Abschottung vor dem vielfältigen und manchmal chaotischen Diskurs: Immer mehr Menschen trauen sich nicht, ihre Meinung zu sagen / dpa

Ende der Debattenkultur - Zu sensibel für die Demokratie

Immer mehr Menschen haben Angst davor, in der Öffentlichkeit ihre Meinung zu äußern. Was als Zunahme von Hass und Diskriminierung gewertet wird, kann auch Anzeichen für übersteigerte Verletzlichkeit sein. Besteht die eigentliche Gefahr für die Demokratie in einem neuen Zartgefühl?

Ralf Hanselle / Antje Berghäuser

Autoreninfo

Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero. Im Verlag zu Klampen erschien von ihm zuletzt das Buch „Homo digitalis. Obdachlose im Cyberspace“.

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Sprich! Mich! Nicht! An! Der augenscheinlich schädlichste Satz, den man sich in einer demokratischen Gesellschaft überhaupt vorstellen kann, scheint zum Credo eines neuen Biedermeiers geworden zu sein; und das schon seit geraumer Zeit. Überall zieht man sich aus den Debatten heraus, ja sieht die Debatte selbst schon als eine Art Zumutung an. Man sollte den eingangs zitierten Satz daher nicht nur ins private Poesiealbum, sondern besser gleich ins Grundgesetz aufnehmen; noch in die einleitende Präambel: Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen schmollt jeder im Deutschen Volk Kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt für sich allein! 

Dann nämlich wäre endlich Ruhe. Niemand müsste mehr Angst haben, auf offener Straße nach seiner Meinung gefragt oder gar von der schäbigen Haltung eines anderen belästigt oder verletzt zu werden. Keine Diffamierung, keine Bespuckung und keine Beleidigung mehr! Und mit den ganzen Hate Crime-Delikten wäre dann auch erstmal Schluss. Der Demos, einst Wirkkraft von Recht und Freiheit, er ist eben kein Ort für Hypersensibelchen wie wir es nun einmal sind. Endlich also Frieden, oder zumindest eine Art außerparlamentarische Friedhofsruhe! 

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Albert Schultheis | Do., 7. März 2024 - 18:42

"Besteht die eigentliche Gefahr für die Demokratie in einem neuen Zartgefühl?" - Nein! Mitnichten! Zartgefühl, Sensibilität, Empathie - das kennt eine Faeser nicht. Ein Haldenwang, Buschmann, Paus, eine Göring-Eckhard, Claudia Roth ebensowenig. Einer Strack-Zimmermann und einem Anton Hofreiter sind diese Begriffe wie altchinesische Pictogramme. Diese Zeitgenossen erfahren seit 10 Jahren die abgründige Kriminalität und Brutalität von Ein Mann-Tätern oder Gruppen von Alahu akbars - aber sie tun so, als gäbe es diese überbordenden Morde und Vergewaltigungen nicht - nicht einmal die gegen Frauen und junge Mädchen. Wie verroht und abgebrüht muss jemand sein, der all das an sich anperlen lässt wie Teflon? Wie können eine Agnes ein Toni immer weiter Rote Linien überschreitende Waffenlieferungen fordern angesichts des Verdun'schen gegenseitigen Abschlachtens entlang der Schützengräben von Bachmut und Awdijiwka? Nein, diese Leute sind keine Hypersensibelchen - sie sind barbarische Unmenschen!

Manfred Sonntag | Do., 7. März 2024 - 18:50

Herr Hanselle, ich denke Sie haben bei diesem Thema den Nagel auf den Kopf getroffen. Die „Diskursvulnerabilität“ ist im täglichen Leben oft zu beobachten. Es wird schon im Voraus gebeten, bestimmte Themen bei Treffen nicht mehr anzusprechen. Das führt dann bei Feiern etc. zur sogenannten "Sprachlosigkeit" bzw. der "Schweigespirale". Oder es wird den "Andersdenkenden" entgegengeschleudert "Das sehe ich ganz anders" ohne in der Folge die Frage beantworten zu wollen, was diese Person denn anders sieht. Bei vielen Bürgern ist ein Hang zu totalitärer Harmonie zu beobachten. Viele Menschen benehmen sich derart infantil so dass sie sich partout weigern über das Tagesgeschehen nachzudenken. Dazu kommt, dass sie dem ÖRR und den anderen Mainstreammedien auf Teufel komm raus jeden Blödsinn und alle Fake News glauben. Zusätzlich hat natürlich die Corona-Zeit mit ihrem Staats-Terror viele Menschen sehr vorsichtig gemacht (z.B. Arbeitslosigkeit, Gefängnis).

Walter Bühler | Do., 7. März 2024 - 19:07

... ein schönes Bild, Herr Hanselle!

Ich erlebe das Gemeinte allerdings als eine Vorsicht, die mir in diesen Zeiten der Zeitenwenden als verständlich, ja sogar als notwendig erscheint.

Hofreiter, früher aufs Tierwohl, auf Blumen und Vögel und auf die Hlg. Greta scharf, ist plötzlich scharf auf Panzer und auf Marschflugkörper, und ist ein Herz und eine Seele mit einem telegenen Kriegshelden.

Wir leben in Zeiten, wo viele alte Gewohnheiten durcheinander gewirbelt werden, und selbst wenn man will, kann man sich dem nicht völlig entziehen.

Ich erlebe das durchaus als Verunsicherung, besonders im Umgang mit Freunden. Kann die Freundschaft überleben, wenn ich mich in einem Punkt verändere, ohne sicher sein zu können, dass der andere mitzieht? Bin ich selbst so tolerant, seine Veränderungen ertragen zu können, die ich nicht mitmachen will?

Zurückhaltung, Vorsicht und Höflichkeit sind daher im zivilen Alltag gegenwärtig für michunverzichtbar, auch wenn es wie Ängstlichkeit aussehen mag.

... habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass "man" es unter guten Freunden (andere braucht letztlich eh keiner) bei dauerhaft konträren Standpunkten auch in gegenseitiger Respektierung bei diesen belässt. Dass dann nach längeren Zwischenzeiten so ein Thema nochmal und wieder aufgegriffen werden kann, ist klar, aber wenn nur immer vollständige Übereinstimmung der Maßstab wäre, gäbe es wohl nur noch SEHR wenige Beziehungen jeglicher Art.
Hier ins Dorf kommt regelmäßig ein AfD-Anhänger aus der Nachbarstadt, der einmal vom "Sportvereins-Nikolaus" vor allen dafür kritisiert wurde, ein anschließender Ausschlussantrag wurde aber - außer vom Antragsteller - einstimmig abgelehnt. Und wenn der ansonsten recht kollegiale Mann dann doch ab und zu mal polternd etwas daherpolitisiert, wird ihm gutmütig bedeutet: "Ja, aber jetzt reicht´s dann wieder!" Sowas finde ich vorbildhaft, weil in meinen Augen Demokratie - gerade in einem Dorf - eigentlich nur mit weitgehender Toleranz lebbar ist.

Urban Will | Do., 7. März 2024 - 19:38

und die Studie von Almond und Sidney aus dem Jahre 1965, sie passt auch noch heute.
In wohl kaum einem sich „demokratisch“ nennenden Land wird so schnell nach Verboten und Einschränkungen geschrien wie hier. Deutschland ist eine lächerlich schwache Demokratie.
In wohl kaum einer Demokratie wird der Inlandsgeheimdienst so ungeniert auf die Opposition losgelassen wie hier.
Wohl kaum ein Demokratie hat es nötig, gegen die „Verächtlichmachung“ staatlicher Organe vorgehen zu müssen.
Und wohl nirgends ruft – als Folge eines scoops, wo eine Meinungsäußerung als „Recherche“ verkauft wurde – ein Regierung zu Demonstrationen gegen die Opposition auf.
Zumindest hätten, als herauskam, dass die „Recherche“ - Plattform absolut nichts Beweisbares geliefert hatte, einige Regierungsmitglieder zurücktreten müssen.
Aber hierfür hätte es zwei Voraussetzungen bedürft:
Ein Verständnis dessen, was man angerichtet hat und zweitens: einen Funken an Charakter.
Beides Fehlanzeigen in diesem Kabinett.

Gerhard Lenz | Do., 7. März 2024 - 19:41

wahre Demokrat? Verrohung im Umgang und verbaler K(r)ampf statt gesitteter Debatte?
Eine abenteuerliche These. Aggression als Hilferuf des von der woken Gesellschaft in die Enge getriebenen besorgten Bürgers? Fast hätte ich gesagt: Wer's glaubt, wählt AfD. Wobei man am rechten Rand ja fast zu Tränenausbrüchen neigt, wenn man den zutiefst verkannten und von vielen als Vaterlandsretter erwählten Nationalromantiker Hoecke als das bezeichnet, was er ist, nämlich als Faschisten. Um im nächsten Moment Andersdenkende als "geisteskrank oder Volltrottel (Quelle: dieses Forum)" zu diffamieren.
Eine gefestigte Persönlichkeit hat so etwas natürlich nicht nötig. Der kennt den Wert seiner Argumentation, muss nicht sich selbst erhöhen, indem er andere als"saudumm" oder irgendwie minderwertig (Quelle: dieses Forum) betitelt. Die Möglichkeit, verbale Gewalt am heimischen Computer auszuleben, mag aus einem aufgeplusterter Zwerg einen Riesen machen - besonders, wenn die Zustimmung anderer Zwerge folgt!

Oder sind Ihnen sämtliche Sicherungen nun durchgebrannt?

Haut die dümmsten Nazi – Vergleiche raus, die man sich ausdenken kann und heult hier rum?
Kennt als Argumente, je nach Thema, nur das Geblärre:
„Covidiot“, „Putin – Versteher, - Verehrer, etc.“, „Klimaleugner“... die ganze Palette links – grünen Hohlgeschwätzes, was man sich denken kann.
Und regt sich über „Volltrottel“ auf...
Aber Vergleiche mit Ratten (Steinmeier), „Haufen Scheiße“ (Strack- Z)... sind OK?

Lenz, Ihre Auffassungsgabe liegt auf dem Niveau einer Erdkröte, sonst hätten Sie längst bemerkt, dass Sie mehr oder weniger der einzige sind, der hier, auch verbal, auf die Mütze bekommt – und zwar von fast allen, die mit Ihnen Kommentare austauschen – und dass das vielleicht ja gewisse Gründe hat.
Aber hierfür bräuchte es Verstand und Einsicht.
Und das ist Ihnen fremd.
Also heulen Sie weiter.

In manchen Foren können Mitglieder mit einem Button Zustimmung bzw. Ablehnung eines Beitrags zu signalisieren.
Kann man machen.
In anderen gibt es lediglich eine Zustimmungs-Option.
Auch eine Möglichkeit.
Ich würde letzterer den Vorzug geben, um so andere Meinungen nicht zu torpedieren.
In jedem Fall könnte der Verfasser des Beitrags das Ergebnis auch anhand anderer Beiträge überdenken.
Und es würde redundante, weil annähernd ähnliche Kommentare erübrigen.
Nur so als Anregung für die Redaktion...

Neulich gab es hier einen Kommentar auf einen Cicero-Beitrag, der im Sound (Umgangston) nur so von Hass triefte. Den „Text“ mit KI phonetisch transformiert, könnte an die Propagandareden Goebbels oder Adolf Nazi erinnern.

In diesen Selbstbestätigungsblasen wird lediglich eine Aggressionsverstärkung produziert. Auf Beiträge folgen prompt belanglose Reaktionen, die wie blind mit unreflektierten Begrifflichkeiten hantieren und nichts mit dem Thema zu tun haben. Vieles ist auch weder rechts noch links, sondern reaktionär. Da darf dann auch gebrüllt werden, um dem eigenen Beitrag so einen diskussionswürdigen Rang zuzuweisen. Es geht um Sieg oder Niederlage in dieser Aufmerksamkeitsökonomie.

Und eine „Community“ (eine Gemeinschaft im Gegensatz zu einer Gesellschaft) will halt unter sich bleiben, hier gibt es keine Debattenkultur mehr, sondern nur Follower.

Gerhard Lenz | Fr., 8. März 2024 - 11:50

Antwort auf von Bernhard Jasper

So mancher Beitrag, der hier erscheint, könnte zweifellos im "Stürmer" erscheinen, und würde auch dort nur Lob erfahren. Alles für die "deutsche Sache"!

Und so mancher ist ja auch schon dabei, zumindest mit Worten WIEDER den jüdischen "Bolschewismus" der Globalisten und/oder Grünen zu bekämpfen.

Herr Lenz, könnten Ihre Beiträge dort erscheinen. Und dies im Brustton der eigenen Rechtschaffenheit und der richtigen Meinung. Spannend.

Gerhard Lenz | Sa., 9. März 2024 - 11:19

Antwort auf von Brigitte Miller

Ihrem Hoecke würde das gefallen?

Glaube ich eher nicht.

Da dürften doch nur aufrichtige Patrioten publizieren. Ich sehe schon, Sie reden wieder bei Dingen mit, von denen Sie nichts verstehen.

... hätte wahrscheinlich der eine oder andere Inquisitor, der heute hier im Cicero seines Amtes waltet, seine Kommentare im Stürmer, im Schwarzen Kanal oder im Neuen Deutschland unterbringen können, wenn er nur zur rechten Zeit im Verbreitungsgebit dieser Blätter gelebt hätte. Er hätte auch dort nur Lob erfahren.

Alles für die "deutsche Obigkeit"!

Und so mancher ist ja auch schon dabei, nicht nur mit Worten WIEDER den Antisemitismus der Hamas, der universitären Queerdenker und der Antifa zu unterstützen.

Urban Will | Fr., 8. März 2024 - 15:13

Antwort auf von Bernhard Jasper

Auch wenn ich da keinerlei direkte Erfahrungen habe.
Was ich hier so von Ihnen lese (ich lese gewiss nicht alles), lässt mich am ehesten an „KI – transformiert“ (inhaltlich, nicht phonetisch) denken. Und ich meine jetzt nicht nur diesen Beitrag hier.
Es wirkt–von einem Anhänger der politischen Linken, wo ich Sie verorte – ein wenig belustigend, wenn Sie sich über eine „Debattenkultur“ echauffieren, wobei es denn auch das Mindeste gewesen wäre, den von Ihnen hier angesprochenen Beitrag etwas genauer zu beschreiben. „Neulich gab...“ ist ein wenig dürftig. „Blasenhaft“ sozusagen.
„Selbstbestätigungsblasen“ kann ich am wenigsten da erkennen, wo alle zu Worte kommen, so etwa hier. In linken Foren, also denen von SZ, ZEIT, etc. wird man schneller „gecancelled“ als man schreiben kann.
Es ist nM nach eine eher linke Marotte, mit anderen Meinungen nicht umgehen zu können.
Auch anderswo, so etwa auf den Demos gegen „Rechts“, ausgelöst durch einen Recherche – Fake, findet man die „Blasen“ eher.

Ingofrank | Do., 7. März 2024 - 20:12

ihre Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern“
Aber aber, dieses Phänomen ist doch in Deutschland nichts Neues in der jüngeren Geschichte. Das NS Regime ist noch keine 100 Jahre her, das DDR Regime gerade mal

Sabine Lehmann | Do., 7. März 2024 - 20:35

Herr Hanselle in gewohnt charmanter Manier, versucht auf sehr wohlwollende Art und Weise die stringente Entwicklung Richtung Diktatur zu psychologisieren. Das ist m.E. die Untertreibung des Jahres, lieber Herr Hanselle. So viel Verständnis hat diese Mischpoke von Minderbegabten und alimentierten Moralaposteln, die den Begriff Arbeit und Leistung nur als Theorie aus dem Stuhlkreis ihrer Waldorfschule kennen, echt nicht verdient.
Denn die ständige infantile Emotionalisierung jedweden politischen Diskurses ist nichts anderes, als eine gezielte drangsalierende und strategisch geführte Manipulation von Meinungsgegnern, aber in der Regel auch nötig, denn die links-grünen Absender haben keinerlei Sachargumente für ihre verqueren menschenverachtenden Ansichten. Menschenverachtend insofern, als ihnen Alles außerhalb ihres regenbogenfarbenen Bälleparadieses zuwider ist und unterdrückt werden muss, zur Not auch ohne rechtsstaatliche Mittel. Genau das ist aber die Einbahnstraße Richtung Diktatur!

Christoph Kuhlmann | Do., 7. März 2024 - 20:39

Die Medien sind zu 80% links-grün. Da wundert es nicht, dass besonders die Grünen kein Wind ins Gesicht bläst in der veröffentlichten Meinung. Während viele Menschen des öffentlichen Lebens gebrandmarkt, beschimpft und gecancelt wurden, wenn ihnen die Migration zu viel wurde. Wem es nicht total am Arsch vorbei geht Nazi genannt zu werden, der äußert sich bessert nicht öffentlich gegen Migration. Das Wort Nazi ersetzt auf der Gegenseite jede Argumentation und Reflexion. Jeder Vollidiot kann es sagen. Insofern sind Argumente nicht das entscheidende. Die rechten Blasen hat die an Abonnenten und Zuschauern siechende veröffentlichte Meinung längst als die größte Gefahr für ihr Monopol ausgemacht. Gesetze gegen Falschinformationen und zur Bespitzelung Andersdenkender sollen eine Art von staatliche betreutem Denken in den sozialen Medien vorschreiben. Genau wie beim ÖRR, wo die Zensur durch die Beteiligung zahlreicher gesellschaftlicher Akteure systemimmanent ist. Ein Nachtwächterstaat.

Henri Lassalle | Do., 7. März 2024 - 20:43

"narzisstische Kränkbarkeit" nennen, die man vermeiden möchte, denn die kann schmerzen. Diese Kränkbarkeit setzt aber ein schwaches Ich voraus, ein Ich das Konfrontation, sowie auch das Aushalten konträrer Meinungen und selbst Attacken meidet. Gut für die politische Debatten"kultur" (die es im Gegensatz zu Frankreich hier nicht gibt) ist das nicht. Scheinbar ist der Deutsche ein Mensch, der sich noch immer nach dem Prinzip "Unterordnung oder Dominanz" richtet.

A.W..Mann | Do., 7. März 2024 - 20:51

Persönliche Abhängigkeit, mediale Beeinflussbarkeit und die Neigung zum Kollektivismus führen genau zu dieser Entwicklung. Sich diesem entgegenzustellen ist mühsam. Die letzten 4 Jahre haben aber gezeigt, eine klare und deutliche Position hat zwar viele „Freundschaften“ zerbrechen lassen. Es war die in der Realität zwar schon lange existente Sollbruchstellen die zum meist endgültigen Bruch führte. Ob das gut oder am Ende doch nur ehrlich ist, muss jeder für sich entscheiden. Eins war aber zumindest mir und auch meinem familiären Umfeld vergönnt, ganz neue Debattenräume mit Menschen, teils fundamental anderer politischer Ansichten und aus unbekannten Umfeld, erleben zu dürfen. Es entstanden neue und sehr interessante Bekannschaften und auch vertrauensvolle Freundschaften. Opportunismus ist nicht alles, ich habe die Erfahrung gemacht, der Mut zur Meinung, ist nichts anderes wie der Mut zum Leben. Ab und an einen Untertanen zu erwecken, ist auch ein kleiner Sieg.

Ingofrank | Do., 7. März 2024 - 20:54

Meinung in der Öffentlichkeit zu äußern“
Ich habe beim Stöbern zu den deutschlandweiten Beuernprotesten ein Plakat an einem Trecker entdeckt welches besagten Nagel auf den Kopf trifft :
„Wird der Bürger unbequem ist er sofort rechtsextrem“
Das was viele Ostler schmerzlich zu DDR Zeiten vermißt haben war die freie Meinungsäußerung In jeder Seminargruppe währen des Studiums, in jedem Arbeitskollektiv, bei jeder öffentlichen Veranstaltung, im Kino im Theater überall war die Staatssicherheit dabei. Bis hinein in den privaten Bereich … bis in die Familien war die Stasi tätig. Und warum ? Aus purer Angst, das ihre Herrschaft zu Ende gehen könnte und die „Feinde des Sozialismus die Oberhand“ bekommen könnte. Und dies, ist doch prinzipiell in diese gespaltenen Gesellschaft gleich. Heute heißt der Verein nicht Stasi sondern Verfassungsschutz, der I M ist heute eine Meldestelle zur Diskriminierungsanzeige. Wörter stehen auf dem Index &&&. Wo ist da der Unterschied ?
M f G a d Erf. Republik

Die gleichen Methoden/Mechanismen werden heute in ganz D angewandt wie zu BRD/DDR-Zeiten nur im Osten.
Menschen sollen gefälligst A n g s t bekommen, ihre Meinung zu äußern, wenn sie überwiegend o. gar n i c h t den Ansichten der Regierung entspricht.
Dazu braucht es "aufmerksame" Mitmenschen, die im Ernstfalle Meldung an die entsprechenden amtlichen Stellen machen, so daß die "Übeltäter" ausgegrenzt o. bestraft werden.
Am meisten erschüttert mich, daß selbst Leute, die mich schon lange kennen u. nie etwas an mir auszusetzen, sondern mich sogar gern hatten, völlig auf Ablehnung schalten, wenn ich die politischen Ansichten der AfD verteidige.
Es ist so, als würden in ihrem Inneren eine Warn-Blinkanlage u. ein Lautsprecher angeknipst, aus dem herausschallte: "Vorsicht! Nazi-Verbrecher!"
Bei ihnen hat die langjährige Propaganda zu 100% gewirkt. Dies führt dazu, daß Einzelne ihren Blick auf meine Person sogar so verändern, daß sie ernsthaft behaupten, früher habe ich mich nur verstellt!

Weil die Stasi sich nicht nur mit denen beschäftigte die irgend wie und irgend wann mal mehr oder weniger Kritik am sozialistischen System mehr oder minder laut äußerten. Nein das reichte der Stasi nicht aus. Auch zu 1000% linientreue SED Bonzen wurden von der Stasi und ihren IM beobachtet um ein Dossier nach dem anderen anzufertigen. Alles nur mit einem Hintergedanken: der Erpressbarkeit und weiterer Ankettung ans System. Aber dessen bin ich mir gewiss, wir sind mit Faeser & Paus auf dem besten Weg dorthin.
Mit besten Gruß aus der Erfurter Republik

Möglicherweise hat ja bei Ihnen irgendwelche Propaganda funktioniert? Schon mal daran gedacht? Oder ist das völlig "ausgeschlossen?"

Ich wünsche Ihnen eine Stunde der ernsthaften Selbstreflexion.

Markus Michaelis | Do., 7. März 2024 - 22:31

Es gibt auch eine zu große Verletzlichkeit, aber als größeres Motiv nehme ich den Schock wahr, das grundlegende Sichtweisen und Dinge in Frage gestellt werden, die man nicht in Frage stellen sollte. Es geht um Klima, Solidarität, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Genozid, Angriffskrieg, Demokratie, schutzbedürftige Menschen, Rechte für Diskriminierte, Europa usw usf. Da ist sicher viel dran - das will ich nicht bestreiten, aber doch wird alles in eine lange Kette von Dingen eingereiht, die alle zusammen nicht diskutierbar sind und es strahlt in alle Lebensbereiche aus, die von nicht diskutierbaren Dingen durchzogen sind.

Und dann wird doch diskutiert und Meinungen sind verschieden. Das schockiert, das kann ich verstehen. Für was wir dabei Demokratie brauchen, wenn wir ein so dichtes Netz an nicht diskutierbaren Dingen haben, verstehe ich dagegen nicht. Ist "Demokratie" nur ein Begriff für die Durchsetzung des Richtigen?

Herr Michaelis, Sie haben es treffend formuliert: "Für was wir dabei Demokratie brauchen, wenn wir ein so dichtes Netz an nicht diskutierbaren Dingen haben, verstehe ich dagegen nicht.". Ich auch nicht. Es wird überall von Toleranz herumpalavert, aber mal zuhören, lesen und wenigstens zu versuchen, den anderen Standpunkt zu verstehen, das geschieht immer seltener. Es ist kein Platz für "Toleranz" und "Vielfalt" in dieser ideologieverseuchten Gesellschaft mehr vorhanden. Die Deutschen lernen nicht aus ihren Fehlern. Nun schon zum 3. Mal. Der Untertanengeist des Diederich Heßling feiert seit Jahren fröhliche Urständ und wird vom Glauben des "Auserwähltseins" der Eliten kräftig forciert. Kein Wunder das Freiheit und Demokratie oder gar das Grundgesetz seit 4 Jahren mit Füßen getreten werden dürfen.

Inana | Do., 7. März 2024 - 23:48

Das Gefühl seine Meinung nicht mehr sagen zu können, hat eigentlich Hintergründe. Und das ist, dass Politiker und Medien inzwischen ziemlich ausgeklügelte Kampagnen haben, um Kritiker aus der Debatte zu kicken.
Immer werden Kritikern irrationale Motive unterstellt und immer gilt alles "Hass und Hetze" oder "russische Desinformation".
Diese Methoden stammen letztendlich aus der DDR und darauf ist die westliche Gesellschaft auch nicht vorbereitet. Dazu wirken sie in einer immer noch Demokratie anders. Die Eliten haben zwar die Lufthoheit über die Talkshows, aber die Bürger wenden sich einfach von der Politik ab und wählen AfD - was die Politiker dann wiederum nicht verhindern können.

Brigitte Miller | Fr., 8. März 2024 - 08:45

wird eigentlich in Deutschland derzeit so heftig verteidigt?
Die Demokratie der Politik und deren immer weitere ausufernde
Macht?
"Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus". Ein schlechter Witz.

Uli | Fr., 8. März 2024 - 10:06

Ich kenne zwei Varianten: Die einen wollen nichts von der Realität hören. Sie hoffen, dass sie ungeschoren ihr Leben fortsetzen können, indem sie einfach ignorieren. Die anderen haben Angst, dass eine Kundgabe ihre Meinung zu einer Diskriminierung führen würde. Beides hat zur Folge, dass die Ampel uns weiter in den Abgrund führen kann.

Ernst-Günther Konrad | Fr., 8. März 2024 - 12:19

Die einen grenzen AFDler oder Wähler aus, die dürfen nicht feiern dort oder Parteitag machen. Die anderen grenzen Grüne aus, sie dürfen ihre Autos nicht bei einem bestimmten Händler mehr zu Reparatur bringen oder müssen Parteitage abbrechen. Andere werden in den sozialen Medien als AFD-Wähler oder Mitglied geoutet und beschimpft. Sie werden existenziell vernichtet, diffamiert. In Hessen hat Herr Gaw bei der AFD aufgegeben. Nein, nicht wegen Parteiinterner schwerwiegender Probleme, sondern seiner Familie konnte der Polizist nicht mehr vor den vielen "Angriffen" in Medien, im persönlichen Umfeld schützen. Werden GRÜNE angegangen, ist das ein Angriff auf die Demokratie. Werden AFDler angegriffen ist das moralisch Pflicht und nicht verwerflich. Wer konservativ denkt und schreibt und spricht wird inzwischen feinselig angegangen und bekommt sofort den Nazistempel auf die Stirn. Wer grüne Politik kritisiert wird unterhalb der Strafbarkeit denunziert und von Haldenwang/Faeser "eingeordnet".

Sabine Lehmann | Fr., 8. März 2024 - 14:51

"An ihren Taten sollst du sie messen." So steht es in der Bibel. Offenbar war man damals schlauer als heute, wo unendliche Ressourcen verbraten werden, um "richtig" zu sprechen, "richtig" auszusehen u. "richtige" Pronomen.
Neueste Meisterleistung unseres unfähigen Versagerstaates ist die Sprachpolizei. Diese kommt vielfältig daher, ob Netzwerkdurchsuchungsgesetz, Meldestellen oder neues europäisches Digitalrecht, welches z.B. K. Müller(Bundesnetzagentur) gleich umgesetzt hat, obwohl es noch gar keine Rechtsgültigkeit hat.
Das macht aber nichts, denn links-grüne Moral u. pathologische Gefühlszustände ersetzen bei uns Recht u. Gesetz. Seit Angela völlig normal u. legitim. Der Souverän staunt Bauklötze, wird zuweilen unbequem, von daher natürlich rechtsextrem! Derweil ganz "praktisch" eine Welle an Gewalttaten das Land durchzieht u. die Wirtschaft am Ende ist. Praktisch gemacht wird nichts! Hauptsache richtig artikuliert: Hunderte Bundesweite Hausdurchsuchungen wegen verbaler Äußerungen!