Tönnies-Beratung von Sigmar Gabriel - Kritik, so billig wie das Fleisch

Weil Ex-Minister Sigmar Gabriel 10.000 Euro pro Monat als Berater-Honorar vom Tönnies-Fleischkonzern kassierte, empört sich insbesondere die SPD. Doch die Argumente scheinen billig. Statt mit dem Finger auf einen Ex-Politiker zu zeigen, sollte die Partei besser Antworten finden.

sigmar-gabriel-toennies-beratung-spd-fleisch
Sigmar Gabriel und seine Beratertätigkeit werden insbesondere von der SPD kritisiert / dpa

Autoreninfo

Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online und bei der Stiftung Warentest. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

So erreichen Sie Bastian Brauns:

Bastian Brauns

Die derzeitige öffentliche SPD-Empörung über die Berater-Tätigkeit des eigenen Ex-Parteichefs Sigmar Gabriel für den Tönnies-Fleischkonzern erinnert an die Produktionsbedingungen in selbigen Zerlegungsbetrieben: fließbandartig, schnell, und billig, dabei aber weder nachhaltig noch fair. „Für jeden aufrechten Sozialdemokraten ergibt sich dabei aus unseren Grundwerten, an wessen Seite man sich begibt und wo man besser Abstand hält“, beeilten sich die aktuellen Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mitzuteilen.

Ein Recherche-Team von ARD-Panorama hatte zuvor aufgedeckt, dass Sigmar Gabriel eine auf zwei Jahre angelegte, mit pro Monat 10.000 Euro vergütete Berater-Tätigkeit für den schon lange umstrittenen Tönnies-Konzern wahrgenommen hatte und im Mai aus, wie er sagt, persönlichen Gründen aufgab. Das ist eine durchaus bemerkenswerte Geschichte, zumal Gabriel über die desolaten Arbeitsbedingungen schon aus seiner Zeit als Wirtschaftsminister sehr genau Bescheid wusste. Man darf davon ausgehen, dass er sehr genau wusste, mit wem und womit er hier Geschäfte macht.

Ein reißerischer ARD-Titel

Dass er allerdings Geschäfte macht, und das scheint in der Diskussion immer latent mitzuschwingen, ist kein Makel an sich. Auch wenn man es angesichts des omnipräsenten medialen Sendungsbewusstseins von Sigmar Gabriel, aber auch angesichts des medialen Interesses an ihm kaum glauben kann: Der ehemalige SPD-Umwelt-, Wirtschafts- und spätere Außenminister ist kein aktiver Politiker mehr.

Und weil der ehemalige Vize-Kanzler und langjährige SPD-Chef die vorgeschriebene Karenzzeit von 18 Monaten nach seinem Ausscheiden eingehalten hat und der Tönnies-Konzern ein legales Unternehmen ist, das allem Anschein nach das zwar zu lasche, aber eben doch das deutsche Arbeitsrecht einhält, ist seine Tätigkeit juristisch nicht anzugreifen. Der Titel der eigentlich fundierten Panorama-Recherche war dennoch dementsprechend reißerisch geframed: „Gekauft: Sozialdemokrat Gabriel beriet Fleischmogul Tönnies“. Es klingt nach einem gekauften Politiker, dabei ist Gabriel mit Ablauf des 3. Novembers 2019 aus dem Deutschen Bundestag ausgeschieden.

Weder Argumente noch Lösungen

Aber ist Gabriels Tätigkeit zumindest moralisch angreifbar? Wer das versucht, sollte gute Argumente haben, vor alle jene, die heute die politische Verantwortung tragen und somit in der Lage wären, die unfairen Arbeits- und Haltungsbedingungen von heute auf morgen zu beenden. So könnten die empörten SPD-Fraktionsmitglieder ihre Energie darauf verwenden, etwa einem Antrag der Grünen für besseren Tierschutz im Parlament zuzustimmen. Gabriel kann hier nicht mehr abstimmen. Der Arbeitsminister Hubertus Heil ist ebenfalls von der SPD. Er wird sich um die Werkvertrags-Situation hoffentlich bald kümmern. Ob dann wirklich keine Corona-Gefahr in Schlachtbetrieben mehr droht, ist momentan aber noch gar nicht belegbar.

Angebot auswählen und weiterlesen

  • Tagespass
    i
    • 24-Stunden-Zugriff auf alle Inhalte
    3,90 €
  • Monatsabo
    i
    Unsere Empfehlung
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
     
    0,00 €
  • 3-Monatsaktion
    i
    • 3 Monate lesen, 2 zahlen für 19,60 €
    • danach 9,80 pro Monat, mtl. kündbar
    • E-Paper
    • alle Plus-Inhalte 
    19,60 €
dieter schimanek | Fr, 3. Juli 2020 - 14:23

Darauf kommt es an! Es gibt durchaus Unternehmen an denen es nichts auszusetzen gibt. Tönnies gehört mit Sicherheit nicht dazu, das ist ein alter Hut. Auffällig ist, das ehemalige Politiker anscheinend solche Unternehmen bevorzugen. Putin und Schröder, davor VW die zu Schröders Zeit schon deutlich in der Kritik und vor Gericht waren. Peer Steinbrück und die Zocker Banken für die wir alle bezahlen durften. Merkels Ackermann der in der ganzen Welt beschissen hat. Stephan Weil der sich seine Rede von VW korrigieren lässt. Man könnte die ellenlange Liste von amtierenden und ausgeschiedenen Politikern die keinerlei Berührungsängste vor Schmuddeljobs haben lange fortsetzen. Für solche Leute muß man keine Lanze brechen.

Viel mehr fällt mir dazu nicht ein. Plötzlich findet man alte Hüte, die man gestern weder kannte noch bemerkte, geschweige denn kritisierte. Ich kann mich nicht erinnern, dass hier vor Wochen grossartige Diskussion über Schlachhöfe oder die fleischverarbeitende Industrie losgetreten wurden.
Und auch was Energie-, Kfz- oder Finanzindustrie angeht: Wer selbst ein paar Aktien hat(te) und auf Dividende und Kurssteigerungen hoffte, dem gingen Lobbyarbeit und erst recht Arbeitsbedingungen oder ein paar Schummeleien bei Abgaswerten grösstenteil an einem hinteren Körperteil vorbei. Jeder wollte nur ordentlich mitverdienen.

Jetzt ist man über die Machenschaften in diesen Unternehmen plötzlich zutiefst empört, wusste es aber schon immer (alte Hüte!). Und wenn dann auch noch ein Roter ordentlich mitverdient hat, erreicht der Empörte noch schneller seine Betriebstemperatur....

Hallo Herr Lenz!
Ich bin ja eher selten Ihrer Meinung, stimme Ihnen hier jedoch absolut zu.
Herr Gabriel kann tun und lassen was er will, wen geht das etwas an?
Ein gefundenes Fressen für die üblichen Hypermoralisten, Berufsbetroffenen

Das ist übrigens eines der wenigen Ihrer Postings, in welchem die AfD nicht vorkommt; es geht doch!

Vielleicht antworte ich Ihnen noch auf eines Ihrer "Putin-Postings"; was Sie dort bzgl. des Demokratieverständnisse der "Russland-Deutschen" äußern, halte ich eher für bedenklich.
Was ist denn mit den "geschenkten Menschen" und deren Demokratieverständnis?

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 5. Juli 2020 - 20:11

In reply to by Bernd Muhlack

Allein, ich halte es eher mit dem entzückenden Cartoon.
Gabriel sollte es erklären können.
Schröder sieht klasse aus im Cartoon.
Nun wissen wir ja, was emeritierte Politiker als Gagen für Reden bekommen und warum sollte es das umsonst geben?
Bleibt die Frage, ob Gabriel nicht hätte doch mehr Segen im Sinne von Kritik über das Werk bringen können. Bei Politikern bleibt immer auch eine Verantwortung im Ruhestand.
Oder reden wir hier über eine Beschäftigung beim Teufel?
Geht es "schon wieder" los?
Verdächtigung um Zwielicht entstehen zu lassen?
Ich wünsche von den Medien Aufklärung, was Sache ist und wie man das als Otto-Normal-Verbraucher beurteilen kann, in allen seinen Relationen.

... müssten(!), WO und WIEVIEL sie nebenbei verdienen ... da würden sich nicht nur die "Normal-Verdiener" von Tönnies verwundert die Augen reiben... Aber kurz vor den Wahlen dann so tun, als wenn man nur an das Wohl der BürgerInnen dächte.
Ich kann mich gut erinnern, als ich nach meinem Studium schön brav meinen DAG-Beitrag zahlte ... und mir nicht vorstellen konnte, dass deren Bosse (wie die anderer Gewerkschaften auch) nicht mit unsereins im Abteil sitzen würden...

Ellen Wolff | Fr, 3. Juli 2020 - 15:25

Es sind seit Jahrzehnten und aktuell noch immer die Mehrheit der Politiker und EU Bürokraten, die dafür gesorgt haben und weiter dafür sorgen, dass viele kleinere Schlachtbetriebe schließen mussten, weil man die Auflagen so gestaltete, dass viele kleine die nicht mehr erfüllen konnten. Es war Und ist politisch gewollt und gefördert, dass Deutschland zu einem großen Fleischexporteur mutierte, koste es Umwelt, Mensch und Tier was es wolle. In diesem System sind sehr wenige megareich Geworden und viele Millionen leiden darunter. Das ist nach wie vor politisch gewollt, gerade mal wieder von den Grünen im Bundesrat unterstützt. Ja von den Grünen, wo ist da Habeck, nimmt der nicht immer den Mund ganz voll in Sachen Tierschutz und Menschenrechte? Und die Schuld an diesen unsäglichen Zuständen wirde weiter, auch von den meisten Medien befeuert auf die Verbraucher geschoben. Hier versagt die Politik auf ganzer Linie. Und hier versagen sämtliche reichweitenstarken Medien.

Frau Kathrin Göring-Eckart (10 Semester Theologie, ohne Abschluss) äußerte sich bei "hart aber fair" (ARD, Plasberg) zum Thema "Tönnies" wie folgt:

"Fleisch muss wieder näher am Herstellungsort geschlachtet werden."

Richtig Frau Göring-Eckart!

Jedoch, wie schlachtet man Fleisch?
Man schlachtet Tiere, nicht wahr?

Inkompetenz ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal der Grünen.
Das ist inzwischen scheinbar ein Partei übergreifendes Must-Have, nicht wahr?

Frei zitiert nach Theodor Fontane:
Herr Habeck von Habeck im Grünenland, eine Baerbock in seinem Garten stand...
und kam ein Jung in Pantinen daher, so schallt es: willste de Deern?

Es stehen uns sehr stürmische Zeiten bevor!

Christa Wallau | Fr, 3. Juli 2020 - 16:02

Es ist weder ein Privileg bzw. ein besonderes Kennzeicder Sozialdemokraten, der
sog."Christ"demokraten, der Freien Demokraten, der Grünen, der Linken n o c h der AfD o. anderer Parteigruppierungen, daß sich ihre Mandatsträger über Zusatzeinkommen zu ihren Diäten (Aufsichtsratsposten u. ä.) die Taschen vollstopfen. In allen Parteien gibt es solche, die dies ziemlich schamlos tun u. andere, die sich mit ihrem Abgeordnetengehalt begnügen.

Bei den aus der Politik Ausgeschiedenen sieht es
ähnlich aus: Manche steigen ausgerechnet bei den Firmen oder Institutionen ein, die sie vorher noch heftig kritisiert haben, andere suchen sich neutralere Betätigungsfelder und einigen wenigen
reicht sogar die Versorgung, die ihnen als langjährige Abgeordnete zusteht.

Das weiß alle Welt seit langem, und niemand stört sich wirklich daran. Die Empörung kocht immer nur einmal kurz auf, wenn ein Politiker von Rechercheuren ins Rampenlicht gezerrt u. vorgeführt wird. Danach bleibt alles beim alten.

Nur eine kleine Anmerkung: Herr Gabiel hatte kein Mandat mehr er ist schon länger Privatmensch. Während viele amtierende Mandatsträger also vom Steuerbürger finanzierte Abgeordnete ziemlich gut bezahlte Nebenjobs haben, führend in dieser Disziplin sind CDU/CSU Abgeordente, das ist der eigentliche Skandal.

Klaus Funke | Fr, 3. Juli 2020 - 17:26

Öffentlich predigt er Wasser, heimlich trinkt er Wein, der Herr Ex-Minister, Ex-SPD-Chef und Dauerratgeber auf allen Kanälen des ÖR. Wenn einer ständig bei so einer Doppelmoral erwischt wird, sollte er sich ins Privatleben zurückziehen. Aber bei der SPD wie bei allen anderen politischen Amtsträgern gilt: Frechheit siegt! Kein Wunder, wenn das Vertrauen in die Politik sich im Sinkflug befindet. In dieem Sinne bezahle ich meinen nächsten Strafzettel.

Klaus Peitzmeier | Fr, 3. Juli 2020 - 18:39

Korrumpierbarkeit ist menschlich. Allein die Portion zwischen sich hinziehen lassen u selbst hinsinken in den Sumpf der Korruptheit macht den Unterschied.
In dem Ort wo ich aufwuchs, war die SPD fest im Sattel. Schulhausmeister, Schulleiter, Leiter öffentlicher Betriebe, Sparkassendirektor konnte man nur mit SPD Segen werden. Im Nachbarkreis war es mit CDU Mehrheit nicht anders. Man kann den politischen Einsatz als Art Ausbildungszeit betrachten, bis man den Absprung schafft. Mit etwas Geduld, Glück aber auch Fleiß u der richtigen Parteizugehörigkeit zum richtigen Zeitpunkt, kann es jeder schaffen. Anfällig sind wir alle. Schließlich gibt es Beispiele dafür in allen Parteien. Gut ist nur, daß hier noch Pressefreiheit gilt u die groben Auswüchse ohne große Repressalien thematisiert werden können. Tönnies verteufeln u Billigfleisch kaufen, Redlichkeit fordern u den Schwarzarbeiter schon im Hause haben. Es reduziert sich alles auf Scheinheiligkeit, Neid u Geldgier.

"Geldgeilheit" ist nicht jedermanns Charakter! Mir sind inzwischen Leute zuwider (nicht Sie gemeint!), die ein 5-, 6-stelliges Guthaben besitzen (von Immobilien garnicht zu reden) und jammern, wie schlecht es ihnen geht.
Warum fällt mir da wieder eine Begebenheit von früher ein: Es war so Anfang der 80er, als die Bauern jammerten (meist auf niedrigerem Niveau natürlich), sie hätten seit 10 Jahren keine reale Erhöhung ihres Einkommens mehr ... sagte seinerzeit zu meiner Frau: Wenn Arbeiter dies hätten, wären die schon nicht mehr in der Lage, Essen und Miete zu bezahlen.

„Tönnies verteufeln u Billigfleisch kaufen, Redlichkeit fordern u den Schwarzarbeiter schon im Hause haben.“ Woher wollen Sie wissen, das es so ist? Vielleicht kaufen jene, die Tönnies verteufeln kein Billigfleisch, und vielleicht haben nicht alle einen Schwarzarbeiter zuhause, die Redlichkeit fordern? Aber in der Tat, Macht korrumpiert sehr viele Menschen , und viel Macht korrumpiert noch viel mehr, und umso länger jemand viel Macht hat, umso größer die Gefahr der Korrumpierbarkeit. Daher wäre größtmögliche Transparenz wichtig. Aber da gibt es ja zum Glück den Datenschutz, der viel zu häufig die falschen schützt.

Sg Frau Wolff, wenn annähernd 100 % der Bevölkerung Tönnies verteufelt und 2 % Biofleisch gekauft wird, wer isst denn dann die 98 % Fleisch aus Massentierhaltung?
Diese Scheinheiligkeit ist doch unglaublich.

Peter Schulmeister | So, 5. Juli 2020 - 10:19

In reply to by Fritz Elvers

Die SPD-Gruppierung ist natürlich längst nicht mehr aus einem Guss,so wie zu Zeiten als sie eine stolze Partei gewesen ist.Lange her.Das,was hier ruchbar wurde,ist nur die Spitze des Eisberges.Bräsig sitzt die Gruppierung nun schon gefühlt 20 Jahre ununterbrochen in der Regierung.Dort gibt es die echten Fleischtöpfe.Nächstes Jahr ist dann endgültig Feierabend mit diesem Verein.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 4. Juli 2020 - 09:09

Ein aus meiner Sicht fairer und ausgewogener Artikel, der gleich mehrere Sichtweisen beleuchtet. Dass die SPD-Führung nun gegen Herr Gabriel keilt ist doch verständlich, moralisch verklärt und letztlich unehrlich. Er nimmt bei seinem täglichen Videointerviews gemeinsam mit Bosbach in BILD auch kein Blatt vor den Mund, wenn er zur SPD etwas zu sagen hat. Hier lenkt die SPD doch vom eigentlich Problem ab. Wer mit dem Finger auf andere zeigt, auf den zeigen drei andere zurück.
Und da ich auch Fairness gegenüber den Jahreszeiten pflege, stimmte ich in diesem Fall sogar dem Frühling zu. Das kommt selten vor, aber heute ist mal so ein Tag.
Allen ein schönes Wochenende.

Andreas Müller | Sa, 4. Juli 2020 - 09:58

Die Bezeichnung "Berater" ist im Fall Gabriel zu hoch gegriffen.
S.G. kann überhaupt niemanden beraten denn er hat selbst keinerlei berufliche Erfahrung. Auch als augebildeter Lehrer war er arbeitslos.
Karriere konnte er nur durch die Politik machen weil er im Landkreis Goslar und und dann in Niedersachsen, seinen SPD-Genossen rethorisch überlegen war. Über Fachwissen oder gar eine bestimmte Überzeugung hat er nie verfügt.
Alles was er zur Umwelt-,Wirtschafts-oder Aussenpolitik sagt, hat er erst im jeweiligen Ministerium gelernt.Das Gleiche findet man in allen Parteien und genau das ist ein Grundproblem unser Demokratie.
Andreas Müller Hamburg

Christa Wallau | Sa, 4. Juli 2020 - 18:28

In reply to by Andreas Müller

...unserer parlamentarischen Demokratie besteht darin, daß die sog. Volksvertreter
zum größten Teil Menschen sind, die es bisher in keinem einzigen anderen Berufsfeld
zu etwas gebracht, also im Grunde k e i n e Ahnung (Erfahrung) von irgendetwas haben. Wen wollen die also außerhalb der Politik b e r a t e n? Das ist lachhaft. Sie
können nur Lobbyarbeit (Nähe zur Korruption!) leisten.
In den letzten Jahrzehnten gibt es fast nur noch Negativauslese bei den Kandidaten für Bundestags- und Landtagsmandate. Ich konnte dies auch bei der AfD, deren Aufbau ich hautnah verfolgt habe, beobachten: Diejenigen drängen als Kandidaten in die Führungspositionen, die in ihrem bisherigen Leben fast nichts erreicht haben: Studienabbrecher,gescheiterte Selbständige, arbeitslose Juristen, privat Gestrauchelte ...
Die besten, vernünftigsten Parteimitglieder haben keine Zeit (weil beruflich voll engagiert), sich für Posten zur Verfügung zu stellen, also gelangen die weniger Geeigneten in die Parlamente.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 5. Juli 2020 - 20:14

Der Artikel ist sehr gut geschrieben.