Das Israelbild vom Kopf auf die Füße stellen: Ben-Gurion-Figur am Strand von Tel Aviv / dpa

Erziehung gegen Antisemitismus - Tel Aviv statt Auschwitz

Um dem grassierenden Antisemitismus entgegenzuwirken, werden vermehrte Schulfahrten zu früheren Vernichtungslagern empfohlen. Doch statt sich mit dem vernichteten Judentum Europas zu beschäftigen, sollten Schüler lieber das lebendige Judentum in Israel erleben.

Autoreninfo

Gideon Böss ist Roman- und Sachbuchautor und hat unter anderem über Religionen in Deutschland und Glücksversprechen im Kapitalismus geschrieben.

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„Nie wieder ist jetzt“, hieß es nach dem 7. Oktober 2023. Aber ziemlich schnell war klar, dass dieses „Nie wieder“ in etwa die Widerstandsfähigkeit von Pappmaché hatte. Mittlerweile ist mehr als ein halbes Jahr seit dem genozidalen Angriff der Hamas auf Israel vergangen, und anstelle von Solidarität mit dem jüdischen Staat erlebt der multikulturelle Teil der westlichen Welt (im Gegensatz zu Osteuropa und dem Baltikum) eine Welle an Judenhass, wie man ihn sich im 21. Jahrhundert in fortschrittlichen Ländern nicht hätte vorstellen können. Im Westen geht jetzt beides zugleich: Rücksicht auf Männer nehmen, die sich als Frauen identifizieren, und vermummt „Tod den Juden“ rufen.

Seit dem Oktober kam es zu tödlichen Überfällen auf Juden, es kam zu Menschenjagden, es gab unzählige antisemitische Demos und Schmierereien, an den Universitäten darf der hamas-affine Mob wochenlang „Protestcamps“ unterhalten, in Kultur und Wissenschaft wird der Boykott Israels gefordert, drei EU-Staaten halten den Zeitpunkt für angemessen, einen noch immer höchst fiktiven Staat Palästina anzuerkennen, und die deutsche Regierung gibt bekannt, Netanjahu im Fall der Fälle verhaften zu wollen.

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Christoph Schnörr | Mo., 27. Mai 2024 - 13:31

Warnsirene und Luftschutzkeller, wenn die Hamas-Raketen mal wieder anfliegen, kämen dann ggfs. zur Horizonterweiterung noch dazu.

Jens Böhme | Mo., 27. Mai 2024 - 13:33

Idee ist gut gemeint. Aber Klassenfahrten in die Ukraine zu machen, um mehr Akzeptanz für Kriegsbeteiligung zu generieren, ist ebenso keine Option, wie nach Israel zu fliegen, um Völkerfreundschaft vorzutäuschen.

Stefan W. | Mo., 27. Mai 2024 - 17:12

Antwort auf von Jens Böhme

Es geht nicht um vorgetäuschte Völkerfreundschaft, sondern um Begegnung, Verständigung, Abbau von Vorurteilen. Dazu wäre Schüleraustausch mit Israel bestens geeignet.

Ich befürchte nur, dass unsere aktuellen Regierungsvertreter lieber scheinheilige Betroffenheits-Känze niederlegen, aber eine Nähe zu Israel und seinen lebenden Juden ablehnen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 27. Mai 2024 - 13:48

Aber auch hier würde ich meinen, das eine tun, das andere nicht lassen.
Erinnerungskultur muss solange die Basis bleiben für das Miteinander, wie eine lebendige gemeinsame Kultur noch nicht wieder hervorgetreten ist.
Aber die Ansätze gab es, das lebendige Miteinander, empfand ich so.
Ist nicht auch in Israel etwas geschehen, das dieses Lebendige eintrübte?
Ich verbinde das - aber zugegeben als Laie - mit der Person Netanjahu.
Irre ich mich oder ging unter ihm nichts mehr so recht zusammen?
Er ist gewählt und deshalb respektiere ich ihn, aber vielleicht lebt nach ihm wieder Lebendigkeit auf?
Das wiederum könnte ansteckend wirken, in die Bundesrepublik hinein.
Ich glaube den Deutschen, aber auch insgesamt den Europäern ist nicht ganz bewußt, wie verwoben das Judentum mit Europa ist.
Amerika kam doch viel später?
Als Deutsche und Europäer schaffen Juden in Europa hoffentlich den ganz schwierigen Spagat zwischen Kritikfähigkeit, Diskursstärke und Solidarität mit Israel.
Stehen wir zusammen

Ich erlebe z.B. den "Konflikt" zwischen Ostpreussen und der Bundesrepublik Deutschland, der als der einer Kolonie schon ziemlich lange "schwelt", aber klug zusammengehalten wurde.
Es war mir lange Zeit nicht klar, dass es da überhaupt einen Unterschied gibt, er war eben bis zum Deutschen Reich auch eingemeindet, evtl. aber nicht mehr seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, die ich für sehr wichtig halte und hoffentlich unumkehrbar.
Ich selbst habe mich als junges Mädchen durch die Judenverfolgung als Christin mitverfolgt gefühlt und da ist durchaus etwas dran.
Man überlege einmal, wie Nietzsches Zarathustra MISSBRAUCHT und VERKANNT wurde.
Auch deshalb gehe ich keinen Schritt hinter das Christentum in Europa zurück, etwa in Richtung alte Bräuche.
Das Christentum entstand in Israel und bleibt Israel verbunden.
Alles weitere muss sich dareinfinden.
Das ist, jedenfalls für mich hochkomplex, wie erst für Hinzukommende?
Muslime müssen hier ihre Geschichte mit Israel aufarbeiten

Albert Schultheis | Mo., 27. Mai 2024 - 14:10

Ich fürchte, es ist verlorene Liebesmühe, die Schüler nach Israel zu holen - zuerst müssten sie mal deren Lehrer:Innen zur Vernunft erziehen. Der linksgrüne Antisemitismus sitzt so tief in Deutschland, dass man von einer kollektiven Schizophrenie sprechen muss. - "From the river to the sea!" - Welcher river? Der Nil? Eine verwandte Mentalität findet sich in Bergkarabach - "From the berg to the bach!" Da wurde eine gesamte Region ethnisch gesäubert von mohammedanischen Horden Aserbaidschans und der Türkei - Christen in diesem Fall - aber keinen interessiert es. Stattdessen Waffen in die Ukraine und Geld für die Hamas. Aber mit Letzteren waren ja schon die alten Genossen, Ulrike, Gudrun und Andreas von der RAF gut befreundet, obwohl diese ihren revolutionären Kampf mit dem Holocaust gegen die Juden rechtfertigten. Schizophrenie pur! Am Schlimmsten diese Schwurblerin von Blumenthal. Diese Cretins sitzen doch heute überall in den Amtsstuben, auf Richterstühlen und in Parlamenten.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di., 28. Mai 2024 - 10:42

Antwort auf von Albert Schultheis

und nachdem er mich als Kind - sicher mit den besten Absichten für alle - schwerst traumatisiert hatte durch die permanente Befassung mit dem Holocaust, mit dem nötigen Schuldbekenntnis und entsprechender politischer Wachsamkeit, gab es aber Gott sei Dank auch die lebendige Erfahrung mit dem Judentum, Literatur, Witze, Freundeskreis und natürlich haben wir im Family-Chor immer mal das Lied gesungen "Hevenu Shalom Alechem".
Ich war dankbar, als man mir erklärte, ich könne wahrscheinlich keine Kinde bekommen, denn wer will sich als Monster schon fortpflanzen?
Also JA, es ist besser das eine zutun, das andere nicht zu lassen.
Ich war ja auch wie mein Vater jedenfalls eine Weile Mitglied in der Gesellschaft für christl.-jüdische Zusammenarbeit.
Ich kann irren, aufgefallen ist mir, dass Fröhlichkeit nur schwer aufkommt.
Fröhlichkeit fällt beiden Gruppen schwer, Juden haben eine furchtbare Leidensgeschichte und u.a. Christen setzten einen katastrophalen "Schlussstein"?
Lachen wir zusammen?

Manfred Sonntag | Mo., 27. Mai 2024 - 14:52

Herr Böss, Sie haben mir aus dem Herzen geschrieben. Was hier in Europa und Deutschland abgeht ist an Widerwärtigkeit kaum noch zu überbieten. Dem Faschismus wurden die Tore geöffnet. Das war schon zur Coronazeit deutlich spürbar. Es würde mich nicht wundern, wenn eine europäische Regierung Netanjahu verhaften und ihn dann in einem Lager, KZ genannt, auf den Prozess am woken "Volksgerichtshof" in Den Haag warten ließe. Auf der einen Seite wird die Mörderorganisation "Hamas" finanziell großzügig mit den Euros antisemitischer Regierungen unterstützt. Wenn diese Gestalten dann ihrem Hass und ihren Vernichtungswillen freien Lauf lassen und Israel alles tut um solche Massaker für die Zukunft zu verhindern, da werden die Juden wieder zu Todfeinden erklärt. Das ist "maskierter" Antisemitismus. Schicken wir nach dem Krieg unsere Jugendlichen zu Exkursionen damit sie die Menschen dort kennen lernen und verstehen. Dann sehen sie in Ramallah auch die Villen der Hamas-"Führer".

Ronald Lehmann | Mo., 27. Mai 2024 - 15:03

um verändern zu können - zu wollen
& man muss andere Ansichten wie Wahlergebnisse akzeptieren
denn dies ist Voraussetzung für einen fairen Umgang im miteinander, egal welche Ausrichtung

zu sehen/Hören im Stück "Der letzte Mohikaner"
wo sich die Engländer den Franzosen ergeben haben

& erlebbar der gegenseitige Respekt in der damaligen Zeit gegenüber den Besiegten

Aber wo wird über Israel, über ihr Leben, ihre Ängste & Hoffnungen erzählt
Überhaupt über eine der ältesten Religionen mit dem Hinduismus
ABER
wirkliche wahrheitsgetreue Geschichte
& vor allem das VERSTEHEN

Hat aber einer mal auf YouTube das Video zur Bekundung für Israel gesehen
"Berlin sagt: Am Israel Chai"

hat einer WAS vom "MARSCH des LEBENS"
gehört🧐😲

SICHERLICH NICHT
wie armselig im VS
Kampf gegen RECHTS abläuft 😭😭😭

Will man das überhaupt?
NEIN, denn dies gefährdet den ZEITGEIT
egal wer, wann & wo

denn dann würden die abertausenden von Lügen, Entscheidungen, Halbwahrheiten, Dichtungen
&&& ans Licht der Wahrheit kommen

Brigitte Simon | Mo., 27. Mai 2024 - 22:56

Ich setze mich über Herrn Böss Artikel hinweg. Der sportliche Kopfstand von David Ben-Gurion schrieb Geschichte. Als begeisteter Unsportler begrüßte er sogar in dieser Stellung einen Politiker. Nein, er steckte nie seinen Kopf in den Sand.

Sein Wissen, daß ein Staat, der im Krieg gegründet wird, wird sich immer im Kriegszustand befinden.
Wie wahr.

Am 14. März 1960 trafen sich Konrad Adenauer und David Ben-Gurion im Hotel Waldorf

Brigitte Simon | Mo., 27. Mai 2024 - 23:02

Ich setze mich über Herrn Böss Artikel hinweg. Der sportliche Kopfstand von David Ben-Gurion schrieb Geschichte. Als begeisteter Unsportler begrüßte er sogar in dieser Stellung einen Politiker. Nein, er steckte nie seinen Kopf in den Sand.

Sein Wissen, daß ein Staat, der im Krieg gegründet wird, wird sich immer im Kriegszustand befinden.
Wie wahr.

A für dirm 14. März 1960 trafen sich Konrad Adenauer und David Ben-Gurion im Hotel WaldorfAstoria in New York. Das erste Treffen der beiden begnadeten Staatsmänner legte den Grundstein für die deutsch-israelischen Beziehungen und sollten nicht nur bis heute wirken.

Wolfgang Z. Keller | Di., 28. Mai 2024 - 00:33

... um sich ein Bild von tout Israel zu machen, etwa so, wie die Millionärsgemeinde Grünwald bei München zu besuchen, um sich zu überzeugen, dass es in D keine Armut gibt.
Ich habe vor 8 Jahren Israel UND Palästina bereist, und daran, dass Tel Aviv supercool ist, gibt es keinen Zweifel.
Aber wie sich die rechtsradikalen israelischen Siedler (es sind mittlerweile offiziell über 700.000 in Dutzenden Wehrdörfern und -siedlungen) seit Jahrzehnten völkerrechtswidrig in der Westbank und der israelische Staat im Jordangebiet aufführen, auf vor 1948 hauptsächlich den Palästinensern gehörendem und ihnen von der UNO großzügig "zuerkanntem" Land, macht aber einen GANZ dicken Strich durch dieses schöne Bild.
Und DAS wissen anscheinend ausser mir noch ein paar Millionen Menschen in der ganzen Welt und regen sich DARÜBER auf, weil kein anderer Staat sich DAS kommentar- und widerspruchslos leisten dürfte: das ist diesbezgl. meine Meinung, die hoffentlich nicht wieder mal redaktionell gecancelt wird.

Heidrun Schuppan | Di., 28. Mai 2024 - 11:30

ist doch keine typische jüdische Stadt. Tel Aviv ist deshalb auch bei Touristen so beliebt wegen der Weltoffenheit, wegen der cosmopolitanen Küche, dem regen Nachtleben – an allem stoßen sich die orthodoxen Juden schon lange und umgekehrt nerven die Othodoxen die meisten Einwohner dieser Stadt. Da wäre ein Besuch in Jerusalem vielleicht lehrreicher – dort treffen drei Weltreligionen aufeinander. Man spürt die Konflikte an jeder Sehenswürdigkeit und sogar in den Straßen. Und man lernt dazu – Toleranz zumindest zu versuchen.