Tierwohl, Tönnies und mehr Transparenz - „Klöckner ist eine Verteidigerin des alten Systems“

Nach Corona, schlechten Arbeitsbedingungen und Billigfleisch bei Tönnies will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) unter anderem eine Tierwohl-Abgabe einführen. Tatsächlich hätten die meisten Pläne nichts Gutes, weder für die Bauern noch die Tiere, kritisiert ihre grüne Vorgängerin im Amt, Renate Künast, im Cicero-Interview.

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Quarantäne in NRW wegen Corona bei Tönnies / dpa

Autoreninfo

Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online und bei der Stiftung Warentest. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Bastian Brauns

Renate Künast war grüne Bundeslandwirtschaftsministerin im rot-grünen Kabinett von Gerhard Schröder. Sie war langjährige Vorsitzende der Grünen und ist Mitglied des Deutschen Bundestages.

Frau Künast, vor 20 Jahren haben Sie als Landwirtschaftsministerin nach BSE- und Dioxin-Skandalen eine ökologische Agrarwende eingeleitet. Wegen Corona-Ausbrüchen in Schlachtbetrieben diskutiert die Politik nun wieder über Arbeitsbedingungen, Tierschutz und Fleischkonsum. Braucht es erst Krisen wie Corona, um Veränderungen zu erwirken?
Es braucht vor allem Entschlossenheit. Wenn ich heute meine alten Reden ansehe, bekomme ich wieder ein Gefühl dafür, wie viele damals doch sagten: Ach, wie lächerlich, das muss ja nicht. Ob es nun um Artenvielfalt, gesunde Böden, Wetterextreme oder die Wirkung von Chemie ging. Und auch heute sind die Kräfte, die das alte System, die alte Art, Geld zu verdienen, am liebsten beibehalten wollen. Dabei geht es bei Gütern wie Boden, Wasser, Luft und Klima ums Gemeinwohl. Man muss die Dinge zusammendenken, denn sie wirken zusammen.

Die heutige Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner will nun ernst machen. Eine Tierwohl-Abgabe von 40 Cent pro Kilo Fleisch soll eine Transformation der Tierhaltung mitfinanzieren.
Ich bin erstmal froh, dass überhaupt etwas vorangeht. Grund zum Jubeln ist das aber nicht. Bevor das bei Tönnies wegen Corona so eskalierte, gab es noch Zoff bei den Gesprächen zwischen SPD und CDU/CSU. Irgendwann hat man die Ministerin dann aufgefordert, Empfehlungen der Borchert-Kommission für mehr Tier- und Umweltschutz umzusetzen. Erst dann hat die Ministerin sich dazu bereit erklärt.

Da könnten Sie doch mal ein Lob aussprechen und sagen, besser spät als nie.
Ja, aber warum soll ich Sie jetzt dafür loben? Wir sagen, es ist schön, dass es die Borchert-Empfehlungen gibt. Aber das ist bei weitem nicht das, was möglich und dringend nötig ist. Die Ministerin hat sich eben nur einige wenige Aspekte herausgegriffen. Deshalb bringen wir heute auch unseren eigenen Antrag ins Plenum ein.

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Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner / dpa

Ist Ihnen die Ministerin zu sehr Bauernpräsidentin?
Nein, dann würde man ja annehmen, dass sie sich für das Wohl der Landwirte einsetzt. Ihre Vorschläge haben aber nichts Gutes für das Bauerntum. Klöckner ist eine Verteidigerin des alten Systems. Schon als Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz hatte sie im Grunde immer gesagt, die bisherigen Strukturen seien doch gut. Natürlich könne man hie und da ein bisschen was verbessern. Aber sie war nie inspiriert. Das gehört auch zur notwendigen Entschlossenheit. Wir Grüne haben damals etwa an neue Einnahmequellen für die Landwirte gedacht. Die Solarzellen auf Stalldächern kamen ja nicht einfach so. Landwirtschaft hat grundsätzliche Probleme, da reicht es nicht zu sagen: Hie und da eine kleine Reform, aber das alte System ist gut.

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Renate Künast im Bundestag / dpa

Immerhin ernährt uns dieses alte System.
Die großen Agrarverbände, auch der Deutsche Bauernverband, halten bis heute an der Export-Idee fest: Sie wollen möglichst groß und möglichst effizient sein. Die FPD und die Union sagen, lieber nicht zu viel regeln. Aber wir merken eben jetzt, dass auch andere Kriterien wie etwa ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, ausgelaugte Böden oder die Nitrat-Bodenbelastung zur Gesamtrechnung gehören. Die Kosten dafür zahlen alle, übrigens auch die Vegetarier und Veganer. Ein toter Boden bleibt ein toter Boden, auch wenn Sie ihn vielleicht noch ein Jahr mit Chemie pimpen können. Das Problem sind ja nicht die Bauern. Aber eine global agierende Industriestruktur berät die Landwirte seit Jahren eben in diese Richtung, ob sie nun Bayer-Monsanto, Syngenta oder ChemChina heißen. Mit der Digitalisierung bekommen diese Firmen eine noch größere Macht, weil sie Daten erheben können, von denen der Staat nur träumen kann. Im Namen von angeblich größerer Effizienz kommt es zu noch größerer Intransparenz, zu weiterem Raubbau und Belastung der Natur. Das wird uns auf Dauer nicht ernähren.

Auch wenn alles mit allem zusammenhängt, können sie nicht alles auf einmal lösen.
Das stimmt, aber man darf auch nicht verharren und am Alten festhalten. Man muss Krisen nutzen und sich auf  wesentliche Weichenstellungen fokussieren. Ich habe mich damals auf EU-Ebene mit Dänemark zusammengetan und mich für den Ökolandbau eingesetzt. Das gab ohne Ende Kampagnen gegen mich, immer mit der Behauptung, ich würde jetzt die Bauernfamilien schlecht reden. Ein kommunikativer Trick: Menschen als Opfer hinzustellen, die ich gar nicht kritisiert habe. Trotzdem kam das Biosiegel und es hat uns nicht geschadet, im Gegenteil. Nun will auch die EU-Kommission 25 % Ökolandbau.

Was würden Sie anders machen als die Große Koalition?
Zuallererst wollen wir, dass aus dem freiwilligen Tierwohl-Label ein verpflichtendes Tierschutz-System wird. Ein Kunde, der wissen will, woher sein Fleisch kommt und wie das Tier gelebt hat, braucht verlässliche, verpflichtende, staatlich festgelegte Mindeststandards. Sonst sind diejenigen Landwirte und Produzenten, die sich um Tierschutz kümmern, immer die Dummen. Wer seine Sauen auch auf die Wiese lässt, der sollte auch mit Wiese auf der Packung werben dürfen. Wer seine Tiere nur in beengten Ställen darben lässt, sollte das nicht dürfen. Deshalb fordern wir auch, dass irreführende Werbung und Produktaufmachungen, die eine kleinbäuerliche und artgerechte Haltung vorgaukeln, verboten werden. Was drauf steht, muss eben wirklich drin sein.

Von weniger idyllischen Verpackungen verschwindet aber wohl noch keine Massentierhaltung. Sie wollen eine Reduktion der Tierbestände erreichen. Sollte es nicht die freie Entscheidung der Landwirte sein, so viele Tier zu halten wie sie wollen?
Sie haben in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen Landkreise, da gibt es mehr Tiere als Menschen. Wir wissen nicht, wohin mit der Gülle. Wir haben ein Ammoniak- und ein CO2-Problem. Die Landwirtschaft und ganz speziell im Bereich der Tierhaltung muss auch ihren Beitrag gegen die Klimakrise leisten. Natürlich haben wir eine freie Wirtschaft. Aber wir behandeln bei Autos die Benziner ja auch anders als die Dieselautos, die Elektro- oder Wasserstoff-Autos. Die Frage ist nicht: Darf der Staat regulieren? Sondern: Darf der Staat nicht regulieren? Eben weil sonst Schäden entstehen, die wir alle wieder bezahlen müssen, wie etwa durch höhere Wasserpreise oder am Ende damit, dass wir hier irgendwann nichts mehr anbauen können.

Wie die Ministerin fordern die Grünen eine Tierwohl-Abgabe von 4 Cent pro 100 Gramm Fleisch. Frau Klöckner erhofft sich davon auch eine Änderung des Konsumverhaltens. Wie realistisch ist das?
Ein paar Cent mehr ändern kein Konsumverhalten. Aber ich erzähle ja wirklich nichts Neues, wenn in jedem Ernährungsberater steht, dass zu viel Fleisch ungesund ist. Probleme wie Rheuma, Gicht, Arthrose oder Übergewicht haben eben auch Ernährungsursachen, und immer mehr Menschen wissen darum und ernähren sich schon jetzt weniger fleischlastig. Eine Verbraucherabgabe auf Fleisch müsste natürlich sozialpolitisch flankiert werden, indem der Mindestlohn und die ALG-II-Sätze erhöht werden. Die in der Tat sehr wichtige Nachfrageseite könnte aber sehr wohl auch noch anders gesteuert werden und auch da vermissen wir Ideen der Regierung.

Was stellen Sie sich vor?
Wir müssen im Bund und in den Ländern anfangen, die Kantinen in Kindergärten, Schulen, Universitäten und Altersheimen umzustellen. Natürlich nicht per ordre mufti von oben. Aber man könnte zum Beispiel die Vergabekriterien verändern und dies unterstützen. Mehr Bio auf dem Speiseplan heißt auch weniger Fleisch von der Menge her. Das ist gesünder, und davon profitieren alle. Wir müssen mit allem sehr viel schneller sein, als die Regierung es derzeit plant. Städte wie Bremen und Berlin haben sich längst auf den Weg gemacht. Wir brauchen zudem ein unabhängiges Monitoring, denn ein 0,25 Quadratmeter mehr Platz für eine Sau von 110 Kilo sind noch kein Tierschutz, die Wirkung der Tierhaltung muss überwacht werden. Daraus werden dann sicher höhere Anforderungen werden.

In ihrem Antrag fordern die Grünen außerdem ein Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen. Soll so, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Dieselfahrverbote erwirkt, Peta Stallschließungen erzwingen?
Ja, wir stellen uns vor wie im Umweltbereich eine Liste von Verbänden zu erstellen, die sich im Kern mit Tierschutz und Tierhaltung beschäftigen. Am Ende könnte vielleicht sogar der Schweinehalter-Verband dazugehören. Auch die beschäftigen sich ja mit Initiativen, die deutlich über das hinausgehen, was die CDU jemals wollte. Ist so.

Aber wie wollen Sie mit all diesen Regeln, die Kosten verursachen werden, verhindern, dass die Betriebe ins Ausland abwandern, solange sie keine EU-weite Lösung haben?
Man muss vorangehen. Die Eier-Kennzeichnung haben wir in Deutschland zuerst gemacht. Die Kampagne für ein Biosiegel und ein sehr umfassendes Programm für den Umbau der Landwirtschaft mit Forschungsgeldern und Projektförderung haben wir damals auf den Weg gebracht. Andere sind gefolgt. Wir müssen natürlich zeitgleich anfangen, europaweit einheitliche Regelungen anzuschieben. Und wegen der hohen Investitionskosten sind das oftmals nur Drohgebärden. Wir sollten mit einem verpflichtenden Herkunftskennzeichen antworten.

Noch so ein Riesenthema für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft?
Man braucht für Entschlossenheit keine EU-Ratspräsidentschaft. Sie müssen jederzeit andere Mitgliedsstaaten suchen, die mitmachen und EU–Initiativen ergreifen, das geht immer. Wenn man will, dass eine Geschichte anfängt, dann aber nur wartet, dass alle Ja sagen, dann hat man den Mechanismus der EU nicht verstanden. Man muss selber anfangen, Wege und Methoden vorstellen, die zeigen, dass man damit Geld verdienen, aber gleichzeitig Klima, Arten, Boden und Wasser schützen kann.

Die Fragen stelte Bastian Brauns, Ressortleiter Wirtschaft

Helmut Bachmann | Fr, 3. Juli 2020 - 08:18

man muss, wir sollten, müssen, müssen, sollten, dürfen. Wes Geistes Kind hier wohl spricht?

Ulrich Mende | Fr, 3. Juli 2020 - 15:37

In reply to by Helmut Bachmann

Die im Bundestag sagte:"Die Antifa braucht endlich eine verlässliche Finanzierung". Womit sie "vom Staat" meinte.

Joachim Kopic | Fr, 3. Juli 2020 - 08:21

... wie mit dem Rauchen: Irgendwann merkt man, dass etwas für sich persönlich "falsch" ist und man beendet es.
Bei mir waren es meine Kinder, die mir das Leid der Tiere vor Augen führten. Inzwischen ist das über 10 Jahre her und ich vermisse kein Fleisch.
Halt, wenn ich ehrlich bin: Ab & zu noch ein Fischgericht, aber auch da habe ich mich aufgrund o.g. Tatsachen entschieden, dass zukünftig auch hier kein Tier mehr für mich persönlich leiden muss.
Und geschadet hat mir das Ganze nicht: Bin knapp 68 und laufe immer noch HM-Strecken.
Nochmals: Jeder soll das Thema "Fleisch" für sich persönlich entscheiden - "grünes Geschrei" wäre der falsche Weg!

Lieber Herr Kopic, auch wir essen aus diesem Grunde kein Fleisch. Ich glaube auch, das niemand guten Gewissens Fleisch essen kann der um die schlimmen Umstände dieser Lebewesen weiß. Was nützt ein Label, wenn man es dem Fleisch- und Wurstwaren beim Metzger nicht mehr ansehen kann? Was nützt es diesem Tier, welches eben unter "Billigfleisch" aufwachsen muss? Also müssen wir die Lebensbedingungen für alle diese Tiere verbessern. Egal was es kostet!

Brigitte Miller | Fr, 3. Juli 2020 - 09:10

sagt alles. Intelligente Tiere so zu halten ist ein Verbrechen. Die Grossverteiler müssen ihre Margen senken ( jedenfalls in der CH ) und Kunde muss bereit sein, mehr zu bezahlen. ein bis zweimal weniger Fleisch kaufen und man hat das wieder drin.

gabriele bondzio | Fr, 3. Juli 2020 - 09:13

Masse ist nie Klasse! Wenn man mehrere Aspekte betrachtet. In mir rumort es immer, wenn ich zu tausenden – eingepferchte Tiere in einem Stall sehe, welche sich blutig scheuern und kratzen. Bzw. Massentransporte von A nach B, über tausende Kilometer in sengender Hitze oder klirrender Kälte.
Ein anderer Aspekt ist das Überleben der Landwirte. Sie müssen in der Lage sein von ihrer Arbeit leben zu können. Ohne immer mehr und mehr Tiere einzustellen. Das bringt eher einen weiteren Preisverfall der Produkte. Viele haben ja schon ein zweites Standbein in den landwirtschaftlichen Betrieb integriert. Natürlich ist der Preis ein Steuerinstrument. Ich sehe da in der Direktvermarktung Spielraum. Denn bevor das Fleisch in der Pfanne landet, wollen viele Zwischenhändler mitverdienen.
Und mal ehrlich, wenn Sie ein Stück Schnäppchen- Fleisch in die Pfanne legen, von dem 1-2/3 verdampfen. Haben Sie keineswegs gespart.

Christa Wallau | Fr, 3. Juli 2020 - 09:22

waren die ersten, die man unter der Regierung Adenauer der Idee eines gemeinsamen Europas opferte. Bereits Ende der 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden die Weichen für die Mißstände in der Landwirtschaftspolitik gestellt, wie sie sich bis heute zum immer Negativeren hin entwickelt hat. Freie Bauern wurden zu Marionetten einer von vornherein falschen europäischen Agrarpolitik - subventionierte Befehlsempfänger.
Inzwischen wurde natürlich noch viel mehr dem Moloch "EU" zum Fraße hingeworfen, vor allem unsere Finanzhoheit, d. h. faktisch unsere Selbstbestimmung.
Ohne eine Rückkehr zur Unabhängigkeit von Brüssel werden wir in Deutschland n i e mehr eine
in sich ausgewogene Agrarpolitik bekommen, ebenso wenig wie eine allgemein vernünftigere Politik.
Die Briten sind in letzter Minute abgesprungen vom Zug, der in der EU immer nur eine Richtung vorgibt: Gewinnmaximierung für Großunternehmer u. Bevomundung der Bürger. Gesteuert wird der ganze Zug letztlich von Lobbyisten.

Ist mir gar nicht aufgefallen, dass die in dem Beitrag thematisiert wurde. Ich dachte, es ginge vorranging um Landwirtschaft und damit zusammenhängende Aspekte.

Na gut: Hier versucht jemand, die in der Tat kritikwürdige EU-Agrarpolitik - die ja alle Landwirte in allen EU-Staaten berührt (und nicht ausschliesslich die deutschen) zu nutzen, um gleich noch der EU-Finanzpolitik (die übrigens ganz anders funktioniert), nein das politische Europa überhaupt auf die Anklagebank zu setzen.

"Schräg" auch die Argumente: Grossbritannien ist sicher nicht abgesprungen, weil es die Gewinnmaximierung der Unternehmen kritisiert. Oder sollten sich ausgerechnet die wirtschaftsfreundlichen Tories zu Anti-Kapitalisten weiterentwickelt haben?

Die Agrarpolitik der EU hatte durchaus hehre Ziele: Die Versorgung der Europäermit preisgünstigen landwirtschaftlichen Produkten. Im Ergebnis gab es Subventionen, "Butterberge" oder "Milchseen". Fairerweise muss man sagen, dass vieles davon Vergangenheit ist.

Augen auf - nicht nur - im Straßenverkehr: wer nur ein linkes Augen hat, sieht nur sehr eingeschränkt und wer nur ein linkes Beine hat, kann nur humpeln und fliegt recht bals auf die Schn....e!
Herr Lenz, ich wünsche ihnen, dass sier endlich aufwachen!
Die Wahrheit ergreift keine Partei, sondern nur die Menschen.
"Nicht Gott ist relativ und nicht das Sein, sondern unser Denken." (Albert Einstein)

Sowohl Ihnen Frau Wallau mit Ihrer treffenden Analyse,als auch Frau Künast, mit ihrer jahrelangen Forderung, das gegenwärtige landwirtschaftliche System umzukrempeln.
Dabei ist es aber nicht das "alte System", das Sorgen bereitet. Das alte System , so wie es jahrhunderte praktiziert wurde, war Selbstversorgung und Handel im begrenzten regionalen Rahmen. Insofern bin ich ein starker Verfechter des alten Systems mit Höfen die sich vom Zwang zur Spezialisierung wieder lösen und ein ganzheitliches Gefüge bilden. Schweinebauern mit tausenden Tieren, automatisiert von Geisterhand gefüttert und schreckhaft, da sie kaum ein menschliches Wesen zu Gesicht bekommen nur damit man den chinesischen Markt bedienen kann, ist noch nie das "alte System" gewesen. Das alte System war bäuerliche, nicht industrielle Landwirtschaft, Also guten Gewissens zurück zum alten System, ohne Soja sondern Futtermitteln aus der Nähe, wo neben eigenen Anbau alles verwertet wurde, was irgendwo an Resten verwertbar war

Joachim Brunner | Fr, 3. Juli 2020 - 10:44

Ist es nicht eher so daß diese "ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse" gerade durch die moderne Landwirtschaft weitgehend beseitigt wurden? Wie hat denn das Leben auf vielen Höfen noch bis in die 50er Jahre ausgesehen? Da haben sich eben gerade durch das nun angeblich abzuschaffende "System" die Lebensverhältnisse drastisch verbessert. Die Bedrohung für einen heutigen Landwirt , so meine ich kommt doch gerade von solchen überzogenen Forderungen und Kampagnen wie sie von den Grünen und PETA betrieben werden.
Es ist ein Fakt das heute eine Weltbevölkerung von mehr als 7 Milliarden Menschen besser ernährt wird als je zu vor, das ist das Ergebnis des angeblich so schlimmen "alten Systems".
Mit 100% Bio übrigens in keinster Weise möglich!
Erstaunlich daß sich der Wähler solchen Unfug wie von Frau Künast immer noch verabreichen lässt!

wo sehen Sie denn "ausbeuterische Arbeitsverhältnisse" in der Landwirtschaft der Fünfziger? Die meisten Höfe waren Familienbetriebe, oft als Nebenerwerb; für Angestellte, die man hätte ausbeuten können, war in der Regel die Größe gar nicht da. Allerdings warenn die Arbeitbedingungen hart.
Die Bedrohung für den heutigen Landwirt kommt von EU-Richtlinien, die Großbetriebe einseitig bevorzugt, und davon, dass die Preisgestaltung nicht stimmt. Genau das wäre das Aufgabenfeld von Klöckner, bei der man bis nur das Wirken einer intensiven Lobbyarbeit sehen kann.
Wer offenen Auges an landwirtschaftlich genutzten Flächen vorbeigeht, sieht die Verschwendung guter Böden durch Verdichtung mittels schwerer Maschinen, Überdüngung und Verseuchung mit Insektiziden. Da lebt in ehemals wunderbaren Landschaften nichts mehr. Muss man sich mal bewusst anschauen.
Dass man BIO die Menschheit mit modernen Methoden nicht ernähren kann, halte ich für ein propagandistisches "Argument" . Von wem wohl?

den Regenwald, Nutzvieh, die Menschheit. Wir schaffen das. Für die Solarzellen auf den Ställen werde ich Künast, Trittin und Co ewig dankbar sein, bescheren uns u.A. diese dauerhaft steigende Stromkosten. Es gab mal einen deutschen Staat nach 1945, da wurde auch alles geregelt, bis er pleite war. Nitratbelastung der Böden wird in De genauso sinnvoll gemessen wie die Schadstoffbelastung der Luft am Neckartor. Was uns auf Dauer definitiv NICHT ernähren wird, ist Biolandbau bei extrem steigenden Bevölkerungszahlen. Selbst im „reichen“ De gibt es Menschen, die zuerst wissen wollen, was das Fleisch kostet, nicht wie und wo das Tier gelebt hat. Bei monatl. über 10.000€, die man genau diesen Menschen abpresst, lässt sich leicht über solche esoterischen Fragen sinnieren. Wir müssen!-das Problem der Grünen, denn damit meinen sie immer die anderen. Frau K. ist eine typische Vertreterin der Bevormundungspartei. Wer oder was auch immer es kann, schütze uns vor einer Regierung durch sie.

Frau Künast hat doch in der Problemlage recht. Konzeptionelle Kompetenz ist gefragt. Da hapert es in einigen Ministerien gewaltig. Die ziehen sich gewissenmaßen auf´s Fragment zurück.

Und ich, als Verbraucher, würde die Bauern unterstützen, wenn sie den Wandel zu ihrer Sache machen.

weil meist nur die großen von den Subventionen profitieren und die kleinen nicht mithalten konnten. Viele kleine Metzger mussten dicht machen, weil sie selbst nicht mehr schlachten durften und von Billiganbietern (Supermärkten) an die Wand gedrückt wurden. Die vergleichsweise wenigen Billiganbieter und Großmastbetriebe teilen sich den Kuchen jetzt unter sich auf und scheffeln Unglaublich viel Kohle In wenige Taschen. Den Preis zahlen die Tiere und die Billiglöhner. Und gerade sind die Grünen im Bundesrat dabei, diese unsägliche Haltung der Schweine in den Mastbetrieben für weiter Jahrzehnte festzuschreiben. Hier versagt die Politik seit Jahrzehnten. Es wäre mal sehr interessant zu recherchieren, welche Politiker im Umfeld dieser Industrie durch Beraterverträge usw. gut verdienen.

Modern gegen alt: Alt ist überholt, altmodisch ist, was sich am Alten festklammert?
Neu: das ist das Moderne, das Beflügelnde, das nicht Abgeschabte & Unbefleckte …
Religion ist alt und überholt - suggerierte der Kommunismus in der untergegangenen DDR und in der untergegangenen großen Sowjetunion. Die altmodisch-überholte Religion ging allerdings nicht unter und lebt immer noch!
Wer alt gegen neu ausspielt, sitzt meist auf dem falschen Dampfer, welcher immer nur nach links steuert und deshalb dazu verurteilt ist, ständig im Kreis zu fahren!
Die Sprache verrät immer den Urheber des Diktats!

Wolfgang Tröbner | Fr, 3. Juli 2020 - 12:41

Bei aller berechtigten Kritik an der Massentierhaltung, dieses Interview ist ziemlich entlarvend. Künast kritisiert und teilt aus wie eh und jeh. Aber das kennt man schon von ihr. Und man ahnt oder weiss, was sie eigentlich will: Den Fleischkonsum nach Möglichkeit gen Null senken. Und damit die Tierhaltung verunmöglichen. Sie gibt keinerlei Anhaltspunkte, wie die Landwirtschaft so entwickelt werden könnte, dass auch die Bauern gut von ihrer Arbeit leben könnten. Und sie sagt auch nicht, wie der Hunger der Welt gestillt werden könnte. Dazu gehört auch der Verzehr von Tierprodukten.

Günter Johannsen | Fr, 3. Juli 2020 - 14:17

Das geht wohl gar nicht - oder doch: Zum Sinnbild grüner Doppelmoral avancierte im Netz die Gute-Laune-Schleuder der bayrischen Grünen mit einem Urlaubsfoto aus den USA - Wegwerf-Eisbecher mit Einweglöffel in der Hand … viel Kerosin verbrannt für einen Wochenend-Trip – aber Geld spielt ja für Landtags-Mandatsträger keine Rolle … Umwelt und Klimaschutz offensichtlich auch nicht … ? Der Wegweiser zeigt ja auch nur den Weg, aber er geht ihn nicht mit!
Zu Hause will man dem Autofahrer die Einkaufsfahrt zum Lidl-Markt verbieten, aber man selbst fliegt übers Wochenende mal so eben um den halben Erdball. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!
Oder auch wenn ein ehemaliger Grünen-Politiker jetzt bei´m Chemiekonzern Bayer als Lobbyist für Glyphosat in Lohn und Brot steht. Der führt jetzt mit Bertold Brechts Lebensweisheit seine private Haltung vor: „erstens kommt das Fressen, dann kommt die Moral!“

Manfred Sonntag | Fr, 3. Juli 2020 - 16:01

Die Vorschläge von Frau Künast kann man zustimmen oder ablehnen. Für das Tierwohl würde sich wahrscheinlich einiges zum Positiven ändern. Der entscheidende Satz ist aber: "Ja, wir stellen uns vor wie im Umweltbereich eine Liste von Verbänden zu erstellen, die sich im Kern mit Tierschutz und Tierhaltung beschäftigen."! Das ist eine Absichtserklärung zur Demontage und Zerstörung der Demokratie. NGO's aller Schattierungen unter dem Patronat der Grünen haben schon an vielen Stellen Staatsaufgaben übernommen und drangsalieren unsere Repräsentanten in den Parlamenten. Frau Künast möchte nun die eine Sorte Lobbyisten durch eine andere Sorte ersetzen! Lobbyisten und NGO's können schalten und walten nach eigener Fasson, sie sind niemandem in den Parlamenten rechenschaftspflichtig. Mit dieser Zielstellung wird die despotische Grundeinstellung von Frau Künast sehr deutlich.
PS: Ich wünsche allen Cicero Redakteuren und Teilnehmern des Forums ein "Schönes Wochenende". MfG M. Sonntag

Ulrich Sprenger | Fr, 3. Juli 2020 - 17:19

Frau Künast wiederholt sicher zum zigsten Mal Ihre bekannten Positionen zur Landwirtschaft und hebt ab auf ihre "ideologiesierte Bauernhof Vorstellung", die es seit 3 Jahrzehntennicht mehr gibt. Landwirte wurden vom Markt (LEH und den Verbrauchern!) veranlasst (gezwungen?) immer günstiger zur produzieren, wollten sie noch eine Absatzchance haben. Wenn die Nutztierhaltung in Deutschland in der aktuellen Form nicht mehr gewünscht ist, hilft kein Förderprogramm und auch keine Borchert Kommission, dann hilt nur mit Ordnungsrecht für "Wohlfühlställe" zu sorgen. Die Landwirte, die dem nicht entsprechen können, oder wollen müssen schlicht aussteigen - dann gibt es weniger Schweine, weniger Gülle und weniger Sojaimporte. Nebenbei würden die Preise für die verbleibenden Produzenten steigen und Tönnies könnte seinen Schlachthof nach Osteuropa verlagern....

Juliana Keppelen | Fr, 3. Juli 2020 - 17:41

ist die Traumkandiatin der Agrarlobby. Wie gewünscht, so bestellt, so bekommen. Sie steht ihren Vorgängern, vorwiegend aus der CSU in nichts nach.

Manfred Sonntag | Fr, 3. Juli 2020 - 18:23

Die Vorschläge von Frau Künast kann man zustimmen oder ablehnen. Für das Tierwohl würde sich wahrscheinlich einiges zum Positiven ändern. Der entscheidende Satz lautet aber: "Ja, wir stellen uns vor wie im Umweltbereich eine Liste von Verbänden zu erstellen, die sich im Kern mit Tierschutz und Tierhaltung beschäftigen."! Das ist eine Absichtserklärung zur Demontage der Demokratie. NGO's aller Schattierungen unter dem Patronat der Grünen versuchen schon an vielen Stellen Staatsaufgaben zu übernehmen und zu diktieren. Frau Künast möchte nun die eine Sorte Lobbyisten durch eine andere Sorte ersetzen! Lobbyisten und NGO's können schalten und walten nach eigener Fasson, sie sind niemandem in den Parlamenten rechenschaftspflichtig. Mit dieser Zielstellung wird die despotische Grundeinstellung von Frau Künast sehr deutlich.
PS: Ich wünsche allen Cicero Redakteuren und Teilnehmern des Forums ein "Schönes Wochenende". MfG M. Sonntag

Dagmar Kluth | Sa, 4. Juli 2020 - 09:06

mit Hilfe von billg produziertem Schweinefleisch Exportweltmeister bleibt, sagt viel aus über den Zustand eines Landes. Früher einmal waren es Maschinen und Anlagen in unschlagbarer Qualität. Den deutschen Verbraucher in allen Medien als Fleisch fressenden Tierquäler zu brandmarken, gehört zu dieser Geschichte, bei der Tierwohl zu keiner Zeit eine Rolle spielt. Ein Jammer, welchen Grad an Heuchelei und Verlogenheit die Politik erreicht hat.