Gegen die USA vereint, in der Strategie getrennt: Eine chinesische Zeitung berichtet über das Treffen zwischen Wladimir Putin und Xi Jinping / picture alliance

China, Russland und der Ukraine-Krieg - Peking in der Zwickmühle

Ein Treffen zwischen Wladimir Putin und Xi Jinping zeugt davon, dass China an der Seite Russlands steht. Doch die Unterstützung ist nicht so ausgeprägt, wie sich der Kreml dies wünscht, weil Peking international als verlässlich und friedlich wahrgenommen werden will.

Autoreninfo

Thomas Jäger ist Professor für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln. Er ist Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

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Präsident Xi besucht Russland wenige Tage, nachdem dessen Präsident vom Internationalen Strafgerichtshof per Haftbefehl wegen des Vorwurfs, Kinder deportiert zu haben, gesucht wird. Und beide verhalten sich so, als wäre nichts geschehen. Auf den ersten Blick scheint es auch deshalb so, als ob die gegenseitigen Freundschaftsbekundungen zwischen dem chinesischen und dem russischen Präsidenten eine feste Allianz zwischen beiden Staaten ausdrückten.

Richtig ist, dass beide füreinander derzeit die wichtigsten strategischen Partner sind. Denn beide versuchen, die Dominanz der USA in der internationalen Ordnung zu beseitigen. Dazu wurde jahrelang das Narrativ verbreitet, dass die USA und der Westen sowieso abstiegen, weil die liberalen Demokratien zu dekadenten Gesellschaften verkommen seien. Chinas Aufstieg hingegen beweise, dass Modernisierung, Fortschritt und Demokratie nicht alleine in westlichen Formaten erfolgreich sein könnten. 

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Christoph Kuhlmann | Di., 21. März 2023 - 16:47

" Chinas Aufstieg hingegen beweise, dass Modernisierung, Fortschritt und Demokratie nicht alleine in westlichen Formaten erfolgreich sein könnten. " Da hat China sogar recht. Die Wirtschaft ist hierarchisch strukturiert und setzt asymmetrische soziale Beziehungen voraus, für die das One Man One Vote Prinzip, Gift wäre. Das wurde ja mal im Gulaschkommunismus ansatzweise realisiert. Insofern kommen unsere Wirtschaftsbosse bestens mit den klaren Richtlinien pro kapitalistischer, kommunistischer Regime klar. Wenn China nicht will, geht es halt nach Vietnam. (Foxconn/Apple) Es gäbe ja auch Demokratien in der Region, aber die lassen womöglich freie Gewerkschaften zu. Ich meine jetzt nicht die freien Gewerkschaftsbünde des real existierenden Sozialismus. Sondern richtige Gewerkschaften, welche die Interessen der Werktätigen priorisieren und humane Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und anderes Teufelszeug fordern. Ob das China Modell funktioniert, lässt sich erst in 50-100 Jahren beurteilen.

Gerhard Lenz | Di., 21. März 2023 - 17:03

Da haben sich zwei gefunden.

Der Kriegsverbrecher Putin und der (vermeintlich) gewiefte Taktiker Xi sind nur darin einig, der USA den Spitzenrang als Weltmacht no eins abzusprechen und den Westen zu spalten. Die EU ist wirtschaflich stark, aber außen- und verteidigungspolitisch ein Zwerg. Und da ein Großteil des europäischen Wohlstandes mit den Wirtschaftsbeziehungen zu China zusammenhängt, scheint Xi gute Karten zu haben. Und damit auch Putin?

Allerdings verbinden den chinesischen Präsidenten, der selbst irgendwelcher moralischer Skrupel oder ethischer Einstellungen absolut unverdächtig ist, und den gewissenlose Brutalo im Kreml wenig. Putin ist als Staatsmann ein Fiasko - ausser Zündeleien in Nachbarstaaten und eine bis an die Halskrause bewaffnete Armee hat er nichts aufzuweisen. Russland könnte dank seines Reichtums an Rohstoffen und Energie auch wirtschaftlich Weltmacht sein - und ist doch nur ein "Obervolta mit Atomwaffen". Für Xi nur als nützlicher Idiot interessant.

Walter Bühler | Di., 21. März 2023 - 17:30

Antwort auf von Gerhard Lenz

Na ja, so sicher kann man nicht sein, dass die wahlberechtigten US-Bürger in ordentlich organisierten Wahlen nicht mal wieder einen Trump oder einen anderen Republikaner zum Präsidenten wählen. Ist doch schon mal passiert!

Daher wäre ich doch ein bisschen vorsichtig: Plötzlich wären die USA für Sie, Herr Lenz, dann wieder der BÖSEWICHT, der Teufel.

Aber sonst: Ihre Texte eignen sich hervorragend als Opern-Libretti: Stets im Kampf mit all diesen Teufeln in der Welt! Ganz wie in den schönen Computerspielen unserer Enkel.

Walter Bühler | Di., 21. März 2023 - 17:14

Sehr selten gibt es diese Momente, wo sich im Kopf (oder auf dem Schreibtisch) eines Wissenschaftlers all die disparaten Elemente, die in der Welt auftreten, zu einer glatten, rundum geschlossenen Theorie zusammenschließen: Kopernikus, Kepler, Newton, Leibniz, Einstein...

Nicht nur Wissenschaftler, nein jeder, der versucht, sich ein Bild von dieser wirren Welt zu machen, muss vereinfachen, auswählen, vergessen. Ein leicht fassliches Opern-Libretto, ein Narrativ muss her, das sich für das breite, weniger kluge Publikum eignet.

Ich habe aus dem Artikel von Professor Jäger den Eindruck gewonnen, dass uns das Ergebnis seiner Arbeit und seines Nachdenkens als ein solches Libretto angeboten werden soll. Wieviel ist an dem, was er uns anbietet, Wissenschaft, wieviel ist künstlerisch-didaktische Phantasie?

Für meinen Geschmack spricht Professor Jäger zu viel im Indikativ und zu wenig im Konjunktiv.

Aber vielleicht ist er ja doch der neue Einstein, der alles versteht??? Wer weiß!

Tomas Poth | Di., 21. März 2023 - 19:28

Die Gewichte verschieben sich nach und nach zu Ungunsten der US-Hegemonialpolitik.
Das könnte dem Frieden und Freihandel auf dem Globus dienen.

Klaus Funke | Do., 23. März 2023 - 11:08

Da interpretieren Sie aber was hinein, verehrter Herr Professor. Natürlich, wie es Ihre Art ist, mainstreamgerecht. Aber Sie irren. Wenn China und Russland und dann vielleicht noch Indien, Brasilien, Südafrika und ein paar andere richtig zusammenhalten, braucht es den Westen und eben auch die USA nicht mehr. Da sitzen der europäische Westen und die USA auf einem ausgetrockneten Ast - und der wird bald brechen. Wie unausgegoren und unsicher dieser Westen derzeit agiert, sieht man an den Nervositäten um die Nord-Stream-Pipeline Bombardierung (Die USA wollen zurückrudern und wissen nicht wie, sodass es einen Hochverräter wie den Scholz braucht) oder die Putin-Verhaftung (wo man nicht bedenkt, dass man einen Staatsführer einer Atommacht nicht einfach so verhaften und aburteilen kann wie einen Milosevic). Nein, China und Russland sowie Teile der BRICS-Staaten sind nicht mehr wegzuwischen. Die Zeiten der unbeschränkten US-Hegemonie scheinen vorbei, Ukraine-Krieg, hin oder her.

Keppelen Juliana | Do., 23. März 2023 - 12:52

Antwort auf von Klaus Funke

man merkt im "Westen" es läuft nicht ganz so wie gedacht und anstatt sich mit der neuen Situation konstruktiv auseinander zu setzen wird man immer kindischer. So monieren die Vasallen an der Leine von Onkel Sam, (nur zur Erinnerung die Reaktion von Scholz neben Biden als dieser Verkündete unsere Energieversorgung mit Gewalt zu beenden oder Habeck in Quatar) dass Putin jetzt der Vasall von China ist. Experten studieren die Körpersprache von Xi und Putin um das heraus zu finden was sie sehen wollen, Putin als Vasall Xi`s. Herr Heusgen, also Merkels Chefdiplomat! und Berater in der UNO, freut sich wie ein kleines Kind weil Putin jetzt zur billigen Tankstelle Chinas verkommt (wir waren lange die Nutznießer dieser Tankstelle und haben nur profitiert) und übersieht dass wir jetzt auf dreckiges LNG angewiesen sind von jedem Despoten zu Apothekerpreisen dazu noch die Umwelt an der Nord- und Ostsee verschandeln müssen. Fazit: Die Zwergpinscher an der Leine der USA werden immer kindischer.