Ralf Hanselle Ole Döring
Ralf Hanselle und Ole Döring / privat

Ole Döring im Gespräch mit Ralf Hanselle - „Noch haben wir es in der Hand, die Zukunft mitzugestalten“

Spätestens seit dem Ukraine-Krieg stecken auch die Beziehungen des Westens zu China in einer tiefen Krise. Der Philosoph und Sinologe Ole Döring spricht im Cicero Podcast Gesellschaft über Geschichte und Zukunft des deutsch-chinesischen Verhältnisses und über die Frage, wie wir zu einer Politik der Deeskalation und Verständigung zurückfinden können.

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Aus europäischer Perspektive betrachtet ist China trotz der seit den 1970er-Jahren intensivierten Wirtschaftsbeziehungen ein Land der Klischees. Und das, obwohl eine in Teilen äußerst blutige Kolonialgeschichte den Osten mit dem Westen auf tragische Weise verbindet. Spätestens aber mit der Amtszeit von US-Präsident Joe Biden und mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine ist auch unser Verhältnis zu China erneut in den Fokus geraten. Ängste vor einem neuen Hegemon oder einer zumindest multipolaren Weltordnung mischen sich mit alten Vorurteilen und einer in Teilen nie bearbeiteten Vergangenheit.

Im Cicero Podcast Gesellschaft spricht der derzeit in China lehrende deutsche Sinologe Ole Döring über unser Bild von China, über chinesische Erwartungen an Deutschland sowie über die aktuelle Schwäche Europas, die sich zur Schwäche für die globale Ordnung ausweiten kann. Denn so wenig Europa etwas an seiner direkten Nachbarschaf zu Russland ändern kann, so wenig kann es Chinas Stellung in der Welt ignorieren: „Wir sind so nahe beieinander, dass wir auch diese geographische Dimension nicht völlig vergessen dürfen. Wir sind dazu verdammt, dass wir uns mit den Chinesen vernünftig auseinandersetzen“, so Döring, der sich bereits in den 1990er-Jahren mit Fragen der Ethik in der deutschen wie chinesischen Philosophie beschäftigt hat und sich später intensiv an der bioethischen Diskussion wie auch an der Debatte um die Zukunft der Digitalisierung in China beteiligt hat.

Im Gespräch mit Ralf Hanselle, dem stellvertretenden Chefredakteur von Cicero, plädiert Döring für eine Rückkehr zum Realismus und zu einem Versuch der Verständigung. Dieser muss nicht notgedrungen zum Relativismus führen, sondern kann Basis für eine lösungsorientierte Politik sein.   

 

Das Gespräch wurde am 16. Oktober 2022 aufgezeichnet.

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Sabine Lehmann | Mo., 24. Oktober 2022 - 06:05

Ein wirklich interessantes Gespräch. In einer dieser schlaflosen Nächte, in aller Stille tut es gut einem so interessanten Gespräch zu lauschen. Besonders den Mittelteil fand ich interessant, weil es doch andere Perspektiven und Sichtweisen anspricht und damit den Blick auf andere Systeme nicht immer so stereotyp und monokausal fokussiert, wie das die „große“ Politik mit medialer Unterstützung so oft vorgibt. Bestes Beispiel war am Abend die Berichterstattung im ZDF über die Rede des chinesischen Präsidenten, dazu entsprechende Bilder und fertig war die chinesische Schablone für den deutschen Fernsehzuschauer. Diese westliche Überheblichkeit, speziell die deutsche ist wirklich manchmal unerträglich. Mehr Pragmatismus und mehr Bescheidenheit wären ein Anfang, ansonsten droht Europa und speziell Deutschland das Nachsehen, und zwar in jeder Beziehung.