Die Aktivisten haben den Kunstunterricht geschwänzt, sonst hätten sie sich nicht über Monets Getreideschober hergemacht / dpa

Kunst und Klima - Journalistischer Buddhismus trifft zynischen Aktivismus

Verschafft der Journalismus den Klimaaktivisten und ihren gemeingefährlichen Aktionen erst die gewünschte Aufmerksamkeit? Und wo ist eigentlich der Unterschied zwischen der Letzten Generation und Al-Qaida?

Autoreninfo

Beat Wyss hat an zahlreichen internationalen Universitäten gelehrt. Er hat kontinuierlich Schriften zur Kulturkritik, Mediengeschichte und Kunst veröffentlicht. Beat Wyss ist Professor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

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Nur widerwillig hab’ ich mich von Ralf Hanselle, meinem hochgeschätzten Chef, dazu bewegen lassen, mit meinem Löffel jetzt doch auch noch in den musealen Kartoffelbrei zu hauen. Mein Widerstand erklärt sich, streng wissenschaftlich, mit Heisenbergs Unschärferelation. Deren drei Aussagesätze zu quantenmechanischen Zuständen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Beobachtung beeinflusst das Beobachtete und vice versa. Der Alarmismus der Medien, so entrüstet er jetzt über gekaperte und bekleckerte Kunstwerke berichtet, geht exakt der Strategie der Aktivisten auf den Leim. Die Letzte Generation freut sich doch über jede Aufmerksamkeit, die ihnen zuteilwird, und sieht sich, dank aufgebrachtem Echo, in ihrer Klebe- und Kleckerstrategie bestätigt. Und die Berichterstattung wiederum kann sich auf die Schultern klopfen: Sie hat ihre kritische Meinung, auch Volkes Stimme beachtend, klar und deutlich verlautbart und damit ihren Job gemacht.

Hanselle hat meine Haltung „buddhistisch“ genannt. Mit Meditieren sei die Welt nicht zu retten, so sein Vorwurf. Gegen passives Besserwissen allzu nachdenklicher Bedenkenträger argumentiert Hanselle mit einem Diktum von Baudrillard: „Hätte Mohamed Atta ein Flugzeug ins WTC gesteuert, wenn kein Medium darüber berichtet hätte?“ Ja, dieser Satz ist mir bekannt und zwar vom postmodernen Meisterdenker persönlich; im Herbst 2001 war ich dabei, als Baudrillard im überfüllten Audimax der Uni Stuttgart seinen Vortrag zu Nine Eleven hielt.

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Hans Jürgen Wienroth | Fr., 4. November 2022 - 13:08

Fahrverbote in der Innenstadt? Ich habe nichts dagegen, wenn das für alle, incl. den Stadtbewohnern gilt, wenn die kein Auto mehr haben dürfen. Dafür haben sie schließlich einen gut ausgebauten ÖPNV. Auf dem Dorf fahren die stündlichen Busse (das erklärte Ziel der Ampel!) max. mit 2 -3 Passagieren. Ist das bei 33 l / 100 km klimafreundlich? Den Klimaklebern empfehle ich aus Umweltschutzgründen ALLE Fahrten mit dem Rad (ohne e-Unterstützung) zu machen – Sommer wie Winter! Dann dürfen sie andere belehren.
Wenn die städtische Bevölkerung so für Windkraft ist, dann darf sie diese gerne auf eigenem Gebiet aufstellen. 10% der Windräder in die Städte, in Parks ist genug Platz dafür. Ist man eventuell so für die angeblich erneuerbaren Energien, weil man deren Folgen selbst nicht spürt? Die Nächstenliebe endet doch in unserem „christlichen Land“ mittlerweile dort, wo ich selbst Nachteile habe. Ansonsten wäre z. B. der Verzicht aufs Smartphone bei den Klimaklebern ein Beitrag zum Klimaschutz.

Tomas Poth | Fr., 4. November 2022 - 13:29

Der Aktivismus der "Hinterletzten Generation" der hier destruktiv daherkommt, ist ein bezahlter Terror einer Minorität, die von NGOs gesponsert sind, und gegen die Bevölkerung kämpft die ihrem täglichen Broterwerb nachgehen muß.
Also die gepamperten/gestopften bekämpfen jene die sich ihr Brot erarbeiten müssen! Das sind Merkmale von Feudalismus!
Es gibt keine Klimakatastrophe, es gibt nur eine wackelige Hypothese, die medial hochgejazzt wird, durch ihr pausenloses Stakkato in den Köpfen festgenagelt wird und verwirrte Köpfe zu irren Handlungen verleitet.
Die wackelige Hypothese erzeugt nur neues Wachstum und verschiebt die Ausbeutung der Ressourcen auf andere Ebenen, bei gleichzeitig erhöhtem Aufwand, nur um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Wie soll, wie kann das in dem Verständnis der Klimaspinner irgendetwas schonen, außer daß weniger Kohl, Öl, und Gas verbraucht werden.
Dieses Ziel läßt sich mit Effizienzsteigerung unseres gesamten Wirtschaftens besser und schonender erreichen.

Georg Chiste | Fr., 4. November 2022 - 14:35

Viele Journalisten können in ihrem moralischem Eifer anscheinend nicht mehr wahrnehmen, was in der Realität los ist. Aus dieser gedachten Überlegenheit entscheiden sie worüber diskutiert werden darf und worüber nicht. Wer diese Weltanschauung nicht teilt, wird zum Schweigen gebracht.
Die Lösung muss die ständige Überprüfung von Behauptungen sein. Tatsachen zählen und nicht die moralische Selbstbeschäftigung.

michael büchner | Fr., 4. November 2022 - 14:42

man entnehmen kann, dass sie als angesehener experte geradezu körperlich leiden unter diesen exzessen gegen die kunst...

auch mir fehlt jegliches verständnis dafür, ich bin aber eben auch laie & sehr froh darüber, dass der cicero ihnen monatlich in der printausgabe raum dafür gibt, eben solchen laien wie mir sehr unterschiedliche formen der kunst nahezubringen. insofern herzlichen dank dafür!

aus meiner sicht ist es wohl leider so, dass dieser herr tadzio müller nicht nur körperlich schwer erkrankt ist..
und zu sehen, wie studenten - also gewissermaßen die intellektuelle zukunft dieses landes - versuchen, über das beschmieren von kunst ins fernsehen zu kommen, ist aus meiner sicht schier unerträglich! zugegeben, ich habe erst sehr spät zur kunst gefunden, war erst mit ende vierzig in der tate-galerie & fand es zum kotzen, die bilder dort nur hinter glas betrachten zu dürfen..
es mag sein, dass der klimawandel dramatisch wird, unerträglich aber ist diese bilderstürmerei! einfach dumm!

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr., 4. November 2022 - 16:36

Herr Wyss geht auch in Gemälden spazieren.
Ich habe das von diesem wunderbaren Mary Poppins Film.
Herr Wyss erklärt uns auch gleich Chagall tiefer, so wie ich auch das Bild von Monet sah, es aber als Kind noch nicht hätte sehen können?
Danke