Der Umgang mit dem „Sturm auf den Reichstag" nützt insbesondere den Stürmenden / dpa

Sturm auf den Reichstag - Falscher Alarm

Kurz nach dem „Sturm auf den Reichstag" floriert das beliebte Narrativ der durch Rechtsextreme bedrohten Demokratie. Das gebetsmühlenartige Warnen vor der rechten Gefahr birgt jedoch Widersprüche. Die Erzählung nützt so vor allem den Unruhestiftern.

Michael Sommer

Autoreninfo

Michael Sommer lehrt an der Universität Oldenburg Alte Geschichte und moderiert gemeinsam mit dem Evolutionsbiologen Axel Meyer den Cicero-Wissenschafts-Podcast

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Die Corona-Pandemie hat, wie jede handfeste Krise, ihr Trüppchen von Glücksrittern, Demagogen und professionellen Wutbürgern hervorgebracht, die auf der Welle reiten und nach Kräften auf den Putz hauen. Wo Parolen gegen das Establishment gebrüllt und Verschwörungstheorien ventiliert werden, sind meist auch Rechtsextreme nicht weit.

Am Wochenende stürmten sie mit ihren schwarz-weiß-roten Fahnen zwar nicht den Reichstag, wohl aber die Prime Time im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Man fragt sich, warum Bauernfänger, Verschwörungstheoretiker und krude Populisten so leichtes Spiel haben. Eine Antwort könnte lauten: Die Parteien der politischen Mitte machen ihnen ihr Geschäft geradezu unerträglich leicht. Wie das?

Profiteur der Aufregung sind die Unruhestifter

Wie so oft kleidet sich die plausibelste Antwort in ein Paradoxon: Nichts nützt der populistischen Rechten in Deutschland so sehr wie der offiziös geführte „Kampf gegen Rechts“. Als Helden dieses Kampfes hat Bundespräsident Steinmeier am gestrigen Montag die drei Polizisten ins Schloss Bellevue geladen, die sich am Sonntag der demonstrierenden Übermacht entgegengestellt hatten.

„Reichsflaggen, sogar Reichskriegsflaggen darunter, auf den Stufen des frei gewählten Parlaments, im Herz unserer Demokratie“, mahnte der Bundespräsident: Das sei „nicht nur verabscheuungswürdig, sondern angesichts der Geschichte dieses Ortes geradezu unerträglich.“

Ehrung der couragierten Polizisten ist legitim

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Daran, Polizisten für ihren oft undankbaren Einsatz zu ehren, ist nichts falsch. Gerade in Zeiten, in denen sich die Polizei pauschaler Rassismus- und Rechtsextremismus-Vorwürfe zu erwehren hat, ist es ein gutes Signal, wenn Ordnungshüter im Sitz des Bundespräsidenten empfangen werden.

Dass die drei Schutzleute die Fahnenschwenker vom Reichstag ferngehalten haben, war selbstverständlich richtig und vor allem couragiert. Und klar ist auch, dass vorgestern in Berlin außer Wutbürgern, Anthroposophen, Berufsbedenkenträgern, Impfgegnern und sonstigen Wirrköpfen auch Rechtsextreme mit von der Partie waren, denen hier gratis und franko eine große Bühne geboten wurde.

Zwischen Gut und Böse

Leicht macht das offizielle Berlin es aber seinen Kritikern, weil das, was am Sonntag geschehen ist, als Beleg für ein Narrativ herhalten muss, das ungefähr so lautet: Die Demokratie in Deutschland ist eine belagerte Festung, die von aufrechten Demokraten verteidigt wird.

Politik ist in dieser Optik nicht das Abwägen von richtig und falsch, von opportun und inopportun, sondern das epische Ringen zwischen Gut und Böse. Von hier bezieht der verhinderte Sturm auf den Reichstag seinen Sinn: Die drei Polizisten haben am 29. August 2020 sozusagen abgewendet, dass sich der 28. Februar 1933 wiederholt.

Narrativ der durch Rechtsextreme bedrohten Demokratie

Indem der Bundespräsident die ganz große Keule gegen die Demonstranten vor dem Reichstag schwingt, macht er sich, übrigens zum wiederholten Mal, zu einem der Herolde der Erzählung, die von der durch Rechtsextreme bedrohten Demokratie handelt. Begründen will man damit den „Kampf gegen Rechts", der im Deutschland der 2010er Jahre die gegen Totalitarismus jeder Art sich wappnende wehrhafte Demokratie abgelöst hat. Der Modus operandi ist sattsam bekannt: Um Asymmetrie zu rechtfertigen, muss das Menetekel immer wieder in knalligen Farben an die Wand gemalt werden. Wenn wir nicht wachsam sind, droht der Wiedergang der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Dissonanzen statt demokratischem Konsens

Das gebetsmühlenartige Warnen vor der rechten Gefahr führt zu Aporien, die den demokratischen Konsens unserer Gesellschaft gefährden. Zwar ist Michel von Herzen unpolitisch. Allzu gern stellt er sich den Staat als Vater, Politik als Religion, die Parteien als Kirchen und die Politiker als Propheten der hellen, respektive dunklen Seite der Macht vor.

Problematisch wird es, wenn die Dissonanzen zwischen dem, was Politiker äußern, und dem, was Bürger wahrnehmen, unerträglich groß werden. Was ist, wenn die Richtigen das Falsche sagen und womöglich die Falschen das Richtige? Jedes 
Narrativ trägt nur so weit, wie seine Verkünder den Bogen nicht überspannen. Wer dreimal falschen Alarm auslöst, wird beim vierten Mal vergeblich auf die Feuerwehr warten, auch wenn dann das Haus lichterloh in Flammen steht.

Eher ein Stürmchen

Halten wir kurz inne und fragen, was wirklich passiert ist an jenem Samstag vor dem Reichstag. Eine Heilpraktikerin aus der Eifel hat per Megafon andere Irre, darunter etliche, die Schwarz-Weiß-Rot schwenkten, aufgefordert, sich auf die Stufen des Reichstags zu setzen.

Von Reichskriegsflaggen, die der Bundespräsident gesehen haben will, war übrigens wenigstens auf den Fotos vom Ort des Geschehens nichts zu erkennen. Stattdessen wehte ein buntes Meer aus Schwarz-Weiß-Rot, Stars and Stripes, türkischen und sogar Regenbogenflaggen. Die Demonstranten haben sich nach kurzer Zeit von drei Polizisten wieder von den Stufen vertreiben lassen.

Was artikuliert sich hier, wenn nicht ein in linksextremen Kreisen vermutlich schon fast als beängstigend geltender Respekt vor der Obrigkeit? Es sind keine Steine und keine Molotow-Cocktails geflogen, kein Polizist musste verletzt ins Krankenhaus gefahren werden, und der Reichstag steht unbeschädigt wie zuvor in Berlins Mitte.

Kein Beleg für rechtsextreme Bedrohung

Spielen wir einmal hypothetisch durch, was wohl geschehen wäre, wäre vor dem Parlament statt ein paar Reichsbürgern und sonstigen Deppen der schwarze Block von Connewitz oder die Putztruppe der Roten Flora aufmarschiert. Oder der Mob von Stuttgart.

Viele Bürger werden sich jetzt am Kopf kratzen und fragen, warum ein solcher Vorfall als Beleg für die virulente rechtsextreme Gefahr herhalten muss. Noch einmal: Die soll in keiner Weise verharmlost oder kleingeredet werden, aber der Tag von Berlin taugt, wenn nicht alle Indizien trügen, nicht zur Illustrierung des Narrativs. Es sei denn, man unterlegt ihn mit einem dramatisch-düsteren Soundtrack, wie es der Bundespräsident getan hat.

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Klaus Damert | Di., 1. September 2020 - 14:22

Vielen Dank für diese Einordnung, Herr Sommer. Genau so kam es mir auch vor. Und unser BP ist wohl nicht mehr ernst zu nehmen. Natürlich kann er die beteiligten Polizisten ehren, die ohne echte Gefahr (!) ihren Job gemacht haben. Wo ist aber seine Unterstützung für die Polizisten, die an anderer Stelle von ungern näher Benannten angegriffen und verletzt worden sind? Täglich gibt es dafür neue Beispiele. Er ist keine Zierde einer Demokratie.

ohne gleich im ersten Satz die Anliegen ganz normaler Bürger komplett zu diskreditieren, bloß weil sie nicht im Gleichschritt mit der dumben Masse mitmarschieren und ihre apokalyptischen Gesänge mitsingen?

Am Reichstagsgebäude waren zuerst drei (sichtbare ) Polizisten. Wie viele nicht erkennbare Polizisten unter den Demonstranten, und in Verbindung mit einer Bereitschaft um die Ecke waren, wird man uns nicht sagen. Dies war eine absichtsvolle Nicht-Bewachung um die Sturmbilder so auf die Bildschirme zu bringen. Vom Schloss Bellevue abwärts waren dann am Montag alle Instanzen bestens vorbereitet auf die " gefährlichen Bilder " mit der entsprechenden Empörung zu reagieren. Wir sind zwar nicht immer klug, aber wir sind nicht blöd.

Danke Herr Damert für Ihren Kommentar. Ja, warum nur diese Drei?
BP Steinmeier vergißt die, unter Lebensgefahr kämpfenden Polizisten
innerhalb eines Mobkreises. Sie waren hier positioniert, standen "leider"
nicht vor dem Reichstagsgebäudes, ergo waren sie nicht priviligiert für
Dank und Ehrung. Eine kollektive Ehrung, ein kollektives Danke wäre an-
gebracht gewesen.

Steinmeier scheint häufig nicht in der Lage zu sein, seine Ehrungen und Gra-
tulationen Anlaß bezogen korrekt anzubringen. Als bestes oder schlechtes-
tes Beispiel nenne ich den Iran. Per Telegramm gratulierte Steinmeier am 11.02.2019 dem Iran, dem iranischen Präsidenten, zum 40. Jahrestag der irani-
schen Revolution. Wie wertvoll wurde dadurch noch ein Danke, eine Ehrung von
Bundespräsident Steinmeier?

Juliana Keppelen | Di., 1. September 2020 - 14:52

und alle Berufsempörten stehen wie gewünscht auf der Matte. Und ein Aufschrei mit Pahtos überladene Reden, Mahnung an die Vergangenheit, Demokratie ins Herz getroffen usw., usw. Also wenn ein paar Treppenstürmer das Herz der Demokratie treffen, dann kann's mit der Demokratie nicht sehr weit her sein. Es ist erstaunlich was/wen und wie ein paar testostorongesteuerte Chaoten alles auf die Bühne bringen können.

Robert Müller | Di., 1. September 2020 - 19:49

Antwort auf von Juliana Keppelen

Ich sehe das auch so. Es wird ständig "Wolf" gerufen. Entgegen dem Artikel glaube ich dass dies nicht denen auf der Treppe nützt, sondern den Wolf-Rufen. Da wird versucht eine Einigkeit der "Demokraten" zu schaffen, wozu ein äußerer Feind her muss. Die AFD taugt dazu nicht mehr, also müssen andere hervor gezaubert werden. Das ist die selbe Strategie, die aktuell Trump verfolgt. Bei einigen Leuten wird das funktionieren. Durch Leute, die auf der Treppe des Parlaments Selfies machen, lasse ich mich aber nicht erschrecken und hinter Merkel einreihen.

Manfred Sonntag | Di., 1. September 2020 - 15:01

Ein sehr guter Artikel. Das Geschrei unserer Eliten wird immer lauter, je näher die Einschläge der eigenen Unfähigkeit kommen. Damit sollen die Bürger von den Fehlern und anderen Sichtweisen abgelenkt werden. Die gleiche Zeremonie habe ich schon 1989 in der DDR erlebt, als die Demonstranten durch die Parteioberen und Medien wüst beschimpft wurden. Doch heute geht es gar nicht um einen Systemwechsel. Die Menschen haben es einfach satt als Trottel, Nazi, Rassist usw. beschimpft zu werden. Es hat sich eine Arroganz der Macht bei den Eliten, also vorwiegend in der Politik und in den Medien breitgemacht. Dabei wird vollmundig und militaristisch "Haltung gezeigt" und die "Stellung bezogen". Anschließend sollen die Bürger wie die Papageien alles nachplappern. Wer nicht spurt wird ausgegrenzt und seiner Existenz beraubt. Nach 30 Jahren ein Deja Vu! Diese Überheblichkeit trifft nicht nur die Bürger, sondern auch unsere Nachbarn und Befreier. Lothar von Trothas Vermächtnis?

Tomas Poth | Di., 1. September 2020 - 20:34

Antwort auf von Manfred Sonntag

Kann mich Ihnen ganz anschließen, man muß ja nicht immer alles selbst sagen.

Christoph Wirtz | Di., 1. September 2020 - 15:09

... sehr bemüht, die Proteste möglichst schnell in Gänze für unrechtmäßig und gefährlich zu erklären, weil man um deren Wachstumspotenzial weiß. Wenn ich anschaue was da wirklich passiert ist, erscheint mit das sehr unglaubwürdig. Die Politik verspielt das letzte Vertrauen.

Wenn ich das richtig mit bebekommen haben, waren die Politiker aller Couleur am meisten besorgt über die Bilder. Da wir ja ständig mit erhobenem Zeigefinger andere ermahnen sich doch an dem Merkel-Friede-Eierkuchen-Land ein Beispiel zu nehmen und wir auch gerne die Moralkeule schwingen und wenn das nicht hilft auch mit Sanktionen drohen wird manche/er Regent/in sich die Augen reiben oder still lächeln und denken aha. Und das tut halt wenn man hoch auf dem Moralpferd sitzt verdammt weh.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di., 1. September 2020 - 15:10

auch so vor.
JEDOCH, evtl. verwirrte kleine Gruppen sind schon so manches mal in der Geschichte zum Auslöser avanciert.
Diese Aktion war symbolträchtig, genauso wie m.E. der politische Coup in Thüringen.
Wenn ich mir die Dokumentationen über die Nazizeit anschaue, dann verstand sich die extreme Rechte auf Symbole.
Nur konnte ich dann mit der Zeit feststellen, andere auch.
Dazu musste der Bundespräsident etwas sagen.
Das wirkt zwar ein bisschen wie mit "Kanonen auf Spatzen schiessen", aber es bietet eben dem mangelnden Respekt vor dem Parlament Paroli.
Politiker können kritisert und abgewählt werden, nicht aber das Parlament.
Steinmeier hat das Richtige getan.
Dass man langfristig durch eine überzeugender agierende Bundespolitik gar nicht erst solche Demonstrationen heraufbeschwört steht evtl. auf einem anderen Blatt.
Sinnigerweise, sollte man das Parlament besser schützen.
Politiker haben Bodyguards, das Parlament etc. dann doch wohl bitte auch.

Brigitte Miller | Di., 1. September 2020 - 15:47

entspricht nach aller Beobachtung und Teilnehmerberichten nicht der Realität, insbesondere nicht im Bezug auf "Art" der Teilnehmer.
Nicht erwähnt wird das Handeln der Polizei , die offensichtlich die Menschenmassen staute, um dann die Nichteinhaltung der Abstände zu beklagen, die teilweise massive Polizeigewalt . Dass nur 3 Polizisten den Reichstag schützten ( was allerdings sowieso unnötig war angesichts der Harmlosigkeit der "Reichstagerstürmer" ) ist eine Auffälligkeit, die auf Absicht schliessen lässt, um die nötigen Bilder zu bekommen.

Heidemarie Heim | Di., 1. September 2020 - 16:05

Hätte der eine unbehelmte Beamte ganz schnell wieder seinen Kopfschutz aufgesetzt und hätte sich wohl drei Mal überlegt, sich derartig deeskalierend an die Menge zu wenden. Mit Sicherheit hat er es schon in einer Anzahl von Einsätzen mit einem viel gewaltbereiteren Klientel zu tun gehabt und konnte die von der bunt beflaggten Truppe ausgehende Gefahr ganz offensichtlich richtig einschätzen.
Da hat er seinen Vorgesetzten bis hinauf zu unserem obersten Verteidiger der Demokratie m.E. einiges voraus! Gut gemacht!
Ansonsten geht es mir wie Herr Prof. Sommer. Irgendwann ruft der "hypochondrische" Patient im realen Ernstfall leider vergeblich nach Hilfe.
Überdies kam dieser medial wunderbar aufzubereitende Vorfall all jenen nachgerade zurecht , die schon in der Vorgeschichte dieser Demo keine allzu gute Figur abgaben. Der Rest war so klar wie die berühmte Kloßbrühe;). Nebenbei hat man die Konkurrenz/Ruf der Heilpraktiker gleich mit abgeräumt. MfG

Holger Jürges | Di., 1. September 2020 - 16:08

Zitat: "Wenn wir nicht wachsam sind, droht der Wiedergang der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft."

Ha, da war der "Sturm auf die Treppen" wohl ein zur rechten Zeit entstandener Anlass für die Dauerempörten, für´s Draufdreschen auf vermeintlich systemsprengende Rechte. -
Diese besagten Spinner waren bei den etwa 40.000 Teilnehmern der Demo eher im Promillebereich zu finden und konnten dank der "Erstürmung" in der Mediendeutung als Hauptprotagonisten und zu zentralen Gestalten der Demo aufgeblasen werden. - Ich spür´ regelrecht die heimliche Freude bei den Empörungswellenverbreitern. - Und der Bundespräsident diskreditiert ganz nebenbei gleich alle Demo-Teilnehmer quasi zu Sympathisanten der Rechten. - Kleingeistiger geht´s wirklich nicht! - Wie lange noch lässt sich der Michel mit solch überzogenem Theaterdonner manipulieren ?

Gerhard Lenz | Di., 1. September 2020 - 19:22

Antwort auf von Holger Jürges

indem man sie als geringfügig einordnet. Waren ja nur ein paar Deppen, deren Handeln letztendlich bedeutungslos geblieben wäre.

Ach ja? Tatsache ist nun mal, dass sich von den Zehntausenden, die da mitgelaufen sind, kaum einer bemüssigt sah, die Rechtsextremisten auf Abstand zu halten.

Man mag ja argumentieren, die Rechten - manche Schätzungen gehen von 10% aus - wären eine zu vernachlässigende Größe. Die aber ohne Probleme von den Coronaleugnern und -verharmlosern toleriert werden. Offensichtlich toleriert man sich nicht nur, möglicherweise schätzt man sich gegenseitig.

Selbst Leute wie Hoecke & Co. werden plötzlich zu Impfgegnern, und werden selbstverständlich in der Schar der Ignoranten und Besserwisser aufs herzlichste willkommen. Dort können die Möchtegern-Nationalrevolutionäre dann ihren gefährlichen Gedankenmüll verbreiten.

Wie stand in einer anderen Tageszeitung: An jeder Ecke stand ein Rechtsextremist.

Harmlos? Nur wenn man es "verharmlost".

Hans Jürgen Wienroth | Di., 1. September 2020 - 16:22

Auch wenn ich jetzt als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet werde: Es ist schon fast erwartbar, dass zwischen zwei Bundestagswahlen eine neue Krise beginnt, die zu bedeutsamen Veränderungen in diesem Land führt. Eine Krise als Legitimation der Politik ohne Wahlprogramm, ohne Befragung des Souveräns um gewünschte Veränderungen vorzunehmen. Das Ganze nennt sich dann Demokratie. Wer für den Erhalt des Bestehenden ist (bis das Neue sich bewährt hat), der ist Rechts (allgemein so definiert) bis zum „verirrten Rechtsradikalen“.
Dass es den Protestlern hier wahrscheinlich nicht nur um Corona, sondern auch um Veränderungen wie Schuldenunion, EU-Steuern etc. geht, die unter dem Corona Deckmantel umgesetzt werden, sollte akzeptiert werden. Aber wie artikuliert man das?
Politiker lassen sich nicht gerne „reinreden“, daher auch die Ablehnung der direkten Demokratie, dem Souverän wird halt nichts zugetraut.

Menzel Matthias | Di., 1. September 2020 - 16:47

Wenn dieser Betrag in den regierungsnahen Medien gesendet oder gedruckt wird, sind wir in diesem Land einen Schritt weiter. Das wird aber so nicht kommen, da die Drohkulisse aufrecht erhalten werden muss.
Danke den aufrechten Journalisten!

Gunther Freiherr von Künsberg | Di., 1. September 2020 - 16:47

Die Vorkommnisse in Berlin sind in den Presseorganen natürlich völlig falsch, weil unvollständig kommentiert worden. Schwarz-weiß rote Fahnen ohne Hakenkreuz waren zu sehen. Deshalb drängt sich natürlich die Frage auf, weshalb kein Journalist die Fahnenträger gefragt hat welche Person sie jetzt wieder als deutschen Kaiser einsetzen möchten. Wer die schwarz-weiß- rote Fahne ohne Hakenkreuz schwenkt ist zwangsläufig Monarchist. Damit erübrigt sich auch die Frage wie mit den Reichsbürgern umgegangen werden soll. Ein Regime wie 33-45 können Sie keinesfalls wollen, denn Realitätsverlust ist eine Geisteskrankheit, was in dieser Zeit lebensgefährlich war. Also müssen sich diese Reichsbürger zwangsläufig die Zeit davor zurückwünschen, und da Weimar und heute ähnlich strukturiert sind kann es nur die Kaiserzeit sein. Und schon hätten wir einen weiteren Feiertag, den 27. Januar. Da kann man doch tatsächlich noch zum Reichsbürger werden oder?

Reinhard Mawick | Di., 1. September 2020 - 18:51

Antwort auf von Gunther Freihe…

Ich denke, der 27. Januar ist anders vergeben: Gedenktag der Befreiung dss Konzentrationslagers Auschwitz. Da sollte S.M. zurückstehen oder ?

Rainer Hinz | Di., 1. September 2020 - 16:57

Mann sollte eigentlich davon ausgehen, wenn es denn ein Sturm gewesen wäre, dass 3 Polizisten diesen nicht aufgehalten hätten. Auf mich wirkte dass eher wie eine rückwärts gewandte Folklore, als dass unsere Demokratie in Gefahr war. In Stuttgart oder Frankfurt sah das schon eher nach Bürgerkrieg aus. Seltsamerweise wurden da keine Polizisten geehrt, aber das war eben nur die Partyszene.
Zudem sei angefügt, dass die vordemokratischen "Kaiserfahnen" nicht verboten sind.

Dirk Jäckel | Di., 1. September 2020 - 17:45

Antwort auf von Rainer Hinz

Ich halte die Reichsgründung von 1870/71, welche eher eine Eroberung Deutschlands durch Preußen war (im "Deutschen Krieg" von 1866 standen die meisten Bundesstaten gegen das übergriffige Preußen auf der Seite Österreichs) für höchst problematisch. Aber vergessen wir nicht: Die Verfassung des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reiches gehörte zu den demokratischsten der damaligen Zeit. Nur in wenigen anderen europäischen Ländern gab es 1871 auf Reichsebeen ein allgemeines und gleiches Männerwahlrecht. Das Problem war, dass das "Präsidium" des Reiches, also der Kaiser, nach Gutdünken den Reichskanzler einsetzen konnte. Sprechen wir lieber von "semidemokratisch" als von "vordemokratisch". Vielleicht hätte 1918 eine demokratischere Verfassung mit einem nichtpreussischen, rein repräsentativen Kaiser (der Bayernkönig war z.B. im Gespräch) dem Land so einiges erspart. Meinte übrigens Golo Mann, und einige Sozialdemokraten sahen es damals ebenso.

Bernd Müller | Di., 1. September 2020 - 18:50

Antwort auf von Dirk Jäckel

Auf Seite Österreichs dreizehn, auf Seite Preußens 15 Bundesstaaten. Zugegeben, die einwohnerstärksten bei Ö. Na und?

Romuald Veselic | Di., 1. September 2020 - 16:57

Insoweit interessiert mich der ganze Chaos oder berechtigter Zorn, nur rein empirisch, um erneut die unterschiedlichen "Fakten" abzugleichen.
Soweit mir bekannt ist, sind im Artikel erwähnte Fahnen, nicht verboten. Wer was benutzt, hat meisten den Wert eines Windsacks. Sieht dramatisch aus. Beim nächsten Mal werden vielleicht irgendwelche Sexsymbole verwendet und getragen von den FKK Hardliner.
Was mich stört, ist die Verhältnismäßigkeit dessen was man sieht, mit medialer Projektion auf den Rest der Republik. Denn bei 85 Einw., sind 100000 Demomenschen in einer Stadt, nicht auf die ganze Bevölkerung zu übertragen. Denn 84,9 Mio Einwohner, waren nicht dabei.
Es war eher ein sehr "bunter" Event, der für die fehlenden Straßenfeste, irgendwie herhalten musste. Früher, bei dem Rohölschock 1973, machte man dies anders. Nach 9 Monaten später, verdichtete sich die Zahl der Neugeborenen.

Herr Sommer, bei aller Wertschätzung. Dieser „Protest“-Tourismus bestand aus Anhängern von Esoterikern, Verschwörungstheoretikern, Reichsbürgern, Rechtsextremisten, NPD, Identitären Bewegung und AfD. Das hat der Verfassungsschutz erkannt.

Subjekte aus unterschiedlichen Milieus trafen hier zusammen. Ein Sammelbecken ohne allgemeinverbindliche Werte und Normen. Meinungsfreiheit?
Freiheit, die sich nur als Verantwortungslosigkeit zeigt, ist das Ende der Freiheit.

Diese „Querdenker“-Karawane will weiterziehen, an anderen Orten ihre kruden Theorien verbreiten. Als Bürger möchte man ihnen jetzt schon zurufen: Haut ab, das ist unsere Stadt!

explizit mit zu benennen in Ihrer Aufzählung. Und ebenso die große Mehrheit, die einfach genug hat von den Corona – Maßnahmen, ohne das Virus als solches zu leugnen. Und genau deshalb demonstrieren wollte. Ein Grundrecht, falls Sie das vergessen haben.

Und wenn Sie Freiheit nur da sehen, wo Ihre Meinung vorherrscht und sie gleichzeitig anderen quasi absprechen, indem Sie sie dort als „verantwortungslos“ abspeisen, dann haben Sie vergessen, was Freiheit ist.
Lesen Sie bei Rosa Luxemburg nach.
Die hatte es in ihrer Zeit gewiss schwerer im Umgang mit Andersdenkenden...

Ja, der Zug wird wohl weiter ziehen und er wird größer werden, je absurder sich die Maßnahmen im Verhältnis zu Realität erweist.
Und welche Stadt wem „gehört“, entscheiden gewiss nicht alleine diejenigen, die sich auf der Seite der „Richtigen“ wähnen, sprich den Obrigkeitsvorgaben blind und offensichtlich ohne nachzudenken folgen.

Auf der Demo habe ich Menschen wie ich oder andere Cicero- Leser gesehen,
ganz normale Steuerzahler aus ganz Deutschland, die mit ihrer Arbeit und ihren Steuern "Ihre" Stadt am Leben halten, ohne die Zuwendungen wäre "Ihre"
Stadt zum größten Slum Europas geworden. Wir können abhauen, das Geld nehmen wir mit. Bonn wäre mir auch lieber.

Bevor man äußert, Bürger dieses Landes sollen aus Berlin abhauen, sollte man sich den Länderfinanzausgleich ansehen.... .

"Subjekte aus unterschiedlichen Milieus trafen hier zusammen." Subjekte, Herr Jasper?
Sie meinen, das waren Subjekte und keine Menschen? Na, wenn das so ist - Subjekte haben kein Recht auf Meinungsfreiheit und können dann ruhig auch schon mal ein Fall für die Antifa sein. Sind ja nur Subjekte! Menschen als Subjekte - was für ein Menschen verachtendes Denken! Man friert, wenn mann ihre Gedanken liest.

Ja ja, der Verfassungsschutz hat es erkannt. Und das Beweis Video stammt wieder einmal , -was für ein Wunder-, von Antifa Zeckenbiss, wie seinerzeit in Chemnitz. Die zeigten damals sogar einen Mann in einem anderen Video, wie er den Hitlergruß zeigte, wobei sich allerdings später herausstellte, dass es ein Linker war. Auch damals gab der Verfassungsschutz eine Stellungnahme ab. Der Präsident musste daraufhin aber gehen, nachdem er nicht bereit war , von der Wahrheit abzuweichen.
Da hat es die Regierung jetzt schon etwas leichter, ihre Vorstellungen vom Vernichtungsfeldzug gegen die Demokratie, von dieser Seite untermauern zu lassen.
Von Meinungsfreiheit und Demokratie scheinen Sie eher wenig , bis gar nichts zu halten. In Ihrer Stadt dürfen anscheinend nur Menschen leben, die sich in dem gleichen schmalen Meinungskorridor bewegen, den Sie als den moralisch überlegenen sehen. Das hatten wir alles schon einmal.

und sonst niemandem, alles klar. Oder am Ende vielleicht doch nicht ganz? Was wäre Berlin denn, würde die Hauptstadt der BRD immer noch Bonn heissen? Eine links-grün regierte Metropole, die sich finanziell auch geschlagene drei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung immer noch nicht selber über Wasser halten kann, doch ungemein stolz darauf ist, "arm, aber sexy" zu sein. Und dem Vernehmen nach auch etwas Probleme mit bestimmten "Communities" haben soll, die gewisse Stadtteile als exklusiv für sie reservierte "Biotope" beanspruchen. Doch zugegeben, mit der Zumutung, als Kapitale eines freiheitlich-demokratisch konstituierten Staates zuweilen auch Kundgebungen überregionalen Zuschnitts ertragen zu müssen, die das ortsspezifische Idyll stören (könnten), wäre Berlin dann nicht mehr konfrontiert. ...

Ernst-Günther Konrad | Di., 1. September 2020 - 18:24

Niemand hier im Forum hat jemals bestritten, dass es braune Idioten gibt, die Hitler und seine krankhaften Machenschaften verklären und im Einzelfall auch durch Anschläge sich in den Reihen ihrer Mitläufer verewigen wollen. Ja, die tumben Naziimitatoren, sie gibt es und sie sind auch mit allen rechtlichen Mitteln zu verfolgen. Ich habe in meiner Dienstzeit manchen dieser echten Nazis gegenüber gestanden, das wäre nicht ohne Auseinandersetzung abgegangen. Drei Polizisten wären ein Frühstück für die gewesen. Die ich in Videos und Filmberichten am Reichstag gesehen habe, waren definitiv keine Nazis. Diese "Reichsbürger" verhielten sich nicht anders, wie die vielen Besucher des Reichstages täglich, die sich auf die Reichstagstreppe begeben, sie hochlaufen, die Treppen erstürmen, sich hinsetzen.
Hier wird absichtlich instrumentalisiert und umgedeutet, um die Situation bewusst umzudeuten.
Obwohl eine "Erstürmung" im Vorfeld angekündigt, nur drei Beamte? Keine Verletzten. Kein Sachschaden?

Lisa Werle | Di., 1. September 2020 - 18:53

Ich war noch nie angetan von der 'BP-Institution'. Aber dieser BP ist in meinen Augen maximal zum Fremdschämen. Wo war er denn mit seinen salbungsvollen Worten nach dem 01.08., als die Antifa wieder einmal Polizisten krankenhausreif geprügelt hatte. Wo war und ist er bei islamistischen Anschlägen - gerade erst wieder in Berlin? Und wo war er im Juni 2019, als 20 FFFler das Parlament stürmten, ein 'Die-in' veranstalteten und Klima-tot spielten? Alles offenbar erwünscht. Aber wenn ein paar Chaoten 3 Polizisten provozieren und dann brav abziehen, wenn die böse gucken - dann predigt er große unpassende Worte. Darf man im Cicero einen Bundespräsidenten einen schrägen Vogel nennen? Wahrscheinlich nicht - also lasse ich das weg.

Klaus Decker | Di., 1. September 2020 - 19:14

Erfrischend klar wird hier ausgesprochen, was unsere
sog. Eliten denken. Nein, Herr Jasper, Berlin ist nicht Ihre Stadt und auch nicht die Stadt der linken Chaoten, die sich in Berlin austoben dürfen. Ich irre mich nicht, wenn ich feststelle, Berlin wird so schlecht regiert, dass einem Angst und Bange wird!
Ich hatte das Glück, zeitlich und örtlich sowohl Göbbels als auch der Stasi zu entgehen. Nur literarisch (Orwell und Huxley) konnte ich mir eine Vorstellung von totaler Sedierung eines Volkes vorstellen. Nun muss ich sagen, das mediale Meisterstück der Umdrehung von Fakten ist jetzt
und heute erbracht worden. Querdenker werden zu
Rechtsextremen und "Kaisertreue" zu Kriegsfahnenschwenkern. Was wohl meine gutbürgerlichen und staatstragenden Vorfahren dazu gesagt hätten. Qamheimlich muss ich ihnen
wohl recht geben: Die meisten preußischen Staatslenker würde ich Herrn Steinmeier allemal vorziehen!

Yvonne Stange | Di., 1. September 2020 - 19:37

... "Subjekte"?? Ich lese wohl nicht richtig!? Geht es eine Nummer kleiner? Sie haben ja den richtigen Jargon drauf, den ich leider am eigenen Leib erleben mußte - vor über 30 Jahren!! Solange diese Organisationen nicht verboten sind und sich auf dem Boden des GG befinden, solange muß es ausgehalten werden! Mir paßt auch manches nicht, was in diesem Land passiert! Also mal mäßigen und einen Gang runterschalten! Was Sie betreiben ist Hetze. Und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit!

Felix Augustin | Di., 1. September 2020 - 19:47

Es ist wohl der vorausschauende, auf zukünftige Pöstchen schielende, Gehorsam, der Sie umtreibt, Ihre, in der Argumentation und Schlüssigkeit hinsichtlich unserer Eliten, völlig richtige Bestandsaufnahme, mit derlei auffällig vielen abwertenden Begriffen zu spicken. Da spricht die Heilpraktikerin zu anderen Irren. Und Wutbürger, Anthroposophen, Berufsbedenkenträger, Impfgegner und sonstige werden zu Wirrköpfen und in einem Atemzug mit den Rechtsextremisten genannt und ebenso markiert.
Haltung zeigen eben.

Urban Will | Di., 1. September 2020 - 19:50

tatsächlich solche Sorgen um unsere Demokratie macht, dann frage ich mich, warum er nicht intervenierte, als die Kanzlerin den Befehl zum „Rückgängigmachen“ einer demokratischen Wahl gab.
Für mich und sicher viele andere auch war dies ein bedeutend schlimmeres Ereignis als die „Erstürmung“ der Stufen des Reichstages durch ein paar Exzentriker.

Wer aufgrund dieser Aktion Vergleiche zur Vorzeit des Dritten Reiches zieht, muss sich sogar von jemandem auslachen lassen, der noch an den Osterhasen glaubt.

Wie Sie zu Recht schreiben, Herr Sommer, fördert kaum etwas mehr die Radikalisierung vieler Menschen als der immer mehr ins Groteske abdriftende „Kampf gegen Rechts“.

Steinmeier ist seinem Amt nicht gewachsen. Seine Anmerkungen zu den Ereignissen am 29.08. reihen sich ein in die Abfolge inhaltsleerem Gesülze, das er seit Beginn seines Amtes von sich gegeben hat.
Er wird zur Zumutung für sein Volk.

Axel Görke | Di., 1. September 2020 - 21:08

Schaut man sich die Videos der Tagesschau an, erkennt man, dass deren Quelle mit "Antifa Zeckenbiss" angegeben wird. Die Antifa, damit also gewalttätige Linksextremisten, war also in erster Reihe auf den Stufen des Reichstages und hat dort die Videos aufgenommen, die dann von der Tagesschau dem breiten Publikum zugänglich gemacht wurden.
Die ersten Leute auf den Stufen schwenkten übrigens türkische Flaggen.
Ich denke, die meisten, die dort angeblich den Reichstag "stürmen" wollten, wollten tatsächlich nur ein Selfie auf den Stufen machen und hatten gar nicht vor, in das Gebäude einzudringen. Wozu auch?
Und wie hier auch schon kommentiert wurde: Drei Polizeihanseln, darunter ein Einsatzleiter, der einen einfachen Polizisten mimte, hätten den "Sturm" niemals aufhalten können.
Das Ganze sieht nach "False Flag" aus. Sehr zum Schaden unserer Demokratie, das stimmt, leider.

Georg Schuhbaur | Di., 1. September 2020 - 21:08

Ein wohltuend sachlicher Artikel mit Verstand und Augenmaß. Selten in der heutigen Zeit.
Da steigt eine Gruppe einiger Spinner und Verrückten - die mit den anderen Corona-Demos wohl nix zu tun hat - über eine Absperrung und setzt sich friedlich auf die Stufen des Reichstages - und schon „wackelt“ unsere Demokratie in den Grundfesten. Das ist lächerlich und peinlich. Sind die gezeigten schwarz-weiß-roten, regenbogenfarbene, US- oder türkische Fahnen verboten?

Und diese 200 Leutchen werden von 3 wackeren Polizisten nur mit bösem Gesicht und Schubsen und in den Weg stellen aufgehalten, bis die anderen Polizisten ums Eck kamen. Kein Steinewerfen, keine Flaschen, keine Bengalos, keine Feuerwerk. Nur ein paar Fahnen und Geschrei. Und das ist ein halber Staatsstreich?

Jetzt hat die Regierung endlich einen Grund, warum sie seit Jahren (!) einen tiefen und breiten Graben vor dem Reichstag plant. Warum empfinde ich die Betroffenheitsadressen unserer Politiker nur heuchlerisch?

Gisela Fimiani | Di., 1. September 2020 - 21:23

Wenn eklatante Lügen in leicht verdauliche Narrative verpackt werden, wenn Relativierungen so weit getrieben werden, dass das Problem, je nach Wunsch, verschwindet oder ins Hyperbolische getrieben wird, ist die Manipulation perfekt. Leider habe ich den Eindruck, dass man sich selbst beim Cicero darum bemüht, zur Eier legenden Wollmilchsau zu werden; im Namen der „Ausgewogenheit“ .

Eva Mieslinger | Di., 1. September 2020 - 23:46

Zuerst: Ich finde den Artikel sehr gut.
Aber: "klar ist auch, dass in Berlin außer Wutbürgern, Anthroposophen, Berufsbedenkenträgern, Impfgegnern und sonstigen Wirrköpfen auch Rechtsextreme mit von der Partie waren, denen hier gratis und franko eine große Bühne geboten wurde"

Ich bin immer wieder entsetzt, wie täglich und flächendeckend Menschen, die sich nicht Merkels "Glauben Sie keinen Gerüchten, glauben Sie nur uns" (verkürzt) unterwerfen, die recherchieren, debattieren, um auf einer sachlichen Basis dem Thema "Corona" gerecht zu werden - wie diese Menschen permanent diffamiert, diskreditiert und beleidigt werden, mit der bekannten copy/paste Liste "Wutbürger, Anthroposophen, Impfgegner, Wirrköpfe...".
Ist es für Journalisten so schwer herauszufinden, dass sich Ärzte, Pharmakologen, Juristen u.v.a. ein qualifiziertes Bild machen, das nichts mit diesen Leuten zu tun hat.
Für kritische Menschen ist Zeitungslektüre zur Zeit ein täglicher Schlag ins Gesicht. Beleidigend.

Jens Böhme | Mi., 2. September 2020 - 02:38

Die Ereignisse am 29.August 2020 auf der Treppe des Reichstagsgebäude werden den Treppenwitz neu definieren. Die Verhinderung eines neuen Reichstagsbrandes wäre wohl zu dick aufgetragen gewesen.

Peter Gegesy | Mi., 2. September 2020 - 11:04

Die drei Polizisten haben einfach im Dienst ihre Pflicht getan. Und ein Bisschen mehr Mut als beim Bevölkerungsdurchschnitt wäre von einem Polizisten schon zu erwarten, zumal von jenen drei kräftigen großen Burschen. Ein Zurückweichen vor einer unbewaffneten und nicht gewalttätigen oder auch nur gewaltbereiten Menge und ihr somit das Eindringen in das bewachte Gebäude zu gestatten, wäre feiges Versagen gewesen. Für ihr entschlossenes Handeln mag man sie schon Loben, aber die großen Verdienstmedaillen stünden eher jenen zu, die beim Einsatz in Stuttgart Verletzungen davongetragen haben. Die Politik scheint aber derzeit mehr an einem dürftigen Spektakel interessiert zu sein und es auch nötig zu haben.