Eine ukrainische Patrouille in Kiew. (24.03.2022)
Eine ukrainische Patrouille in Kiew am 24. März / dpa

Krieg in der Ukraine - „Putin hat noch lange nicht aufgegeben“ 

Im Interview mit Cicero erklärt Gustav C. Gressel die russische Kriegsstrategie. Und er fordert ein Embargo für Öl und Gas aus Russland: Europa dürfe weder in Euro noch in Rubel den russischen Krieg finanzieren. Der Militärexperte prognostiziert, dass der Krieg in der Ukraine schon im April in die nächste heiße Phase eintreten wird. 

Autoreninfo

Nathan Giwerzew studierte Literatur- und Politikwissenschaft in Berlin und absolvierte ein Redaktionspraktikum bei Cicero.

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Dr. Gustav C. Gressel ist seit November 2014 Senior Policy Fellow am European Council on Foreign Relations in Berlin. Dem ging eine langjährige Tätigkeit beim österreichischen Bundesheer voraus. Am 15.03.22 veröffentlichte der gediente Offizier auf „libmod“  eine detaillierte Analyse des Kriegsgeschehens. 

Herr Gressel, aktuell ist davon die Rede, dass russische Truppenverbände in den Vororten von Kiew eingekesselt seien. Und dass die Kampfmoral vieler russischer Soldaten im Keller ist. Könnte das den Krieg entscheiden? 

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Karl-Heinz Weiß | Fr, 25. März 2022 - 14:28

Ein sehr informatives Interview. Allerdings wird auch hier eine letztendlich rationale Vorgehensweise von Putin unterstellt. Von einer solchen ist offenbar auch sein engeres Umfeld ausgegangen (Anschluss der Ostukraine). Als Kriegsziel hat er aber Groß-Russland angegeben. Das kann nur Sieg oder persönlicher Untergang bedeuten.

Romuald Veselic | Fr, 25. März 2022 - 15:13

für eine Feldarmee mit 150000 Mann, egal wie hoch sie mechanisiert ist. Könnte dem versuchten Vergleich entsprechen, wie eine kriminelle Metropole, mit 1 Mio Einwohner, wo nur 100 Polizisten, die öffentliche Sicherheit gewährleisten sollten.
Der Kremldespot schien vergessen zu haben, dass Menschen, die nichts zu verlieren haben, die gefährlichsten sind. Egal für wenn. Abgesehen davon, dass der selbe Frankenstein vergaß, dass UdSSR vor allem deshalb zerfallen ist, weil die anderen, großen Ethnien, Schnauze voll hatten, ständig von den Russen bevormundet o. drangsaliert zu werden und dabei so zu tun, wie es ihnen prima geht. Egal ob Kommunisten, Faschos o. Olivenzweigenträger an der Macht wären.
Als Kind hasste ich Spinat und Kakao, obwohl mir täglich durch Eltern/Großeltern nonstop eingebläut wurde, wie gut/gesund diese Nahrungsmittel sind. Glaubt mir, die letzten 45 Jahre hab ich kein Kakao getrunken o. Spinat gegessen. Kann nicht mal Anblick/Geruch dessen ertragen.

Kristine Pews | Fr, 25. März 2022 - 15:17

"Die Geschäfte werden durch eine Transaktionswährung beglichen – Ökonomen sprechen hier vom „Settlement“. Es ist dem Käufer (z.B. EON) und dem Verkäufer (z.B. Gazprom) überlassen, dies individuell zu regeln. Die ist ein rein technischer Faktor. Würden EON und Gazprom sich – was natürlich unsinnig wäre – darauf einigen, die Gaslieferungen in ungarischen Forint zu bezahlen, würde EON den Rechnungsbetrag am Tag der Überweisung von Euro in Forint umtauschen, an Gazprom überweisen, und Gazprom würde die Forint dann wieder in Rubel umtauschen. Eine Art Nullsummenspiel. Und um diese Transaktionswährung geht es bei der Ankündigung Putins und nicht etwa um die Bezugswährungen, die den Gaspreis festlegen. Diese Unterscheidung ist wichtig. Der Kern der Verträge bleibt unangetastet. Hier muss demnach auch nichts nach- oder neu verhandelt werden, wie einige Medien nun raunen."
Herr Gressel wo ist hier der Vertragsbruch?

Urban Will | Fr, 25. März 2022 - 15:31

eines gewissen Herrn werde anhören müssen.
So langsam kommt es mir vor, dass nach so vielen Friedensjahren in einigen westlichen Köpfen eine Kriegslust aufgestiegen ist, die einen nachdenklich machen muss.
Schon vor über zwei Wochen machte man von Seiten Russlands klar, dass ein Sturz der ukrainischen Regierung kein Kriegsziel sei. Dito wohl auch nicht deren vollständige Besetzung.
Nun redet Herr Gressel daher, als sei obiges nach wie vor der Fall.
Sorry, aber was soll man noch glauben?
Ich persönlich bin mir sicher, dass Putin, wenn der Westen weiter auf Null – Annäherung und wirtschaftliche Zerschlagung/Isolierung Russlands hinarbeitet, immer unberechenbarer wird und wieder auf dieses eigentlich schon aufgegebene Ziel wird einschwenken muss, um sich eine bessere Position für Verhandlungen zu sichern, wenn sie denn überhaupt stattfinden.

Warum schürt man diesen Krieg immer weiter?

Ich neige nicht zu „Verschwörungs - Theorien“, aber so langsam mache ich mir meine Gedanken...

kann ich Sie bestätigen.

Es macht schon sprachlos, wie Sie jegliche Hemmungen ablegen, die Interessen Putins zu verteidigen.
Auch wenn Sie das neuerdings angeblich ausschließlich aus "humanen" Gründen tun - sollen die Ukrainer doch endlich aufgeben, damit es keine weiteren Opfer mehr gibt.

Noch verblüffender macht allerdings Ihr "Anspruch", Putin sei doch gar nicht daran interessiert, die ukrainische Regierung zu stürzen.
Was denn, plötzlich keine Entnazifizierung mehr, keine "Befreiung" des ukrainischen Volkes von einer "faschistischen" Regierung (mit einem jüdischen Präsidenten)??

Sollten Sie das wirklich glauben, dann hat Ihre Naivität allerdings neue Spitzenwerte erreicht.

Obwohl: Sie hielten ja lange Zeit große Stücke auf Putin. Und haben bis zum Einmarsch der Russen abgestritten, dass es einen solchen geben würde - stattdessen haben Sie das Narrativ der Putin-Gläubigen bedient, man wolle einen solchen "herbeireden".

Und wer "schürt" hier eigentlich was?

hat sich total verkalkuliert Mr. Lenz. Er hat mit seinem unüberlegten Krieg dafür gesorgt, dass Alle verlieren bis auf die USA, die erwarten jetzt riesige Rüstung-und Gasgeschäfte .......

in diesem simplen Fall, der flagrante Aggressor. Oder? Nicht in RUS, sondern auf dem UA-Gebiet wird der Krieg (Spezial Op 😈) geführt.
Schon vergessen, das Putin tagein - tagaus der Welt verzählte, vor den laufenden Kameras, dass er keine Absicht hat, UA zu überfallen? Egal, wie man das nennt, ob Spezial-Operation oder Kampf gg Nazis o. Klimarettungsgegner, es sterben täglich tausende Menschen. Zivilisten, Soldaten. Wohnhäuser werden in Straßenblöcken systematisch zerstört. Nach welchen Putinschen-Kriterien wird dann der Krieg definiert? Wenn die ersten N/H-Bomben fallen?
Wenn mir ein Verbrecher droht, mich auszurauben u. ich sage ihm, falls er das tut, werde ich ihn erden, dann ist das mein gutes Recht, mich zur Wehr zu setzen. Mit allen Konsequenzen.
Verstehen Sie mich nicht falsch, Herr Will, ich denke anders, als Sie. Ich kann auch Nichtdeutsch denken.

Wünsche einen schnapsigen Fireabend 👶🏻

Kriege entstehen durch diplomatisches Versagen unfähiger Politiker., AUF BEIDEN SEITEN.
Schuld nimmt aber auch irgendwo ihren Anfang. Wenn man nach Auflösung des Warschauer Paktes und der Gus ein einheitliches geo- und sicherheitspolitisches Europa aufbauen wollte und dabei das "größte" europäische Land aussenvor lässt, hat den Schuss nicht gehört. Der Ukraine-Krieg und der Krim-Konflikt ist „mit“ auf die Zurückweisung der ausgestreckten Hand der Regionalmacht--Russlands zurückzuführen. Dieses erfolgte auf Weisung von Onkel Sam. Der an ein einheitliches Europa nicht interessiert war und auch heute noch immer nicht ist. Dieser angebliche Freund betreibt reine Interessenpolitik und flüstert Frau Fast-Doktor ein, Wertepolitik braucht die Welt, die gendermäßig, aber auch richtig publiziert werden muss. Damit haben sie und ihr Stab eine Aufgabe, an der sie sich abarbeiten können.

Christoph Kuhlmann | Fr, 25. März 2022 - 17:56

die Struktur. Das systematische Ansprechen wichtiger Aspekte auch im Hinblick auf politische Lösungen. Die Prognose über die erhebliche Steigerung der russischen Kampfkraft im April/Mai hat bei mir Erstaunen ausgelöst. 130 000 Wehrpflichtige könnten als Zeitsoldaten übernommen werden um komplett ausgestattete Einheiten an die Front zu führen. Wehrpflichtige werden in der russischen Armee wie der letzte Dreck behandelt. Die Schilderungen um die prekäre Lage mangelhaft ausgestatteter Soldaten an der Front, die Erfrierungen haben und oft in Erdlöchern bei Minusgraden übernachten müssen während sie mit Partisanen aus allen Richtungen rechnen müssen klingen für mich nicht so als ob eine 100% ige Rekrutierung gelingen könnte. Da hält sich jeder raus der kann, insbesondere wenn die Versorgungslage der russischen Zivilbevölkerung ebenfalls schlechter wird. Zudem würde ein sofortiger Boykott russischer Energielieferungen Westeuropa destabilisieren und erheblich schwächen. Das ist Putins Ziel.

Clara Schwarze | Fr, 25. März 2022 - 20:31

Man hat wirklich einen Eindruck und das ist, dass Deutschland bei aller Tragik mit dieser Ukraine-Geschichte auch in einer Falle gelandet ist.
Denn es wiederholen sich inzwischen diese Darstellungen mit Maximalforderungen. Die Ukraine soll keine Kompromisse machen müssen - sondern eine "Ermattung" Russland produziert werden, wo man sich auch fragt, was das heißen soll.
Und der Autor nimmt uns für ökonomischen Durck in die Pflicht - Rohstoffembargo - und keiner spricht über die Kosten.
Und die Lösungen werden keine sein, sondern um in der Region eine Friedenslösung zu erzeugen, müsste es auch Versöhungsprozesse geben - und die Kompromisse, die man der Ukraine nicht zumuten will.
Das dürfte also mehr oder weniger zunehmend völlig aus dem Ruder laufen.

Dr.Andreas Oltmann | Fr, 25. März 2022 - 21:18

Interessanter Kommentar, aber doch sehr militärstrategisch.
Seid 4 Wo. versuche ich mir ein Bild zu machen vom Verlauf des Geschehens. Es ist frustran. Auf der einen Seite, so mein Eindruck, läuft Selenskys Propagandamaschine perfekt: hoch emotional vorwurfsvolle Auftritte in allen westlichen Parlamenten, ein ebenso agierender Botschafter in D, viele bewegende Fotos von flüchtenden Menschen, zerbombten Gebäuden incl. einer angebl. Geburtsklinik. Dazu Meldungen über hohe russische Verluste an Mensch und Material und über militärische Siege um Kiew und Nikolajew. Und Forderungen nach mehr Waffen. Und wo und wie steht die ukrainische Armee da? Offensichtlich werden ukrainische Soldaten nicht getötet, nicht verwundet und sind nicht auch Opfer des Krieges, nur Helden. Russland teilt heute mit, dass 1350 Soldaten gefallen seien und es seine Strategie ändern wolle. Offizielle Informationen des ukrainischen Militärs lese ich nicht. Die russischen Panzer defekt, die Moral am Boden?Fakten?

Ernst-Günther Konrad | Sa, 26. März 2022 - 09:16

In reply to by Dr.Andreas Oltmann

Auch ich versuche aus unterschiedlichsten Quellen mir ein Bild über das was ist und was sein könnte zu machen. Es gelingt mir nicht. Was ist Propaganda und was ist Fakt? Ich weiß es nicht und kann mit solchen militärstrategischen Überlegungen nicht viel anfangen. Egal bei wem und wen man liest. Jeder glaubt Putins Motive und Absichten zu erkennen, ständig Erfolgsmeldungen der Ukraine, um im "Kleingedruckten" hinzuweisen, man wisse es aber nicht genau. Es wäre ja auch wiedersinnig, wenn auch nur eine Seite der Kriegsparteien wirklich ehrliche Zahlen über Verluste von Menschen, Waffen und Gerät machen würde. Wer läßt sich den aushorchen? Ich halte mich deshalb weitgehend mit Kommentaren zu diesem Krieg zurück, man ist nicht schnell in der falschen Richtung unterwegs. Nur eines nährt meine Skepsis immens. Die Kriegsrhetorik der Journalisten und Politiker lassen ungute Gefühle aufkommen. Wie will man anschließend miteinander umgehen. Dann, wenn auch dieser Krieg vorbei ist?

gabriele bondzio | Sa, 26. März 2022 - 10:44

in den USA Militärexperten ein ganz anderes Bild von den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine?

Zb. "CIA-Experte Larry C. Johnson analysiert die aktuelle Situation und die Hintergründe des Konfliktes im Interview mit Mike Whitney"

oder:

Tucker Carlson-MacGregor-Interview

wo Sätze fallen:

" Wenn das, was Sie sagen, stimmt, dann sterben all die Zivilisten, die in den Kampf gegen die russische Armee geschickt werden, in einem Krieg, den sie nicht gewinnen können. Ich verstehe nicht, warum die Medien die Menschen bei etwas so Ernstem in die Irre führen wollen."