SPD nach Rücktritt von Andrea Nahles - Kann die Umwelt die Partei retten?

Nach der historischen Wahlniederlage der SPD bei der Europawahl hat Andrea Nahles ihren Rücktritt erklärt. Was nun, SPD? Frank Stauss, der Kopf hinter der Wahlkampfkampagne, meint, seine Partei solle sich mehr den Klima- und Umweltthemen zuwenden. Wirklich?

Frank Stauss
Arbeiter und kleine Angestellte kommen in Frank Stauss' SPD-Welt nicht vor / picture alliance

Autoreninfo

Stefan Laurin ist freier Journalist und Herausgeber des Blogs Ruhrbarone. Im Spätsommer erscheint sein Buch „Versammelt - Das Ruhrgebiet ist am Ende“.

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Wie der Sieg hat auch die Niederlage viele Väter und Mütter, das ist bei der SPD nicht anders als beim VfB-Stuttgart oder Volkswagen. Während bei den Sozialdemokraten die für das andauernde Wahlversagen politisch Verantwortlichen sich noch mitten in der Diskussion über die Gründe der historischen Niederlage bei der Europawahl befinden, weiß einer schon ganz genau, was zu tun ist: Frank Stauss, Mitinhaber der Agentur Richel/Stauss und der Kopf hinter den Kampagnen der vergangenen SPD-Wahlniederlagen.

Ob Hannelore Krafts Pleite 2017 in Nordrhein-Westfalen, der Absturz der SPD bei der Hessenwahl im vergangenen Herbst oder der Untergang der Sozialdemokraten am vergangenen Sonntag: In Sachen Werbung vertrauen die Sozialdemokraten Stauss. Und der erklärt jetzt im Blog seiner Agentur, warum es schon wieder nicht geklappt hat und was nun zu tun ist: Die SPD müsse grüner werden, so wie sie es angeblich in den 90ern Jahren war:

„Es gab tatsächlich in den 90er Jahren einmal Zeiten, in denen Al Gores 'Erde im Gleichgewicht' in jedem sozialdemokratischen Bücherschrank stand neben Oskar Lafontaines 'Der andere Fortschritt' (1985 – als er noch Vordenker statt Nachtreter war). Man berief sich auf den Club of Rome und hatte prominente Umweltschutz-Vordenker wie Ernst Ulrich von Weizsäcker (späterer Präsident des Club of Rome), Michael Müller, Jo Leinen und viele mehr in den Parlamenten.“ 

Existenzfrage Klima und Umwelt

Dass die SPD damals mit dem Autokanzler Gerhard Schröder erfolgreich war, der den Grünen nur die Rolle des Kellners und nicht des Kochs zugestehen wollte, hat Stauss offenbar vergessen, was irritiert: Über seinen 2005er Wahlkampf für Schröder schrieb er mit „Höllenritt“ ein ganzes Buch.

Da heute die Themen Klima- und Umweltschutz wichtig seien, ja, „in den Augen vieler Menschen zu einer Existenzfrage der Menschheit überhaupt“ geworden seien, wurde die SPD nun für ihre „nicht zu leugnende Historie als Kohle- und Autopartei massiv bestraft.“

Sicher, die SPD verlor wie die Union in einem Wahlkampf, in dem beide Parteien mit ihrem Europa-Kuschelwahlkampf nicht punkten konnten, viele Wähler an die Grünen. Von der Union wechselten nach Berechnungen der ARD gut 1,1 Millionen Wähler zu Habeck und Baerbock, von der SPD sogar über 1,2 Millionen.

Aderlass in Richtung Nichtwähler

Aber schlimmer noch als der Aderlass in Richtung Grüne war der zu den Nichtwählern: 2,5 Millionen, die noch bei der Bundestagwahl ihr Kreuz bei der Union gemacht hatten, blieben am Sonntag daheim. Bei der SPD waren es mit knapp zwei Millionen nicht viel weniger.

Was hätten diese Menschen vielleicht gerne gewusst? Wie die SPD dafür sorgen will, dass sie mit vielleicht auch älteren Autos noch zu Arbeit kommen? Wie sich die Aufnahme weitere südosteuropäischer Länder in die Europäische Union auf ehemalige rote Hochburgen wie Duisburg-Marxloh und Gelsenkirchen Ückendorf auswirken wird, in denen Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien heute schon Anlass für Konflikte sind? Oder wie Industrie-Jobs gesichert werden können? All das kommt Stauss nicht in den Sinn.

Verloren den Rückhalt bei den Arbeitern

Denn diese Leute, die Arbeiter und kleinen Angestellten, kommen in seiner schönen, neuen SPD-Welt nur am Rande vor. In einer von Stauss für den SPD-Parteivorstand mitverfassten Analyse der Niederlage bei der Bundestagswahl 2017 hieß es: „ArbeiterInnen spielen quantitativ im Elektorat keine bedeutende Rolle mehr, dennoch gelten sie noch immer als Gradmesser, wie es um die SPD steht. Während in den 50er-Jahren noch etwa jede/jeder zweite Erwerbstätige ArbeiterIn war, war es 2015 nicht mal mehr jede/jeder Vierte. Schon seit 2009 ist die Union unter den Arbeitern die stärkste Partei und nicht mehr die SPD, wie es bei den Bundestagswahlen 1998, 2002 und 2005 noch der Fall war.“

Bei der Bundestagswahl 2009 verlor die SPD über elf Prozentpunkte und erreichte nur noch 23 Prozent. Seit dieser Wahl begegneten sich SPD und Union, die 33,8 Prozent der Stimmen erhielt, nicht mehr auf Augenhöhe. Dass der Verlust des Rückhalts der SPD bei Arbeitern ein Grund für diesen Niedergang gewesen sein könnte, kam Stauss nicht in den Sinn.

Stauss erliegt grünem Zeitgeist

„Die ökologische Wende der deutschen Industrie, die Verkehrswende und die Energiewende sind so gigantische Projekte, dass die SPD dort dringend gebraucht wird“, schreibt Stauss in seinem Blog. Ob eine Partei von 15 Prozent da noch viel mitzureden hat, sei dahingestellt. Aber wenn sie noch ein Wörtchen mitreden will, täte sie gut daran, eben nicht bedingungslos dem grünen Zeitgeist zu folgen.

Die Wirtschaft kühlt sich ab, die Industrie, die durch ihre Exporte den Wohlstand in diesem Land erwirtschaftet, streicht Stellen. Unternehmen wie Bayer, ThyssenKrupp und Volkswagen sind in der Krise, auch aus eigenem Verschulden. In wichtigen Feldern wie der Plattformökonomie, in der Google, Amazon und Alibaba den Ton angeben, spielen deutsche Unternehmen bis auf SAP keine Rolle. Die digitale Infrastruktur ist auf Schwellenlandniveau. Gentechnik? Innovative Kerntechnik? Fehlanzeige.

Gute-Laune-Wahlkampf ohne Inhalte

Sicher, eine SPD, die sich nur dem Bewahren des Alten verschreibt, hat keine Zukunft. Aber eine, die den Satz von Gerhard Schröder vergessen hat, der einmal sagte „Wir können nicht davon leben, uns gegenseitig die Haare zu schneiden“ auch nicht. Ohne Wirtschaftskompetenz können nur die Grünen die Wähler überzeugen in Zeiten, in denen Arbeitslosigkeit kein Thema ist. Aber wenn bald Jobs knapper werden – nicht nur in der Industrie, sondern vielleicht auch im Bereich der schlecht bezahlten Dienstleistungen, und die Menschen die Sorge haben werden, ob sie ihre Stromrechnung noch bezahlen können –  muss von der SPD mehr als Lifestyleparolen kommen, wenn sie überleben will.

Ob Stauss dann noch der richtige Mann für die Werbung der SPD ist, die Frage wird sich die Parteiführung stellen müssen. Gute-Laune-Wahlkampf ohne Inhalte kann Stauss. Wenn es für den Wähler oder die Partei ernst wird, kommt er an seine Grenzen. Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles muss die SPD nicht nur entscheiden, wer die Partei führen soll. Auch über die Frage, ob die Partei daran glaubt, mit Stauss noch einmal Wahlen gewinnen zu können, wird sie nachdenken müssen.

Edgar Timm | So, 2. Juni 2019 - 11:44

Nicht nur die drohende Arbeitslosigkeit ist ein Thema - auch der Zusammenbruch der Zivilisation beschäftigt viele Bürger. Wer nicht nur die Mainstreammedien schaut/liest, erkennt schon heute, wie sich die Umwelt verändert hat. Und wenn wir erst einen mehrtögigen Blackout haben, von dem wir nicht kalendarisch genau wissen, wann er eintritt, aber von dem wir schon heute wissen, welche Rahmenbedingungen (Sonnenuntergang bei Windstille an einem Wintertag) ihn wahrscheinlich werden lassen, dann brauchen wir eher einen Staatsführer wie Helmut Schmidt als die derzeit Regierenden. Noch besser wäre es natürlich, wenn die SPD schon heute Alternativen zu links-grüner Politik snbieten würde.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 2. Juni 2019 - 11:57

Alles zu seiner Zeit.
Das Debakel der etablierten Parteien geht schon länger, dagegen der Weg des FC Liverpool mit Jürgen Klopp an die Spitze des europäischen Fussball auch und beide gewannen gestern.
Glückwunsch nach Liverpool.
Was ich vom Spiel gesehen habe, so war es nicht hochklassig, was aber evtl. zu erwarten war, eben ein Spiel der Premier League.
So, den für mich schmerzlichen Abschied von Andrea Nahles versüßt dieser wunderbar kluge Artikel.
Wer sich von solchen Leuten beraten lässt, muss sich als SPD evtl. nicht wundern und wacht als entweder Erinnerung an SPD-Politik oder als Erkenntnis, eben doch nicht die Grünen zu sein, wieder auf.
Schade Andrea.
Dein Abgang scheint mir noch schlechter beraten worden zu sein als der von Gerd Schröder.
Aber jetzt soll es doch ruhig und besonnen weitergehen, bitte!
Bis wieder Fahrt aufgenommen werden kann gemeinsam....sind wir stark.
Und so ein Artikel zeigt auch, wo man dazu ansetzen muss.
Danke dafür

Alfred Zielinski | Mo, 3. Juni 2019 - 13:01

In reply to by Dorothee Sehrt-Irrek

"ich habe heute Morgen im DLF das Interview mit Ihnen gehört. Problem der SPD ist für mich, dass die SPD während der Schröder-Regierung –einmalig in der Geschichte und mit Verlaub- ihr eigenes Klientel verraten und verkauft hat. Zwei Stichworte dazu: Absenkung des Spitzensteuersatzes von 53 auf 42 Prozent und Absenkung des Rentenniveaus um 4 % mit Auslieferung der Arbeitnehmerversorgung an die Finanz- und Versicherungswirtschaft, die so genannte Riesterrente. Wenn das die SPD nicht begreift, nicht begreifen will, wird sie keinen Fuß mehrt auf den Boden bekommen. Die SPD wäre m. E. gut beraten, wenn sie diese Fehler und noch weite aus der Schröder -Ära , Stichwort „Genosse der Bosse“ zunächst klar benennt und sich offensiv deren Umkehr zum Ziel setzt. Gerade die Riesterrente gehört in ausschließlich staatliche Hand, z. B. bei der DRV oder auch Kreditanstalt für Wiederaufbau und keinesfalls in private Hände die sich daran zu Lasten der Arbeitnehmerschaft eine goldene Nase verdienen."

Allerdings nicht aus Sicht der Linkspartei?
Aber sie hat hingeschmissen.
Die CDU wird den Spitzensteuersatz nicht wieder hochsetzen, auch nicht mit den Grünen.
Die Frage scheint mir mehr, wo wurde investiert, wo das Goldene-nase-verdienen reguliert und so dafür gesorgt, dass genügend Menschen in gutbezahlte Arbeit kamen.
Zusätzlich als Vorsorge/Sparmodell zur schon bestehenden umlagefinanzierten Rente wäre die Riesterrente okay gewesen etc. oder so ähnlich, im Sinne von noch mehr Vorsorge, gekoppelt an Generationberücksichtigende Steuern auf Eigentum/Vermögen, nicht etwa auf die Rente, die doch schon einmal "besteuert" wurde?
Schröder hat mehr gemacht, als es sich die CDU je erträumt hätte, umsetzen zu können.
Er unterschätzte die SteuerMEHReinnahmen und die Verarmung der Arbeitnehmer.
Merkel hatte vor allem Geld und ist jetzt beim Flugzeugträger passend zur maroden Bundeswehr?
Das politische Pendant zu Merkel ist für mich Gysi.
Gerade CDU´ler lobten seine schönen "Reden"?

Dann schau´n sie sich den mal an!

Das ist in meinen Augen einer dieser unsäglichen Emporkömmlinge, die, froh, den Niederungen des ehemaligen SPD-Stammklientels entkommen zu sein, in grün-liberalen Wolkenkuckucksheimen herumschwirren und -schwadronieren. Solche Leute beiderlei Geschlechts wurden unter den Paradeemporkömmlingen Schröder und Fischer zuhauf mit nach oben gespült, und da sitzen sie nun als (Wahl-)Berater, Spindoktoren und Parteistrategen. Super, DA kommt nicht nur Freude, sondern auch Hoffnung auf - fragt sich bloß, bei wem!

Christa Wallau | So, 2. Juni 2019 - 12:14

Jedenfalls nicht auf Erden.
Und nur wenige Menschen streben dies
überhaupt an - außer Illusionisten in Luxusländern wie Deutschland. Hier träumt man von der Vereinbarkeit von technischem Fortschritt u. unberührter Natur bei gleichzeitig rasantem Wachsen der Weltbevölkerung. Totaler Irrsinn!

Das unbedingt Notwendige u. Machbare, was allen Menschen im Hinblick auf Umwelt - u Klimaschutz zusteht, muß natürlich getan werden, aber ohne daß dabei die ohnehin schon labile Weltordnung aus den Fugen gerät u. man andere menschliche Grundbedürfnisse (z. B. anständige Arbeit und Lohn) außer acht läßt.
Ich behaupte das Gegenteil von dem, was Herr Laurin sagt: Wenn SPD und CDU sich noch weiter vordringlich auf Umweltthemen stürzen, wird ihr Untergang sich beschleunigen; denn m e h r verlangen u. mehr Alarm schlagen als die Grünen geht nicht.
Die einseitig instruierte Jugend wird immer dem Original nachlaufen. Den Altparteien bleibt nur der
geordnete Rückzug zu sachlicher Auseinandersetzung.

Elisabeth Ellermann | So, 2. Juni 2019 - 12:27

ist Herr Stauss nicht ger richtige - als Normalbürger kann man ja kaum begreifen, dass man nach der ersten Wahlschlappe unter seiner Kampagnenführung überhaupt noch eine weitere bei ihm beauftragt hat. -- Ich befürchte, die SPD ist nicht mehr zu retten: erst die Agenda 2010 (wohlgemerkt unter rot-GRÜNER ! Regierung), dann das bedingungslose Beharren auf Zuwanderung ohne jede "Obergrenze" von Millionen direkt in die Sozialsysteme, die von den noch arbeitenden und zuweilen schlecht verdienenden über jahrzehnte gespeist werden. Die Rente wird diesen Erwerbstätigen nicht mehr zum Leben reichen, auch wenn Frau Nahles die "doppelte Haltelinie" bei 48% anzupreisen versucht. Nein, da die SPD die sogenannten kleinen Leute vollständig verraten hat (und da nützen auch keine immer neuen Steuererhöhungen für immer neue Transferleistungen etwas), wird sie verschwinden. Wer diese Menschen, dieses "Elektorat" dann vertritt?

Joachim Brunner | So, 2. Juni 2019 - 13:09

Eine hervorragende Analyse, vielen Dank Herr Laurin!
Die SPD muss wirksam mit dem geradezu suizidalen Unsinn der grünen Apokalyptik aufräumen! Idealerweise könnte man eine fortschrittlich, rational ausgerichtete Bürgerbewegung/Partei an den Start bringen.
Eine Art "Progessive-Soziale-Partei".
Dafür gibt es ein enormes Wählerpotential welches durch den gegewärtigen Mainstream kaum noch abgebildet wird. Widersprüchlichkeiten zu den Interessen des Bürgers in der Umwelt-/Klima-/Automobilthematik gibt es zu Hauf, das lässt sich öffentlich/medial hervorragend aufarbeiten!

Günter Johannsen | So, 2. Juni 2019 - 13:32

"Frank Stauss, der Kopf hinter der Wahlkampfkampagne, meint, seine Partei solle sich mehr den Klima- und Umweltthemen zuwenden." Der Mann ist unbelehrbar und unverbesserlich … man könnt meinen er hat die Absicht, die Sozialdemokratie vollständig von der SPD loszulösen, damit diese Partei gänzlich vom Erdboden verschwindet. Die SPD muss bei
ihrem Thema bleiben bzw. zu ihrem Thema zurückkehren, wenn sie überleben will: sozial und demokratisch - mit der eigenen Bevölkerung .. mit den Menschen, die schon länger hier leben. Nur damit kann die SPD punkten!
Doch wenn die "Führungskräfte" sich weiterhin auf brachiale Gewalt mithilfe einer linksfaschistischen Vereinigungen (wie z.B. Antifa) stützt und das Volk ignoriert, muss die Not schon groß sein, denn es ist nur für in Panik geratene Verlierer typisch, dass sie genau in die Gefahr hineinlaufen, vor der sie sich eigentlich schützen wollen … !

Markus Michaelis | So, 2. Juni 2019 - 14:35

Ja, im Moment ist der Zeitgeist grün - so dominant auch durch die Verankerung im gehobeneren BIldungsbürgertum.

Und hier wird es gefährlich. Zwar ist dieser Bevölkerungsteil derzeit auf der Höhe: Einkommen, Vermögen und berufliche Situation haben Spitzenwerte. Man ist weltoffen und die Welt bewundert viele der eigenen Werte und Errungenschaften.

Ich sehe es trotzdem so, dass die jetzige Krise der SPD und darüber hinaus auch eine Krise gerade dieses Bevölkerungssegments ist. Man begrüßt Europa, die Globalisierung und die Welt, aber ehrlich betrachtet passt die eigene Weltsicht an zu vielen Stellen nicht (mehr) zu einer globaleren Welt, einem zusammenwachsenden Europa und allgemeiner nicht zur Buntheit der Welt. Mit sovielen Menschen und starken Strömungen, die den Werten und der Weltsicht des deutschen Bildungsbürgertums deutlich widersprechen.

Diese Krise wird größer werden - denke ich. Da nur auf den momentanen Zeitgeist zu setzen ist falsch.

Ruth Teibold-Wagner | So, 2. Juni 2019 - 14:35

Die Umwelt kann die SPD nicht retten.

Denn das Umweltthema haben die Grünen für sich gepachtet. Wenn die SPD stärker auf Umwelt macht, werden die Leute (wie bisher) sagen: "Warum sollen wir wegen der Umwelt die SPD wählen? Für dieses Thema gibt es doch ein Original - Die Grünen!"

So läuft es, wenn man die Themen anderer nachplappert, um auf einen "Zug mit auf zu springen", in dessen Lok andere Leute sitzen. Statt einen eigenen Markenkern als unverwechselbares Profil zu schärfen.

Ein unverkennbare Profil, eine eigene Marke, ist bei der SPD nicht erkennbar. "Irgendwas mit sozial und gerecht", vermuten die Leute. Aber: "Für das Soziale und Gerechte gibt es doch die Linke als Original! Dafür brauchen wir die SPD doch auch nicht!"

Niemand kann zur Zeit sagen, wozu die SPD im Parteienspektrum eigentlich noch notwendig ist.

Die SPD hat eine großartige, ruhmvolle Vergangenheit.

Das Leben ist ungerecht. Undank ist der Welt Lohn.

Bernd Muhlack | So, 2. Juni 2019 - 16:32

Nur so viel: unsere Tochter hat nach dem Abi in 2010 "Ökonomie u Ökologie" studiert, in Edinburgh.
Ihr Freund (Abi 2009) hat Bio-/Gentechnologie studiert, in Edinburgh.
Inzwischen leben u arbeiten beide in London; es geht ihnen sehr gut u der Brexit ist für sie kein Thema.
IÜ werden gute Leute bekanntlich überall gebraucht; jedoch nicht in Deutschland!
Es gibt keinen Fachkräftemangel, sondern es fehlt an der Bereitschaft gute Leute auch gut zu bezahlen, nicht wahr?
Wie titelte Thilo Sarrazin: "Deutschland schafft sich ab" u die Kanzlerin antwortete: "(Ja genau, Thilo)WIR schaffen das!"
Dieser Herr Stauss sagt mir gar nichts; wenn er jedoch einen Wahlkampf vergurkt hat, nehme ich natürlich einen anderen, besseren. Aber wir reden ja über die SPD. Haben nicht die Herren Maas und Schäfer-Gümbel mehrmals erfolglos kandidiert? Genau solche TOP-Leute braucht die SPD und Deutschland!
Fachkräfte eben!

Nein, ich mag Frau Nahles nicht, gleichwohl Alles Gute im sicherlich weichen Fall!

Gisela Fimiani | So, 2. Juni 2019 - 19:06

Bei dem „grünen Zeitgeist“ handelt es sich in Wirklichkeit um einen ideologischen Tunnelblick, der das Wohl und den Willen der Bürger ignoriert und die Probleme im Lande verdrängt. Sollte man Werbeagenturen trauen, oder sollte man sich besser des eigenen Verstandes, unter Einbeziehung der wirklichen gesellschaftlichen Zustände, bedienen? Die Weigerung letzteres zu tun, würde die grüne Ideologie als solche entlarven. Sie muss daher aufrecht erhalten werden. Wer den Tunnel verläßt, verliert.

Ulrich Jarzina | So, 2. Juni 2019 - 22:59

Ghandi wurde einmal gefragt, was er von der westlichen Zivilisation halte. Antwort: "Das wäre eine gute Idee."
Über die SPD als sozialdemokratische Partei ließe sich dasselbe sagen.

Spätestens seit Schröderzeiten hat die SPD nicht mehr die Menschen im Blick, die für ihr Geld arbeiten, sondern orientiert sich an jenen, die ihr Geld für sich arbeiten lassen. Auf regionaler Ebene mag das bisweilen anders sein. Doch was die Länder- bzw. Bundesebene betrifft, so muss man mit Wolfgang Kubicki sagen:
Die SPD hat "in ihrem Markenkern verschissen".

Es gibt dabei einige interessante Parallelen zur SPD des späten Kaiserreichs. Auch dort begann sie sich während WW 1 zunehmend an den Eliten zu orientieren, was zur Abspaltung der USPD führte, eine Parallele zur Gründung der WASG nach der Agenda 2010. Vor 86 Jahren unterstützte ein Teil der enttäuschten Arbeiterschaft die NSDAP, ein Fakt, den Hitler in seiner Rede gegen Otto Wels genüsslich ausschlachtete.
Wie wird es bei uns weitergehen?

Ulrich Jarzina | So, 2. Juni 2019 - 23:16

SPD und Union haben beide in ihren Kernaufgaben versagt.
Die Union, die sich unter Merkel nach links bewegt und es damit zugelassen hat, dass sich rechts von ihr eine neue Partei, die AfD, etablieren konnte.
Die SPD, die sich unter Schröder zu sehr am Kapital orientiert und sich damit von der Lebenswelt der einfachen Arbeiter und Angestellten entfernt hat.

Beide Parteien hinterlassen eine beachtliche Menge an enttäuschten, verärgerten und frustrierten Bürgern, bzw. Wählern. Dieses Frustwählerpotential kommt teilweise der AfD zugute. Noch. Sollte auch sie nicht in der Lage sein, dieses Potential demokratisch zu kanalisieren, wird es sich, so befürchte ich, andere Möglichkeiten suchen um sich zu realisieren. Diese aber sind dann mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr demokratisch.

dieter schimanek | Mo, 3. Juni 2019 - 00:43

Ich habe Jahrzehnte die SPD gewählt, seit Schröder nicht mehr. Mein Bekanntenkreis übrigens auch. Niemand von uns wäre in den Sinn gekommen, wegen der Klimahysterie die SPD nicht zu wählen, das hat andere Gründe. Die SPD soll sich schnellstens einen anderen Berater zulegen oder noch besser, selbst nachdenken. Kühnert ist einer der Sagnägel, die Flüchtlingspolitik noch einer und die Agenda war die Std. Null des Niedergangs.

Ines Schulte | Mo, 3. Juni 2019 - 14:06

In reply to by dieter schimanek

Kinder in die Krippe, Vater und Mutter ( Eltern 1 u. 2) auf Arbeit , die Alten ins Heim. Frauenquote, Genderpolitik, ...da ist nichts mehr von einer Traditionspartei.

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.studie-zu-kitagebuehren-arme-… -
Ärmere Haushalte müssen zehn Prozent ihres Einkommens für die Kita ausgeben, bei wohlhabenderen Familien sind es nur fünf Prozent. Das hat eine Elternbefragung des Forschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergeben. Als armutsgefährdet gelten Haushalte, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verfügen.
Dazu kommen noch allgemeine verpflichtungen für Kinder usw.
Muss man sich nicht wundern, warum es immer weniger Kinder gibt?
Junge Familien können sich kaum Kinder mehr leisten. Und ab 60 bis 110 (Jahren) ist es auch fast vorbei (ich meine mit eigenen Kinder). Zur Zeit machen noch Enkelkinder freude, aber dann???
Junge Familien...
"da ist nichts mehr von einer Traditionspartei" <und Parteien!>- ich möchte sagen: leider ziemlich wenig übrig geblieben.

geschätzten Schröder so von der Hand gegangen, wenn er sich mal um Familie hätte mit-kümmern müssen?
Sein Vorstoss, Doris Schröder-Köpf seinen Nachnamen aberkennen zu lassen, hat micht vergrätzt, ich schrieb es.
Wo wir bei freundlichen Medien sind, stand durch Doris evtl. die Springerpresse "hinter ihm", mit ihr konnte er ein? Kind adoptieren?
Ich habe weder etwas gegen die Frauen vor Schröder-Köpf noch für die (Singular/Plural) nach ihr, aber ich habe etwas gegen Menschen, die andere nicht mitdenken können.
Mit meinem Familienbild hatte ich es in der ASF Neukölln trotzdem leicht, Grüße an Hella et al, ABER, eigentlich finde ich die CDU-Regelung gut, nach der alle Frauen oder die, die sich dazu zählen, auch in der ASF wären, nur auf ausdrücklichen Wunsch nicht?
Solange wir nicht EIN Geschlecht sind, kann man/frau doch darüber nachdenken.
Den Vorschlag des Landesverbandes Sachsen-Anhalt? einer Doppelspitze Frau/Mann finde ich gut, weil die Angriffsfläche sich besser wehren kann.

Sandra Richter | Mo, 3. Juni 2019 - 00:51

Treffende Analyse, die heutige elitäre SPD ist eine Partei für Randgruppen und hat für die Sorgen und Nöte der Angestellten und Arbeiterschaft wenig übrig und verachtet diese Wählerschicht insgeheim sogar, da diese die Gutmenschenthemen dieser Elitisten durch Verteilungskämpfe von Arbeitsplätzen bis Wohnungsmangel ausbaden müssen.

Wirklich traurig muss man deshalb um den Niedergang der SPD nicht sein, mit Frank Stauss haben sie genau den richtigen Mann, um das Werk zu Ende zu führen.

Mit der nächsten tiefen Wirtschaftskrise werden die mit zig Milliarden Euro pro Jahr noch verdeckten Probleme der muslimischen Massenzuwanderung in die Sozialsysteme eskalieren mit dramatischen Folgen für die absteigende Mittel- und Unterschicht.

Bernd Schiebener | Mo, 3. Juni 2019 - 08:09

Wird diese Partei nicht retten. Die Klientel sind oder besser waren Arbeiter und Malocher, die interessieren sich für ihre Arbeitsplätze und wie sie am besten zur "Nachtschicht" kommen. Und das nicht 100 KM mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Diese Partei ist fertig !!! Alle möglichen Themen sind von anderen Parteien besetzt. Die Wahlen im Osten geben ihnen den Rest. Vielleicht können sie sich über einen Zusammenschluss mit den Linken (EX SED ) über die 5% retten. So, jetzt gehe ich Insekten zählen.....;-)

Ernst-Günther Konrad | Mo, 3. Juni 2019 - 10:31

Aja, Herr Stauss hat als die Wahlkampagnen der SPD performt. Mehrfach daneben gegriffen, sein Auftraggeber SPD ist abgeschmiert, jetzt muss er in seinem Block versuchen, die geschmolzene SPD für seinen nächsten Auftrag zu überzeugen. Umwelt und Klima, ist Klima nicht Teil der Umweltpolitik soll es jetzt richten? Was ist mit den anderen ebenso existenziellen Fragen die derzeit ungelöst in einer sich gegenseitig behindernden Koalition liegen bleiben? Die Grünen hatten es da einfach, viel Fordern, viel Hysterie, Umwelt wollen wir alle geschützt werden, wie das konkret gehen soll und wer was wie bezahlt und wie es umzusetzen geht? Da hört man dann nichts mehr. Das soll die Groko machen. Die sind völlig überfordert. Die einen wurden von Umwelt überrascht, die anderen suchen ihre Wähler. Herr Stauss will nochmal einen Auftrag. Ihm fiel jetzt nach der wievielten? Wahlkampagne plötzlich ein, wo das Problem gelegen haben könnte. Die einzig richtige Idee kommt ihm nicht, die SPD hat fertig.

FranzWeiler | Mo, 3. Juni 2019 - 20:10

Ja sie kann,wenn sie endlich dem künstlich,politisch gemachten klimahysterischen Treiben ein Ende bereitet,indem endlich die Diskussion dorthin verlagert wird,wo sie hingehört,nämlich in die Wissenschaft.
Es gibt mittlerweile 31000 Klimaforscher,Meteorologen und Physiker allein in den USA die dieser These vehement widersprechen,aber niemanden bei der UN oder IPCC interessiert das.
Warum wohl? Weil damit eine unerschöpfliche Geldquelle weltweit versiegen würde,und nur darum geht es.
Klimawandel ist ein ganz normaler Prozess,den es seit Milliarden von Jahren gibt. Der anthropogen eingebrachte Anteil von CO2 liegt bei 0,000158%, und genau dieses Spurengas soll den Klimawandel verursachen?
Ich konnte mir bisher nicht vorstellen ,dass aufgeklärte und gebildete Menschen so einem Unsinn folgen und daraus Handlungen ableiten,die das Pflanzenwachstum deutlich reduzieren wird,denn es wird keine Photosynthese mehr möglich sein.
Wir müssen nicht das Klima fürchten,sonder die Aktionen Ideolog

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