CDU-Politiker - „Nachhaltigkeit ist nicht im Dauerbewusstsein meiner Partei“

Der CDU-Umweltpolitiker Rüdiger Kruse kritisiert die Grünen als zu dogmatisch, würde aber lieber mit ihnen koalieren als mit der SPD. Von seiner Partei fordert er Nachhaltigkeit als „kategorischen Imperativ“ für alle Gesetze. Dafür brauche es nicht weniger als einen Planungsstab im Kanzleramt

Braunkohle Tagebau
Zielkonflikte: Umweltschutz auf Kosten von Arbeitsplätzen? / picture alliance

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Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero und Cicero Online.

So erreichen Sie Bastian Brauns:

Herr Kruse, als Umweltpolitiker in der Union sieht es so aus, als könnten Sie sich derzeit mehr Gehör verschaffen als bislang. Jetzt dreht sich aber wieder alles um die SPD. Ärgert Sie das?
Ich habe Frau Nahles nicht zum Rücktritt gezwungen. Aber das Thema Nachhaltigkeit ist keine Eintagsfliege.
 
Die anhaltende Kritik an Ihrer Partei infolge des Rezo-Videos könnte man auch als nachhaltig bezeichnen. Haben Sie sich über den Youtuber eigentlich gefreut?
Ich habe mich insofern darüber gefreut, dass eine knappe Stunde reiner Text, in die Kamera gesprochen, so viele Menschen erreicht. Und das entgegen dem Klischee, alles über zweieinhalb Minuten würde sofort weggeklickt.
 
Aber Rezo kritisierte vornehmlich Ihre Partei.
Ich kann damit leben, wenn jemand „CDU-Dullis“ sagt. Ich weiß, wie das in etwa gemeint ist. Aber es hätte mich natürlich viel mehr gefreut, wenn er herausgestellt hätte, wie viele Dinge wir bereits umgesetzt haben. Aber das Leben ist kein Ponyhof. Er äußert fundamentale Kritik und damit müssen und werden wir umgehen.
 
Sie haben kein Youtube-Video gedreht, aber bereits im April dieses Jahres eine Art Weckruf an Ihre Fraktion verschickt. Darin kritisierten Sie, dass sich die Union insbesondere beim Thema Klimaschutz in einer Position der Schwäche befinde. Darum forderten Sie, Nachhaltigkeit zum “kategorischen Imperativ” für alle Politikfelder zu machen. Hört Ihre Partei lieber auf Youtuber, als auf mahnende Parteikollegen?
Die Union hat das Thema Umwelt immer wieder adressiert. Initiativen zum Waldsterben und zur Gewässerreinhaltung sprechen für sich. Die Klimakanzlerin kommt aus unseren Reihen. Aber trotzdem ist Nachhaltigkeit nicht im Dauerbewusstsein meiner Partei. Beim Thema soziale Marktwirtschaft ist uns das hingegen gelungen. Niemand in der Union will Umweltzerstörung oder Artensterben, aber wir betrachten die Felder zu vereinzelt. Es ist aber wichtig, dass gerade die Union im Sinne der Wortbedeutung die drei Bereiche Wirtschaft, Soziales und Nachhaltigkeit vereint.

Rüdiger Kruse
Rüdiger Kruse (CDU)

Das klingt so, als könnten Sie Jamaika ohne Probleme parteiintern realisieren.
Wir sind eine Volkspartei. Es ist unsere Aufgabe verschiedene Gesellschaftsströmungen zusammenzufassen. Reine Klimaschutzpolitik funktioniert gesellschaftlich nicht. Sie müssen die anderen Bereiche mitdenken. Das bedeutet keine Schwächung des Klimaschutzes, sondern ermöglicht ihn, weil dann eben alle mitziehen.
 
Bezogen auf das Erreichen der CO2-Ziele, wie nachhaltig war die plötzliche Kehrtwende der Bundeskanzlerin beim Atomausstieg nach Fukushima?
Das Erreichen der Klimaziele würde es natürlich erleichtern, wenn wir die Atomkraftwerke länger laufen lassen würden. Aber nachhaltig wäre das nicht. Die Endlagersuche gestaltet sich schon jetzt ungeheuer schwierig. Ich habe deshalb damals schon gegen die Laufzeitverlängerung gestimmt.
 
Gerade die drei von der Union geführten Ministerien für Landwirtschaft, Verkehr und Bau werden dazu beitragen müssen, die CO2-Ziele zu erreichen. Warum halten die sich nicht an den von Ihnen geforderten, nachhaltigen „kategorischen Imperativ“?
Sie müssen Julia Klöckner, Andi Scheuer und Horst Seehofer nicht davon überzeugen. Sehen Sie sich allein die Initiativen von Andi Scheuer im Verkehrsbereich an. Er kämpft aktuell gegen SPD-Scholz für die Finanzierung der Verkehrswende.
 
Wenn alles so gut aussieht, warum dann überhaupt Ihre Forderung?
Es ist gut, dass die Unionspolitiker in den einzelnen Themen in die richtige Richtung laufen. Aber ihr jeweiliges Umfeld stimmt eben in puncto Ausstattung, Tempo und Koordination noch nicht. Ich möchte, dass das Thema Nachhaltigkeit wie von mir beschrieben als eine Klammer quer zu allen Ressorts geschaffen wird. Und die Koordination dafür gehört ins Bundeskanzleramt. Ebenso wie schon die Themen Integration und Digitales. Wir befinden uns durch Globalisierung, Digitalisierung und Klimaerwärmung in einem Zeitalter von massivem Strukturwandel. Nachhaltigkeit ist also das Thema Nummer eins, und die Kanzlerin bestimmt die Richtlinien der Politik.
 
Bislang bleiben die Staatsministerinnen für Digitales und Integration aber den Beweis noch schuldig, wie sinnvoll diese Art von Struktur im Kanzleramt ist. Was macht Sie so sicher, dass ein Staatsminister oder eine Staatsministerin für Nachhaltigkeit keine symbolhafte Position ohne wirkmächtige Befugnisse ist?
Es ist entscheidend, dass wir zeigen, dass das Thema Chefsache ist. Aber natürlich müssen wir dann beweisen, dass wir damit wirksam sind. Sonst könnte man auch ein riesiges Nachhaltigkeitsministerium schaffen. Dann wären wir aber die nächsten drei Jahre damit beschäftigt, nach Räumen und Personal zu suchen und die anderen Ministerien aufzubringen. Wir müssen aber jetzt beginnen, um Klimaneutralität zu erreichen.
 
Die Bundesregierung verfügt über eine Bundesumweltministerin. Ähnlich wie dem Finanzminister, könnte man ihr doch ein Vetorecht für alle Gesetze einräumen. Warum nicht Svenja Schulze als quasi fleischgewordener kategorischer Imperativ?
Umwelt ist eben nur ein Aspekt von dreien. Der Finanzminister hat dieses Recht, weil er das Geld verteilt. Wenn wir jetzt damit anfangen, auch anderen Ressorts ein Vetorecht einzuräumen, dann endet das in einem Konkurrenzkampf zwischen allen Ministerien. Wir brauchen eine Koordinierungsfunktion eine Ebene darüber, eine Art Planungsstab.
 
Haben Sie Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer Ihre Idee schon einmal unterbreitet?
Ich habe mit beiden gesprochen. Und beide sind an dem Thema Nachhaltigkeit, anders als derzeit der Eindruck erweckt werden mag, sehr interessiert.
 
Wir leben in äußerst unsicheren großkoalitionären Zeiten. Wird die Union demnächst unter grünen Lehrmeistern in Sachen Umweltschutz für Wirtschaft und Soziales kämpfen müssen?
Die Grünen wären überhaupt keine guten Lehrmeister, weil sie viel zu dogmatisch sind. Der Europa-Wahlkampf war ein reiner Smiley-Wahlkampf, wie ihn nur eine Partei führen kann, die nicht in Regierungsverantwortung steht. Wenn ich gut situiert lebe, kann ich natürlich gut damit leben, wenn die Milch plötzlich das doppelte kostet.
 
Die Behauptung, nur elitäre, urbane Gutverdiener würden die Grünen wählen, ist kaum zu halten. Die Grünen schicken sich an, zur neuen SPD zu werden. Vielleicht wären die ja der bessere Koalitionspartner?
Es ist tatsächlich die Frage: Wie ergänzt sich das? Ich war 2013 sehr enttäuscht, dass sich die Grünen gegen eine schwarz-grüne Koalition entschieden haben und sich in ihre Teestube zurückgezogen haben.
 
Bezogen auf die derzeitigen Wahlergebnisse und Umfragen war dieser Gang in die Teestube aus machtpolitischer Perspektive aber offensichtlich die richtige Entscheidung.
Ok, das kann man so sehen. Aber es geht doch darum: Wie schnell bekommen wir dieses Land nachhaltig organisiert. Das waren wichtige Jahre, in denen man die Weichen zu einer funktionierenden Energiewende sehr viel besser hätte stellen können als mit der SPD. Es ist nicht die Aufgabe von gewählten Politikern zu schauen, was für ihre Wahlergebnisse in vier Jahren am besten ist, sondern welche Koalition jetzt gut für unser Land ist. Auch wenn die Große Koalition viel auf den Weg bringt, sie bildet gesellschaftspolitisch nicht ab, was die Mehrheit im Land will. Jamaika wäre ebenfalls schwierig geworden, aber es hätte uns sehr viel mehr nach vorne gebracht.
 
Also wünschen Sie sich ein Ende der Groko?
Ich erwarte von einer gewählten Regierung, dass sie arbeitet. Wir haben diesen Wählerauftrag und einen Koalitionsvertrag. Wir müssen den Kohleausstieg in diesem Jahr durchs Parlament bringen. Im September stehen die Haushaltsberatungen an. Ich will einen Haushalt, der den Nachhaltigkeitsprinzipien entspricht. Ja, die Situation der SPD ist schwierig, aber die Abgeordneten sind gewählt, um ihre Arbeit zu machen. Durch Neuwahlen würden wir viel Zeit verlieren.
 
Glauben Sie wirklich, dass die Groko noch starke zwei Jahre hält?
Wenn die Koalition zerbricht, schrecke ich auch nicht vor Neuwahlen zurück. Aber das ändert nichts daran, dass wir uns jetzt im Juni befinden und jetzt handeln müssen, um Deutschland nachhaltig zu machen.

Alexander Mazurek | Mi, 5. Juni 2019 - 08:12

… den Zeitgeist und treibt damit den Untergang der CDU voran, wie damals, als die "Christlichen" ihre Macht an die Braunen abgaben, heute halt an die Grünen. Der Zeitgeist weht wo er will und treibt allerlei Staub und Müll vor sich her ...

Karsten Paulsen | Mi, 5. Juni 2019 - 09:50

Wenn ich vorausschicken darf, dass die SPD einmal die Interessen der "kleinen Leute" vertreten hat, kann ich mir nicht vorstellen, daß diese Behauptung zu rechtfertigen wäre. Höhere Strom-, Sprit- und Autopreise liegen sicher nicht im Interesse der Kleinverdiener. Die Grünen sprechen vielmehr das Klientel an, die schon vor Jahren, aber viel zu früh, von Guido Westerwelle mit der Umwandlung der FDP in eine Spaßpartei erreichen wollte: Partyfeiernde Großstädter für die der Strom aus der Wand kommt.

Gisela Fimiani | Mi, 5. Juni 2019 - 11:37

Und wieder hören wir Phrasen. Das neue Schlagwort heißt „Nachhaltigkeit“ und was man darunter zu verstehen hat, bleibt der geneigten Interpretation unserer neuen politischen Kaste vorbehalten........Die Kost der politischen Ergüsse ist unverdaulich.

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist alles andere als neu. Schlagen Sie einfach nach in einem einschlägigen Handbuch oder dem Duden. Vielleicht wird Ihnen dann auch klar, dass der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen eine der zentralen Aufgaben ist, wenn man Migration vor allem aus Afrika begrenzen will.

gabriele bondzio | Mi, 5. Juni 2019 - 17:50

In reply to by Kai Hügle

da gebe ich ihnen recht. Aber in unserer Konsum-Spaßgesellschaft doch überhaupt nicht gewollt. Da fliegt alles auf den Müll und wenn nur eine Schraube fehlt oder es nicht dem allerneusten Trend entspricht. Ich wette, dass gerade die, welche Grün wählen, meist gut betucht sind, diesen Trend am meisten huldigen.

Gisela Fimiani | Mi, 5. Juni 2019 - 20:57

In reply to by Kai Hügle

Genau lesen, Herr Hügle. Ich sprach nicht von dem Begriff der „Nachhaltigkeit“, sondern vom „Schlagwort“. Das ist ein Unterschied. Wie einfach wäre doch die Welt, wenn der Duden uns alles erklären könnte.......

Ob Sie Nachhaltigkeit als Begriff oder Schlagwort verwenden, das ihm zugrunde liegende Konzept scheint Ihnen entweder nicht geläufig zu sein oder aber Sie bestreiten seine Relevanz. Anders vermag ich Ihre leicht nebulöse Äußerung über die vermeintliche Deutungshoheit einer "politischen Kaste" nicht zu interpretieren. Gerne aber lasse ich mich eines Besseren belehren.

Arnold Bäring | Mi, 5. Juni 2019 - 12:13

Leider fehlt in dem Interview der Aspekt der dauerhaften Zuwanderung. Ich gerne gewusst welche Haltung Rüdiger Krause in diesem maßgeblichen Punkt hat.

Dauerhafte Massenmigration nach Deutschland wie wir sie in den letzten Jahren erlebt haben verschärft doch die Umweltprobleme hier und löst keines der Probleme in den Herkunftsländern - im Gegenteil, dort werden Illusionen in der Bevölkerung und bei den Herrschenden geweckt dass Europa die Problem schon lösen wird.

Die Umweltproblematik nur national wahrnehmen zu wollen und den wahren Elefanten - die Bevölkerungsexplosion in Afrika – nicht sehen zu wollen ist in höchstem Masse verantwortungslos.

Gewiss, diese Unterentwicklung und diese enormen Bevölkerungzuwächse ein schwer zu lösendes Problem. Dieses aber zu ignorieren ist der falsche Weg! Durch die verfehlte Migrationspolitik wurde Dutzende Milliarden sinnlos verschleudert. Diese Mittel wären besser vor Ort eingesetzt worden um willige Länder vorwärts zu bringen!

Per L. Johansson | Mi, 5. Juni 2019 - 15:14

In reply to by Arnold Bäring

... so wie die „Soziale Gerechtigkeit“. Kann keiner was gegen sagen, aber es weiß auch keiner, was konkret gemeint ist.

Ginge es um Naturschutz, sollte man sich immer fragen, ob mit den vielen zig Milliarden, die für den Klimaschutz verpulvert werden, nicht anderweitig mehr gelänge.
Statt durch deutsche Selbstaufopferung das Weltklima in 100 Jahren vielleicht um Komma-X-Prozent zu ändern, könnte man bei uns z.B. ein Netzwerk aus Biotopen schützen bzw. renaturieren. Das würde nachweislich etwas für den Artenschutz bringen.
Aber bei den „Grünen“ haben eben inzwischen Ideologen das Sagen.
Das wird nicht mehr Abgewogen. Da gilt Klimaschutz, koste es uns alle was es wolle.

Und wer als Volkspartei die „Nachhaltigkeit“ im Blick hat, sollte diese Maxime nicht nur auf den Natur-, sondern auch auf den Kulturraum namens Deutschland anwenden.
Was unser Land tatsächlich radikal verändern wird, ist der Geburtenmangel gepaart mit einer Masseneinwanderung.

Henning Magirius | Mi, 5. Juni 2019 - 12:19

Die „Einschläge“ kommen näher: Nach der Phrasen-Rede von Merkel in Havard vor dem amerikanischen linken, ehemaligen Establishment, gehypt von den regierungstreuen deutschen Medien, las BDI-Chef Kempf gestern Merkel die Leviten und ging mit der miserablen Wirtschafts- und Energiepolitik der Bundesregierung ins Gericht. Gabor Steingart, FocusOnline: „ Industrie und Merkel werden nach diesem Deutschland-Tag kaum mehr zueinanderfinden.“ Dies ist eine Katastrophennachricht für alle Angestellten und Arbeiter, für Unternehmer, für die deutsche Industrie und damit auch für den Staat und seine Beamten, Mitarbeiter, Rentner aufgrund geringerer Steuer- und Beitragseinnahmen. Die im Interview anvisierte schwarz-grüne Energie- und Klimapolitik führt in ein nachhaltiges deutsches Desaster. - Und was würde Luisa Neubauer BDI-Chef Kempf sagen? Wahrscheinlich: „Sei still, alter weißer Mann, und schieb‘ endlich die Moneten rüber.“ Woher soll sie auch wissen, dass man jeden Euro nur ein 1x ausgeben kann?

Ich stimme Ihnen zu. Nur der gleiche Focus prägt dann einen Artikel weiter die Headline, wonach Merkel Aplaus aufgrund ihrer Gegenrede zum BDI-Chef bekommen haben soll. Wenn die Industrie so gegen die Merkelpolitik ist, wie dies der BDI-Chef in seiner Rede gesagt haben soll, dann kann niemand mehr Merkel auch nur einen Applaus zukommen lassen. Was stimmt denn nun? Da sieht man aber, wie gerade auch gern im Focus, den ich nach wie vor lese, Meinung gemacht wird. Interessant ist aber, dass die dortigen Kommentatoren das gleiche empfinden, wie wir hier im Forum. Wo sind die Merkelwähler denn abgeblieben? Ich kenne keinen einziegen Menschen im privaten Umfeld, der ein gutes Haar an deren Politik und der Regierung läßt. Dennoch wählen angeblich Menschen diese CDU. Da komme ich nicht mehr mit.

Willy Ehrlich | Mi, 5. Juni 2019 - 13:21

Vielleicht sollte man die Umweltpolitik auf die europäische Ebene schieben. Dann ließe sich unsere nationale Klimaschutzhysterie möglicherweise noch eindämmen.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 5. Juni 2019 - 15:43

So wird das nichts Herr Kruse. Ihr CDUler nehmt einfach so hin, dass die Behauptung, der Klimawandel wäre menschengemacht, ohne Euch wirklich mal damit zu beschäftigen, ob das stimmt. Der mit ausgewählten Wissenschaftlern bestückte IPPC sagt, das wäre so, fertig. Niemand hinterfragt, ob das stimmt. Und wenn es stimmt, warum wird nur in Deutschland Hysterie betrieben und der Eindruck erweckt, als wären wir die letzten und das Zünglein an der Waage. Ohne uns geht der Erdball zugrunde. Keine öffentliche Diskussion darüber, was ist CO²? Kommt es in natürlicher Weise vor? In welchen Mengen? Wer braucht CO²? Wer verursacht es? Wie kann es wirtschaftsverträglich reduziert werden? Muss es überhaupt reduziert werden, die Pflanzen brauchen es zum "atmen" und wir den Sauerstoff der Pflanzen. CO² macht 0,04 im natürlichen Kreislauf aus. Und wir lassen uns von den Grünen verrückt machen und unsere eingesparten Emmissioen würden selbst zu einer Reduzierung von 0,0004712 % führen oder zur CO²- Steuer

Anfang der 70er waren sich viele Wissenschaftler darin einig, dass wir auf eine „Eiszeit“ zusteuern – ebenfalls „menschengemacht“.
Die Temperaturen waren über einen „lange“ Zeitspanne offensichtlich tiefer als man das kannte...

Also innerhalb von knapp 50 Jahren – klimatechnisch ein Augenzwinkern – hat das Klima sozusagen eine 180° - Wende von einer drohenden Eiszeit hin zu einer globalen Erwärmung vollzogen.

Nun denn, ich bin kein Klimafachmann, aber mir geht diese Panikmache ziemlich auf den Wecker.

Und was ändert sich?

Die Autobahnen sind weiterhin verstopft, die Flugzeuge laufen über – man prophezeit einen noch chaotischeren Sommer in Sachen Flugverkehr und den letzten habe ich noch gut in Erinnerung.

Also ich würde gerne mal wissen – da jetzt auf einmal viele so besorgt um das Klima sind – wer denn von diesen vielen Grün – Wählern auch nur einen Jota an seinem Lebenswandel geändert hat.

Viel Show, ohne Substanz, Hauptsache so tun als ob. Mitschwimmen im Strom.

Das Klima ist doch eigentlich nur eine statistische Größe. Ein Weltklima als solches gibt es nicht. Denn jeder durchschnittlich gebildete Mensch weiß bspw., dass in Sibirien ca. 40 Grad Kälte keine Seltenheit sind und in Afrika das Thermometer auf über 40 Grad ansteigen kann. Unterschiede bestehen auch hinsichtlich anderer Faktoren (Sonne, Wind, Regen etc.) Das Klima hat sich seit der Entstehung der Erdgeschichte als Ganzes ständig verändert. Die Frage ist nun, wie „schützt” und "rettet" man eigentlich das Klima? Soll der Wetterzustand (Bezugspunkt ist fraglich)in einer bestimmten Klimazone konserviert werden? Was bedeutet es, wenn grüne Klimakämpfer eine klimaneutrale Gesellschaft schaffen möchten und wie sieht eine Klimaneutralität aus? M. E. lassen sich zum einen mit der "Weltklimarettung" viel Geld in die Kassen spülen (Steuern/Preiserhöhungen).Zum anderen können die Menschen von wirklich wichtigen Fragen abgelenkt werden.

Mir ist es nicht wichtig ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht, auch das CO2 in der Luft ist mir egal. Wichtig ist mir hingegen, dass ich es für überholt halte Kohle und Erdöl aus dem Boden zu holen und zu verbrennen. Selbst Atomkraftwerke funktionieren so, nur dass da die Wärme aus dem Zerfall von Atomen kommt. Das ist doch eine Technologie des 19. Jahrhunderts. Solarzellen können in Massenproduktion hergestellt werden, klassische Kraftwerke sind Einzelstücke, was zu immensen Kosten-Senkungen führt. Hinzu kommt, dass Solarenergie nahe den Verbrauchern produziert werden kann und nicht in Russland, USA oder am Golf. Wind ist weniger vorteilhaft und wird deshalb nicht so erfolgreich werden. Hinzu kommt noch, dass die Erneuerbaren massig Investitionen ins Netz und in Speicher benötigen und somit wird neue Technologie, Investitionen und Arbeitsplätze erzeugt. Für ein Land wie DE sind das die Produkte der Zukunft.

Ernst-Günther Konrad | Do, 6. Juni 2019 - 11:50

In reply to by Robert Müller

Ich wiederspreche Ihnen nicht. Nur, rechtfertigt das nicht diese Angstmacherei und Hysterie der Grünen über unsere Jugend transportiert. Man kann AKW's erst dann abschalten, wenn man wirklich paralell eine entsprechende Stromversorgung gewährleisten kann durch Aufbau entsprechenden Netzen, die erneuerbare Energie transport, durch entsprechende Speicherkapaziäten usw.
Kein normaler Mensch kündigt seine Wohnung und sucht sich dann eine neue.
Genau das wollen die Grünen aber. Erst sicherer und wirtschaftlicher und damit auch bezahlbare Energieversorgung, dann sukzessive Abwendung von alten Energieformen. Das bedeute aber auch inhaltliche konkrete Diskussionen und Darstellung der wahren Situation bis hin zur Prüfung verschiedener Lösungen.
Nur die CO² Histerie läßt das ja gerade nicht zu. Das wären Felder für SPD und CDU. Nur die sind ja beide grün zugewachsen. Der Wähler wird den Grünschnitt vornehmen, da bin ich mir sicher.

Herr Konrad, Sie führen richtig die CO2 - Steuer an, darum geht es eigentlich. Denn 1 Gramm Methan ist 20 bis 30 mal so Klima schädlich wie 1 Gramm CO2. Nur Kühe bevölkern keine Innenstädte und zahlen auch keine Steuern und entweichendes Sumpfgas in der Natur ist nicht regulierbar. Also bleibt CO2 - gut messbar - und kann vielfach besteuert werden, da es Menschen nützlich ist. Die Klimahysterie bietet sich dafür an, um weitere Steuern für eine "guten Zweck" den Menschen abzupressen. Denn am deutschen Wesen soll die Welt genesen, hat immer in einer Katastrophe geendet.

dieter schimanek | Mi, 5. Juni 2019 - 20:10

Eigentlich möchte die Koalition gar keine CO2 Steuer, es wird nur gemacht weil das Volk geradezu darum bettelt. Eine solche Gelegenheit muß genutzt werden. Eine Feinstaubsteuer und NO2 Steuer könnten folgen, wenn man den Weltuntergang noch ein wenig anheizt, dann sind noch ganz andere Möglichkeiten drin. Wann kommt das schon mal vor, daß die Bevölkerung sich freiwillig von seinen Penunzen trennt? Draghi hat da bedeutend mehr Mühe mit dem Geiz der Unwilligen. Allerdings, bis Scholz dahinter kommt, welche Möglichkeiten ihm Greta und Gefolgschaft eröffnet haben, ist der Hype womöglich schon vorbei. Da war Schäuble mehr auf Zack, als Schwabe hat er das in den Genen.

Andreas Müller | Do, 6. Juni 2019 - 12:10

Rüdiger Kruse ist leider kein Fachmann zum Thema Nachhaltigkeit und wie ich aus persönlichen Geprächen weis, auch beratungsresistent.
Er setzt sich für die Förderung von batterieberiebenen Elektroautos ein. Ein Trend der unsinnig und nicht nachhaltig ist und obendrein der deutschen Automobilindustrie schadet. Um an einem einfachen, praktischen Beispiel klar zu machen was ich meine :
Würde ich die Batterien eines Elektromobiles an einem Tag ohne Wind aufladen, würde in Moorburg das neue Kohlekraftwerk anspringen . Würdes dessen Kapazität nicht ausreichen, was gelegentlich vorkommt, würde zusätzlich das Kohlekraftwerk in Wedel in Betrieb gehen. Letzteres wurde in den 60ziger Jahren gebaut.
Die zu verbrennende Kohle wird über den Altantik mit Schiffen transportiert. Abbau, Transport und Verbennung verursacht einen hohen CO2 Ausstoß. Mein sparsamer Diesel hingegen wird Biodiesel, gewachsen in Mecklenburg-Vorpommern und raffiniert im Hamburger-Hafen, betrieben und ist damit CO2-neutral.

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