Krise in der Automobilindustrie - „Dann wird die Wertschöpfung nicht mehr in Deutschland stattfinden“

Die Krise der Automobilindustrie wird greifbar. Mehr als 100.000 Arbeitsplätze könnten verloren gehen. Der IG-Metall-Chef von Baden-Württemberg warnt, es könnte noch dramatischer werden. Denn immer mehr Firmen verlagern die Produktion der Elektromobilität ins Ausland

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Der IG-Metall-Chef von Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, sorgt sich um den Industriestandort Deutschland / picture alliance

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Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Bastian Brauns

Roman Zitzelsberger ist Chef der IG Metall in Baden-Württemberg.

Herr Zitzelsberger, laut einer Studie des Center for Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen könnten in den kommenden zehn Jahren durch den Wandel in der Automobilindustrie hin zu batteriebetriebenen Fahrzeugen mehr als 100.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Für Sie kommt das nicht überraschend, richtig?
Die Studie von Herrn Dudenhöffer hat uns in der Tat nicht überrascht. Da sind zwar etwas andere Zahlen drin als in der zweiten ELAB-Studie zur Elektromobilität und Beschäftigung, die wir mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) gemacht haben, aber die CAR-Studie bestätigt eine Tendenz.

Wie kann eine derartig heftige Tendenz zu Arbeitsplatzverlusten vorausgesagt werden?
Man muss wissen, dass es gewissermaßen eine Wette ist, abzuschätzen, wie viel reine Elektromobilität wirklich auf die Straße kommen wird und wie viel Hybrid-Antriebe. Das ist der große Unsicherheitsfaktor. Denn mehr Hybrid-Antriebe heißt auch mehr Arbeitsplätze. Mehr reine Elektromobilität heißt weniger Arbeitsplätze.

Warum ist das so?
Ein reiner Elektroantrieb hat deutlich weniger Teile als ein Verbrenner und ist damit weniger beschäftigungsintensiv, ein Hybrid hat deutlich mehr Teile. Noch viel wichtiger ist allerdings die Frage, wo der technologische Wandel nun stattfinden wird, egal welcher Antrieb sich nun vermehrt durchsetzt. Für die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland ist es entscheidend, wie viele Bereiche der gesamten Wertschöpfungskette der künftig produzierten Autos hier verbleiben und wie viele ins Ausland verlagert werden. Wenn weite Teile der Wertschöpfungskette abwandern, dann sehen die Zahlen nochmal ganz anders aus.

Sie meinen, die Zahlen wären dann noch dramatischer?
Ja, dann wäre es klipp und klar dramatisch. Die ohnehin schon heftigen Ergebnisse treffen nur unter der Annahme zu, dass sich die Transformation innerhalb der hierzulande bestehenden Wertschöpfungsketten vollzieht.

Roman Zitzelsberger
Roman Zitzelsberger,
IG Metall Bezirksleiter
Baden-Württemberg

Und was ist ihr Eindruck?
Wir stellen fest, dass ein erheblicher Teil der Zulieferer plant, neue Komponenten für Elektromobilität tendenziell eher in Low-Cost-Countries zu verlagern oder, um den neuen Sprech zu bemühen: in Best-Cost-Countries.

In Baden-Württemberg, aber auch in Niedersachsen, Bayern und anderen Bundesländern hängen besonders viele Jobs an der Automobilindustrie. Wie geht man die Probleme bei Ihnen in Stuttgart an?
Prognosen darf man nicht nur staunend betrachten, man muss auch was tun. Es gibt einen sogenannten Strategiedialog Automobilwirtschaft, den der Ministerpräsident Winfried Kretschmann ins Leben gerufen hat. Teil dieses Dialogs ist der von uns vorab initiierte Transformationsrat des Wirtschaftsministeriums, der sich mit Forschung, Entwicklung, Produktion, Zulieferern und Vertrieb beschäftigt. Im Strategiedialog geht es aber um noch mehr: Woher kommt künftig die Energie? Was hilft uns bei der Digitalisierung? Wie bekommen wir neue Mobilitätslösungen hin? Wie bekommen wir den Wandel in der Gesellschaft so hin, dass Arbeit und Umwelt zusammengedacht werden?

Das klingt gut, aber bringt das auch was?
Der Strategiedialog hilft, die öffentlichen Debatten und das Problembewusstsein zu fördern. Konkrete Prozesse wurden auch schon angestoßen. Es wurde beispielsweise erarbeitet, inwiefern wir etwa genügend Rohstoffe für Batterien haben werden. Die Frage ist nun, insbesondere von der Forschung beantwortet. Es wird keine Rohstoffknappheiten geben. Weil immer geringere Mengen von Kobalt in Batteriezellen oder Platin in der Brennstoffzelle verwendet werden müssen und weil bis in zehn Jahren ein Recyclingkreislauf in Gang gekommen sein wird, der signifikant und ökonomisch auch spannend ist.

Brauchen wir so einen Dialog nicht dringend auch auf Bundesebene?
Teilweise werden diese und viele andere Themen bereits in der sogenannten Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität behandelt. Man muss auf Bundesebene das Rad nicht neu erfinden, sondern man könnte sich an den zahlreichen Themen in Baden-Württemberg orientieren und sie mit aufnehmen und alle Stakeholder mitnehmen.

Welche Gesprächspartner sitzen denn bei Ihnen an einem Tisch?
Das sind alle Unternehmen der Wertschöpfungskette, also die Originalausrüstungshersteller, die Zulieferer, die Maschinenbauer. Dabei ist die Arbeitnehmerseite, also Betriebsräte und wir als Gewerkschaft, die Verbände, der VDA, der VDMA. Außerdem Wissenschaftler und Wissenschaftsvermittler wie das Fraunhofer IAO. Umgarnt ist das Ganze dann politisch von den jeweiligen Ressorts und von gesellschaftlich relevanten Gruppen wie etwa dem BUND als Umweltverband.

Aber reicht es aus, zusammenzusitzen und sich auszutauschen?
Tatsächlich geht es jetzt um die Gretchenfrage, die sich sowohl in Baden-Württemberg als auch auf Bundesebene stellt: Was für Maßnahmen wird es jetzt geben? Erkenntnisgewinn und Austausch sind schön. Aber es muss auch konkret was daraus folgen. Stattdessen wird die ganze Debatte um die Zukunft der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie derzeit insbesondere von den Unternehmen konterkariert.

Warum genau?
Wir stellen fest, dass einige der Akteure, die mit am Tisch sitzen, munter ihre Unternehmensstrategien nach dem Motto umstellen: „Das alte Zeug machen wir noch hier, Neue Produkte gehen nach Osteuropa.“ Wir erleben dies etwa bei Zulieferern wie Mahle oder Conti, die bereits Standortschließungen und Personalabbau angekündigt haben. Wir haben eine ganze Liste von Unternehmen, bei denen noch nicht geklärt ist, wohin sie in Sachen Arbeitsplätze genau wollen – dazu gehören etwa Bosch oder ZF. Leider gibt es ebenso eine ganze Latte von Unternehmen, die schon ganz bewusst entschieden haben, Zukunftstechnologien in Sachen Mobilität ins Ausland verlagern zu wollen.

Darauf wollen Sie nun aufmerksam machen?
Ja, wenn so gehandelt wird, kann man noch 25 solcher Dialogformate organisieren, die werden dann aber nichts bringen. Der wesentliche Faktor, die wirtschaftliche Stärke und die Wertschöpfung, werden dann nicht mehr in Deutschland stattfinden. Das geht dann massiv auf die Arbeitsplätze, und das ist der Punkt, an dem wir als IG Metall unfreundlich werden.

Unternehmen entscheiden nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, wohin sie ihre Produktion verlagern. Warum soll die Politik sich da einmischen?
Nur um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Es geht uns keinesfalls um Protektionismus. Wir leben in einem globalen Produktionsnetzwerk, bei dem es die Internationalität braucht. Aber was wir erkennen, ist, dass neue Technologien kaum mehr bis gar nicht mehr hierzulande stattfinden sollen. Das macht uns große Sorgen. Darum fordern wir von Ministerpräsident Winfried Kretschmann ebenso wie von der Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass sie zu den Unternehmen sagen: Leute, wir wollen von euch ein memorandum of understanding, das klipp und klar aussagt: Wir setzen darauf, die neuen Technologien und die damit verbundene Beschäftigung auch hier im Land zu behalten.

Aber solche Absichtserklärungen werden da doch kaum reichen?
Die Regierung kann sehr wohl Unterstützungen auch davon abhängig machen, wie sich die Unternehmen dazu verhalten. Gibt es Forschungsförderungen? Gibt es Unterstützung dabei, Beschäftigungslücken zu überbrücken? Gibt es finanzielle Hilfen, wenn ein Unternehmen Fehler gemacht hat? Es gäbe genügend Steuerungsmöglichkeiten, um da eingreifen zu können. Die Bundesregierung muss außerdem endlich die Voraussetzungen schaffen, damit die Mobilitätswende gelingt: Infrastruktur wie Ladesäulen, Wasserstofftankstellen, 5G-Netze, und vieles mehr.

Aber führt ungeachtet dessen die Klimapolitik nicht ohnehin unweigerlich zu Arbeitsplatzverlusten?
Nein, nicht unweigerlich. Die Lösung liegt in Technologien. Es mag sinnvoll sein, ein Schnitzel weniger zu essen, aber das wird unsere CO2-Bilanz nicht wesentlich verbessern. Es geht ja auch nicht nur um die Frage der künftigen Antriebstechnologie. Neue Jobs werden auch in allen anderen mit Mobilität verbundenen Bereichen entstehen: bei allen Arten von Fortbewegungsmitteln, bei Mobilitätskonzepten, bei neuen Energieträgern und vielem mehr. Wir sind mitten in der Energiewende, und der Windradhersteller Vestas entlässt Leute, weil sie wegen der überbordenenden Regulierung keine Windräder mehr aufstellen können. Bayern bremst seit Jahren den Bau einer Stromtrasse für die regenerativen Energien vom Norden in den Süden. Da steckt überall Arbeit drin. Wer da bremst, gefährdet Arbeitsplätze.

Henning Magirius | Mi, 2. Oktober 2019 - 12:49

So nennt sich das, wenn sich in BW alle Beteiligten zum Thema Mobilitätswende zu einer Art Stuhlkreis treffen. Da wird nur geredet, handeln muss jeder selbst. Und das tun offensichtlich diejenigen jetzt und schnell, die beim Thema Mobiltätswende bei noch längerem Reden ganz zügig sich mit Insolvenz ins Nichts auflösen würden: Die Unternehmen. Die anderen Beteiligten am „Strategiediolog“ haben überhaupt nichts zu verlieren, sondern behalten auch bei weiterem Reden immer noch ihren Job: Die Landespolitiker, die Gewerkschaftsfunktionäre, die Verbandsfunktionäre von VDA und VDMA, Funktionäre vom BUND, Wissenschaftler vom Frauenhofer IAO. Die Politik und ihre zugehörigen Lobbygruppen im „Dialog“ haben in Deutschland derzeit das vollkommen falsche Ziel: Sie diskutieren abstrakte „Wenden“, statt als absolut oberste Priorität den Erhalt und die weitere Schaffung von gutbezahlten Arbeitsplätzen im Blick zu haben. Armes und bald noch ärmeres Deutschland.

Gisela Fimiani | Mi, 2. Oktober 2019 - 14:32

Das Fazit des Interviewten scheint zu sein: Zwar wissen wir nicht wo der Reisebus, den wir zu besteigen gezwungen wurden, uns hinfahren wird, jedoch sollten wir auf keinen Fall auf die Bremse treten, damit wir schnellstens (wo auch immer) ankommen. Die Frage nach dem „Warum“ hat sich ebenso erübrigt, wie die die Frage nach einem Bus, dessen Bremse nicht getreten werden darf. Die Antwort kennen bisher lediglich unsere (politischen) „Klima-Weisen“, die wir, mangels eigener Weisheit, zu verehren haben.

Hans Jürgen Wienroth | Mi, 2. Oktober 2019 - 15:20

Warum soll ein Unternehmer in Deutschland investieren?
Der Nachwuchs engagiert sich für Umweltschutz und Freizeit. Überstunden, Spätschicht oder Nachtarbeit lassen sich schwer mit dem Lifestyle in Einklang bringen.
Bildung kann man googeln.
Strom ist konkurrenzlos teuer und wird demnächst nur geliefert, wenn genug Wind vorhanden ist. Die Steuern sind auf hohem Niveau, für Spitzenleute unattraktiv. Auch Enteignungen sind möglich.
Politik und Gewerkschaft beschimpfen Kapitaleigner und Unternehmer als „unsozial“. Für den priorisierten ÖPNV und die Mobilitätsdienste braucht man keine PKW. Autos sind in Städten ohnehin störend. Deshalb überlässt die Politik die Investition in Ladeinfrastruktur auch den Stromversorgern und der Autoindustrie.
Dafür werden ausländische Hersteller wie z. B. Tesla für ihre Innovationen gelobt. Dank der Handelsabkommen können diese ihre Waren aus den globalen Produktionsstätten zollfrei einführen.

Die drohenden Arbeitsplatzverluste müßten einen Klima-Schutz-Funktionär wie Herrn Zitzelsberger doch erfreuen. Nur OHNE Industriearbeitsplätze wird Deutschland seine sogenannten 'Klimaschutz-Ziele' erreichen. Für die gute Sache müssen 'WIR' halt Opfer bringen! Keine Arbeit - keine Produktion - keine Emissionen. Auch der Weg zur Arbeit wird gespart.
Ein großartiger Erfolg - allerdings nur für die 'DEUTSCHE' Klima-'Rettung'!
In unseren östlichen Nachbarländern sind Unternehmer und Investitionen hochwillkommen. Die dortigen Regierungen möchte ihre Menschen in Lohn und Brot halten. Deshalb werden sie auch wiedergewählt. (nächste Woche Wahl - noch ist Polen nicht verloren !!!). Man muß halt Prioritäten setzen!
Kleine Meldung aus meiner Heimat-Region Vorpommern: Die letze Mühle in der Region (Jarmen) wird dichtgemacht. Getreide aus Vorpommern wird nun nach Berlin bzw. Hamburg transportiert und dort gemahlen. 'Betriebswirtschaftliche' Gründe. So sieht gelebter 'Klima-Schutz' vor Ort aus!

So einfach ist das Ganze nicht. Wie lange sollen wir ArbeitnehmerInnen für den Produktionsfaktor Kapital, also für die Großaktionärinnen und -Aktionäre, Gewinne erarbeiten (erwirtschaften) und kommen am Ende auf keinen grünen Zweig?
Kein Wunder, wenn sich junge Menschen nicht mehr in diese Produktionstretmühle begeben wollen.
So lange diese Kapitaleigentümer lediglich mit einer 25prozentigen Abgeltungssteuer belastet werden, während wir "Facharbeiter" am Ende sogar Höchststeuersätze zahlen dürfen, wird es (auch) in Deutschland abwärts gehen.
Und die deutsche Autoindustrie, allen voran VW?
Sie betrügt und die Vorstände sind außerstande, innovative Wege zu erforschen und zu begehen.
Dafür dann am Ende ein Millioneneinkommen erzielen (Winterkorn soll am Ende fast 15 Millionen EURO jährlich zugeschanzt bekommen haben), da ist dann doch des Guten Zuviel...

Ernst-Günther Konrad | Mi, 2. Oktober 2019 - 15:45

Herr Z. ist Mitglied der SPD, sitzt in drei Aufsichtsräten und stellt doch tatsächlich fest, das Arbeitsplätze bedroht sind, möglicherweise alles noch viel schlimmer kommen könnte.
Uih, welch eine Erkenntnis. Das ist aber eben gerade erst passiert. Das konnte man natürlich nicht vorausahnen. Das ist aber wirklich jetzt überraschend oder?
Sie sitzen an der Quelle und merken nicht, dass die am Versiegen ist?
Gerade ihre Spezialdemokraten haben doch in den letzten Jahren mitregiert und es wäre deren Aufgabe gewesen, für den Erhalt und die Sicherung der Arbeitsplätze zu sorgen und in den Aufsichtsräten, in denen Sie sitzen, für Innovation und Fortschritt einzutreten. Ach, ich vergaß. Selbst gut versorgt und was sollen wir für die Arbeiter schon machen? Die wählen uns nicht mehr, also brauchen wir auch nichts mehr für die tun.
Zum Nachdenken, erst kam das politische Versagen und dann die Wähler, die dies an der Urne abstraften. Es kommt auf die Reihenfolge an. Ursache und Wirkung.

Ulf Müller | Mi, 2. Oktober 2019 - 16:22

Aus welchem Grund sollten Unternehmen noch Investitionen in Deutschland tätigen, wegen der alternden und schrumpfenden Bevölkerung oder der hohen Energiepreise? Weil sich abzeichnet, dass eine wenig wirtschaftsfreundliche Regierung unter Umständen bald von einer ausgesprochen wirtschaftsfeindlichen Regierung abgelöst werden könnte. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass die Gewerkschafter auf dem Höhepunkt der Dieselkrise für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Straße gegangen sind. Mehr oder weniger biedern sich doch alle bei den Klimarettern an. Die Grünen wollen doch möglichst gar keine Autos mehr und auch keine Flugzeuge. Der Platz in den Städten soll wieder den Menschen zur Verfügung stehen. Die vom Berliner Senat ins Spiel gebrachte Verstaatlichung von Wohnungsunternehmen ist auch nicht investionsfördernd, wer sagt, dass es bei Wohnungsunternehmen bleiben muss. Außer der FDP hat auch niemand ernsthaften Widerstand agrgen angekündigt. Ulf Müller

Joachim Brunner | Mi, 2. Oktober 2019 - 16:59

Die zentrale Frage in der Problematik liegt meiner Meinung nach darin dass auf politischer Ebene über die zukünftig relevante Technologie entschieden wurde. Die EU CO2-Grenzwerte kommen einem faktischen Verbrennungsmotoren-Verbot gleich.(zumindest nach heutigem Stand)
Gleichzeitig werden gezielte Diffamierungskampangen gegen bestimmte, im übrigen zur CO2 Einsparung sehr wirksame Technologien, z.B. DIESEL, gefahren!
Man hat letztlich die Industrie durch eine derartige Politik ohne Not in existentielle Probleme gebracht. Zudem wird auf vielen Ebenen eine Verteufelung des Automobils betrieben. (z.B. Berliner Verkehrspolitik, DUH, Fahrverbote etc.)
Fakten dazu werden kaum diskutiert.
Die Aufgabe einer Industriegewerkschaft besteht darin die Interessen der Beschäftigten zu vertreten. Es gilt also Aufklärung und Vernunft zu fördern und sich gegen die omnipräsente
Dauerverdrehung der Realitäten zu wenden.
...wäre übrigens auch ein lohnenswertes Betätigungsfeld für die SPD!

Norbert Heyer | Mi, 2. Oktober 2019 - 17:12

Nachdem die Berliner Zaubergilde das Auto und den Verbrennungsmotor im allgemeinen in den Orkus der Geschichte versenken wollen, werden die Zauberlehrlinge langsam nervös. Den Auftakt zum Niedergang einer für Deutschland existenziellen Industrie setzen die Autobauer selbst, als sie hirnrissige und willkürlich festgelegte Abgasnormen nur mit „Zauberei“
erreichen konnten. Die Abarbeitung dieses Betruges sieht so aus, dass der betrogene Autofahrer im Endeffekt der Doofe ist und Autoindustrie und Politik auf seine Kosten sich bisher einen schlanken Fuß machen. Dann bekam die DUH Rückendeckung durch die Justiz bei Fahrverboten - die Zauberlehrlinge wurden nervös. Jetzt müsste eine neue, unausgereifte Technik herhalten: E-Autos, mit gleich schlechter Ökobilanz wie die Verbrenner und noch wichtiger, mit fast völlig fehlender Infrastruktur. Die Batterien und ihre Bestandteile sind fest in chinesischer Hand, die Wertschöpfung für uns gleich Null. Jetzt rollt langsam die Entlassungswelle an ..

oder wie war dass, mit den Fröschen und dem Teich. Ja Sie haben Recht man hätte die Vorzeichen eher erkennen können. Das die Elektrotechnik fest in chineschischer Hand ist, müßte den meisten Bürgern klar sein. Wer hat ohne Not in den 80iger Jahren Zukunftstechnologie (Computerindustrie, Unterhaltungsindustrie) aus der Hand gegeben. Weil es angeblich nicht Kern des Geschäftes war. Es war die deutsche Industrie. Heute heult man wie ein Schlosshund herum. In 10 Jahren wird uns das gleiche Schicksal ereilen. Suche den Fehler. Was die Ökobilanz angeht kann das E-Auto besser sein, als der Benziner. Wenn man den Strom aus Umweltneutralen Kraftwerken gewinnt. Nur das setzt voraus, daß man konsequent daran arbeitet. Ausserdem kann man die Ökobilanz und die Strassen entlassen, wenn man die rollenden Lager von der Strasse nimmt. Denn Lagerhaltung führt auch zu Arbeitsplätze.. Und dann reden Sie von Arbeitsplatzverlusten...

Hans Krüger | Do, 3. Oktober 2019 - 05:38

Nun für mich als alter Gewerkschaftler war das ein interessantes Interview . Die Industrie nutzt diese Mobilität Wende um weg vom teuren Tarif in Deutschland zu kommen.Es wird sehr gut verdient am Band bei Daimler und co. Wo die Jobs den herkommen in der Zukunft in den Autoregionen im Land wird zur zentralen Frage werden.Dann gibt es noch nicht mal massentaugliche Fahrzeuge aus deutscher Produktion mit E-Antrieb.Die Energiewende ist eben so ein Mist weg vom Atomstrom. Der Abstieg Deutschlands als Industrie Nation ist im vollen Gange .Dann drängen Zuwanderer ins Land die hier leben möchten ,am besten ohne selbst dafür zu arbeiten . Wie lange geht das noch gut mit dieser abwartenden Politik ohne Plan?

Sehr geehrter Herr Krüger, "abwartende Politik ohne Plan". Zutreffender könnte man die deutsche Regierungspolitik der vergangenen 14 Jahre kaum beschreiben. Eine Politik des puren Machterhalts. Deutschland wird laut dem Chefökonomen der Allianz, Michael Heise, wirtschaftlich gerade nach unten durchgereicht. Es wird bald vorbei sein mit den sprudelnden Steuereinnahmen und Sozialabgaben. Im Gegensatz zu früheren Abschwungphasen droht dieses Mal den Wirtschaftsexperten zufolge eine tiefgreifende strukturelle ökonomische Krise. Doch diese Bundesregierung wirkt wie paralysiert und zur Gegensteuerung außerstande. Die wirtschafts-und sozialpolitische Reformrendite Gerhard Schröders ist aufgebraucht. Die darauffolgenden Regierungen unter Frau Merkel haben es leider vorgezogen, sich auf dessen Lorbeeren auszuruhen. Zunehmend mehr Unternehmen und Leistungsträger spielen mit dem Gedanken, Deutschland den Rücken zu kehren. Der letzte macht das Licht aus - dem Klimaschutz zuliebe.

Herr Krüger ,

Sie fragen wie lang kann das noch gut gehen….". So lang bis ein Herr Zitzelsberger et alia bereit sind, jählich Millionen für das Nichtproduzieren von Windstrom "ohne Plan" zu zahlen, wirkt es wie Hohn wenn er bemängelt "Windradhersteller Vestas entlässt Leute, weil sie wegen der überbordenenden Regulierung keine Windräder mehr aufstellen können". Anstatt mehr Kapzitäten für Nichtproduzieren zu installieren, sollen wir das Fundament für einen neuen H2-basierten Energieträger zu etablieren. Allemal besser als das Geld "in den Wind zu schiessen".

die Produktion der Elektromobilität ins Ausland" klagt Roman Zitzelsberger im Interview. Auch unsere Fachleute. Nun ist auch die Regierung gefragt. Das er-
klärt Zitzelberger in seinem Absatz "Die Regierung kann sehr wohl Unterstüt-
zung...".
Nicht mit Merkel. Auf der Automesse in Frankfurt sieht sie die C02-Minderung als
Herkulesaufgabe. Bereits 1990 beklagt sie die Nichtreduktion des Ausstoßes. Seit
2005 ist sie Kanzlerin. 14 verlorene Jahre.
2013 in Brüssel stimmten 27 EU-Staaten, auch Deutschland, dem Ziel der C02-Reduzierung, im Dienste des Klimaschutzes zu. Das jedoch war nicht im Sinne der deutschen Autohersteller. Es kostete Merkel, dem Steuerzahler, viel Geld, die be-
schlossene Reduzierung ad acta zu legen. Nun werden wir erneut zur Kasse gebe-ten. Ein Skandal! Nun klagt die Automobilindustrie erneut.
Wie uninteressant Merkel der C02-Ausstoß ist, demonstrierte sie auf der IAA.

Wenn wir in Deutschland wirklich ein "Volk der Dichter und Denker (und Erfinder)" wären, ständen wir heute nicht vor diesem Dilemma.
Findige Wissenschaftler und Ingenieure wußten seit Jahrzehnten, daß Autofahren mit Otto- bzw. Dieselkraftstoff zu einer enormen Belastung der Atmosphäre führt, die nicht revidierbar ist.
Schon damals sagte mein Großvater: Wenn erst die Chinesen eine Autodichte wie wir in Deutschland haben, ist das Ende einer gesunden Umwelt nahe.
Er hatte mehr als Recht.
Das gleiche gilt für die Atomkraft. Experten wußten seit eh und je, daß die Kernspaltung zur Energiegewinnung sehr problematische Rückstände hinterlassen wird mit gefährlicher Strahlungswirkung über hunderte, tausende Jahre.
Aber nein, dennoch wurden massenweise Atommailer an die großen Flüsse gebaut, eine gesicherte Endlagerung des strahlenden Materials wurde zur Nebensache.
Jetzt rächt sich sowohl die Ausbeutung des Erdöls als auch des Urans ohne Rücksicht auf die Folgewirkungen.

Klaus Peitzmeier | Do, 3. Oktober 2019 - 17:05

Dieses ganze Gerede von den sog. Fachleuten ist doch unerträglich. Niemand weiß, wieviel E-Fahrzeuge nachgefragt werden. Die Fachleute wissen aber, daß es keine Rohstoffknappheit geben wird. Vor gar nicht langer Zeit wurde in der Wirtschaftswoche noch vom Gegenteil gesprochen. Und die problematischen Abbaubedingungen sind damit überhaupt noch nicht gelöst. Im Kongo, eines der Hauptabbaugebiete der notwendigen Rohstoffe, gibt es alles, aber keine Menschenrechte. Das ist den GRÜNEN u Greta scheinbar völlig egal, Hauptsache die Meßwerte in Stuttgart stimmen u Greta kann faseln, daß ihr die Zukunft geklaut wurde. Die Zukunft der Kinder im Kongo sieht sicherlich dramatischer aus als in Schweden. Ich verstehe nicht, warum Autounternehmen u Gewerkschafter nicht massiv an irgendeinem Tag der Woche für ihre "Future" demonstrieren u das ihren Kindern überlassen. Mit dem Ergebnis, daß beide keine "Future" haben u sich im Hartz IV System wieder treffen. Eine wirklich gelungene Aktion.

Brigitte Simon | Do, 3. Oktober 2019 - 21:45

Zum Auftakt der IAA durfte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann nicht sprechen. Er wollte sich zur Eröffnung kritisch mit der Automobilindustrie auseinandersetzen, aber d u r f t e n i c h t. Als seinen Ersatz Merkels gefügiger Ministerpräsident Bouffier, CDU.

In deutschen Unternehmen herrschen Strate-
gien ohne Sinn und Verstand, ohne Weltblick und Werte.
Die Chinesen bereisen die ganze Welt - explizit -
Deutschland. Kupfern alles ab, kaufen unsere Patente, Firmen und den Mittelstand, kombinie-ren das Ganze mit "eigener Forschung und Ent-wicklung". Man und staunt und wundert sich,
daß alles in China produziert wird. Hinzu kommt noch deren Weitsicht, sich die Zugänge zu allen
Rohstoffen weltweit zu sichern. Besonders aktu-ell das Erdöl im Iran.

Wir leben in einer Gesellschaft, welche von allem nur den Preis kennt, aber nicht mehr deren Wert.
Wir brauchen eine andere Gesellschaft, die von Werten gesteuert wird und nicht nur von Ge-winnmaximierung.

Brigitte Simon | Do, 3. Oktober 2019 - 21:55

Dann hätte eine produzierende Industrie in unserem Land Nachhaltigkeit und Sicherung
von Arbeitsplätzen.
Aber ich sehe solche Dinge leider nicht. Wir
fahren weiter auf die Wand zu und unsere Ge-
nerationen müssen die Suppe auslöffeln. Die
Elektrowelt ist ein Thema von Politik und Medien, hauptsächlich für Industrie und Verbraucher.

Deutschland war einst das Land der Denker, Er-
finder, Wissenschaftler.
Das sind unsere Ressourcen.
Wir müssen uns wieder auf das besinnen, was wir am besten können.

helmut armbruster | Fr, 4. Oktober 2019 - 09:03

siehe Eurostat, Pressemitteilung:
https://ec.europa.eu/eurostat/documents/2995521/8791193/3-09042018-BP-D…
Bei freiem Warenverkehr und offenen Grenzen kann man vernünftigerweise von keinem Unternehmen erwarten, dass es ausgerechnet dort produziert, wo es am teuersten ist.
Im Gegenteil, man muss jedem Unternehmen, das überleben will, das Recht zugestehen sich den günstigsten Standort auszusuchen, sofern das legal ist. Und es ist legal!
Man kann jetzt darauf warten, dass die Öffentlichkeit und die Politik den Unternehmen die Schuld geben wird, wenn sie sich günstigere Standorte als D aussuchen. Einen Sündenbock braucht man ja um von eigenem Versagen abzulenken.
Aber das ist zu kurz gesprungen. Verantwortlich für die Rahmenbedingungen sind nicht die Unternehmen, sondern die Politik.
Die von ihr ins Leben gerufene positive pro-Europa-Stimmung hat mit dazu geführt, dass wir jetzt in dieser beschissenen - verzeihen Sie bitte die Wortwahl - Lage sind.

Dieter Hegger | Fr, 4. Oktober 2019 - 11:02

Auch immer mehr Bürger, die Steuern zahlen und Leistung erbringen, wenden sich ab. Der Deutsche schweigt und marschiert ins innere Exil, was fälschlicherweise als Zustimmung interpretiert sind. Auch kleinere Unternehmen suchen Fluchtwege ins benachbarte Ausland. Und die paar Jungen die bei FFF mit latschen sind nicht die Mehrheit der deutschen Jugend. Wer etwas kann hat sich ohnehin schon anderweitig orientiert, USA,Kanada, Australien etc. sind eine Option. Und ( alte Kamelle ) deutsche Tugenden und Ingenieurs-Kunst sind auf der ganzen Welt gefragt !

gabriele bondzio | Fr, 4. Oktober 2019 - 11:26

Dialogformate machen nur Sinn und Zweck in dieser Sache, wenn sie praktisch umgesetzt werden können. Da aber viele Technologien noch in den Kinderschuhen stecken, ist es kaum zu verwundern. Das Unternehmen die Flucht aus einem Land ergreifen. Wo sie nicht sicher sein können, was morgen für eine Sau durchs Dorf getrieben wird. Wo von "Klimarettern" ständig neue Drohungen anliegen (siehe XP in London).

Tomas Poth | Fr, 4. Oktober 2019 - 11:55

Das ist das Schlüsselargument zur Offenhaltung der Argumentation, neben der CO2-Hypothese die in keiner Weise angezweifelt werden oder widerlegt werden darf, um neue Produkte und neue Geschäfte, Wachstum anzukurbeln und zwar im Sinne von Ausbeutung vorhandener, endlicher Ressourcen, bis hin zur Erschöpfung.
Es wird Rohstoffknappheiten geben, das ist garantiert!

Hannibal Murkle | So, 6. Oktober 2019 - 10:20

100 Tsd. Jobs - wegen der weltweiten Digitalisierung können in Deutschland bis zu 18 Millionen entfallen, die neu in neuen Wirtschaften geschaffen werden müssen. Das kann mit dem Fridays-Sozialismus, den linksgrünen Enteignungsträumen und Gängelungen nicht gelingen. Alleine bei den Banken werden derzeit 200 Tsd. Jobs gestrichen.

Die Touristik macht weltweit um 20% des BIP aus, auch in Deutschland ist sie wichtig. Der Flugverkehr ist die einzige Branche, wo die Regierung offen ein Drosseln zum Ziel macht - dabei geht es nicht nur um unsere Urlaube und die Jobs bei den Airlines, auch um Hotels usw. Man gängelt nicht nur unsere Urlaube, sondern auch die der Besucher, die sonst in Deutschland Geld lassen. (Bei jedem Rückfug ist ja die Flugticketabgabe fällig - und die Grünen träumen gar von einer Kerosinsteuer, gegen die zumindest CDU+SPD+FDP sind, geschweige denn internationale Verträge.)