Wolfgang Thierse bietet Saskia Esken Parteiaustritt an - Die SPD cancelt sich selbst

Der langgediente Sozialdemokrat Wolfgang Thierse legt sich mit der Identitätspolitik an. SPD-Chefin Saskia Esken tadelt ihn dafür. Jetzt fragt Thierse, ob seine Parteimitgliedschaft noch „wünschenswert“ sei. Die Genossen sind offensichtlich unfähig zur Debatte.

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Wolfgang Thierse versteht die Welt nicht mehr / dpa

Autoreninfo

Marko Northe leitet die Onlineredaktion von cicero.de. Zuvor war er Teamleiter Online im ARD-Hauptstadtstudio und Redakteur bei der "Welt". Studium in Bonn, Genf und Berlin sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 

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Marko Northe

Den ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse sieht man mittags immer noch oft in der Kantine des Deutschen Bundestags. Nicht in der gehobenen, dem sogenannten „Lampenladen“, sondern in der im Jakob-Kaiser-Haus, die kein besseres Essen bietet als eine Uni-Mensa. Ein echter Sozialdemokrat, Arbeiter unter Arbeitern, der Wert darauf legt, keinen großen Wert auf Äußerlichkeiten zu legen.

Auch ansonsten ist Thierse in sozialdemokratischer Sichtweise völlig unverfänglich. Er ist Schirmherr der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus einsetzt. Er ist Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Sprecher des Arbeitskreises „Christen in der SPD“. Und er hat sogar ein Problem mit Schwaben, die nach Berlin ziehen und sich nicht anpassen. Wolfgang Thierse ist ein Vorzeigesozialdemokrat, unantastbar, möchte man meinen.

Der „hot take“ des Wolfgang Thierse

Bis jetzt. Denn Thierse hat es gewagt, sich in die Debatte um die Identitätspolitik einzumischen. In einem FAZ-Beitrag mit dem fragenden Titel „Wie viel Identität verträgt die Gesellschaft“ schreibt er unter anderem über die Debatte um die Umbenennung der Mohrenstraße in Berlin: „Weil mich der Name beleidigt und verletzt, muss er weg, das ist die fatale Handlungsmaxime.“ Thierse mahnt „breite öffentliche Diskussion“ statt Zerstörung an, wenn es um die Denkmalstürze geht. 

Sein Artikel ist wohl das, was man heutzutage einen „hot take“ nennt: ein Rundumschlag gegen alle neu-linken Ansichten, die sich in den letzten Jahren herausgeschält haben. Thierse, der sich seit Jahrzehnten gegen Rassismus einsetzt, schreibt sogar gegen das Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters an, eine Antirassismus-Bibel der identitätspolitischen Strömung. Die Kritik an der Ideologie der weißen Überlegenheit dürfe nicht „zum Mythos der Erbschuld des weißen Mannes werden“, so der SPDler. 

Vermeintlich rückwärtsgewandt

Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, plädiert Thierse für einen positiven Heimat- und Nationenbegriff: „Heimat, Patriotismus, Nationalkultur und Kulturnation, das sind Begriffe und Realitäten, die wir nicht den Rechten überlassen dürfen.“ Zu leugnen, dass das Bedürfnis nach einer Nation als kultureller Beheimatung groß sei, halte er für „elitäre, arrogante Dummheit“. 

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Hans Jürgen Wienroth | Mi, 3. März 2021 - 13:18

Zitat: „Thierse zeigt in seinem Gastbeitrag selbst wenig Bereitschaft, auf die Argumente der Identitätspolitik-Ideologen einzugehen, sondern fordert lediglich eine Rückkehr in die ihm bekannte Welt“.
Ich konnte nur den FAZ-Vorschau-Text lesen. Darin sprach Thierse davon, dass eine Identitätspolitik zu Parallelgesellschaften, einer Spaltung der Gesellschaft und zu Grabenkämpfen führt. Zitat aus Vorschau: „Wenn Vielfalt …. natürlich auch die Anerkennung von Recht und Gesetz“. Das ist für mich keine Rückkehr in die Vergangenheit! Diese Sätze sind für mich Voraussetzung für ein soziales Miteinander, in dem einer für den anderen einsteht. Welche Gemeinsamkeiten sind denn in unserem Lande unverrückbar, wenn selbst unser GG nach Zeitgeist ausgelegt und angewandt wird? Wie soll das Miteinander der Parallelgesellschaften aussehen?

Wolfgang Thierse war immer ein Mensch, der zu seiner Zeit im Bundestag stets klare Worte für die Ideologen am rechten Rand bereit hielt. Er war damals wohl einer der Politiker, die auf der Liste der "Hassfiguren" der Dumpfbacken ziemlich weit oben stand.

Das macht ihn eigentlich jeden Verdachts populistischer Verirrungen unverdächtig.

Oder sollte er sich mittlerweile geändert haben? In seinem kürzlichen DLF-Interview konnte man schon gelegentlich den Eindruck gewinnen, dass er sich für die Klagelieder der "Dauerempörten durchaus erwärmt.

Ob dem so ist, kann ich allerdings nicht beurteilen.

In der Vergangenheit trennten ihn Welten von denen, die heute AfD oder andere Rechtsextremisten wählen.

In der SPD sollte man nicht vergessen: Ein Thierse ist bei weitem kein verblendeter Sarrazin!

Eine Parteiführung, die sich vor allen Dingen durch Blässe und fehlendes Charisma auszeichnet, sollte nicht zusätzlich unnötig Porzellan zerschlagen.

Welch ein Jammer für die SPD und Deutschland!

. . . welch ein Jammer. Die ganze Partei SPD ist für mich ein Jammer - die Zeiten eines Helmut Schmidt und Gerhard Schröder's sind lange vorbei, ein für allemal.
Diese Partei hat für mich ausgedient, sie verdient es, unter die 5 % - Marke zu fallen; das war's dann . . .

Auch diese Ihre Worte: " . . . durch Blässe und fehlendes Charisma auszeichnet . . . treffen des Pudels Kern - vielen Dank für Ihre Formulierungen.

Egal welche Partei, es wurden ALLE Parteien von dem "virtuellen Narrenverein" mit Zielen, die im Widerspruch zu den Inhalten dieser Parteien stehen, unterwandert & gekapert. Die Auflösung kommt wie immer erst zu Schluss, wenn überhaupt.

Das Interview habe ich auch gehört. Ich fand ihn sehr klar - er ließ sich trotz des nassforschen Interviewstils nicht aus dem Konzept bringen.
Er hat sich z.B. trotz des zu erwartenden Shitstorms der Dauerempörten erfrecht, die Ächtung von "Blackfacing" als das darstellen was es ist: ein Verbot von Kultur - ich nenne es einen Vorboten totalitären Denkens.

Esken und Borjans - weiter Sargnägel einer einst großen Partei

Herr Lenz, würde Sie sagen, dass wir alle darin übereinstimmen, dass Rechts-oder-nicht-Rechts die große gesellschaftliche Frage aller Fragen ist? Hinter jedem wirklich großen Problem steht letztlich die Frage, inwieweit es durch Rechts vergiftet und angeheizt ist. Natürlich gibt es auch andere Probleme in der Welt, aber die lassen sich letztlich immer auf eine gemeinsame Menschheit mit gemeinsamen Grundwerten zurückführen, die sich nur zeitweilig in Missverständnisse begibt, die aber immer aufzuklären sind. Auf der anderen Seite eben die Rechten. Ist das unsere gesellschaftliche Erkenntnis, die wir in D aus der Geschichte gezogen haben - für uns oder mit universeller Gültigkeit?

Mein Eindruck ist eher, dass unsere Gesellschaft von der bunten Vielfalt der Emotionen, Weltbilder und Zugehörigkeiten in einer modernen, offenen Gesellschaft überfordert und orientierungslos ist.

Freilich, Sie müssen immer einen Schwenk gegen "Räächts" machen, ist aber i.d.F. unnötig. Ansonsten Zustimmung von mir... Endlich muckt mal einer von den "alten" Genossen auf. Das ist gut so. Der von der SPD-Spitze (Eskens)so vehement verteidigte Identitätsweg (Gender etc.) ist ein Irrweg und führt weg von den Problemen, welche die SPD eigentlich lösen sollte. Vielleicht geht es um Wählerfang. Die "Genderei" ist der größte Blödsinn, den sich vereinigte Linke ausgedacht hat und das wird die Spaltung weiter vertiefen. Wer um Gotteswillen redet denn so? Nur in den Medien, die fest in linker Hand sind. Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit einer MDR-Journalistin. Plötzlich fing die an zu "gendern". Ich habe das Gespräch beendet. "Im Volk" lacht man über diese Sprachverirrung. "Die spinnen ja! sagte mein Tankstellenmann. In der Arztpraxis dasselbe. "Reden Sie vernünftig", sagte eine K.-Schwester zu einer Patientin, "ich verstehe Sie nicht!" Niemand hat etwas gegen Schwule oder Transgender!

Tomas Poth | Mi, 3. März 2021 - 13:38

Mit ideologischen Scheuklappen läßt es sich nicht debattieren. Das ist die Mutti aller Probleme, ob Gender, Corona, Klima, Migration usw..
Thierse sollte nicht seinen Austritt anbieten, sondern jenen wie Esken und Gleichgesinnte nahelegen ihre SPD-Mitgliedschaft zu überdenken. Als Links-Ideologischer Klüngel passen diese besser in Die Linke.
Da die CDU weit nach links bis tief Grün verschoben wurde sollte die SPD vielleicht überlegen die freigewordene Flanke zu besetzen und mit sozial-liberaler Politik zu füllen die etwas für die fleißigen und arbeitswilligen tut. Sozialismus mit grünem Mist vermischt wird zu braun gefärbten Mist, das kann man gern anderen überlassen.

Da ist Thierse in guter Gesellschaft. Lange hatte er ausgehalten unter den nach links-außen abgedrifteten Genossen. Meine SPD-Mitgliedschaft hatte sich schon 2014 erledigt, als die Sozis mit der SED/LINKEN eine Koalition "unter der führenden Rolle der SED" einging. Zum Thema Zusammenarbeit mit den Kommunisten hatte sich Willy Brandt schon sehr früh (1948) geäußert: Wer sich auf die kommunistische Einheitsfront einlässt, geht daran zugrunde!" Lange Zeit hatten sich die Genossen daran gehalten. Nun ist auch die letzte Hemmschwelle gefallen. Was Frau Esken anbetrifft, muss man nicht lange grübeln: selbst Kreisklasse wäre zu hoch gegriffen. Mit dieser unterirdischen Führung hat die SPD keine Überlebenschance! Ein Trauerspiel! Herr Poth, sie haben recht: "Thierse sollte nicht seinen Austritt anbieten, sondern jenen wie Esken und Gleichgesinnten nahelegen ihre SPD-Mitgliedschaft zu überdenken ... ", oder sind Sozialdemokraten in der SPD nicht mehr erwünscht!

Dem Namen nach....SPD. Eine Gruppierung aus der dritten Liga.Macht weiter so.Ihr habt es euch verdient.Diese Gruppierung profitiert von keiner Schwäche anderer Parteien.Sie können jetzt machen was sie wollen.Narrenfreiheit.Aus die Maus.Es ist vorbei.2021 wird DAS Jahr seit der offiziellen Gründung.

auch schon besetzt.

Da die SPD sich beharrlich, auch angesichts der zu erwartenden Wirtschaftskrise, nicht weiter um ihre ehemalige Klinentel kümmern möchte, sondern lieber um Luxusprobleme, die sonst keiner hat, muss sie ja irgendwas tun, wenn der Tag lang ist.

Rainer Mrochen | Mi, 3. März 2021 - 14:13

Dennoch, die Sichtweise von Herrn Thierse zum Themenkomplex und das öffentlich, nötigt mir Respekt ab. Respekt, weil hier offensichtlich die Tragweite der zu erwartenden Verwerfungen der Gesellschaft klar gesehen wird, wenn einseitiges, vermeintlich vorwärts gewandtes Handen zur einzigen Maxime erklärt wird. SPD und Respekt, vor wem und was in der jüngeren Vergangenheit, schließen sich für mich aus. Kann weg, hat mit Politik(Kunst) nichts zu tun.

Walter Bühler | Mi, 3. März 2021 - 14:13

In allen irgendwo regierenden Parteien haben es eigenständige, denkende Persönlichkeiten sehr schwer. Überall haben Karrieristen und Netzwerker das Heft fest in der Hand. Sie kommen glänzend ohne Nachdenken, ohne Sachkompetenz und ohne Intelligenz aus. Als Profis in Sachen Selbstvermarktung und medialer Selbstvermarktung ebnen sie den politischen Diskurs mit Unterstützung der Mainstream-Medien auf ihrem mediokren Niveau ein.

Der Würgegriff der Netzwerker aus der "Zivilgesellschaft" ebnet auch die Unterschiede zwischen den Parteien ein. Jede Partei wirkt nur noch als ein blasser Abklatsch der Grünen. So ist de facto ein Einparteienstaat entstanden, bei dem sich nur die Klingelschilder unterscheiden.

Es ist aber immer wieder traurig, wie ausgedünnt unsere "politische Elite" inzwischen ist. Es ist ein Trauerspiel, wenn jemand wie Thierse aus der SPD geekelt wird, aus einer Partei, die einmal eine große und ruhmreiche Tradition in der deutschen Demokratie vertreten hat.

Der misslungene Satz sollte heißen: "Als Profis in Sachen Karriereplanung und medialer Selbstvermarktung ebnen sie den politischen Diskurs mit Unterstützung der Mainstream-Medien auf ihrem mediokren Niveau ein."

Dirk Weller | Mi, 3. März 2021 - 14:29

Zitat von Herrn Thierse :
„Heimat, Patriotismus, Nationalkultur und Kulturnation, das sind Begriffe und Realitäten, die wir nicht den Rechten überlassen dürfen.“

Genau so ist es.
Stattdessen arbeitet sich die SPD an Hype-Themen wie Rassismus, Postkolonialismus und Gender etc. ab.
Nicht dass das keine Themen wären.
Jedoch scheinen klassische SPD-Themen wie immer mehr Mini-Renten, Wohnraummangel, ein sich ausweitender Niedriglohnsektor oder prekäre Beschäftigung keine Bedeutung mehr für die SPD zu haben.
An diesem jämmerlichen Bild der SPD können auch die "Respektrente" und der Wunsch den Mindestlohn auf 12€ zu erhöhen nichts ändern.
Asylmissbrauch und unkontrollierte Migration wird ganz nebenbei komplett ignoriert .
Herr Thierse hat das Problem erkannt.
Aber ich glaube kaum, dass die SPD ihn erhört.

Maria Fischer | Mi, 3. März 2021 - 14:51

"Ein echter Sozialdemokrat, Arbeiter unter Arbeitern, der Wert darauf legt, keinen großen Wert auf Äußerlichkeiten zu legen."

Waren Helmut Schmidt, Thomas Oppermann oder Gerhard Schröder keine "echten Sozialdemokraten"?
Was für ein Klischee Kitsch!

Manfred Sonntag | Mi, 3. März 2021 - 14:58

Herr Northe, dieser Konflikt ist ein Spiegel der Spaltung unserer Gesellschaft. Die Ansichten von Herrn Thierse verstehe ich vollkommen. Das Problem der Identitären im pseudolinksliberalen Spektrum der Parteien sind die fehlenden Argumente. Theoretisch aufgebauscht, von geltungssüchtigen Gernegroß-Aspiranten und beleidigten Leberwürsten an den Unis der USA, wird eine Theorie proklamiert, die schon den weltweiten Rassismus der vergangenen Jahrhunderte begünstigte. Ob positiver Rassismus oder negativer R., es ist und bleibt Rassismus. Und wer folgt diesem Murks? Eine pseudolinksliberale Elite, in Verbindung mit "Neuen sozialen Bewegungen". Sie bilden eine ideologische Fassade für die mit ihr verbündeten Unternehmen und ermöglichen damit deren Firmen Raubzüge in der Gesellschaft. Und die Identitären starten täglich neue Scheinmanöver, egal ob Rassismus, Ökologie u.v.a.m., um von den Problemen der Gesellschaft abzulenken. WinWin Situation für o.g. Unternehmen und Identitäre.

Bernd Muhlack | Mi, 3. März 2021 - 15:05

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es Momente geben würde, in denen ich Frau Andrea Nahles vermissen würde!

Meine Meinung zur SPD sowie dieser "Identitätspolitik"/Antifa/Gedöns sind bestens bekannt.

Dinge die die Welt nicht braucht!

Norbert Heyer | Mi, 3. März 2021 - 15:25

Gestern sprach Olaf Scholz über Respekt, heute zeigt Frau Esken, wie das so gemeint ist. Herr Thierse, ein verdienter alter Sozialdemokrat, fühlt sich in seiner Partei nicht mehr richtig aufgehoben. Da hat er nun, wie so viele weiße alte Männer, seinem Unmut Luft verschafft und Dinge wie Nation und Bewahrung alter Werte angesprochen. Damit hat er der überwiegend linksradikal verstrahlten SPD aber zu schwere Kost zugemutet. Es ist aber gut, dass den noch vorhandenen Restwählern der SPD jetzt in aller Deutlichkeit gezeigt wird, wo es für diese Partei hingeht. Da ist nichts mehr von Brandt, Schmidt oder Wehner, nur noch verlorene Pendler wie Scholz, eingerahmt von „Freunden“, die eine neue Zeit einläuten werden. Dazu passt, dass jetzt auch die AfD beseitigt werden soll, damit man in Zukunft sich ausschließlich unter Gleichgesinnten befindet. Das Zerstörungswerk der Kanzlerin zeigt erste Erfolge auf dem Weg in Gängelei und Unfreiheit, anscheinend auch von der Mehrheit der Bürger gewollt.

Mia Ostermann | Do, 4. März 2021 - 10:05

In reply to by Norbert Heyer

Das glaube ich eher nicht. Immer, wenn totalitäre Strömungen beängstigend anwachsen, gibt es für differenziert Denkende ein kleines Schlupfloch: die Innere Emigration. Sich zurückziehen, sich nur ja nicht öffentlich zu verfänglich gewordenen Themen äußern. Immerhin leben wir in Zeiten, in denen ein Mittagessen mit einer inkriminierten Person den Job kosten kann.
Wahlen sind allerdings noch gleich, frei und - geheim.
Da wird sich vielleicht (!) das eigentliche Stimmungsbild zeigen.

Heidemarie Heim | Mi, 3. März 2021 - 15:45

Für wen? Doch letztendlich für uns alle, die wir mehr oder weniger gebannt diesen Partei(en)- Scharaden oder besser jeder Farce aufzusitzen gewillt sind. Eine wie immer geartete Debattenkultur habe ich sowieso schon lange aufgegeben und entnehme deshalb Ihrem Artikel lieber Herr Northe für Parteien und die Politik im Allgemeinen viel schädlicheres! Nämlich der allmähliche Verlust jedweder "Glaubwürdigkeit" bzw. "Vertrauens" in die so handelnden Personen und ihre parteipolitischen Motive. Da wagt! sich wie Sie selbst sagen ein "altgedienter Parteisoldat" die derzeit vorgegebene Linie zu übertreten und kümmert sich nicht um irgend einen an Durchsichtigkeit nicht zu überbietenden "Burgfrieden" und hat damit auch Ihren Respekt verspielt, weil ihm als alter weißer Mann nichts besseres einfällt, den Beleidigten zu mimen und seine P.-Zugehörigkeit zu überdenken? Wer weiß was o. wieviel dem allen vorausging! An seiner Stelle hätte ich schon nach der Wahl Eskens & Co hingeschmissen! MfG

Wolfgang Henning | Mi, 3. März 2021 - 16:01

Die SPD vollzieht weiter ihren Linksrutsch und hofft, dadurch in den Reihen der linken Wähler wildern zu können. Dieser Plan wird sicher nicht aufgehen, weil diese Wähler lieber das Original bevorzugen. Ihr früheres Klientel, die Arbeiterschaft, sozial engagierte und gerechtigkeitsorientierte Bürger, werden verspielt und wenden sich mit Grausen ab. Ihnen wird der nötige Respekt versagt.
Respekt gebietet das Angebot Thierses, seinen Parteiaustritt anzubieten. Nicht jeder hat die Kämpfernatur eines Thilo Sarrazin. Es ist auch entbehrlich, auf die "Argumente" der Identitätspolitik einzugehen, die einer "Ideologie" anhängen und ihrerseits keine Argumente hören wollen. Wolfgang Thierse möchte auch nicht als "Vertreter*in" der SPD, sondern geschlechtsspezifisch angesprochen werden. Die Antwort auf seine Zurückweisung wirkt also nicht "beleidigt" sondern konsequent.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 3. März 2021 - 16:05

Gestern schrieb ich noch zum Artikel des Herrn Northe, dass die SPD sechs Monate Zeit hat bis zu den evtl. stattfindenden BT-Wahlen, sich selbst nachhaltig zu zerlegen und dann haut Herr Thierse einen raus, der sogleich den "Burgfrieden" sprengt. Auf die SPD ist Verlass. Klasse Herr Thierse, endlich wieder richtig Stimmung bei der SPD. Nach Sarrazin nun auch Sie in Verdacht, dem rechten Populismus erlegen zu sein?
Herrlich. Kann man das Ganze verfilmen?
Auch, wenn Ihnen Ihre Parteigenossen, insbesondere aus der Parteispitze keinen Respekt zollen, ich zolle Ihnen den gern. Sie forden doch eigentlich nur Debatte ein und dann so ein Aufruhr? Sie haben da auch einen Fehler gemacht und die "bösen" Begriff benutzt. „Heimat, Patriotismus, Nationalkultur und Kulturnation." Einfach unverzeihlich, das müssen Sie rückgängig machen. Über solche Begriffe darf doch in der SPD nicht mehr gesprochen werden, wie können Sie nur? Mit Ihrem Austrittsangebot haben Sie geschickt den Ball zurück gespielt

Karl-Heinz Weiß | Mi, 3. März 2021 - 16:12

Herr Thierse verkörpert nahezu perfekt das Dilemma der deutschen Einheitsdiskussion-auch nach 30 Jahren leben wir in verschiedenen Erfahrungswelten. Die deutschen Globalisierungsjünger können absolut nicht verstehen, dass ein Bekenntnis zu Deutschland mit seiner ganzen wechselvollen Geschichte nicht auf eine AfD-Mitgliedschaft hinweist. Bei der Wahl zwischen den Sturköpfen Esken und Thierse fällt mir die Entscheidung nicht schwer, obwohl Letzterer immer noch nicht den Unterschied zwischen einer Berliner Schrippe und einem schwäbischen Brödle kennt.

Markus Michaelis | Mi, 3. März 2021 - 16:17

und mache mir daher viele Gedanken, was gesellschaftlich funktionieren könnte und in welcher Gesellschaft.

Ich verstehe viele Argumente zu Diskriminierung, Kolonialsimus, Postkolonialismus, Rassismus, Mehrheitsgesellschaft zwar in ihrer Richtigkeit, halte sie aber für (offensichtlich) so selektiv, dass das keine Basis für eine Gesellschaft sein kann, weil mit dieser selektiven Pickerei jede Gruppe kommen kann und ihre Weltsicht als 100% und alleinig begründet darstellen. Auch wenn sich da erstmal irgendein Gruppenmix durchsetzen könnte, scheint mir das instabil, weil der Drang anderer Gruppen, sich auch Anteile zu sichern, natürlich bleibt und deren Argumente (mit anders gepickten Sichtweisen) auch nicht schlechter sind.

Ob die SPD die Kurve kriegen kann ist für mich unklar. Nach außen sieht es so aus, dass eine jüngere SPD-Generation von moderneren Sichtweisen für eine umfassende Gerechtigkeit für alle Menschen so überzeugt ist, dass dieser Weg wohl ausgetestet werden muss.

Zobel Wendland | Mi, 3. März 2021 - 16:33

Gegen eine Schwabenstr hätte aber auch der Schwabenhetzer vermutlich was gehabt.Er hat sich damals so entblösst und nie dafür entschuldigt Jeder hat so seine Befindlichkeiten Herr Thierse.Jetzt ist Feuer unterm Dach der eigenen Partei.

Romuald Veselic | Mi, 3. März 2021 - 16:56

wenn irgendwelche Leute aus Minuspromille Anteil Verein Bereich, der sich LGBTSsssssss... Plus nennt, über Menschen wie Herr Thierse sich auslässt und zwar von einem Esken Kevin Tandem, die es nicht weiter gebracht haben, als Sandburgen zu bauen, mit Mienen wie Chili-Sauerkraut Vorkoster.
Was sagt der Kanzlerkandidat dazu, der vor wenigen Stunden das Wort Respekt zum Kredo postulierte?

Reinhard Oldemeier | Mi, 3. März 2021 - 17:12

"Die heutige Linke wacht mit polizeilichem Blick über Diskurshecken und leugnet die eigene Macht, um ungestört moralisieren zu können. Das hilft weder ihr noch anderen." von Jan Freyn aus der Zeit Online.
Dieser Artikel sagt einiges aus, über den Zustand der linken Parteien und deren fragmentierten Handlungen. Auf der einen Seite sind die Rechten die natürlich intolerant sind und alle die nicht Ihrer Meinung sind, ausgrenzen. Wie sieht es nun mit den Linken, der SPD oder den Grünen aus. Ich denke die Kerze brennt von 2 Seiten. Die Politik und Medien haben sich verrannt und es wird Zeit umzukehren. Die Menschen verstehen auch nicht was das soll, denn ob Gender- oder Indentiäts- Geschwurbel dieses ist nicht auf der Agenda vieler Bürger. Wo will die SPD und Frau Esken hin? Der Angriff auf Herrn Thierse war eher ein Eigentor. Denn wenn alte SPDler die Partei verlassen, wird das nichts mit der SPD Mehrheit dann können sie fusionieren mit der Linken (SED). Vielleicht ist das ja gewollt?

Helmut Bachmann | Mi, 3. März 2021 - 22:14

Selbst Thierse als notorischer Gutmensch des linken Flügels zeigt, dass er verstanden hat. Doch die unglückliche Mischung aus SED und Grünen mit einem Schuss studentischer, spätpubertärer Arroganz, zu der die einst stolze Sozialdemokratische Partei Deutschlands geworden ist, sollte sich anschließen.. sie verdient nicht, dass man über sie schreibt. Dies tue ich hiermit zum letzten Mal, lange nachdem ich sie das letzte Mal gewählt habe. Unerträglich, unsäglich, beschämend.
SD-was?

Jost Bender | Do, 4. März 2021 - 13:46

mit seiner Behauptung, Thierse ginge in seinem FAZ-Artikel nicht auf die 'Argumente' der identitätspolitischen Aktivisten ein, sondern fordere "nur eine Rückkehr in die ihm bekannte [alte] Welt" verfehlt Marko Northe nicht nur den Kern der Argumentation von Thierse, sondern er übernimmt auch noch das polemische Urteil der Kühnert-Esken-Fraktion von der vermeintlichen Rückwärtsgewandheit. Tatsächlich aber ist Thierses Frage nach einer 'Grenzwertbestimmung': wie viel identitätspolitischen Furor eine Gesellschaft verträgt, bevor der gesellschaftl. Zusammenhalt insgesamt gefährdet ist, eine v.a. nach vorne gerichtete & notwendige Frage.
Die Tabuisierung d. Frage, die Ausgrenzung eines verdienten Sozialdemokraten ist hier das Problem, nicht Thierses Text. Northes falsche Symmetrie i.d.S. entspricht seinem Fehlurteil aus dem vorherigen Artikel: "die Partei wirkt geeinter, als sie es unter Sigmar Gabriel und all den anderen Vorsitzenden des letzten Jahrzehnts je war": Offens. Wunschdenken!

Robert Zydenbos | Do, 4. März 2021 - 14:46

Herr Thierse ist nur konsequent und liegt vollkommen richtig. Die ,Identitäten‘ in der Identitätspolitik sind nicht viel mehr als tribale Gruppierungen, zum Teil neu erfunden. Anstatt den individuellen Menschen zu emanzipieren, verfestigt und ermutigt die Identitätspolitik diesen Tribalismus nur, und es entsteht ein neues, abendländisches Gegenstück zum Kastensystem in Indien. Ein wirklich links-progressiver Politiker muss sich natürlich dagegen aussprechen. Das Kokettieren der Neulinken mit der Identitätspolitik ist keineswegs besser als was am anderen Rande des politischen Spektrums die Identitäre Bewegung macht.

Juliana Keppelen | Fr, 5. März 2021 - 15:37

was schon mal jemand geschrieben hat "die SPD zelebriert gerade wie aus einer Partei eine Sekte wird". Dazu noch unser Bundespräsident dessen Lieblingssatz meistens mit "ich warne vor" beginnt und dann sich steigert in "wir müssen dagegen kämpfen" und zum Abschluss kommt "wir wollen gedenken". Inzwischen kommt er mir vor wie ein Bundes-Grabredner. Es ist schade da können die Regierungsmitglieder noch so gute Arbeit leisten sofort kommt aus der Parteizentrale ein neuer (Entschuldigung) Furz der die SPD als ganzes diskreditiert und bei den normal denkenden Menschen nur Kopfschütteln hervoruft.