Alte Frau auf einer Bank in Sotschi
„Mütterchen Russland“ in der Not: Eine ältere Frau in der russischen Stadt Socchi / dpa

Prognose des IWF - Von nun an geht’s bergab!

Abermals musste der IWF die im Kern düsteren Aussichten für Russlands Volkswirtschaft nach oben korrigieren. Während die Welt in eine Rezession abgleitet und Deutschlands Wirtschaft mit düsteren Zukunftsprognosen zu kämpfen hat, scheinen die Sanktionen gegen Russland mehr Nebenwirkung als Wirkung zu zeigen. Wie lange kann das noch gutgehen?

Ralf Hanselle / Antje Berghäuser

Autoreninfo

Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero.

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Die Stimmung ist schlecht. Richtig schlecht. Und das nahezu auf dem gesamten Globus. In den Schwellenländern etwa schaut man ängstlich auf die Stärke des Dollars und auf die in die Höhe geschossenen Kreditkosten, während man in den USA und der EU auf die stagnierende Wirtschaft blickt und mit hohen Inflationsraten kämpft. Selbst die asiatische Wirtschaft, einst Motor des weltweiten Wachstums, leidet neben der gescheiterten Covid-Politik Pekings nun vor allem an den Folgen des russischen Überfalls auf die von Shanghai oder Hongkong aus gesehen furchtbar ferne Ukraine. 

Nur in Russland selbst, dem Land, dessen Regierung die eisige Gemütslage auf den internationalen Finanzmärkten mit ausgelöst hat, bleibt man dieser Tage gelassen. Zumindest Wladimir Putin dürfte nach der Vorstellung der aktuellen Prognosen für die Weltwirtschaft auf der Jahrestagung von Internationalem Währungsfond (IWF) und Weltbank in Washington erleichtert gewesen sein. Nicht, dass es den Banken und der Wirtschaft in Moskau besser als im Rest der Welt ginge. Im Gegenteil. Aber es geht der russischen Wirtschaft eben auch längst noch nicht so schlecht, wie Anfang des Jahres vielleicht von Putin befürchtet und wie eigentlich vom Internationalen Währungsfonds prophezeit.

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Tomas Poth | Do., 13. Oktober 2022 - 13:45

Geht es nicht schon lange bergab, wenn man auf die ganzen Hilfs-und Wummspakete der letzten Jahre schaut.
Was dem Esel die vorgehaltene Möhre ist sind den Bürgern die Hilfspakete und der ausgestrahlte Optimismus der Prognosen wo das Minus immer noch Plus ist da es ja auch mehr Minus sein könnte.
Irgendwann klappt der Esel zusammen da er nicht an die Möhre kommt.
Als Trost gilt, die Arbeit bleibt, das Entgelt dafür wird eine wesentlich kleinere Möhre. Vielleicht gerade mal so groß wie sie zu feudalistischen Zeiten war.
Die Programmatik des Great Reset, der Oligarchen in Politik und Wirtschaft, läuft ja darauf hinaus: Ihr werdet nichts besitzen und trotzdem glücklich sein!

Gabriele Bondzio | Do., 13. Oktober 2022 - 13:52

weiter nach hinten verschobenen Moskauer Crashs"
Vielleicht hilft ein entsprechendes Medium, den Untergang zu beschleunigen.

In den USA scharren derweil US-Finanzkonzerne mit den Hufen.
Erwartet wird ein Schnäppchenmarkt bei den bislang für sie unerreichbaren deutschen Mittelständlern

"... viele Perlen, die bislang außer Reichweite der US-Fonds waren. Aus dem deutschen Mittelstand kommen über 1.300 so genannte „hidden champions“, Weltmarktführer in Nischenbereichen. Das ist fast jeder zweite hidden champion der Erde. In dem Moment, in dem Unternehmen in existenzielle Krisen kommen, müssen die Eigentümerfamilien oft externe Finanzquellen suchen und sich Kapitalquellen von außen öffnen, ob sie wollen oder nicht. Eine großartige Gelegenheit für US-Käufer.
Durch die Nord-Stream-Sprengungen wird diese günstige Gelegenheit zementiert."

Putins Bilanz ist minimal gestört, die der deutschen Wirtschaft maximal, das Händereiben des US-Kapitals ist enorm.
(Des einen Leid, des anderen Freud)

Walter Bühler | Do., 13. Oktober 2022 - 18:57

Antwort auf von Gabriele Bondzio

... aber so: die Krankmeldungen im öffentlichen Dienst - wohl einschließlich der Bundeswehr - werden ungeahnte Höhen erreichen, und die Ausreisewilligen werden zu Recht die Flughäfen und Grenzkontrollstellen stürmen, wenn die Kriegsgefahr konkret wird.

Was wird denn JETZT gemacht (NICHT ANGEDACHT), um die Bundeswehr möglichst schnell schlagkräftiger zu ,machen? Was ist mit der Wehrpflicht? Mit dem Zivilschutz? Irgendwie scheint es mir, dass unsere Regierung damit umgeht wie mit dem Katastrophenschutz. Außer aufgeregtem verbalem Herumhudeln geschieht in Wahrheit das, was wie schon immer am leichtesten zu machen ist: NICHTS.

Na ja.

... gelernt, dass ab jetzt der Himmel über Deutschland von der Bundeswehr und 13 anderen Ländern gesichert werden wird, und dass die Bundeswehr unser Land ganz bestimmt gegen einen Angriff verteidigen kann.

Na, wie stehts mit den Treibstoffen, mit der elektrischen Energie, die so ein moderner Krieg braucht? Alles ausreichend da? Kommt man ohne Wehrpflicht aus? Und was ist mit dem Luft- und Katastrophenschutz? Besser als im Ahrtal?

Aber ja: Vielleicht gibt es große Aktivitäten in diesem Bereich, von denen ich nur nichts gemerkt habe! Vor der Maueröffnung konnte man öfters mal erleben, dass auch unsere Militärflugzeuge fliegen können. In den letzten Jahren und in der letzten Zeit ist von unserer Luftwaffe gar nichts mehr zu merken. Vielleicht wegen des Klimas oder wegen der Lärmbelästigung?

Ist es nun im Verteidigungsfall ein Vor- oder ein Nachteil, dass ich so nah am Regierungsviertel wohne? Wer weiß was?

Manfred Bühring | Do., 13. Oktober 2022 - 14:28

... unserer Volkswirte sind wie Schnee im Frühling: sie glimmen in der Sonne kurz auf, bevor sie zu Wasser werden.
Es gibt keine mir bekannte Prognose, die über einen Zeitraum von einem Jahr nicht ständig an die normative Kraft des Faktischen angeglichen werden musste.
Aber wie soll man volkswirtschaftlichen Verstand von einem Philosophen und einer, die vom Völkerrecht kommt, erwarten?!
Habeck verspielt derzeit die große Chance, sich gegen seine bornierten Berater im Ministerium als Realist und "Retter" unserer Wirtschaft zu profilieren. Wenn selbst Greta und die Grünen in S für AKWs sind .....

Maria Arenz | Fr., 14. Oktober 2022 - 10:13

Antwort auf von Manfred Bühring

Sie haben die Anführungszeichen vergessen. Vor und nach "vom Völkerrecht kommend". Lächerliche zwei Semester, inclusive -von wem auch immer geschriebener- "Master"-Arbeit. "Erst das Land, dann die Partei, dann die Person" hieß es einmal und nur, wenn genügend Leute in die Politik gehen, die es sich überhaupt leisten können, diesen Grundsatz zu beherzigen, hat die repräsentative Demokratie eine Chance, zu überleben. Wohin es führt, wenn Parteien sich den Staat zur Beute machen, die von Typen wie Kühnert, Esken, Lang, Nouripour geführt werden, Typen also , die mangels Studien-oder Berufsabschluß in einem für die Realwirtschaft tauglichen Fach gar keine Alternative haben zum Politikerdasein, wird vor allem durch SPD und Grüne mit ihrer "herrschenden Klasse" von Versagern erschreckend deutlich. FDP und CDU holen aber tüchtig auf und Frauen-und MiHiGru-Quote besorgen auch dort dann den Rest .

Karsten Paulsen | Do., 13. Oktober 2022 - 16:15

Bekannte hielten sich mehrfach über die letzten Wochen in Moskau auf und berichteten übereinstimmend, dass die Stimmung der Bevölkerung gut und optimistisch sei. Ihnen als Deutschen begnete man freundlich und Respektvoll, aber voller Unverständnis und mitleidig über die den deutschen schadenden Sanktionen.

Chris Groll | Do., 13. Oktober 2022 - 16:31

Hallo Herr Hanselle,
das ist ein großartiger Artikel und nicht einseitig, sondern sehr objektiv geschrieben. Schön, daß dieser in meinen Augen unvoreingenommene Artikel veröffentlicht wurde.

Gisela Fimiani | Do., 13. Oktober 2022 - 17:46

Das Wolkenkuckucksheim deutscher Wohlstandsverwahrlosung kollidiert mit der Wirklichkeit. Putin fungiert nur als Katalysator einer Entwicklung, die ihre Grenzen längst überschritten hat. Wir leben in Gesellschaften, die Politiker seit Jahrzehnten mit billigem Geld verwöhnten und ruhig stellten. Politiker, die nur den einen Trick beherrschen: Probleme mit mehr und noch mehr Geld lösen. Die Mahner gab es. Sie wurden und werden niedergemacht. In jeder Krise trug die Ideologie unserer neuen Hohepriester den Sieg davon. Die großen Relativierer und Manipulierer haben Hochkonjunktur. Die neuen Helden auf der Bühne der Geschichte entlarven sich aber als maligne Narzissten, denen die Menschen, deren Not, Leid und Elend gleichgültig sind. Für die „gute Sache“ müssen Opfer gebracht werden. (Kommt uns das bekannt vor?) Ehrfurcht vor dem Leben, Menschlichkeit, Achtung vor menschlicher Würde - alle wahren Errungenschaften - werden auf dem Altar der Hyperguten, der Rechthaber, der Sieger geopfert.

Gerhard Fiedler | Do., 13. Oktober 2022 - 19:43

Die Sanktionen gegen Russland sind verkehrt, egal ob man Russlandversteher ist oder nicht. Dass sie Deutschland gewaltig schaden würden, möglicherweise sogar in den Ruin treiben, war absehbar und wird nun für jeden deutlich. Was könnte da wohl zur Rettung werden? Ganz einfach, die Sanktionen zurückzunehmen und Verhandlungen anzustreben, egal wie blamiert man damit dann dasteht. Es rechtfertigt alles, die Verhinderung eines Atomkriegs allemal. Da die USA dazu nicht bereit sind, oder erst wenn es dafür zu spät ist, sollte Deutschland nicht davon abhalten. Wer wagt, gewinnt und wer zu spät kommt, wird bestraft. Dass ein solcher Schritt der Ukraine nicht gefallen würde, ist doch verständlich. Es hat ein Recht zu dieser seiner Einstellung. Für mich aber als Deutscher kommt mein Land zuerst. Habe mich als 84jähriger vor der Nds-Wahl mit dem Schild „SANKTIONEN UND WAFFENLIEFERUNGEN – NEIN“ auf die Straße gestellt und mich dafür beschimpfen lassen. Ich fand, es musste sein.

ich teile Ihre Sicht.

Doch was, wenn sich zudem herausstellt, dass es tatsächlich die USA waren, die Hand an die Northstream-Leitungen gelegt haben ? Wenn gerade diese Tatsache mitursächlich dafür wäre, dass der deutsche Mittelstand so angenehm für amerikanische Investoren aufzukaufen möglich wird ?
Was würde dann eine kluge deutsche Regierung machen ? Kopf in den Sand oder Ausstritt aus der NATO oder .. ?

Bernd Windisch | Do., 13. Oktober 2022 - 20:15

Alles, was komplizierter ist als "von der Hand in den Mund" ist für die deutsche Bevölkerung augenscheinlich zu abstrakt.

Erst wenn die Hand tatsächlich ins Leere greift, werden in diesem Land vielleicht noch einige wach.

Sprach der Rabe: „Nimmermehr! “ Bis ihm schwand der Hoffnung Schimmer, und er fortan seufzte schwer: ‚O nimmer – nimmermehr!

Edgar Allan Poe

Dr.Andreas Oltmann | Do., 13. Oktober 2022 - 20:28

Begleitet von Hosianna-Rufen der Transformationsfanatiker. Die uns mit Wumms in eine schöne neue Welt befördern, in der wir unsere Kartoffeln und Gemüse selbst anbauen, wieder Schweine, Hühner und Kühe halten und vom Teller in den Mund leben. Dann wird es eine weitere Völkerwanderung geben in Länder, die es besser machen. Verantwortlich sind inkompetentte,unfähige, ideologisch gefangene Politiker, die nicht in der Lage sind,, 1+1 zusammen zu zählen. Und ein ÖRR, der keine kritische Stellungnahme denken will und kann. Und der deutsche Untertan, der nach 80 Jahren Demokratie immer noch nichts verstanden hat. Z. B. wofür eine Wählerstimme hat.

Jens Böhme | Fr., 14. Oktober 2022 - 01:39

"Denn am stärksten leiden dieser Tage die Schwachen..." - gibt es Zeiten, wo die
Schwachen nicht am stärksten leiden? Heute in den ARD-Tagesthemen hoffte die Gründerin der ersten Senioren-Tafel in Köln nach dem ersten Tag, dass die heutigen Besucher von der Tafel weitererzählen, damit mehr kommen. Da würde ich hellhörig. Wenn ich die letzten zwölf Monate Revue passieren lasse - Schlägereien vor Tafeln, Verteilungskämpfe, Mangel an zu verteilenden Lebensmitteln - gehe ich eher davon aus, dass kaum wer die eigene frequentierte Tafel an die große Glocke hängt, um nicht in erneute allerhöchste Not zu kommen. Wir entrückten uns aus der Wirklichkeit und schlafwandeln in der Vergangenheit.

Ernst-Günther Konrad | Fr., 14. Oktober 2022 - 07:59

Ich kann mich allen Foristen bis zu Herrn Dr. Oltmann veröffentlicht anschließen. Was mich nur sehr wundert ist die Tatsache, dass es kaum ein Medium gibt, dass den Politikern nicht das Wort redet, wonach Russland wirtschaftlich schwer getroffen ist, taumelt, bald seine Kredite nicht mehr bedienen kann usw. Jede neue Sanktion sollte doch angeblich Russland immer mehr in die Knie zwingen. Und jetzt lese ich in diesem wertneutralen Artikel, dass es doch gar nicht so schlimm um Russland steht. Ja, vielleicht bekommen sie manche auch deutschen Artikel nicht mehr auf dem direkten Weg, einiges wird von anderen ersetzt, vieles kommt auch auf Umwegen ins Land und dennoch werden die selbstzerstörerischen Sanktionen als vollen Erfolg dem Volk verkauft.
Und wenn ich dann lese, das Bekannte von Herrn Paulsen in Russland waren und ein völlig anderes Bild schildern als uns die Medien vorgaukeln, so glaube ich solchen Aussagen mehr als den Msm. Wie ist es Herr Funke? Sie leben doch dort inzwischen.

Urban Will | Fr., 14. Oktober 2022 - 14:29

Sprüche sind die immer wieder zu allen möglichen Anlässen betonten Sprüche à la „Putin darf nicht gewinnen“ oder alternativ „Putin wird nicht gewinnen“ oder zur Abwechslung mal „Putin wird verlieren“.
Erinnert einen so ein bisschen an die Endszenen in „Der Untergang“, wo der zum Wrack degenerierte Führer vom „entscheidenden Schlag“ fabulierte, den man den Russen bald versetzen werde...
Ist jetzt vielleicht ein etwas makaberer Vergleich, aber er trifft den Kern.
Es war von Beginn an gerade aus deutscher Sicht (völlig egal, ob gut oder schlecht, aber die Abhängigkeit von russ. Energie und Rohstoffen war und ist nun mal Fakt) selbstmörderisch diesen Sanktionskrieg gg d größte Land der Erde (und das auch noch rein moralisch bedingt, ohne die verblendeten Hirne mal einzuschalten und nach anderen Wegen zu suchen, diesen Krieg zu beenden) zu beginnen.
Wir kriegen jetzt das, was viele (unter dem Spott d „Guten“) schon lange prophezeiten.
Und stolpern dumm weiter in Richtung Abstieg.

Han Huber | Fr., 14. Oktober 2022 - 17:25

Verantwortungsethiker - nein, eben nich!
Not at all - Gesinnungsethiker der übelsten Sorte bestimmen über unsere Zukunft. Schwafeln von ‚Verantwortung‘ sind aber in kleinster Weise bereit, sich nur schon Gedanken über die Folgen ihres Handelns zu machen, geschweige denn Verantwortung zu übernehmen.
Gesinnung über alles, zu den Guten gehören über alles - Realität ist pfui. So ticken die.