Der türkische Präsident spricht vor Anhängern in der Türkei / dpa

Von der iranischen Hochebene bis zum Kaspischen Meer - Erdogans Traum von einer Großtürkei

Geht es nach Präsident Recep Tayyip Erdogan, dann ist das heutige Staatsgebiet der Türkei viel zu klein. Er würde gerne den Pan-Turanismus wiederleben und mit einem Neo-Osmanismus verbinden. Ein Konzept, das ausgerechnet der große Staatsgründer Atatürk verworfen hatte.

Autoreninfo

Hilal Khashan ist Professor für Politische Wissenschaften an der American University in Beirut und Autor bei Geopolitical Futures.

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Das Bestreben der Türkei, ihr Staatsgebiet zu vergrößern, ist ein alter Hut. Die Idee wurde erstmals vom Komitee für Union und Fortschritt propagiert, das 1889 heimlich in Istanbul gegründet wurde und auf den Trümmern des zerfallenden Osmanischen Reiches eine türkische Einheit namens Turan errichten wollte. Nach Ansicht der Anhänger der turanischen Ideologie umfasst die Region Turan die Gebiete zwischen der iranischen Hochebene und dem Kaspischen Meer. Einige Verfechter des turanischen Nationalismus behaupten, dass das türkische Volk Populationen von Westchina bis Osteuropa umfasst. Ihrer Ansicht nach gehören zu den heutigen Turkvölkern die Bewohner der Türkei, des Kaukasus, Zentralasiens und des Balkans.

Auch moderne türkische Führer haben sich für einen größeren türkischen Staat eingesetzt. Die vom „Vater“ der Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, gegründete Republikanische Volkspartei (CHP) hat sich an die Spitze des Projekts gestellt. In jüngster Zeit wurde Präsident Recep Tayyip Erdogan zum Hauptbefürworter des Projekts, nachdem seine Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) im Jahr 2002 die Macht übernommen hatte. Sein Schwerpunkt liegt auf der Wiederbelebung des Pan-Turanismus in Verbindung mit dem Neo-Osmanismus – einem Konzept, das Atatürk verworfen hatte.

Die Türkei baut ihre Soft Power aus

Die türkische Führung versucht seit Jahren, Allianzen mit anderen Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit zu schmieden, um die Einflusssphäre der Türkei zu vergrößern. Während seiner Zeit als Ministerpräsident von 1989 bis 1993 versuchte Turgut Özal ein neues Kapitel in den türkischen Beziehungen zu arabischen und muslimischen Ländern aufzuschlagen, nachdem die Beziehungen unter der CHP jahrelang angespannt gewesen waren.

1997 gründete Ministerpräsident Necmettin Erbakan die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit „Developing-8“, zu deren Mitgliedern auch Indonesien, Malaysia, Iran, Ägypten, Pakistan, Bangladesch und Nigeria zählten. Als die AKP an die Macht kam, führte der Außenminister die türkische „Null-Probleme-mit-den-Nachbarn“-Politik ein, die darauf abzielt, die Spannungen mit anderen Staaten des Nahen Ostens zu minimieren.

Auch im Südkaukasus baut die Türkei ihre Soft Power aus. Der größte Erfolg wurde in Aserbaidschan erzielt, das von der türkischen Unterstützung im zweiten Berg-Karabach-Krieg gegen Armenien im Jahr 2020 profitierte. Im Jahr 2017 errichtete die Türkei einen Militärstützpunkt in Katar, nachdem Berichte über Pläne für eine Invasion in das Land aufgetaucht waren, und im Jahr 2019 entsandte sie Truppen nach Libyen. Ihr militärisches Eingreifen durchbrach die Belagerung von Tripolis durch die libysche Nationalarmee in Tobruk.

Vor kurzem unterzeichnete die Türkei ein Abkommen über militärische Zusammenarbeit mit der libyschen Einheitsregierung. Und während sie ihre Beziehungen zu Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten wiederherstellte und ihre Bereitschaft zur Beilegung ihrer Differenzen mit Ägypten bekundete, eskalierte sie ihren Streit mit Griechenland und Zypern über ihre Wirtschaftszone im östlichen Mittelmeer.

Unterabteilung des Staates Aleppo

Im Jahr 2016 veröffentlichten die staatlichen türkischen Medien eine neue Karte des Landes, die die international anerkannten Grenzen des Landes erweiterte. Sie umfasste einige griechische Inseln in der Ägäis sowie ein Gebiet in Nordsyrien, das sich von Aleppo bis zu den nordirakischen Städten Mosul und Kirkuk erstreckte. Die Veröffentlichung der Karte fiel mit Erdogans Rede über die Notwendigkeit einer Änderung des Lausanner Abkommens von 1923 zusammen, in dem die Grenzen der modernen Türkei festgelegt wurden. Außerdem kritisierte er Atatürk für die Aufgabe von Mosul und Aleppo.

Ankara ist seit langem bestrebt, die im Ausland lebenden türkischen Minderheiten zu schützen. Es weigerte sich, die Entscheidung Frankreichs anzuerkennen, Syrien Anfang der 1920er Jahre in fünf Mandatsgebiete aufzuteilen, und gründete den autonomen Sanjak von Alexandretta, der später in Hatay umbenannt wurde – als Unterabteilung des Staates Aleppo. Im Jahr 1936 reichte die Türkei beim Völkerbund eine Beschwerde ein, in der sie behauptete, dass die türkischen Einwohner in Hatay Opfer von Misshandlungen seien.

Einen Monat vor Atatürks Tod im Jahr 1938 erklärten die Franzosen die Gründung des provisorischen Staates Hatay, der von Frankreich und der Türkei gemeinsam verwaltet wurde, was gegen die Bestimmungen des französisch-syrischen Unabhängigkeitsvertrags verstieß. Im Jahr 1939 annektierte die Türkei das Gebiet, nachdem ein gefälschtes Referendum ergeben hatte, dass die meisten Einwohner die Einheit mit der Türkischen Republik befürworteten.

Einmarsch in Zypern 

Als es 1963 zu Zusammenstößen mit griechischen Zyprioten kam, engagierte sich Ankara für die Verteidigung der ethnischen Türken auf Zypern. Die Türkei setzte ihre Luftwaffe ein und drohte mit einer Invasion, bevor US-Präsident Lyndon Johnson sie vor einem solchen Schritt warnte. 1974 inszenierte die zypriotische Nationalgarde einen von der griechischen Junta angeordneten Staatsstreich, der Teil eines Plans zur Vereinigung Zyperns mit Griechenland war. Die Türkei nutzte Washingtons Abgelenktheit wegen des Watergate-Skandals, um in Zypern einzumarschieren und 40 Prozent der Insel unter ihre Kontrolle zu bringen. Der nördliche Teil Zyperns erklärte später seine Unabhängigkeit und gründete 1983 die Türkische Republik Nordzypern.

Im vergangenen Monat wurden bei einer Explosion in der Istiklal-Straße im Herzen Istanbuls acht Menschen getötet und Dutzende verletzt. Erdogan schwor Rache und machte die von der Türkei als Terrorgruppe betrachtete Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und ihre Operationen im syrischen Kobani für den Anschlag verantwortlich. Die strategisch wichtige Grenzstadt wurde 2014 vom Islamischen Staat eingenommen, aber 2015 von den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), die Ankara als syrischen Arm der PKK betrachtet, mit Hilfe der USA zurückerobert.

Der IS war 2016 für eine weitere Explosion in der Istanbuler Istiklal-Straße verantwortlich, die Teil einer ganzen Reihe von Terroranschlägen der Gruppe war. Die überwiegend kurdische Bewegung für eine demokratische Gesellschaft, die sich für eine demokratische Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien einsetzt, wandte sich gegen die Behauptung Ankaras, die PKK/YPG sei für die Explosion im vergangenen Monat verantwortlich. Die Bewegung betrachtet diese Anschuldigung als Vorwand, um die türkische Operation „Klauenschwert“ zu rechtfertigen, eine groß angelegte Militärkampagne gegen kurdische Ziele im Irak und in Syrien.

Eine Pufferzone entlang der Grenze

Ankara hat am 20. November, also vor rund drei Wochen, die Operation „Klauenschwert“ gestartet, die Luftangriffe und eine Bodenkampagne gegen kurdische Stellungen von Aleppo bis Erbil umfasst. Erdogan sagt, er wolle einen Sicherheitsgürtel auf der syrischen Seite der Grenze errichten, der 30 Kilometer tief und mehr als 900 Kilometer lang ist und vom Mittelmeer bis zur irakischen Grenze reicht.

Dies ist die vierte Operation, die die Türkei seit 2016 in Syrien durchführt. Bei allen bisherigen Operationen hat die Türkei Gebiete im Norden Syriens unter ihre Kontrolle gebracht – ein Teil von Erdogans 2015 erklärtem Ziel, eine Pufferzone entlang der Grenze zu schaffen. Er argumentiert, dass dieses Projekt die nationalen Interessen der Türkei schützen und dazu beitragen wird, eine Million der insgesamt 3,5 Millionen in der Türkei lebenden syrischen Flüchtlinge umzusiedeln.
 

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Die USA und wichtige europäische Länder unterstützen Erdogans Plan nicht. Die YPG und die Frauenschutzeinheiten, die beide von Ankara ebenfalls als terroristische Gruppen eingestuft werden, sind die wichtigsten Bestandteile der Syrischen Demokratischen Kräfte, mit denen die USA im Kampf gegen den Islamischen Staat zusammenarbeiten. Auch die anderen Teilnehmer des Astana-Friedensprozesses, namentlich Russland und Iran, lehnen eine türkische Militäroperation in Nordsyrien ab.

Erdogan versucht jedoch, die zunehmend einflussreiche Rolle seines Landes als Vermittler im Ukrainekrieg auszunutzen, um die Kontrolle über einen größeren Teil Syriens zu erlangen. Ankara hat mit Washington und Moskau getrennte Vereinbarungen getroffen, um die „Demokratischen Kräfte Syriens“ (SDF) aus Tal Rifaat und Manbij, zwei strategischen Städten westlich des Euphrat, sowie aus Gebieten entlang der Grenze zu entfernen.

Die Vereinbarungen hätten der Türkei die Kontrolle über die als M4 bekannte internationale Schnellstraße gegeben, aber die Amerikaner und die Russen hielten sich nicht an die Vereinbarungen. Jetzt sind sie jedoch auf Erdogans Kooperation in der Ukraine angewiesen. Denn die Türkei ist zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Washington und Moskau geworden, insbesondere nachdem sie mit Russland ein Abkommen über den Export ukrainischen Getreides durch das Schwarze Meer ausgehandelt hat. Erdogan hofft, dass dies für eine Akzeptanz der Operation „Klauenschwert“ sorgen wird.

Mehr als 20 türkische Militärstützpunkte

Der Plan besteht aus zwei Teilen: Die Klaue bezieht sich auf gezielte Luftangriffe, das Schwert auf eine Bodenoffensive. Die Türkei hat die stillschweigende Zustimmung Russlands und der Vereinigten Staaten zur Einleitung der ersten Phase der Operation erhalten. Erdogan sagte, die Türkei werde als Reaktion auf den Bombenanschlag in Istanbul bald kurdische Kräfte mit Panzern und Infanterie angreifen. Es ist jedoch zweifelhaft, dass die USA eine Bodenoffensive gegen die SDF genehmigen werden.

Das Regime von Bashar al-Assad hat die Kontrolle über Teile Nordsyriens an die YPG übergeben. Assad betrachtete die Kurden als Verbündete seiner Regierung, die den PKK-Führer hofiert und ihm während einer angespannten Phase der türkisch-syrischen Beziehungen fast zwei Jahrzehnte lang Zuflucht in Damaskus gewährt hatte. Die Kurden fühlten sich durch den Ausbruch des Bürgerkriegs gestärkt, was ihren Traum von der Errichtung eines Kurdenstaats in Syrien nach dem Vorbild des irakischen Kurdistans beflügelte.

Die offizielle türkische Position ist, dass die kurdischen Separatisten in Irakisch-Kurdistan die politische Ausrichtung der syrischen Kurden bestimmen. Im Nordirak gibt es mehr als 20 türkische Militärstützpunkte, vor allem in Bashiqa bei Mosul, der zweitgrößten Stadt des Landes nach Bagdad. Außerdem baut die Türkei trotz der Proteste der irakischen Regierung ihren Stützpunkt in der Region Metina im Gouvernement Dohuk aus, um ihn zum Schwerpunkt ihrer Operationen gegen die PKK zu machen. Der türkische Innenminister hat erklärt, dass sein Land im Irak wie in Syrien agieren und neue Gebiete im Norden des Landes kontrollieren werde.

Das Bersten der Fesseln

Im Jahr 2020 sagte Erdogan, die Wiedereröffnung der Hagia-Sophia-Moschee in Istanbul erinnere das türkische Volk an seine Stärke und symbolisiere seine Wiederauferstehung und das Bersten der Fesseln an seinen Füßen. Er versprach, den Kurs fortzusetzen, bis die Türkei ihr Ziel erreicht habe. Er äußert auch, dass das Land im Jahr 2023, wenn es den hundertsten Jahrestag seiner Gründung feiert, stark, unabhängig und wohlhabend sein werde.

Doch seine Erwartungen sind angesichts der Wirtschaftskrise, der strukturellen Schwäche und der kollabierenden Währung der Türkei unrealistisch. Erdogans Zustimmungswerte sinken, da die türkische Bevölkerung um ihr Auskommen kämpft und zunehmend unbeeindruckt von seinem Abenteurertum im Ausland ist. Obwohl der Krieg in der Ukraine die Bedeutung der Türkei für die Nato erhöht hat, können die USA Erdogans außenpolitische Ambitionen bremsen, wenn er ihre anderen regionalen Verbündeten bedroht. Erdogans Pläne für eine Großtürkei sind nun in Frage gestellt.

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GPF

Christoph Kuhlmann | Fr., 9. Dezember 2022 - 08:49

Lage nur begrenzte Konflikte leisten. Ihr Trumpf ist die Herrschaft über den Bosporus. Die sichert sie durch ihre Natomitgliedschaft ab. Zusammen mit den Waffenlieferungen und der Abhängigkeit der Wirtschaft vom Zugang zu den westlichen Märkten ergibt sich ein sehr geringes Konfliktpotenzial zum Beispiel mit Griechenland. Die Kurden wurden schon oft verraten. Das hängt stark vom amerikanischen Präsidenten ab. Für Russland ist die Türkei in Zukunft eine Drehscheibe für ihre Gasexporte. Wohin auch immer. Auch hier besteht ein reger ökonomischer Austausch. Jede Eskalation der multiplen Konflikte dieses Landes hätte wirtschaftliche Konsequenzen und das bei über 80% Inflation. Ein paar Gebiete in Syrien und/oder im Irak werden Erdogan keine Mehrheit sichern, wenn es mit der Verarmung der Mittel- und Unterschicht weiter geht. Das ist nun einmal die Mehrheit der Wähler. So groß ist der Chauvinismus nun auch wieder nicht.

Tomas Poth | Fr., 9. Dezember 2022 - 10:19

Wozu all die internationalen Vereinbarungen über Völkerrecht, Friedenssicherung, Nichteinmischung und Pipapo.
Die Türkei als Mitglied der US-Nato zündelt auch gerne und setzt sich über alles hinweg, wenn sich ein Vorteil ermöglichen läßt.

Wieso besetzt die Türkei eigentlich noch die Gebiete nördlich des Bosporus? Gehört das nicht zu Bulgarien oder Griechenland?
Ganz zu schweigen von der Ost-Türkei, das eigentlich den Armeniern und den Kurden als Stammesgebiet gehört oder?
Provokante Aussagen? Alles gehört auf den Tisch!
Der kleine Groß-Wesir der gerne Sultan sein möchte gehört auf das politische Grill.

Ronald Lehmann | Fr., 9. Dezember 2022 - 11:20

Und das MEHR - NIE ZUFRIEDEN SEIN - vor allem in der Quantität

& leider nicht in der Qualität (eine neue, höhere Stufe, was Komplett Neues)

ist das Haupt-Problem der Menschen, egal Wer & Wo

Die einen machen es direkt über Landfläche, die anderen machen es über politische, wirtschaftliche &/oder finanzielle Einflussnahme, die direkt oder indirekt erfolgt.

Und ein jeder Staats-Chef auf dieser Erde versucht mit seinen Voraussetzungen & seiner Suppenlöffel das meiste aus dem Erden-Topf für sich zu ergattern.

Und dies meist nicht aus Nächstenliebe oder für das Wohl des eigenen Volkes - NEIN - um wie ein Zauberlehrling Faust sich als einer kleiner Gott auf den Olymp zu sehen/träumen.

Ich bin - ich habe - ich will - MEHR

Wir beide sind uns in diesem Punkt sicher einig: Wer die BIBEL zur Hand nimmt, findet die Antwort auf alles Elend in dieser Welt.
Es ist die Gottlosigkeit bzw. die Hybris.
Weil die Menschen nicht nur Geschöpfe bleiben, sondern sich selbst zu "Göttern" erheben wollten, haben sie die Freiheit von Gott erhalten, sich von ihm abzukehren und dem Bösen zuzuwenden.. Deshalb sieht es auf der Welt aus, wie es eben aussieht.
Aber es gibt ja seit 2000 Jahren die wunderbar-tröstliche Aussicht auf ewiges HEIL nach dem Tode. Dafür muß man allerdings an Jesus Christus glauben können.
Ich wünsche Ihnen und allen Christgläubigen, daß die Adventszeit und das Weihnachtsfest uns im Glauben stärken und uns mit Freude und Zuversicht erfüllen - auch wenn Schlimmstes um uns herum geschieht.

Und auch euch allen Foristen wie auch inklusiv der Mannschaft des Cicero einen erquicklichen & gesegneten dritten Advent.
PS: Berichtung, war wieder zerstreut - Suppenkelle soll es heißen
Habt bitte Mitleid mit meinen Rechtschreib-& Ausdruck-Fehlern in meinen K.
Naja, der rote Faden durchs Leben. Ich trete in die Pfütze, die ein jeder sieht ;-)

Ich danke Ihnen auch für Ihre versöhnlich Worte in diesen unchristlichen, verrohten, von Gott und allen guten Geistern verlassen scheinenden Zeiten. Es wird von Tag zu Tag schwerer für junge Familien, ihre Jungen halbwegs gesund, vernünftig und lebensfroh zu erziehen. In den größeren Städten geht das kaum noch, Eltern sind dort gezwungen, ihre Kinder gegen die Gesellschaft anzuerziehen - ich hatte das versucht, aber das ist eigentlich unmöglich. Gerade da Sie so Bibel-affin sind, Frau Wallau, lege ich Ihnen den Podcast des Schweizer Philosophen, Theatermanns und Legasthenikers Andreas Thiel ans Herz, er heißt "Yoyogaga" und sie finden ihn auf "Kontrafunk.radio", dem Podcast von Burghart Müller-Ullrich, der dort noch immer jeden Sonntag seine eigene Gesprächsrunde veranstaltet. Yoyogaga ist für mich mittlerweile "Kult" geworden! Ich empfehle Ihnen, die Sendungen, mit der ältesten anzufangen, denn sie bauen aufeinander auf. Die Folgen über den Exodus und die 10 Gebote Moses sind grandios

Christa Wallau | Fr., 16. Dezember 2022 - 17:10

Antwort auf von Albert Schultheis

für Ihren Hinweis auf den Podcast "Yoyogaga" des Schweizers Andreas Thiel, den ich bisher nicht kannte.
Ich habe begonnen, seine Ausführungen zu den 10 Geboten zu hören.
Weil ich jetzt in der Vorweihnachtszeit wenig Muße habe, wird es eine gewisse Weile dauern, bis damit "durch" bin. Schon jetzt kann ich aber sagen, daß Herr Thiel mich sowohl inhaltlich als auch von seiner Sprache und ruhigen Stimme her sehr angenehm berührt. Seine Offenheit, Originalität im Denken und gleichzeitige Toleranz tun sehr gut in dieser Zeit der Konfrontationen.

Ernst-Günther Konrad | Fr., 9. Dezember 2022 - 13:29

Ich weiß nicht was Erdogan denkt und welche Absichten er tatsächlich geostrategisch verfolgt. Ja, man kann durchaus die ein oder andere Vermutung anstellen. Nur. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ja, einiges ist möglich, aber eben nicht alles.
@ Christoph Kuhlmann - auch Ihrer Sicht der Dinge kann man einiges abgewinnen.
@ Tomas Poth - berechtigte Fragen, aber wer stellt sie? Sie werden seit Jahren nicht gestellt.
Stattdessen kann Erdogan international schalten und walten wie er will.
@ Ronald Lehmann - ja Sie haben völlig recht. Die Gier nach Macht und Reichtum, daran scheitern die Despoten letztlich alle. Nur werden bis dahin wieder viele ihr Leben lassen. Da ist solchen Menschen aber egal.

Die Türken haben es in der Hand im eigenen Land die Politik zu wählen und ggfls. zu erzwingen, mögliche Ambitionen ihres Präsidenten zu verhindern. Denn im Zweifel wird er sie sonst in Kriege verwickeln und die wollen die Mehrzahl der Türken sicherlich auch nicht.

Urban Will | Fr., 9. Dezember 2022 - 13:30

hegt und Gebiete besetzt, angreift, zu annektieren im Griff ist... dann bleibt es überraschend still auf Seiten der Obermoralisten.
Kein Geschrei nach Sanktionen, kein Annalenchen, das „Türkei ruinieren!!“ brüllt, nix. Was ist denn da los? Hat man sein Moral – Kontingent verschossen?
Ach ich vergaß. Krieg ist nicht gleich Krieg und Täter nicht gleich Täter. Und militärisches Eingreifen nicht gleich militärisches Eingreifen.

So ist das halt in dieser unserer Welt.
Sam definiert, was gemacht werden darf und wo interveniert, sanktioniert, geballert, etc. wird.
Sagt, was gut ist und was schlecht. Bremst, wie hier geschrieben, halt erst dann, wenn seine eigene Interessen bedroht sind. Dann erst ist der Angreifer „schlecht“ und Gegen – Aktionen „gerechtfertigt“.

Und der Rest im gefügigen Westen pariert.

Lubjuhn, Klaus D. | Fr., 9. Dezember 2022 - 18:32

Jetzt schnell noch das neue Einbürgerungsrecht der Ampel umsetzen ... Werden dann Türken und auch die mit türkisch - deutschen Doppelpass Erdogan 2023 mit ihren Stimmen - wie schon vorher
(mit 40% pro Erdogan) zum Sieg verhelfen?
Manche von ihnen besitzen dann zugleich auch den frischen deutschen Pass, der sie als deutsche Demokraten ausweist.
Was will man mehr...

Ja, Herr Lubjuhn: Darauf spekulieren unsere großen Politstrategen beim neuen Staatsbürgerrecht: Viele von den Doppelstaatlern (auch die, welche für die Türkei Erdogan wählen) werden in deutschen Wahlen links-grün wählen.

Warum diese scheinbare Schizophrenie? Türkisch-nationalistische Interessen sind eben in Europa im rot-grünen Deutschland am besten aufgehoben. Die seltenen verbalen Distanzierungen sind nur scheinheilig: Islamischer Radikalismus und Terrorismus wird de facto kaum verfolgt, weil eben der deutsche Rechtsradikalismus als alleiniger Staatsfeind vordefiniert wird.

Na ja, und die Handhabung der Sozialleistungen in Deutschland hat im Vergleich mit anderen europäischen Ländern auch einige deutliche Vorzüge.

Wäre ich ein rechter, nationalistischer oder islamistischer Türke, der in Deutschland wohnt, dann würde ich mich ganz rational ebenso entscheiden.

Albert Schultheis | Sa., 10. Dezember 2022 - 00:52

Der müde Joe in Washington glaubte, mit dem Ukrainekrieg einen einzigartigen geschichtlichen Volltreffer gelandet zu haben für die Ausbeutung der Ukraine, für die militärische Schwächung Russlands, evtl sogar den Sturz Putins und den Zugriff auf die immensen Bodenschätz des Landes. Tatsächlich zeigt sich nicht nur den russischen Feldherren, dass der Krieg ein elendes, langwieriges und kaum voraussagbares Geschäft ist. Auch die ukrainischen Vasallen und ihre Geldgeber werden zunehmend mürbe. Gleichzeitig nutzen all die kleinen Diktatoren, allen voran der Großkalif Erdogan, die Ablenkung der Großen aus, um ihre alten Süppchen wieder aufzukochen! Der neue Krieg um Bergkarabach war nur ein Vorgeschmack. Nur Russland und die USA hätten es gemeinsam vermocht, die alten Grenzen zu wahren. Stattdessen zeitigt der Krieg in der Ukraine bittere Folgen in Nordafrika, sowie im gesamten muslimischen Gürtel Vorderasiens und Asiens. Vermutlich werden sich die USA ein weiteres Mal die Finger verbrennen

Gerhard Lenz | Sa., 10. Dezember 2022 - 11:05

Groß-Serbien, Russland in der Größe der ehemaligen Sowjetunion usw usw.

Überall, wo sich Nationalismus durchsetzt, ist staatlich verordneter Größenwahn nicht weit. In der Türkei wirkt religiöser Fanatismus als zusätzlicher Verstärker - so wie in Russland der angebliche (Abwehr-)kampf gegen westliche Dekadenz.

Damit will man begründen, was gar nicht zu begründen ist.

Trump, Erdogan, Putin, Orban....alles "groß(e)(mäulige) Verführer.

Es geht auch eine Spur kleiner, und nicht ganz so gewalttätig: Put the Great back into Britain! (Johnson/ Farage).

Und überall wabert und schleimt der klebrige, nationalistische Morast, in Deutschland (AfD) genauso wie fast überall sonst auch, wenn auch nicht überall gleich massiv. Die Tendenz ist immer die gleiche...da gibt es zwischen einem Erdogan und einem Hoecke nur Unterschiede, was den Weg zur neuen nationalistischen Größe angeht, aber die Tendenz und das Ziel unterscheiden sich kaum.

Walter Bühler | Di., 13. Dezember 2022 - 14:53

Antwort auf von Gerhard Lenz

"Überall, wo sich Nationalismus durchsetzt, ist staatlich verordneter Größenwahn nicht weit. " Diesem Satz kann ich nur vollen Herzens zustimmen.

Aber Ihre Liste ist etwas kurz geraten: USA (Trump/Biden), Türkei (Erdogan), Russland (Putin), Ungarn (Orban) - diese Liste muss erweitert werden mit Polen, Lettland, Litauen, England, Italien, und wohl auch mit der Ukraine, aber auch Saudi-Arabien, Katar, Kuweit usw.

Deutschland ist erstaunlicherweise mit all diesen Ländern militärisch und wirtschaftlich eng verbunden - natürlich mit Ausnahme Russlands. Unsere Regierung lässt sich sogar von den nationalistischen Regierungen dieser Länder die Außen- und Verteidigungspolitik diktieren. Wirklich erstaunlich und schwer zu verstehen, Herr Lenz.