Michel Houellebecq - Ein Porno für das Abendland

Der französische Autor Michel Houellebecq hat in einem Porno mitgespielt, möchte die Veröffentlichung nun aber verhindern. Offenbar ist ihm erst nach dem Dreh aufgefallen, dass die Rettung des Abendlandes durch einen Sexfilm keine schlüssige Erzählung ist.

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb ist Cicero-Autor und war Kultus- und Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört der SPD an.

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Selbst seine publizistischen Kritiker kamen nicht umhin, Michel Houellebecq – verkniffen zwar, aber eben doch – eine „große Erzählkunst“ zu attestieren. Manchen gilt er gar als „Miraculix der Literatur“. Ein politisch durch und durch unkorrekter Autor, der aber herausragend und mit dem Finger am Puls der Zeit schreiben kann, lässt sich eben nicht so einfach ignorieren. Noch nicht. Denn wahrscheinlich hat Houellebecq jetzt das geschafft, was seine linken Kritiker über Jahre nicht vermochten: ihn politisch aus dem Weg zu räumen.

Dabei geht es gar nicht um die gegen ihn gerichtete Anzeige des Rektors der Großen Moschee zu Paris Ende 2022 wegen „Aufstachelung zum Hass gegen Muslime“. Hintergrund für den damaligen Vorgang war ein 45-seitiger Disput des Schriftstellers mit dem Philosophen Michel Onfray in der Zeitschrift Front Populaire. In diesem ging es um die ganz großen Themen des christlichen Abendlandes: den demografischen Niedergang, Sterbehilfe, Euthanasie, Abtreibung, die Todesstrafe, den „großen Austausch“ („grand remplacement“) – und eben den Islam. 

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Tomas Poth | So., 2. April 2023 - 14:37

Der Westen ist übersexualisiert, man schaue sich nur all die Werbung für die verschiedensten Produkte an, wie dort der Geschlechtstrieb die Kauflust anreizt.
Gibt es noch Filme und Serien in denen keine Vögeleien stattfinden?
Und natürlich die Pornoindustrie die die "Krönung" des Sexbusiness ist. Sex sells, ein alter Werbespruch.
Die in den 68ern mal angepeilte "sexuelle Befreiung" ist nur ein maßloses Sexgeschäft, eine Sexindustrie mit all ihren Zwängen geworden, ganz besonders im Bereich der Prostitution. Siehe Amsterdam, wie hier beschrieben, und damit sind wir bei Houellebecq, der Tropf.
Diese öffentliche, geile Dummheit für die er sich hergegeben hat, ändert kein einziges Wort seiner Texte und ihrer Aussagen.
Auch an Brechts Texten wird keiner Zweifeln, nur weil er es gerne mit verschiedenen Frauen hatte.

es wird zur Schau gestellt aber wenig gemacht oder wie ein Bekannter es ausdrückte: die Gesellschaft ist oversexed and underfucked.

Tomas Poth | Mo., 3. April 2023 - 15:42

Antwort auf von Carola Schommer

Ist die Gesellschaft allenfalls im Kreis der "Neubürger" die hunderttausende junge Männer aus Nahost und Afrika. Wir sehen dies auch an den Gewalttaten gegenüber den Frauen in Deutschland, Kölner Domplatte und viele andere Beispiele.

Romuald Veselic | So., 2. April 2023 - 14:54

Zitat: "Ein politisch durch und durch unkorrekter Autor, der aber herausragend und mit dem Finger am Puls der Zeit schreiben kann, lässt sich eben nicht so einfach ignorieren."
Früher nannte man ähnliche Personen als Nonkonform. Für mich gilt das bis heute + X.

Nein zu Dogmen. Ja zu Anti-Dogmen.

Hat Houellebecq eine Straftat begangen? Nein.

Was ist an Pornografie unmoralisch? In den Pornos werden die Zuschauer nicht zum Bekämpfen/Eliminieren der Andersdenkenden angestiftet. Und wer keine Pornos mag, kann Flora u Fauna sich angucken.

Für mich sind viele ideologische u klerikale Texte weitaus schlimmer, gefährlicher u mörderischer, als Abbildung vom Sex. Ich mag so geführte Debatte nicht. Sie sind tendenziös u reaktionär.

Herr Brodkorb, diesmal hab ich eine gegenteilige Meinung u lehne Ihre Argumentation als bigott ab.

Meine Devise: Leben u leben lassen.

PS Der Islam ist für mich keine moralische Instanz, nach der ich mich je richten würde.

Karl-Heinz Weiß | So., 2. April 2023 - 15:00

Der angeblich arglose Filmstar hat offenbar nichts aus dem selbstverschuldeten Problem seines Landsmanns Strauß-Kahn gelernt. Oder ist die französische Gesellschaft doch nicht so asexuell, wie er in seinen apokalyptischen Visionen glaubhaft machen will ? Wegen der Rentenreform in Frankreich muss ihn nun der angeblich dekadente Westen zwei Jahre länger ertragen.

Urban Will | So., 2. April 2023 - 17:02

dieses Rennens sein oder sich so sehen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Houellebecq sich in einem „moralischen“ Rennen sieht.
Ich liebe seine Bücher und halte ihn für ein Genie und da bin ich sicher nicht der einzige. Ich denke sogar, dass es seinen Fans völlig egal ist, ob er Pornos dreht oder was auch immer. Mir ist es definitiv egal.
Was mich auf den ersten Blick enttäuschte, war die hier gelesene Nachricht, dass er die Hosen voll zu haben scheint und die Veröffentlichung des Films zu verhindern versucht. Das entsprach überhaupt nicht meinem Bild von ihm als Mensch.
Aber auf den zweiten Blick halte ich dies (wie d Beschimpfung dv Ruitenbeek) für eine Finte und Verarsche d von H. wohl verachteten weil sich unterwerfenden westlichen Gesellschaft, denn eine bessere Werbung hätte er nicht machen können.
Dass er (erwartungsgem.) vor Gericht verlor, steuerte hierzu bei und so hat der Film, dessen Existenz vielen wohl überhaupt nicht bekannt gewesen wäre, nun die beste Publicity.

Albert Schultheis | So., 2. April 2023 - 17:14

Der Hüllenbeck, er ist wahrscheinlich der größte lebende Schriftsteller des späten Abendlandes. Ein großer Künstler, keine Frage. Und natürlich ist er genauso besessen von Sexualität und ihrer allgegenwärtigen Perversionen wie unsere gesamte westliche Gesellschaft. Er schreckt vor keiner noch so banalen Anzüglichkeit zurück, warum sollte er? Schreiben, was ist! Wenn's nicht einmal die Nobel-Gazetten mehr tun, dann tut er's. Und womöglich lebt er es auch - so what? Woher sollte er sich sonst seine Inspirationen zur post-post-modernen conditio humana herholen? Klar wollen ihn die Linken Dummschwätzer abschießen - aber ausgerechnet mit einem Porno-Skandal? Ihr habt sie wohl nicht mehr alle! Guckt euch mal in euren eigenen Reihen um, zB die letzte Rede des linken Queer-Abgeordneten Ganser im Bundestag! Dagegen ist ein Porno mit Hüllenbeck ein sonntägliches Hochamt!

Naumanna | So., 2. April 2023 - 18:29

Ich hatte eigentlich vor, endlich ein Buch von Houellebecq zu lesen. Dachte, es wäre eine Bildungslücke, den nicht mal zur Kenntnis zu nehmen. Das werde ich mir jetzt ersparen. Der Autor hat sich wirklich aus dem Rennen genommen. Für mich nur noch eine Lachnummer.

Ernst-Günther Konrad | So., 2. April 2023 - 20:19

Mich interessieren seine politischen Ansichten. Und da gibt es einige Positionen, sicher nicht alle, die ich durchaus teilen kann. Ob er als moralische Instanz gelten will oder bei seinen Anhänger gilt, kann ich nicht beurteilen. Die Aussage, der Westen sei desexualisiert kann ich nicht nachvollziehen. Auf allen Kanälen, in fast jeder Werbung werden doch die Hormone angesprochen und inzwischen kann und will doch jeder mit jedem, einige GRÜNEN gar mit Kindern, diese Verbrecher. Ich kann nur nicht nachvollziehen, warum er sich überhaupt auf dieses Milieu einlässt und solche Nähe zur Pornografie sucht und jetzt argumentiert, er habe den Vertrag nicht richtig gelesen. Das ist lächerlich. Ich vermute mal, dass er sich mit seinen 67 Jahren sich nochmal ausleben wollte und nun erkennt, damit sich in seinem gesamten Ansehen disqualifiziert zu haben und seinen Kritikern eine Steilvorlage gegeben hat. Wie dem auch sei. Auch im Islam ist die Moral der Frau nur eine Farce. Die sind nicht besser.

Gerhard Lenz | So., 2. April 2023 - 20:59

ja offensichtlich ganz schön auf die freche Schnauze gefallen.

Seine Lebensgefährtin habe ihm Prositituierte zugeführt? So what?

Neben spießbürgerlichen und strunzkonservativen politischen Anbiederungen an rechtslastige Polit-Wichtigtuer sind ihm in seinen Romanen keine Ferkeleien zu eklig. Houllebecq ist doch eine wandelnde Provokation. Und das war bis vor kurzem durchaus so gewollt.

Jetzt ist ihm aufgegangen, dass es einen Unterschied zwischen der von ihm erschaffenen, fiktiven, literarischen Welt und dem von ihm durchaus offensiv gefütterten Image des schreibenden "Enfant terrible" geben sollte? Dass der Houllebecq, der einerseits für die Ewiggestigen rechtsaussen wirbt, nicht außerhalb sämtlicher Konventionen agieren kann? Dass Anarchie und völkisch-traditionelles Spießbürgertum nicht zusammenpassen?

Bißchen spät, die Erkenntnis. Angeblich hat es ihm zunächst gar nichts ausgemacht, in dem Filmchen mitzuwirken.
Schreiben kann er, keine Frage. Alles andere sollte er lassen.

Oder – so kommt ihr Beitrag zumindest rüber – mal wieder die „Hater – Mühle“ angeworfen und jeglichen Schmutz raus gehauen, der ihnen so einfiel?

Sollte Sie Houellebecq gelesen haben, dann frage ich mich, was Sie veranlasst hat, einen solchen Bullshit zu schreiben.

Bleiben Sie bei Bullerbü oder Habecks Kinderbüchern, da können Sie sich dann ergötzen.

BHZentner | So., 2. April 2023 - 21:56

seinen Romanen nachspielen;will mir gar nicht ausdenken-geschweige denn ansehen-wie der dabei aussieht;-))
Für mich ein sprachmächtiger, gewitzter Romancier: In einer Szene in einer Mall (Unterwerfung)sinniert er darüber,daß sich die Französinnen tagsüber im öffentl. Raum begehrenswert inszenieren(ohne daß sich jemand traut darauf zu reagieren;verquere Machtdemonstration?),um sich-von der Arbeit nach Hause gekommen-in labbernden Jogginghosen neben dem Mann-auf dem Sofa unerotisch zu flätzen.Er stellt sich vor, daß es bei Musliminnen(kommen gerade welche in Burkas aus dem Dessous-Laden)anders ist: Sie entziehen ihre Reize der Öffentlichkeit, um zu Hause... eine,,romantische"Vorstellung(Würde?) Jedenfalls paßt die Passage zum letzten Absatz Ihres Artikels.
Ich glaube nicht,daß er eine moral. Instanz ist; hat vielleicht damit kokettiert,daß andere ihn so,,adressieren".Er scheint mir ein genialischer Zyniker;selbst das könnte eine Inszenierung sein.
,,Uncool", daß er da rumprozessiert.

Hermann Josef Stirken | So., 2. April 2023 - 23:53

nehmen ist eine starke Formulierung, die sich in der Zukunft evaluieren wooed. Ein starker Geist und, das ist dieser Schriftsteller, setzt sich immer durch. Er gehört zu den besten Gegenwartsdchriftstellern, da ist ein Fauxpas ein Fauxpas und beim nächsten guten Roman vergessen.

Chris Groll | Mo., 3. April 2023 - 08:51

@Tomas Poth, @Romuald Veselic, @René Maçon,
schließe mich Ihren Kommentaren an und möchte denen auch nichts hinzufügen.