Psychologie - Der Terror der Geschwätzwissenschaften

Wir leben in einer Gesellschaft, die alles durchpsychologisiert und psychopathologisert. Doch unter dem Deckmantel der Wissenschaft wird viel zeitgeistiger Unsinn verkauft

15.08.2018, Brandenburg, Basdorf: Pia Hötzl (l), Glückslehrerin, Coach und Heilpraktikerin der Psychotherapie, sitzt beim sogenannten «Waldbaden» mit einer Klientin mitten in einem Wald.
Kraft tanken beim „Waldbaden“: Der Zeitgeist und die Psychotherapie bringen immer neue absurde Disziplinen hervor / picture alliance

Autoreninfo

Dr. med. Burkhard Voß ist Neurologe und Psychiater und Autor von „Deutschland auf dem Weg in die Anstalt“ (Solibro Verlag).

So erreichen Sie Burkhard Voß:

Ja, es gibt, sie, die Krachmacher, die Lauten, die Rüpel, die Handyterroristen, Kampfradler, aggressiven Huper und lethargisch-ignoranten Nichtblinker, dickfelligen Eltern und Hundebesitzer, die ein Restaurant im Nullkommanichts in eine Mischung aus Kita für schwer erziehbare Kinder und Hundezwinger verwandeln. Wir haben sie langst, die Rüpelrepublik, die schon 2011 in einer Ausgabe des Spiegels zum Hauptthema gemacht wurde.  Doch immer stärker nervt auch eine seit Jahren stetig größer werdende Gruppe der Gesellschaft, die sich hyperreflexiv und dauersensibel von allem genervt fühlt, sei es durch Zigarettenqualm, Parfümduft, Kindergeschrei, Klartext, Vogelgezwitscher oder den Ehepartner.

Geradezu die Hölle auf Erden ist natürlich der Arbeitsplatz, von Burn-out ganz zu schweigen. Auch erklären sie andauernd, warum etwas wann genau nicht geht. Der Grund ist natürlich, dass ihnen das „nicht guttut“. Ihre eigene Befindlichkeit ist ihnen sehr wichtig, die der anderen, nun ja, man muss schon Prioritäten setzen. Sowieso scheint sich alles nur noch um subjektives Fühlen und Erleben zu drehen. Dass „postfaktisch“ 2016 zum Wort des Jahres gewählt wurde, geschah nicht aus einer Laune heraus. Wie fühlt sich das an, fühle ich mich da wohl, was macht das mit mir, möchte ich das jetzt wirklich? Das sind wohl die Maximen der Wellness-Ära.

Dauerreflexive und Hypersensible 

Es ist sicher kein Zufall, wenn die Kolumnistin und Bestsellerautorin Amelie Fried von einer „Wohlfühldiktatur“ spricht. Unter Psychologen und Therapeuten ist sie mit dieser Meinung aber ganz klar in einer Außenseiterposition. Denn diese stricken in ihrer Ratgeberliteratur die Märchen von Burn-out, Achtsamkeit als Lebenschance und Depression als unvermeidbarem Tribut an die Leistungsgesellschaft ständig weiter. Womit wir bei den psychotherapeutischen Krankheitserfindern sind, die mit immer aberwitzigeren Kreationen, wie einer Gesamtschulphobie eine ganze Gesellschaft mit System erst durchpsychologisieren und dann psychopathologisieren. Doch dies funktioniert nicht nur in eine Richtung, auch umgekehrt wirken Zeitgeistverirrungen auf die Psychologie ein.

Wie postmoderne Philosophie, bei der nur noch subjektive Sichtweisen gelten oder Gender-Mainstreaming, bei dem das natürliche Geschlecht nicht mehr existiert, um nur die wichtigsten zu nennen. Diese reichen auch schon vollkommen aus, um die Normalität Stück für Stück abzutragen. Was das dann für eine Gesellschaft bedeutet, kann noch nicht genau prognostiziert werden. Eines kann man aber schon jetzt sagen: Das Ergebnis wird den Dauerreflexiven und Hypersensiblen ganz bestimmt nicht gefallen.

Keine Therapie ist die beste Therapie

Denn in einer Gesellschaft, in der sich jeder seine Privatwirklichkeit zurechtzimmert und immer größere Gruppen nicht mehr miteinander reden können, wird es immer nerviger werden. Doch beim rein Nervigen bleibt es nicht. Im übertragenen Sinne ist es wahrlich nicht übertrieben, es als Terror zu bezeichnen, wenn einem in einer vermeintlich freien Gesellschaft gebetsmühlenartig Partialsichtweisen aufgedrängt werden, die einer kritischen Überprüfung nicht nur nicht Stand halten, sondern dann auch noch als angeblich herrschende Meinung ausgegeben werden. Ein Beispiel ist die Dauerberieselung über die psychologische Betreuung bei Opfern von Naturkatastrophen, Entführungen, Kriegserlebnissen etc., obwohl man genau weiß, dass der weitaus überwiegende Teil auch ohne psychologische Betreuung damit fertig wird. So haben Untersuchungen nach dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 ergeben, dass die Opferangehörigen am besten mit dem Verlust umgehen konnten, die KEINE Therapie in Anspruch genommen hatten.

Die Psychiatrie ist ein Teilgebiet der Medizin, überschreitet diese aber bei Weitem. Kein anderes Gebiet ist so eng mit dem Zeitgeist und seinen Verirrungen in Wechselwirkung. An so manche Erkrankung und Hypothese wurde über Jahre geglaubt, bis sie dann revidiert oder als schlichtweg falsch bezeichnet wurde. Exemplarisch sei hier das Sissy-Syndrom genannt, bei dem besonders aktiven und leicht untergewichtigen Frauen eine Depression unterstellt wurde. Sieht man von den bedeutsamen psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Alzheimer, bipolare Erkrankungen ab, so passen viele psychische Störungen wie ein Schlüssel in das kulturelle Schloss.

Psychokitsch und Modediagnosen 

Wer ist schuld an Psychokitsch und Modediagnosen? Ganz wesentlich Psychoanalyse, postmoderne Philosophie und Gender Mainstreaming. Die Psychoanalyse entlehnt viel aus der griechischen Mythologie und noch viel mehr aus autobiografischen Erlebnissen ihres Erfinders Sigmund Freud. Was Freud neurotisch verarbeitete, müsste auch bei allen seinen Mitmenschen so ablaufen – so seine Lehre. Die analytische Theorie ist ein Nebenfluss des magischen Denkens. Mit ihr kann letztlich alles psychopathologisiert werden. Man kann sie mit einer Auffassung vergleichen, die von einer Gruppe primitiver Stammesangehöriger entwickelt wurde, welche ein Auto mit laufendem Motor auffinden, einen überzeugenden Zusammenhang zwischen dem Treten auf das Gaspedal und dem Vorwärtsfahren entdecken und unter der Motorhaube, die sie nicht öffnen können, einen großen Hamster in einem Rad postulieren, welcher als Antrieb fungiert. Von Kolben und Zylindern können sie nichts wissen. So wurde die Psychoanalyse, wie der Marxismus, zum ideologischen Dinosaurier des 19ten und 20ten Jahrhunderts. 

Die postmoderne Philosophie hat sich verabschiedet von Empirie und Fakten. Gender-Mainstreaming schließlich meint, dass es ein biologisches Geschlecht gar nicht gäbe und letztlich alles eine Frage von Machtverhältnissen und Diskurs sei. Geschlechter gäbe es viele, und jeder könne sich völlig losgelöst von der Biologie eines aussuchen. Nach der derzeitigen Gender-Ideologie soll es über 60 Geschlechtsidentitäten beziehungsweise soziale Konstrukte geben. Ich fragte mal einen Ordinarius für Psychopharmakologie, was für ein Zeug man eigentlich nehme müsste, um auf so etwas zu kommen. Er grübelt heute noch… Inzwischen gibt es mindestens 173 Gender-Professuren in den geisteswissenschaftlichen Bereichen an deutschen Unis und Fachhochschulen, die nahezu ausschließlich mit Frauen besetzt sind. Die davon ausgehenden Diskussionen sind häufig datenfrei und von blinden Flecken geprägt.

Naturwissen- oder Geschwätzwissenschaften? 

Das passt auch zu der ideologischen Agitation, die mit widersprüchlichen Zielen verbunden ist. Denn wie lässt sich die Gleichheit von Mann und Frau mit einer besonderen Frauenkultur vereinbaren? Was hat das Ganze mit Medizin zu tun? Jede Menge. Das Geld, das in diese Pseudowissenschaft fließt, fehlt den Wissenschaften, die diesen Namen auch verdienen. So auch der Medizin. Denn die Gender-Professuren sind streng zu trennen von den Forschungen der geschlechtsspezifischen Medizin. Nicht nur beim Herzinfarkt, sondern bei immer mehr Erkrankungen wird entdeckt, dass geschlechtsspezifische Einflüsse eine wesentliche Bedeutung für Symptomatik und Behandlung haben.

Das Arbeiten nach naturwissenschaftlichen Kriterien ist hier eine Selbstverständlichkeit. Das Gegenteil ist bei den Genderforscherinnen in den Geisteswissenschaften der Fall. Dort werden Sätze rausgehauen wie: „Naturwissenschaften konstruieren Wissen, dass dem gesellschaftlichen System zuarbeitet“ oder „Der Objektivitätsanspruch der Wissenschaft ist ein verdeckter männlicher Habitus“.  Doch dabei bleibt es nicht. Genderforscherinnen brüten fleißig weiter und fordern beispielsweise, dass Fotos der Hirschbrunft aus der Werbebroschüre für den Nationalpark Eifel herausgenommen werden müssten, da sie stereotype Geschlechterrollen fördern.

Auch sollten geschlechtergerechte Verkehrszeichen entworfen werden, neben dem Ampelmännchen sollte es ein Ampelweibchen mit einem Zopf geben. Im Berliner Politikbetrieb wird darüber ernsthaft diskutiert. Über die Wiedergabe sekundärer Geschlechtsmerkmale lag noch ein Hauch von Contenance. Man kann sich darüber amüsieren. Aber das Amüsement hört spätestens dann auf, wenn für diesen geisteswissenschaftlichen Unsinn Geld ausgegeben wird. Seid politisch, schärfte der US-amerikanische Kardiologe Bernard Lown („Die verlorene Kunst des Heilens. Anleitung zum Umdenken“) seinen Studenten ein. Er hat Recht. Denn nur so können wir langfristig bestimmen, wo unser Geld hinfließt. Ob in Naturwissenschaften oder in Geschwätzwissenschaften.   

helmut armbruster | Do, 21. März 2019 - 09:48

nur bei wirklich psychisch Kranken, die sich alleine nicht helfen können, wie z.B. im Fall von Schizophrenie, kann eine psychiatrische Behandlung sinnvoll sein.
Jedoch nicht bei beliebigen Ereignissen, die in einem Menschenleben eben passieren können. Hier ist der Einzelne durchaus in der Lage damit umgehen zu können.
Als Beispiel will ich meinen Onkel anführen. Nach 2 Jahren Ostfront in einer Infantriekompagnie geriet er in sowjetische Gefangenschaft, war jahrelang in Lagern und musste Zwangsarbeit leisten. Erst 1948 kam er zurück nach D. Über 1,80m groß, wog er nur noch 48 kg.
Zwei Wochen nach seiner Heimkehr hat er bereits wieder gearbeitet, so als wäre nichts gewesen. Keine medizinische oder psychologische Behandlung!
Er hat noch 30 Jahre lang gelebt, hat nie gejammert und ein ganz normales Leben geführt, ohne jede Auffälligkeiten.
Wenn man muss, geht eben vieles. Und wer nicht in Selbstmitleid verfällt kann mit Vielem alleine fertig werden.

genau so ist es - je mehr um das "Trauma" herum geredet wird, umso mehr wird dieses zur Legende und persönlichen Geschichte, während es sonst einfach vergessen wird...

Helmut Bachmann | Fr, 22. März 2019 - 19:12

In reply to by Eberhard Keiper

Wir behaupten einfach mal, gelle? Leider falsch, ein Trauma hat weder was mit "Weichei" zu tun noch wird es vergessen. Das ist die Definition von Trauma.

gabriele bondzio | Do, 21. März 2019 - 09:50

Legen sie den Focus auf "verkauft",Herr Voß und sie liegen genau richtig. Natürlich soll auch der Mensch erzogen werden...aber in Richtung, dass er kauft bzw. abkauft.
Richtig ist auch "Was Freud neurotisch verarbeitete, müsste auch bei allen seinen Mitmenschen so ablaufen – so seine Lehre." Nichts gegen Freud!
Aber daraus kann man schlussfolgern, das ein "sogenannter Experte"(die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen) allgemeingültige Thesen aufstellt. Das beste Beispiel ist die Ungleichheit zwischen Mann und Frau, so zu beseitigen, dass schließlich der Mann um seine Gleichberechtigkeit kämpfen muss... da gibt es doch immer was zu tun bzw. zu verkaufen, nicht wahr!
Mich amüsiert das nicht wirklich.

Bettina Jung | Do, 21. März 2019 - 09:57

Es ist bezeichnend wie sehr sich diese Irren widersprechen. Zopf ist doch Naaziii!
Insgesamt ein großartiger Artikel. Ich stelle an mir fest, dass ich mittlerweile eine Allergie gegen das allgegenwärtige "Alles gut" habe. Im Schneeflöcken-Lalaland muss sich eben alles gut anfühlen...

Tomas Poth | Do, 21. März 2019 - 12:39

danke für diesen Begriff.
Leider werden die Geschwätzwissenschaftler stark gefördert, weil das RotGrüne Politbiotop derzeit alles durchdringt.

Alexander Weber | Do, 21. März 2019 - 12:57

Die grundlegende Ablehnung der Psychoanalyse in der Psychiatrie, ist so alt wie die Disziplin selbst. Diese missliebige Haltung zeigt der Autor, in seiner herabwürdigenden und für seinen Berufsstand stereotypischen Art, exemplarisch wieder. Wir haben keine Probleme mit Geschwätzwissenschaften sondern mit geschwätzigen Wissenschaftlern aller Couller. Die Naturwissenschaften sind hierbei keineswegs außenvorzulassen. Sie sind für Ideologien, schon wegen der Fördermitteln, gleichfalls empfänglich. Früher glaubten 99% der Wissenschaftler, dass das Äther die Wechselwirkung der Teilchen erkläre, heute glauben 99% der Wissenschaftlern, dass der Mensch den größten Einfluss auf die Klimaerwärmung hat. Schon lustig wenn Wissenschaftler entgegen ihren Arbeitsethos plötzlich wieder den Glauben für sich entdecken. Halleluja!

Petra Führmann | Do, 21. März 2019 - 13:06

Gleichberechtigung, fordern, ernst genommen zu werden, 50% im Bundestag.... Wenn man das alles so komprimiert liest, muss man sich schämen, eine Frau zu sein. Wieso geht es seit einiger Zeit so dermaßen mit ihnen durch? Und weshalb erhalten die Grünen so viel Zuspruch? Dort sehe ich solche Leutinnen (Frauen gibt es ja offenbar nicht) beheimatet. Apropos: Wenn es weder Frauen noch Männer gibt, wieso dann dieses unsägliche Gendern? Ach, ich vergaß, *innen soll wohl auch weg, stattdessen alles neutral. Sollen die Jungen das machen, ich schließe mich da aus.
Am Rande: Es gibt durchaus auch ernsthafte Psychologen, das sind die, die Zusammenhänge erkennen, wissen, und entsprechende Denkanstöße und Aufklärung geben.in Bausch und Bogen verurteile ich sie nicht. Aber die sind vermutlich die Ausnahme.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 21. März 2019 - 13:39

her Art. 113
Sie glauben doch nicht im Ernst, dass Sie mit diesem Artikel mich vom "Waldbaden" abhalten könnten?
Ich bin auch in der Herzgesellschaft, weil ich mich deren Ergebnissen bediente, nicht weil ich etwas am Herzen hätte. Kann ja noch kommen. jedenfalls gibt es keine Blutdruckgesellschaft. Und selbst da hilft meist gesunde Ernährung, Abnehmen und Bewegung etc.
Wo liegen IHRE Probleme damit, dass eine zunehmend aufgeklärte und Informationen speichernde Gesellschaft ausgesprochen findig sein könnte, wenn es um die eigene Gesundheit geht?
GELD?
Was halten Sie von überzeugenden Argumenten?
Sie können nicht im Ernst predigen, dass den Menschen ihre eigene Gesundheit nicht am Herzen liegen darf, dass sie Erklärungen suchen für Krankheiten, die die Schulmedizin vor allem immer besser diagnostizieren, nicht aber besser heilen kann.
Eine kleine Schock"these" für Sie persönlich:
Können Antidepressiva gefährlich sein, weil sie zu "Nervenhochdruck" führen?
Schöner sterben?

Jürgen Keil | Do, 21. März 2019 - 14:43

In meiner Jugend hat man solche dauerreflexiven und hypersensiblen Menschen als überspannt und abgehoben bezeichnet. Weniger feingeistige Mitbürger haben ihren Befund auch schon einmal mit: "Die haben einen an der Waffel" geäußert. Es kann sich ja jeder bis zur Überspannung überspannen; jedem Tier sein Pläsiere, aber wenn diese Leute beginnen zu missionieren, und uns normalen, werteschaffenden Bürgern ihren veganen, genderverschwurbelnden Yogalebensstil aufzudrängen, dann hört für mich der Spaß auf!

Bernd Muhlack | Do, 21. März 2019 - 14:59

Zu dem Artikel fiel mir sofort eine olle "Hart aber Fair"- Folge ein: Gender-Gedöns. Die Gäste vom 07.09.2015: Sybille Mattfeldt-Kloth (stv. Vorsitzende des Niedersächsischen Landesfrauenrats), die Bloggerin Anne Wizorek, der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter, die Schauspielerin Sophia Thomalla, der FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki und die Autorin Birgit Kelle.
OK, Frau Thomalla ist eher nicht die hellste Kerze auf der Torte, jedoch war sie echt prima; & sie saß zwischen Hofreiter und Kubicki!!!
Die Berufsbetroffenen und Allesversteher waren nach gefühlten 10 Sekunden bereits voll aus dem Häuschen, Schnappatmung und dergleichen. Ich habe selten so gelacht!
"Es gibt eindeutige Forschungen, dass..."; nur ein mitleidiges Grinsen seitens Thomalla und Kubicki!

OK, jeder wie er will, solange er andere nicht nervt. Eine etwas esoterische Bekannte von mir war kürzlich beim "Wigwam-Schwitzen"; ob Winnetou auch dabei war?
Ich empfehle dringend das Buch von Herrn Voss! Ein must-have!

Ernst-Günther Konrad | Do, 21. März 2019 - 15:01

Danke Herr Voß. Stimme Ihnen zu 100 % zu. Wer die Medienlandschaft anschaut, überall selbsternannte Experten. Da werden Medikamente und Therapien erfunden, da brauchts halt nur noch eine Krankheit. Woran liegt es, dass diese Pseudowissenschaften derzeit so im Trend liegen? Es liegt an mangelnder Erziehung im Elternhaus, an emphatischen Eltern, die Kinder im Familienverband groß ziehen, die ihren Kindern durch pragmatische Lösungen helfen "groß" zu werden. Eltern, die Kinder Kind sein lassen, ihnen nicht alles aus dem Weg räumen, nicht für alles eine Erklärung haben, die sich dennoch um sie kümmern,sie Fehler machen lassen und ihnen Konsequenz aufzeigen. Der Vater der dem Jungen handwerkliches beibringt, die Mutter, die der Tochter Nähen, Kochen usw. beibringt. Ups, altes Rollenklischee. Heute soll doch jeder alles können, wissen und machen, wir sollen doch alle gleich sein. Die Gesellschaft verlernt den gesunden Menschenverstand. Warum? Da gibts einen Arzt und auch eine Tablette dafür.

Helmut Bachmann | Do, 21. März 2019 - 16:24

beim Cicero niemand aus? Wo bleibt die Qualitätskontrolle? Was für ein kruder Artikel, der vorgibt über alles Bescheid zu wissen und doch nur die Privattheorie eines Ratgeberbuchautors mit pseudokonservativen Einschlag präsentiert. Inhaltlich ein intellektueller Gemischtwarenladen, der alles anspricht und alles durcheinanderwirft. Als Verkäufer muss man keine Ahnung haben, es reicht so zu tun. Haben gute Ärzte eigentlich Zeit Bücher zu schreiben? Ich glaube nicht.

Karl Müller | Fr, 22. März 2019 - 18:26

In reply to by Helmut Bachmann

dürfen sich zurückhalten. Wissenschaftliches Arbeiten muss einem nicht gefallen, sondern die zweckmäßigen Gütekriterien erfüllen. Dann kann man über Methodik, Inhalt und Ergebnis diskutieren.
Genderunwesen und sonstige Befindlichkeitsstörungen erfüllen üblicherweise keine dieser Kriterien, keine Wissenschaft, sondern dogmatischer Unfug mit Heilserwartung.
Meist reicht es nicht einmal für geisteswissenschaftliche Mindestanforderungen und wird doch politisch gefordert. Keine Überraschung wenn man das wissenschaftliche Niveau unserer politischen Klasse betrachtet.

bin ich ja derselben Meinung. Damit knüpft der Autor geschickt an (auch für mich korrekte) konservative Blickwinkel an. Nur um leider im selben Atemzug (Artikel) viel Quark über Psychotherapie zu behaupten und damit Leute, die nicht genau lesen zu beeinflussen. Aufklärung sieht anders aus.

Inge Meier | Do, 21. März 2019 - 16:25

Waldbaden ist ja vielleicht noch ganz nett und poetisch, aber sonst treibt die “Wissenschaft” der Alternativkommunen oft seltsame Blüten , die in ihrer Realitätsverweigerung vielleicht auch nicht ganz so ungefährlich sind.

Gisela Fimiani | Do, 21. März 2019 - 20:10

Die postmoderne Gesellschaft hat sich von kritisch rationalem DENKEN verabschiedet. Aufklärung ist out......emotio schlägt ratio. Deshalb kann dieser Tage JEDER bei ALLEM seine eigenen „Tatsachten“ präsentieren. Der Bauch ist halt einfacher zu bemühen als der Kopf. Hurra, wir müssen uns nicht mehr entblöden.

Brigitte Miller | Do, 21. März 2019 - 20:35

Als Pflegefachfrau Psychiatrie bedingt einverstanden mit der Aussage "keine Therapie ist die beste Therapie". Was bestimmt nicht mehr empfohlen werden kann, sind zigstündige Psychoanalysen, die die Vergangenheit bis zu Adam und Eva durchleuchten.Aber eine kurze Verhaltenstherapie oder auch eine Gesprächstherapie, die den Leidenden dazu bringt, sich mit seiner Problematik zielführend auseinander zu setzen und mit der Zeit selber zu helfen, kann ein Segen sein. Sprechen Sie mit Leuten, die diese Erfahrung gemacht haben.

Peter Lamerz | Do, 21. März 2019 - 20:51

Ein zugespitzter aber zutreffender Artikel eines ausgewiesenen Psychiaters der genau so einen "an der Klatsche" hat wie ich.

Klaus Dittrich | Fr, 22. März 2019 - 12:16

Der Autor spricht mir aus dem Herzen!
„Sowieso scheint sich alles nur noch um subjektives Fühlen und Erleben zu drehen.“
Und dieser ausgeprägte Narzissmus wird kaschiert mit der Teilnahme an allen möglichen Demos – beliebt sind z.B. die Themen „Rassismus“ (demnächst wird wohl der Begriff „Rasse“ getilgt“) oder „Refugees welcome“ (der Flüchtling wohnt ja nicht bei den „Guten“).
„Im Berliner Politikbetrieb wird darüber ernsthaft diskutiert.“
Berlin wird von Ideologie regiert – es gibt keine ernsthaften Diskurse; zumindest nicht öffentlich.
„Ob in Naturwissenschaften oder in Geschwätzwissenschaften.“
Man könnte auch formulieren: Wissenschaft oder Ideologie.

Urban Will | Sa, 23. März 2019 - 19:57

Erschreckende ist das Tempo, in welchem der hier sehr treffend beschriebene Zeitgeist unsere Gesellschaft umnebelt hat.
Als „Ü50er“ kenne ich wahrlich andere Zeiten. Im Schulhof diskutierten wir über Politik und tolerierten Andersdenkende. Niemand wurde ausgeschlossen, auch nicht die in schwarzen Lederstiefeln. Schwierige Elternhäuser, kriminelle Milieus, das alles gab es auch, aber niemand rührte die Psychotrommel, die Probleme lösten sich auch anders. Von alleine. Aus allen ist „etwas geworden“, wie man so schön sagt.

Wo sind sie geblieben? Die Toleranz und vor allem: die Vernunft?
Warum hat letztere auf einmal keine Bedeutung mehr? Warum ist alles so kompliziert geworden?
Es scheint einen gewissen Nutzen zu haben, zumindest für diejenigen, die all diesen Irrsinn brav weiter gedeihen lassen.