Alexander Marguier Jens Spahn
Alexander Marguier und Jens Spahn

Jens Spahn im Gespräch mit Alexander Marguier - Cicero Politik Podcast: „Das funktioniert so nicht mehr“

Deutschlands wirtschaftlicher Erfolg beruhte auf funktionierenden Exportmärkten und auf der Zufuhr von günstiger Energie aus Russland. Doch genau diese beiden Säulen sind weggebrochen. Unser einstiges Geschäftsmodell trägt nicht mehr, der Wohlstand ist in akuter Gefahr. Der frühere Gesundheitsminister Jens Spahn ist alarmiert: Die Bundesrepublik brauche jetzt dringend einen Plan. Doch der sei nicht ersichtlich. Dabei biete die derzeitige Krise auch große Chancen.

Alexander Marguier

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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„Wir werden einander viel verzeihen müssen“: Kaum ein anderer Satz aus dem Munde eines Politikers hat die öffentliche Wahrnehmung der Corona-Krise mehr geprägt als dieser. Gesagt hat ihn, noch ziemlich am Anfang der Pandemie, Jens Spahn. Der damalige Bundesgesundheitsminister stand in dieser schwierigen Zeit so sehr im Fokus wie keine andere Person. Aber wer muss nun eigentlich wen um Verzeihung bitten – und wofür? Darüber, wie wir als Gesellschaft mit eigenen Fehlern und den Fehlern anderer umgehen, spricht Jens Spahn in dieser Podcast-Folge mit Cicero-Chefredakteur Alexander Marguier.

Es geht aber auch um andere Themen, insbesondere natürlich um den Ukrainekrieg und die damit verbundene Wirtschaftskrise, die die Bundesrepublik als exportorientierte Industrienation besonders hart treffen wird. Denn, so Spahn: „Wir leben von globaler Arbeitsteilung – mehr als jedes andere Land der Welt.“ Das einstige deutsche Geschäftsmodell, wonach die Vereinigten Staaten für unsere Sicherheit sorgen und wir derweil Maschinen, Autos und Technologie nach überall hin verkaufen und dabei auf günstiges Gas aus Russland vertrauen können: „Das funktioniert alles so nicht mehr.“

Um der aktuellen und sich immer weiter verschärfenden Misere zu entkommen, braucht es zuallererst einen Plan. Besser gesagt: viele Pläne. Denn es geht nicht nur um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands, sondern auch um politische Führungsverantwortung in Berlin und in Brüssel. „Wir müssen unsere Führungsrolle annehmen“, fordert Spahn – und meint damit nicht zuletzt eine europäische Wehrhaftigkeit bis hin zu „eigenen nuklearen Fähigkeiten“. Aber sind wir in Deutschland dazu auch bereit? „Solche Debatten müssen wir führen, hätten wir schon längst führen müssen“, sagt der CDU-Politiker. Jetzt, „in der harten Erkenntnis aus der Realität dieses Krieges“, sei die Chance dafür endlich gekommen.

Spahn geht nicht zuletzt auf die Neujustierung seiner eigenen Partei nach der verlorenen Bundestagswahl ein, wirft einen Blick auf die Rolle des Vorsitzenden Friedrich Merz. Und äußert sich skeptisch mit Blick auf die umstrittene Frauenquote, mit der sich die Christdemokraten auf ihrem bevorstehenden Parteitag befassen werden.

Das Gespräch wurde am 24. Juni 2022 aufgezeichnet.

 

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Joachim Kopic | Fr, 1. Juli 2022 - 19:04

...ruft nach einem Plan!
So planlos, wie seine Corona-Politik war, das schafft nicht mal Lauterbach, daran hab ich keine Zweifel!

Thomas Hechinger | Fr, 1. Juli 2022 - 19:21

Es gab mal eine Zeit, da ich dachte, Herr Spahn könnte die Union auf den Pfad einer liberal-konservativen bürgerlichen Partei mit sozialem Gewissen, deren Fundamente in den Werten der christlichen Lehre verankert sind, zurückführen und die unter Frau Merkel eingeleitete grün-sozialistische Verirrung beenden. Selten wurde ich von einem Politiker derart enttäuscht. Sein Wirken als Gesundheitsminister war desaströs. Die Spaltung der Gesellschaft in die Geimpften, die „Guten“, und die Ungeimpften, die „Bösen“, und die Aushebelung unserer Verfassung und Beschädigung unserer Demokratie sind wesentlich auch sein Werk. Von seinem persönlich unanständigen Verhalten in dieser Zeit will ich schon gar nicht reden.
So sehr ich sonst Ihre Beiträge schätze, Herr Marguier, diesen Podcast tue ich mir nicht an. Ich kann hier nicht niederschreiben, was ich empfinde, weil der „Cicero“ sonst meinen Beitrag aus juristischen Gründen zensieren müßte. Dieser Podcast ist für mich daher ein No-Go.

Tina | Sa, 2. Juli 2022 - 02:20

In reply to by Thomas Hechinger

Herr Thomas Hechinger, alles gesagt.
Danke!

Karl-Heinz Weiß | Sa, 2. Juli 2022 - 16:01

In reply to by Thomas Hechinger

@Herr Hechinger: Ohne Zuhören ist keine Meinungsbildung möglich. Auch ich denke mir meinen Teil über das Wirken von Herrn Spahn, auch bezüglich seiner umfangreichen Mitwirkung auf dem Berliner Immobilienmarkt. Herr Spahn war aber einer der wenigen Unionspolitiker, die sich frühzeitig kritisch mit dem Agieren der alternativlosen Kanzlerin auseinandersetzten. Und er beherrscht noch die Grundrechenarten: 25% der CDU-Mitglieder können nicht 50% der Mandate beanspruchen. In der heutigen Zeit gehört für eine solche Aussage Mut.

Christa Wallau | Fr, 1. Juli 2022 - 20:31

zu sein.
Na, fein!

Dann legt doch mal endlich los mit Eurer Oppositionsarbeit, Ihr Christdemokraten, und begnügt Euch nicht damit, die Ampel im großen und ganzen zu unterstützen; denn was die "leistet", ist nichts, was uns deutschen "Normalbürgern" nützt.
Im Gegenteil:
Jeden Tag erscheinen neue Zumutungen für uns am Horizont, und wir hören nichts anderes als Durchhalteparolen.
Wo bleibt da die Opposition?
Ich bemerke nichts von ihr.
Habt Ihr keine Ideen in der CDU/CSU, wie man aus dem Dreck wieder herauskommen könnte, in den Eure viel beklatschte "Lichtgestalt" Merkel uns gebracht hat?

Mit der Binsenweisheit "Wir werden einander viel zu verzeihen haben" ist uns leider nicht geholfen, Herr Spahn. Da muß schon mehr her!

Bernd Windisch | Fr, 1. Juli 2022 - 22:39

Die älteren unter uns erinnern sich noch wie genial Jens Spahn die Bekämpfung der Corona Pandemie geplant hat. Gnade!

Das deutsche Geschäftsmodel ist bis heute erfolgreich wie kaum ein anderes in Europa. Und bliebe es auch, wenn nicht Politiker wie Merkel, Spahn, Harbeck oder Baerbock in ihrer maßlosen Inkompetenz und Ignoranz nicht permanent den Stecker ziehen würden.

Kein Land der Welt hatte 2015 eine unkontrollierte Masseneinwanderung mit einhergehenden Kontrollverlust. Kein Land der Welt ist gleichzeitig und zur Unzeit aus Kohle und Atomkraft ausgestiegen. Kein Land der Welt hat Sanktionen gegen Russland verhängt die ihm selbst die Geschäftsgrundlage entziehen. Kein Land der Welt hat den Gasnotstand ausgerufen und muss im Herbst Energie für seine Wirtschaft rationieren. Kein Land ausser Deutschland!

Wir hätten in der zurückliegenden Zeit besser keine Regierung gehabt dann wäre uns einiges erspart geblieben.

Was machen eigentlich die Leopoldiner gerade so?

Petra Horn | Fr, 1. Juli 2022 - 23:35

Wieviel hat er eigentlich an dem Corona-Desaster verdient.
Man muß schon sehr penetrant sein, um jetzt wieder auf diese Weise in die Kamera zu grinsen.
Ich will diesen Politdarsteller nicht, am besten nie mehr sehen!

Gabriele Bondzio | Sa, 2. Juli 2022 - 08:26

Jens Spahn ist alarmiert. Wenn ich mich recht erinnere, hat er (und seine Partei) auch, statt Mörtel zwischen die Säulenrisse zu schmieren, eher mit dem Hammer dagegen geklopft.

"Reue ist der Versuch, in sich zu gehen, nachdem man gerade so schön aus sich herausgegangen ist." (Hans Clarin)

Brigitte Simon | Sa, 2. Juli 2022 - 13:25

Ein kleiner Blick zurück zurück auf Spahn mit oder ohne Zorn, auf den Betrachter kommt es an.

Die Apotheker und die Pharmazie haben einen neuen Bundesgesundheitsminister. Man kennt sich, gefühlt schon ganz gut, weil Jens Spahn mit ihnen jahrelang Gesundheitspolitik ge-macht hat.

Welches Bild die Apotheken- und Pharmazie-teams ihm derzeit zuschrieben, dazu eine Um-frage von APOSCOPE:

- Fachliche Kompetenz Note 1
- Offenheit Note 1
- Kreativität Note 1
- Gestaltungswillen Note 1
- Integrität Note 1
- Durchsetzungsfähigkeit Note 1
- Unterhaltsamkeit und
Verläßlichkeit Note 1

Wieso eine Eins wundert sich Spahn. Ich bin doch eine absolute Null.

Das bestätigen ihm 87 % Prozent Bundesbürger.
Brauchbar auch für die Ampel.

Ernst-Günther Konrad | So, 3. Juli 2022 - 08:39

Wieso soll die Regierung keinen Plan haben? Den hat sie doch. Von Euch - also von der Groko - übernommen. Das Pandemiestrategiepapier, dass noch immer fleißig abgearbeitet wird. Und überhaupt. Wo ist Euer Parteiprogramm und wo bleibt die Aufarbeitung der Merkel Ära. Ja genau. Das Programm scheitert, weil schnell angreifbar - sind ja alles Themen der AFD - und eine Aufarbeitung würde damit enden, dass zu viele in der UNION mitgemacht haben. Und mit Selbstreflektion oder gar Kritik im eigenen Beritt habt ihr es ja nicht so. Merz ist fmp der Nagel auf dem Sarg der CDU. Ich merke nichts von Opposition. Ich lese nur devote Zustimmung oder "Kritik" im Klein-Klein. Die großen Probleme geht auch ihr nicht an. Herr Spahn hat mitgemacht, wie so viele andere dieses Land zu ruinieren. Und nein, ich verzeihe nichts.