Touristin spaziert durch rosa Muhlygras in einer Stadt nördlich von Hangzhou in der ostchinesischen Provinz Zhejiang / dpa

Unser Bild von China - Wir brauchen mehr Chinakompetenz

In Sachen China geht es derzeit hoch her. Erst provoziert die deutsche Außenministerin einen Eklat in Peking, dann gerät eine Gruppe deutscher Sinologen in Berlin in Kritik. Doch warum fällt es uns eigentlich so schwer, sachlich über China zu reden?

Ole Döring

Autoreninfo

Ole Döring ist habilitierter Kulturphilosoph und Sinologe. Er vernetzt unterschiedliche Kompetenzen und Denkweisen zu Medizin und Gesundheit, Technologie, Soziales und Ökonomie. Döring beschäftigt sich mit kulturellen und philosophischen Fragen der Medizin und Bioethik und ist Vordenker einer globalen Gesundheits-Ethik. Zuletzt ist von ihm das Buch „Das Luther-Gen - Zur Position der Integrität in der Welt“ erschienen.

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Man stelle sich das einmal vor: Vier deutsche Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen, mit jahrzehntelanger China-Erfahrung, und ein Völkerrechtler machen auf Einladung der Akademie der Sozialwissenschaften eine selbstfinanzierte wissenschaftliche Sondierungsreise durch die chinesische Westprovinz Xinjiang. Nach ihrer Rückkehr informieren sie in einem Artikel in der NZZ die Öffentlichkeit über ihre Beobachtungen. Sie empfehlen „die Intensivierung des Austauschs mit Xinjiang sowie weitere intensive Beschäftigung mit dieser Region wie mit China insgesamt“. 

Eben dieser Beitrag erschien am symbolträchtigen 11. September. Er ist überschrieben mit „Jenseits von Hass und Zorn“. Eine für vernünftige Wissenschaftler selbstverständliche Botschaft – ob gegenüber China oder jedem anderen Forschungsgegenstand geht es um gut begründetes Urteilen. Was zunächst wie eine Rückkehr zur Normalität nach Jahren fehlender Begegnungen aussieht, führt freilich geradewegs in ein Wespennest. Von „Zündstoff“, „Entsetzen“, „lautstarker Kritik“, „Unverständnis“, „Empörung“, ist zu lesen, weil die Kollegen feststellen: „Es sind mittlerweile deutliche Anzeichen einer Rückkehr zur Normalität erkennbar.“ Für eine Differenzialanalyse war in dem Artikel kein Raum, da der ursprüngliche Beitrag nach redaktioneller Vorgabe von 18.000 auf 5000 Anschläge gekürzt werden musste. Hätte man ganz auf die Veröffentlichung verzichten sollen? 

Am Anfang jeder Aufklärung steht der Vorsatz, „zu sagen was ich weiß und zu wissen was ich tue“. Denn, mit Immanuel Kant: „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ Kant sagt ferner: „Das: Ich denke, muß alle meine Vorstellungen begleiten können.“ Dieser Ansatz verbindet Wissenschaft und Journalismus. Damit sind beide auf Standards verpflichtet, die Aussagen über die Wirklichkeit sowohl der empirischen Evidenz als auch der Widerspruchsfreiheit unterwerfen, ebenso wie sie mit der Reflexion über die eigene Subjektivität zu verbinden. Zugleich geht es jeden Bürger etwas an, ob und wie diese Standards gewährleistet werden. Es liegt in der Natur solcher Erkenntnis, dass sie sowohl diejenigen informiert, die China effektiv distanzieren oder ausmanövrieren wollen, als auch Freunde der Zusammenarbeit. 

Verletzung der Diskursspielregeln

Die Betroffenheit schwappt seit diesem Datum aus den Social-Media-Blasen wie „LinkedIn“, durch Newsletter wie „China Table“, in die breitere Wahrnehmung von Zeitungen wie NZZ oder SZ. Nirgends wird eingeordnet oder nachgefragt. Am Anfang steht das Urteil. Angeblich, so ein Kollege, verharmlost diese Forschungsreise den nebulösen Tatbestand eines „kulturellen Genozides“. Wenn Wissenschaftler, die einfach ihre Arbeit tun, auf eine breite Front moralisierenden Widerstandes treffen, läuft etwas ganz grundsätzlich falsch. Das hat nichts mit der gesunden Härte von Kritik im öffentlichen Raum zu tun, sondern mit den Spielregeln, die dabei immer einzuhalten sind: Sachlichkeit, Redlichkeit und Anstand.

Diese erkennt man ohne weiteres an Ausdruck und Form der Argumente. Es mag zu viel verlangt sein, auf die Schuldigkeit des interessierten Nachfragens und Zuhörens zu setzen. Auf Tatsachen, Verhältnismäßigkeit und Stimmigkeit kann aber kein Argument verzichten. Dazu gehört, zu sortieren, wer was zu sagen hat. Wissenschaftler, die auf ihrem Gebiet jahrzehntelang renommiert gearbeitet haben, beanspruchen ein anderes Gewicht als Aktivisten aus einer Betroffenenszene, religiöse Demagogen, frei assoziierenden Zeitgenossen, die China mit „dem Ostblock“ gleichsetzen oder Akademiker mit angelesener Meinung – aber auch junge Kollegen mit Geltungsdrang. Diese Autorität wird durch die aus der konstruktivistischen Postmoderne bekannte Figur der „Gleichstellung“ eigen-artiger Individuen rhetorisch unterminiert, das Ansinnen, Licht ins Dunkel zu bringen, grundsätzlich denunziert.

 

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Das Eingrenzen von Thema und Methode gehört, wie die Qualifikation des Autors, zu den elementaren Voraussetzungen der Wissenschaft. Sie helfen, die Bedeutung und Tragweite der Ergebnisse einzuordnen. Im Falle der Sondierungsreise bestand das Erkenntnisinteresse ausdrücklich nicht darin, „die unbestreitbaren Vorwürfe im Hinblick auf die Menschenrechtslage zu untersuchen“. Vielmehr erkundigten sich die Wissenschaftler konkret nach lokalen und regionalen Entwicklungsinstrumenten; nach der Situation der Beschäftigung und Arbeitsvergütung; nach staatlicher Institutionenbildung und dem Rechtssystem; nach Bildung, Kultur, Religion und Sprache. Wollte man hier moralisch etwas dagegenhalten, müsste man zwingend begründen, warum diese Fragestellung nicht seriös sei – oder nicht vielleicht sogar indirekt zu Hinweisen auf die aktuelle „Menschenrechtslage“ führen kann. 

Stattdessen werden Intellektuelle salonfähig, die Sinologen vorwerfen, im Prinzip immer Chinas Interessen zu dienen oder deren „Forschung“ der Zerstörung der KP Chinas gewidmet ist. Während auf der einen Seite jegliche Differenzierung unterbleibt, indem Sinologen, Politikwissenschaftler und Völkerrechtler in einen Topf geworfen werden (ein Politologe wird stets als Sinologe bezeichnet), finden sich andererseits Allianzen mit Aktivisten, die Kollegen die akademische Existenzberechtigung absprechen. So stehen engagierte Aufklärer „menschlich betroffenen“ Demagogen gegenüber, ohne dass man sich darauf verlassen kann, dass Kompetenz den Ausschlag gibt. Unzureichende Bildung und Sprachkompetenz sind für Empörungsträger kein Grund für Zurückhaltung.

Unwissenheit und Vorurteil

Solange eine Gesellschaft ihrem demokratischen Bildungs- und Erziehungsauftrag nicht nachkommt, kann sie ihre Schutzaufgabe gegenüber Minderheiten, einschließlich, insbesondere, der immer unbotmäßigen Bildungseliten, nicht nachkommen. Dieser Befund mag manchen erschüttern. Ein Blick auf den Ton, die Macht und Brutalität der „woken“ Cancel-„Kultur“ lässt aber keinen Zweifel an der Bedrohungslage gegen die wenigen, die den Mut bewahren, ihren eigenen Verstand zu gebrauchen. 

Im Umgang mit China bzw. mit dem, was wir dafür halten, und mit denen, die davon etwas verstehen, treffen politisch-kulturelle Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte auf tiefere und ältere Vorurteile und Unterlassungssünden. Sie verbinden sich zu einer selbstzerstörerischen Heuristik. „China“ dient seit dem 13. Jahrhundert, als die „Ebstorfer Weltkarte“ diesen Weltteil als Hainbund humanistischer Diskurse vorstellte, als Projektion europäischer Sehnsucht und Ängste. Einen wirklichen Begriff von China haben wir nie entwickelt. Als Begegnung leichter wurde, war die Perspektive erst von unseren Kriegen und dann vom Gewinnversprechen des aufstrebenden „konfuzianischen Tigers“ geprägt. 

Mit China als einer realen Weltmacht haben wir uns jenseits der Spekulation nie auseinandergesetzt. Benebelt vom Traum des „Endes der Geschichte“, an dem auch China sich dem Segen der neoliberalen Monokultur unterwerfen würde, kam uns nicht in den Sinn, was die kulturelle Andersartigkeit überhaupt für uns bedeutet. 

Keine gemeinsame Geschichte

China ist himmelweit weg – unsere geistige Beweglichkeit hat mit der Mobilität der Waren und Dienstleistungen nicht Schritt gehalten. Es gibt keine gemeinsame Geschichte und Geschichten aus verbindendem Erleben. Diese waren nach dem Zweiten Weltkrieg Voraussetzung für die innereuropäischen Versöhnungs- und Friedenspolitik. Wir verstehen Grundbegriffe der Orientierung anders, die „Mitte“, Farben, Systeme, Gott und die Welt. In Kunst und Musik schadet das nicht, denn da geht es um Geschmack. Im Denken und Reden wird es jedoch fatal, denn da beginnt die Deutungs- und Gestaltungsmacht.

Chinas Wachstum und Wohlstand verdanken sich größtenteils der Begriffsarbeit, die Erfolgskonzepte des industrialisierten und kolonialistischen Westens wurden nachvollzogen, erprobt, weiterentwickelt. Aus dieser im Ansatz idealen Konstellation gegenseitigen Lernens im Rahmen des Weltbürgergedankens haben wir bislang nichts gemacht. Gleichwohl haben wir große Kulturleistungen vollbracht, die darauf warten, zum Segen der Menschheit zusammenzuwirken. Stattdessen diskreditieren lautstarke Eliten eben diese Basis. 

Die akademische Infrastruktur, mit der die Öffentlichkeit und nachwachsende Generationen auf die Welt nach 1989 vorbereitet werden würde, indem sie eine universitäre Chinakompetenz entwickelt hätte, wurde nicht nur nicht gepflegt. Ihre zarten Voraussetzungen wurden mit dem Bologna-Prozess und der Marginalisierung der Geisteswissenschaft immer tiefer zerrüttet. Die Wertschöpfungsbasis einer gesunden, gebildeten und solidarischen Gesellschaft wurde in eine neoliberale Interessenwirtschaft transformiert. Die Diskurse hierzu haben kein Forum mehr, da auch die Medien diesem Wandel unterliegen. Im Ergebnis verlassen immer mehr Gebildete und Unternehmen Deutschland – weil sie es als rückständig und feindselig erfahren. China und andere Länder, die den Wert der Bildung entdeckt haben, emanzipieren sich von diesem ehemaligen Leitbild. Damit verstören sie die Kinder des Wohlstands, lösen Scham und Frustration aus, wodurch sich das Klammern an altgewohnte Muster verstärkt.  

Die Wirtschaft war stets der entscheidende Treiber der Entwicklung unserer Beziehungen zu China. Sie hat traditionell ihr Interesse an Risikovermeidung mit dem Staat abgestimmt, sich dabei eng mit Chinas Märkten und Menschen verbunden, Entwicklungen angeregt und mitvollzogen. Sie fungierte damit auch als pragmatischer Realitätsanker, insbesondere als Seismograph für tektonische Verschiebungen. Moralische Einwände konnten fallweise Korrekturen bewirken, andererseits blieb das fundamentalistische Verdammen wirtschaftlicher Interessen eine Stimme unter vielen. Vor 30 Jahren gab es spannende Dialoge über solidarische und sozialistische Marktwirtschaft, der Rechtsstaatsdialog geht in aller Ruhe weiter. Wir können es also, wenn man uns lässt. 

Wo sind die Geistes- und Sozialwissenschaften?

Da die aktuelle Politik jedoch zur Abkopplung von jeglicher Realität drängt, müsste die Wirtschaft sich selbst stärker vereint um die Grundlagen erfolgreicher Chinageschäfte kümmern, im eigenen und im gesellschaftlichen Interesse. Mit Blick auf andere mächtige Räume, wie die USA, existiert ein lebendiges Geflecht aus akademischen, medialen und sozialen Erfahrungen. Die Universitäten verfügen über geeignete Programme und Wissenschaftler. All das hat es zu China nie gegeben. Das über Jahrhunderte aufgebaute Alleinstellungsmerkmal der deutschen Geistes- und Sozialwissenschaft ist heute kaum noch zu erleben – dabei wäre dies eine wertvolle Quelle, aus der wir strategisches und kommunikatives Wissen gewinnen könnten.

Nicht einmal einen philosophischen Lehrstuhl für die Philosophien Chinas leisten wir uns. Für die universitäre Auseinandersetzung mit Karl Marx, einem geistigen Referenzpunkt für beide Seiten, muss man in China studieren. Wir benehmen uns, als wäre China noch immer jene ferne Welt und nicht Bestandteil unseres Alltagslebens – auf der Ebene der Dinge. Die Ebenen des Denkens, Verstehens und offenen Lernens sind nicht entsprechend mitgewachsen. Wir bilden uns ein, die angemaßte Deutungshoheit und Handlungsmacht gegenüber unserem „China“ habe etwas mit echtem Begreifen zu tun. Wer heute tatsächlich in China lebt und arbeitet, weiß ein Lied davon zu singen – ganz normale Alltagsgespräche werden immer schwieriger, weil Freunde in der Heimat alles besser wissen. 

Das geht so weit, dass die anachronistische Skurrilität der Förderung von „Remote Ethnography“ als eines „wissenschaftlichen“ Forschungsprojektes uns nicht einmal dann auffällt, wenn die bewährte Suche nach empirischer Evidenz im Ansatz skandalisiert wird. Der Schein bestimmt das Bewusstsein, die Rede über den anderen wird zum Selbstgespräch! Man kann sich daran gewöhnen, keinen Zugang zur anderen Kultur zu haben, sollte dann aber jede Gelegenheit nutzen, sich zu öffnen und kreativ zu werden. Auch gebietet es der gesunde Menschenverstand, hierfür aktiv Vorbereitungen zu treffen. Die ferngesteuerte Wahrnehmung Chinas anhand unsortierter Datensätze und veröffentlichter Meinungen braucht wissenschaftliche Qualitätskontrolle. Dieser ist nicht dadurch gedient, dass man die wenigen ebenso kompetenten wie mutigen Wissenschaftler diffamiert, die eben dies, ausdrücklich sondierend, ermöglichen wollen, indem sie neues Wissen schaffen. 

Mehr Austausch wagen!

Heute fehlen uns die Voraussetzungen, Chinas schnellen Wandel auf allen Ebenen zu begreifen und zu verarbeiten. Wir lähmen und blenden uns durch strukturelles Festhalten an Chinabildern, die völlig irreführen, und eine Haltung, die Verstehen unmöglich macht. Das beginnt mit der Sprache und der Sprechfähigkeit, so wie mit der Bereitschaft, genau hinzuhören und aufmerksam auf kulturell Neues, Unbekanntes zu achten. Nur so aber wäre Kritik überhaupt denkbar. All dies fördert in Krisensituationen die Irrationalität. Die allgemeine Grundstimmung aus Angst und Desorientierung verbindet sich immer leicht mit Aggressionen gegen Sündenböcke. 

Dagegen hilft mehr Wissen schaffen statt Besserwissen spielen, mehr arbeiten und lernen statt sich über die Stärke des anderen zu echauffieren, mehr begegnen und austauschen statt spekulieren. Ansätze dafür finden sich zuhauf, aber keine ordnende Hand. Aufgaben haben wir genug, aber weder einen Plan noch den Willen. Man stelle sich einmal vor, Wissenschaftler würden die Möglichkeiten, China zu erkunden, voll ausschöpfen, dabei anständig behandelt werden und Gehör finden. Gedanken und Gespräche über China, mit Chinesen würden zu einer normalen Angelegenheit, weit über die Forschung hinaus, im Tourismus, im Austausch von Schülern und Ideen über eine gesunde Welt. Wir würden nach und nach die Grauzonen erkunden, die überall das Leben gut oder hässlich machen, könnten unsere Potentiale nutzen anstatt sie zu vergiften. Hierzu müssen sich Wissenschaft und Medien ganz neu aufstellen und wieder ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. 

 

Ole Döring im Gespräch mit Ralf Hanselle
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Ernst-Günther Konrad | Mi., 27. September 2023 - 08:52

Weil ungebildete, ohne Berufs- und Lebenserfahrung, fachlich unterbelichtete ideologisch vernebelte, demnächst legal mit THC versorgte, sektenartig agierende Scheinmoralisten glauben, sie könnten die Welt vor dem Klima retten und die Nationen der Erde nach ihren eigenen Vorstellungen umerziehen und zu bestimmen. Die wissen nichts über Land und Leute, deren Historie und reale Welt und wollen doch bestimmen, wie diese Menschen in China künftig zu leben haben. Sie machen es fest an den Uiguren und dem, was sie selbst als Menschenrechtsverletzungen definieren und haben keinerlei Respekt vor dem Recht anderer, ihre Leben und ihre Staatsform selbst zu bestimmen. Die Chinesen sind 1000nde von Jahre in diesem System groß geworden, das nicht unser ist, sondern das ihre. Wenn das Volk es ändern will, muss es das selbst tun. China, sowie viele andere Staaten brauchen D nicht als Lehrmeister. Man muss China nicht mögen, deren Politik nicht gut finden, aber anerkennen, das wir sie brauchen.

Nach "ungebildete, ohne Berufs- und Lebenserfahrung, fachlich unterbelichtete ideologisch vernebelte, demnächst legal mit THC versorgte, sektenartig agierende Scheinmoralisten" wollte ich eigentlich aufhören zu lesen, aber dann hätte ich Ihre fundierten Kenntnisse über chinesische Geschichte verpasst. Nur zur Info: Das totalitäre Regime der KPC besteht nicht seit "1000en von Jahren", sondern erst seit 1949 und hat seitdem mehr Chinesen auf dem Gewissen als alle Kolonialmächte, die dort jemals zugange waren.
Die erste und wohl letzte Demokratiebewegung des Landes wurde 1989 mit Panzern und Maschinengewehren brutal niedergeschlagen, und Menschenrechte werden nicht von Baerbock definiert, sondern in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Die UN, nicht Baerbock, hat letztes Jahr einen Bericht über massive Menschenrechtsverletzungen in der "Autonomieregion" Xinjiang vorgelegt: Eine schallende Ohrfeige für Relativierer und Apologeten mit und ohne Professorentitel.

Hans Page | Mi., 27. September 2023 - 19:53

Antwort auf von Kai Hügle

China hat mehr Geschichte als die Zeit nach 1949. da wären die chaotischen Jahre 1911-1936, bis zur japanischen Invasion, und dann der Krieg von Kommunisten und Nationalisten gegen die Japaner und gegenseitig. Und dann die Zeit 1839-1911, mit der Invasion Chinas durch Briten/Franzosen/etc und der Zerstörung chinesischer Kulturgüter, abgesehen vom staatlichen legitimierten (der Briten) Drogenhandels und Vergiftung eines ganzen Volkes. Demokratie im westlichen Sinne hat China gesamtstaatlich nie erlebt.

Aber auch Deutschland wäre vielleicht keine Demokratie ohne zwei „verlorene“ Weltkriege. Deshalb ziemt es sich besonders für deutsche Besserwisser/Moralisten den Ball flach zu halten und nicht als Lehrmeister für andere Völker aufzutreten die 2500-3000 Jahre wirklicher Kulturgeschichte, einschließlich Philosophie, aufzuweisen haben.

Naumanna | Mi., 27. September 2023 - 09:47

Danke für diesen Artikel. Die unsinnige Konfrontationspolitik hat uns in eine Situation gebracht, dass wir die Potentiale einer Kommunikation mit China nicht nutzen, sondern - wie unsere total inkompetente und unfähige, ja nicht einmal der deutschen und englischen Sprache mächtige "Außenministerin" es vormacht - einen albernen Konfrontationskurs fahren.
Einige Schulen in Deutschland bieten schon Chinesisch in Sprache und Kultur im fakultativen Bereich für die Schüler an. Hier bleibt gesamtgesellschaftlich noch viel zu tun.

Manfred Bühring | Mi., 27. September 2023 - 10:40

Eine fulminante Analyse des Geisteszustandes unserer Gesellschaft am Beispiel China, frei übertragbar auf beliebige andere Regionen unserer Empörungskultur. Dem moralisierenden deutschen Zwergenstaat werden die Grenzen aufgezeigt.

Uli | Mi., 27. September 2023 - 10:48

Das ist aber schon anspruchsvoll. Wir reden hier über die Ampel. Da mangelt es an Kompetenzen, die ein besserer Hauptschüler vorweisen kann.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi., 27. September 2023 - 12:48

so dass ich verstehe, wenn Wissenschaftler und andere Interessierte keine Lust haben, sich mit überbordender Kritik auseinanderzusetzen.
Das kostet Zeit und die fehlt dann im Zueinander und Miteinander mit China.
Ich würde mich freuen, wenn China auf seine eigenen Dichter und Denkerinnen zugreifen könnte.
Es gab doch wohl einen recht abrupten und teils brutalen Sprung in die Moderne?
Mittlerweile könnte weltweit deutlich geworden sein, dass sich Gesellschaftlichkeit, Kultur und Religion von alleine trägt.
Es braucht keinen "Gott, keinen Kaiser und keinen Tribun" und auch keine guten Ratschläge aus dem Westen (Europa) und weiteren Osten (Amerika).
Dieses "Sapere Aude" hat aber vermutlich selten geschadet, nur muss man deshalb nicht Kant lesen, sondern darf in China selbst nachschauen.
Eine gute Orientierung wäre evtl., dass Ordnungen schwinden, weil sie durchschaut und geändert werden wollen in LIEBE und Miteinander?
Siehe evtl. dazu auf Rakuten "Zuerst verhext" Südkorea.
Vertrauen?

Jochen Rollwagen | Mi., 27. September 2023 - 13:16

China ist ein kommunistisches Land und Kommunismus endet immer mit dem Total-Kollaps.

Mehr "China-Kompetenz" braucht es nicht.

Henri Lassalle | Mi., 27. September 2023 - 14:55

der chinesischen Kultur, sammle auch Kunstgegensstände der Ming- und Quingepoche. Das Land muss als Grossmacht und immense Kulturlandschaft anerkannt werden. Das gegenwärtige Problem jedoch ist, dass der extrem nationalistische (von der Regierung geförderte) Geist in China das Ausland als Gegner, nicht aber als Feind betrachtet. China hat im Verlauf seiner alten Geschichte immer durch Imitation ausländischer Produkte und deren Weiterentwicklung gewonnen, diese Taktik bewährt sich bis heute. Nicht jeder chinesische Student oder wissenschaftl. Mitarbeiter in D. ist ein Spion, aber die gibt es und nicht zu knapp, oft unerkannt, und ich bin entsetzt, wenn ich von deutscher Naivität und Fahrlässigkeit in dieser Beziehung erfahre - unglaublich1

Miteinander, dieses Spionieren?
Man kann doch auch etwas in Lizenz produzieren gegen kleines Geld, gemessen an dem Aufwand, zu spionieren bzw. selbst zu entwickeln, was immer noch von ausreichend Leuten verschmäht wird?
Ab einem bestimmten Zeitpunkt sind "Generika" ohnehin nicht aufzuhalten. Es muss doch nicht jedes Land das Rad neu erfinden?
Aber der Respekt und unser Können bleiben doch und vielleicht Regeln des Miteinander und Voneinander?
Ich bin im Moment derart begeistert von chinesischem, generell asiatischem Können und wenn ich jetzt lese, dass China mehr elektrische Autos baut als Deutschland, frage ich mich, warum das bemängelt wird.
Sie haben eher die Rohstoffe, viel mehr Abnehmer?
Die Idee, Reichtum nach Deutschland zu importieren und sei es in Form von "Humankapital", finde ich teils problematisch.
Können wir nix oder wie?
Warum wäre jedes unbewohnte Gebiet in Deutschland "Brachland", s. Frau Mosers Rezensionen, in anderen Ländern hingegen unberührtes Naturschutzgebiet?

Ronald Lehmann | Mi., 27. September 2023 - 16:47

China wie der Jupiter ist,

wer ihm zu nahe kommt, wird von der Gravitation/Macht angezogen & hat keine Chance mehr, sich ihr zu entziehen.

Wir sollen mit Demut & Anstand andere Kulturen begegnen, aber jeder sollte in seinen Tanz -&Kultur-Bereich bleiben.

ALLE, die es so NICHT wollen, die wollen Krieg, Angst, Spaltung
=> Zwitrist säen
=> & in irgend einer Form ihre Gier befriedigen