völlig anderen Militärdoktrin der Franzosen werden soll, bleibt das Geheimnis der
politischen Vordenker!

Heidemarie Heim | Sa, 1. August 2020 - 10:40

Vielen Dank lieber Herr Dr.Grau! Sie haben wie immer punktgenau getroffen! Auch wenn es mir aus persönlichen Gründen weh tut! Die Geschichte meiner Familie war immer eng verbunden mit den Stationierungsstreitkräften und wir hatten immer wie man sagt einen Soldaten in der Familie.Mit meinem Papa, der nach der Heirat 1950 auf der "Vogelweh" bei Kaiserslautern bei den Amis Arbeit fand und später als Feuerwehrmann auf einem BW-Stützpunkt arbeitete, bis zu meinem eigenen Ehemann, der nach 4 Jahren BW in Mons/NATO HDQ sein gesamtes Berufsleben auf Stützpunkten der US Army und der US Air Force, zuletzt Spangdahlem verbrachte. Über 40 Jahre Eheleben;) an der Seite unserer "Schutzmacht" mit Erdnussbutter und strawberry-ice vom Vater mitgebracht, bis zur Abschiedsurkunde für meinen Ehegatten mit Autogramm des jetzigen US-Präsidenten, der es auf die längste Zugehörigkeit inklusive amerikanischer Kollegen in seiner Organisation brachte.Da sieht und vor allem fühlt man so einiges anders! MfG

gabriele bondzio | Sa, 1. August 2020 - 10:49

Einerseits werden die Stationierten Truppen immer noch als Besatzung ( “Ami go home”) empfunden. Andererseits ist es nun geradezu eine Unverschämtheit, die Truppen abzuziehen.
Es hat eben alles seine zwei Seiten, was selbst in der Politik immer wider aus dem Blickfeld gerät.
Und jetzt wird hier plötzlich nicht nur die „Freundschaft“ beschworen, man konstruiert alle möglichen militärischen Störfälle im Verteidigungsbündnis. Auch unter dem Motto:“Lachender Dritter sei der russische Präsident Wladimir Putin“, gestänkert. Wobei ja schon bei Verlegung betroffener US-Einheiten in den Baltikum oder in Polen, der Widerspruch in dieser Annahme sichtbar wird.

Joachim Kopic | Sa, 1. August 2020 - 10:58

Wer einen demokratisch* gewählten Politiker dermaßen verunglimpft (...egal, was man von ihm hält...), der braucht sich (gerade aus diesem Grund!) nicht zu wundern - da hätte Merkel auch nicht anders reagiert (sie allerdings mit weniger "Gepolter").
*) was da alles an Schimpf-Tiraden v.a. aus dem links-grünen Lager geäußert wurde... ; nebenbei bemerkt: Gerade all die Kritisierer sollten über ihr eigenes Verhalten zu "demokratisch gewählt" nochmals nachdenken (Thüringen...)!

Helmut Bachmann | Sa, 1. August 2020 - 11:05

Es gibt kein "Wir" mehr. Sogar dazu gibt es ein pathologisches Verhältnis. Ein Wir das geschützt werden sollte, welchem ein Lebensrecht zugestanden wird, weil es jedem Einzelnen das Recht auf die eigene Art zu leben sichert. Die Naivität der großkotzigen "Friedenshüter", Weltretter und Deutschlandhasser kennt hierbei keine Grenze.

Hans Jürgen Wienroth | Sa, 1. August 2020 - 11:07

Es ist ja nicht nur die Bundeswehr, deren (politische und mediale) Vernachlässigung zur Gefahr für unser Land wird, das gilt für alle „Ordnungskräfte“ in unserem Land. Die Abneigung gegen jede Art der Gewalt, auch zum Schutz der bereits seit langem überflüssigen „Nation“ und dessen Bürger, der glorifizierte Pazifismus haben in unserem Land um sich gegriffen. Ein sicheres Land, in dem die Gewalt ständig abnimmt (wenn man den amtl. Statistiken glauben darf), in dem die einzige Gefahr von alten Nationalisten ausgeht, in dem nur Menschen leben, die das „Soziale“ über den eigenen Vorteil stellen, trägt gerne viel Geld zugunsten der Armen in der Welt bei.
Der Abzug der so ungeliebten ehem. Besatzungsmacht USA stört doch nur, weil uns dadurch Geld verloren geht. Wozu brauchen wir Verteidigung, wenn wir doch nur von Freunden umgeben sind? Nur von Russland droht der EU offenbar Gefahr. Die Verteidigung der Außengrenzen überlassen wir anderen, genauso wie die Flüchtlingsaufnahme.

Romuald Veselic | Sa, 1. August 2020 - 11:47

Deutschland m. seiner Sonderstellung u. ewigem Alibi v. 1933 - 45, gewissermaßen nervt Leute, die östlich v. D. leben, und haben widerläufige Erfahrung mit Amerikanern/Russen, die für die D-Besserwisser-Allesretter mental einfach nicht kompatibel ist. Die "gleiche" Einstellung, die D gg. die USA hat, ist in PL gg. Russland empfunden + x.
D-Meinungsdeuter sollten sich damit empfinden, dass die PL-s, nie so denken-/werden wie die D-s, von denen sich die Polen in allen Aspekten bevormundet u. belehrt fühlen, bis es unerträglich wird.
Es gab Drohungen der "Buonisti tedeschi", dass Polen deshalb kein EU Geld kriegen soll, da die PL-Regierung sich nicht an EU-Politnormen hielt.
Was war die PL-Antwort? Dann kommen wir nach D u. holen uns, was wir brauchen. Und ihr D, könnt nichts dagegen tun. Ihr seid so wehrhaft, wie eine Hippie-Kolonie.
In PL freuen sich darüber, dass die Amis dorthin verlegt werden. D muss sich damit abfinden, dass die D-Gutnormen, anderswo abgelehnt werden.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 1. August 2020 - 12:11

Eine Gesellschaft, die es zulässt, ja gar selbst verlangt und fördert, dass unsere Sicherheitsorgane und wesentliche Teile der Behördenadministration überlastet, kaputt gespart und ideologische unterwandert wird, bekommt genau das, was sie mit den Wahlen bestellt hat. Ja, Trumps Entscheidung mag im ersten Moment emotional sein, auch ein Zeichen von falsch verstandenem Machtgehabe, aber sie ist auch richtig. Dabei geht es nicht nur um die 2%, es geht auch um die mangelnde, teils feindselige Haltung der linksgrünen Ideologen und die Sprachlosigkeit der Regierung. Merkel hat auch diesen Teil deutscher Politik mit Vollgas gegen die Wand gefahren. Wenn selbst die Regierungsparteien nichts tun gegen die Aushöhlung des Staates, ist sie Teil der Staatszerstörung. Ich schrieb schon sehr oft, wir Deutschen lernen nur über den Schmerz, weil der gesunde Menschenverstand aberzogen wurde. Mit den Feiglingen Habeck, Hofreiter, Rixinger und wie sie alle heißen, ist im Ernstfall nichts anzufangen.

ursula keuck | Sa, 1. August 2020 - 12:31

Weil Deutschland nur Freunde und keine Feinde hat (?) hob Merkel die Wehrpflicht auf und lehnte den Einsatz militärischer Mittel ab.
Demzufolge haben sich die meisten Deutschen - insbesondere in den meinungsbildenden linksgrünen Milieus - vom militärischen Ansehen und Denken entfernt und zeigt eindeutig, den würdelosen Umgang mit der Armee in den letzten Jahren
Im Notfall werden es die bei uns stationierten amerikanischen Soldaten schon richten. Das wird sich jetzt ändern und der Aufschrei ist parteiübergreifend Allerorts gewaltig in Bereich Wirtschaft u. Sicherheit.

JR | Sa, 1. August 2020 - 13:54

Trotz “Entkernung” der Bundeswehr ist der Verteidigungshaushalt gestiegen; im Cicero-Artikel vom 31.07.2020 über die Europäisierung der Verteidigung ist ausgeführt, dass der Verteidigungshaushalt auf 45,2 Milliarden Euro im Jahre 2020 gestiegen sei.
Bei diesem gewaltigen Betrag ist die Bundeswehr, was immer wieder zu lesen ist, trotzdem zumindest in Teilbereichen - oder sogar in allen? - nicht funktionsfähig. So dass ich mich frage:
1. Wofür wird das Geld eigentlich verwendet?
2. Ist die Bundeswehr überhaupt trotz dieses dicken Batzens in der Lage, unser Land zu verteidigen und wenn nicht: muss dann nicht
3. noch mehr Geld der Bundeswehr für die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes zur Verfügung gestellt werden? Wenn man hierzu nicht bereit ist sollte dann nicht besser
4. die Bundeswehr aufgelöst werden? So ließe sich viel Geld sparen. Allerdings auf die Gefahr hin, dass unser Land problemlos überrollbar ist?

Fritz Elvers | Sa, 1. August 2020 - 15:14

Vereinfacht gesagt: Rußland hatte dem Westen die Hand gereicht, sie wurde ausgeschlagen. Nato-Osterweiterung, Raketenschutzschirm etc., also Erzeugung von Unsicherheit in Rußland. Den Ausverkauf russischer Bodenschätze hätte man mit Jelzin beliebig weitertreiben können, nicht jedoch mit Putin.Mit dem Versuch von EU-Armateuren, die Ukraine aus der Zollunion herauszulösen, war das Ende der Fahnenstange erreicht. Es gehört zu den heiligsten Aufgaben einer russischen Regierung, das Land zu verteidigen.
Und eine antimilitaristisch eingestellte deutsche Gesellschaft hat nicht nur mit Bequemlichkeit und Feigheit zu tun. Wir brauchen Sicherheitspolitik, keine lukrative Unsicherheitspolitik.

Die Stationierung der US Streikräfte in Polen vestößt wohl auch gegen Verträge aus den 90igern. Aber wen interessiert das noch? Eine Bestrafung wegen der absurden 2% BIP ist ohnehin Quatsch, sollen die Zielscheiben doch nach Polen, zur Bewachung der Radaranlagen, angeblich gegen den Iran.

Jürgen Keil | Sa, 1. August 2020 - 15:40

Ich kann den Aussagen Ihrer Kolumne folgen. Die Verteidigungs- und Außenpolitik der Bundesregierung gibt mir immer mehr Rätsel auf. Eine gemeinsame Verteidigungsmacht der EU gibt es noch nicht, militärisch hat sich die Bundeswehr aber zu einen Tiger im Dauerlazarettaufenthalt entwickelt. Immerhin haben wir so viel Mut, denen die uns verteidigen könnten ständig zu sagen wie sie sich zu verhalten hätten. Wir sind voller Sorge über China und Rußland, aber die Aufmerksamkeit der verantwortlichen Ministerinnen galt und gilt Schwangerenuniformen und Rechtsextremismus und Rassismus in der Bundeswehr. Unser Außenminister hat offenbar bessere Beziehungen zu seinen Maßschneider als zum amerikanischen Außenminister. Ich empfinde eine zunehmende Unsicherheit, wenn ich an die
Verteidigungsfähigkeit meines Landes denke.

Gerhard Schwedes | Sa, 1. August 2020 - 16:38

Ein mutiger und wahrhaftiger Artikel. Ich möchte nur eine Überlegung hinzufügen, lieber Herr Grau. Die Kanzlerin hat es gegen alle Widerstände und politische Logik durchgezogen, die Grenzen gegenüber dem Ansturm von Migranten offenzuhalten. Man erinnere sich nur an ihre Wortwahl gegenüber einer möglichen Abwehr dieses bizarren Ansturms: " ... dann ist dies nicht mehr mein Land!" Mit diesem Ausspruch wollte sie ihren Humanismus demonstrieren. Hätte sie sich gegen den Abbau der Bundeswehr wenden wollen, sie hätte es, sturköpfig wie sie ist, ebenfalls getan. Deshalb lässt es sich nicht davon sprechen, dass es nicht allein die Schuld der Regierung sei, wenn die Amis den Hut nähmen. Die Kanzlerin macht, was sie will. Und sie wusste sehr wohl, dass sie mit der Verschluderung der Bundeswehr ganz im Sinne der Grünen und Linken handelt, deren Wohlwollen sie sich langfristig sichern wollte. Die Kanzlerin ist halt eine Linke, die sich im Pelz einer ehemals konservativen Partei festgesetzt hat.

Jost Bender | Sa, 1. August 2020 - 17:19

natürl. hat Alexander Grau Recht, wenn er die schizophrene Mentalität im Lande thematisiert: In unseren weltpol. Debatten überheben wir uns gerne damit, zwar die moralischen Standards setzen zu wollen, zugleich aber wollen wir mit Militär & ld. auch mit Rüstungstechnologie - nichts mehr zu tun haben. Das ist so paradox wie gefährlich.
Bei dem Abzug der Amerikaner aber geht es um etwas ganz Anderes:
1. Trump verwechselt absichtl. Nato-Beiträge mit Wehretat - & unsere Öffentlk. folgt ihm da auch noch. Tats. schulden wir d. NATO gar nichts, & zahlen inzw. genauso viel a.d. NATO wie die USA (und viel mehr als Frankreich & alle anderen)!
2. Ist das Gerede vom Sich-Selber-Verteidigen-Können eine unsachl. Blendgranade:
Denn tats. haben wir uns mit der Ratifizierung d. Atomwaffensperrvertr. vom atom. Schutz der Amerikaner abhängig gemacht (u.a.). Trump nutzt die Abhängigkeit jetzt als (u.a. wirtschaftl.) Erpressungsmittel.
Er ändert die US-Rolle v.d. Schutzmacht z. Schutzgeldeintreiber

Manfred Sonntag | Sa, 1. August 2020 - 17:47

Ein sehr ausgewogener Beitrag zu diesem brisanten Thema. Was haben denn unsere "Eliten" in Politik und Medien nicht alles unternommen um Trump und die USA übelst zu diffamieren. Frau Merkel und ihr Establishment haben vergessen wem wir die Freiheit verdanken. Es sollte sich jetzt jeder selbst fragen ob er nach diesen Tiraden noch gut Freund sein könnte. Dieser Hass und diese Hetze wird aber nicht nur gegen Amerika sondern auch im Inland zur Perfektion getrieben. Sie haben keinen Plan, diese Neulinken unter Führung von Merkel. Mit dem werfen von Gendersternchen und mit identitätspolitischen Gesprächskreisen sind weder Deutschland noch Europa zu schützen. Sie geben vor, zu wissen welche Uhrzeit das Klima kippt, aber den wichtigsten Verbündeten stößt man vor den Kopf und will es nicht einmal bemerkt haben. Genauso wie vor der Flüchtlingskrise 2015. Angela Merkel gab sich damals erstaunt über die dramatische Lage der syrischen Flüchtlinge im Nahen Osten. Und heute - wieder STAUNEN!

Dr. Hermann-Josef Stirken | So, 2. August 2020 - 06:35

Eine gute differenzierende Betrachtung, die es in ihrer Analyse auf den Punkt bringt. Die Amerikaner haben zusätzlich eine zweite Verteidigungsfront zu beachten: Die pazifische Seite ihres Landes, wo sich gerade die Chinesen aufmachen, ihre Nachbarn und Amerika herauszufordern. Es ist wahrscheinlich so , dass Trump cholerisch ist, aber diese Entscheidung basiert auf Überlegungen und erscheint logisch.

Klaus-Peter Götze | So, 2. August 2020 - 17:45

Chapeau! Besser kann man es nicht formulieren.

Dr. Hermann-Josef Stirken | So, 2. August 2020 - 20:42

Sehr schön differenzierender Kommentar und zutreffende Analyse. Das Lesen war wohltuend. Die Amerikaner haben eine zweite Front am Pazifik zu beachten , an der sich ein immer aggressiver operierendes China herausfordernd seinen Nachbarn präsentiert. Bei allem Cholerischen Agieren Trumps basieren die Entscheidungen Amerikas in diesem Fall auf sachlichen Entscheidungen, wie auch in dem Artikel festgestellt wird