Diese Tür in Butscha verdeckte ein Massengrab
Diese Tür in Butscha verdeckte ein Massengrab / Foto: dpa

Massaker von Butscha - Die offenen Fragen

Nach dem Fund der grausam hingerichteten Zivilisten im Kiewer Vorort Butscha bleiben einige Fragen offen. Wer ist für das Massaker verantwortlich? Welche Taktik liegt dem Morden zugrunde? Und kann sich das wiederholen? Erste Indizien weisen darauf hin, dass nach System gemordet wurde.

Autoreninfo

Nathan Giwerzew studierte Literatur- und Politikwissenschaft in Berlin und absolvierte ein Redaktionspraktikum bei Cicero.

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Nach der Befreiung von Butscha kam das Erschrecken. Die Bestandsaufnahme ist furchtbar: Männer im wehrfähigen Alter wurden an den Händen auf dem Rücken gefesselt und mit Genickschüssen hingerichtet. Es sind auch Leichen von Frauen unter den Toten – darunter solche, die erst vergewaltigt, dann ermordet und anschließend verbrannt wurden. Und wie die BILD vor Ort berichtet, haben russische Soldaten die Bürgermeisterin des Vororts Motuzhyn mitsamt ihrer Familie erschossen. Hier geht es also auch gezielt um die Vernichtung lokaler Eliten. Es geht um hunderte Tote.

Es bezweifelt kaum jemand, dass das Verbrechen auf das Konto der russischen Streitkräfte geht – sie hatten schließlich den Ort fünf Wochen lang besetzt gehalten. Offenbar fehlte ihnen einfach die Zeit, um die Leichen vor der heranrückenden ukrainischen Armee in ordentlichen Massengräbern zu begraben. 

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Christoph Kuhlmann | Mo, 4. April 2022 - 17:55

Hervorragender Artikel von einem Autor mit fundierten Kenntnissen der Materie. Wenn er recht hat, dann ist Putin ein Monster. Ich versuche ja in diesem ganzen Ukraine Hype objektiv und distanziert zu bleiben. Da wird sehr viel gefühlt und wenig gedacht. Aber wenn diese Morde systematisch und auf Befehl ausgeführt werden, so wie im Kosovo und auch in anderen befreiten Landesteilen bestätigt werden, kommen wir wirklich in den Bereich des Genozids. Das würde einen militärischen Einsatz der Nato legitimieren. Doch wer will einen Krieg mit einer Diktatur, die den Planeten 12 mal vernichten kann? Das ist jetzt keine Frage in der Moral besonders hilfreich ist. Da bedarf es eines klaren Verstandes und nüchternem Kalkül vor dem Hintergrund der Minimierung von Opferzahlen. Denn die können gewaltig werden. Eine verstärkte Lieferung von Waffen zur Befreiung besetzter Gebiete halte ich für dringend geboten.

Maria Arenz | Mo, 4. April 2022 - 18:13

als die "mit chirurgischer Präzision geführte Spezialoperation", von der Putin faselte. "Grattez un Russe et vous trouverez le Tartare" sagte Napoleon und dafür braucht man auch dann keinen Übersetzer, wenn man nicht Französisch spricht. Es wird immer offensichtlicher, daß Rußland und der Westen nach dem Ende der SU ein Stück mit ganz unterschiedlichen Spielregeln aufführten. Der Westen hat mit Rußland Mühle gespielt-und zwar die ganz elegante Variante, bei der es nicht darauf ankommt, möchlichst viele Steine des Gegners zu sammeln, sondern den Gegner schon durch strategisch geschicktes Setzen der eigenen Steine daran zu hindern, überhaupt noch angreifen zu können. Mit einem Gegner, der einigermaßen gleichwertig ist, macht es Vergnügen, einer solchen Partie zuzusehen. Mit einem Gegner, der nur Chicken Run oder Mogel-Mäxchen spielen kann, endet so eine Partie in der Regel fatal für's Spielbrett und die darauf sitzenen Figuren. Im aktuellen Fall die Ukraine und die Ukrainer.

Bernhard Kaiser | Mo, 4. April 2022 - 18:47

"Schon am 23. Februar waren im Internet Bilder von mobilen Krematorien abrufbar, die die russischen Streitkräfte in die Ukraine verfrachtet hatten. ... Die Krematorien waren also sicher nicht nur für die russischen Soldaten gedacht.!

Also das ist doch inzwischen eindeutig als Fake widerlegt! Siehe hier: https://correctiv.org/faktencheck/2022/03/09/nein-es-gibt-keine-belege-… ... Zitat daraus: "Laut eines Faktenchecks der US-amerikanischen Redaktion Snopes stammt das Video, das der Telegraph verbreitet, von 2013 und es gebe keine stichhaltigen Belege dafür, dass tatsächlich mobile Krematorien eingesetzt worden seien." Der Faktencheck erfolgt zwar in einem etwas anderen Zusammenhang, aber das angebliche Video ist das Gleiche! Da frage ich mich doch, wie es um die anderen "Fakten" in dem CICERO Artikel bestellt ist, beziehungsweise ich warte lieber mal die "unabhängigen Untersuchungen" ab.

Walter Bühler | Mo, 4. April 2022 - 19:20

es ist richtig, die Geschichte in Erinnerung zu rufen. Machiavelli hat natürlich Recht.

Terror und Brandschatzung sind in der Geschichte sehr oft von Tyrannen und Gewaltherrschern ausgeübt worden.

Aber das ist keineswegs die einzige Tätergruppe gewesen. Bei der französischen und bei vielen späteren "Revolutionen" bis hin zum Islamismus (z. B. Tschetschenien) hat der Terror ebenfalls eine große Rolle gespielt. Andrij Melnyk (1890-1964) und Stepan Bandera (1909-1959) waren bereit, für Galizien bzw. für die Ukraine viel Blut zu opfern.

Auch Demokratien haben archaische und blutige Gewalt gegen Unterlegene angewendet (z. B. 416 v. Chr. das demokratische Athen gegen den Bundesgenossen Melos).

Und natürlich fanden (und finden?) auch aus ideologisch-religiösen Gründen Massaker an Andersdenkenden statt (z. B. 1. Könige 18, 40 (Luther: "Greift die Propheten Baals/das jr keiner entrinne/ .../ Und Elia füret sie hinab an den Bach Kison/ und schlachtete sie daselbst.")

Machiavelli hat Recht.

Jens Böhme | Mo, 4. April 2022 - 20:16

Wenn ein Feldzug nicht den gewünschten Erfolg bringt, suchen sich einige Gefrustete den Erfolg selbst. Ob man das Putin persönlich anlasten muss ist offen, da dessen offizieller Auftrag heisst, die Ukraine zu entnazifizieren. So gesehen ist die offizielle russische Doktrin keineswegs nur Putins Gehirn entsprungen sondern eine tief verwurzelt sowjetisch-stalinistische Aktion. Der ukrainische Präsident sei Nazi, hoffentlich nicht weil er Jude ist. Stalin hat kurz vor seinem Tod die Juden als Feinde der Sowjetunion auserkoren.

Romuald Veselic | Mo, 4. April 2022 - 20:46

die durch wütende RUS-Soldateska geführt wird, wird gleichwohl u. parallel der Krieg der Lügen u. Fakes komplett ausgetragen.
Worüber ich fest überzeugt bin, die Lügenmeister sind die Putinskis & assoziierten Schergen Co., denen ich definitiv nichts glaube (Putin wollte nie UA überfallen!) u. je glauben werde, sowie alles zutraue an den Gräueltaten. Denn meine Lehre aus dem realen Sozismus ist/war: Kommunisten, mit ihrer ideologischen DNA, niemals fähig sind/waren, etwas böses zu tun. Die ganze Propaganda bestand/besteht aus Selbstlob Endlosschleife, sowie dem hässlichen Imperialismus, mit USA (nun "Westen") als Frontmann des ewigen Bösen. Nachhinein erwies sich, dass alles eine permanente, bewusste, primitive Lüge war.
Das Déjà-vu ist deckungsgleich mit aktueller RUS-Propaganda, die den identischen Vokabular v. damals, aktuell verwendet. Nämlich: Die Putin & Co. können aus Prinzip, keine Schuld haben, sowie bar dessen, etwas böses o. ungerechtes zu tun. Ähnlich den 12 Aposteln.

Dr.Andreas Oltmann | Di, 5. April 2022 - 00:51

Am 31.3 hat der Bürgermeister die Befreiung seiner Stadt gemeldet. Am 2. und 3.4. habe ich die ersten erschreckenden Bilder, Fotos und nicht bestätigte Filmaufnahmen gesehen. Human Rights Watch hat über Hinrichtungen, auch in Buschta, allerdings Anfang März, berichtet, insgesamt ca. 8 Personen.
Es muss aufgeklärt werden, was geschehen ist.
Als Arzt ist mir aufgefallen, dass die Toten auf dem Bauch oder seitlich gedreht lagen, die Gesichter nicht zu sehen waren, und äußere Verletzungen, Verstümmelungen, Blut für mich nicht zu erkennen war. Und ob die Toten schon 3 Tage auf der Straße lagen?Und was macht der getötete Radfahrer im Kampfgebiet? Wir müssen wissen wollen, was war (Prof. Püschel), und Gewissheit muss hergestellt werden.
Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst!

Ernst-Günther Konrad | Di, 5. April 2022 - 11:07

In reply to by Dr.Andreas Oltmann

Das kann ich bestätigen Herr Dr. Oltmann. Es gibt sogar Videos des Bürgermeisters in einem Interview. Kein Wort von einem Massaker, sicher aber von Toten allgemein und Zerstörung, auch unübersehbar. Es finden sich derzeit unzählige Videos, die angeblich auch Bilder zeigen von den vielen Toten in Buchta. In zwei Fällen bewegen die "Toten" die Hände und bei einem sieht man die Atmung durch anheben des Körpers. Ob bereits ältere schon länger tote Menschen jetzt mit Statisten gemischt für die Presse drapiert wurden? Es wird von allen Seiten gelogen. Und ja, die Wahrheit stirbt zuerst. Ich habe auch schon viele Tote in meiner Dienstzeit gesehen. Gerade auch erschossene Menschen selten, aber so "lagegerecht" präsentiert, wie bei den "offiziellen" Videos. Und schwarze Plastiksäcke, merkwürdig verformt mit welchem Inhalt? Hoffentlich wird das schnell neutral aufgeklärt. In Abwandlung von Brechts Zitat sage ich: „Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen“

Joachim Kopic | Di, 5. April 2022 - 12:32

In reply to by Dr.Andreas Oltmann

...selbst wirtschaftlich endgültig "schachmatt" setzt (ein Konkurrent weniger).
*) deren Kriegs-Greuel waren jedenfalls 100% sicher nicht gestellt ... aber deren Veröffentlicher sitzt seitdem hinter Gitter und muss befürchten, in den USA zu lebenslänglich verurteilt zu werden! Richtig gelesen: Nicht die, die Unschuldige mit MG-Salven töteten... Krieg ist ÜBERALL grausam und sollte IMMER verurteilt werden!!!

Ernst-Günther Konrad | Di, 5. April 2022 - 08:36

Das Netz ist voll von Berichten, Bildern und Videosequenzen, die ein Massaker durch russ. Soldaten durchgeführt belegen bzw. eine Täuschung durch die Ukrainer beweisen sollen. Es ist aus meiner Sicht derzeit sehr schwierig, jeden angeblich "Beweis" für und gegen ein Massaker halbwegs neutral zu bewerten. Auch wenn Restle falsch behauptet, es wären keine Journalisten vor Ort gewesen, was nachweislich nicht stimmt, können auch diese vor Ort Journalisten nur das abbilden, was ihnen tatsächlich sichtbar wird und dazu ggfls. erzählt wird. Um zu einer klaren Aussage zu kommen, bedarf es einer neutralen Aufklärung durch die UN. Wie bei jedem Krieg werden auch solche Vorkommnisse von den Kriegsparteien genutzt, dem jeweils anderen eines besondere Unmenschlichkeit zu unterstellen. Es ist durchaus hilfreich, wenn verschiedene Artikel einzelne Aspekte, die pro und kontra skizzieren dem Leser versuchen, einen halbwegs klaren Blick zu verschaffen. Nur derzeit ist für mich da noch vieles unklar.

Stefan Forbrig | Di, 5. April 2022 - 10:32

Das russische Verteidigungsministerium bestreitet die Vorwürfe natürlich und meldet, dass die russische Armee Butscha schon am 30. März verlassen habe. Natürlich muss man dem russischen Verteidigungsministerium nicht glauben. Wem man aber glauben sollte, ist der Bürgermeister von Butscha. Der hat vor einigen Tagen eine Videobotschaft gesendet und freudig gemeldet, der 31. März gehe in die Geschichte der Stadt Butscha ein, denn die Stadt sei befreit worden, die russische Armee sei abgezogen. Der Bürgermeister hat damit die Meldung des russischen Verteidigungsministeriums bestätigt.
Jetzt stellen sich ein paar Fragen:
1. Warum war der Bürgermeister in seiner Videobotschaft so gut gelaunt, anstatt das grausame Kriegsverbrechen anzuprangern, das die russische Armee angeblich begangen hat und das Kiew erst am 3. April, also vier Tage nach dem russischen Abzug, gemeldet hat. Hat man die hunderte Leichen, von denen der Bürgermeister spricht, und die ja da sind, übersehen?

Stefan Forbrig | Di, 5. April 2022 - 10:40

Frage 2.
Es liegen ja tatsächlich Leichen überall in der Stadt. Aber wer hat all die Menschen umgebracht und wann ist das geschehen? Es ist offensichtlich nicht in der Zeit geschehen, in der Russland die Stadt kontrolliert hat, denn sonst hätte der Bürgermeister in seinem Video nicht so gute Laune gehabt, sondern in seiner ersten Videobotschaft schwere Vorwürfe gegen die russische Armee erhoben. Wer die Fotos der Toten sieht, der stellt fest, dass viele Tote weiße Armbinden tragen. Diese Armbinden tragen die russischen Soldaten als Erkennungsmerkmal. Und die Toten auf den Straßen in Butscha tragen weiße Armbinden.
Butscha wurde von Einheiten des Kiewer Volkssturms besetzt, dessen Kommandeure für ihren Hass auf alles Russische bekannt sind. Daher liegt der Verdacht nahe, dass die Soldaten des Kiewer Volkssturms in Butscha ein Massaker an allen begangen haben könnten, die sie der Unterstützung der russischen Armee verdächtigt haben.

Diese Fragen sollte man sich stellen.

was mir auch im Kopf rumschwirrt. Mein erster Gedanke war auch, bei so vielen unkontrollierten Bewaffneten aller Couleur die zur Zeit in der Ukraine unterwegs sind, sieht das nach Rache an "Kollaborateuren" aus, das sind aber nur so Gedanken. Aber ich denke die Wahrheitskommision des MI6 "Bellingcat" wird schon die nötigen "Untersuchungen" einleiten um der richtigen Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Gerhard Lenz | Di, 5. April 2022 - 14:59

Dieses Forum, verlässlich für überwiegend stramme AfD-Gefolgschaft auf der ganzen Linie bekannt, entwickelt sich immer mehr zum Tummelplatz von Putin-Papageien. Selbstverständlich sind die Zusammenhänge erwartbar: AfDler, Covidiot, und jetzt Putin-Versteher. Immer dieselben Foristen, immer die gleichen Meinungen.
Wer meinte, dass sei bereits in der Vergangenheit schon auf die Spitze getrieben worden, irrt. Es geht noch wirrer. Beispiel:
Wer ist schuldig an den Massenmorden in Butscha? Offensichtlich nicht die Russen. Denn - Achtung, kein Witz - der ukrainische Bürgermeister hatte ja so gute Laune.
Weiter: Die Toten trugen weisse Armbinden, müssen also Russen sein! Abenteuerlich grotesk!
Der "Kiewer Volkssturm" (näheres in der Putin-freundlichen Presse) hat das alles angerichtet!

Noch eins drauf? Die Stadt war vernehmlich von Russen befreit! Also kann es auch keine Leichen geben, die später entdeckt wurden!
Klar, der rechte Rand steht zu seinem"Führer" im Kreml.
Erbärmlich.

Sabine Jung | Di, 5. April 2022 - 16:05

was nun dort in Butscha passiert ist. Ich hoffe, es kommt auch durch unabhängige Medien und Organisationen heraus.
Krieg und seinTreiben ist immer schlimm, vor allen leiden die Zivilisten, Frauen und Kinder.
Aber etwas Argwohn sollte jeder hegen und nicht alles glauben, was uns unsere so tollen (Staats)medien so glauben lassen.

Klaus Funke | Di, 5. April 2022 - 18:30

Was die Russen derzeit im medialen Krieg biete, ist wirkungslos und schwach. Die US-Amerikaner machen es vor. Die haben Hollywood im Blut. Der Krieg ist Show. Und sie sind gute Chancenverwerter. Für mich ist klar, die Sache in Butscha ist ein glänzend aufgeführtes Stück Hollywood. Wenn man die Russen nicht auf dem Schlachtfeld besiegen kann, muss man sich was einfallen lassen. Warum zahlen es die Russen der US-Connection nicht mit gleicher Münze heim? Lawrow ist ein alter Kader der Nomenklatura, genau wie Putin. Die können das nicht. Die machen das so wie Breshnew reagiert hätte. Dabei ist eine Inszenierung doch so leicht. Man nimmt einen, der "dabei" war und lässt ihn die russische Version erzählen, garniert das Ganze mit Video-Clips, lässt ihn vor arabischen oder anderen Fernsehstationen auftreten, verpasst ihm ein Zeugenschutzprogramm und eine neue Identität. Das alles lanciert man in die Social-Medien mit viel Tamtam. Parallel in Südamerika Stimmung machen und in Taiwan. Ha, ha.