Aluhut
Überall dunkle Mächte: Der Verschwörungsgeist hat Besitz vom Journalismus ergriffen / dpa

„Rechte Netzwerke“ und mehr - Die große Lust am „Verschwörungsjournalismus“

Artikel, in denen angebliche „rechte Netzwerke“ und andere konspirative Machenschaften identifiziert werden sollen, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie alle eint eine journalistisch fragwürdige Herangehensweise, getrieben von dem Wunsch, alles zusammenzutragen, was irgendwie ins eigene Narrativ passt. Jeder Retweet wird zum Indiz verklärt, jeder lose Kontakt zum Schuldbeweis aufgeblasen. Das Ergebnis ist ein semi-paranoider „Verschwörungsjournalismus“, der jedem Aluhut Konkurrenz macht.

Autoreninfo

Ben Krischke ist Redakteur bei Cicero und lebt in München.

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„Diese Recherchen haben zahlreiche neue Hintergründe aufgezeigt, wurden vielfältig zitiert und wir führen sie weiter. Allerdings sind uns dabei auch handwerkliche Fehler unterlaufen, für die wir um Entschuldigung bitten“, war im Mai 2021 in einer Veröffentlichung des Tagesspiegels in eigener Sache zu lesen. Die Redaktion hatte zuvor einen Artikel veröffentlicht, in dem die Autoren – teilweise ohne Klarnamen – ein „antidemokratisches Netzwerk“ hinter der Aktion „#allesdichtmachen identifiziert haben wollten.

Wir erinnern uns: Die „#allesdichtmachen“-Videos hatten sich ironisch mit den Maßnahmen des Bundes und der Länder zur Corona-Bekämpfung und der Rolle der Medien in der Pandemie auseinandergesetzt. Wenn Sie mich fragen, waren da ein, zwei Perlen dabei – zum Beispiel die Medienkritik von Jan Josef Liefers –, ansonsten liegt die künstlerische Qualität der Aktion eben im Auge des Betrachters. Dem Tagesspiegel ging es damals aber nicht um Stilkritik. Denn bekanntermaßen bestimmt das Sein das Bewusstsein, und wer sich bestmöglich eingerichtet hat in seiner Solidarität mit und in der eigenen Folgsamkeit gegenüber den politisch Verantwortlichen, der mag es nicht besonders, wenn andere aus der Reihe tanzen.

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Tomas Poth | Di, 19. Juli 2022 - 18:42

Halbseiden und/oder bouliös .... - Ich denke man schreibt auch für das Brot das man ißt und sucht sich wahrscheinlich dazu das passende Medium.
Letztendlich haben wir es seit langem mit einem Lagerjournalismus zu tun.
Alle behaupten zwar unabhängig und frei zu sein, zu berichten, sind aber doch ziemlich eindeutig einem politischem Lager zuzuordnen. Das Lager dem man angehört, die eigene Auffassung, wird dann auch entsprechend promotet, der "Feind", die andere Meinung entsprechend niedergemacht.
Recht haben wollen und recht behalten ist wohl wichtiger als eine diskursive Auseinandersetzung, die zeitraubend ist und am ende möglicherweise zum Ergebnis führt, das alles auch anders sein kann. So kann man keine Richtungspflöcke einschlagen.
Es geht also den Medien auch um die Macht und Teilhabe an der Macht und die damit verbundenen Eitelkeiten.

Ja, das sehe ich ganz genau so Herr Poth. Vor allem wenn unterschiedliche Parteioberen vom ÖRR zum Interview gebeten werden. Bei den einen werden die Fragen provokant und dem Sinn nach abwertend gestellt, bei anderen wiederum eine unverhohlene Lobhudelei schon in der Fragestellung. Dabei wird anschaulich klar, die einen werden von der Macht ausgeschlossen, die anderen sind Macht = Regierungsfähig. Ein Schelm der dabei Böses denkt.
Und, mir ist’s egal wer od. welche Partei sich meiner Bedürfnisse annimmt und wenn Höckes AFD in Thüringen den Stein ins Rollen gebracht hat, die Windräder 1000 m Abstand durchzubringen, zwar mit einigen Außnahmemöglichkeiten auf die sich CDU + RRG in Thüringen geeinigt haben. Immerhin sind die 1000 m prinzipiell vom Tisch und das ist gut für unser Bundesland. Und, das zählt für mich.
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Jens Böhme | Di, 19. Juli 2022 - 19:25

Wenn ich lese, Rechte würden Netzwerke errichten und das sei gefährlich, frage ich mich, ob nur Linke, Grüne, Ökos oder Unpolitische sich sozial vernetzen bzw. öffentliche Netzwerkplattformen nutzen dürfen.

Gabriele Bondzio | Di, 19. Juli 2022 - 19:35

das Bewusstsein, ..." ... der erste Satz, an dem ich nicht vorbeikomme, werter Herr Krischke.

Schon Albert Schweizer sagte zu seiner Zeit:
„Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.“

Sicherlich muss frau abwägen, was ist glaubhaft.
Und so folge ich dem Dalai Lama und seinem Zitat:
„Verbringe jeden Tag einige Zeit mit dir selbst.“

Früh am Morgen so eine halbe Stunde im Garten sitzen und beobachten bzw. die Gedanken ordnen.

Beim lesen, hüben und drüben, recht und links usw., hat sich schon eine gewisse Routine entwickelt. Aus der Überschrift abzuleiten, ob es sich lohnt weiterzulesen.

Und ja, wie sie in ihrem Artikel berichten sind es auch Autoren, die gern dick auftragen.
Da lese ich schnell quer.
Denn
jetzt kommt das 3 Zitat:
„Eine Lüge reist einmal um die Erde, während sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.“
Mark Twain

Können sie auf Anhieb unterscheiden, Herr Krischke?

Hans Jürgen Wienroth | Di, 19. Juli 2022 - 19:45

Als kritischer Mensch war ich nie in einem der soz. Netzwerke, nutze auch kein Whats-App. Ich habe Angst in einer Blase zu landen und bemühe mich um ausgewogene Informationen. Meldungen haben erst dann einen Wert, wenn sie von mind. 2 seriösen Medien unterschiedlicher Richtung veröffentlicht werden. Wissenschaftliche Nachrichten müssen nachvollziehbare Argumente enthalten und das Für-und-Wieder aufzeigen.
Wer die Welt als rechtes Medium cancelt, der hat offensichtlich nur die Kommentare gelesen, die häufig kontrovers zu den Autorenmeinungen sind. Leider scheint es in diesem Land keine Tageszeitung mit konservativer Ausrichtung mehr zu geben. Bei uns gehört die eine zur SPD, die andere scheint mit Linken und Antifa zu liebäugeln. Dementsprechend kann der arbeitenden Bevölkerung, kein Vorwurf gemacht werden, in einer von den bekannten Medien betriebenen Blase zu landen. Sie ist auf zusammengefasste und verlässliche Nachrichten angewiesen, die dann in den soz. Medien geteilt werden.

Christoph Kuhlmann | Di, 19. Juli 2022 - 20:09

Dieselben Spinner die sich jetzt in den sozialen Medien austoben gab es schon auf den Web 1.0 Foren. Nur, die wurden moderiert und da reichte rassistische Hetze um gefeuert zu werden unabhängig ob man Türken als Kümmel bezeichnete oder Deutsche als Kartoffeln. Heute steht so etwas im Spiegel. Aber das Ganze hat Methode Innenministerin Faeser baut schon mal vor. Sie befürchtet eine Spaltung der Gesellschaft durch Querdenker wenn die Leute im Winter Strom und Gas nicht mehr bezahlen können. Schema F Stigmatisieren, Diffamieren und Diskriminieren und bloß keine inhaltliche Debatte führen. Vorurteilsbeladener Populismus in Reinkultur. Bei der Migrationspolitik, der Coronapolitik und beim Klimaschutz bzw. Wirtschaftskrieg gegen Russland. Die Populisten sitzen teilweise in der Regierung.

Sabine Jung | Di, 19. Juli 2022 - 21:04

ist es nicht so, dass wenn man nicht linientreu ist und die Ampelfarben trägt, und sich dann in einem der sozialen Medium austobt, ja das man dann ein rechter Querdenker ist, unbeugsam und zu verurteilen? Man ist gegen Corona oder gegen die Energiepolitik, dann heisst es gleich wieder rechts?

M. Bernstein | Di, 19. Juli 2022 - 21:52

Es ist eigentlich erschreckend wie wenig sachlich auf Twitter und Co. diskutiert wird. Das nehme ich dem Medium auch nicht übel, eigentlich ist es ja nichts anderes als der Stammtisch in der Kneipe. Der zweite Aspekt besteht darin, dass immer mehr, gerade junge Menschen glauben, dass Haltung alles ist und Rationalität, Fakten, Naturwissenschaft optional sind und jederzeit durch Haltung zurechtgebogen werden können. Das kann nicht funktionieren, da es durchaus auch eine objektive Welt gibt, die man sich nicht schön biegen kann. Drittens hat es sich eingebürgert Verächtlichmachung beim Gegner zu brandmarken und es selbst umso häufiger anzuwenden. Man will verletzen, verhöhnen und verächtlich machen, und wenn sich die Opfer beschweren, dann sind sie selber schuld. Damit wird aber der in einer Demokratie notwendige Exkurs über ein Thema komplett ad absurdum geführt. Am schlimmsten ist aber, dass die Politik sich daran orientiert und damit immer mehr den Bezug zu den Menschen verliert.

Da haben Sie Recht. Aber das wurde schon in den Anfängen der "social media" verworfen, um "social media" zu erhöhen, denn die Betreiber sahen die vielen Dollarnoten. Wenn Ministerien Entscheidungen zuerst auf Twitter verbreiten, als ob Twitter erste Bürgerpflicht sei, dann ists um das System, was dieselbigen angeblich verteidigen, schlecht bestellt.

Jochen Röschmann | Di, 19. Juli 2022 - 22:02

Vergleichbar dem frauenrechtlichen Bonmot der Kanadierin Ch. Whitton, verfasst irgendwann vor 1975, „Whatever women do, they must do twice as well as men to be thought half as good. Fortunately, this is not difficult.“ wäre heutzutage eine Gegenüberstellung regierungskritischer Beiträge zu den Themen Euro, Migration, Energiewende, Klimawandel, LGBTQ.. und Corona-Maßnahmen mit den allseits bekannten „links-grünen“, WEF-kompatiblen Narrativen.
Will damit sagen: Leute wie Mahr oder Hamann erachten es wegen ihrer hegemonialen (Selbst-)Verortung schlichtweg nicht als erforderlich, seriös zu argumentieren, insbesondere auch nicht in einem aufklärerischen Sinne à la Kant. Somit stellt sich auch die Frage, ob sie dazu überhaupt in der Lage wären.
Sie hingegen, sehr geehrter Herr Krischke, vollbringen es brilliant, einen sprachlichen Stil „wie einem der Schnabel gewachsen ist“ mit klarem Verstand, präziser Analytik und ausgewogener „logischer Buchhaltung“ unter einen Hut zu kriegen… Chapeau!!

Den letzten Absatz, werter Herr Röschmann, unterschreibe ich voll und ganz. J. P. Paul und B. Krischke schreiben hervorragende und mutige Artikel. Da ist absolut nichts mainstream. Es macht mir immer wieder Freude, ihre Artikel und Kommentare zu lesen. Und ich hoffe, dass sie uns lange „erhalten“ bleiben!

Ronald Lehmann | Di, 19. Juli 2022 - 23:42

Die Watergate-Affäre war die letzte Aufdeckung auf dieser Erde vom schändlichen bis unehrenhaften Treiben, Lügen & Bescheißen der Wählerschaft (das eigene Volk) durch durchtriebene, unehrenhafte Politiker, die Hochmut, Gier, Schamlosigkeit & Verbrechertum als Fundament ihres Handeln sehen.

Deswegen gibt es heutzutage nur noch Nachrichten, weil diese nach_gerichtet sind!

Müsste diese einen Bericht schrieben - Note 5 & Sessel räumen. Diese hohe Kunst kann gar keiner mehr & ist auch von der Macht nicht erwünscht.

"Wir sind der Washington Post, der New York Times, dem Times Magazine & anderen großen Publikationen & Magazinen dankbar, deren Direktoren an unseren Treffen teilnahmen & ihr Versprechen seit über 40 Jahren der Diskretion einhielten" ...
Es wäre für uns unmöglich gewesen, unseren Plan für die Welt zu entwickeln, wenn wir in all diesen Jahren im Rampenlicht der Öffentlichkeit gestanden hätten"
gekürzt: Ziel-WELTREGIERUNG!
David Rockefeller in Baden Baden, Bilderberger 1991 !

Ernst-Günther Konrad | Mi, 20. Juli 2022 - 07:43

Nach Herrn Paul nun eine weitere Medienschelte durch Sie Herr Krischke. Es würde mich mal interessieren, ob solche kritischen Artikel bei irgendeinem namentlich bekannten Journalisten oder überhaupt einen Widerhall finden. Immerhin legen Sie und andere Autoren mal direkt und mal im Rahmen einer anderen Themenbearbeitung inzwischen nicht selten bei "ihren" Kollegen den Finger in die Wunde. Inzwischen ist jeder Podcast und jedes Medium, das sich kritisch mit der Politik auseinandersetzt für die links-grünen Meinungsmacher ein "rechtes" Netzwerk. Paul Brandenburg musste eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen, etliche Wissenschaftler die kritisch zu Corona Maßnahmen die tatsächlichen Aussagen der Politiker und sog. Fachleute hinterfragten und wortgetreu deren Nichtargumente sendeten oder niederschrieben und auf Widersprüche aufmerksam machten, persönlich mit Hilfe des Staatapparates massiv angegangen. Über die Ergebnisse staatlicher Überprüfungen erfahren wir am Rande oder nichts.

wenn auch leicht durchschaubar. Da empört sich der Forist über eine Hausdurchsuchung bei Herrn Brandenburg, und im nächsten Satz wird behauptet, Kritiker an Corona-Maßnahmen würden massiv von der Staatsmacht angegangen.

Das riecht natürlich nach Willkür. Und genau darum ging es dem Foristen wohl. Man kennt schließlich seine politische Einstellung.

Herr Brandenburg behauptet mit der Autorität seines Arztberufes, dass das Tragen von Masken unwirksam sei - was selbstverständlich, mindestens in Innenräumen, einfach nur Quatsch ist. Er hat auf Twitter regelmässig Falschinformationen verbreitet und Regierungsmitglieder als Faschisten bezeichnet. Die Razzia gab es übrigens wegen eines vermeintlichen Verstoßes gegen Waffengesetze.
https://www.tagesspiegel.de/berlin/razzia-bei-berliner-arzt-waffen-bei-…

Seltsam: Darüber ist im Beitrag des Foristen nichts zu lesen.

Auch eine (durchaus bekannte) Art, Informationen weiterzugeben...

Sabine Lobenstein | Mi, 20. Juli 2022 - 09:21

"Denn bekanntermaßen bestimmt das Sein das Bewusstsein, und wer sich bestmöglich eingerichtet hat in seiner Solidarität mit und in der eigenen Folgsamkeit gegenüber den politisch Verantwortlichen, der mag es nicht besonders, wenn andere aus der Reihe tanzen." Dieser Satz ist m.E. die Basis für alles. Kurz und knapp, perfekt. Als Folge davon wird derzeit alles Andersdenkende defamiert und zerstört. Der Titel lautet dabei schizophrenerweise immer, das alles andere Rechts und Nazi sei. Dabei ist es m.E. genau anders herum. Die Methoden der Nazizeit werden inzwischen sehr professionell von den derzeit (auch CDU/SPD Koalition) Herrschenden eingesetzt, um wie damals Andersdenkende sofort zu vernichten. Der Jude von damals ist der Andersdenkende und Anderhandende von heute. Am deutlichsten ist mir das beim Umgang mit den Ungeimpften aufgefallen. G2 ist für mich bis heute ein thraumatischer Rückfall in der Geschichte. Ohne dass hier eine kritische Aufarbeitung erfolgt, ist Deutschland verloren

Gerhard Lenz | Mi, 20. Juli 2022 - 09:31

Hinter "allesdichtmachen" standen auch Personen, die sich z.B. in der "Basis" engagieren. Nur spaßig oder ironisch und so harmlos war das nicht. Was ja auch einige der ursprünglichen Teilnehmer dazu brachte, sich ganz schnell zu distanzieren.

Gerade in der Corona-Krise hat sich gezeigt, wie selbsternannte Aufklärer es mit der Wahrheit halten. Und da berief man sich auf Wissenschaftler, die plötzlich begannen, wirres Zeug zu verbreiten. Das Abgleiten eines Herrn Bhagdis in den Antisemitismus ist da nur ein I-Tüpfelchen.
Auch wenn dahinter keine oder nur gelegentlich irgendwelche Netzwerke stehen mögen: Der Schaden, den Demagogen in ihren "neutralen Alternativmedien" verbreiten, ist nicht zu unterschätzen. Der angebliche "gesunde Menschenverstand" ist bei Einfältigen durchaus oft schon so konditioniert, dass nur geglaubt wird, was der eigenen Ideologie entspricht, alles andere ist angeblich "Erfindung von Lügenpresse und Mainstreammedien".
Das muss man thematisieren.

Menzel Matthias | Mi, 20. Juli 2022 - 11:35

Das Geld für den Cicero hat einen deutlichen Mehrwert!!!!!
Danke - gibt es nur noch bei wenigen Medienprodukten!