Fernsehmoderatorin Maybrit Illner fühlt sich sichtlich unwohl, wenn sie Wirtschaftsminister Robert Habeck unangenehme Fragen stellen muss. CDU-Chef Friedrich Merz hält sich zurück / ZDF/Jule Roehr

TV-Duell bei Maybrit Illner - Merz gegen Habeck: Mehr Mut zur Attacke

Der Oppositionsführer fordert den Vizekanzler heraus. Eigentlich wäre das Stoff für einen spannenden Schlagabtausch. Doch in der öffentlich-rechtlichen Debattensimulationsmaschine wurde daraus eine langweilige Plauderrunde.

Daniel Gräber

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Daniel Gräber leitet das Ressort Kapital bei Cicero.

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Wenn in späteren Jahrzehnten Historiker zu ergründen versuchen, wie es dazu kommen konnte, dass eine einst weltweit angesehene Industrienation im Rekordtempo dem eigenen wirtschaftlichen Niedergang entgegen stolperte, ohne dass die politische Öffentlichkeit nennenswerte Gegenwehr leistete, werden sie nicht darum herum kommen, sich die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks genauer anzusehen. Die ZDF-Gesprächssendung „Maybrit Illner“ von Donnerstagabend wäre ein geeignetes Anschauungsbeispiel.

Deutschland steckt mitten in einer gefährlichen Abwärtsspirale. Selbst Wirtschaftsminister Robert Habeck, der vor noch nicht allzu langer Zeit vom grünen Wirtschaftswunder erzählte, diagnostiziert dem eigenen Land inzwischen die „schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten“. Stellen Sie sich mal vor, in einer solchen Lage hätten Sie als Fernsehmacher diesen Minister und seinen wichtigsten Herausforderer, den Oppositionsführer, der sich vor allem als Wirtschaftspolitiker profilieren will, in einer einstündigen Diskussionsrunde als Gäste. Sie würden doch versuchen, mit geschickten Fragen, mal den einen und mal den anderen aus der Reserve zu locken und vor allem dafür sorgen, dass es ordentlich kracht. Dass die beiden richtig streiten. Denn das nennt man Demokratie.

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Theodor Lanck | Fr., 7. Juni 2024 - 14:23

Ein inkompetenter Minister,
eine desinteressierte Moderatorin,
ein allzu zahmer Oppositionsführer,
ein ÖRR-System regierungsnaher Vernebelung (auch Anti-Journalismus träfe es gut) -

nicht nur die Debattenkultur, das ganze politische System ist vor den Hund gekommen. Das liegt wohl auch an der Aversion, sich richtig zu streiten, die sowieso vorliegenden Spaltungen aufzuzeigen, weil man in Deutschland lieber die Konsenssauce des "Zusammenhalts" (gegen wen eigentlich?) hoch hält.

Belebend ist da wirklich der Populismus, der stellt immerhin die richtigen Fragen.

Volker Naumann | Fr., 7. Juni 2024 - 18:27

Antwort auf von Theodor Lanck

@ Theodor Lanck

Ihre Frage: "Zusammenhalt" (gegen wen eigentlich?)

Kann man leicht beantworten, gegen "Rechts" natürlich!

Ihre Einschätzung zu den drei Personen teile ich vollständig.

Herr Merz wird doch seinen neuen Ministerkollegen, oder sogar
seinen neuen BK nicht verärgern, denn als Wirtschaftsminister
hätte Herr Merz doch seinen Traumjob. Frau Baerbock könnte
dann, wie befürchtet, die EU übernehmen.

Schlimmer geht doch immer!

MfG

Walter Bühler | Sa., 8. Juni 2024 - 08:59

Antwort auf von Theodor Lanck

Unsere heutige Elite leidet nicht an einer Aversion gegen echten Streit, sondern an einer Unfähigkeit zum echten Streit. Echter Streit wäre nur möglich, wenn jeder Diskutant eine eigene Ansicht über den Streitgegenstand besitzt, den er vortragen will und kann.

In den Talkshows oder bei sonstigen Politikeräußerungen kann ich den Besitz einer solchen eigenen Ansicht meist gar nicht erkennen. Ich sehe nur Leute, die ein paar Phrasen äußern und jede Antwort auf solche Phrasen zu reduzieren versuchen, die sie kennen.

Diese Phrasen haben ihnen meinem Eindruck nach zuvor ihre Medienberater aus den neuen und alten Medien zusammengestellt. Insofern kann man aus solchen Talkshows bestenfalls lernen, welche Phrasen gerade als aktuell gelten.

Bei manchen Politikern habe ich sowieso den Eindruck, dass sie über keinen Gegenstand eine eigene Meinung haben.

Henri Lassalle | Fr., 7. Juni 2024 - 14:51

Grün mit CDU/CSU überhaupt nicht vorstellen, das geht nicht. Ich kenne viele CDUler, darunter zahlreiche Unternehmer und Freiberufler, für die die Grünen-Partei ein rotes Tuch ist - aus nachvollziehbaren Gründen. Das Schlimme ist: Auch in Ministerien und offiziellen Entscheidungszentren sitzen ideologisierte Grüne. Damit wird Deutschland weit kommen.

Die Grünen haben im außerparlamentarischen Bereich die Lufthoheit über die Medien und in den Bildungseinrichtungen, insbesondere in den Politik- und Sozialwissenschaften errungen.

Die Folgen dieser erfolgreichen APO-Politik beschränken sich nicht nur auf den gewaltige Niedergang des wissenschaftlichen Niveaus in den Schulen, in den Universsitäten und in der Wissenschaft. Die gewöhnlichen Funktionäre der SPD , der FDP und der CDU/CSU kommen aus den gleichen grün verfärbten Bildungseinrichtungen wie die grünen Funktionäre selbst.

Die Weltanschauung der Jungfunktionäre aus ALLEN Parteien weist daher immer Gemeinsamkeiten auf, und so können sich die Grünen in allen Koalitionen stets als die "tonangebende" Kraft inszenieren, ganz egal, mit wem sie koalieren und regieren. Das ist das Geheimnis der ungeheuerlichen Selbstsicherheit, den viele Grüne - insbesondere die zahlreichen Dummen - so offen an den Tag legen.

Das ist mit der CDU nicht anders, und wäre auch mit der CSU nicht anders.

Werner Gottschämmer | Fr., 7. Juni 2024 - 14:58

..BVerfG, oder den Generalbundesanwalt ? Beide Dahinschwafler natürlich, würde mich sehr ineressieren!

Christoph Kuhlmann | Fr., 7. Juni 2024 - 15:02

Die CDU ist zu sehr in den Filz mit eingebunden. Erstens Hat Habeck Recht, wenn er sagt, die Verursacher der Gasmangellage von 2021 war die Regierung Merkel, welche die marktbeherrschende Stellung russischer Konzerne zuließ, ja durch den Bau von Nordstream 2 oder den Verkauf des größten deutschen Gasspeichers an Gazprom noch gefördert hat. Habeck musste den leeren Speicher 2021 verstaatlichen. Zudem riskiert Merz den Burgfrieden mit dem Merkelflügel seiner Partei dem ja auch mehrere Ministerpräsidenten angehören, die mit den Grünen koalieren. Deswegen halte ich die CDU bei den drängensten Problemen dieses Landes nur für eingeschränkt lösungsfähig. Die fünften Kolonnen Moskaus allerdings auch nicht. In Europa gibt es ja noch die Freien Wähler, die nicht an der 5% Hürde scheitern können.

Hubert Sieweke | Fr., 7. Juni 2024 - 15:07

geht es in der deutschen Politik um Macht, Pfründe, Jobs und viel Geld. Jeder würde mit jeden koalieren, Hauptsache man ist dabei.
Die Scheinstreitereien sind doch nur für die Zuschauer und eventuell für Einschaltquoten.
Deshalbwichtig: Der BGH lässt die Revision gegen die Rundfunkgebühren zu, entgegen dem Bayrischen OLG. Wenn dieses Gesetz fiele, würden die Gefälligkeitssendungen verschwinden.

Ingofrank | Fr., 7. Juni 2024 - 16:15

sich solche Sendungen anzusehen ….
Wenn man solche TV Highlight allerdings als Wahlwerbung für die AFD und das BSW sieht, ist’s allerdings o.k.
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

Enka Hein | Fr., 7. Juni 2024 - 16:24

...und mit Habeck und Merz wird dann die 2½ verarsche.
Bei diesem Formaten weiß man doch seit Jahren was bei entsprechendem Input (in der Regel immer ungebildete Grüne, begleitet von roten Parteisoldaten und vergrünten Schwarzen) hinten für ein Gesabber raus kommt.
Es sei hier auf ein 2 Wochen alten Vortrag von Prof. Hans Werner Sinn verwiesen, den dieser beim Wirtschaftsbeirat Bayern gehalten hat.
Hätte Merz das Mal gesehen und mit den Fakten argumentiert, wäre die Sendung abgebrochen worden, weil Robert einen Heulkrampf bekommen hätte und Miosga das ganze sowieso nicht verstanden hätte.
Das grüne Wolkenkuckucksheim wäre zusammen gebrochen.
Also ab der 13ten Minute wird interessant. Und wer danach immer noch am Sonntag einer der Blockparteien wählt, ist für den Untergang D mit verantwortlich.

Sehe ich ähnlich werte Frau Hein. Ich möchte noch die Wutrede des Börsenchefs Weimer gegen Habeck hinzufügen, mit der man den schlauen Robert in der Sendung mal hätte konfrontieren sollen. Ein Totalverriss seiner hirnverbrannten grünen Wirtschaftspolitik, zu sehen und hören auf youtube unter https://www.youtube.com/watch?v=1WVUz3ZV-ys
Übrigens sind sämtliche Wirtschaftsbosse total begeistert von dieser Rede gegen Habecks Politik, endlich hat mal einer den Mund aufgemacht und ausgesprochen was alle denken. Habeck hat Deutschland ruiniert. Investoren meiden den Standort Germany wie die Pest oder verlangen mindestens Risikoaufschläge. Banken vergeben keine Kredite mehr. Insolvenzen mehren sich, Abwanderungen bestimmter Industriezweige ebenfalls. Deutschland ist in allen intern. Rankings Schlusslicht. Alle wachsen, nur Deutschland schrumpft. Zumindest passt dieser Trend des schrumpfens zu den allgegenwärtigen grünen Schrumpfgehirnen. Aber gegen Doofheit ist halt noch kein Kraut gewachsen!

Peter Sommerhalder | Fr., 7. Juni 2024 - 17:46

Die Beiden waren sich ja einig, ausser bei den Wirtschaftsfragen, da wurde Merz ein bisschen lauter (um später zurückzurudern?)

Es ist wirklich tragisch:
Die CDU würde tatsächlich am liebsten mit den Grünen zusammen regieren...

Sabine Lehmann | Fr., 7. Juni 2024 - 18:05

Herr Gräber hat dieses Schmierentheater gut analysiert. Das Motto "Jeder blamiert sich so gut wie er kann" hat zumindest der Fliegende Robert wieder einmal mehr voll erfüllt, hingegen Herrn Merz die Glaubwürdigkeit hinsichtlich seiner Authentizität und die seiner Partei gänzlich fehlt. Also alles beim Alten, alles so wie immer. Denn bei aller fundamentalen Gegensätzlichkeit zwischen schwarz und grün, ist doch wohl glasklar, dass beim Kampf um den deutschen Thron ein jeder dieser Protagonisten seine politische Überzeugung samt Ehre auf dem Altar der Eitelkeiten und Machtbesessenheit opfern wird. Rückgrat, Verantwortung und Politik zum Wohl unseres Landes sind Relikte aus längst vergangenen Zeiten, ein Revival ist nicht zu erwarten. Zumindest nicht mit dieser gleichzeitig bigotten & woken Mischpoke, der Karriere und Macht über Alles geht!