Sommerkongress „Fridays for Future“ in Dortmund - Warum seid ihr Politiker ahnunglos?

Auf einem Sommerkongress in Dortmund diskutiert die Klimabewegung „Fridays for Future“ ihre nächsten Schritte. Einer der Aktivisten, Sebastian Grieme, schreibt für unsere Serie „Junge Stimmen“ . Sein Vorwurf an die Politiker: Nicht-Handeln aus Unkenntnis

Dortmund: Fridays for Future-Demonstranten haben vor der Zentrale von Innogy SE, einer Tochtergesellschaft des Energieversorgers RWE, Pflanzen aufgestellt und halten sich an den Händen
„Fridays for Future“-Demonstranten in Dortmund / picture alliance

Autoreninfo

Sebastian Grieme ist im Jahr 2000 geboren. Er studiert Physik an der Universität Potsdam und engagiert sich als Aktivist bei „Fridays for Future“.

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Sebastian Grieme

„Im Namen ihrer Gesellschaften fordern die Präsidenten der Deutschen Meterologischen Gesellschaft, Prof. H.‐W. Georgii, und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Prof. J. Trümper, dazu auf, ein wirksames Programm zur Eindämmung der drohenden Klimaänderungen jetzt zu beginnen.“

Diesen Aufruf verschickte die Deutsche Physikalische Gesellschaft bereits im Jahr 1987. Passiert ist seitdem wenig, sodass aus den „drohenden Klimaänderungen“ bittere Realität geworden ist: Die fünf wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen waren global 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018. Wir haben schon die Hälfte der Fläche des arktischen Meereises verloren und durch die Erwärmung der Ozeane bereits die Hälfte der Korallen zerstört. Das und vieles mehr können wir schon heute beobachten, und es kann niemand behaupten, er sei nicht gewarnt gewesen.

Der Kohleausstieg bis 2030 ist locker machbar

30 Jahre nach diesem wissenschaftlichen Konsens zum menschengemachten Klimawandel konnte sich die Welt dann endlich zu einem Abkommen zum Stopp der Erderwärmung durchringen, dem Pariser Abkommen. Darin versprach man uns, die Erderwärmung bei deutlich unter zwei Grad, möglichst 1,5 Grad zu stoppen. Das Abkommen kam spät, aber mit seinen Versprechen ist es die Lebensversicherung für uns und alle zukünftigen Generationen: Die Klimaziele der Länder sollen von nun an die „größtmögliche Ambition“ ausdrücken.

In Deutschland gibt es dutzende Studien aus etlichen Forschungsinstituten, die untersuchen, ob bestimmte Klimaschutzmaßnahmen umsetzbar sind. Also genug Belege, was „größtmögliche Ambition“ mindestens bedeuten würde. Wir wissen, dass wir unsere Mobilität bis 2035 klimaneutral machen können. Wir wissen, dass wir sogar die ganze Energieversorgung bis dahin klimaneutral gestalten können. Selbst ich als 19-Jähriger kenne Studien von drei verschiedenen Forschungsinstituten, die belegen, dass der Kohleausstieg 2030 locker machbar ist.

Kein Alarmismus, sondern nüchterne Physik

Als die Kohlekommission zum letzten Mal tagte, standen wir mit 10.000 jungen Menschen vor dem Wirtschaftsministerium und forderten nichts weiter, als ein Abkommen einzuhalten, das die Regierung selbst unterschrieben hat. Einige Stunden später kam die Eilmeldung, dass die Kohlekommission den Kohleausstieg 2038 anpeile. Das ist keine „größtmögliche Ambition“. Dennoch beteuern alle in der Regierung, wie wichtig ihnen die Einhaltung des Pariser Abkommens sei. Damit belügen sie uns, sich selbst und vor allem die Öffentlichkeit.

Aktuell arbeitet unsere Regierung immer noch auf Klimaziele hin, die sie vor der Zeit des Pariser Abkommens beschlossen hat und hält nicht einmal diese ein. Würden sich alle Länder so verhalten wie die Große Koalition, würden wir bis zum Jahr 2100 etwa drei Grad Erwärmung erreichen. Die Folgen davon wären fatal. Das ist kein Alarmismus, sondern nüchterne Physik.

Hamburg, New York und Tokio würden überschwemmt

CO2 verbleibt über tausende Jahre in der Atmosphäre, die Folgen der Klimakrise sind also größtenteils irreversibel. Dürren und Hitzeextreme würden ebenso zunehmen wie Starkregen und die globale Ernährungssicherheit unterminieren. Der Westantarktische Eisschild würde kollabieren und den Meeresspiegel langfristig um fünf Meter steigen lassen. Auch der tausende Meter dicke Eispanzer über Grönland würde schmelzen. Megastädte wie Tokio, Miami, New York, Shanghai und auch Hamburg werden dann überschwemmt.

Basierend auf heutigen Bevölkerungsdaten wären 1,3 Milliarden Menschen langfristig vom Meeresspiegelanstieg bedroht, das ist etwa jede sechste Person auf diesem Planeten. Zudem würden wir die restlichen Korallenriffe dieser Welt verlieren und hätten damit als Menschheit ein ganzes Ökosystem vernichtet. Weite Teile unserer heimischen Wälder ächzen schon heute unter der bisherigen Erwärmung und würden einen Temperaturanstieg von drei Grad nicht überstehen. Dieses Wissen kommt vom von der zwischenstaatlichen Organisation Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und weltweit führenden Experten.

Wir sind nicht radikal, sondern verhältnismäßig

Wenn ich mir diese Aussichten anschaue, dann finde ich es sehr gemäßigt und verhältnismäßig, unsere Mobilität rasant umzustellen, erneuerbare Energien schleunigst auszubauen und einen schnellstmöglichen Kohleausstieg durchzuführen. Vor allem aber finde ich es unfassbar radikal, die kurzfristigen Interessen einiger Industriesparten über das Wohlergehen aller zukünftiger Generationen zu stellen. Sind wir wirklich so herzlos? Ich glaube nicht, ich denke das Problem liegt anderswo.

Seit wir vor sieben Monaten die ersten Streiks in Deutschland organisiert haben, habe ich mit vielen Politikern gesprochen und vor allem festgestellt: Viele haben schlicht und einfach keine Ahnung davon, was auf sie zukommt. Die meisten Politiker – nicht alle, aber die meisten – haben keine wissenschaftliche Literatur zur Klimakrise gelesen, nicht einmal die Zusammenfassungen der Berichte. Vielen ist weder das Ausmaß der Bedrohung klar, noch, was man gegen die Klimakrise tun müsste.

Relativierungen, Populismus und Wunschdenken

Das ist fatal. Eigentlich wäre es die Aufgabe der Politiker, auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse Maßnahmen gegen die globale Erwärmung zu ergreifen und der Bevölkerung die Notwendigkeit von ernsthaftem Klimaschutz zu vermitteln. Dabei sollten alle Parteien unabhängig von links und rechts für Klimaschutz eintreten, denn die Konsequenzen einer Klimakatastrophe würden alle Menschen betreffen. Es sollte einen Konsens geben, die zwingend notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Katastrophe zu verhindern. Ich glaube zumindest soweit an das Gute im Menschen, dass ich denke, dass die meisten Politiker sich zusammenreißen und gemeinsam an der Lösung arbeiten würden, falls sie sich denn dem Ernst der Lage bewusst wären.

Das ist wie gesagt nicht der Fall, und so beobachten wir eine Politik, die in Sachen Klimaschutz weitgehend destruktiv auftritt. Dabei versagt sie nicht nur beim Umsetzen von Klimaschutzmaßnahmen, sondern vergiftet zusätzlich die gesellschaftliche Diskussion mit Relativierungen, Populismus und Wunschdenken.

Wir wollen kein Lob

Dabei haben vor wenigen Monaten erst 26.800 Wissenschaftler mit ihrem Statement verdeutlicht, dass Relativierungen völlig fehl am Platz und unsere Proteste gerechtfertigt sind. Wie weit sich die Große Koalition von der Wissenschaft entfernt hat, wurde dabei vor wenigen Wochen wieder überdeutlich: Nach der Vorstellung von drei wissenschaftlichen Gutachten zur CO2-Abgabe kritisierte Wirtschaftsminister Altmaier diese als unsozial und ineffektiv, obwohl in genau den kritisierten Gutachten ausführlich erklärt wird, wie sich die Abgabe sozial gerecht und effektiv umsetzen lässt. Durch fehlendes Wissen hat das postfaktische Zeitalter damit längst Einzug in die Große Koalition erhalten.

Das bedeutet allerdings keineswegs, dass Politiker uns gegenüber ablehnend auftreten. Alle Parteien von CDU über SPD bis FDP begrüßen unser Engagement, aber viele haben nichts davon verstanden worum es uns eigentlich geht. Wir wollen kein Lob, wir wollen einfach nur, dass die Regierung endlich handelt und uns eine Zukunft sichert. Auch die Beteuerungen, wie wichtig Klimaschutz sei bringen uns nicht weiter. Wenn die Politiker wirklich den Ernst der Lage verstanden hätten, würden sie nicht verkünden, wie wichtig das Thema sei, sondern würden sofort alles in ihrer Macht stehende tun, um die Katastrophe abzuwenden. Wir lassen uns von netten Worten nicht abkanzeln. Gleichzeitig läuft uns zunehmend die Zeit davon. Mit jedem Tag, der ohne Taten vergeht wird es schwieriger, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Noch können wir handeln

Deshalb können wir keine weitere Zeit mehr verlieren. Jede Regierung, die derzeit an der Macht ist, muss jetzt die Weichen für eine sichere Zukunft stellen. Das gilt auch für die aktuelle Große Koalition. Sollte sie dazu nicht in der Lage sein, hat sie sich selbst jegliche Existenzberechtigung vor unserer und allen zukünftigen Generation abgesprochen.

Die schon eingetretenen Folgen des Klimawandels können wir nicht mehr rückgängig machen und einige Langzeitfolgen wie den Meeresspiegelanstieg können wir nur noch begrenzen. Aber die schlimmsten Folgen der Erwärmung können wir noch verhindern. Noch ist es dafür nicht zu spät.

Junge Menschen interessieren sich nicht für Politik, sagen die einen. Die Politik interessiert sich nicht für die jungen Menschen und ihre Anliegen, sagen die anderen. Tatsache ist: Politik wird mehrheitlich von älteren Leuten gemacht und zunehmend auch für ältere Leute, denn die bilden den größten Anteil der Wähler. Mit unserer Serie „Junge Stimmen“ wollen wir darum auch jenen Gehör verschaffen, die schließlich auch unsere Zukunft sind.

Erschienen sind bislang:

Wir wollen die Kontrolle über unsere Zukunft zurück! von Nina Parker über den Brexit

Das Ende der Paralyse von Frederick Leo über das politische Interesse seiner Generation

 

Sebastian Bauer | Fr, 2. August 2019 - 16:15

Mit "ahnungslos" verbinde ich einfach nur FfF. Wenn der Autor Physik studiert, dann ist er entweder noch nicht sehr weit oder nimmt sein Fach nicht wirklich ernst, denn die Logik bleibt außen vor.
Ich verstehe schon dieses "wir" nicht. "Wir" muss ja eine Gruppe sein, in der "wir" etwas bewirken können. In meinem politischen Selbstverständnis sind das die Deutschen. Ggf. gibt es noch "uns" Europäer.
Genau da bringt aber ein Aktionismus nur eines, nämlich schwächere Wirtschaft und damit schwächere Power für eine politische weltweite Einflussnahme - und DAS ist das einzige, was wirklich zählt!
Für Deutschland - die mir politisch nächste Personengruppe - ist ein Kohleausstieg UND ein Atomausstieg völlig unverständlich, denn dann werden wir dreckigeren Strom in F und P kaufen müssen.
Insoweit sollte FfF darauf drängen, dass ein starkes Deutschland in einem starken Europa die Welt zum Klimaschutz bewegt. Klein-Klein hier in D bringt schlicht gar nichts.

Andreas Zimmermann | Fr, 2. August 2019 - 16:21

Tja liebe FFF, ich traue euren lautstarken Apellen genau so wenig wie den Politikern welche ihr anruft. Das worauf ihr euch beruft mit dem Anspruch einer wissenschaftlichen Mehrheitsmeinung ist nur eine Theorie. Und was Mehrheitsmeinungen in der Wissenschaft wert sind, haben ja Galileo und Einstein wohl eindeutig bewiesen. Wissenschaft strebt nach wissenschaftlicher Wahrheit und davon seid ihr mit der vom IPPC übernommenen lückenhaften Beweislage noch weit entfernt. Zumal der Beitrag Deutschlands zu diesem Problem wirklich zu vernachlässigen ist. Was bleibt ist eine Bewegung, welche mittels medialen Sperrfeuers in das Zentrum befördert wurde, um die eigentlich dringend anzusprechenden Probleme um die Zukunft unseres Landes zu übertünchen.

Klaus Damert | Fr, 2. August 2019 - 16:25

"Wir wissen, dass wir unsere Mobilität bis 2035 klimaneutral machen können. Wir wissen, dass wir sogar die ganze Energieversorgung bis dahin klimaneutral gestalten können." - Was für eine Anmaßung. Wie soll das gehen? Mit noch mehr Windrädern die letzten Wälder zerstören? Und wenn der Wind nicht weht haben wir eben Pech gehabt? Über solche flachen Sprüche kann man nicht einmal mehr lachen. Der Bildungsnotstand scheint sogar schon Abiturienten erfasst zu haben. Strom kommt aus der Steckdose?

Ernst-Günther Konrad | Fr, 2. August 2019 - 16:55

Vielleicht sollte mal die Hysterie aus dem Thema genommen werden. Diese Form der Weltuntergangsstimmung erzeugt bei vielen eben auch Skepsis. Zum Thema: Was ist CO²?
Kohlendioxid CO2 ist ein ganz normaler Bestandteil unserer Luft. Bäume und auch alle anderen grünen Pflanzen nehmen das Gas über die Stomata, die Spaltöffnungen auf der Oberfläche der Blätter und Nadeln auf und bauen daraus Zucker auf. Hierfür benötigen sie Wasser und Licht. Der Prozess wird Photosynthese genannt. Den Zucker wandeln die Bäume in Stärke um. Diese dient einerseits als Energielieferant, andererseits als Baustoff, aus dem die Bäume Holz, Rinde, Wurzeln, Blätter oder Nadeln herstellen. Als Abfallprodukt entsteht bei der Photosynthese Sauerstoff. (Quelle: Internet, wls-junior ch.de)
Eigentlich wird das C durch die Bäume herausgefiltert und es bleibt 0² übrig. Das nennt man Sauerstoff, dass ist das was wir atmen. Wenn also mehr Wald da wäre könnte das angeblich zuviele CO² in Sauerstoff umgewandelt werden oder?

Ernst-Günther Konrad | Fr, 2. August 2019 - 17:07

Was an diesem Prozeß erzeugt denn nun die Wärme? Welchen Enfluss hat eigentlich die Sonne auf das Klima, immerhin macht ihre Wäremausstrahlung unseren Planeten erstmal bewohnbar?
Herr Grieme, Sie nennen den IPCC und zwei weitere Professoren als Zeugen Ihrer Behauptungen. Andere Fachleute auf diesem Gebiet, die eine andere Meinung haben, nennen Sie nicht. Das ist einseitige Themenbeeinflussung oder?
Sie legen das Klima in eine Waagschale und artikulieren sich derart aufgeregt, dass man denken könnte, in den nächsten 15 Jahren geht die Welt unter. Nur, seit 1987 ist das bekannt und wir leben immer noch oder? Sie haben in einem völlig recht, die Politiker haben viele bei dem Thema belogen und haben auch keine Ahnung davon. Frau Bärbock kennt den Unterschied zwischen Cobalt und einem Kobold nicht, schon traurig oder? Genau das ist das Problem. Sonst hätten wir schon längst eine sachliche Diskussion im BT, wo unterschiedlichste Positionen diskutiert werden könnten ohne Hysterie.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 2. August 2019 - 17:15

Ich frage mich die ganze Zeit, warum Sie so leichtfertig und fast abfälllig folgende Bemerkung machen:
Vor allem aber finde ich es unfassbar radikal, die kurzfristigen Interessen einiger Industriesparten über das Wohlergehen aller zukünftiger Generationen zu stellen.
Ich weis nicht wovon Sie leben, wer Ihr Studium, ihre eigene Wohnung, Taschengeld usw. finanziert. Vielleicht einen Teil Sie selbst - wäre löblich -, aber Sie wissen schon das für Ihre Ansprüche Geld da sein muss oder?
Wer erwirtschaftet das denn?
Sie dürften sicher wissen, egal wie man zu FfF steht, auch ihre lose Gemeinschaft Geld braucht für Ihr Anliegen. Sie nennen oben SPD, CDU und FDP, die sie unterstützen bzw, es begrüßen. Stimmt. Undas was ist mit den Grünen und der AFD?
Übrigens: Haben Sie ihrem Klimajünger Schestag die 70.000 € schon bezhalt, die er für die Anmietung von Sonderzügen vorverauslagt hat, damit ihre alle zu den Demo's fahren konntet? Der junge Mann hat seine Erbe für die Idee gegeben. Wo kommt's her?

Clara Schwarze | Fr, 2. August 2019 - 17:25

Das größte Problem an dieser FfF-Kiddies ist immer v.a. eins. Diese Bewegung hat eine äußerst unangenehme Mischung aus inszenierter jugendlicher Identitätspolitik - und erkennbar einer systematischen - nie von Jugendlichen aufgebauten - Marketingmaschinerie im Hintergrund.
Und das tut ihren vielleicht sogar in Teilen berechtigten Inhalten nicht gut. Und auch nicht der politischen Kultur. Zur Demokratie gehört auch ein Mindestmaß an Transparenz - keine inszenierten "bunten Revolutionen".

Markus Michaelis | Fr, 2. August 2019 - 17:40

Dass ein Engagement gegen den Klimawandel zu den wichtigen Themen gehört, sei hier unbestritten. Diese unbedingte, monothematische Art, in der es vorgetragen wird, halte ich für ungut. Man zieht eine politische Generation heran, die Politik so sieht, dass es ein Thema gibt, wissenschaftlich unterlegt, und alle Arbeiten für diese "Fakten". Dass wir in einer komplexen Welt mit Zielkonflikten leben, geht unter.

Was ist, wenn durch sofort zusammenbrechende Öleinkünfte sich die Golfregion destabilisiert und es zu einem Atomkrieg kommt? Was ist wenn man vor lauter Klima die chemische Verseuchung aus dem Fokus verliert - steht "Ihr" dann für die Folgen ein? Das CO2 wird in Zukunft in Indien&Co produziert und auch was hier vorgeschlagen wird ist ohne neue Technik mehr symbolisch: reichen Euch symbolische Beiträge oder werdet Ihr weltweit durchgreifen - wenn ja, wie? Wenn keine Symbolik: warum nicht einfach auf Technik fokusieren.

Viele Fragen, wenig Antworten - und wenig Platz hier.

Klaus Peitzmeier | Fr, 2. August 2019 - 19:06

Ganz toll diese FfF Bewegung. Nur das eigentliche Problem ist die Überbevölkerung durch ungleiche Bildung u Verteilung. Die FfF Bewegung meint, alles soll für sie mindestens so toll bleiben wie es ist. Dann haben aber die Menschen in den Entwicklungsländern sowenig Future wie jetzt auch. Egal? Erst wenn die Weltbevölkerung gleichen Bildungs- und Lebensstandard hat, wird sich die Bevölkerung reduzieren. Das wäre gesund für die Erde. Setzt aber massives Teilen der geistigen u materiellen Ressourcen voraus. Wir sind die moralischen Crétins der Welt. Und solange wir nicht "TEILEN for Future" rufen, ändert sich an der Klimasituation gar nichts. Die Weltbevölkerung muß kleiner und deren Ressourcenverbrauch geringer werden. Aber wie sagte schon B. Brecht: Erst kommt das Fressen und dann die Moral. Und dann das Ende, könnte man ergänzen. Denn das freiwillige Teilen wird es selbst bei Androhung des Untergangs nicht geben.

Hans Jürgen Wienroth | Fr, 2. August 2019 - 19:25

Der Autor nimmt wissenschaftliches Engagement für das Klima für sich und seine Mitstreiter in Anspruch. Dann muss er auch wissen, dass nicht die CO2-Emission je Mensch, sondern die Gesamtemission aller Menschen (z. B. eines Landes) das Klima beeinflussen. Wir müssen also, neben der Senkung unserer eigenen Emissionen, soweit uns dies möglich ist auch Einfluss auf Emissionen in anderen Ländern nehmen. Es hilft der Erde nicht, wenn wir auf Kohlestrom verzichten und dafür die damit hergestellten Produkte aus anderen Ländern preiswert kaufen. Also Jugend: Redet nicht, sondern handelt, keine neuen Smartphones!
Wem kann man glauben, dass die Stromversorgung sicher ist, auch wenn die konventionellen Kraftwerke (Kohle, Atom und auch Gas!) abgeschaltet sind? Ich lese nur, dass hier angeblich die Stromkonzerne den Markt manipulieren. Ist das wirklich wahr, kann das ein „grüner“ Energielieferant besser, auch ohne große Stromspeicher? Wer ist schuld daran, wenn bei uns die Lichter ausgehen?

Susanne Dorn | Fr, 2. August 2019 - 19:49

… in die Irre geführt, denn sie ist völlig unkritisch - obwohl perfekt vernetzt. Keine Generation hatte Zugriff auf fundierte Daten und Auswertungen in diesem ungeahnten Ausmaß. Aber, durch die nicht endende Propaganda ist Aufklärung politisch nicht gewollt!

Es dürfte inzwischen jedem interessierten und aufgeschlossenen Menschen bekannt sein, dass der IPCC nur Gutachten berücksichtigt, die den jeweiligen Regierungsvorgaben entsprechen (Fördergelder!).

Wissenschaftlich fundierte und völlig “unabhängige’“ Studien und beleg- und beweisbare Expertisen finden keinerlei Berücksichtigung in irgend einer IPCC-Publikation. Sie werden gar nicht erst zugelassen. Ich habe nicht gezählt, die oft der IPCC „zurückrudern“ musste, da ihre sogenannten „Thesen“, fachlich fundiert, widerlegt wurden…

Dies zur Seriosität des IPCC.

gerhard hellriegel | Fr, 2. August 2019 - 20:10

ich bin ein alter weißer mann und stimme dem autor 100%ig zu. Es ist keine frage der lebensjahre.

Sebastian Bauer | Sa, 3. August 2019 - 09:46

Zitat:„Aber die schlimmsten Folgen der Erwärmung können wir noch verhindern. Noch ist es dafür nicht zu spät.“
Da täuschen sie sich leider, es ist zu spät. 98% der Wissenschaftler sind sich einig, dass der globale CO2 Ausstoß im Prinzip ungehindert weiter ansteigt und dass der kleine Beitrag Deutschlands bei der CO2 Einsparung global gesehen vernachlässigbar ist. Auch der Symboleffekt der deutschen Klimapolitik ist vernachlässigbar, da sich viele Lönder das nicht leisten können oder wollen.
Sie könnten auch an ihrer Glaubwürdigkeit arbeiten. Wenn sie ihre Konsequenzanalyse ernst meinen dann müssten sie das Atomenergierisiko (wieviele Menschen sind nochmal in Fukushima gestorben?) ernsthaft abwägen und sich gegen die Schließung der deutschen Kernkraftwerke aussprechen. Zumindest solange bis die regenerativen auch bei Dunkelflaute Deutschland zu bezahlbaren Preisen und ohne Stromimporte versorgen können.

Dieter Zorn | Sa, 3. August 2019 - 10:28

Hybris, nichts als Hybris. Von einem 19 jährigen. Mein Gott, was weiß man denn schon mit 19? Haben Sie denn auch all die anderen Studien gelesen, die den Sonnenflecken mehr Einfluss aufs Klima zusprechen als dem mickrigen CO2? Ist Ihnen klar, dass sich das Klima immer wandelt, in langen Zyklen, die 2000 Jahre währen und in kurzen von ca 400 Jahren? Dass es im Mittelalter in Europa um ca 4 Grad wärmer war als heute? Bei einem geringeren CO2 Ausstoß. Dass wir von 1570 bis ca 1650 eine kleine Eiszeit in Europa hatten? Dass es ernst zu nehmende Wissenschaftler gibt, die eher mit einer Abkühlung der Erde rechnen? Also, hören Sie auf Panik zu verbreiten. Ihre Zukunft klaut Ihnen keiner außer Sie selber.

Urban Will | Sa, 3. August 2019 - 20:09

Ein menschengemachter Klimawandel ist global und interessiert sich nicht für Gerechtigkeit, Pro Kopf – Ausstoß oder was auch immer.
Es geht um absolute Zahlen und davon ausgehend, dass es eine europäische „Vorbildfunktion“ in der Form nicht gibt, sondern – leider – in erster Linie wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, setzt FFF am falschen Ort an.
Das Klima wird nicht in Deutschland und nicht in Europa gerettet.
Man kann (und wird sowieso) hier weiter voranschreiten, aber man bewirkt so gut wie nichts, verschafft sich eher Nachteile und fördert evtl. indirekt noch mehr Kohlestrom in den Ländern, die die Produktionslücken zu schließen gedenken.

Wirksamer und somit auch „robuster“ Protest müsste an Orten stattfinden, wo er meist nicht verfassungsrechtlich geschützt ist. Verbunden mit viel Risiko.

Schule schwänzen und im Kreis tanzen, hier im friedlichen, demokratischen Europa wirkt zwar toll,
verschafft einem aber kaum Respekt.

Hartmut Seinsch | Sa, 3. August 2019 - 22:17

Ich kann verstehen, dass junge Menschen sich Sorgen über die Lebensgrundlagen in naher Zukunft machen. Ich glaube (inzwischen) auch an einen menschengemachten Klimawandel. Ich kann aber nicht nachvollziehen, dass gerade in Deutschland Aktivisten der Meinung sind, dass durch die Umstellung auf erneuerbare Energien bei einem Gesamtausstoß von etwas mehr als 2% eine nennenswerte Verringerung des Temperaturanstiegs erreicht werden soll. Wieso soll da eine Abgabe auf CO2 helfen? Das einzige zielführende Verfahren ist der Rückbau der Kernkraft und massive Forschung in KlimaschutzTECHNIK. Da der Staat schon genug Steuern einnimmt, sollte das ohne CO2 Steuer machbar sein. Ich bin sicher, dass alternative Energieträger nicht in der Lage sein werden, die Grundlast sicher zu stellen. Die entscheidende Schraube an der Klimaproblematik ist ohnehin Überbevölkerung in südlichen Erdteilen, die zu massivem Raubbau an den tropischen Regenwäldern und anderen Baumbeständen geführt hat.

Andrés Ramos | So, 4. August 2019 - 14:50

Bei so viel lobenswerter Selbstsicherheit im Auftreten des Autors wäre es hilfreich gewesen zu belegen wo diese Dutzenden unwiderlegbaren Studien zu finden sind. Den lockeren Kohleausstieg bis 2030 zweifle ich an wenn auch 2022 das letzte AKW abgeschaltet wird und wir keine Pufferenergie mehr haben wenn der Wind nicht weht. Und der Vorwurf die hiesigen Politiker würden die Zukunft der Jugend zerstören, ist in einem Land mit bis zu 44% Ökostromanteil und 2,5% Anteil am CO2-Ausstoß etwas vermessen. Deutsche Politiker können die Zukunft der jungen Generation nicht retten, sondern die Politiker in den USA, China und Indien. Ich begreife nicht warum die F4F Bewegung ihren Protest nicjt dorthin ausrichtet wo er am meisten gebraucht wird. Selbst wenn DL es gelingen wird alle Klimaziele zu erreichen, wird das nichts ändern.

Kurt Walther | So, 4. August 2019 - 23:13

Der 19jährige S. Grieme erhebt also den Vorwurf an die Politiker, sie würden in Sachen Klimawandel aus Unkenntnis nicht handeln. Zunächst erst einmal begrüße ich es, dass ein solcher Artikel von einem 19J. geschrieben und auch veröffentlicht wird. Meine Wertschätzung für Politiker bewegt durchaus auch in engen Grenzen, halte den Pauschalvorwurf der Unkenntnis aber nicht gerechtfertigt. Zum einen besteht keineswegs Klarheit: Welcher Anteil ist natur- bzw. "gottgegeben", und welcher Anteil ist vom Menschen verursacht. Technologisch könnte die Menschheit m.E. eine Menge tun, um gegenzusteuern, was aber schwer durchsetzbar ist, geschweige weltweit. Klar ist doch, Deutschland allein rettet das Weltklima nicht, und Europa auch nicht - egal ob mit oder ohne CO2-Steuer und wie viele Restriktionen/Verbote. Einige Länder (China, Indien) meinen sogar, jetzt dürften sie erst einmal betreffs CO2-Ausstoß das nachholen, was die führenden Industrieländer sich 150 Jahre lang "gönnten".

Wolfgang Tröbner | Mo, 5. August 2019 - 10:29

Eine sehr gute und auch sehr berechtigte Frage, die sich immer wieder stellt, wenn sich Politiker zu Umweltfragen und damit einhergehenden technischen Fragen äußern. Es ist schon mehr als merkwürdig, wenn beispielsweise eine Frau Baerbock meint, dass "Kobold" ein ganz wichtiger Rohstoff für Akkus sei. Der Unterschied zwischen Kobold und Kobalt scheint ihr nicht geläufig zu sein. Es ist zu vermuten, dass Baerbock nicht die einzige Politikerin bzw. der einzige Politiker ist, die/der über keinerlei Kenntnisse in Technik und Naturwissenschaften verfügt. Warum spricht man dann über Dinge, von denen man keine Ahnung hat? Ich bin mir allerdings auch nicht sicher, ob auch die FfF-Teilnehmer wirklich immer wissen, worüber sie sprechen ...