Armeniens Außenminister Mirzoyan und US-Außenminister Blinken bei einem Treffen in Washington am 3. Mai / picture alliance

Folgen des Ukrainekriegs - Russisches Roulette

Durch den Krieg in der Ukraine verliert Russland andere Regionen in seiner Peripherie aus dem Blick – insbesondere im Kaukasus und in Zentralasien. Die Vereinigten Staaten nutzen diese Situation, um dort selbst an Einfluss zu gewinnen. Diplomatische Aktivitäten der vergangenen Wochen zeigen, wie sehr Washington das aktuelle Machtvakuum ausnutzt.

Autoreninfo

Ekaterina Zolotova ist Analystin für Russland und Zentralasien beim amerikanischen Thinktank Geopolitical Futures.

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Länder, die sich im Krieg befinden, setzen um des Sieges willen üblicherweise sämtliche Ressourcen ein, die sie anderswo realistischerweise entbehren können. Was wiederum dazu führt, dass durch die Kriegsanstrengungen wichtige Angelegenheiten in den Hintergrund treten oder der Staat im In- und Ausland anfällig wird für Versuche, ihn zu schwächen. Dies ist auch bei Russland im Zusammenhang mit der Ukraine der Fall: Der Westen im Allgemeinen und die USA im Besonderen sondieren derzeit die russische Position in anderen Peripherien des Landes, einschließlich des Kaukasus und Zentralasiens, wo die russische Macht ebenso wirtschaftlicher wie militärischer Art ist.

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine ist keine logistische Kleinigkeit. Treibstoff und Nachschub müssen beschafft und verfrachtet werden, Soldaten müssen ausgetauscht, Verletzte versorgt und beschädigte Ausrüstung muss repariert werden. Dies erfordert enorm viel Geld, das für den Kreml immer knapper wird. Vereinfacht gesagt, konzentriert sich ein Großteil der russischen Anstrengungen, Aufmerksamkeit und des Materialaufwands auf den Westen des Landes.

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Martin Falter | Di., 10. Mai 2022 - 11:30

Russland ist das größte Land der Welt, aber nein es wollte noch mehr und mehr. Das hat zur Folge, dass es überdehnt wird und an seinen Schwachpunkten bröckelt. So geht es allen Größenwahnsinnigen sie scheitern an ihrer eigenen Hybris.

Dabei könnte ein friedliches und demokratisches Russland der Player in der Welt sein.

Durch Handel und Mitnahme seiner Bevölkerung am wirtschaftlichen Wachstum könnte Russland nach und nach zu USA ausschließen.

Aber Pudolf hat sich für Krieg, Korruption und Machtmissbrauch entschlossen und alles verloren.

Romuald Veselic | Di., 10. Mai 2022 - 11:45

Da ich proamerikanisch bin, wünsche ich der Biden Administration viel Erfolg. In Vergleich USA vs. RUS, empfinde ich, dem Gefühl nach, Russland als einen kaputten Kühlschrank. Feeling der Unfreiheit, Langweile u. Ödnis. In RUS gibt's kein easy livin', wie in den USA.

PS Eine andere Frage: Warum ist Russland kein Einwanderungsland?

Rußland ist Einwanderungland für viele Menschen aus den ehemaligen Sowjet-Republiken.
In Moskau gibt es Millionen von Zuwanderern, die zu einem nicht geringen Teil illegal dort leben und arbeiten. Die Stadt hat sich daher enorm ausgebreitet, und es steht nicht fest, wie viele Bewohner sie hat. Schätzungen schwanken zwischen knapp 12 (offiziell) und 17 Millionen.
Die "eingeborenen" Russen bekommen immer weniger Kinder (was auf die auch dort starke Frauen-Emanzipation zurückgeht) und fühlen sich inzwischen
bereits überfremdet in ihren Städten. Dies haben uns Russen selbst erzählt.

Wie und wo verlaufen die Flüchtlingsströme nach Russland? Im Schwarzen u. Kaspischen Meer gibt's keine Rettungsschiffe die Schiffsbrüchige aus dem Wasser holen.

Abgesehen davon, wurden bislang nur die Flüchtlinge an der BY/PL Grenze gezeigt und nicht an der BY/RUS Grenze.

Oder Sie meinen die Binnenlandflüchtlinge, die aus einem autonomen Istan, in die russische Großstädte umziehen?

Ich teile Ihre Skepsis gegenüber „Analysen“, die auf den Erzählungen von Reisebekanntschaften beruhen und möchte Ihnen folgenden Artikel über die demographische Entwicklung in Russland nahelegen:

https://www.watson.ch/international/wissen/878240945-die-russische-demo…

Zur bedrückenden Situation vieler Frauen in Russland seien Ihnen folgende Artikel ans Herz gelegt:

https://www.nzz.ch/feuilleton/russland-die-frau-soll-schoen-sein-und-de…

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/frauenrechte-in-russlan…

Romuald Veselic | Mi., 11. Mai 2022 - 06:32

Antwort auf von Kai Hügle

L2/Auszug: Die Begriffe «Gender» und «Feminismus» sind selbst für diejenigen, die die Werte dahinter unterstützen, eine Art «Pest aus dem Westen».

Genau so ist's und es bleibt dabei. Zur Erinnerung: In ganzer Existenz des Sowjetpolitbüros bis 1991, gab es nur eine Frau darin, eine gewisse Jekaterina Furzewa. Ansonsten die Sowjet-Errungenschaften waren dadurch erkennbar, dass Abtreibungen öfters vorkamen als Zahnpflege u. Scheidungen wurden wie bei ärztlicher Sprechstunde abgewickelt. Um das Sowjet-DNA in der Ges. zu neutralisieren, braucht man 4-5 Generationen. Menschen wie Putin reanimieren erneut diesen Zustand.

Dass die RUS-Frauen hübscher sind, liegt nicht nur im Zusammenhang, dem Mann zu gefallen. Die Slawinnen/Osteuropäerinnen haben eine andere Einstellung zum Aussehen einer Frau. In RUS gibt's nach meinem Empfinden 10-mal mehr hübsche Frauen als in D. Schon Österreicherinnen eleganter/hübscher sind, als die D-Frauen. Unsympathische Damen interessieren niemanden.

Tomas Poth | Di., 10. Mai 2022 - 11:51

Hier wird sehr klar beschrieben was Machtpolitik ist. Es geht nicht um Frieden sondern darum den eigenen Machtbereich zu sichern und auszudehnen. Den verorteten Gegner zu destabilisieren.
Dazu werden NGOs und die Methoden des Regime-Changes bis hin zum Einmarsch in andere Länder eingesetzt.
Was "Wir" machen ist berechtigt weil es das "Gute" ist, auch wen es gegen Völkerrecht verstößt.
Was "Die" machen ist schlecht, hat keine Berechtigung das Völkerrecht zu beanspruchen und ist gemeinhin das "Böse".

ursula keuck | Di., 10. Mai 2022 - 11:59

Der ukrainische Präsident verspricht nach dem Triumph über Russland eine große Sieges-Parade.
Trotz des laufendes Krieges und den vielen täglich neuen Toten hat Selennskyj an den 77. Jahrestag über Hitler-DEUTSCHLAND erinnert: „ unser Feind träumte davon, dass wir darauf verzichten den 9.Mai und dem Sieg über den Nationalsozialismus zu feiern. Moskau werde genau so enden wie das Hitler Regimes. Und schon bald werden wir in der Ukraine 2 Tage lang den Sieg über Putin feiern. feiern“.
Die Sieges –Parade werde auf der Hauptstraße in Kiew stattfinden!
Nicht gerade friedfertige Ankündigungen eines Präsidenten, in Anbetracht des großen Leidens seiner Zivilbevölkerung.

Christa Wallau | Di., 10. Mai 2022 - 13:17

daß es irgendeiner Regierung (außer in ganz wenigen Ländern der Erde) um das Wohl der ganz normalen Bürger oder gar um das der Menschen irgendwo anders geht.
An erster Stelle stehen - niemals mehr als heute in der sog. globalisierten Welt - die Interessen derer, die MACHT ausüben und GESCHÄFTE machen wollen.
Ein Präsident der Ukraine, dem sein Volk wirklich am Herzen liegt, hätte mit aller Kraft und sogar mit Zugeständnissen an Putin diesen Krieg verhindert und auf eine allmähliche, friedliche Entwicklung zu noch mehr Selbstbestimmung für sein Land gesetzt.
Wer nicht selbst seinen Körper und seine Seele zu Markte tragen muß, der hat gut Krieg führen!
Vor allem dann, wenn mächtige Verbündete ihn bestätigen.
Die weinenden Mütter, Ehefrauen und Kinder, deren Söhne, Männer und Väter jetzt täglich ihr Leben verlieren, und die vielen toten Zivilisten müssen halt für die "gute Sache" dran glauben.
So ist das eben.
Hinterher bekommen sie aber auch ein schönes Denkmal gesetzt.

Ingo frank | Di., 10. Mai 2022 - 13:34

Kann man durchaus sagen: Auch an diese Peripherie Russlands, streckt Onkel Sam seine Finger aus, fehlt nur noch die Dollars für Rüstung und das von Flintenusch ….is überreichte EU Beitrittsgesuch. Ein Krieg reicht wohl nicht?
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

genau der Trottel Putin hat die USA erst auf Idee gebracht.

Und hoffentlich machen die USA so weiter. Das heißt auch, nur Putin braucht den Krieg, die anderen also seine Gegner haben andere Mittel und die spielen sie jetzt aus.

Und ob ein Krieg reicht, dass müssen sie den Kriegstreiber fragen.

Der Rest der Welt braucht sicher keinen Krieg.

Gerhard Lenz | Di., 10. Mai 2022 - 14:12

den USA gar nicht machen können!

Nicht nur Anrainerstaaten drängen in die EU oder NATO - wer hätte bis vor kurzem damit gerechnet, dass selbst traditionell neutrale Staaten wie Finnland oder Schweden in die NATO wollen? Was kein Verdienst der USA ist, sondern ganz einfach Ergebnis der Erkenntnis, dass einem Putin nicht zu trauen ist!

Putins Zerstörungswerk beinhaltet ja nicht nur die physische Vernichtung großer Teile der Ukraine. Putin hat auch jegliches Vertrauen in die eigene Politik zerstört. Wer noch zu ihm hält, der macht das aus einer Position der Sicherheit heraus (China, Indien) oder weil er sonst keine Verbündeten mehr findet (Nordkorea, Eritrea).

Putin wollte NATO und EU auf Distanz halten. Jetzt kann die NATO den betreffenden Staaten im Prinzip fertige Verträge zur Unterschrift vorlegen: Die nötige Vorarbeit hat Vladimir Adolf Putin selbst geleistet.

Was für ein "genialer" Stratege! Im Grunde ist Putin eben noch immer der kleine, mißtrauische KGB-Agent.

... Putin hat mit seinem Einmarsch in die Ukraine den USA ein großes "Geschenk" gemacht.

Das von Erdogan im Rahmen des (Pan-)Turanismus angestrebte großtürkische Reich soll im Osten bis zur Mongolei und nach China reichen, wobei gleichzeitig die Westgrenze in Europa in verschiedenster Gestalt immer weiter nach Westen verschoben werden soll. Ob dieses islamische Großreich unter türkischer Führung als Ersatz für Russland mehr Glück für die multiethnischen Untertanen bringen wird, das werden wir am Beispiel Armeniens, Georgiens und auch Bosniens bald sehen können. Das Unterstützung der USA vergrößert natürlich die Erfolgsaussichten des neuen türkischen Großreiches.

Wenn wir die Ukraine mit ihrer jetzigen politischen Kultur in die EU übernehmen, werden die zentrifugalen nationalistischen Kräfte (z. B. Kaczínsky) gestärkt. Sie werden weiterhin mit GB unter Johnson und mit den USA kooperieren und ansonsten die EU einfach für ihre Ziele ausschlachten.

Armes Europa.

Christoph Kuhlmann | Di., 10. Mai 2022 - 15:14

Artikel über Regionen, welche die Presse hierzulande so gut wie gar nicht auf dem Schirm hat. Ein bisschen mehr Fahrwasser für die Satelliten, deren Rohstoffe im internationalen Wettbewerb durchaus mal von zentraler Bedeutung sein können, kann man nur begrüßen.