Sprache und Geschlecht - Für eine gerechte Sprache

Ist es ein Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung, wenn Frauen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Hörer*Innen mit erwähnt werden? Walter Krämer hatte diese Regel in einem Gastbeitrag als „Sprachterror“ bezeichnet. Luise Pusch, Mutter der feministischen Linguistik, sieht das naturgemäß anders.

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Autoreninfo

Luise Pusch ist Sprachwissenschaftlerin und engagiert sich seit 1979 für eine geschlechtergerechte Sprache. Ihre 1984 veröffentlichte Textesammlung „Das Deutsche als Männersprache: Diagnose und Therapievorschläge“ gilt als Klassiker der feministischen Linguistik. Aufn.: Sabine Wunderlin 

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Dieser Gastbeitrag von Luise F. Pusch ist eine Antwort auf den Gastbeitrag von Walter Krämer.

Das Wort Gendern gibt es im Deutschen erst seit etwa zehn Jahren. Es bedeutet: Eine Sache, ein Problem nach den Regeln des Gender-Mainstreaming behandeln, also nach Geschlechtergerechtigkeit zu streben. So könnten etwa die DAX-Vorstände gerne mal gegendert werden, die Priesterschaft der katholischen Kirche und die Parlamente. Hier geht es nun um das Gendern der Sprache, speziell der deutschen Sprache. 

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, heißt es im Grundgesetz. In der Sprache sind wir Frauen allerdings noch immer benachteiligt, und Herr Krämer und der Verein Deutsche Sprache hätten gerne, dass das auch so bleibt. 

99 Sängerinnen und ein Sänger sind zusammen 100 Sänger

Worin besteht nun die sprachliche Benachteiligung der Frau? Mit Ausnahme des Englischen sind fast alle europäischen Sprachen Genussprachen, mit einer für Frauen sehr nachteiligen Eigenschaft: Männer, hypothetische Personen („Fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker”, „Wer wird Millionär?“) und gemischtgeschlechtliche Gruppen werden alle mit demselben Genus bezeichnet, nämlich dem Maskulinum. Das Maskulinum erlaubt einen „generischen, geschlechtsübergreifenden” Gebrauch, das Femininum nicht. Überdies sind die meisten Bezeichnungen für Frauen aus denen für Männer abgeleitet. Sie symbolisieren damit eine Abhängigkeit vom Mann: Der Sänger, die Sängerin.

Verkürzt gesagt, macht ein männliches Wesen (im Französischen kann das auch ein Hund sein) jede noch so große weibliche Gruppe symbolisch zu einer Männergruppe: 99 Sängerinnen und ein Sänger sind auf Deutsch zusammen 100 Sänger. Die 99 Frauen können selbst zusehen, wo sie geblieben sind. 

Die Frau erscheint als Abweichung von der Norm 

Der Mann als Norm und Standardversion des Menschen wird uns von den Sprachen aufgezwungen, die Frau erscheint entsprechend als Abweichung von dieser Norm. Dieses Sprachprinzip ist bekannt unter dem Namen MAN = Mann als Norm. Die Gegner der feministischen Sprachkritik behaupten, das Maskulinum sei ökonomisch und stünde für beide Geschlechter. „Held ist und bleibt eine Person, die sich durch heldenhaftes Verhalten auszeichnet, egal ob Mann oder Frau“ behauptet Walter Krämer. Wenn dem so ist, wozu braucht es dann überhaupt das Wort „Heldin“? 

Zahllose empirische Untersuchungen – Krämer nennt sie „Trivialstudien – haben den Beweis erbracht, dass das Maskulinum keineswegs neutral ist, sondern in den Köpfen der Menschen überwiegend männliche Bilder erzeugt und Gedanken an Frauen gar nicht erst aufkommen lässt. Dadurch haben Männer in unserer herrschenden Aufmerksamkeits-Ökonomie einen enormen Wettbewerbsvorteil. Die Firma Mann muss kein Geld für Werbung ausgeben, das Trommeln erledigt bereits die deutsche Grammatik für sie, und zugleich bleibt die weibliche Konkurrenz außen vor. Mit der männerzentrierten Sprache verfügt der Mann über ein gewaltiges symbolisches Kapital (Bourdieu), die Frau hat das Nachsehen. 

Kampferklärung an eine „verbohrte Ideologenclique“

Krämer nennt uns „verbohrte Ideologenclique“ und „Sprachverhunzer“; oft wird uns auch vorgeworfen, wir „täten der Sprache Gewalt an“. Wir Befürworterinnen einer gerechten Sprache möchten erreichen, dass die Sprache uns Frauen keine Gewalt antut, indem sie uns den Männern symbolisch unterordnet oder uns gar zum Verschwinden bringt nach dem Motto: Die Frau ist nicht der Rede wert. Die deutsche Männersprache versteckt die Frau besser als jede Burka. 

Mit der Frage, wie aus unseren Männersprachen humane Sprachen werden können, beschäftigen sich frauenbewegte Frauen, die meisten Frauenbeauftragten, die Queer Community und einige Sprachwissenschaftlerinnen seit Jahrzehnten. Die Arbeit hat endlich Früchte getragen, und zwar ganz erstaunliche. Große Rundfunkanstalten wie der Deutschlandfunk und der WDR vermeiden das generische Maskulinum und benutzen stattdessen die geschlechtsneutralen Partizipien wie „die Forschenden“ (früher „die Forscher“), „die Geflüchteten“ (früher „ Flüchtlinge“).

Knacklaut zur Verlautbarung des Femininums   

Und sie benutzen routinemäßig den Knacklaut zur „Verlautbarung“ des Femininums mit Genderstern für gemischtgeschlechtliche Gruppen: Expert*innen, Bürger*innenversammlung. Krämer schreibt, er würde sich lieber die Hand abhacken als solche Wörter zu benutzen. Das sehen viele Frauen und einige Männer weniger blutrünstig. Am 20. September 2020 konnten wir bei Anne Will erleben, wie die drei anwesenden Frauen und einer der Männer  – Malu Dreyer, Marina Weisband, Anne Will und Ranga Yogeshwar – vollendet geschlechtergerecht sprachen; zwei Herren – Frank Montgomery und Hendrik Streeck – taten sich dagegen noch schwer.

Krämer ist kein Sprachwissenschaftler, und so unterlaufen ihm denn auch einige Fehler – oder sollte es gar bewusste Irreführung sein? Er bedauert zum Beispiel, dass „die Verbindung zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht in den Köpfen feststecke“. Diese Verbindung besteht zu Recht, denn sie ist real und regelt circa 98 Prozent der Personenbezeichnungen im Deutschen. Nur um diesen Teil des Wortschatzes dreht sich die Debatte. Das Maskulinum bezeichnet Männer (der Angestellte usw.), das Femininum Frauen (die Angestellte usw.). Dass das Genus in anderen Bereichen des Wortschatzes nichts mit Geschlecht zu tun hat (die Nase, der Mund, das Auge, usw.) ist für die Debatte irrelevant. 

Wer ist hier die Sprachpolizei  

Abschließend möchte ich noch ein Wort zu dem Vorwurf „feministische Sprachpolizei“ sagen; Krämer spricht gar von „Sprachterror“. Die feministische Sprachkritik ist eine Basisbewegung, die versucht, die Sprachgemeinschaft über sprachliche Gerechtigkeit aufzuklären. Der Vergleich mit der Polizei, die auf Befolgung der Gesetze zu achten hat, ist insofern völlig abwegig. Eher versuchen wir, die bestehenden Gesetze  – also die Grammatikregeln – auf basisdemokratischem Wege zu ändern, sie gerecht, also frauenfreundlich zu machen. Als Sprachpolizei führen sich eher diejenigen auf, die auf der Befolgung der althergebrachten frauenfeindlichen Sprachregeln bestehen. 

Maik Harms | Mi, 23. September 2020 - 11:11

Kühl gekontert, Respekt. Dennoch liegt Frau Pusch falsch. Oder um ihre Frage zu beantworten: "wozu braucht es dann überhaupt das Wort 'Heldin'?" Braucht es nicht.

Die Irregularität ist doch gerade, dass es für Personenbezeichnungen _geschlechtlich_ unterschiedliche Bezeichnungen gibt, insbesondere die _nur_ für Frauen vorgesehenen. Wenn man vom ansonsten angewandten Grundsatz ausgeht, dass der grammatische Genus _nicht_ das sexuelle Geschlecht darstellt, sollte man dann nicht eher alle bestehenden geschlechtsbezogenen Bezeichnungen abschaffen? Insbesondere wenn sie sachlich keine Rolle spielen sollen, also ein Arzt sowohl männlich als auch weiblich sein kann?

Bei "Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten" denkt man zzt. an Frauen - weil es v.a. Frauen sind. Wenn man also bei "Vorständen" nicht automatisch an Männer denken soll - fördere man mehr (geeignete) Frauen! Sprachmanipulation (die es ist, von wegen "basisdemokratisch") ist nicht erforderlich.

Rainer D. Kettenring | Do, 24. September 2020 - 13:37

In reply to by Maik Harms

Die Geschlechterneutralität in der Sprache soll also zur Gleichberechtigung beitragen.
Dann nehmen wir uns gerne ein Beispiel an der Türkei.
Im Türkischen gibt es das Maskulinum in der Sprache nicht.
Dann ist doch alles in Ordnung, oder?
Nein, ganz gleich, was wir alles verändern, zerstören oder angeblich verbessern,
es wird immer Menschen geben, die sich ungleich behandelt fühlen.
In der Regel schreien die am lautesten, die Aufmerksamkeit brauchen.
Die, für die sie schreien, wissen von ihrer Benachteiligung oft nichts.
Das beste Argument für solche Sprachpolizisten: … ganz ruhig anschauen und fragen:
„Wer sind Sie denn“?

Holger Jürges | Mi, 23. September 2020 - 11:25

Bin ganz bei Herrn Krämer, werte Frau Pusch:
Eine notwendige Abkehr von herkömmlichen Begrifflichkeiten sehe ich nicht !
Zitat:[...]"Frau ist nicht der Rede wert. Die deutsche Männersprache versteckt die Frau besser als jede Burka."
Ha, nicht der Rede wert ?: Frauen dominieren bereits länderübergreifend das politische Geschehen: VdL und Merkel z.B.: ob das zum Guten gereicht, möge jeder selbst für sich entscheiden. - Auch die Ministerriege ist mehr und mehr weiblich durchsetzt.
Nie wurden mehr verantwortliche Positionen durch Frauen besetzt als in der heutigen Zeit; jeder Frau steht der Weg durch eine entsprechende Qualifikation offen. - Ist nicht "sprachliche Gerechtigkeit" im Falle des Genderns ein Hirngespinst ?
Zudem stellt sich die Frage: Ist nicht jene gendersüchtige Strategie, die allerorten propagiert wird, nur der dekadenten Verve einer verschwindend geringen Minderheit geschuldet ?

des alten und weissen, in Zukunft ins zweite Glied verdrängt zu werden.

Da vernimmt man, Frauen hätten doch schon so viel erreicht, jetzt sollten sie aber endlich mal Ruhe geben!

Was wollen DIE denn noch? War "Mann" nicht schon großzügig genug?

Und so wird üblich gönnerhaft argumentiert. "Entscheidet", dass gerechtere Sprache ein Unding ist, dass - so haben alte, weisse Männer entschieden - keiner will.

Es gibt mehr Frauen als Männer in diesem Land. Erstere nehmen noch immer gerne den von Männern zugewiesenen Platz ein, man ist folgsam, besonders gut "Sozialisierte" auch noch voller Stolz.

Hätten diese Frauen auch nur halb soviel Selbstvertrauen wie die männliche alte Garde, würden sie uns wahrscheinlich schon zeigen, wie Sprache heute aussehen sollte.

Wolfgang Jäger | Mi, 23. September 2020 - 11:45

Tut mir leid! Aber die Argumentation trieft von ideologischer Denke. Sprache soll als Vehikel dienen, die Denke der Menschen in die gewünschte Richtung zu manipulieren. Und das quasi auf Anordnung von oben. Totalitär eben. "Am 20. September 2020 konnten wir bei Anne Will erleben, wie die drei anwesenden Frauen und einer der Männer – Malu Dreyer, Marina Weisband, Anne Will und Ranga Yogeshwar – vollendet geschlechtergerecht sprachen; zwei Herren – Frank Montgomery und Hendrik Streeck – taten sich dagegen noch schwer." Die gelobten Akteure verstehen sich ja auch als Aktivisten im Sinne von Frau Puschs ideologischer "Sprachphilosophie". Ich finde, man muss solchen Leuten den Kampf ansagen.

Romuald Veselic | Mi, 23. September 2020 - 11:49

Ists gerecht, wenn nur Frauen Tschador/Burka/Hijab/... tragen? Dort sollte man vor allem ansetzen, denn dies beleidigt meine Auffassung der Gleichberechtigung. Das Visuelle wirkt auf das Gesagte, liebe Frau Pusch.
Zitat: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, heißt es im Grundgesetz. In der Sprache sind wir Frauen allerdings noch immer benachteiligt, und Herr Krämer und der Verein Deutsche Sprache hätten gerne, dass das auch so bleibt. Ich auch. Forever.
Ist Herr Krämer gutes Recht, auf seinem Standpunkt zu bleiben.
Frau Pusch, seien Sie sich dessen gewiss, dass ich ihre Gender-Vorstellungen nicht befolgen werde. Schon aus Prinzip nicht, da ich ein freier Mensch bin, und die Kommunikation basiert auf Verständigung. In Gefahren, kommen Sie mit G-Unsinn nicht weit. Übrigens; 95% der Weltbevölkerung, interessieren Ihre Thesen, Frau Luise Pusch nicht. Und: Es ist gut so.
Ich mach bei keiner Umerziehung mit.
MfG Ikh bin zwei Bärliner

Yvonne Stange | Mi, 23. September 2020 - 12:01

... hat absolut nichts mit Sprache zu tun! Es zählen hier nur Fakten und keine Kosmetik und keine Quoten! Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, daß Frauen für gleiche Arbeit auch gleich entlohnt werden! Das regelt man nicht mit Sprache! Im Gegenteil, unsere Sprache wird bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.
Deshalb bekommen Frauen trotzdem nicht den gleichen Lohn und werden auch was Familienarbeit anbelangt immer noch hintenan stehen. Ich bin gegen diese Zerstörung unserer Sprache, es ist niemandem damit geholfen. Und jede starke und selbstbewußte Frau kann auch sehr gut damit umgehen wenn sie mal nicht explizit erwähnt wird. Was soll das dann für ein Gewirr werden, wenn erst alle ?? Geschlechter berücksichtigt werden wollen?
"Die Sprache eines Volkes ist der hellste Spiegel seines Gemütes und seines geistigen Lebens; wer sich der Sprache seines Volkes entfremdet, entfremdet sich seinem Volke selbst."
Ernst Moritz Arndt

Liebe Frau Stange,

vielen Dank für Ihren treffenden Kommentar.
Dank Ihnen kann ich mich kurz halten;).

"Und jede starke und selbstbewußte Frau kann auch sehr gut damit umgehen wenn sie mal nicht explizit erwähnt wird." Das sehe ich genauso! Und frage man sich einmal, wo der Genderismus herkommt. Der Ursprung liegt in den Orchideenwissenschaften. Habe ich selbst studiert und bin dort reichlich in Kontakt gekommen mit Menschen, die neben 30 Semestern harten Studentenlebens und ganztägiger Unibesetzung endlich Zeit hatten, sich um das wirklich Wichtige im Leben zu kümmern - die sprachliche Benachteiligung der Frau.

Alexander Calenberg | Do, 24. September 2020 - 13:28

In reply to by Yvonne Stange

Das hat jetzt nichts mit dem Artikel über Gendergagasprache zu tun. Frauen bekommen den gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Ich möchte in unserem marktwirtschaftlichen/ kapitalistischen System das Unternehmen sehen, das aus ideologischen Gründen für eine ausgeschriebene Arbeit freiwillig einen höheren Lohn zahlt, wenn es gleichwertigen, billigeren Ersatz gäbe. Das wird es in einer Marktwirtschaft nicht geben. Die Lohnunterschiede für Frauen und Männer bei sonst identischen Bedingungen sind Märchen, die gibt es nicht, weil sonst die infrage kommenden Arbeitsplätze samt und sonders mit Frauen besetzt sein würden.

... wollen Sie das denn wissen? Wenn man mit dem Arbeitsvertrag unterschreibt, nichts über den Verdienst zu sagen? Quasi eine Art Verschwiegenheitsklausel? Oder arbeiten Sie in einem Bereich, der nach BAT bezahlt wird? Ansonsten sind die Arbeitgeber, die nach Tarif bezahlen doch eher gering, zumindest im Osten, da ist kaum einer drin bei den vielen kleinen und winzigen Betrieben.
Frauen bekommen 25% weniger. Nur weil sie Frauen sind. Können Sie ruhig glauben, als Mann....

Respekt bekommt man nicht von der Erscheinung des Rahmen, sondern welchen Inhalt man vermittelt bekommt.
Und Ihr Artikel trifft den Kern, aber auch mein Inneres.
Ja, Gefühle, Handlungen & Gedanken werden durch die Sprache vermittelt, was unheimlich für uns Menschen wichtig
& belebend ist. Und ihr Kommentar ist belebend. Dankeschön

Achim Koester | Mi, 23. September 2020 - 12:10

99 Sängerinnen und 1 Sänger sind also 100 "Sänger"?
Für mich wäre das ein Chor (oder muss ich dann "eine Chorin" sagen?). Ich empfinde es als Armutszeugnis, wenn Frauen eine solche Vergewaltigung der Sprache brauchen, um sich zu "verwirklichen".

Unsere Sprache wird derart verschandelt und nicht mal konsequent! Wenn man die sprachliche Gleichberechtigung auf den Gipfel treiben möchte, dann darf aber auch "*innen" nicht immer an zweiter Stelle kommen. Inkosequenter Blödsinn eben!

Statt Indikativ ("empfinde" und "brauchen") wäre Konjunktiv II ("empfände" und "bräuchten") angemessen. Sobald mir Umfragen bestätigten (Konjunktiv II), dass nicht nur eine Mehrheit der Bevölkerung, sondern allein eine Mehrheit der Frauen darauf Wert legten (Konjunktiv II), begönne (Konjunktiv II) ich sofort, auch im Alltagsgespräch konsequent im Sinne von Frau Pusch zu gendern.

Jürgen Keil | Mi, 23. September 2020 - 19:38

In reply to by Dirk Jäckel

Umfragen? An jene habe ich den Glauben verloren. Womöglich noch von der Bertelsmann- oder gar von der Amadeu Antonio Stiftung ausgeführt? Eine Volksabstimmung; wenn schon, denn schon.

gerhard hellriegel | Mi, 23. September 2020 - 12:11

Ich stimme der autorin zu: frauen sind in der sprache tatsächlich benachteiligt. Aber:
- Die genusabhängigkeit kann nicht durch korrektur beseitigt werden.
- Die ableitung von frauenbezeichnungen aus maskulinem wortstamm kann nicht durch korrektur beseitigt werden. (auch im englischen: man-woman)
- Die umgehungen sind teilweise schlicht falsch: ein tanzender bin ich nur, während ich tanze, danach sind wir vielleicht tänzer, aber keine tanzenden und auch keine getanzten.
-Ja, sie hat recht, nur ist die konsequenz: eine neue sprache. Das wurde schon im Wiener Kreis diskutiert und verworfen. Und damit wären wir wieder bei der alten leier: die sprache ist kein hygieneartikel, sondern ein lang gewachsenes biotop: schmutzig, voller unkraut, altertümlicher ansichten, sozialer relikte. Es kann sich ändern, aber es muss nicht.

sehe die Sache so wie Sie, ansonsten bin ich einigermaßen verwundert über die Ebenen, von denen aus hier fast ausschließlich argumentiert wird.
Da wird ja von den Männern hier im Dorf differenzierter drüber geredet, und mit Quasi-Schaum vorm Mund von keinem in unserer 18-köpfigen "Herrengymnastik-Gruppe", bei der kein einziger Herr dabei ist, sondern lauter gestandene und ältere/reifere Männer und Familienväter, die ihre Frauen sehr zu schätzen wissen.
Aber vielleicht ist ja DAS ihr Fehler ...

Andre Möller | Mi, 23. September 2020 - 12:15

Ich kenne keine Frau, Mädchen oder weibliches Wesen, dass sich in meiner Gegenwart über eine sprachliche Ungerechtigkeit beklagt hätte oder die auch nur den Hauch einer Kritik an der von der Autorin und ihren Apologeten eingebildeten Ungerechtigkiet verlautet hätten... mehr kann man dazu eigntlich nicht sagen. Es ist halt modern, die Sprache ändern zu wollen, muss man sich nicht mit der Realität auseinandersetzen. Purer Waschzwang. Haben die Diktatoren des letzten Jahrhunderts auch versucht - war umsonst. Neudeutscher Schwachsinn, der immer mehr um sich greift. Da war ja selbst die Sprachverhunzung in der DDR erträglicher.

Hans Page | Mi, 23. September 2020 - 12:16

dann würden sie den englischen Ansatz verfechten. Das löst alle Probleme, auch wenn es zu Wortungetümen führt. Aber das ist immer noch einfacher als gesamte deutsche Sprache durchzugendern. Besser wäre das alles zu lassen, ich kenne keine Frau die sich durch den bisherigen Sprachgebrauch benachteiligt fühlt; das Problem sind eher die Befindlichkeiten einer winzigen Minorität, den Genderaktivistinnen. Warum macht man nicht einfach eine Volksbefragung, dann gäbe es wenigstens eine gewisse Legitimität.

Alexander Calenberg | Mi, 23. September 2020 - 12:24

Das Gendern der Sprache ist völlig absurd. Der Beitrag von Frau Pusch ist monströs realitätsfern und rein ideologiegetrieben. Welcher normale Mensch würde zum Beispiel Bürger*innenmeister*innen*kandidat*innen sagen?
Selbst das mit Knacklaut versehene "Bürger*innen" käme 95% der Menschen nicht über die Lippen, zumal es sich anhört, wie "Bürger innen" im Gegensatz zu "Bürger draußen".
Ich kann mich erinnern, dass Willy Brandt in seinen Wahlkampfreden damals schon zu den "lieben Mitbürgern und Mitbürgerinnen" sprach. Das ist 50 Jahre her und bis heute redet der normale Mensch auf der Straße nicht solch einen Quatsch. Gendergaga in der Sprache wird sich nicht durchsetzen, weil es völlig absurd ist.
Würde die Bevölkerung diese Sprachdiktatur annehmen, ginge es sehr schnell. Beispiele, wie "Filterblasen", "Clickbaits","Public Viewing", "Yallah" verbreiteten sich recht schnell, Gendergaga wird in den Elfenbeintürmen bleiben.

Karl Kuhn | Mi, 23. September 2020 - 12:33

"Die feministische Sprachkritik ist eine Basisbewegung, die versucht, die Sprachgemeinschaft über sprachliche Gerechtigkeit aufzuklären. Der Vergleich mit der Polizei, die auf Befolgung der Gesetze zu achten hat, ist insofern völlig abwegig. Eher versuchen wir, die bestehenden Gesetze – also die Grammatikregeln – auf basisdemokratischem Wege zu ändern, sie gerecht, also frauenfreundlich zu machen."

Die Sprachfeministinnen würden jede demokratische Abstimmung über ihre Sprachverschönerungen verlieren. Deswegen werden diese Änderungen auch weitgehend auf dem Verwaltungsweg durchgesetzt. Und natürlich ist es eine sprachpolizeiliche Maßnahme, wenn etwa universitäre Abschlussarbeiten nur noch in gegendertem Zustand zur Begutachtung angenommen werden.

Günter Johannsen | Do, 24. September 2020 - 18:51

In reply to by Karl Kuhn

"Und natürlich ist es eine sprachpolizeiliche Maßnahme, wenn etwa universitäre Abschlussarbeiten nur noch in gegendertem Zustand zur Begutachtung angenommen werden."
Sowie auch in den zutiefst übergriffigen Öffentlich Rechtlichen Staats-Medien!

Rainer Mrochen | Mi, 23. September 2020 - 12:42

... die Sprachwissenschaftlerin - Luise F. Pusch, zitiert folgendermassen "Fragen sie ihren Arzt oder Apotheker". Sie hat sicherlich ihren Arzt und ihren Apotheker gemeint. So viel Zeit sollte für das Possessivpronomen schon sein, weil Arzt und Apotheker eben nicht die gleichen sind. Aber egal, ich werde weiterhin meinen Arzt resp.meine Ärztin befragen, weil für mich die Qualität der Diagnose und der daraus abzuleitenden Behandlung und nicht deren Geschlecht, einzig und allein entscheidend ist. Sterne beobachte ich am Himmel.

Rolf Rattay | Mi, 23. September 2020 - 12:52

Die Dame wollte auch ein Junge werden?
Hat nur nicht geklappt?
Wie heißt das noch in der Psychologie?
Erst seitdem die Gender-,,Spezialisten,, sich immer mehr in den Vordergrund drängen, habe ich überhaupt realisiert, dass, wie z.B.der Begriff ,,Sänger,, die Frauen diskriminieren sollen. Aber trotzdem ist sind Negerküsse für mich keine Schaumküsse. Ich mag kein Zigeunerschnitzel, aber ich werde es weiter so nennen. Usw. usw.

Dirk Jäckel | Mi, 23. September 2020 - 12:56

Zitat:
"geschlechtsneutralen Partizipien wie „die Forschenden“ (früher „die Forscher“), „die Geflüchteten“ (früher „ Flüchtlinge“)."

Oh, da ist Frau Pusch aber ein kräftiger Schnitzer unterlaufen. Im Eifer des Gefechts ist der Sprachwissenschaflerin offenbar entgangen, dass das Wort "Flüchtling" nun eindeutig geschlechtsneutral ist ("sie ist ein Flüchtling") - oder will Frau Pusch auch "Schmetterlinge" als "Schmetternde" bezeichnen?

Zitat:
"wozu braucht es dann überhaupt das Wort „Heldin“?
Intesssante Frage, warum nicht auch "sie ist ein Held"? Frauen in der DDR (deren eher höheres Selbstbewusstsein gehörte zu den ganz wenigen Vorteilen dieses sonst unappettilichen Staates) haben oft von sich gesagt "Ich bin Lehrer" oder "ich bin Arzt"; dann kamen 1990 zahlreiche Besserwesserinnen, welche diesen Frauen sagten, dass sie ich damit nicht mitmeinen.
Aber jene Messe ist gelesen. Nunmehr hat man es tatsächlich geschafft, die Worte als geschlechtsspezifisch umzudeuten - groteske Ironie.

Peter Rosenstein | Mi, 23. September 2020 - 18:22

In reply to by Dirk Jäckel

"geschlechtsneutralen Partizipien wie „die Forschenden“ (früher „die Forscher“), „die Geflüchteten“ (früher „ Flüchtlinge“)."

Das, was Sie da aufspießen, ist zwar richtig, aber noch nicht der komplette Punkt. Das substantivierte Partizip widerspricht der Sprachlogik, da der beschriebene Zustand von kurzer, mittlerer oder längerer Dauer ist, aber irgendwann endet. Ein Geflüchteter ist in dem Moment, in dem er in Sicherheit ist, kein Geflüchteter mehr, er bleibt jedoch ein Flüchtling (als Status). Anderes Beispiel: Ich bin ein Studierender, solange ich die Speisekarte studiere. Ein Student aber ist ein an einer Universität eingeschriebener Mensch. Logik ist in Genderkreisen Glückssache.

Günter Johannsen | Mi, 23. September 2020 - 12:56

Da bin ich aber sehr skeptisch, dass es nur Gendergerecht sein soll ... ! Sprache wurde schon von einigen Diktaturen benutzt, um die Gesellschaft zu manipulieren: Erst braun, dann rot, jetzt grün? Jede Diktatur entwickelte seine eigene Sprache: das dritte Reich (siehe „LTI - Viktor Klemperer) oder auch die „Sprache der Aktuellen Kamera" - DDR-TV - Stefan Heim). Ist es heute die „Politische Korrektheit“, mit der man unser Denken und Reden wieder in ein enges Korsett zwängen will. Erziehen uns SO die neuen-alten Volkspädagogen schon wieder das selbständige Denken ab und pressen uns in ihren kleinlich-engstirnigen Denk-Horizont? Gründete man dazu die spezielle Stiftung, die sich für „Sprachhygiene“ zuständig fühlt? Mit einer Inoffiziellen Mitarbeiterin (IM) der DDR-Staatssicherheit (MfS) als Führerin?
Ich habe jetzt die Befürchtung, dass die friedliche Revolution von 1989 nicht vollständig zu einem guten Ende gebracht wurde … ?! Da bleibt wohl noch Einiges aufzuarbeiten!

Christian Lang | Mi, 23. September 2020 - 13:01

"Mit Ausnahme des Englischen sind fast alle europäischen Sprachen Genussprachen, mit einer für Frauen sehr nachteiligen Eigenschaft: Männer, hypothetische Personen."

Also, bin Rumänisch Muttersprachler, spreche zudem exzellent Spanisch und wähle die AfD.
Im Rumänischen sind Berufsbezeichnungen immer männlich, auch bei Frauen, also übertragen ins Deutsche:" Angela Merkel, Deutscher Bundeskanzler, hat sich mit dem Rektor der Universität X, Susanne Y getroffen, um die Wende zur neuen Bildungsexzellenz einzuleiten. Ab nun soll die gesamte Hörendenschaft an Universitäten digitale Vorlesungen genießen."
Die Pluralform" Hörendenschaffft" sollte doch perfekt passen. Damit ist zugleich auch eine professionelle Tätigkeit gemeint,nicht nur ein Gerundium des Hörens, da das dreifache fff dies klar anzeigt.
Wenn alle Frauen zu Männern gemacht werden, also empowered, kann sich doch keine Frau mehr beschweren. Zudem kommen somit weit mehr Menschen in den Genuss einer fluiden Transidentität.

Dr. Oliver Strebel | Mi, 23. September 2020 - 13:07

Frau Pusch möchte DAX Vorstände gendern. Ich gehe da noch viel weiter.

Wenn auf Baustellengerüsten im Januar nicht die 50% Frauenquote erfüllt wird, sollten alle Männer streiken, bis die gerechte Anzahl an Frauen da ist. Solche menschenverschleissenden reinen Männderdomänen gibt es noch viele, zB in meinem Beruf (*). Wir Männer sollten uns nicht mehr die schwierigen Verschleiß-Jobs zuschieben lassen, sondern auf einem gerechten Anteil bequemer Verwaltungsjobs bestehen. Wir haben nämlich so einiges aufzuholen bezüglich der Lebenserwartung.

(*) In den letzten 2 Jahre sind 2 meiner nahen Kollegen früh an Krebs verstorben. Die mussten auch so richtig mit der Hand am Arm in irrsinnig-dreckigen IT-Systemen herumwühlen.

Ich trete ab 01.01.21 in den Generalstreik und lasse Frauen gerne meinen sehr gut dotierten IT-Arbeitsplatz ausfüllen, damit sie das Gender-Pay-Gap verringern, sofern sie denn in diesen Dreck reingreifen wollen :P.

Gerhard Schwedes | Mi, 23. September 2020 - 13:15

Gegenargumente. Plural: Wenn man den Artikel schon gendergerecht interpretieren will, dann gilt auch, dass die Männer und überhaupt die gesamte Schöpfung im Plural feminisiert wird. Aus der Perspektive des Gender werde ich also im Plural eine Frau. Zu den Waffen, ihr Männer! Natürlich ist das Quatsch, weil es sich hier um das grammatikalische Geschlecht handelt und der Artikel nun einmal nicht biologisch ist. 2. Ich halte es da mit dem Sprachphilosophen Wittgenstein: "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch". Beispiel: der Büstenhalter. Niemand assoziert damit etwas Männliches. Oder mal angenommen, ab morgen wären 90 Prozent der Dachdecker weiblich. Dann hätte "der Dachdecker" automatisch die Assoziation "weiblich" zur Folge. Niemand würde sich dann noch einen Mann auf dem Dach vorstellen. Das Gleiche bei: "Der heutige Student ..." Seit es sehr viele Frauen darunter gibt, assoziiert man natürlich beide Geschlechter. In allen Bereichen wollen die Linksgrünen herumschrauben. Gähn!

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 23. September 2020 - 13:23

"um Himmels willen keine Burka" und stecke schon wieder in dem Dilemma.
Es macht übrigens in meinen Augen die Burka nicht besser, dass sie den passenden Artikel trägt.
Dennoch, der Artikel "der" ist evtl. nicht primär männlich, im Sinne des Selbstbezuges, sondern zeigend, aber auch distanzierend; der Artikel "die" evtl. bemerkend, aber auch eingemeindend?
Es könnte also sein, dass gerade Frauen keine Probleme haben zu sagen "der da", hingegen gerne "Ist da nicht Lieselotte, die kenne ich doch" sagen? Ist Dame denn das mit Herr gleichauf bezeichnende Wort für das weibliche Geschlecht? s. Lady und Gentleman oder doch Lad als KÜRZEL?
Der Artikel ist informativ, ich glaube aber, dass Sprechen komplexer ist, zumal wir nicht primär mit uns selbst reden.
Es wird evtl. darauf hinauslaufen, dass wir so und so auch sprechen wollen und können.
Weniger Probleme sehe ich beim Schreiben.
Da machen mir Sterne oder anderes eigentlich keine Probleme.
Die Aufarbeitung finde ich jedenfalls sinnvoll.

Wolfgang Tröbner | Mi, 23. September 2020 - 13:29

insbesondere sprachlich. Sonst aber nicht? Was sollen wir Ostdeutschen da sagen? Wir wurden noch ganz anders benachteiligt und zwar in verschiedenster Hinsicht, z.B. Jobs, Mitsprache etc. Sie schreiben "wie aus unseren Männersprachen humane Sprachen werden können". Eine Männersprache ist in Ihren Augen also keine menschliche Sprache? Wollen Sie uns Männern das Menschsein absprechen? Oder ist das nur eine feministische Provokation? Müssten nicht gerade Sie als Sprachwissenschaftlerin sich einer präziseren Ausdrucksweise bedienen können? Von anderen verlangen Sie das doch auch: "Krämer ist kein Sprachwissenschaftler, und so unterlaufen ihm denn auch einige Fehler – oder sollte es gar bewusste Irreführung sein?" Dass einige Protagonisten des ÖR "vollendet geschlechtergerecht" sprechen, nun gut, dass ist deren gutes Recht. Mein gutes Recht ist es allerdings, mich Ihrer Sprache zu verweigern. Deutsch ist nämlich eine sehr schöne Sprache und sollte nicht verhunzt werden, was Sie machen

Heidemarie Heim | Mi, 23. September 2020 - 14:00

Nachdem ein von mir scherzhaft verfasster Kommentar zum Krämer-Beitrag leider keine Berücksichtigung fand, musste ich kurz überlegen ob ich das Thema nicht gleich vollends abhake. Statt dessen habe ich mich dazu entschlossen,
hiermit nochmals mein nicht vorhandenes bzw. wenig ausgeprägte Verständnis für das von Frau Pusch verfolgte Anliegen zu kommentieren. Zu meinem Bedauern, man möge mir meine mangelnde Sensibilität für diese scheinbar wichtige Thematik nachsehen, tendiere ich persönlich auch zu der Boykotthaltung eines Herr Krämer! Oder um es anders auszudrücken, ich gönne es jedem, der seine Kämpfe gewinnt! In diesem Fall sehe ich aber weder einen Grund mich selbst hinein zu stürzen, noch lasse ich mir gerne meine Anliegen oder Kämpfe vorschreiben! Im Übrigen, als alte weisse Frau und Umweltomasau;`) werde ich auch sprachlich meinem Titel und Status damit gerecht. Ich geb`s ja zu, mein Fahrstil ist des Öfteren wirklich unter aller Sau;)!! Gruß an ALLE!

Brigitte Simon | Mi, 23. September 2020 - 21:06

In reply to by Heidemarie Heim

Liebe Frau Heim,
als überzeugte Gender*in drücke ich Ihnen mein Mitgefühl zur Nichtveröffentlichung
Ihres scherzhaft verfassten Kommentars. Mit Sicherheit habe ich etwas versäumt.
Ja, es ist anscheinend nicht so einfach, scherzhafte, ironische oder nichtgenderge-rechte Kommentare Cicero lesen zu lassen. Ich genieße geschmackvolle Ironie. Aber: Zukünftig bitte nur noch in Gender*in-Noblesse.
P.S. Übrigens vor einigen Tagen sandte ich an unseren Cicero einen Kommentar mit dem Betreff "Neues aus Armins Ahnenforschung" Auch nicht erschienen Ich hätte auch gerne nochmals gelacht.
MfG Ihre genderisierte Brigitte Simon

Gerhard Schwedes | Mi, 23. September 2020 - 14:28

Wenn von 100 Sängern auf einem Sängerfest gesprochen wird, denkt man weder an Männer noch Frauen. Man weiß es einfach nicht (geschlechtsneutral). Man assoziiert weder Männer noch Frauen. Will man es genauer wissen, spricht man von gemischten Chören oder von Sängern und Sängerinnen. Was die 100 Sänger mit Männern zu tun haben sollen, erschließt sich mir einfach nicht. Seien wir doch froh, dass wir die geschlechtsneutrale Form des grammatikalischen Geschlechts besitzen. Wenn wir es abschaffen würden, verlören wir eine feines Instrument unserer Sprache.

Gunther Freiherr von Künsberg | Mi, 23. September 2020 - 14:32

Das Makabre an der Genderdiskussion ist, dass es Viele gibt, die sie ernst nehmen, obwohl es genügend andere Probleme gibt. Ob das Ungerechtigkeiten sind wie Antisemitismus, Rassenhass, Rechts-und Linksradikalismus und vieles mehr. Die Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam kennen nur einen (maskulinen) Gott. Göttinnen fanden in der griechischen und römischen Mythologie statt. Soll auch hier in der geschichtlichen Darstellung zukünftig gendergerecht formuliert werden? Literarische und philosophische Größen wie Goethe, Schiller, Kant u.A. haben ihren Beitrag zur deutschen Kultur geleistet ohne sich mit Genderproblemen auseinandersetzen zu müssen. Auch dies ist ein Beweis dafür, dass die angebliche Genderproblematik völlig überflüssig ist.
Vielleicht ist es für bestimmte Bevölkerungskreise wichtig, dass darauf hingewiesen wird, dass auch Marx und ihm folgend Rosa Luxemburg angebliche Gerechtigkeitsdefizite anprangerten.
Ein Genderdefizit war nicht dabei.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 23. September 2020 - 14:38

alles was Sie da von sich geben mag Ihre Meinung wieerspiegeln, aber eben nicht die meine. Eine überlegte und nachvollziehbare Sprachangleichung mag ich im Einzelfall akzeptieren. Ansonsten ist das eine Meinung, die Sie da vertreten, von der ich überzeugt bin, dass nur eine Minderheit von Frauen das genau so sehen.
Zumindest sehe ich das an den Sichtweisen der hier schreibenden Mitmenschen.

Richard Niebuhr | Mi, 23. September 2020 - 14:39

Die Umdeutung des Partizip Präsens als Nomen führt im Deutschen zu grotesk komischen Bedeutungen, die nicht mal Frau Pusch gefallen würden. Niemand redet von Saufenden, Trinkenden und Mordenden, wenn Säufer, Trinker und Mörder gemeint sind. Als Forschender habe ich auch mal Pause und bin leider auch als Mann erkennbar. Und im Plural sind Forscher nun mal nicht unablässig als forschend zu betrachten, genauso wenig wie LKW-Fahrende und Auto-Fahrende.
Als regelmäßiger DLF-Hörer finde ich die Versuche zur geschlechtsneutralen Sprache geradezu rührend. Die Sprechenden (in diesem Fall korrekt) können ihren eigenen Ansprüchen nie gerecht werden und verwickeln sich unweigerlich in logische Widersprüche, die man amüsiert zur Kenntnis nimmt. Zudem erschweren die bewusst in Kauf genommen sprachlichen Unschärfen das Textverständnis und benachteiligen deshalb Menschen mit einfacher Bildung (z.B. Flüchtlinge).

Reinhard Getzinger | Mi, 23. September 2020 - 14:51

Die gendersensible Sprache mit ihren Rendunanzen und *s wird nie etwas anderes sein als eine blutleere Kanzleisprache.
Eine Sprache, die sich nicht zum Sprechen eignet -und schon gar nicht zum Singen- sondern nur geschrieben werden kann, ist eben gar keine Sprache, sondern nur Schrift.
Wie jede Kunstsprache ist sie auf Gedeih und Verderb an ihr Biotop gebunden und außerhalb dessen nicht überlebensfähig.
Nach Büroschluß des woken akademischen Milieus wird sie in die Asservatenkammer verfrachtet werden.
Vielleicht wird man die bizzarsten Gendermainstreaming-Verrenkungen einmal im Museum für ausgestorbene Kanzleisprachen bestaunen können.
Neben dem k&k ärarischen Forstadjunkten und der realsozialistischen Jahresendflügelfigur...

gabriele bondzio | Mi, 23. September 2020 - 15:17

Meine Güte, dass sind Probleme! Aufmerksamkeits-Ökonomie...noch nie damit befasst. "Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen", heißt es vom Erfinder Franck. Nun, wenn man davon ausgeht. Ist ja momentan „die Angst„ in DE diese Droge, die sich jede Menge Leute reinhauen lassen. Ob sie nun männlich oder weiblich sind.
„Wir Befürworterinnen einer gerechten Sprache möchten erreichen,dass die Sprache uns Frauen keine Gewalt antut,“...ich bin zwar schon auf viele Ideen gekommen. Aber das ich als Frau, mit männlicher Gewalt in meiner Muttersprache zu kämpfen hätte, ist mir noch nicht in den Sinn gekommen.

Tomas Poth | Mi, 23. September 2020 - 15:34

dieser Satz sagt schon alles, hier geht es um eine persönlich gefühlte "Gerechtigkeit" der Autorin, die ihr eigenes Bedürfnis zur Norm machen und allen anderen aufzwingen möchte.
Wie man beim Aufräumen im eigenen Haushalt fragt, wird das gebraucht oder kann das weg, fällt das Gendern unter letzteres.
Diese ganze Fehlallokation von Steuermitteln zur Betreibung und Erhaltung solcher Lehrstühle können besser für Bildung-/ Bildungsförderung an den Schulen und anderen Bildungseinrichtungen eingesetzt, als auf diese Art verschwendet werden.

Gero Greb Autor / EDV-Spezi | Mi, 23. September 2020 - 17:17

FrauPusch,sie schreiben: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, heißt es im Grundgesetz. In der Sprache sind wir Frauen allerdings noch immer benachteiligt....“
Fr. Luise Pusch, Sie haben da (vorsätzlich) etwas übersehen: „Gleichberechtigt“ ist ein juristischer Begriff, der die „Gleichwertigkeit“ aller Menschen in der BRD festschreibt a b e r eben nicht die Tatsache, daß z.B. Mann und Frau sich (Gott sei es gedankt) fundamental unterscheiden! Und genauso, wie man den Bartwuchs (ich bringe jetzt absichtlich kein anderes Unterscheidungs-merkmal) in der Regel nur bei den Männern vorfindet, genauso gibt es auch in der Sprache über Jahrhunderte gewachsene Regeln, die man nicht so einfach – schon allein der Verständlichkeit wegen - über den Haufen werfen kann. Und genauso, wie man die Artikel des GG's richtig aanwenden und vollziehen m u ß , muß man auch die Sprache „sprachgemäß“ anwenden.
Die Sprachen aller Völker (Dialekte) sind schützenswertes Kulturgut!

Maria Busold | Mi, 23. September 2020 - 17:35

Gerade ist mir aufgefallen, dass das kernigste Schimpfwort der Deutschen, das A...loch, fast nur für Männer gebraucht wird. Diese Ungleichbehandlung sollte man auch endlich abstellen.

Helmut Bachmann | Mi, 23. September 2020 - 18:42

Für mich leider alles Scheinargumente, die letzlich nichts weiter sind als moralgetränkte Besserwisserei. Mir persönlich bleibt damit Wurscht, was die wenigen "Befürworterinnen" (wo bleiben da die Männer?) dazu denken. Sprachverhunzerei ist für mich Kulturbanauserei. Muss ich nicht ernstnehmen, hat keine Mehrheit. Akzeptiert das und lasst uns in Ruhe.

Bernd Muhlack | Mi, 23. September 2020 - 20:02

Der Die Das Angeklagt wird frei gesprochen.
"Kosten" trägt "Staat".
Sehen Sie Frau Punsch, es geht doch, alles nach Wunsch!

Um es mit Peter Altmaier zu sagen:
Sehen Sie, schauen Sie, Sie müssen wissen Frau Punsch unser örtlicher Männergesangverein hat eine Dirigentin, Choreographin!
Die Jungs sind alle locker Ü 60 und Sie ist 38!
Ich bin weder Sänger noch aktiver Musikant.

Waren Sie einmal stationär in einem KH?
"Krankenschwester" ist mMn eines der sinnfreiesten Worte überhaupt!
Gibt es auch Krankenbrüder?
Ich spreche alle mit Vornamen an und bleibe natürlich (meist) beim SIE.
Fachpflegepersonal - OKAY?

Zu meinen Müllfrauen habe ich eher weniger Kontakt, im Gegensatz zu den Postalinen, also Paket-/Brief-Zustellende.
Meine Mietenden sehe ich ebenfalls eher selten, solange sie zahlen.

Alora: alle Gesetze, Bücher etc umschreiben = die Sprachpolizei ... doppelplusgut!

Gilt das auch für die Thora, die Bibel, den Koran?

Wie war das noch mit dem Missverständnis "Vorsicht Stauende!"

Gerhard Weißenberger | Mi, 23. September 2020 - 21:31

Frau Pusch sollte sich mit dem weiblichen Artikel “die” für alle Wörter im Plural zufrieden geben.
Außerdem haben fast alle Gemeinschaft von Personen den Artikel “die”, wie Ehe, Familie, Gruppe, Menge, Party, Mannschaft, Gesellschaft, Feuerwehr usw.
Beim Ändern von Gesetzestexten wünsche ich viel Glück.
Es gibt immer noch keine Bundeskanzlerin im GG.

Michael Bahr | Mi, 23. September 2020 - 23:44

Man kann zu dem Streit zwischen Krämer und Pusch stehen wie man mag, aber Puschs Vergleich der traditionellen deutschen Sprachregelung des generischen Maskulinums mit dem textilen Stoffgefängnis, unter das antidemokratisch, antifeministisch und totalitär denkende und handelnde Taliban die Frauen zwingen, gehört sich nicht. Den Frauen stehen in der westlichen Welt (also auch in Deutschland) die größten Freiheiten aller Zeiten zu. Keine Frau wird durch das generische Maskulinum an einem freien und selbstbestimmten Leben gehindert. Das mobile Stoffgefängnis des radikalen Islam aber ist ein Zeichen für einen bewusst gegen Frauen und ihre Selbstbestimmung eingesetzten Terrors.
Pusch tut sich und ihrem Anliegen keinen Gefallen, wenn sie solche absurden Vergleiche für angemessen hält. Und am Ende sorgen solche Entgleisungen sogar noch für eine Verharmlosung des radikalen Islam und seiner Terrorisierung der Frauen.

Johanna Schneider | Mi, 23. September 2020 - 23:49

Ich finde es immer schwierig, für andere zu sprechen. In diesem Fall meine ich die männlichen Kommentatoren unter dem Beitrag, die nun eben nicht durch das generische Maskulinum unserer Sprache ausgeschlossen werden. Das "Problem" betrifft Sie schlicht nicht, meine Herren. Auch empfinde ich den spöttischen Ton Frau Pusch gegenüber unangemessen.
Zwar würde auch ich mir lieber die Hand abhacken als Gendersterne zu verwenden. Dass das Männliche linguistisch gesehen stärker ist, ist jedoch nicht zu leugnen. Aber das ist mir schlichtweg absolut egal. Ich persönlich fühle mich durch generisches Maskulin im Wort "Unternehmerverband" nicht beleidigt - durch die Herren dort, die für das lockere Zusammensein am Abend schon mal die leichten Damen bestellen, allerdings schon. Vielleicht ist das im Unternehmer:innenverband ja anders?

Ich stimme Ihnen ausdrücklich zu. Zwar sind von Sprache immer alle betroffen, die sie im Munde führen und auch Männer haben jedes Recht, sich zu Frau Puschs Ansichten kritisch zu äußern. Wie so oft, wäre dabei aber eine gewisse Behutsamkeit zu begrüßen.

Schon allein, weil AUCH Männer zu diesem unsäglichen Gender-Neu-Sprech verpflichtet werden sollen (und an Universitäten bereits auch verpflichten werden), haben Männer selbstverständlich das Recht bei der Diskussion um die Sprachumformung mitzureden! Abgesehen davon, dass Frau Pusch mitnichten für alle oder auch nur die Mehrheit der Frauen „kämpft“!
Aber auch die Annahme, ausschließlich Betroffene dürften sich über Betreffendes (egal bei welchem Thema) publik äußern, ist natürlich Unsinn, denn dies würde postulieren, dass jeder Nicht-Betroffene weder Ahnung, Empathie noch Rechtsempfinden besäße. In Konsequenz dieser „Logik“ müsste man ratifizieren, dass nur Frauen Politik für Frauen, Männer für Männer, Arbeiter für Arbeiter, Migranten für Migranten etc. machen dürften. Folge: Die totale Spaltung der Gesellschaft geteilt bis in die kleinste Partikularinteresse. Eine funktionierende Gemeinschaft als Land/Staat/Nation wäre ausgeschlossen. Das ist reinster, übelster Partikularismus.

Jens Böhme | Do, 24. September 2020 - 00:43

Wieso schaffen es nicht die Frauen in Bildung und Wissenschaft Fuss zu fassen? Weil Kommilitoninnen, Studentinnen und Lehrerinnen unaussprechlich und hinderlich sind. Fängt man auch noch so klingonisch an zu sprechen wie in diversen Talkshows, vergeht auch den letzten Zuseherinnen das Lob auf die Gentrifiziererinnen. Kein vernunftbegabtes Elternteil wird Kinder in eine Mädchen- und Jungen-Tagesstätte schicken.

Walter Ranft | Do, 24. September 2020 - 02:52

Sie vertreten sich. Das ist ihr gutes Recht. Sie möchten auch andere begeistern, Ihre Sichtweisen zu teilen. Auch ok.
Im alltäglichen Umgang miteinander allerdings kann ich nicht erkennen, dass "die Basis" schreit "so sehen wir das auch".
Sie sind eine verhältnismäßig kleine Gruppierung, die elitär und ziemlich basisabgehoben unter dem Anspruch von 'Gerechtigkeit' das Recht auf Vorrechte, wie alle Minderheiten es inzwischen für sich reklamieren, ebenfalls beanspruchen.
Minderheitenrechte sind ernst zu nehmen. Minderheitskomplexe gehören nicht in diese Kategorie ...

Ekkehard Windrich | Do, 24. September 2020 - 10:39

Sehr geehrte Frau Pusch,

gebe ich Ihre Argumentation im Kern so richtig wieder?

1. Außer im Englischen ist das Neutrum männlich.

2. Männer genießen dadurch ein erhöhtes symbolisches Kapital. Außer im englischen Sprachraum natürlich.

3. Dieses schlägt sich in handfesten Wettbewerbsvorteilen für Männer nieder, wiederum außerhalb des englischen Sprachraums.

Behaupten Sie also, dass im englischen Sprachraum Frauen signifikant weniger benachteiligt werden als bei uns? Gilt das etwa auch für die zurückliegenden Jahrhunderte?

Das erscheint mir ziemlich abwegig. Aber ich kenne zugegebenermaßen kein Zahlenwerk, das diese Aussage stützen oder widerlegen würde.

Christian Haustein | Do, 24. September 2020 - 12:07

Sehen sie es dich einmal aus dem Blickwinkel. Eine Gruppe von 99 Mörderinnen und einem Mörder bleibt eine Gruppe von Mördern... Außer sie gönnen Männern auch keine negative Aufmerksamkeit.

Luise F. Pusch | Do, 24. September 2020 - 19:07

In reply to by Christian Haustein

Hallo Herr Haustein, eben habe ich zum ersten Mal den Podcast "Mordlust" (Folge 55), gehört. Von und mit Paulina Krasa und Laura Wohlers. In vollendet gerechter Sprache reden sie von Täter*innen, Ermittler:innen und Kriminalbeamtinnen+. Sagenhaft! https://podtail.com/de/podcast/mordlust/
Schon 1987 bestand ich bei der berühmten Feminisierung der Schweizer WOZ darauf, negativ besetzte Wörter wie "Täter" von der Feminisierung nicht auszunehmen, denn "Frauen sind zu allem fähig".