Schülerin mit Kopftuch
Wir sollten alles tun, um sie auf diesem Weg zu unterstützen: Immer mehr muslimische Schülerinnen lernen sich den Weg frei in eine gute Zukunft / dpa

Fortschritt durch Bildung - Muslimische Mädchen starten durch

Mädchen mit Migrationsgeschichte schließen mit ihrem Bildungserfolg an die Erfolge deutscher Mädchen an. Meist sind sie dabei auch fleißiger und erfolgreicher als ihre Brüder. Mädchentypische Sekundärtugenden kommen ihnen zugute, aber auch der Wunsch, durch das Abitur und einen akademischen Beruf die Fesseln patriarchalischer Familienstrukturen abzustreifen. Wir sollten alles tun, um diese Schülerinnen dabei zu unterstützen.

Autoreninfo

Rainer Werner unterrichtete an einem Berliner Gymnasium Deutsch und Geschichte. Er verfasste das Buch „Fluch des Erfolgs. Wie das Gymnasium zur ,Gesamtschule light‘ mutiert“.

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„Wie hoch ist an Ihrer Schule der Ausländeranteil?“ – Diese Frage an den Direktor eines renommierten Gymnasiums im Berliner Bezirk Mitte richtete keinesfalls ein besorgter bildungsbeflissener Vater aus dem deutschen Bildungsbürgertum. Nein, sie kam von einem türkischen Vater, der seine 13-jährige Tochter zum Schulbesuch anmelden wollte. Die Tochter sei klug und wolle unbedingt das Abitur machen, und er habe vom guten Ruf des Gymnasiums gehört.

Dem Wunsch stand nichts entgegen. Der verblüffte Direktor stellte allerdings die Gegenfrage: „Sind Sie denn nicht selbst Ausländer?“ Der Vater antwortete nicht ohne Stolz, mit den Türken, den Syrern und Irakern in Neukölln wolle er nichts zu tun haben, mit den dortigen Schulen schon gar nichts. Sein Mädchen könne nur vernünftig lernen, wenn an der Schule – auch in den Pausen – Deutsch gesprochen werde.

Muslime in Deutschland: keine homogene Gemeinschaft

Dieses Beispiel zeigt einen Trend, den Soziologen schon seit geraumer Zeit feststellen. In Deutschland ist ein türkischer Mittelstand entstanden, der leistungs- und aufstiegsorientiert eingestellt ist und auch die Kinder in dieser Haltung erzieht. Türkisch-deutsche Unternehmen finden sich in international orientierten Dienstleistungs- und Industrieunternehmen genauso wie in Handwerksbetrieben oder technologieorientierten Start-ups. Sie beschäftigen über 500.000 Mitarbeiter.

In Berlin versuchen türkische Mittelstandsfamilien, ihre Kinder an Schulen anzumelden, an denen hohe Leistungsstandards gelten und wo auch eine störungsfreie Lernkultur garantiert ist. Um das in Berlin geltende Wohnortprinzip bei der Schulwahl zu umgehen, wird das Kind schon einmal bei einer Tante oder Kusine in einem bürgerlichen Wohnbezirk polizeilich gemeldet. Lange Wege nimmt man billigend in Kauf.

Problematische Brennpunktschulen

Ganz anders sieht es noch in den Stadtteilen aus, die die Stadtsoziologen als „Brennpunkte“ bezeichnen. Dort sitzen in den Klassen der Schulen mitunter über 80 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund. In den Pausen erklingen alle Sprachen der Herkunftsländer in einem babylonischen Sprachengemisch. Einige Schulen haben Deutsch auf dem Schulhof verordnet, um die Sprachkompetenz in der Unterrichtssprache Deutsch zu fördern.

Prompt hat der Türkische Bund Berlin Brandenburg (TBB) diese Verordnung als diskriminierend bezeichnet und den Berliner Senat aufgefordert, die „Deutschpflicht“ auf Schulhöfen wieder abzuschaffen. Einige Schulen taten das von sich aus, weil sie Konflikte mit ausländischen Schülern und ihren Eltern vermeiden wollten. Außerdem fühlten sie sich außerstande, die Kommunikation der Schüler auf dem Pausenhof zu überwachen.

Wenn man sich Schulen in sozialen Brennpunkten anschaut, kann man die Vorbehalte bildungsorientierter Eltern verstehen. Die Lernkultur in den Klassen mit hohem Migrationsanteil ist problematisch, die Arbeit der Lehrkräfte mühsam, oft frustrierend. Viele Lehrkräfte lassen sich nach Jahren zermürbender Arbeit in bürgerliche Wohnbezirke versetzen, um ungestört unterrichten zu können.

Erprobung der Rollenmuster streng verboten

Ich habe selbst zwölf Jahre an einer Gesamtschule in einem solchen „belasteten“ Kiez unterrichtet und dabei eine Zweitqualifikation als Sozialarbeiter erworben, Streitschlichtung und kriminalistische Ermittlung inklusive. Mir ist sehr schnell aufgefallen, dass unter den muslimischen Schülern die Mädchen besonders benachteiligt sind.

Während die türkischen und arabischen Jungen ihre Affekte oft hemmungslos ausagieren und dadurch Stärke und Dominanz demonstrieren, ziehen sich die Mädchen, die Haare streng unter dem Kopftuch verborgen, in sich zurück. Neidvoll sehen sie auf ihre deutschen Klassenkameradinnen, die sich locker und ungezwungen geben und auch ein freizügiges Outfit pflegen. Der spielerische Umgang mit dem anderen Geschlecht zur Erprobung der Rollenmuster ist ihnen streng verboten, weil sie von ihren oft orthodox eingestellten Familien sonst schnell als „Schlampen“ eingestuft werden.

Wenn „Ehre“ das Bildungsdefizit des Bruders kompensiert

Ich habe Fatima (Name geändert), ein Mädchen aus einer libanesischen Familie, erlebt, das unter diesem Rollenkonflikt litt. Oft kam sie morgens zur ersten Stunde zu spät. Die Fachlehrer wandten sich deshalb mit der Bitte an mich, als Klassenlehrer auf Fatima einzuwirken. Im Gespräch erfuhr ich den Grund für ihre Verspätung. Sie brachte vor der ersten Stunde immer zehn Minuten auf der Toilette zu, wo sie sich ihres Kopftuches und Umhanges entledigte und in enge Jeans und ein gewagtes Top schlüpfte. Ihre Haare ließ sie frei flattern, die Lippen schminkte sie im typischen Teenie-Style. 

 

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Fatima wollte in der Klasse eben so aussehen wie ihre Freundinnen Anna, Katrin und Elsa. Nach der Schule kam die Rückwärtsverwandlung. Nur im strengen Habitus der Verhüllung konnte sie ihrem Bruder, der die Schule geschmissen hatte und sich jetzt als moralischer Aufpasser über seine intelligente Schwester betätigte, unter die Augen treten. Moral („Ehre“) kompensiert Bildungsdefizit. Und der Bruder geleitete die Schwester sicher ins elterliche Heim, weil sie nur so den Gefährdungen der „unmoralischen“ Großstadt widerstehen könne.

Man stelle sich die Gefühle solcher Mädchen vor, die an der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit gehindert werden und   dem Dauerverdacht unterliegen, sie könnten zu einer „deutschen Schlampe“ werden, wenn sie sich nicht unter die schützende Obhut männlicher Familienmitglieder begeben. Ich konnte Fatima in diesem familiär bedingten Konflikt nicht wirklich helfen. Ich ermunterte sie nur, die Schule weiterhin erfolgreich zu meistern, weil sie nur so – langfristig – den Banden ihrer patriarchalischen Familie würde entfliehen können. Wann hat das Bonmot von Karl Kraus, wonach „das Wort Familienbande einen Beigeschmack von Wahrheit“ habe, je mehr Berechtigung gehabt als hier?

Gymnasium: Aufstieg durch (Sprach-)Bildung

Nach meinem Wechsel ans Gymnasium erlebte ich Erfreuliches. In den unteren Klassen (in Berlin beginnt das Gymnasium mit der 7. Klasse) saßen ca. 40 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund. Sie waren eifrig, ehrgeizig und gut erzogen. Besonders engagiert waren muslimische Mädchen. Auch wenn sie durch das Kopftuch ihre religiöse oder kulturelle Prägung zum Ausdruck brachten, taten sie alles, um durch gute Leistungen zu glänzen.

Probleme gab es noch mit der deutschen Sprache. Auch wenn diese Schüler in Deutschland geboren sind, können sie nicht die sprachliche Differenziertheit erwerben, die bei einem Kind aus dem deutschen Bildungsbürgertum selbstverständlich ist. Für die sprachliche Verständigung auf Alltagsniveau benötigt man ca. 5000 Wörter (für Touristen genügen oft schon 1000). Wenn man sich aber den Kosmos der klassischen deutschen Literatur erschließen will, muss man 20.000 Wörter beherrschen.

Ich las mit meiner 9. Klasse die Erzählung „Unterm Rad“ (1906) von Hermann Hesse. Die Sprache Hesses ist noch dem epischen Stil des 19. Jahrhunderts verpflichtet. Ich sah das Scheitern der Kinder mit ausländischen Wurzeln bei der Klassenarbeit voraus. Also gründete ich einen Lesekreis zur gemeinsamen Lektüre des Textes für die Schüler, die mit der Sprache der Novelle nicht zurechtkamen. Obwohl der Förderkreis nach der Schule stattfand, fanden sich zehn Schüler – ein Drittel der Klasse – ein, neun türkische oder arabische Mädchen und nur ein türkischer Junge. Die anderen Jungen hatten es vorgezogen, sich auf dem Bolzplatz zu vergnügen.

Vier Wochen lang lasen und analysierten wir den Text, oft Wort für Wort. Der Erfolg stellte sich tatsächlich ein: Von den muslimischen Mädchen erreichten beim Aufsatz alle zumindest eine befriedigende Leistung. Was Bildungsexperten immer wieder betonen, hat sich glänzend bestätigt: Die Beherrschung der Sprache ist das A und O des Aufstiegs durch Bildung, das beste Zeichen für eine gelungene Integration.

Muslimische Mädchen besonders erfolgreich

Die volle Integration in die Gesellschaft ist mitunter ein langer Weg. Er kann mehrere Generationen dauern. Bei der ersten Generation von zugewanderten Türken lag der Anteil von Menschen mit Hochschulreife nur bei 15 Prozent. Bei den in Deutschland geborenen Nachkommen lag er immerhin schon bei 25 Prozent, aber dennoch noch weit unter dem Wert der einheimischen Bevölkerung mit inzwischen 45 Prozent. Daraus kann man schlussfolgern, dass immer noch viele Migranten ihren geringen Bildungsstand an ihre Kinder weitergeben.

Ein Hoffnungsschimmer sind die Mädchen. Türkische Mädchen erreichen deutlich häufiger das Abitur als türkische Jungen, bei denen sich dafür mehr Schulabbrecher als bei den Mädchen finden. „Generell gehören unter allen Migranten die Frauen zu den Bildungs- und damit Integrationsgewinnern“ („Neue Potenziale“, Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung“, 2014).

Dadurch war der Bann gebrochen

Eines Tages kam Faizah (Name geändert), ein arabisches Mädchen, neu in die Klasse. Sie trug kein Kopftuch und glich auch sonst dem schrillen Outfit ihrer Klassenkameradinnen. Vom ersten Tag an war sie aufmüpfig und renitent – bis zur massiven Unterrichtsstörung. Aus der Schülerakte erfuhr ich, dass sie wegen diverser Vergehen von ihrer vorigen Schule, einem Gymnasium, verwiesen worden war.  Es gehört zum pädagogischen Einmaleins, dass man alle Konflikte im Unterricht zuerst friedlich – also ohne Strafen und Sanktionen – beizulegen versucht. Bei Faizah fruchtete dies nicht, weil sie alle Friedensangebote schroff zurückwies.

Von dem Reformpädagogen Hartmut von Hentig stammt die Einsicht: „Schulprobleme unserer Kinder sind oft Lebensprobleme.“ Aus dem Schülerbogen war leider nicht ersichtlich, ob das Verhalten Faizahs auf häusliche Probleme zurückzuführen war. Leider verliefen alle Gesprächsversuche mit Faizah erfolglos. Sie weigerte sich auch, die Schulpsychologin aufzusuchen. Schließlich kam mir der Zufall zur Hilfe. 

Unsere Schule feierte ein Fest der Kulturen. Eltern aller ethnischen Gruppen waren aufgefordert, bei einem kulinarischen Basar typische Gerichte ihrer Herkunftsländer anzubieten. Faizah bot zusammen mit ihrer Mutter Kofta mit Fattoush-Salat feil. Ich fand das Gericht köstlich. Faizah übersetzte meine lobenden Worte ins Arabische, weil ihre Mutter kein Deutsch verstand. Dadurch war der Bann gebrochen.

Später studierte Faizah Psychologie

Faizah war danach auch in der Schule offener als zuvor. Manchmal suchte sie sogar von sich aus das Gespräch, wenn ich Pausenaufsicht hatte. Das zuvor rotzige Gehabe und die aggressive Sprache fielen immer mehr von ihr ab, und sie gab sich als normales 15-jähriges Mädchen. Mir blieb nicht verborgen, dass sie ihr Verhalten in meinem (leider nur in meinem) Unterricht grundlegend veränderte und produktiv mitarbeitete, wie ihre Mitschülerinnen auch.

In den Gesprächen mit ihr habe ich herausgefunden, was ihr Problem war. Sie wurde zu Hause vom strengen Vater unterdrückt, der  – arbeitslos und gesellschaftlich isoliert  – versuchte, in fremder Umgebung die Würde eines arabischen Familienoberhaupts zu wahren. Statt in die innere Emigration – eine melancholische Haltung – zu flüchten, wie es viele Schüler bei solchen häuslichen Konflikten tun, kompensierte Faizah ihre seelischen Nöte in einer aggressiven Extraversion, die letztlich nichts anderes war als ein Hilfeschrei.

Wenn man dieses Mädchen auch noch in der Schule bestraft und gedemütigt hätte, wäre aus ihr eine Schulflüchtige geworden. Bei meinen Kollegen musste ich, wenn ich für sie um Schonung bat, viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Schulpsychologin, der ich den Fall schilderte, meinte, Faizah habe zu mir deshalb Zutrauen gefasst, weil sie mich in einem Akt von Übertragung als eine Art von Ersatzvater betrachtete. Die Psychologen sprechen von einer „positiven Vater-Imago“. Faizah  – im Arabischen bedeutet der Name „die Siegreiche“  – ging ihren Weg. Nach vielen Windungen und Wendungen hat sie das Abitur geschafft und studierte danach an einer Berliner Universität Psychologie.

Mädchen mit fremdländischen Wurzeln zählen zu den Bildungsgewinnern

An den Gymnasien haben die Mädchen inzwischen die Jungen, was die Abiturzahlen angeht, überrundet. Der Anteil von Schülerinnen eines Jahrgangs, die das Abitur ablegen, liegt inzwischen um 17 Prozent höher als der Anteil von Jungen (Zahl von 2020). Auch qualitativ sind Mädchen spitze: Unter den besten zehn Schülern eines Abiturjahrganges finden sich in der Mehrzahl Mädchen. Verhaltenspsychologen glauben zu wissen, warum Mädchen in der Schule besser abschneiden als Jungen. Es liegt nicht an der Intelligenz, sondern an Verhaltensweisen, die das Lernen in der Gruppe begünstigen.

Mädchen besitzen ein besseres Sozialverhalten, mehr Einfühlungsvermögen und Selbstverantwortung. Sie sind angepasster und fleißiger als Jungen. In der Pubertät können sie zwar schon einmal zickig werden, sie liefern sich aber keine wochenlangen Kämpfe mit einzelnen Lehrern, wie sie bei Jungen nicht selten vorkommen. Hinzu kommen genetische Vorteile: Mädchen gelten als sprachbegabter als Jungen. Da Sprechen im Unterricht wichtig ist, trägt diese spezielle Begabung zum Schulerfolg der Mädchen bei.

Sekundärtugenden führen zum Erfolg

Mädchen mit Migrationsgeschichte schließen mit ihrem Bildungserfolg an die Erfolge deutscher Mädchen an. Auch bei ihnen führen die mädchentypischen Sekundärtugenden zum Erfolg. Hinzu kommt noch die Motivation, durch das Abitur und einen akademischen Beruf die Fesseln patriarchalischer Familienstrukturen abstreifen zu können. Studiert man die Namenslisten der Abiturjahrgänge, die sich stolz in der Lokalpresse präsentieren, kann man den schulischen Erfolg ausländischer Schülerinnen an den fremdländischen Namen ablesen.

Auch im öffentlichen Leben sind diese Mädchen und jungen Frauen unübersehbar: Als Fernsehmoderatorinnen, als Schauspielerinnen, Sportlerinnen, Künstlerinnen oder Politikerinnen. Im Sommer 2022 wurde die Grünen-Politikerin Aminata Touré in Kiel erste schwarze Ministerin in Deutschland. Ihre Eltern waren 1992 aus dem muslimischen Mali nach Deutschland gekommen. Muslimische Mädchen starten durch. Wir sollten alles tun, um sie auf diesem Weg zu unterstützen.

Im Cicero-Podcast spricht Sandra Kostner (hier Klicken für Links zu Spotify und Co) vom Netzwerk Wissenschaftsfreiheit über den wachsenden Einfluss von Ideologien in Forschung und Bildung.

Gisela Hachenberg | Sa., 23. Juli 2022 - 20:01

Ich habe lange überlegt, ob ich auf diesen Artikel antworte, sehr geehrter Herr Werner. Ich lese Ihre Kommentare immer. Manchmal denke ich, dass Sie zu gut für diese Welt sind. Ich bin beim letzten Satz nicht ganz dabei. Es ist oder wäre für die Integration natürlich positiv, wenn das mit den Migranten Mädchen wirklich so einfach wäre! Denken Sie an Ferda Ataman und die „Kartoffel“. Wie ich sehr oft mitbekomme, sind diese Mädchen oder jungen Frauen, wenn sie es denn „geschafft“ haben, so eingestellt, dass sie es den Deutschen zeigen wollen. Und auch Aminata Touré, die Sie hier anführen, ist eine davon. Sie hat vor ein paar Jahren hier im Cicero eine Replik auf einen Kommentar von Carsten Linnemann abgegeben, der es in sich hatte. Linnemann hatte nur gefordert, dass die Kinder von Migranten eine Art Vorschule besuchen, um dann in der Schule besser zurechtzukommen, vor allem in Deutsch. Es gab damals einen Shitstorm. Und eben jene A. Touré hat im Cicero darauf geantwortet.

Gisela Hachenberg | Sa., 23. Juli 2022 - 20:16

Mein Kommentar geht weiter:
Ich fand die Replik sehr scharf und unmöglich. Ich habe den Namen Aminata Touré nicht vergessen. Wie ich befürchtet hatte, ist sie in der Politik weit gekommen. Natürlich bei den Grünen. Vielleicht wäre es sonst schwieriger gewesen. Aber wie man bei Ataman gesehen hat, braucht man nur einen guten Mentor. In diesem Fall „Türken Armin“ (Laschet), der sie gefördert hat. Bei Frau Touré bin ich mir sicher, dass sie auch noch weiterkommen wird. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich etwas gegen Frauen mit Migrationshintergrund habe. Aber gerade die beiden von mir Benannten sind in meinen Augen keine guten Beispiele. Es gibt bestimmt andere Beispiele. Aber die sind nicht so bekannt.
„Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“ ist mein Motto, sehr geehrter Herr Werner. Und ich lasse mich nicht gerne einfach so als „Kartoffel“ bezeichnen. In einer anderen Regierung als der Ampel wäre diese Frau auch nicht gewählt worden. A. Touré wird sicher auch noch

Gabriele Bondzio | Sa., 23. Juli 2022 - 21:20

Dagegen ist nichts zu sagen, den Bildung ist das Beste was Eltern für ihre Kinder tun können.
Und wenn die Mädchen dann noch patriarchalischer Familienstrukturen abstreifen können, sollten sie es geschafft haben, ihr eigenes-selbstbestimmtes Leben zu leben.

„Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen.“ (Benjamin Franklin)

Wolfgang Borchardt | So., 24. Juli 2022 - 07:51

... häufig fleißiger und ebrgeiziger als Jungen. Das war schon vor Jahrzehnten. Jungen brauchen mehr Zeit, um durchzustarten. Eine andere Frage ist, wie die spätere Biografie der "klassenbesten" Schülerinnen aussieht. Dann wird das Bild differenzierter.

Rebeca Bok | So., 24. Juli 2022 - 07:54

Balcerowiak.

Der "strenge Vater ... versuchte, in fremder Umgebung die Würde eines ... Familienoberhaupts zu wahren" - ein Klassiker auch in anderen häuslich fremden Umgebungen und Motivlagen: etwa der "Kriegsversehrte, der vom Sofa aus die Familie terrorisiert". Dafür in der Rüstungsindustrie aber auch: "Rosie die Nieterin" (ab 1941) mit diversen Kopfbedeckungen (im Zweifelsfall tat es die eigene Haarpracht - wie 1945 bei Marylin Monroe).

"Studierte später Psychologie" - wie Martin Miller (wo übrigens beide Elternteile an der 'Motivlage' robust gestrickt hatten).

Ganz schön sexistische, identitäre Lehrererfahrungsberichte;) Wie die Hautfarbe beim berühmten Rosie-Poster ("We Can Do It!") von 1942. Sowas könnte man heute nicht im Klassenzimmer aufhängen.

Sowas kommt davon, dass Jungs kein Kopftuch tragen.

Ernst-Günther Konrad | So., 24. Juli 2022 - 08:25

Alles gut und schön. Aber wie sieht das bundesweit aus? Wie wird Mädchen geholfen, aus dem streng islamischen Elternhaus sich zu lösen und ihren eigenen Weg zu gehen? Und was ist mit den anderen Mädchen, die es sich nicht trauen, die nicht es nicht können aus Angst vor Brüdern und Elternhaus. Ich habe in meiner Dienstzeit erlebt, dass allzu aufmüpfige Kinder gerne ins Herkunftsland zurückgeschickt wurden, um dort von der Familie diszipliniert zu werden und anschließend mittels Zwangsheirat hier plötzlich wieder mit Kopftuch und unterwürfig erscheinen. Eine offen Diskussion findet darüber kaum statt. Und was ist mit den deutschen Kindern? Welche Förderung erleben sie, wenn im Elternhaus einiges schief läuft? Was passiert mit den vielen arabischen und türkischen Jungs, die nicht wollen/können und die Schule schmeißen? Was mit den Jungs, die im Elternhaus religiös geprägt im Alltag ihr anerzogenes Patriachat ausleben wollen?
Ich weiß, sie machen Clan-Karriere und werden HartzIV Berater.

Wie es bundesweit aussieht? Haben Sie den Artikel nicht gelesen?! Da steht: "Dieses Beispiel zeigt einen Trend, den Soziologen schon seit geraumer Zeit feststellen. In Deutschland ist ein türkischer Mittelstand entstanden, der leistungs- und aufstiegsorientiert eingestellt ist und auch die Kinder in dieser Haltung erzieht."

Es handelt sich demnach also nicht um ein oder zwei Einzelfälle, die hier herausgestellt werden, sondern eine Entwicklung.

Den Rest Ihrer Ausführungen muss man dann auch nicht mehr kommentieren.

Wolfgang Jäger | So., 24. Juli 2022 - 10:56

Schön wäre es, wenn wir es generell mit muslimischer Migration dieser Qualität zu tun hätten. Das Gegenteil ist der Fall. Und reden wir nicht über die Männer! Denn die bestimmen, wo es langgeht.
Intelligente Frauen ohne Kopftuch? Das passt nicht in das Konzept des Koran. Und das ist die Realität. Nach wie vor halte ich es für absurd, der Idee nachzuhängen, man könnte hier in Deutschland den Islam einer (dringend nötigen) Aufklärung unterziehen. Wunschdenken. Schauen wir nach Afghanistan. Brutal ist man auf dem Boden der Realität gelandet.
"Muslimische Mädchen starten durch. Wir sollten alles tun, um sie auf diesem Weg zu unterstützen."
Mir ist das alles zu allgemein. Optimismus, Idealismus in Ehren. Aber es wäre mir lieber, hier würden nicht-muslimische Mädchen durchstarten. Skepsis ist angebracht. Auch besteht die Gefahr, dass diese Mädchen, die es durchaus geben mag, früher oder später dem familiären Druck nachgeben müssen und sich den muslimischen Gepflogenheiten beugen müssen.

Bernhard Mayer | So., 24. Juli 2022 - 11:31

.....und erfolgreicher als ihre Brüder.

Das ist der Knackpunkt.

"Unser" Bildungssystem kann nur erfolgreich Durchlaufen, wer gerne und gut auswendig lernt.

Und dabei sind die Mädels den Jungs eine deutliche Nasenlänge voraus.

Gerhard Lenz | So., 24. Juli 2022 - 12:00

hat Herr Werner Positives erlebt?

Das bezweifle ich nicht. Es ist noch gar nicht so lange her, dass es auch bei deutschen Mädels hieß: Warum soll die denn auf's Gymnasium? Die heiratet sowieso, usw. Ich persönlich kannte höchst begabte Klassenkameradinnen, die derartiges Denken verinnerlicht hatten und später zuhause versauerten, bis zur Scheidung.

In Gesellschaften, in denen traditionelles Rollendenken nach wie vor dominiert, ist es nicht verwunderlich, dass Mädchen in ihren Möglichkeiten eingeschränkt werden. Nicht nur deswegen ist Bildung nach wie vor eine soziale Frage: Dass die soziale Herkunft bei uns noch immer mitentscheidet, ob ein begabtes Kind das Gymnasium besuchen darf, oder seiner "Bestimmung" folgt und in der Hauptschule versauert, ist ein Resultat einer gescheiterten Bildungspolitik, die noch immer aufs frühzeitige Aussortierten setzt. Das wurde in zahlreichen Studien bestätigt. Integrierte Systeme fördern eben (auch und gerade) soziales Lernen.

Tomas Poth | So., 24. Juli 2022 - 15:09

Ein bewegendes, positives Beispiel, daß aber um so stärker all die negativen Auswüchse beleuchtet. Einige wurden hier ja schon genannt.
Der Schlimmste Auswuchs wurde aber noch nicht erwähnt, nämlich die Politik der Altparteien die hiervor die Augen verschließen, bzw. mit semantischen Übungen alles schönreden, um sich den Fakten nicht stellen zu müssen.

Fritz Elvers | So., 24. Juli 2022 - 18:49

hat in diesem Forum offenbar ein Minenfeld betreten.

Nun ja, die Foristeninnen, die selbstverständlich auch in Istanbul ohne weiteres ihr Abitur hätten ablegen können, schließlich sind sie Christen, haben nur ein müdes Lächeln für die Kopftuchmädchen (Sarrazin) übrig.