Sprache und Geschlecht - Weg mit dem Gender-Unfug!

Immer häufiger wird im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegendert. Dagegen protestiert der Verein Deutsche Sprache. In einem Gastbeitrag schreibt dessen Vorsitzender, Walter Krämer, warum die von der Gender-Lobby geforderte Sexualisierung auf dem Weg zur Gleichberechtigung nur hinderlich ist.

gendergerechte-sprache-gendern-argumente-genderstern-sprachwissenschaft
Gegenstand hitziger Debatten: Das Gendersternchen / dpa

Autoreninfo

Prof. Dr. Walter Krämer ist ein deutscher Ökonom. Er ist Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund und 1. Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache e. V.

So erreichen Sie Walter Krämer:

Walter Krämer

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein höchst erstrebenswertes und immer noch nicht ganz erreichtes Ziel. Aber der aktuelle – man muss schon sagen: Sprachterror –, mit dem eine verbohrte Ideologenclique ganze Stadtverwaltungen und Universitäten überzieht, ist der falsche Weg dahin.

Keine Frage: Das frühere „Fräulein“ ist zu Recht verschwunden, und wenn ich auf der Weihnachtsfeier der Bäckerinnung Heidelberg den Festvortrag halte, dann begrüße ich die Anwesenden natürlich mit „Meine lieben Bäcker und Bäckerinnen“. Aber eher würde ich mir meine Hand abschneiden, als vom Bäcker- und Bäckerinnenhandwerk zu schreiben. Einmal spreche ich konkrete Personen an, und einmal rede ich abstrakt über einen Beruf. Generell spricht nichts dagegen, beim Schreiben oder Reden über konkrete Menschen wenn nötig auch sprachlich festzuhalten, dass darunter Männer wie Frauen vertreten sind: Beim letzten Seifenkistenrennen des Bäckerhandwerks belegten die Bäcker und Bäckerinnen aus Heidelberg den zweiten Platz.

Unglückliche Übersetzung des deutschen Barock

Im Prinzip aber umfasst „Bäcker“ die diesem Handwerk obliegenden Männer und Frauen gleichermaßen. Der Bäcker ist das altbekannte generische Maskulinum, das allerdings wie das „grammatische Geschlecht“ allein schon durch seinen Namen für Verwirrung sorgt. Rein sprachwissenschaftlich gesehen handelt es sich hier um verschiedene Schubladen, in welche fast alle indogermanischen Sprachen die Welt einsortieren, etwa belebte Dinge in die eine und unbelebte in die andere. Warum nennen wir die Schubladen nicht X und Y?

Und einige Sprachen kennen für Abstrakta wie das Denken oder das Vergessen auch noch eine dritte Schublade Z. Der Begriff des grammatischen Geschlechts für diese Sortierfächer ist eine unglückliche Übersetzung des deutschen Barock, da kreierten deutsche Grammatiker für den Fachausdruck „Genus“, wie man diese Schubladen in der Sprachwissenschaft benennt, das „grammatische Geschlecht“ und nannten die Artikel der, die, das „Geschlechtswörter.“ Eine genauso irreführende Falschbenennung. Dass sogar große Gelehrte wie Jacob Grimm hier eine tiefere Bedeutung hineingeheimnissen wollten, macht die Sache auch nicht besser. Auf jeden Fall steckt seitdem die Verbindung zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht in den Köpfen fest.

Verantwortung liegt nicht in der Sprache 

Natürlich weichen diese Grenzen nach tausenden Jahren Sprachgeschichte auf, auch in der Schublade Y finden sich seit langem belebte Dinge wie die Frohnatur, die Dumpfbacke oder die Betriebsnudel (das heißt im Fachjargon auch Metaphorisierung), aber der zentrale Sachverhalt, dass diese Benennungen, wie die Sprachwissenschaftler sagen, „generisch“ sind und nichts mit dem biologischen Geschlecht der so bezeichneten Personen zu tun haben, bleibt weiterhin bestehen (und ist nebenbei gesagt auch ein bisher viel zu wenig beachteter Vorteil in der Paralleldebatte über dritte, vierte und fünfte biologische wie über soziale Geschlechter sowie sämtliche sexuelle Orientierungen: das Generikum bezeichnet alle). Dieses generische Femininum ist zwar weniger verbreitet als das maskuline Gegenstück, aber man frage doch mal zehn zufällig ausgewählte Bundesbürger, ob sie bei dem Wort „die Schnapsdrossel“ eher an Männer oder an Frauen denken, und es wird klar, dass das „Geschlechtswort“ der oder die vor einer Personenbenennung keinen sicheren Rückschluss auf deren biologisches Geschlecht erlaubt.

 Der Held ist und bleibt eine Person, die sich durch heldenhaftes Verhalten auszeichnet, egal ob Mann oder Frau. Das beliebte Standardargument, Frauen wären hier nur „mitgemeint“, wird auch durch 1000-maliges Wiederholen nicht richtiger. Sprache meint nie etwas, Menschen meinen. Und wenn Menschen meinen, der Held wäre ein Mann, dann muss man eben diese Meinung ändern. Einfach indem mehr Frauen Helden sind. Viele Kinder in Deutschland meinen, der Bundeskanzler wäre immer eine Frau.

Ausdrückliche Nennung in gewissen Kontexten vorteilhaft

Dass in den bekannten Trivialstudien die Befragten mehr Männer nennen, wenn man sie nach ihren Lieblingsautoren fragt, ist doch klar: Im bisherigen Verlauf der Menschheitsgeschichte waren Autoren überwiegend Männer. Zumindest diejenigen, über die geredet wurde. Also denkt man beim Wort „Autor“ erstmal an Männer. Genauso denken wir, obwohl es inzwischen in Deutschland mehrere Dutzend Männer gibt, die diesen Beruf ausüben, bei dem Wort „Hebamme“ zuerst einmal an Frauen.

Die Frage nach „Autoren und Autorinnen“ ist eine Kurzfassung der Info: „Nicht vergessen: auch Frauen schreiben Bücher“. In diesem Sinn spricht sicher nichts dagegen, in Kontexten, wo der weibliche Anteil wichtig ist, von „Patienten und Patientinnen“ oder „Mördern und Mörderinnen“ zu sprechen. Aber eine Patienten- und Patientinnenverfügung? Niemals. Nero und die Christen- und Christinnenverfolgung? Eher esse ich meine Bibel. Oder „Proletarier und Proletarierinnen, vereinigt euch?“ So hätte es die Oktoberrevolution in Russland nie gegeben. 

Ein komplexes Uhrwerk

Eine hochkomplexe Sprache wie das Deutsche funktioniert wie eine Rolexuhr, in der man an keiner Schraube drehen kann, ohne dass die ganze Mechanik alias die Grammatik ins Stocken gerät. Es reicht ja nicht, bei Hauptwörtern zu gendern, auch die Pronomen, Präpositionen und Adjektive und alles was damit grammatikalisch zusammenhängt, sind mitzubedenken („Wer hat seinen Lippenstift im Bad vergessen?“). Mir kommen diese sprachhandwerklich oft unbedarften Eingriffe von Menschen, die es ansonsten gerne sehe genau nehmen, wie Versuche vor, eine solche Rolex mit Hammer und Meißel (oder besser: Hammer und Sichel) auf Vordermann zu bringen. 

Bessere Rahmenbedingungen statt Genderlobby

Wer wirklich den Frauen etwas Gutes tun will, sollte das auf andere Weise tun. Wenn in einigen Jahren bei dem Spruch „Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ fast alle Menschen bei den Wörtern Arzt und Apotheker vor allem an Frauen denken, ist das kein Erfolg der Genderlobby, sondern eine Konsequenz der Tatsache, dass Frauen ohne alle Hilfe von Sprachverhunzern, allein aufgrund veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in diesen Berufen sehr erfolgreich sind. Also gilt es, diese Rahmenbedingungen zu verbessern: Gleiches Geld für gleiche Arbeit, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Auf diesem Weg zur vollen Gleichberechtigung kommen wir keinen Zentimeter weiter, wenn die Sparkasse Saarbrücken ihre Klienten mit „Kunden und Kundinnen“ anspricht. Zum Glück wurde dieses Ansinnen vor kurzem höchstrichterlich verworfen. Diese durch die Gendersprache dem Deutschen aufgezwungene Sexualisierung, der bislang nicht vorhandene Zwang, bei Personen immer auch das das Geschlecht zu denken, ist vielleicht sogar für Frauen eher schädlich, von den sonstigen desaströsen Konsequenzen für eine kultivierte, nuancenreiche und melodische Sprache völlig abgesehen.

Das Sein bestimmt das Bewusstsein, sagte schon Karl Marx, und nicht umgekehrt. Nicht die Etiketten sind wichtig, sondern das, was darunter steckt. Und so denken unsere Urenkel als Folge einer auch im Haushalt bis dann hoffentlich etablierten Gleichberechtigung beim Wort „der Putzteufel“ dann vielleicht auch an Männer.

Am Mittwoch wird an dieser Stelle die Mutter der feministischen Linguistik, Luise Pusch, auf Walter Krämer antworten. 

Manfred Bühring | Mo, 21. September 2020 - 15:52

Das Land der Denker und Dichter, der großen Philosophen, der Goethes und Schillers, das Land der Schönheit und Vollkommenheit der Sprache, dieses Land entleibt sich durch den ausufernden Gender-Wahnsinn eines Teils seiner kulturellen Seele. Erst waren es diese fürchterlich hippen Anglizismen, die unsere Sprache verhunzt haben; nun ist es das Gender*chen. Dem muss endlich Einhalt geboten werden. Hat denn wirklich kein Politiker mehr die Cojones, sich der Pulverisierung sämtlicher wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Errungenschaften unseres Landes entgegenzustellen?

Harald Lieder | Mo, 21. September 2020 - 15:53

Herr Professor! Kommt es mir nur so vor, oder sind Meinungsäußerungen in diesem Ihren Sinne öffentlich tatsächlich sehr viel seltener, als die Kakophonien der Sprachverhunzer?
Schon das Schauen etwa einer Anne-Will-Folge mit diesen sekundenlangen Pausen inmitten eines Wortes (bevor dann endlich - fast erlösend - das "... Innen" gesagt wird) macht die Absurdität des gesamten Ansatzes deutlich.
Die Lächerlichkeit einer derartigen Sprechweise scheint aber nur wenigen aufzugehen.
Und SO sollen wir in Zukunft alle stammeln?! Das kann niemand allen Ernstes glauben - selbst die militantesten Befürworter nicht.

scheint aber nur wenigen aufzugehen."...mir schon, werter Herr Lieder.
Wir waren mal das Land der Dichter und Denker, bevor irgend ein Unhold auf die Idee mit dem Gendern gekommen ist. Sprachlich aufgeblasen wirkte Texte, die nach bemühter politischer Korrektheit riechen und nicht selten an Realsatire grenzen.

Wer seine Sprache nicht achtet und liebt,
kann auch sein Volk nicht achten und lieben.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)

Ausgerechnet Ernst Moritz Arndt zitieren Sie.
D a s geht nun aber gar nicht!!!
Wissen Sie denn nicht, daß Arndt 2018 aus dem Namen der Universität Greifswald gestrichen wurde, weil er den Jakobinern des Zeitgeistes absolut zuwider war?
Zunächst hatte sich eine Mehrheit für den Beibehalt des Namens ausgesprochen, aber die Nörgler ließen nicht nach, bis sie es schafften, eine Mehrheit unter den
Professoren für sich zu gewinnen.
Da mag dieser Mann für die Freiheit u. Einheit aller Deutschen gestritten u. gedichtet haben: Das ist alles nichts mehr wert, w e i l er ja auch anti-französische u. anti-jüdische Bemerkungen gemacht hat. Das ist zwar nach einem Napoleon, der ganz Europa mit Krieg überzogen u. unterjocht hat, irgendwie verständlich, aber das zählt bei heutigen Besserwissern nicht.
I c h jedenfalls achte Ernst Moritz Arndt als deutschen Freiheitskämpfer und Dichter weiterhin. Schon oft habe ich an seinem Grab auf dem "Alten Friedhof" in Bonn gestanden und seiner gedacht.

Tomas Poth | Mo, 21. September 2020 - 15:54

Genderismus wäre vielleicht die adäquate Bezeichnung für den Gender-Unfug.
Meiner Ansicht nach haben wir es mit einer ideologisch gefärbten Gesinnung am Hals, die ausschließlich unsere Sprache verhunzt und nichts zu dem beiträgt was sie vorgibt zu wollen.

Bernhard K. Kopp | Mo, 21. September 2020 - 16:21

In reply to by Tomas Poth

Diese provoziert und ruft nicht immer elegante oder zivile Gegenreaktionen hervor. Dann kann man wieder gegen " Hass und Hetze " kämpfen und erreicht das wirkliche Ziel : Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft in Gutmenschen und das Pack. Da sich die Diskussionswissenschaftler für intellektuell und moralisch überlegen halten glauben sie, dass sie immer " oben " sein werden.

Ines Schulte | Mo, 21. September 2020 - 17:24

In reply to by Tomas Poth

ist es z.B. wenn in einem Artikel las, durchgehend auch die weibliche Form beachtet wird, dann aber von 'Hinterwäldlern' und 'Hintermännern' gesprochen wird. Und dies bei Personen, die man noch nicht kennt. Es könnten also auch durchaus Hinterfrauen sein...

Willi Schöning | Di, 22. September 2020 - 09:56

In reply to by Tomas Poth

...ist dieser Artikel, wenn "Kommunisten" als Urheberinnen des vermeintlichen "Genderterrors" vermutet werden. Sprache befindet sich zum Glück im stetigen Wandel, wer möchte denn heute noch im Stil der Nibelunge, der Nationalsozialistinnen oder der Fünfziger des letzten Jhd. sprechen? Natürlich wird durch Gendern nicht die vollkommene Gleichberechtigung umgesetzt, allerdings spiegelt Sprache unsere Wirklichkeit wieder, die über Jahrhunderte patrichial geprägt wurde. Also warum anstatt doppelter Benennung nicht einfach die feminine Formulierung zum Ausgleich nutzen? Oder fühlt sich dadurch jemand auf den Schwanz oder in die "Cochones" getreten? Die Rede von einer Gender-Lobby ist vermessen, oder gibt es da hochbezahlte Interessenvertreterinnen, die unter den Linden die deutsche wie international Demokratie und Wirtschaft aushöhlen? Zum Thema präzises Uhrwerk; erklären sie dann doch mal in einem Deutschkurs für Migrantinnen, wie sich die Genera herleitet, viel Spaß. ;)

Ganz richtig, die Sprache ist immer im Wandel. Regelmäßig kommen neue Wörter und Begriffe aus all den ganzen Fachbereichen mit denen der Mensch sich beschäftigt hinzu. Alle paar Jahrzehnte werden auch an der Rechtschreibung Änderungen vorgenommen, die nicht immer unbedingt ein Zugewinn bedeuten.
Das Gendern hat aber nicht diese sondern politische Hintergründe. Das ist der wesentliche Unterschied.
Wo ist der Zugewinn bei Täter*in, Mörder*in und dergl., es leidet nur die "Sprachökonomie". Ob nun m/w/s-Genus, es sind immer alle gemeint!! Wo ist das Problem?

Ja, die Sprache unterliegt der stetigen Veränderung, wei nod?
Um Anglizismen vorzubeugen.

Jedoch, bedarf es dazu über 200 (!) hoch dotierter Lehrstühle an unseren Universitäten?

So manche Fakultät hat mMn eher Leerstühle denn Lehrstühle!

So lange hinreichend Steueraufkommen vorhanden ist, kann man sich auch diese "produktiven" Studiengänge leisten!

Wie nennt man eigentlich den Studienabschluss?
Bachelor, Master of gender?
Welchen Beruf ergreift man dann?

Holger Jürges | Mo, 21. September 2020 - 16:15

Ich empfinde die Genderdekadenz als sprachlich unharmonisch und somit auch als anti-poetisch, werter Herr Krämer. - Danke für die umfassenden Darstellungen der sprachkulturellen Vergangenheit.

Worte von Jacob Grimm:

"Wer die Geschichte durchforscht, muß die Poesie als einen der mächtigsten Hebel zur Erhöhung des Menschengeschlechts, ja als wesentliches Erfordernis für dessen Aufschwung anerkennen."

Und Botho Strauss hat es auf den Punkt gebracht:

"Daß die hymnische Schönheit, wenn sie nur tief genug, auf dem krausesten Grund entsteht, zu jeder Zeit das höchste Ziel der Dichtung sei, die das Gerümpel sichtende Schönheit, davon möchte man sich immer aufs neue überzeugen, wenn man den Angstträumen des Alltags entfliehen will, in den
geschredderten Formen der Gegenwartslyrik keinen Halt findet, wohl aber in den Rilkeschen Elegien."

Nun ist Dichtung nicht die Form der alltäglichen Umgangssprache, aber sie weist auf die höchsten Möglichkeiten des Ausdrucks hin, wider aller Genderei.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 22. September 2020 - 11:54

In reply to by Holger Jürges

und seinem Glauben an eine ursprüngliche Offenbarung, tief ver/geborgen im Gedächtnis der Poesie, die uns den Angstträumen der Alltäglichkeit entkommen lässt.
Botho Strauss immerhin wird in der ZEIT noch publiziert, die ansonsten m.E. viel sich in der aber Schönheit und Wahrheit des Alltäglich bewegt, manchmal aber auch verliert.
Schmidts Zeiten sind vorbei, der war auf der Höhe der politischen Möglichkeiten seiner Zeit.
Mich graust, wenn ich die von Botho Strauss berufenen Konservativen anlese, ich scheue davor.
Ich gebe zu, dass ich eher Merkels m.E. Sprachlosigkeit ertrage, solange andere noch sprechen dürfen. Aber dieser Felsen verschwindet nicht, nur weil ich mich mit ihm nicht befassen möchte.
Dieser Felsen verbaute aber m.E. der Weimarer Republik einen wenn auch dürftigen Weg in die Moderne und riss Millionen Menschen in den Tod.
Solche Diagnosen dürfen nicht als Geschütz auffahren!
Bach und Mozart zeigten mir, dass man noch am und im größten Irrtum Gott liebt.
Frieden auf Erden

Werte Frau Sehrt-Irrek: Sie wissen ja, das der Eskapismus das Potenzial des Numinosen streift, sowohl in der Musik (ich bin ganz bei Ihnen hinsichtlich Bach und Mozart; bitte nicht Wagner) als auch in der Dichtung. - Die sprachliche Virtuosität von Herrn Strauss war Gegenstand meiner Betrachtung; das Politische ist dabei eher nebensächlich. - Rilke stand den Anthroposophen mit den vernunftgenerierten Erklärungen zum Dasein skeptisch gegenüber. - Und da bin ich wieder bei der Poesie: Jener Sprache des Numinosen, denn daraus wird sprachübergreifende Kunst geboren.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 21. September 2020 - 16:28

dass im Bewusstsein das Sein zu sich selbst kommt und über sich hinausgeht, aber man kann nicht sagen, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt.
Der Artikel ist sehr kundig geschrieben, aber er geht evtl. nicht in die "richtige" Richtung.
Und vielleicht sieht der Professor auch zuwenig die Bedeutung des Geschlechtes für die Wörter.
Obwohl das Geschlechtliche auch nur ein Akzidens sein kann.
Es heisst der Mann, aber die Männer, was darauf hindeuten würde, dass den Artikel nur ein Moment des Geschlechtlichen innewohnt und wechselnd.
Die Beugung sagt eben auch DEN Männern, im ersten Fall Plural DIE Männer.
Man wird wohl komplexer schauen müssen.
Zudem gibt es Möglichkeiten von Sprache, treffender zu sprechen.
DER Doktor, ja, aber ich sage Frau Doktor und Herr Doktor statt der oder die Doktor.
Davon nichterfasste Geschlechter darf man vielleicht mit Namen ansprechen?
Man kann sich auch etwas Anderes/Neues ausdenken.
Mich stören nicht die Überlegungen und Versuche, mich stören nur Diktate.

Romuald Veselic | Mo, 21. September 2020 - 16:34

dass Nichtgendern kein Strafbestand ist? Und wenn ich Fräulein sage, dass dies für mich irrelevant ist, was die darüber denken? Ich habe keine Lust, mich andauernd irgendwelcher hippen Minderheit zu unterwerfen o. neu sozialisieren lassen.
Es gibt in Deutschland keine Heldinnen, sondern in Belarus. Zu 1000-en. Wenn ich zu pauschal bin, klären Sie mich bitte auf.
Oder dann muss man dem Nobelpreis Komitee klarmachen, einen zusätzlichen Nobelpreis für Helden/Heldinnen einführen, damit die männliche Dominanz in Wissenschaft, etc., nicht so sexistisch überragt/hervortritt.
Ansonsten ist die ganze Angelegenheit für mich wie Pferdeäpfel mit Kuhfladen zu vergleichen.
Verzeihen Sie mir meine Impertinenz. ✔

... mit Ihnen stimme ich vollkommen überein. Danke für die klugen Gedanken. Von Impertinenz kann keine Rede sein. Der Zweck heiligt die Mittel, oder wie es unser Dichterfürst formulierte:

"Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil"!
Alles Gute Ihnen.
Habe die Ehre!

Brigitte Miller | Mo, 21. September 2020 - 17:03

innigsten Dank dafür!

gerhard hellriegel | Mo, 21. September 2020 - 17:04

Mit seinen zielen bin ich voll einverstanden. Nur ist die behauptung, genus habe mit dem sexus nichts zu tun, nicht haltbar - wie wir alle wissen. Hier wird eine sprachvergangenheit konstruiert, die es eben nie gab. Die sprache ist kein hygieneartikel und war es auch nie, sondern ein lang entwickeltes biotop. Sie ist schmutzig (igitt!) und voller unkraut, altertümlicher ansichten, sozialer relikten. Nur dass jetzt gerade die sonst so ökologisch angehauchten mit sprach-glyphosat das biotop vom unkraut reinigen wollen?

Kai Korrotes | Di, 22. September 2020 - 17:56

In reply to by gerhard hellriegel

Zitat: „Nur ist die behauptung, genus habe mit dem sexus nichts zu tun, nicht haltbar - wie wir alle wissen.“

Das stimmt so nicht. Um es simpel mit einem Beispiel zu verdeutlichen: Die Wurst ist keine Frau und der Käse ist kein Mann, wie auch das Kind / das Baby / das Mädchen / das Onkelchen / das Mütterchen ect. keine „Sache“ ist… oder Herr Hellriegel? Ergo, Genus = grammatisches Geschlecht, Sexus = biologisches Geschlecht… wie wir alle wissen. ;)

Ernst-Günther Konrad | Mo, 21. September 2020 - 17:19

Volle Zustimmung Herr Professor. Das Sprache sich in überlegten und nachvollziehbaren Bereichen ändert, weil sich der Zeitgeist ändert und bestimmte Begrifflichkeiten und Definitionen zu einem Wort sich ändern können, das mag ich ja noch verstehen. Auch das Worte wie Fräulein eingespart werden. Was aber derzeit läuft ist ein "Terrorangriff" auf unsere Sprache und damit auch unsere Kultur. "Neger" und "Mohren" sind plötzlich rassistisch. Frauen/Divers wollen angeblich immer und überall als solche sprachlich besonders eingeordnet werden. Das glaube ich einfach nicht. Frauen fordern, mit Recht Respekt, Achtung und anständigen Umgang, Gleichbehandlung im Beruf und der Gesellschaft schlechthin, so wie es Männer auch erwarten. Allein das ich in über 40 Jahren mehrfach das Wort "Zigeuner" im amtlichen Sprachgebrauch ändern musste ist schon ein Wahnsinn. Ich mache den Unsinn jedenfalls nicht mit und weigere mich, mit Pausen zu reden oder irgendwelche Sternchen in meine Texte einzubauen.

Hubert Sieweke | Mo, 21. September 2020 - 17:31

wird unumkehrbar sein. In einigen Jahren, wenn in den Grundschulen großer Städte zu 90% Araber, Afrikaner oder Türken eingeschult werden, ist die deutsche Sprache sowieso zum Nieschenprodukt verblichen.
Wer heute durch eine belebte Innenstadt Fußgängerzone sparziert, wird nur noch selten deutschen Unterhaltungen lauschen können.
Ob aber unsere neuen Bürgerinnen und deren viele Kinder sich mit Gendern anfreunden - geht das in Türkisch oder Arabisch - mag ich bezweifeln.

Wolfgang Borchardt | Mo, 21. September 2020 - 18:05

Solche fundierten Beiträge sind die einzige Möglichkeit, gut gemeinten Gesinnungen etwas entgegenzusetzen. Traurig, dass so viele diese Sprachverstümmelung mitmachen, die es glücklicherweise nicht zur Norm geschafft hat. Den meisten Frauen sind andere Dinge wichtig. Angesichts dieser ständigen Anbiederns an das Weibliche könnte mancher Mann zum Macho werden, der es vorher nicht war

Bernd Muhlack | Mo, 21. September 2020 - 18:27

Ein sehr guter Artikel, jedoch mMn ein katastrophaler Beginn:
"Damit hier keine Missverständnisse entstehen:"
Was soll das?
Das klingt ja wie eine Vorab-Entschuldigung, mea culpa, mea maxima culpa.

Wie sagte die von mir "hoch verehrte, sehr geschätzte" damalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Ayhan Özoguz?
"Deutschland hat außer der Sprache keinerlei Kultur."
Genau so etwas erwartet man von einer (merkelistischen) Integrationsbeauftragten!

Also vernichten wir unser einziges Kulturgut, nicht wahr?
"Frisch ans Werk Gesellen, von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß!"
"Mein" Schiller, leider viel zu früh abgedankt.

Schauen wir doch einmal in den Schönfelder (Gesetzessammlung):
der Käufer, der Hersteller, der Kaufmann, der Täter, der Mörder, der Erbe, der Eigentümer etc.
Zu meiner Studienzeit hat sich kein einziger Emanz darüber beschwert!
Es las auch niemand EMMA.

"Fortschritt, Veränderung" ist kein Synonym für Verbesserung, nicht wahr?

Prima Herr Prof. Dr. Krämer!

Maik Harms | Mo, 21. September 2020 - 19:04

Die sog. gendergerechte Sprache ist der Versuch, eine reale Ungleichheit durch sprachliches Voodoo zu beseitigen, statt schlicht den Frauenanteil zu erhöhen.

Noch wichtiger, wird damit das Geschlecht als Kategorie dort betont, wo es eigentlich sachlich irrelevant sein sollte. Gerade das forderten Feministen doch immer: Es komme nicht auf das Geschlecht an!

Halbwegs nachvollziehen kann man den Einwand, es gehe um Sichtbarkeit, wenn man die Fehldeutungsgeschichte nachvollzieht, die Hr. Krämer aufmacht. Dann müsste man aber, wie in Schweden, eine wirklich _neutrale_ Bezeichnung für Artikel, Pronomen etc. finden; ein noch drastischerer Eingriff ins Deutsche.

Hier wird ein Nebenschauplatz mit Wonne und viel Macht durchgefochten, gleichzeitig die Bürger gewollt in "gestrig"/böse und "progressiv"/gut geteilt. Moralpolitik vom Feinsten.

Karl Napp | Mo, 21. September 2020 - 19:23

Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren,
sehr geehrte Diverse.

Ein wenig umständlich, die Anredefloskel welcher ich mich seit gut drei Monaten in Schreiben an Behörden, Gesellschaften oder Verbände bediene, doch korrekt ist sie allemal - oder?

Lothar G. Kopp | Mo, 21. September 2020 - 20:00

Vielen Dank für Ihren Text, sehr geehrter Herr Krämer. Gelungen!

Ich frage mich, was denn der Gewinn ist, wenn z. B. die Journalistin Anne Will sich zur Lobbyistin einer von der Gender-Lobby geforderten Sexualisierung der Sprache macht.

1. Welchen Vorteil bringt ihr das?
2. Ist sich Frau Will nicht der Tatsache bewusst, dass ihre Ignoranz der die Gendersprache ablehnenden Mehrheiten (siehe entsprechende Umfragen) die Gesellschaft spaltet?
3. Oder ist das Ausdruck einer intellektuellen Arroganz im ÖR? Volkserziehung?

Apropos Spaltung der Gesellschaft: Kopiert sie als Journalistin damit nicht genau das, was sie an Trump kritisiert?
Ich nenne das Bigotterie.

Stefan Jurisch | Di, 22. September 2020 - 06:55

Und bestimmt auch vielen anderen. Doch wäre es an jenen, auch mal zu handeln, statt sich immer nur aufzuregen und in Foren auszulassen. Es ist ganz einfach: die Sendung nicht mehr schauen oder, noch besser, jedes Mal eine Beschwerdemail an die Redaktion, wenn Frau Will mal wieder den Sprachfluss mit einem „Innen“ sowohl akustisch als grammatikalisch zerlegt. Ich habe das bereits mehrfach getan, nur einer allein generiert nunmal keine öffentliche Meinung.

Benno Pluder | Di, 22. September 2020 - 08:23

Danke.

Wolfgang Tröbner | Di, 22. September 2020 - 09:37

Vielen Dank für diesen Artikel, den ich voll und ganz unterschreibe. Gab es in der DDR nicht ähnliche Tendenzen, die Sprache im Sinne der Machthaber zu ändern, um die Bevölkerung auf Linie zu bringen? Viktor Klemperer hat übrigens ein äußerst interessantes Buch über die Sprache im dritten Reich geschrieben. Man sollte es wieder einmal lesen...

Simone Büchl | Di, 22. September 2020 - 09:51

Ich weigere mich diesen Gender-Sprachwahnsinn mitzutragen.
Als 32-jährige, blonde Akadamikerin hat es sich zumindest bisher niemand getraut mich deshalb zu kritisieren.
Nicht einmal meine StudentEN (ich bin nebenamtlich als Dozentin tätig).
Das sieht jedoch bei meinen männlichen Kollegen ganz anders aus...
In vielen Sprachen ist das generische Maskulinum die Norm und daher auch geschlechtsneutral.

Peter Rosenstein | Di, 22. September 2020 - 10:50

In dem guten und wichtigen Artikel fehlt mir ein wenig, dass die Bedeutung der Sprache wesentlich in klarer Kommunikation liegt. Nichts verhindert den barrierefreien Dialog nachhaltiger als Genderstern, Binnen-I und andere Narreteien aus dem Werkzeugkasten des Feminismus. Dazu schafft diese Sprachverhunzung, die ja im Namen einer ominösen Gerechtigkeit ins Werk gesetzt wird, neue Ungerechtigkeiten. Sie exkludiert Menschen, die beispielsweise die Bedeutung dieser Sprachkrücken nicht kennen. Wie soll ein Ausländer verstehen, was gemeint ist, wenn ein behördliches Schreiben durchsetzt ist mit Rechtschreibfehlern (ansonsten zeige man mir im Duden die Stellen, in denen dieser Unsinn durch die Redaktion legitimiert wird), mit unverständlichen Wendungen und grafischen Zeichen mitten im Wort? Dazu verschleifen die Sprecher regelmäßig den Genderstern und sprechen im Generischen Femininum, siehe (vielmehr höre) den Deutschlandfunk. Gerechtigkeit? Ich lach mich schief.

Carla Gehrmann-Zellen | Di, 22. September 2020 - 12:34

Dazu das Buch v. Prof. Hayakawa "Language in Thought and Action" / "Sprache im Denken u. Handeln", erschien in den 60-er Jahren u. ist weiterhin aktuell. Der Titel sagt alles. - Selbstverständlich verändert Sprache das Handeln u. vice versa. - Mir gefällt das "Pausensternchen" nicht, deshalb werde ich weiterhin "Bäckerinnen u. Bäcker" sagen, ich finde es jedoch völlig in Ordnung, wenn man in Radio oder TV die Sternchenpause macht. Diese Pause bewirkt einen Aha-Effekt. Aha, da gab es ja noch etwas ..... (Übrigend auffallend, - oder das Übliche? - daß bis jetzt 18 Leser u. 5 Leserinnen schrieben).

Gerhard Weißenberger | Di, 22. September 2020 - 12:41

Man betrachte die Wörter in der Gastronomie.
Neben dem Fräulein gibt es den Ober.
Eine Oberin gibt es im Kloster und "Oberin" als Ruf nach der Bedienung klingt bescheuert.
Die Bedienung ist eine Frau oder eine Tätigkeit und
klingt als Ruf ebenso wie “Kellnerin” etwas despektierlich.
Sommelierin klingt besonders bescheuert und bei
Barista sind dann Mann und Frau glücklich vereint.

Prof. Dr. Robert Zydenbos | Di, 22. September 2020 - 13:52

Dieser Sprachterror ist ein rein deutsches Unding, das einfach beseitigt werden kann, wenn man es nur will. Vorbild ist das Niederländische (keine andere Sprache ist dem Deutschen so eng verwandt): Seit Jahren liest man in niederländischsprachigen Texten über Frauen, die «Direktor», «Autor», «Lehrer» (nicht Direktorin, Autorin, Lehrerin) usw. sind. So macht man es im Englischen auch.

Wer glaubt, dass in unserer Zeit nur Männer Autoren, Lehrer, Fahrer, Direktoren, Ärzte, Professoren usw. usw. sind oder sein dürfen, hat einen Vogel.

Aber offensichtlich geht es den Ideologie- und Sprachterroristen gar nicht um die Lösung eines vermeintlichen Problems. Dadurch, dass man neue Probleme kreiert (wie diese Sexualisierung der Sprache) oder Nichtprobleme am Leben hält, macht man sich wichtig und zieht Aufmerksamkeit auf sich. Manche brauchen das, leider auch an meiner Universität.

Ich warte noch darauf, dass jemand über «Menschen und Menschinnen» spricht, weil «Mensch» männlich ist…

Bernd Hartke | Di, 22. September 2020 - 14:14

Wie schon Leser Karl Napp bemerkte, in dem Moment, als aus "m/w" ein "m/w/d" wurde, gepaart mit der Erkenntnis, daß "d" hier ein generischer(!) Platzhalter für ein halbes oder ganzes Dutzend von Möglichkeiten ist, war klar, daß das Gendern krachend an sich selbst gescheitert ist -- seine Vertreter haben es nur noch nicht gemerkt.