Jörg Meuthen
Jörg Meuthen (links) verlässt die AfD, Tino Chrupalla und Alice Weidel bleiben an deren Spitze / dpa

Co-Vorsitzender tritt aus AfD aus - Für Meuthen war Ottes Kandidatur der K.o.-Schlag

Jörg Meuthen war ein Relikt aus der Anfangszeit der AfD, als sie eine bürgerliche Kraft rechts von der CDU werden wollte. Doch er hat die Radikalisierung der Partei zu lange mitgetragen. Jetzt ist er über seinen eigenen Opportunismus gestolpert.

Hugo Müller-Vogg

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher zu politischen und wirtschaftlichen Fragen, darunter einen Interviewband mit Angela Merkel. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

So erreichen Sie Hugo Müller-Vogg:

Als Max Otte, Vorsitzender der rechtslastigen, CDU-nahen Splittergruppe Werteunion, von den AfD zum Kandidaten für die Präsidentenwahl erkoren wurde, war der von seiner eigenen Bedeutung geradezu übermannt. „Die Kandidatur als Bundespräsident angetragen zu bekommen, ist eine der größten Ehren, die einem widerfahren kann“, war der Ökonomieprofessor von sich selbst berauscht.

Ob Otte ahnte, dass ihm diese Kandidatur möglicherweise von der AfD-Spitze nur angetragen wurde, um den Noch-Vorsitzenden Jörg Meuthen zu desavouieren? Meuthen jedenfalls hat das mit Ottes Kandidatur verbundene Signal verstanden. Er hat sein Amt als Co-Vorsitzender niedergelegt und ist aus der Partei ausgetreten. Gegen das CDU-Mitglied Otte wiederum läuft in seiner eigenen Partei ein Ausschlussverfahren.

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Bernd Windisch | Sa., 29. Januar 2022 - 15:41

herzerfrischend wie der Autor hier die Themen wider dem Zeitgeist bürstet.

Übrigenz:

"Das Adjektiv „radikal“ ist vom lateinischen "radix" abgeleitet und beschreibt das Bestreben, gesellschaftliche und politische Probleme „an der Wurzel“ anzugreifen und von dort aus möglichst umfassend, vollständig und nachhaltig zu lösen."

Könnte von Grünen erfunden sein.

Martin Falter | Sa., 29. Januar 2022 - 16:20

ich stimme Ihnen nicht oft zu, hier aber paßt alles an Ihrer AAnalyse.

Die AFD ist die NPD 2022!

Ronald Lehmann | So., 30. Januar 2022 - 14:07

Antwort auf von Martin Falter

Werter Herr Falter.

Nach 1945 gab es einen geschossenen Schwur aller Überlebenden (außer den wirklichen Nazis)

Nie Wieder - Nie wieder Faschismus!

Lt. A. Poop kommt das Wort Faschista aus dem italienischen & bedeutet in EINE RICHTUNG GEBÜRSTET

Nie wieder eine Demokratieverlust & Diktatur
(deshalb auch die Spaltung D., weil russische Zone eine kommunistische Diktatur war, die Kehrseite/ Gegenstück des Nationalsozialismus)
Alle Regeln waren auf der Grundlage der Gebote Gottes - So war mir Gott helfe!
Deswegen die neue CHN Ideologie

ICH SCHWÖRE AUF DIE PARTEI ?

Der Haupt-Grundgedanke unserer Ahnen zum GG war, dass nie wieder eine Clique/ Kaste über dem Gesetz steht & über Menschen.

Nie wieder Presse & Meinungssverbot
(& Heute gehören die Medien & Stiftungen den Frontparteien ? & diese entscheiden ob??)

NIE WIEDER die Justiz in Hand von Ideologien ?
(Juristen werden von Parteien eingesetzt & bewertet???)

DEMOKRATIE ist ein Gefäß der wahren Taten, was man füllen

Tomas Poth | Sa., 29. Januar 2022 - 18:08

Meuthen macht derzeit eine denkbar schlechte Figur. Seine Einlassungen werden natürlich genüsslich vom mMS goutiert.
Aber was nützt es, nicht die AfD ist das Problem sondern die RotGrün-Verschiebung unserer Gesellschaft, die die Geburtsstunde der AfD war und ihr die Berechtigung gab. Jetzt flattern den R2G-Gesinnungstätern die Hosen, daß sie an Einfluß und gut dotierten Positionen verlieren werden.
Man denke nur mit und seit Schröder ist die SPD 19 Jahre lang an Regierungen beteiligt, weitere 4 stehen an. Das sagt doch alles, mit Grün ab in die sozialistische Zwangsbeglückung.
Und die CDU steht dem nicht nach.

Urban Will | Sa., 29. Januar 2022 - 19:21

mehr erwarten als beispielsweise von einem Foristen oder sonstigen Diskutanten, mit dem man eine Auseinandersetzung hat.
Vor wenigen Tagen gedachten wir hier im Lande erneut wieder dessen, was die Nazis anderen Menschen antaten. Der Begriff „rechtsradikal“ ist in D eindeutig besetzt und bedeutet nichts anderes als „Nazi“, also Rassenwahn, Massenmord, Angriffskrieg.
Man kann zur AfD stehen wie man möchte, auch diese Partei verdient Kritik, Widerstand, etc. Aber sie ist eine demokratisch legitimierte Partei wie alle anderen auch, die im Parlament sitzen. Sie mag exzentrische Personen in ihren Reihen haben, die allerlei Unsinn reden. So wie andere Parteien auch.
Aber diese Partei durch gezielte Wortwahl in eine Reihe mit Auschwitz – Betreibern zu setzen ist nicht mal mehr dumm. Es ist fahrlässig. Zeugt von bewusster Geschichtsklitterung, denn ich unterstelle Ihnen eine gewisse historische Grund - Bildung.
Hätten Sie doch nur die geistige Unabhängigkeit Ihres Kollegen Meyer...

In den 70er Jahren hab ich SPD gewählt, obwohl da Altkommunisten in den Reihen saßen, aber die Ostpolitik war unverzichtbar geworden. In den 80er Jahren hab ich Grün gewählt, obwohl da Pädophile und Stalinisten vom Schlage eines Kretschmann den Ton angaben, aber der Schutz der Umwelt war unverzichtbar. In den 90er Jahren habe ich sogar mal die Linke gewählt, obwohl da die alten SED-Kader mit drin saßen, weil der Gysi der einzige war, der noch Opposition machte. In den 2000ern wählte ich noch mal SPD, weil Schröder sich geweigert hatte mit den Amis zusammen den Irak zu überfallen. Spätestens mit Merkel wurde ich politisch heimatlos und mit der Ampel kann ich nur noch die einzig verbliebene Opposition wählen, obwohl die von Alt-Nazis durchsetzt sind, die bereits 33 den Adolf gewählt hatten, weil alle deren Befürchtungen und Warnungen ausnahmslos eintrafen. Leider nur viel schneller, viel bigotter und viel katastrophaler für unser Land als man es jemals hätte erahnen können..

Holger Raczkowski | Sa., 29. Januar 2022 - 20:54

finde ich den Austritt des Herrn Meuthen. Ja, auch für mich war er immer ein realo unter den zuweit nach rechts gerückten. Nun denn, damit hat die AfD leider , für mich, alles was sie wählbar macht verloren. Wie gesagt : Meine Sicht !! Eine neue Konservative Partei sollte entstehen. Ich denke die AfD wird nun so im nichts verschwinden wie alle ihre vorgänger rechts der CDU. Was aber wirklich Angst macht ist : Wieviel reaktionäres Gedankengut wirklich noch in Deutschen Köpfen schwirt.

Ingofrank | Sa., 29. Januar 2022 - 21:15

zu lösen und ich kann es nur gebetsmühlenartig
wiederholen. Die CDU muß begreifen, dass der Fang in der Mitte richtig und wichtig ist. Jedoch besteht der Rechte Teil des Wahlvolkes doch nicht in der überwiegenden Mehrheit aus rechtsextremistischen Spinnern die es in Ost & West schon immer gab. Ob Schillpartei, NPD, DVU od. ä. Rechtsextreme Parteien haben weder vor noch nach 89 eine größere Rolle gespielt..
Bin ich denn gottverdammt ein Nazi wenn ich die Ehe zwischen Mann & Frau favorisiere gegenüber anderen Lebensgemeinschaften? Das schließt doch eine Toleranz gegenüber anderen Lebensmodellen nicht aus! Es muß aber doch die Verhältnismäßigkeit der Gruppen Rechnung getragen werden und nicht eine Minderheit die Mehrheit bestimmen will z.b. auch das Gegendere!
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

W.D. Hohe | Sa., 29. Januar 2022 - 23:22

ob nun im Kindergarten
in Schule
Medien
oder sonstwo
Unterschiede ?
Wenige bis Keine
Rang 1 bis...: Selbstdarstellung
Andere Ursachen ?
Selten

Ernst-Günther Konrad | So., 30. Januar 2022 - 08:57

Dann sollte die neue Innenministerin aber mal flugs ein Parteiverbot konstruieren und die AFD durch das BVG verbieten lassen. Vielleicht klappt es ja diesmal, nachdem schon zwei Verbotsverfahren gegen die NPD gescheitert sind. Oder geht das hier auch wieder nicht, weil zu viele vom Verfassungsschutz selbst in der AFD sitzen, um diese von innen heraus auszuhöhlen?
Was Sie Herr Dr. Müller-Vogg gerne ausblenden ist die Tatsache, dass es dieser Partei gar nicht bedurft hätte, dass sie nie entstanden wäre, wenn Ihre doch allseits geliebte Frau Dr. Angela Merkel nicht mit ihrer Griechenlandrettung und ihrer Europolitik den Grundstock für diesen Widerstand und Aufklärung gelegt hätte. Mit Ihrem Artikel stehen Sie diametral gegen den Inhalt des von mir sehr geschätzten Herrn Meyer in seinem letzten Interview, der darauf hinwies, das radikal rechts ehrbar und nicht ruchbar ist und gar zwei Parteien diese Begriffe in ihren Parteinamen führen. Sind die dort also auch alles Nazis? In der Schweiz?

Kurt Kuhn | So., 30. Januar 2022 - 09:22

Den Begriff 'Häutung' habe ich noch nie im Zusammenhang mit einer Partei bzw. mit Menschen gehört.
Aber sei’s drum, ich habe Migrationshintergrund und hatte ein paar Jahre ganz andere Sorgen als spitzfindige Formulierungen in der politischen Konfrontation zu hinterfragen. Dafür habe ich inzwischen gute Gründe um die weit nach rechts abgedriftete AFD zu fürchten.

Schönen Sonntag!

Christa Wallau | So., 30. Januar 2022 - 10:36

Kann mir bitte jemand erklären, warum es wegen der Kandidatur von Otte für das Amt des Bundespräsidenten für Herrn Meuthen offenbar unmöglich geworden ist, in der AfD zu bleiben?
Ich kann nicht erkennen, was an der Person Otte falsch sein soll.
Er hat keine Skandale verursacht, vertritt konservative Werte und setzt sich seit vielen Jahren für eine vernünftigere Geld- und Vermögenspolitik ein. Er liebt sein Vaterland, hat mit der Wiederbelebung des "Hambacher Festes" ein Zeichen für friedlichen Patriotismus gesetzt und v e r s u c h t, die Gräben zu überwinden, welche leider viele Konservative aus Egozentrik u. Rechthaberei zwischen sich haben entstehen lassen.

Nein, lieber Herr Meuthen: S o wird das nichts mit dem Kampf gegen den verheerenden Zeitgeist! Wenn die Angst vor dem verleumderischen Geschrei der Gegner größer ist als die Vaterlandsliebe, dann darf man getrost alle Hoffnung fahren lassen - jedenfalls im Hinblick auf diese Welt.

für was die alles herhalten muss.

Und so manche(r) trägt sie wie einen Bauchladen vor sich her.

Richtig: Herr Otte hat versucht Gräben zu überwinden - jene zwischen den verschiedenen Gruppen und Akteuren des rechten Randes.

Ansonsten: Wie meinte er noch nach der Ermordung des Kasseler CDU-Politikers Lübke? Der „Mainstream“ habe „endlich“ eine „neue NSU-Affäre“ und könne gegen die „rechte Szene“ „hetzen“.

Gut, nachdem das dann doch des "Guten" ein wenig zu viel war, nahm er die Äußerung zurück - wohl kaum aus Überzeugung.

Aber so einer passt natürlich zur AfD.

Gerhard Lenz | So., 30. Januar 2022 - 11:19

im Brüsseler "Exil" endlich zur Vernunft gekommen? Außerhalb der AfD-Blase, in der er lange Zeit keine Radikalen sah, sogar für eine gewisse Zeit mit den ganz extremen Kräften gut zurecht kam?

Man darf nicht vergessen: Meuthen brachte den von den Rechtsextremisten umjubelten Satz von der "rot-grün versifften Republik".

Manche Ex-AfDler sahen in Meuthen einen hemmungslosen Opportunisten, karrierebewusst.

In der Tat, jemand, der beispielsweise auch schon mal den österreichischen ex-FPÖ-Faschisten Strache einen guten Freund nannte, dürfte mit Max Otte im Grunde keine Probleme haben. Ob also die stetige Radikalisierung der AfD Meuthen zum Ausstieg veranlasste, oder ob einfach aus persönlichen Gründen der richtige Zeitpunkt da war - wer weiß das schon, außer er selbst?
Klar ist: Die AfD verliert DAS bürgerliche Aushängeschild - mit der verbitterten Steinbach ist nix zu gewinnen.

Meuthens Politikerkarriere ist spätestens zu Ende, wenn er das EU-Parlament verlassen muss.

W.D. Hohe | So., 30. Januar 2022 - 22:41

wird demnächst aus dem >Deutschen< Wortschatz gestrichen.
Vorschläge für Ersatz dessen er<beten.
Bedingung: Erhalt ursprünglicher Bedeutung.
Wer diese nicht mehr kennt, möge sich im Hochamt für Deutsches Stichwort: Vergangenes informieren

Hans Schäfer | Mo., 31. Januar 2022 - 10:29

Gestern noch Nazi, über Nacht vernünftig geworden.

Wer das zum Ramschobjekt der Parteien gewordenen Amt: BP, als Ehre bezeichnet, hat nicht erkannt, dass alle bisherigen BP-Kandidaten nach parteipolitischen/-taktischen Überlegungen vorgeschlagen wurden und ins Amt gekommen sind. Die Eignung für das Amt stand nie im Vordergrund
(Heuss ausgenommen). Die Wahl-Einberufung der BV ist eine Farce. Wer gewählt wird steht vorher aufgrund der Mehrheitsverhältnissen im BT und in den Ländervertretungen fest. Steinmeier ist von Merkels-Gnaden BP geworden.
Wer unter diesen Voraussetzungen das Amt als Ehre bezeichnet, wie der Art.-Schreiber, beschädigt das Amt im gleichen Maße, wie die Wahl es tut.
Dazu passt dass der jetzige, sich "überschätzende" amtierende BP, selbst für eine Wiederwahl ins Gespräch gebracht hat. Ein weiterer "Wahl"-Kandidat, lag bis zum Vorschlag von Otte nicht vor. Der Vorschlag sollte wohl auch die Schizophrenie des Wahlverfahrens aufzeigen. Wahl=zwischen mind. 2 wählen.