Italienischer Haushalt - Die Provinzen werden's schon bezahlen

Die EU-Kommission hat den Haushalt Italiens nicht gebilligt, erstmals in ihrer Geschichte. Doch dahinter verbirgt sich hauptsächlich Theater. Denn die italienische Regierung hat weiterhin alle Trümpfe in der Hand. Die Hauptlast wird wieder ein anderes europäisches Land tragen

Ein Geschäft des Modeherstellers Louis Vuitton in der Galleria Vittorio Emanuele II,
Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand: Italiener sind vermögender als die Deutschen / picture alliane

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Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums „Beyond the Obvious“. Zuvor war Stelter von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Heute berät Stelter internationale Unternehmen bei der Vorbereitung auf die Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Im September 2014 erschien seine Piketty-Kritik Die Schulden im 21. Jahrhundert. Sein neues Buch „Das Märchen vom reichen Land – Wie die Politik uns ruiniert“ erscheint im September.

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Italien beherrscht die Schlagzeilen. Erstmals hat die EU-Kommission den Etatentwurf einer Regierung nicht gebilligt, sondern zur Überarbeitung zurückgeschickt. Drei Wochen hat die Regierung aus Populisten unterschiedlicher Richtungen nun Zeit, einen besseren Entwurf vorzulegen. Die Finanzmärkte blicken deshalb immer nervöser auf Italien. Die Zinsen für dortige Staatsanleihen steigen, der Euro kommt wieder unter Druck. Die Angst vor einer „erneuten“ Eurokrise geht um. Überraschen kann das allerdings nur jene naiven Beobachter, die wirklich dachten, die Politiker hätten in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht oder jene, die denken, wenn das Geld nichts mehr koste, verschwänden dann auch die Probleme. Beides ist falsch. 

Egal, welches Theater die Akteure in Rom, Brüssel und Berlin in den nächsten Wochen aufführen: Am Ende wird wiederum ein Ergebnis im traditionell italienischen Sinne stehen. Die europäischen Provinzen werden schon bezahlen, wie noch immer in der römischen Geschichte. Zu stark ist die Verhandlungsposition der Italiener. Zu schwach die unserer Politiker, die sich selbst zehn Jahre nach Beginn der Eurokrise weigern, nüchtern über Kosten und Nutzen des Euro nachzudenken. So werden die Deutschen, die gemessen am Pro-Kopf-Vermögen deutlich ärmer als die Italiener sind, wieder einmal die Dummen sein. Selber schuld.

Schauen wir uns die Fakten an:

1. Italien ist ein reiches Land

Die Italiener gehören zu den vermögendsten Haushalten in Europa. Nach Daten des französischen Reichtumsforschers Thomas Piketty liegt das Vermögen in Italien bei rund 590 Prozent des Volkseinkommens, bei uns bei 450 Prozent. Nach Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt das Medianvermögen der privaten Haushalte in Deutschland bei 60.000 Euro, in Italien bei 150.000 Euro. Hintergrund ist neben der Tatsache, dass Italien es schaffte, keinen Krieg zu verlieren, vor allem der deutlich verbreitetere Immobilienbesitz. 

2. Italiens Staat hat hohe offizielle Schulden 

Bekannt ist, dass der italienische Staat seit Jahren unter hohen Schulden leidet. Trotz erheblicher Sparbemühungen in den letzten Jahren – das Land hat mehr gespart als wir in Deutschland – ist die Schuldenquote weiter gestiegen. Dies lag vor allem an einem zu geringen Wirtschaftswachstum. Mit 132 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat das Land die zweithöchsten Schulden im Euroraum. Zum Vergleich: Bei uns werden die offiziellen Schulden in diesem Jahr unter 60 Prozent vom BIP sinken. Andererseits zeigen Länder wie Japan mit Staatsschulden von mehr als 200 Prozent, dass so eine hohe Last tragbar ist. Es kommt auf das Verhältnis von Schulden, Zinsen und Wachstum an. Je höher das Wirtschaftswachstum und je tiefer die Zinsen, desto höher können die Schulden sein.

3. Italien hat weniger Schulden als Deutschland 

Staaten bilanzieren nicht wie Unternehmen, was dazu führt, dass die Politiker die wahre Verschuldung des Staates leicht verschleiern können. So gehört der deutsche Staat nach einer Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu den Ärmsten der Welt. Einem geringen staatlichen Vermögen – wir haben keinen Staatsfonds, keine Rohstoffe, nur noch wenige staatliche Unternehmen und eine zunehmend überalterte Infrastruktur – stehen in Deutschland erhebliche Schulden des Staates gegenüber. Zwar ist die offiziell ausgewiesene Verschuldung gering. Die verdeckten Verpflichtungen des Staates für Pensionen sind aber erheblich und dabei hat der IWF die Verpflichtungen aus dem formell separaten Renten- und Sozialsystem nicht einmal mitgerechnet. Anders ist das in Italien, wie die Stiftung Marktwirtschaft schon vor einiger Zeit vorgerechnet hat. Zählt man die verdeckten Verbindlichkeiten mit ein, hat Italien Schulden in Höhe von 107 Prozent des BIP (richtig: die künftigen Einnahmen übersteigen die Ausgaben!) und Deutschland von über 160 Prozent. Schuld an unserer relativ schlechteren Position ist eine Politik, die sich an der „schwarzen Null“ berauscht und dafür die Infrastruktur verfallen lässt und im Gegenzug unfinanzierbare Versprechungen für die Zukunft abgibt.

4. Italien hat ein Wachstumsproblem 

Hinter dem Aufschwung der euro-kritischen Parteien in Italien steht ein handfestes ökonomisches Problem. Noch immer liegt die Wirtschaftsleistung des Landes deutlich unter dem Vor-Euro-Krisenniveau von 2008. Die Italiener erleben eine Rezession, die länger andauert und tiefer greift als die Wirtschaftskrise in den dreißiger Jahren. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Neben einem völlig verkrusteten Arbeitsmarkt, grassierender Bürokratie und Korruption ist es auch das Gerüst des Euro, das es der Wirtschaft so schwer macht, wieder auf die Beine zu kommen. Während der Euro für unsere Wirtschaft viel zu schwach ist, was den Exportboom weiter befeuert, ist er für Italien noch zu hoch. Auch innerhalb der Eurozone hat das Land massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren, weil die Lohnsteigerungen nach der Euroeinführung wie in den Jahren zuvor weitergingen und es nicht mehr möglich war über Inflation und regelmäßige Abwertungen die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. 

5. Italiens Banken sind insolvent

Damit in engem Zusammenhang steht die Lage der italienischen Banken. In einem Umfeld ökonomischer Stagnation ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Unternehmen Probleme bekommen. Da die Banken es sich aber nicht leisten können, die Kredite für diese Unternehmen abzuschreiben, einigt man sich stillschweigend darauf, so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang von einer Zombifizierung. Unternehmen bleiben am Leben, können aber nicht mehr investieren und innovieren, weil die Banken selber Zombies sind, die sofort insolvent wären, wenn sie diese Kredite abschreiben. Das belastet aber auch die noch gesunden Teile der Wirtschaft. Zum einen müssen gesunde Unternehmen mit Zombies in den Wettbewerb treten, die nicht auf den Gewinn, sondern nur auf Liquidität achten. Zum anderen geben Banken weniger Kredite, weil ihre Mittel in den Zombies gebunden sind. 

6. Italien könnte die Probleme leicht lösen

Angesichts der erheblichen Vermögen der italienischen Privathaushalte ließe sich das Problem der Staatsverschuldung und die notwendige Rekapitalisierung der Banken leicht bewerkstelligen. Einmalige Vermögensabgaben und die Beteiligung der Vermögen oberhalb von 100.000 Euro – so wie es die EU eigentlich vorsieht – bei der Sanierung von Banken sind nicht nur möglich, sondern angesichts des relativen Wohlstands im Land eigentlich angezeigt. Nicht gelöst wäre damit allerdings das Problem der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit im Euroraum. Hier müsste die Politik entsprechende Reformen durchführen, vor allem zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.

7. Sparmaßnahmen sind unpopulär 

Wenig verwunderlich dürfte sich eine solche Politik als wenig populär herausstellen. Auch die vorigen Regierungen wurden nicht zuletzt deshalb abgewählt, weil die Bürger die Sparpolitik satt hatten. Also ist es politisch höchst rational, sich einen anderen Weg zu suchen. Eben die Provinzen in Europa, die für die Rechnung aufkommen sollen. Dazu bietet sich der Euro als Sündenbock an und die EU und die Eurozone als ideale Feindbilder. Je mehr man sich als italienischer Politiker gegen diese beiden stellt, desto höher der Zuspruch. Mit Blick auf die anstehenden Europawahlen ein eindeutiger Anreiz für die italienischen Regierungsparteien, den Konflikt zu suchen. 

8. Italien hat erhebliches Erpressungspotential

Eigentlich ist Italien in einer starken Position. Nicht nur, dass Italien viel größer ist als Griechenland und damit ernsthaft das Ganze Projekt Euro in Schwierigkeiten stürzen kann. Die italienische Regierung hat zusätzlich mehrere Trümpfe in der Hand:

 - Eigentlich kann sie das Problem im Land selber lösen, das heißt sie hat immer noch die Option, darauf zurückzugehen. Dies reduziert die Einflussmöglichkeiten von Brüssel und Berlin erheblich.

 - Sie hat einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung, und gerade für viele aus der jungen Generation sind Euro und EU keine Verheißung mehr.

 - Pläne für die Einführung einer Parallelwährung – dem elegantesten Weg für einen Euroaustritt – liegen bereits länger vor und es wäre kaum verwunderlich, wenn die Vorbereitungen dafür hinter den Kulissen nicht schon weit vorangeschritten sind.

 - Die Verbindlichkeiten Italiens im Rahmen des Target-2-Systems sind auf über 470 Milliarden Euro angewachsen. Sollte das Land austreten, dürfte diese Summe verloren sein. Verluste, die vor allem Deutschland zu tragen hätte.

 - Ein chaotischer Zerfall der Eurozone hätte erhebliche Konsequenzen und würde Europa und wohl die Welt in eine tiefe Rezession stürzen. 

Was kann Europa tun?

Angesichts der Verhandlungslage ist klar, wer am Ende nachgeben wird. Die EU und die Euroländer. Natürlich wird man diesen Kompromiss so verkaufen und verpacken, dass unsere Politiker weiter behaupten können, alles sei bestens. Vielleicht verspricht Italien, in Zukunft wieder mehr Migranten an Land zu lassen oder es wird vereinbart bestimmte Ausgaben in der Rechnung einfach nicht mehr zu berücksichtigen. Staatsdefizit vor „bad stuff“ als weitere Stufe der Täuschung der Öffentlichkeit. Alles das natürlich nach einer weiteren schlaflosen Nacht in Brüssel um den dummen Wählern den Eindruck zu geben, es wäre wirklich hart gerungen worden. 

So zahlen am Ende wie schon im alten Rom die Provinzen: Das Ende ist damit allerdings auch absehbar. Die Eurozone wird immer mehr zu einem Schuldenclub. Die französischen Regierungen haben noch nie ernsthaft ans Sparen gedacht – und gehören zu den wenigen Staaten, die noch ärmer sind als wir Deutschen (sind aber als Privathaushalte deutlich vermögender!) – Spanier, Portugiesen, Griechen und Iren werden sich fragen, weshalb sie sparen sollen, wenn es doch die Italiener nicht tun. Flankiert werden wird das von einer anhaltend großzügigen Geldpolitik der EZB, der ohnehin keine andere Wahl bleibt, als die Zinsen bei Null zu halten, will sie den Euro erhalten. Die Folgen dieser Politik sind ebenfalls klar:

-  Nachhaltig steigende Schulden im Euroraum.

 - Dauerhafte Sicherung der günstigen Finanzierung der Staatsdefizite durch die EZB.

 - Anwachsender Bestand an Staatsanleihen auf der Bilanz der EZB

 - Gefahr steigender Inflation im Euroraum aufgrund einer zunehmenden Vertrauensverlustes in das Geld. An den Vermögenspreisen ist das schon heute zu beobachten.

 -  Zunehmender Druck auf die EZB mit den Staatsschulden aus der EZB-Bilanz „intelligent umzugehen“. Nicht zufällig hat die amtierende italienische Regierung schon die Idee eines Schuldenerlasses durch die EZB ins Gespräch gebracht.

Der große Verlierer ist...

So oder so läuft es auf eine Entwertung der Schulden – und damit auch der Forderungen hinaus. Entweder über Inflation oder eben über Bilanztricks der EZB. Andere Alternativen haben wir nicht mehr, hat doch die Politik die vergangenen zehn Jahren schon auf Zeit gespielt, statt das Problem zu lösen. 

Wahr ist aber auch, dass dieses Vorgehen eine erhebliche Verteilungswirkung zwischen den Mitgliedsländern der Eurozone hat. Entlastet werden staatliche und private Schuldner (Banken), belastet werden relativ jene Staaten, die solider gewirtschaftet haben und Sparer, die ihr Geld überwiegend in Geldvermögen sparen. Im Klartext: Gewinner sind die Staaten und die Bevölkerungen von Italien, Frankreich, Spanien, Portugal,.... und der große Verlierer ist: der deutsche Bürger. Unser Staat profitiert kaum von der Entschuldung und hat stattdessen einen enormen Rückstau an Investitionen in Infrastruktur, Bundeswehr, Digitalisierung und so weiter. Wir selbst verlieren Geld durch tiefe Zinsen und Inflation. Selber Schuld kann man da nur sagen. Von wegen „reiches Land“!

Heidemarie Heim | Fr, 26. Oktober 2018 - 17:32

Und das zum Wochenende Herr Stelter;-(. Mit anderen Worten, die Eurogegner und die zweitgrößten Nettozahlerflüchtigen von der Insel haben doch recht gehabt? Und die Ehrlichen aber dummen Provinzbewohner im "Imperium europaeum", allen voran die Germanen zahlen die Zeche? Scheint, als sei dies "ein Angebot das man nicht ablehnen kann", ganz nach Art des Paten.
Wer findet schon gerne Pferdeköpfe unter der Bettdecke? Also zahlen oder systemisch bedingt mit untergehen. Das bedarf ja wohl dann keiner langen Überlegung, oder? Den Redenschreibern von unseren Regierenden sei jedoch eine kleine Mahnung beigegeben: Vermeiden Sie diesmal Begriffe wie alternativlos, Pflicht zur Solidarität, Hausaufgaben und auf gutem Wege! Na dann, ein gutes Wochenende! MfG

Klaus Schmid | Fr, 26. Oktober 2018 - 17:34

Die Kern-Ursache ist doch der deutsche Untertanen-Geist, der die Bürger immer wieder veranlasst einer von irgend einem Wahn besessenen Obrigkeit kritiklos nachzulaufen.

Diese Obrigkeitshörigkeit hat zum Adolf-Wahn, zur "Tapferkeit" der Soldaten in den Weltkriegen und jetzt eben zur Merkel-Anbetung geführt.
Man gibt sich mit aller Kraft seiner gestellten Aufgabe hin und kümmert sich darüber hinaus nur um seinen eigenen kleinen Mikrokosmos.
Den meisten Deutschen fehlt eben das Kritik-Gen, vom Revolutions-Gen ganz zu schweigen.

Kostas Aslanidis | Fr, 26. Oktober 2018 - 17:52

In reply to by Klaus Schmid

Brüsselbürokraten nichts sagen zu lassen. Obrigkeitshörigkeit ist weit verbreitet. Ich höre immer wieder: Das und jenes darf man nicht sagen, (warum nicht), das ist Verboten, (Na und). Eine wie Merkel, die das Land am Abgrund fährt, wäre in der Wüste. Noch profitiert Deutschland als einziges Land, wirtschaftlich von der EU und Probleme werden ignoriert. Bis wann?

Daniel Wischer | Fr, 26. Oktober 2018 - 17:47

Ob das beschriebene Szenario eintreffen wird, kann ich nicht beurteilen. Deutlich wurde in den letzten Jahren jedoch, dass die hehren Kriterien, die bei Einführung des Euro "eigentlich" gelten sollten, sukzessive immer weiter "gedehnt" wurden. Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt. Die deutsche Exportwirtschaft brummt, die Arbeitnehmer hierzulande haben zwar einen Job, die Gehaltszuwächse sind aber bescheiden. Die Sparguthaben der Deutschen werden weniger aufgrund der Nullzinspolitik, Immobilenpreise steigen, private Altersvorsorge wird zum Lotteriespiel.
Auffallend ist weiterhin, dass nötige Investitionen in die öffentliche Infrastruktur auf sich warten lassen. Wo blieb das ganze Geld seit die Steuereinnahmen sprudeln?
So oder so wird Deutschland sicher den Euroraum aufrecht erhalten wollen um jeden Preis, und sei es den, das Berlin die Kosten der Veranstaltung zu einem Gutteil übernimmt.
Eine einheitliche Währung kann nur durch eine gemeinsame Politik bestehen und die gibt es nicht

"Auffallend ist weiterhin, dass nötige Investitionen in die öffentliche Infrastruktur auf sich warten lassen. Wo blieb das ganze Geld seit die Steuereinnahmen sprudeln?"
Dumme Frage : jedes Jahr 2 stellige Milliarenbeträge für barfüssige aus aller Welt,da bleibt eben nicht mehr viel übrig. Auch für Ihre spätere Rente nicht

Werner Schütz | Fr, 26. Oktober 2018 - 18:06

So ganz unschuldig an der italienischen Misere sind die Deutschen aber nicht. Deutschland hat riesige Handelsüberschüsse gegenüber den europäischen Nachbarn angehäuft. Schuld daran ist v. a. auch die deutsche Lohnzurückhaltung initiert durch die Schröderschen Reformen (Niedriglohnsektor 20-25% der Arbeitnehmer, Leiharbeit).
Mittlerweile machen zunehmend sogar Italiener in den deutschen Alpen Urlaub weil es zu Hause teurer ist. Ich zumindest tue mein Bestes: italienischen Rotwein trinken und Parmaschinken essen- na denn!

sind die Deutschen selber schuld. Die rot-grüne Bundesregierung hat den Dumping-Arbeitsmarkt mit Leiharbeit und Billiglöhnen ermöglicht. Wer wegen des Lohndumpings nicht genügend zum Leben verdient wird seitdem auf Kosten aller Steuerzahler staatlich alimentiert. Das führt dazu, dass sich Deutschland auf eigene Kosten stolz "Exportweltmeister" nennen darf. Der CDU gingen die damaligen Reformen nicht weit genug, sie hatte sie aber als "Schritte in die richtige Richtung" gelobt. Merkel heftet sich jetzt die daraus resultierende Vollbeschäftigung als Erfolg ihren eigenen Wirtschaftspolitik auf die Fahne. Die deutsche Bevölkerung hat die Reformen damals schweigend hingenommen und kuscht auch jetzt angesichts der sich abzeichnenden Verwerfungen - sie ist eben traditionell obrigkeitshörig.

Bei den Handelsüberschüssen scheinen sie zu übersehen, dass zwar auf der Firmenebene die deutschen Exporte bezahlt wurden, dass aber auf der Ebene 'Eurosystem' die meisten Käufe der Italiener in den Target-Salden stehen, und auch in den Staatsanleihen enthalten sind, die tonnenweise in der EZB liegen - insgesamt also nicht bezahlt sind. Ausserdem besteht der Niedriglohnsektor primär im Dienstleistungsbereich, der überhaupt nicht exportiert, und kaum in der exportierenden, herstellenden Industrie. Die Italiener haben nicht mehr und mehr VW, statt FIAT gekauft, weil VW billiger war, sondern weil VW besser ist.

Dennis Staudmann | Fr, 26. Oktober 2018 - 18:57

glauben, dass es ihnen "so gut geht wie noch nie" und dass das daraus resultiert, dass Deutschland in der EU ist, dann müssen sie eben zahlen. Grosse Teile der Bevölkerung sind zu faul oder zu naiv, sich über das, was ihnen die Politik erzählt, zu informieren. Sie glauben auch, dass nur die EU den Frieden nach 1945 in Europa sichern konnte. Die Möglichkeit, dass die NATO und die starke Truppenpräsenz der Amerikaner in Europa damit etwas zu tun haben könnten, fällt den meisten nicht im Traum ein. Voller Verständnis sind viele Mitbürger auch, wenn Politiker bei tendenziell sinkendem Rentenniveau regelmässig für Deutschland eine Erhöhung des Renteneintrittsalters fordern. Würde Deutschland aus der EU austreten, wäre diese nicht überlebensfähig. Warum ist das wohl so? Sicher nicht, weil uns alle anderen Mitglieder so lieben. Der Grund ist, dass wir Politiker haben, die meinen, dass zuerst die EU und deren Finanzierung und dann die eigene Bevölkerung kommt.

Roland Völkel | Fr, 26. Oktober 2018 - 19:54

Gut, Italien hat sicher einige hausgemachte Probleme wie andere Europäische Staaten auch (Frankreich, Spanien u.a.).
Ich glaube aber vor allem,dass der europäischen Kommission (hier wahrscheinlich auf Druck von D.)die "populistischen" Regierungsparteien in Italien ein Dorn im Auge sind (Salvini u.a.)die nicht nach der Pfeife von der Zentraratsvorsitzenden Fr. Merkel tanzen (Migration u.ä.).
Wäre noch ihr handzahmer Pudel Berlusconi am Ruder, sähe die Sache sicher ganz anders aus.
Wie ich mich erinnern kann, sollte die max. Neuverschuldung nicht über 3% des BIP liegen-Italien will aber "nur" 2,4% neue Schulden machen.
Was die Vorgänger Regierung mit der EU ausgemacht hatte (0,8%) war ja wohl ein Diktat von Schäuble(schwarze Null).
Und wer hatte denn zuerst gegen den Pakt verstoßen-das war ja wohl Deutschland sowie die Franzosen (hier mehrmals).
Schaun wir doch mal nur unser Land an, wie Inrastuktur, Bahn, Schulen u.s.w.-einfach traurig-aber weiterhin offene Grenzenf für die Welt!

Dimitri Gales | Fr, 26. Oktober 2018 - 20:36

Arbeitsmarktes viel bringen würde. Hartz4 ist ja hierzulande, bei Licht besehen, auch kein Erfolgsmodell, die relativ niedrige Arbeitslosenquote sind Faktoren wie Demografie, Exportboom und eine praxisorientierte Berufsausbildung geschuldet, sowie der Ausweitung des Niedriglohnsektors.
So wie ich die Lage Italiens beurteilen kann, ist der Euro daran nicht unschuldig. Italien ist seit der Einführung dieser artifiziellen Währung zurückgefallen. Man muss berücksichtigen, dass der Euro nur eine Fortführung der DM ist, also nicht unbedingt tragbar für Länder mit einem ganz anderen Profil ist, wie das bei Italien oder Griechenland der Fall ist. Ich ahne dabei nichts gutes, man kann auf Dauer Völker nicht bevormunden, so wie es die Bundesregierung und Brüssel als ihr verlängerter Arm wollen. Italien sieht sich Abgrund und reagiert, das ist alles. Deutschland wird in Europa immer mehr, auch in Frankreich, kritisch gesehen.

Christoph Kuhlmann | Fr, 26. Oktober 2018 - 21:49

Eigentlich hätte Italien niemals Mitglied der Eurozone werden dürfen. Je länger das Elend dauert desto Teurer wird es. Italien läuft erst mit 20% Inflation so richtig rund. Ich hoffe die EU bleibt hart, dann wird sich auch die Bewertung der italienischen Immobilien relativieren.

Sepp Kneip | Fr, 26. Oktober 2018 - 22:24

Die Entwicklung hin zu der jetzigen Situation in Euro-Land ist vielschichtig. Grundübel war und ist die Einführung des Euro. Da man es versäumt hat, auf die Einhaltung der Stabilitätskriterien und der Vereinbarungen sowie Verträge zu pochen und Nichteinhalten zu sanktionieren, ist das Jahrhundertexperiment Euro aus dem Ruder gelaufen. Es hat Europa entzweit, nicht vereint, wie man bar jeder ökonomischen Vernunft gehofft und versprochen hatte.

Dass das alles zu einer Verwerfung führen würde, war vorauszusehen. Der endgültige Crash der Eurozone konnte bisher nur mit der Flutung der Märkte mit ungedecktem Geld verhindert werden. Im Grunde ein verbrecherisches Vorgehen. Die hierdurch befeuerte immer höhere Verschuldung wird die Hauptnahrung für den kommenden Crash sein, der natürlich in erster Linie den "Kleinen Mann", vor allem in Deutschland, treffen wird. Die anderen Wirtschaftssubjekte werden dann ihre Schäfchen längst im Trocknen haben. Krimineller gehts nicht.

Bernhard K. Kopp | Sa, 27. Oktober 2018 - 07:47

Genau da liegt der Gordische Knoten den es zu durchtrennen gilt. Und natürlich bei allem hinter ' Italien könnte die Probleme leicht lösen'. Wenn wir sie nicht dazu zwingen, werden sie uns für immer auf der Nase herumtanzen, und, in den Abgrund ziehen. Finanziell und politisch.

Gerdi Franke | Sa, 27. Oktober 2018 - 08:55

Und kann sich wieder als wichtig und gebraucht fühlen. Dass die Deutschen wieder die Dummen sind macht doch nichts. Italien hat Recht mit seiner Vorgehensweise wenn das in der EU legal ist. Dass ich eine solche EU nicht mehr wählen werden dürfte wohl klar sein!

gabriele bondzio | Sa, 27. Oktober 2018 - 10:58

Und sie spielen, wie die Rolle es verlangt. Könnte man in Einstimmigkeit mit Erbsteins Schlager singen. Von 1995 bis 2016 wurde die 3 %-Grenze 115 mal verletzt.
Setzt man hinzu, dass es fast obligatorisch ist, was einem Mitglied einer Gesellschaft Vorteile bringt, oft dem Gesamtwohl aller andern zuwiderläuft. Wäre man bei Betrachtung des europäischen Marktes einen weiteren Schritt vorangekommenen.
Man kann diese Tatsache aber auch auf den einzelnen Europäer umlegen. Und da wird sichtbar, wie auch im Artikel richtig erkannt. Das der wirklich Gelackmeierte im „reichsten Land der EU“ beheimatet ist.
Und zu seinem Lasten wird (was ich annehme) weiter über Target-2, freiwillige Zulage zum EU-Haushalt (Steigerung 15 Milliarden) und andere noch nicht näher bezeichnete Hilfen. Immer weiter gutes Geld , schlechten nachgeworfen.

Mathias Nägele | Sa, 27. Oktober 2018 - 11:43

Ja, wenn man sich als Export-Weltmeister rühmt ist doch alles gut - so wird es uns weiß gemacht. Der einfältige Deutsche darf sich wieder auf die Schulter klopfen. Wo ist das Geld dieses Überschusses, wo wird es investiert, kann sich der Käufer die Ware überhaupt leisten? Die Infrastruktur ist brüchig, der Bahn-Unterbruch bei Rastatt hat es gezeigt. Ein Ausweichen auf die Strecke Stuttgart-Zürich war nicht möglich, die Neckartal-Strecke kann eigentlich nur von einer Museums-Bahn benutzt werden. Ein anderes Beispiel ist der Weser-Dattel-Kanal einer der wichtigsten Kanäle Deutschlands. gemäß der schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt sind die Schleusen marode. Wir leisten uns wiedereinmal unfähige Eliten die sich an Nebenthemen abarbeiten, und das Staatsvermögen zum dem die Infrastruktur gehört, verlottert der schwarzen Null wegen.Da lässt es sich doch wieder auf die Schulter klopfen, leicht verkäuflich ist die schwarze Null ohnehin und der Soli kann bleiben - ein Populist.

Wolfram Wiesel | Sa, 27. Oktober 2018 - 15:32

Wie sgte VAROUFAKIS:"Was immer die Deutschen sagen, am Ende werden sie zahlen!" Und LE FIGARO:"Deutschland zahlt, hieß es in den zwanziger Jahren. Heute zahlt es. Maastricht ist Versailles ohne Krieg!". Bis 2030/2035, dann schnappt die demografische Falle zu, werden wir uns mit den geburtenstarken Jahrgängen noch über die Runden schleppen. Dann haben wir 25 Millionen Rentner,Davoln werden ca. 4 Millionen Pflegefälle sien. Davon wiederum ca. 2 Millionen "dement". Aber zwischen 5 und 7 Millionen Fachkräfte werden fehlen. Die illegalen Zuwanderer sind zu 70 % für den deutschen Arbeitsmarkt völlig unzulänglich qualifiziert. Ca. 15 % von ihnen sind "funktionale/strukturelle" Analphabeten. Die Kosten für diese Menschen sind niergendwo bilanziert. Aber der LINKE PATRIOT DENIZ YÜCEL hat sich öffentlich und schriftlich ja gewünscht, dass Deutschland in einen Rübenacker vewandelt wird und zwischen Polen und Frankreich aufgeteilt wirdl.....also denn !

Norbert Heyer | Sa, 27. Oktober 2018 - 18:13

Die Italiener gehören zu den Pfiffigen in der EU. Die Bürger sind reich, der Staat ist arm. Jetzt müsste der italienische Staat Solidarität bei seinen Bürgern einfordern. Warum sollten sie das tun? Ihr Erpressungspotential ist so groß, dass sie ganz locker die Situation eskalieren lassen könnten. Sie wissen, die EU ist schwach, Frau Merkel noch schwächer und so werden die Deutschen die Geldbörse weit öffnen, um wieder eine gefährliche Situation zu entschärfen. Wie lange kann man den Deutschen noch verheimlichen, dass wir aufgrund unserer Aufwendungen für die Flüchtlingskrise, Bürgschaften, Rettungsschirme und Target-Konten eigentlich das Armenhaus der EU sind? Wenn diese Bombe tatsächlich eines Tages hochgeht und wir neben inneren und kulturellen Problemen auch noch finanziell mit leeren Händen dastehen? Das Bewusstsein über unsere prekäre Lage scheint nur bei ganz wenigen Menschen in Deutschland vorhanden zu sein. Mein größter Wunsch: Mit dieser düsteren Prognose Unrecht zu haben ...

Thorsten Fest | Sa, 27. Oktober 2018 - 18:27

Erstaunlich, dass dieser Artikel so wenig kommentiert wird, im Gegensatz zu denen, die die Flüchtlingskrise thematisieren. Dabei wird das Thema europäische Umverteilung auch enorme Folgen für Deutschland haben, ist in dieser Form genauso wenig demokratisch legitimiert und wird den Bürgern ebenso als alternativlos verkauft.

Achim von Ober… | Sa, 27. Oktober 2018 - 21:25

Ich hatte beim Vorstand der Deutschen Bundesbank angefragt, ob sie die Target Forderungen nicht an mich übertragen können. Schließlich gelten sie als uneinbringlich. Ich hätte dafür in Italien eingekauft - Immobilien, Grundbesitz, etc.
Der Vorstand der Bundesbank hat geantwortet, dass die Target-2 Forderungen nicht gegenüber Italien bestehen, sondern gegenüber der EZB. Zudem betreibt die Deutsche Bundesbank als Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland kein kommerzielles Bankgeschäft....
Schade, ich hatte mich schon so gefreut.

Reinhold Schramm | So, 28. Oktober 2018 - 04:25

»Nach Daten des französischen Reichtumsforschers Thomas Piketty liegt das Vermögen in Italien bei rund 590 Prozent des Volkseinkommens, bei uns bei 450 Prozent. Nach Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt das Medianvermögen der privaten Haushalte in Deutschland bei 60.000 Euro, in Italien bei 150.000 Euro. – Zählt man die verdeckten Verbindlichkeiten mit ein, hat Italien Schulden in Höhe von 107 Prozent des BIP (richtig: die künftigen Einnahmen übersteigen die Ausgaben!) und Deutschland von über 160 Prozent.« – Vgl. Cicero

https://www.cicero.de/wirtschaft/Italien-Haushalt-EU-Eurokrise-Euro

Die Reichen bezahlen ohnehin nicht!

Die doofen Armen in Deutschland werden erneut die Rechnungen bezahlen müssen! So wie alle gut-geschmierten bundesdeutschen Parlamentspolitiker*innen es dem Volk verordnen!

Reinhold Schramm | So, 28. Oktober 2018 - 11:12

Die doofen Armen in Deutschland und Italien werden bezahlen!
Italienischer Haushalt - Die römischen Provinzen in Westeuropa werden's schon bezahlen.

»Nach Daten des französischen Reichtumsforschers Thomas Piketty liegt das Vermögen in Italien bei rund 590 Prozent des Volkseinkommens, bei uns bei 450 Prozent. Nach Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt das Medianvermögen der privaten Haushalte in Deutschland bei 60.000 Euro, in Italien bei 150.000 Euro. – Zählt man die verdeckten Verbindlichkeiten mit ein, hat Italien Schulden in Höhe von 107 Prozent des BIP (richtig: die künftigen Einnahmen übersteigen die Ausgaben!) und Deutschland von über 160 Prozent.« – Vgl. Cicero

Die Reichen in Deutschland, Griechenland und Italien bezahlen ohnehin nicht!

Die Armen in Deutschland und Italien werden erneut die Rechnungen bezahlen müssen! So wie alle gut-geschmierten bundesdeutschen und italienischen Parlamentspolitiker*innen es dem Volk verordnen! Die treubraven EU-Michels!