Butscha
Auf Satellitenbildern aus Butscha sind neben der St.-Andreas-Kirche Massengräber zu erkennen / dpa

Nach Butscha - Russische Zivilgesellschaft in Schockstarre

Auch in Russland sorgen die Bilder aus dem Kiewer Vorort Butscha für Entsetzen. In Moskau beispielsweise protestieren mutige Menschen gegen die russischen Kriegsverbrechen. Derweil verschärft sich der Ton der russischen Kriegspropaganda. Beide Positionen stehen sich diametral gegenüber.

Autoreninfo

Nathan Giwerzew studierte Literatur- und Politikwissenschaft in Berlin und absolvierte ein Redaktionspraktikum bei Cicero.

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Der Schock nach Butscha sitzt tief. Die Bilder der zu Hunderten hingerichteten wehrlosen Menschen gingen um die Welt. Sie sind Opfer einer Soldateska geworden, die offenbar nach System vorging: Die russischen Einheiten, die in Butscha stationiert waren, sind auf Aufstandsbekämpfung, Hausdurchsuchung und Repression spezialisiert.

Selbstverständlich bestritt der Kreml für das Verbrechen jede Verantwortung. Es hieß, die Ukrainer hätten sich für Propaganda-Filmaufnahmen einfach selbst auf die Straßen gelegt. Russische Truppen hätten während der Besetzung von Butscha niemandem etwas zuleide getan.

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Martin Falter | Di, 5. April 2022 - 16:08

wird man sich gut merken.
Man sieht sich im Leben immer zweimal und bei ihm wird das in Den Haag sein.

Gerhard Lenz | Di, 5. April 2022 - 16:19

im Kreml jede Schuld entrüstet von sich weisen.

Schließlich inszeniert sich Putin in der Öffentlichkeit als eiserner Verteidiger russischer Interessen, der die Ukraine entwaffnen will - wohl weil die irgendwann Russland überfallen würde (und nicht umkehrt), voller Nazis steckt und eigentlich als Land gar nicht existiert. Massenmord, Kriegsverbrechen, Vertreibungen?

Schweigen!

Und so ballert er die Menschen pausenlos mit seiner Propaganda zu - Propaganda, die ja sogar bei uns im Westen (dieses Forum einbegriffen) aufnahmebereite Hirne findet.

Wer mit Putin nicht übereinstimmt, und das auch noch öffentlich, hat in Russland keine Gnade zu erwarten. Wobei die Mehrheit der Russen wahrscheinlich Putin durchaus glaubt.

Die Parallelen zu Hitler werden immer deutlicher. Auch der unterzog sein Volk einer fundamentalen Hirnwäsche, und wer nicht spurte - bevorzugt Sozis, Kommunisten und andere Linke - verschwand im KZ.

Vladimir Adolf Putin machts nicht anders. Siehe Nawalny.

Maximilian Müller | Di, 5. April 2022 - 17:17

Als ob der Westen keine Kriegspropaganda nutzen würde. Spätestens in den letzten drei Jahren hätte jeder lernen können, dass unseren Medien nicht zu trauen ist. Vielleicht muss man manchen Leuten klar machen, dass es hier nicht um Ukraine gegen Russland geht, sondern dass das westliche Lebensmodell mit seiner konsumgeilen, anti-nationalen Heile-Welt-Gesellschaft hier gegen seinen ideologischen Antipoden antritt. Und der Westen weiß genau, welche Knöpfe er bei seinen Bürgern drücken muss, um sie in Stimmung zu bringen. Genau wie Selenskyj weiß, was er tun muss, um westliche Unterstützung zu bekommen.

Mal davon abgesehen, dass auch Ukrainer Kriegsverbrechen begehen (zum Beispiel bei Überläufern), sind tote Zivilisten das, was man bekommt, wenn man einen ukrainischen 'Volkssturm' einberuft. Wenn man Zivilisten Kalaschnikows und Panzerfäuste in die Hand drückt, sind es keine Zivilisten mehr. Und auch Kinder können Abzüge drücken.

Sehr richtig, Herr Müller!
Mein Herz blutet für alle Tote an beiden Seiten, aber besonders für diejenigen, die an der Flucht behindert waren von der Familie getrennt, denen eine Waffe in der Hand gedrückt wurde mit der Wahl: du kämpfst oder wir erschießen dich gleich. Ein bißchen weniger Kriegstrommel würde Allen guttun.
Ich habe Angst dass der Kriegspropaganda uns auch einziehen wird in der Konflikt, was den Menschen in der Ukraine keineswegs helfen wird aber bei uns dann ähnliche (oder noch schlimmere) Bilder entstehen werden…

Heidemarie Heim | Di, 5. April 2022 - 17:20

Es ehrt Sie werter Herr Giwerzew, dass Sie nach wie vor die Mehrheit der russischen Zivilgesellschaft sozusagen frei von Verantwortung für das unselige Treiben ihrer verbrecherischen Führungsriege versuchen darzustellen mit der Annahme, dass diese sich in der gleichen Weise schockiert fühlt wie der Rest der zivilisierten Welt, und den Wenigen von der russischen Propaganda verschont gebliebenen und sich schon aus Russland abgesetzten oder auch den dort verbliebenen mutigen Mahnern folgt. Ich schrieb schon letzte Woche in einem meiner Kommentare, dass ich es seit dieser Katastrophe und angesichts der grausigen Beweise, der immer mehr eskalierenden Zerstörungswut nicht mehr auf die Reihe bekomme, wie irgend ein Mensch hier wie dort Zweifel nicht nur hegen kann angesichts dieser Barbarei, sondern noch relativiert oder rechtfertigt. Gestern Abend in Spiegel TV wurde ich eines Besseren belehrt s.a. Autokorso sowie Aussagen russischer Einwohner über die nach RUS "evakuierten" Ukrainer. MfG

Tomas Poth | Di, 5. April 2022 - 17:30

Wo soll man denn Massengräber neben der erwähnten Kirche auf dem Satellitenfoto erkennen? Kann das jemand erklären?

Rainer Mrochen | Di, 5. April 2022 - 19:41

Für mich, eine offensichtlich immer gleich angezogene, scheinbar menschenähnliche Person? Ein lebender Mensch? Ein und die selbe Person? Ein und die selbe Attrappe? Verstehe wer will. Kann mir allerdings nicht vorstellen, daß so etwas nicht sofort ungesühnt bleibt. Alles furchtbar undurchsichtig in dieser Tragödie. Aber wie bei Corona wird sich auch hier der Dunstschleier lichten und Stückweise das Licht auf die Wirklichkeit freigeben. Einstweilen werden Tatsachen geschaffen. Auch diesmal ist der Anlass, wenn auch schrecklich, lediglich Vorwand für das was man daraus macht.

Christoph Kuhlmann | Di, 5. April 2022 - 19:46

Ich sag nur Grosny und Syrien. Ein par Intellektuelle gehen für lange Zeit in den Knast und das war es. Wenn überhaupt droht Russland Gefahr aus dem Geheimdienst oder dem Militär. 10-15% Gefolgschaft und die Kontrolle über die Schalthebel der Macht reicht für einen Diktator um fest im Sattel zu sitzen. Stalin hatte 10% der Bevölkerung im Gulag. Sein General Schukow ließ die Soldaten über Minenfelder zum Sturmangriff antreten. Er hat mit seiner (selbst-)mörderischen Strategie etliche Millionen Soldaten sinnlos verheizt. Er ist für viele Russen heute noch der größte Zar aller Zeiten.

Bernhard Kaiser | Di, 5. April 2022 - 21:48

"Satellitenfotos belegen, dass die Leichen wochenlang in den Straßen von Butscha gelegen hatten – während russische Truppen den Ort besetzt hielten." Satelliten Fotos einer US-Amerikanischen Firma, selbstverständlich über jeden Zweifel erhaben! Und dann stellt sich ja erst recht die Frage, wenn die Leichen seit Mitte März dort rumliegen, wieso sind die dann nicht vollständig verwest und wieso hat dann niemand die Leichen der Zivilisten wenigstens nach dem Abzug der Russen am 30.03. geborgen und bestattet, noch nicht mal die Angehörigen, geschweige denn die örtlichen Behörden?! Für mich ist das Ganze noch lange nicht schlüssig insbesondere auch nicht nach dem Autauchen eines Videos vom 02.04. in dem Ukrainische Militär Polizei durch die Straßen von Butscha fährt und nirgendwo Leichen zu sehen sind (auf YouTube, 1,6 Millionen Aufrufe)!

..."Warum sind die Leichen nicht vollständig verwest?"
Was hatten die in der Ukraine denn in den letzten Wochen für Temperaturen?
Haben die momentan Sommer mit um die 30 Grad, oder warum diese Frage?
Mitmenschen die so tun, als würden sie wirklich und ernsthaft daran zweifeln, dass die Russen in der Ukraine schwerste Menschenrechtsverletzungen begehen, und dies mit solch kruden, an den Haaren herbeigezogenen "Indizien" beweisen wollen, widern mich regelrecht an. Gerade auch weil es von Leuten kommt die daneben nicht müde werden anderen stehts ideologisch verblendetes Verhalten zu unterstellen. ausgerechnet!

Ernst-Günther Konrad | Mi, 6. April 2022 - 09:53

@ Tomas Poth - Ich habe mir auch die Satellitenbilder angeschaut. So wirklich viel und eindeutig ist da nichts zu erkennen. Und absichtlich hingelegte lebende Menschen als Statisten drapiert als Opfer von Massakern würden sich nicht unterscheiden lassen, von wirklich auf diese Weise getötete Menschen. @ Martin Falter - ja, ein solcher Hetzer sollte nach diesem Krieg belangt werden, genauso wie diejenigen, die aktiv Falschmeldungen bewusst und gewollt für welche Seite auch immer veröffentlicht haben
@ Maximilian Müller und @ Katharine Schön
Sie sprechen mir aus dem Herzen. Als ob der Tod vieler Menschen auf beiden Seiten nicht schon schlimm genug ist, laufen die deutschen Msm geradezu in widerlicher Hochform auf, ukrainische Propaganda mitzuverbreiten. Aber wir wissen ja in zwischen alle, dass es eine neutrale Berichterstattung kaum noch gibt. Und, ob den Reportern vor Ort nicht nur eine "Show" geboten und sie propagandistisch Zwecken ausgenutzt werden, wissen wir auch nicht.

Petra Horn | Do, 7. April 2022 - 00:08

Nathan Giwerzew hat einen dezidiert ukrainischen Blick. Ich würde gerne endlich einmal Originaltöne von Russen hören. Und damit meine ich nicht Nawalny oder Chodorkowski.

dass die Russen derzeit die Gefahr, die von einer gegen sie gewendeten Ukraine ausgehen könnte, zu minimieren suchen.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Ukraine insgesamt diesen Weg gehen will.
Schaut man sich die von den Russen "eroberten" Gebiete an, so handelt es sich eben nicht um einen Krieg gegen die gesamte Ukraine, sondern die Schaffung vielleicht einer 2. Ukraine, die eben diesen Weg nicht gehen will oder jedenfalls nicht so, wie der allerdings überwiegende Teil der Ukraine.
Das war zu erkennen nach dem Maidan-Putsch und wurde wohl nicht wieder friedlich und übereinkommend zusammengefügt.
Wie in Syrien halte ich eine "Teilung" der Ukraine für eine zumindest befristete Beruhigung der Situation.
Solche Staatenbildungsprozesse sind nie wirklich abgeschlossen, sollten aber im Idealfall und als Anspruch an die eigene Würde, sowie die der je Anderen, friedlich und damit diplomatisch geregelt werden.
Das nur als "Antwort" auf Sie, Frau Horn.
Krieg ist Versagen ALLER
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