Andrij Melnyk
Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk / dpa

Offener Brief an den ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk - Keine Brandbeschleunigung im Ukraine-Konflikt!

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, lässt kaum einen Tag verstreichen, an dem er nicht die Bundesregierung kritisiert - weil sie keine Waffen an Kiew liefere und Sanktionen gegen Russland sowie eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine blockieren würde. Gastautor Friedbert Pflüger mahnt dagegen eine Entspannungspolitik im Geiste Willy Brandts an und ruft auch die Ukraine zu einem Interessenausgleich auf.

Autoreninfo

Dr. Friedbert Pflüger lehrt am CASSIS, Universität Bonn Internationale Klima- und Energiepolitik und ist seit 2014 Senior Fellow des Atlantic Council der USA. Er war 16 Jahre Bundestagsabgeordneter (CDU) und Verteidigungs-Staatssekretär in der ersten Regierung Merkel. Pflüger ist seit 2009 Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Bingmann Pflüger International (BPI).

So erreichen Sie Friedbert Pflüger:

Sehr geehrter Herr Botschafter Melnyk!

Es hat mich gefreut, Sie vor kurzem beim Abendessen im kleinen Kreis kennenzulernen. Schon vorher hatte ich Sie durch ihre zahlreichen öffentlichen Stellungnahmen wahrgenommen. Ich glaube Ihnen, dass Sie das Beste für Ihr Land anstreben. In meiner Zeit als Politiker habe ich die Ukraine oft besucht. Mit Ausnahme von Janukowitsch und Selenskiy habe ich mit allen Ihren Präsidenten gute politische Gespräche geführt. Bei allem Respekt, der dem Botschafter eines so großen, wichtigen und aktuell bedrohten Landes zusteht, erlauben Sie mir bitte doch offen auszusprechen, dass Sie bei Ihrem Engagement über das Ziel hinausschießen und im derzeitigen Konflikt leider weiteres Öl ins Feuer gießen.

Nachtreten beim Admirals-Rücktritt

Als der Inspekteur der deutschen Marine, Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, nach Kritik an seinen öffentlich gewordenen Äußerungen aus einer Diskussionsrunde einer indischen Denkfabrik von seinem Amt zurücktrat, meinten Sie, nachtreten zu müssen: Der Vorfall stelle „die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit Deutschlands massiv infrage“. Die Ukrainer fühlten sich von dieser „herablassenden Attitüde an die Schrecken der Besatzung durch die Nationalsozialisten erinnert, als die Ukrainer als Untermenschen behandelt wurden“.

Vielleicht wäre es für den Marineinspekteur besser gewesen, in der derzeit aufgeheizten Situation zu schweigen (obwohl wir doch dem Leitbild des „Soldaten als Bürger in Uniform“ mit dem Recht auf eigene Meinung verpflichtet sind …). Wie immer man das beurteilt: Es ist unerträglich, einen in vielen internationalen Missionen bewährten, in der Nato und der eigenen Truppe hoch angesehenen Offizier mit dem Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen! Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, der vier Jahre auch als Vorsitzender des Nato-Militärausschusses gedient hat, stellte sich vor Schönbach und signalisierte sogar grundsätzliche Zustimmung. Dass Sie, Herr Botschafter, von der Bundesregierung bisher nicht offiziell gerügt wurden, liegt nur daran, dass man dem Stress, dem Ihr Land ausgesetzt ist, nicht weitere Probleme hinzufügen mag.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Sie nicht die Bundesregierung kritisieren: Sie sprechen von der „befremdlichen Blockadehaltung Berlins“ beim Thema Waffenlieferungen an die Ukraine. Sie fordern „präventive Sanktionen“ gegen Russland. Sie drängen darauf, die fertig gebaute Pipeline Nord Stream 2 zu stoppen und Russland vom internationalen Zahlungssystem Swift auszuschließen – ein Schritt, den der neue CDU-Vorsitzende Friedrich Merz zu Recht als „Atombombe für die Kapitalmärkte“ bezeichnet hat. Sie beschuldigen Deutschland, die Nato-Mitgliedschaft der Ukraine zu verhindern. Sie kritisieren also fortgesetzt das Land, das die Ukraine wahrscheinlich mehr als jedes andere – mit Taten(!) – unterstützt hat!

Unterschied zwischen Beschwichtigung und Entspannung

Herr Botschafter, es ist in Europa unstrittig, dass der russische Militäraufmarsch an Ihrer Landesgrenze nicht akzeptabel ist und der Westen im Falle eines Einmarsches mit entschiedenen Sanktionen reagieren wird. Aber zumindest in Deutschland und Frankreich gibt es einen ebenso breiten Konsens darüber, dass neben der Abschreckung auch der Dialog gesucht werden muss. Leider wird jeder, der sich für Deeskalation oder Interessenausgleich einsetzt, von Ihnen als Verräter oder bestenfalls als schwächlicher Appeasement-Politiker beschimpft. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen einer Beschwichtigungspolitik, wie sie Chamberlain gegenüber Hitler betrieb, und einer Entspannungspolitik, wie Willy Brandt sie im Kalten Krieg erfolgreich durchsetzte: Eindämmung ja! Aber eben auch Angebote zur Zusammenarbeit! Auch Brandt wurde damals von innenpolitischen Gegnern der Liebedienerei gegenüber einer kommunistischen Diktatur bezichtigt. Aber er beharrte darauf, die Beweggründe der „anderen Seite“ zu verstehen, nach einer Balance der Interessen und allmählicher Vertrauensbildung zu suchen.

Ich gehöre, wie Sie wissen, nicht der Partei Willy Brandts an. Aber ich bin sehr froh, dass es ihn gab und er die Eskalationsspirale von Drohungen und Rechthabereien des Kalten Krieges mit seiner Politik durchbrach. Ich weiß noch, wie Egon Bahr, sein Unterhändler gegenüber der Sowjetunion, angegriffen wurde, er mache sich mit dem Kreml gemein. Gerade in krisenhaften Situationen braucht es Persönlichkeiten, die auch auf „der anderen Seite“ Vertrauen genießen und von dort die Ängste, Ambitionen und „rote Linien“ vermitteln. Ach, hätten wir doch jetzt einen Egon Bahr!

Für eine Klima-KSZE

Russland verfügt über nukleare Waffen. Ist es vor dem Hintergrund der schrecklichen Weltkriege und der historischen Erfahrung, dass Kriege auch ausbrechen können, obwohl sie kaum einer wirklich möchte, nicht ratsam, auf rhetorische Abrüstung und tatsächliche Rüstungskontrolle, auf Dialog und Zusammenarbeit zu setzen? Wie wäre es, wenn Sie – statt immer neue Sanktionen zu fordern – einmal den Vorschlag einer Klima-KSZE unterbreiten würden? Die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hatte Mitte der siebziger Jahre die USA, Kanada, die europäischen Staaten und die Sowjetunion an einen Konferenztisch gebracht. Die Schlussakte von Helsinki aus dem Jahr 1975 war ein Meilenstein bei der Sicherung des Friedens – und später auch bei der friedlichen Überwindung der Teilung unseres Kontinents. Warum nicht jetzt einen ähnlichen Versuch wagen – unter Einbeziehung des alles überragenden Klimathemas? So könnten wir gemeinsam dazu beitragen, unseren Planeten zu retten, aber vor allem auch den Frieden zu wahren.

Wenn Russland Ihr Land angreift, dann wird das furchtbar für alle. Dann haben wir Krieg in Europa, getötete und verletzte Menschen, zerstörte Städte, Flüchtlinge – unermessliches Leid. Die USA und die Nato haben klargemacht, dass sie im Kriegsfall nicht militärisch eingreifen – zu groß ist die Angst vor einer Eskalation zum nuklearen Vernichtungskrieg. Ist es nicht ein zu hohes Risiko, darauf zu setzen, wirtschaftliche Sanktionen und Panzerabwehrraketen könnten Russland aufhalten, wenn es seine Kerninteressen bedroht sieht? Vielleicht ist es doch besser, nach einem Interessenausgleich zu suchen, anstatt die bestehenden Brände noch zu beschleunigen.

Eine starke Ukraine zwischen Russland und dem Westen

Der Kern des derzeitigen Konfliktes liegt darin, dass Russland aufgrund seiner Geschichte und seiner Geographie das offenkundige Interesse hat, dass die Ukraine nicht Mitglied der Nato wird. Ein liberalerer Kremlchef als Putin (wahrscheinlicher ist leider das Gegenteil) würde das nicht anders sehen. Ihr Land hat natürlich das Recht, nach Mitgliedschaft in der Nato zu streben. Da kann es kein Veto aus Moskau geben. Wahr ist aber auch, dass die Nato – wie bisher – die Meinung vertreten kann, dass eine solche Mitgliedschaft der Sicherheit Europas nicht dient. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat kürzlich in diesem Sinne unterstrichen, dass er sich eine Mitgliedschaft der Ukraine in der Allianz auf absehbare Zeit nicht vorstellen könne. Leider hatte die Trump-Administration in Kiew auf unverantwortliche Weise gegenteilige Illusionen wachsen lassen. Diese müssen jetzt der Einsicht weichen, dass die Nato-Mitgliedschaft der Ukraine bis auf weiteres nicht auf der Tagesordnung steht.

Ich wünsche mir eine unabhängige, demokratische und wirtschaftlich prosperierende Ukraine zwischen Russland und dem Westen, eng verbunden mit den euro-atlantischen Institutionen – gleichzeitig aber die wesentlichen Interessen seines östlichen Nachbarn achtend. Und für die Ostukraine wünsche ich mir endlich Frieden und Selbstbestimmung, vielleicht eine Art Südtirol-Lösung, die die staatliche Souveränität der Ukraine respektiert, aber die russische Sprache und Kultur sowie die Bindungen vieler Menschen an Russland achtet. Herr Melnyk, Sie mögen das als ungerecht empfinden, aber Russland und die Ukraine sind unverrückbar. Und deshalb muss man aufeinander Rücksicht nehmen.

Mit freundlichem Gruß
Friedbert Pflüger

Helmut Bachmann | Do, 27. Januar 2022 - 08:26

Man merkt dem Denken des Herrn Pflügers an, dass es aus einer Position der Schwäche heraus kommt. Den kalten Krieg hat nicht Willi Brandt beendet, bei allen Verdiensten, das war der Natodoppelbeschluss und dessen Folgen. Das scheint vergessen. Der Verrat an der Ukraine wird auf uns Zurückfallen, ebenso wie der naive Versuch, sich an Russlands Grenzen heranzurobben, obwohl schon lange klar ist, dass die Russen dies nicht akzeptieren.

Urban Will | Do, 27. Januar 2022 - 08:56

mich frage, warum den nun eine „Klima – KSZE“ eine Entspannung in diese Situation bringen sollte, stehen da einige gute Sätze in diesem Brief.
Aber nochmal zum Klima: Russland lebt in großen Teilen von Öl und Gas. Die würden schon seltsam schauen, wenn die Ukraine nun um die Ecke käme und ihnen Vorschläge für eine Konferenz anböte, die das schnelle Ende dieser beiden Energieträger einläuten würde.

In der Tat frage ich mich, warum immer noch diese – mit Verlaub – saublöden Nazi – Vergleiche hochkommen bei jedem Satz, der diesem oder jenem aus dem Munde eines Deutschen nicht gefällt.
Schönbach hatte zu 100% Recht, ob es d Ukraine nun passt oder nicht.
Und wenn die Ukraine nun meint, mit primitivem Säbelrasseln den Westen mitziehen und Russland einschüchtern zu können, dann sollten sie nochmal nachblättern im Lehrbuch für Diplomatie und Strategie.
Pflüger hat Recht: gewisse Dinge sind „unverrückbar“.

Gerhard Lenz | Do, 27. Januar 2022 - 09:15

Friedbert Pflüger, seit 2009 Berater von Unternehmen und Regierungen im Energiesektor – unter anderem auch für Nord Stream 2..
https://background.tagesspiegel.de/energie-klima/der-gasmarkt-ist-schul…

Soviel Information sollte schon sein.

Vielleicht auch noch der Hinweis, dass Herr Pflüger in einem jüngsten Artikel in Putins Propagandablatt Russia Today lobend erwähnt wurde - in Zusammenhang mit verteidigungspolitischen Initiativen, die in der Vor-Putin-Zeit, also im letzten Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts stattfanden...

Als Russland noch einen Präsidenten hatte, der noch nicht davon träumte, die Sowjetunion unter russischer Flagge wiederauferstehen zu lassen.

gabriele bondzio | Do, 27. Januar 2022 - 10:48

In reply to by Gerhard Lenz

Hintergrundinformationen sind ja nicht schlecht, Herr Lenz.

Aber der sich immer mehr verstärkender Prozess der Konfrontation, welcher von nicht wenigen führenden Politikern in Europa, in Gang gesetzt worden ist. Und von der Presse teils begeistert aufgegriffen wird, verheißt nichts Gutes.

Übrigens ist eine deutliche Mehrheit der Deutschen (ca.60%) gegen die Lieferung deutscher Waffen an die Ukraine.
Gemessen an Parteien, kommt der geringsten Widerstand gegen Waffenlieferungen bei den Anhängern der Grünen zum Ausdruck.
Waren die nicht früher pazifistisch eingestellt?

Reinhard Oldemeier | Do, 27. Januar 2022 - 11:28

In reply to by Gerhard Lenz

Sehr geehrter Herr Lenz,
ich lese oftmals Ihre Kommentare und ich finde Diese sehr oft befremdlich.
Herr Pflüger hat mit dem Beitrag vollkommen Recht.
Meiner Meinung wäre der Konflikt schon längst ausgestanden, wenn Russland und die Ukraine sich an das Normandieformat halten würden.
Nun ist der Konflikt seitens Russland eskaliert. Anstelle nun sich einer Deskalationsstrategie zu widmen, schütten die Medien, aber auch die Ukraine Öl in das Feuer.
Die Krim ist tatsächlich verloren für die Ukraine, da beißt die Maus keinen Faden ab. Zumal dort die komplette Schwarzmeerflotte Rußlands stationiert war und ist.
Das Gefasel von vielen Haltungsjournalisten, von der ach so freien Ukraine ist an sich nur Blendwerk. Die Ukraine kann garnicht Mitglied der Nato werden, da diese nicht den Aufnahmekriterien entspricht. Ausserdem empfehle ich Ihnen das Interview vom Spiegel mit Klars Klingbeil sich anzuhören. Dann wird es deutlich was die Bundesregierung vorhat.

U.Sprenger | Do, 27. Januar 2022 - 09:31

Der offene Brief von Herrn Pflüger ist das Beste, was ich seit langer Zeit zu diesem Konflikt gelesen habe. Leider gib es Poltitiker diesen Kalibers nicht in der aktuellen Opposition und schon gar nicht in dieser Regierung.

Martin Falter | Do, 27. Januar 2022 - 09:40

danke, dass Sie den Brief für mich geschrieben haben. Dem ist von meiner Seite nichts mehr hinzuzufügen.

Karl-Heinz Weiß | Do, 27. Januar 2022 - 09:52

Der Hinweis des Autors auf die illusionsfördernde Politik von Trump muss um den Friedensnobelpreisträger Obama ergänzt werden (Russland =Regionalmacht). Der angeblich so erfahrene Außenpolitiker Biden treibt es aber auf die Spitze. Er unterstützt Taiwan in ähnlicher Weise wie die Ukraine. Genau dort liegt aber die eigentliche Krisenregion.

Hanno Woitek | Do, 27. Januar 2022 - 10:01

des Admirals angehört hat, sollte man vielleicht doch zu dem Schluß kommen, dieses Land eben nicht mit zu beschützen im Falle einer Aggression. Und leider muss man auch sagen, dass wohl die Presse dieses Kriegsgebrüll schick findet, weil zu schreiben, es gibt keine Gefahr in dieser Richtung, macht ja auch keine Auflage.
Deswegen wird ja auch mindesten eine Woche lang in der Presse eine einzige Gewalttat eines Migranten genusssüchtig zelebriert. Und nie geschrieben "heute gab es keine Gewalttaten " oder in Bezug auf den Straßenverkehr: :heute gab es keinen Verkehrstoten"
Soviel zur Qualität der Berichterstattung federführend mit Bild und Welt. Übrigens: wie man in Berlin hört, denkt fast die gesamte militärische Führung der Bundeswehr wie dieser Admiral.

Peter Eberl | Do, 27. Januar 2022 - 10:10

Bravo, ein Hoch dem Autor, weil er mit diesem Vorschlag Klima-KSZE die Geheimwaffe gefunden hat, Putin loszuwerden: der Nämliche wird sich auf der Stelle totlachen und aus ist's!

Werner Peters | Do, 27. Januar 2022 - 10:39

Der Brief ist inhaltlich ok, wird diesen Hardliner aber nicht beeindrucken, solange die US-Geheimdienste immer noch Falschmeldungen herausposaunen - wie im Irak-Krieg ! - und unsere Medien das ganz brav wiederkäuen.

Andre Möller | Do, 27. Januar 2022 - 10:44

ist ein blitzgescheiter Kerl. Und ein (west-) ukrainischer Nationalist, was erstmal völlig in Ordnung ist, so lange er als Botschafter die ganze Ukraine in Dtl. vertritt. Das tut er aber nicht und das ganz freiwillig - ohne Anordnungen aus Kiew. Das undiplomatische Gepolter lässt außerdem erkennen, wie sehr er Dtl. verachtet. Ich war mehrmals in der Ukraine und kann daher sagen, dass er nicht für die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung spricht. Die haben eh andere Probleme (Wirtschaft, Inflation, Energierestriktionen, Korruption,...).

René Maçon | Do, 27. Januar 2022 - 11:53

...Land namens Russland mit mehr als 100 000 Soldaten an seiner Grenze bedroht. Eine Invasion steht unmittelbar bevor.

Und da behauptet Herr Pflüger es sei "Entspannungspolitik im Geiste Willy Brandts" diesem Land keine Waffenhilfe zu gewähren?

Mehr Realitätsverweigerung geht wohl kaum noch!

Norbert Heyer | Do, 27. Januar 2022 - 11:54

Warum soll sich Deutschland durch eine massive Unterstützung der Ukraine wieder einmal in eine kriegerische Handlung reinreiten? Reicht vielen das Afghanistan-Chaos nicht? Wir könnten vermitteln, hätten wir denn Politiker mit Intelligenz und Weitblick. Wenn Russland mit Wirtschafts-Sanktionen und Abkopplung vom internationalen Zahlungsverkehr im Falle eines Einmarsches bedroht wird, treibt man Putin ganz bewusst in eine Lage, wo er reagieren muss. Die NATO hat in der Ukraine nichts verloren. Kein Land der Erde duldet eine mögliche militärische Bedrohung in seinem Vorgarten. Wir brauchen das Gas, die Russen wollen Devisen und die Ukraine ist nur sauer, dass sie für NS2 keine Durchleitungsgebühren kassiert. Die USA schüren das Feuer, sie wollen einen Konflikt, der die EU und Russland massiv treffen würde. Sie denken geopolitisch und wollen nur Geld verdienen mit dem Leid anderer Menschen. Die USA sind die größten Kriegstreiber der Welt. Hoffentlich geht Putin nicht in diese gemeine Falle

... bei einem Scheitern erklärt, er nehme mit Kuba Gespräche für eine militärische Allianz auf (sie hätten ihn darum gebeten) ... dafür hat dann sicherlich die USA Verständnis, da man anderen Ländern (und dazu zählt auch Kuba, oder ;) freistellen muss, mit wem und was ...

Ernst-Günther Konrad | Do, 27. Januar 2022 - 11:57

Ich kann einiges von dem was Sie schreiben durchaus unterstützen. Aber zu glauben, eine Klima-KSZE Konferenz würde den Durchbruch bringen ist doch reichlich naiv und geht doch letztlich am Problem vorbei. Die Ukraine füllt gerade auch mit diesen Äußerungen des Botschafters den Opferstatus komplett aus und will D dazu bringen, mit Waffenlieferungen und einer Säuberung in der militärischen Ebene durch abstruse Nazi-Vergleiche, die links-grüne ideologische Plattform zu bedienen. Der Vize-Admiral hat inhaltlich für mich recht und darf das auch sagen. Auch wenn es dem ukrainischen Botschafter nicht passt. Schon allein die immer wieder gerne von Ostländern gespielte Nazikarte und ist ungeheuerlich und zeigt letztlich, welche Register manche Regierungen bereit sind zu ziehen, um Druck aufzubauen. Dieser Konflikt geht nur über Diplomatie zu lösen. Welche Vorschläge hat die Ukraine denn, um das Problem zu lösen, außer denen, dass sich die ohnehin schon gesichtslose Ampel selbstverleugnet?

Gerhard Fiedler | Do, 27. Januar 2022 - 13:46

Deutliche, mutige und vor allem derzeit notwendige Worte von Ihnen, Herr Dr. Pflüger, an die Adresse der Ukraine! Besser und überzeugender kann man es nicht ausdrücken. Ganz in meinem Sinn! Ja, ich würde sogar noch weiter gehen als Sie und mir ein freundschaftliches Verhältnis zu Russland wünschen, wie jenes gegenüber Frankreich. Und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Doch leider wäre ein solches zu Russland nicht im Interesse der USA. Auch die Ukraine hätte etwas davon. Mit Ihnen, Herr Pflüger, hätten wir doch einen neuen Egon Bahr, den ich einst für sein Können und seinen Mut sehr bewunderte. Man kann Bundeskanzler Scholz nur empfehlen, Sie in Sachen UKraine mit einzubinden. Übrigens hätten CDU/CSU mit Ihnen auch einen hervorragenden Kandidaten für das höchste Amt im Staate. Mit Ihrer Unabhängigkeit und Ihrem Mut haben Sie sich dafür qualifiziert.. Was hält die CDU/CSU nur davon ab?

H. Stellbrink | Do, 27. Januar 2022 - 14:03

Mit diplomatisch-sanftmütigen Worten hat Herr Pflüger dem Botschafter gesagt, dass er ihn einmal kreuzweise kann. Der Westen wird die Ukraine dem russischen Imperialismus opfern, keine Frage. Ob dann an den Grenzen zum Baltikum Stop ist, wird Herr Pflüger wohl erst dann entscheiden, wenn russische Angriffstruppen an dessen Grenze stehen. An der geostrategischen Situation hat sich dann nichts geändert. Wenn der Botschafter versucht, mit ausländischer Waffenhilfe der Ukraine eine Restchance zu verschaffen, den Preis für einen Angriffskrieg für Russland hochzuschrauben, ist das legitim. Ob Appeasement oder nicht, Putin ist so nicht zu stoppen. Das würde nur funktionieren, wenn der Preis für ihn höher ist als der Gewinn: Viele tote Soldaten und eine auf Dauer feindselige ukrainische Bevölkerung könnten die Menschen auch in Russland trotz imperialen Stolzes nachhaltig gegen ihn aufbringen.

Kurt Walther | Do, 27. Januar 2022 - 14:09

Ein auf Deeskalation und Ausgleich zielender lesenswerter Artikel, wie so oft von Prof. Pflüger: Krieg ist keine Option.
Wir wissen nicht, was Putin genau will. Da gibt es verschiedene Punkte: innenpolitische (ein starkes Rußland zelebrieren) und außenpolitische (westl. Demokratien und NATO schwächen). Die westl. Staaten auseinanderdividieren und die NATO schwächen wurde bislang nicht erreicht.
Wer Mitglied der NATO wird, bestimmen allein demokratisch gewählte Regierungen - und nicht autoritäre Regierungen von außen.
Im übrigen ist es die Furcht vor Russland, welche zur NATO-Osterweiterung führte - und nicht Druck der "bösen Amerikaner" wie mitunter auch von "Cicero"-Foristen suggeriert. Man frage doch einmal die Osteuropäer ...

Ich bin für eine Unterstützung der Ukraine durch die NATO. DE sollte aber z.Z. nur Defensivwaffen liefern. Wenn es mir nach ginge, sollte jeder feindliche Panzer, der die Grenze zur Ukraine überquert, von einer deutschen Rakete getroffen werden.

Bernhard Marquardt | Do, 27. Januar 2022 - 15:49

"Mit Eunuchen kann man sich lange unterhalten" -
erzählte eine Haremsdame. (S.J Lec)
Es geht hier um ein massives Angriffsszenario gegen ein Nachbarland, militärische Nötigung.
Da kann man neunmalkluge Worte aneinanderreihen solange man will.
„für die Ostukraine wünsche ich mir endlich Frieden und Selbstbestimmung“
Da wird der friedliebende, leider von allen Seiten bedrohte Zarewitch bestimmt morgen mit dem Abzug seiner „Wagnerianer“ aus der eroberten Ostukraine, Moldawien und Georgien beginnen. Ganz sicher.
Steht in der Kneipe ein „Mords“-Kerl vor einem Hänfling: Du stehst mir im Weg!
Der Hänfling: Ich? Wie? Was? Warum?
Der Kerl: Ich sag's Dir noch einmal, wenn Du nicht sofort verschwindest, geh' schon mal nach draußen, leg Dich in die Gosse und fang an zu bluten!

Bernhard Marquardt | Do, 28. April 2022 - 11:25

ist es eigentlich müßig, den Artikel von Herrn Kieven zu kommentieren.
Aus purer Machtgier eines völlig enthemmten Despoten überfällt der sein Nachbarland, dem er schlichtweg die Existenzberechtigung abspricht.
Es wird unter ständiger Drohung eines Atomschlages gegen alle und jeden Unterstützer mit Krieg, Zerstörung, Verbrechen und Massenmord überzogen.
Der erheblich schwächere Angegriffene wehrt sich nach Kräften und hat dabei jede Unterstützung verdient, eben nicht nur „moralisch“ aus dem warmen Sessel.
Herrn Lievens Rechtfertigungs-Geschwurbel ist geradezu absurd.
Mit vergleichbaren „Argumenten“ würden sich auch die Verbrechen von Hitler, Stalin, Mao und Pol Pot erklären und rechtfertigen lassen.
Und dann gibt es neben den üblichen Einlassungen der notorischen Putin-Trolle wie immer die Realitätsverweigerer:
"Mit Eunuchen kann man sich lange unterhalten" - erzählte eine Haremsdame. (S.J. Lec)

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