Islam und Politik - Die Reislamisierung von unten

In der islamischen Welt kam der Fortschritt meist von oben, der Widerstand dagegen von unten. Dass die Religion von der Politik korrumpiert wurde, ist ein Mythos.

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Der Untergang des rationalistischen Islam ässt die Sphären der Religion und der Politik weiter verschwimmen / dpa

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Michael Kreutz ist Orientalist, Buchautor und Fachjournalist für Europa und den Nahen Osten.

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Dass es die Kalifen beziehungsweise die muslimischen Herrscher waren, die den Islam korrumpiert haben, um ihre Herrschaft zu konsolidieren, ist eine häufig zu findende Behauptung, die jüngst auch der Münsteraner Theologe Mouhanad Khorchide in seinem neuen Buch „Gottes falsche Anwälte‟ aufgestellt hat. Ohne hier näher auf das grundsätzlich lesenswerte Buch eingehen zu wollen, sei gesagt, dass in der islamischen Welt der Fortschritt meist von oben kam, der Widerstand gegen ihn aber von unten. 

Da die Herrschaftsansprüche der frühen islamischen Dynastien immer umstritten waren, vermochten diese es nie, sie dauerhaft abzusichern. Eine Kodifizierung des islamischen Rechts schien außerhalb des Machbaren, eine davon unabhängige Gesetzgebung erst recht. Am Hof der Abbasiden (ab 750) herrschte, wie dies schon unter den Umayyaden der Fall war, anfänglich eine gewisse Laxheit der Sitten vor, weshalb sie mit einer Theologenschule sympathisierten, die sich Mu‛taziliten nannte.

Der Glaube an den freien Willen 

Die Mu‛taziliten glaubten an den freien Willen des Menschen und daran, dass die Religion an der Vernunft gemessen werden müsse. Zwar verfochten sie eine strenge Befolgung der religiösen Gebote, doch erlaubten sie eine gewisse Vielfalt an Deutungen. Diese Islamvorstellung kam dem Abbasidenkalifen al-Ma‛mun gelegen, der seine Herrschaft gegen eine stärker werdende Gelehrtenschaft absichern wollte. Deren Ziel war es, Normen zu formulieren, denen auch ein Kalif sich zu unterwerfen hat. 

Die Abbasiden versuchten, über die Ernennung von Richtern auf die Rechtspraxis einzuwirken, was jedoch den grundlegenden Konflikt mit den Spezialisten des Rechts nicht entschärfen konnte. Kalif al-Ma‛mun ging sogar so weit, 833 den rationalistischen Islam der Mu‛tazila und damit seine eigene religiöse Autorität gegenüber der Gelehrtenschaft mit Hilfe der sogenannten Mihna, der islamischen Variante der Inquisition, gewaltsam durchzusetzen. Das Vorhaben war zum Scheitern verurteilt und drei Kalifen nach ihm wurde die Mihna nicht nur aufgehoben, sondern auch die mu‛tazilitische Doktrin verboten. Den Sieg davongetragen hatten die Gelehrten. 

Als im 10. Jahrhundert endlich geordnete Hadith-Sammlungen vorlagen, war der sunnitische Islam soweit gereift, dass er sich als Glaube der Massen durchsetzen konnte. Der Koran alleine konnte keine Quelle für eine umfassende Gesetzgebung sein, dafür bot er zu wenige Anhaltspunkte.

Trennung von Staat und Religion 

Staat und Religion waren seitdem zwar mehr oder weniger getrennt, aber die Gesellschaft lebte unter dem Gesetz der Religion, der Scharia, die in Koran und Sunna wurzelt. Schließlich erklärte Kalif al-Qadir 1017 den sunnitischen Islam gegen andere Anschauungen zur einzig wahren Lehre.

Im Laufe des 10. Jahrhunderts herrschte immer mehr eine Art Arbeitsteilung vor: Der politisch stark geschwächte Kalif hielt noch als ein Symbol für ein Reich her, das sich immer weiter ausdehnen sollte. Die Schariagelehrten hingegen übernahmen die Anleitung der Gesellschaft.

Fortschritt von oben, Widerstand von unten

Das im 11. Jahrhundert entstehende Muftiamt zementierte diesen Anspruch. Dass der Fortschritt von oben, der Widerstand dagegen von unten kommt und es schließlich die Staatsmacht ist, die sich dem Druck beugt, ist ein Muster, das uns bis in die Gegenwart hinein begegnet.

Zum Beispiel in Indien. Im 16. Jahrhundert pflegte der Mogulkaiser Akbar einen entspannten Umgang mit der Religion und versammelte Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften zum gelehrten Gespräch um sich. Er selbst war nur nominell Muslim und Anhänger einer Religion, die er Din-e elahi nannte, „die göttliche Religion‟.

Die Scharia als Hauptquelle der Rechtsprechung

Der Widerstand gegen diese Form aufgeklärter Herrschaft kam von unten: Von den Religionsgelehrten, aber auch von den Sufis. Akbars Enkel Schah Jahan, bekannt als Erbauer des Taj Mahal, drehte schließlich die Toleranzpolitik seines Großvaters zurück, bevor ab 1658 sein Sohn und Nachfolger Aurangzeb, genannt Alamgir, die Zügel weiter straffte, Nicht-Muslime zum Teil verfolgte und die Expansionspolitik wieder vorantrieb.

Auch Ägypten dient als Beispiel. Ab dem 19. Jahrhundert hatte das Land am Nil eine Reihe von Reformen erlebt, weltliche Gesetze drängten die Scharia zurück. Dies setzte sich bis 1980 fort. Frommer Widerstand, der sich von unten organisiert hatte, brachte die Regierung 1985 dazu, die Scharia wieder zur Hauptquelle der Rechtsprechung zu machen, womit unter anderem die Frau in der Ehe wieder schlechter gestellt wurde. 

Reislamisierung findet unter Erdogan ihren Höhepunkt

In der Türkei können wir diese Entwicklung ebenfalls verfolgen: Nach Ausrufung der Republik 1923 hatte das Land zunächst eine rigide Trennung von Staat und Religion vollzogen und 1928 den Islam als Staatsreligion abgeschafft. Die breite Bevölkerung blieb jedoch eher national-religiös gestimmt und bereits 1961 wurde der Islam erneut faktisch Staatsreligion.

Das Ausmaß an persönlicher Freiheit war zwar nach wie vor groß, die Islamisten jedoch erhielten zunehmend Auftrieb. Mit den Wahlerfolgen Erdogans und seiner AKP findet die Reislamisierung nur ihren vorläufigen Höhepunkt. 

Zunehmende Islamisierung Pakistans

Schauen wir nach Pakistan: Zwar hatte hier wie auch im benachbarten Indien der Volksislam immer viel stärkeren Einfluss auf die Massen als die sunnitische Orthodoxie, dennoch fügt sich Pakistan in das Muster: Vertrat die Gründungsriege des Landes noch einen eher liberalen Islam, hatten die Islamisten, die es verstanden, den Unmut gegen weltliche Gesetze zu einem Widerstand von unten zu mobilisieren, schon früh dagegengehalten. Die säkulare Verfassung von 1962 fiel unter dem Druck von unten der Islamisierung zum Opfer, die ab 1977 unter Zia-ul-Haq dann auch von oben vorangetrieben wurde.

Wie V.S. Naipaul über das Land am Indus schrieb, fand die Islamisierung auch hier von unten nach oben statt. So kamen erst die „einfachen Negierungen, die emotionalen Bedürfnissen entsprachen: kein Alkohol, keine weibliche Unkeuschheit, keine Bankzinsen.“ Dann kamen weitere Negierungen hinzu: „keine politischen Parteien, kein Parlament, kein Dissens, keine Gerichtshöfe. So wurden existierende Institutionen für unislamisch gehalten und untergraben oder abgeschafft.“

Mehr Macht für Schariagelehrte in Tunesien

Ein letztes Beispiel: Tunesien. Trotz einer jahrzehntelangen säkularen Politik unter Habib Bourguiba, der die Scharia zurückdrängte, gibt es schon sehr lange eine signifikante fundamentalistische Bewegung. Diese wurde zeitweise gegen die politische Opposition instrumentalisiert, später wieder unterdrückt, dann hofiert.

Letztlich aber kam der Druck zu einer Reislamisierung des Landes von unten und richtete sich unter anderem gegen den Versuch der Regierung 1961, das Fasten im Ramadan einzuschränken, weil dies schädlich für die Wirtschaft sei. Dass Bourguiba diesen Schritt islamisch zu legitimieren versucht hatte, sollte ihm nichts nützen und so musste er von seiner Position abrücken. Am Ende räumte die Regierung den Schariagelehrten, solange sie nur staatstragend waren, mehr Macht ein. 

Untergang des rationalistischen Islam

Es ist daher zu einfach, den rigiden Islam der sunnitischen Orthodoxie wie der Islamisten einfach als Produkt eines Missbrauchs durch die Herrschenden darzustellen. Seit dem Untergang des rationalistischen Islam haben wir es in den muslimischen Ländern mit einer Gemengelage von Religion und Politik zu tun. Dass die Scharia von einem sehr weltlichen Charakter ist und Vorschriften zum Familien-, Vertrags- und Verwaltungsrecht umfasst, lässt die Sphären der Religion und der Politik nur noch weiter verschwimmen.

In progressiven Kreisen und besonders an der Universitäten mag man derlei Verschwommenheit als Ambiguitätstoleranz verklären. Es ändert nichts an dem Umstand, dass die muslimischen Länder bei aller kulturellen Verschiedenheit innerlich doch ziemlich blockiert sind. Die häufig gehörte Klage, die Religion sei ein Opfer der Herrschenden und müsse nur richtig verstanden werden, ist schon seit jeher mehr ein Teil des Problems als ein Teil der Lösung gewesen.

Maria Arenz | So, 2. August 2020 - 15:51

Sehr richtig analysiert. Und weil eben in praktisch allen muslimischen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens die Entwicklung ausgeblieben ist, die in Europa relativen Massenwohlstand und Bildung zur Folge hatte, wird es in diesen Ländern auch immer eine kritische Masse von armen Teufeln geben, denen eine möglichst schlichte Auslegung ihres Koran ein identitätsbegründendes Herzensbedürfnis ist, das eine nachhaltige Reformpolitik von oben verhindert. Auch Herrn Korchides Hoffnung auf einen Euro-Islam scheiterte letztlich an diesem vertrackten Zusammenhang- die überwiegende Einwanderung von Muslimen aus rückständigen Milieus nach Europa hatte frü den den Großteil dieser Immigarnten ein Dasein auf den unteren Stufen der sozialen Hühnerleiter zur Folge. Die Treue zu Opas Islam ist da Trost und allzuoft eben das einzige, auf das man stolz sein kann.

Günter Johannsen | Mo, 3. August 2020 - 10:06

In reply to by Maria Arenz

eine sehr gute Analyse. Ich denke, das trifft es so ziemlich genau, danke!

Gerhard Lenz | Mo, 3. August 2020 - 12:07

In reply to by Maria Arenz

gradlinig verlaufen. Im Mittelalter war die arabische bzw. islamische Welt der christlichen um Lichtjahre voraus. Arabische Ärzte behandelten Kopfschmerzen mit Kräutern und Ölen, christliche meisselten Schädel auf, woraufhin der Betroffene natürlich verstarb. Und die christlichen Ärzte sich bestätigt fühlten, dass in dem Kopf ein schlimmer Geist hauste.
Später hatte man ähnliche Methoden, um mit Ungläubigen oder Andersdenkenden umzugehen: Die Islamisten steinigten, die Christen verbrannten, wen sie nicht als gottesfürchtig einschätzten.
In der westlichen Welt gab es dann die Aufklärung - Höhepunkt Nitzsches "Gott ist tot!", Zeit für eine Umkehrung der Werte, will heissen: Weg mit dem alten christlichen "Geraffel". Die Christentum musste sich "fügen", wenigstens bis zu einem bestimmten Grad, und steht heute, unfreiwillig, besser da als ein Islam, der eben nicht den Segen der "Zwangs-"Aufklärung erleben durfte. Und scheint gefestigter denn je - auch in fundamentalistischer Ausprägung.

Richard Richardson | Mo, 3. August 2020 - 16:15

In reply to by Maria Arenz

Sie sollten vorsichtig sein was Sie sagen. Die Annahme, die mehrheitlich muslimischen Länder würden aufgrund ihrer Armut "rückständig", o. wie Sie es nennen die "ausgebliebene Entwicklung", sein, ist sehr gewagt. Einfache Beispiele wie Saudi-Arabien oder VAE, welche teilweise die am nahsten an der Scharia ausgelegte Rechtssysteme aufweisen, obwohl sie in Reichtum schwimmen genügen als Argument dagegen. Atheisten oder Nicht-Muslime können häufig nicht die Tiefgründigkeit und die Liebe der Muslime ihrem Glauben gegenüber nachvollziehen. Ich kann dies behaupten, denn ich bin ein in Deutschland lebender überdurchschnittlich gebildeter gläubiger Muslim, der nicht behauptet, dass alle nicht-demokratischen Länder zurückgeblieben seien und viele individuelle Menschen meiner Sorte kennt.
Ganz abgesehen davon, dass der Wohlstand und die Entwicklung auch der Kolonialisierung und Ausbeutung genau dieser muslimischen Länder zu verdanken sein kann. Diskutieren Sie lieber auf Augenhöhe. LG

Werter Herr Richardson, Sie als "ein in Deutschland lebender überdurchschnittlich gebildeter gläubiger Muslim" nennen Saudi-Arabien und die VAE als Beweis, dass Islam eben nicht zugleich Armut impliziert. Gewiss, die Ölstaaten sind sehr reich. Aber das hat mit dem Öl in der Erde zu tun, das Ihnen Allah oder der Herrgott oder sonst wer vor Millionen Jahren dort hinterließ und nun ab dem 20. Jahrhundert an die Industriestaaten teuer verkauft wird. Da steht nur wenig Eigenleistung der bodenständigen Bevölkerung dahinter, ist aus meiner Sicht in der Summe kein selbst erarbeiteter Reichtum. Das werden viele der hochgebildeten als auch weniger gebildeten "Ungläubigen" ähnlich sehen.

Auf Augenhöhe? Wie Viele Nobelpreise, wie viele Patente sind die letzten hundert Jahre aus islamischen Staaten gekommen?
Kein einziger! Ohne die westlichen
Errungenschaften würden diese Länder zurück in die Steinzeit verfallen.

Die Golfstaaten lassen ihren Reichtum von Ausländern aus dem Boden holen. Das beweist gar nichts. Eher würde ich als Beweis nennen, dass Muslime im Westen genauso gut wie Nichtmuslime zurecht kommen, wenn sie das wollen. Anderseits sollte man schon anerkennen, daß die Golfstaaten sich bemühen voran zu kommen. Allerdings werden da klare Grenzen von den Herrschern gezogen und wer die nicht beachtet, kann das mit dem Leben bezahlen. Übrigens, auch mit Rechtssicherheit ist es nicht weit her. Wahrscheinlich deshalb investieren die Reichen von dort ihr Geld sehr gerne im Westen.

Lieber Herr Richardson,
auch muslimische Länder haben kolonialisiert, ausgebeutet, versklavt. Die Welt war früher überall gleichermaßen grausam - und ist es auf eine gewisse Art auch heute noch.
Wenn man sich an die Fakten hält, so gibt es aber doch in der muslimischen Welt die Scharia, keine Gleichberechtigung der Frau und einiges mehr, was der Aufklärung in der westlichen Welt widerspricht. Sie sagen, Sie seien überdurchschnittlich gebildet (im Vergleich zu wem ?), das finde ich wunderbar, aber wie steht es mit der Mehrheit in den meisten muslimischen Ländern ? Ist der Wille des Volkes da, etwas dagegen zu tun ? Ist der Wille der dortigen „Obrigkeit“ da, etwas dagegen zu tun ? Vielleicht können Sie dazu - und zwar ganz konkret - etwas dazu sagen ?

Genau die von Ihnen genannten Länder eignen sich eben nicht als Beleg für Ihre Sicht. Saudi Arabien und VAE sind Muster für das von oben funktionierende Oktroy eines reaktionären Islam, dessen Vertreter die herrschende Oberschichten in Frieden lassen als Gegenleistung für großzügige Alimentierung und freie Hand anderswo (Salafistischer Terror). Mohammed- Normal-Saudi wird zur Zeit noch ruhig gehalten mit aus dem Ölfass finanzierten Almosen. Wenn das dann absehbar nicht mehr möglich ist, wird man sehen, was von den oberflächlichen "Modernisierungen" eines MBS übrigbleibt.
Und zum Kolonialisierungsargument. Vier-bis fünfhundert Jahre vor Beginn der Kolonialisierung des Nahen und Mittleren Ostens durch böse Europäer wurde dieser Raum bekanntlich von muslimischen Osmanen kolonialisiert, ein Regime, das sich wie Mehltau über die ganze Region legte und der wahre Grund für den Entwicklungssrückstand ist, der die Kolonisierung durch die Europäer erst möglich gemacht hat.

.... ist es nicht. Die Entwicklungen (incl. gut ausgebildetem Personal) wurden eingekauft. Aus eigener Entwicklung ist das Wenigste entstanden. Wo wären die islamischen Länder ohne die westliche Welt, die auch noch horrende Preise für das Öl bezahlt.... Da kann man dem Reichtum frönen. Was man will und braucht, kauft man sich, ansonsten lebt man ideologisch wie zu Mohammeds Zeiten.

Gerhard Schwedes | So, 2. August 2020 - 17:13

Der Artikel beschreibt höchst interessant die historischen Fakten, bleibt uns aber die Antwort auf die Frage schuldig, warum der orthodoxe Islam so attraktiv für die ohnmächtige Masse der Männer ist. Natürlich träumen auch Ungebildete von Macht, Überlegenheit und einer goldenen Zukunft. Sie müssen diesen im Alltag aber bitter entbehren. In diese Lücke vermögen die Verheißungen des Propheten vorzustoßen. Da nun einmal Ungebildete nicht mit Subtilem, Differenziertem, Schöngeistigen zu gewinnen sind, ist der Koran mit seinen recht grobschlächtigen Versprechungen für den kleinen Mann höchst attraktiv. Das beginnt mit der Macht über Familie und Frau (Ergebenheit und sexuelle Verfügbarkeit). Sein zweiter Ritterschlag: Als Gläubiger steht er geadelt über den Ungläubigen. Der dritte: Als Märtyrer - solche finden sich gewöhnlich nur im gemeinen Fußvolk - hält der Islam 72 Jungfrauen für ihn bereit - ein erotisches Geschenk, das für einen Ungebildeten wie Musik in den Ohren klingen muss etc.

Zwar suggeriert der Titel des Artikels das, aber im Text wird nicht vom "kleinen Mann" gesprochen. Tatsächlich lesen wir da etwas von einem Machtkampf zwischen Klerus und Herrscher, was wir so auch aus Europa kennen. Deshalb halte ich es für gut möglich, dass das im Orient genauso war. Die interessante politische Frage ist nun, was das für uns in Deutschland heute heißt? Der deutsche Ansatz geht auf die Situation mit der christlichen Kirche zurück. Ist es sinnvoll das auf den Islam zu übertragen? Eventuell ja, denn auch der Katholizismus wird aus dem Ausland - Vatikan - gesteuert, so wie der Islam aus der Türkei. So ist Erdogan etwas wie der islamische Papst. Als Analogie. Ich glaube nur, dass es kein politisches Bewusstsein dafür gibt, dass der islamische Klerus eigene politische Ziele verfolgt. Anderswo in Europa saß der islamische "Papst" nicht in der Türkei, sondern in Marokko oder in Saudi-Arabien. Mit anderen entsprechenden Folgen.

Herr Müller,
der Kampf der Herrscher, ob nun weltlich oder spirituell, ist stets auch Kampf des kleinen Mannes!
Er ist der, der Wirtschaft und Demographie trägt.
Er ist der, der ideologisch oder finanziell mobilisiert wird, von all denjenigen, die sich abschicken zu herrschen.
Und Prister wissen seit je her wie sie einfache, verzweifelte Geister aufstacheln können.

Was das für Europa bedeutet?
Wir haben sicherlich nicht die Zeit um eine zweite, beschleunigte, Reformation zu durchlaufen. Und nicht die Demographie. Und keine ausreichend homogenisierte Kultur.
Und so wie wir in der Unterschicht den Materialismus als legitierenden Anspruch verlieren, so wird etwas anderes seinen Platz einnehmen.
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Gerhard Schwedes | So, 2. August 2020 - 17:14

Der Artikel beschreibt höchst interessant die historischen Fakten, bleibt uns aber die Antwort auf die Frage schuldig, warum der orthodoxe Islam so attraktiv für die ohnmächtige Masse der Männer ist. Natürlich träumen auch Ungebildete von Macht, Überlegenheit und einer goldenen Zukunft. Sie müssen diesen im Alltag aber bitter entbehren. In diese Lücke vermögen die Verheißungen des Propheten vorzustoßen. Da nun einmal Ungebildete nicht mit Subtilem, Differenziertem, Schöngeistigen zu gewinnen sind, ist der Koran mit seinen recht grobschlächtigen Versprechungen für den kleinen Mann höchst attraktiv. Das beginnt mit der Macht über Familie und Frau (Ergebenheit und sexuelle Verfügbarkeit). Sein zweiter Ritterschlag: Als Gläubiger steht er geadelt über den Ungläubigen. Der dritte: Als Märtyrer - solche finden sich gewöhnlich nur im gemeinen Fußvolk - hält der Islam 72 Jungfrauen für ihn bereit - ein erotisches Geschenk, das für einen Ungebildeten wie Musik in den Ohren klingen muss etc.

Christoph Kuhlmann | So, 2. August 2020 - 17:24

Bevölkerung bildungsresistent ist. Da sich diese Religion überwiegend in heutigen Schwellenländern ausgebreitet hat, wird er uns noch eine Weile erhalten bleiben. In Ländern, in denen nach westlichen Maßstäben große Teile der Bevölkerung Not leiden, sind die christlichen Kirchen auch noch stark. Das Problem bei vielen Schwellenländern ist, dass es ohne unabhängige Justiz nicht geht. Inwieweit die Scharia geeignet ist eine solche zu entwickeln, die auch den Ansprüchen der modernen Zivilisationen gerecht wird möchte ich mal dahingestallt lassen. In der Regel, braucht es keine Religion um die Länder arm zu halten, dafür genügen die allseits grassierende Korruption und kriegerische Auseinandersetzungen. Möflich, dass die Scharia versehen mit ein bisschen Sozialpolitik von einfachen Leuten als probates Mittel gegen die Korruption angesehen wird, weil sie nicht wissen, dass die notwendige Freiheit zur Wohlfahrt der Masen auf Gewaltenteilung beruht.

Die katholische Kirche hat nicht die Aufklärung erfunden und der Islam wird das auch nicht tun. Ich glaube allerdings nicht, dass es eine islamische Aufklärung braucht, denn es gibt ja den Westen. Mehr Aufklärung gab es seinerzeit auch nicht. Warum es dennoch nicht funktioniert? Vielleicht weil Aufklärung nicht das Problem ist? Dass Korruption auch nicht unbedingt das Problem ist, zeigt China. Selbst in Schwarzafrika gibt es Staaten mit hohem Wirtschaftswachstum. Ich vermute, dass Problem sind die Rückschläge, aus verschiedenen Gründen. Momentan sehen wir das in der Türkei, wo Erdogan das was er aufgebaut hatte gerade wieder zerstört und die Türken machen das mit. Vielleicht ist das Problem die Alleinherscher, die man nicht wieder los wird, wenn sie Fehler machen. China war da lange anders, nach einigen Jahren musste jeder gehen. Die Türkei und alle arabischen Länder haben dieses Problem. Gebraucht wird also staatliche Führung nach Leistung, was auch ohne Demokratie geht.

Romuald Veselic | So, 2. August 2020 - 17:52

höre/lese, wird mir schlecht. Womit brillieren die Schariagelehrten? Diese Typen, für mich sind Ultra-Unsympathen wie aus einer Horrorgeschichte, übernahmen die Anleitung der Gesellschaft. Damit wurde die Gute-Nacht, zu Schlechter-Nacht Epoche.
Das sieht/fühlt man sogar in D.
Z: Sohn und Nachfolger Aurangzeb, genannt Alamgir, die Zügel weiter straffte, Nicht-Muslime zum Teil verfolgte und die Expansionspolitik wieder vorantrieb. Bitte; was steht hinter der Teilverfolgung? Wurde nur jede zweite Non-Moslem umgebracht? Oder nur Männer, damit deren Frauen/Kinder versklavt oder sexuell missbraucht wurden?
Ich las nirgendwo, dass die Islam-Eroberer (Aggressoren/Kriegsverbrecher nach heutiger Art der Geschichtslesung), wie Zivilisationsretter begrüßt wären.
PS: Ich glaube nicht, dass Impfstoff gg Covid19, in einem islamischen Land entwickelt/entdeckt wird.

gabriele bondzio | So, 2. August 2020 - 18:09

dass die muslimischen Länder bei aller kulturellen Verschiedenheit innerlich doch ziemlich blockiert sind.“...nicht nur das, sie stellen auch die Regionen mit den meisten Unfrieden.
Vielleicht weil es ein totalitäres, von Männern beherrschtes gewalttätiges Rechtssystem ist, dass im Mittelalter stehen geblieben ist (z.B.vom Glauben Abgefallenen kreuzweise Hand und Fuß abhacken).
In einer Religion wo die Männer über die Frauen gestellt werden, gelang es die Männer hörig zu machen. Ihnen trotz eigner Unbedeutung, noch Jemanden zu unterstellen. Der noch weniger Bedeutsamkeit genießt und somit den häuslichen Pascha geben kann.
Nur Selbstverantwortung führt den Menschen zur Bejahung der eigenen Existenz und zur Freiheit. Und wo die Frau Beute des Mannes ist (schon in sehr jungen Jahren, manche sind noch Kinder), möchte ich keine sein.

Günter Johannsen | So, 2. August 2020 - 18:34

Für mich ist der Islam nicht reformierbar, weil er seine Substanz wegreformieren müsste: Unbedingte Dominanz über alles und jeden mit dem Ziel Weltherrschaft und Zwangsbekehrung unter Androhung der Todesstrafe für "Ungläubige (Christen; Atheisten; Jesiden u.a.)!". Solange Ditib in Deutschland der verlängerte Arm Erdogans sein darf, wird sich mit der Sicherheit in unserm Land und auch an der menschenverachtenden Überheblichkeit des Islam über andere Religionen in unserem Land nichts ändern!

Günter Johannsen | So, 2. August 2020 - 18:38

Christen sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Wir in Deutschland leben in christlich-jüdischer Tradition und dürfen das auch zeigen. Wir sollten es auch in diesen Zeiten zeigen, wo der politische Islam immer öfter nach der Weltdominanz greift. Erdogan hat es schon deutlich Formuliert: "Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind!" Das christliche Wertefundament ist Jesus Christus selbst: der predigte Liebe und handelte konsequent danach. Seine Konsequenz ging soweit, dass er für seine Anhänger und für seine Lehre freiwillig SELBST das Kreuz auf sich nahm!
Mohamed hingegen, der Begründer des Islam, ließ Andersgläubige und Menschen mit eigener Meinung abschlachten und tat das ja auch selbst sehr vorbildlich. Das ist der kleine, aber entscheidende Unterschied. Deshalb gehören die hier lebenden Muslime zu Deutschland, soweit sie sich unter das Grundgesetz integrieren, aber nicht der Islam an sich!

"Christen sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen."
Da gebe ich Ihnen recht Herr Johannsen.
Nur wenn unsere geistlichen Tiefflieger Bedford und Marx ihr Kreuz ablegen und vordem Islam zu Kreuze kriechen, wird mir schlecht.
Die heutige Kirche hofiert mehr den Islam und seine negativen Auswüchse als das man sich mal um die eigene Gemeinde kümmert.
Wie in der Politik.
Man pampert die ganze Welt und vergisst die hier schon länger lebenden.
Das mit den Christen wird nix mehr. Nicht bei dieser Führungsriege.

Günter Johannsen | Mo, 3. August 2020 - 12:19

In reply to by Enka Hein

Der evangelische Bischof und EKD-Vorsitzende ist SPD-Mitglied, lässt seine Mitgliedschaft ruhen (sagt er, tut es aber nicht!). Die SPD ist seit der Hochzeit mit der kommunistischen LINKEN in Thüringen unter deren "Führender Rolle" nach links außen gerückt. Das scheint dem Genossen Bischof nichts auszumachen. So kommt es dann auch, dass er gegenüber dem vereinnahmenden Islam sein christliches "Glaubenslicht unter den Scheffel stellt" und sein Bischofskreuz versteckt, weil es ihm offenbar nichts bedeutet ...? So muss ich schlussfolgern.
Die Juden tragen ihre Kopfbedeckung Kippa öffentlich, weil sie zu ihrem Glauben auch unter widrigen Umständen stehen. Diese widrigen Umstände (Übergriffe durch Moslems!) haben auch Kardinal Marx und Bischof Bedfort-Strohm durch ihre Unterwürfigkeit gegenüber diesem Ditib-Islam und der gegenwärtigen Merkel-Regierung mit herbeigeführt! Ich bin der Meinung, dass sich leider bald wieder eine "Bekennende Kirche" etablieren muss wie zu NS-Zeiten!

Ronald Lehmann | Di, 4. August 2020 - 00:30

In reply to by Günter Johannsen

Jeden ihrer Sätze unterschriebe ich, Herr Johannsen.
Leider stinkt der Fisch immer vom Kopf oder anders ausgedrückt:
Wenn der "kleine Mann" aufhört zu kriechen, hören die "Großen" auf zu herrschen!
Ich sage nur Hauptabteilung X der Staatssicherheit. Nach dem Kardinal Johannes Paul der II als ein Christ aus dem Sozialistischen Lager zum Papst berufen wurde, ein
"no Go für das Sozialistische Verständnis". Ab da wurde ganz intensiv mit allen (!!!) Mitteln "EINFLUSS" durch Unterwanderung des "Geistes Kirche" intensiviert & protokolliert. Aufarbeitung ??? Wenn dieses "Klärwerk" nur ein kleines Leck hätte, die Allermeisten wären überfordert. Herr Düring hat ja mal in einem der letzten Artikel die Handlungsweise & ihre Methoden der Staatssicherheit hier kurz erläutert.
Ein passendes Lied von Rudolf Kunze: "die Mörder sind unter uns" rundet den Rahmen ab.
Meine persönliche Auffassung & Wiedereintritt:
Das obere Klientel wird für 6 Jahre das Wort Christi in den Ländern .... verkünden!

und bin dankbar dafür.
Wir Christen sind aufgewachsen mit dem Judentum als Teil unserer Familie, mit Juden seit Jahrhunderten, weil Israel zerstört wurde und wenn man dem Gott des Alten Testamentes glauben darf, lag es nicht nur an den Arabern.
Für das israelische Volk kämpft Jehova, er schlägt die Feinde seines Volkes, bereitet ihnen Speise im Angesicht ihrer Feinde.
Sowohl dem Islam(Mohammed), aber auch den Christen, würde ich vorwerfen, dass trotz Christus der Krieg nicht geächtet war.
Das Judentum entwickelte sich im Angesicht seiner Feinde(z.B. Ägypten), so dass es sich wohl auch in der Diaspora weiterentwickelte, ich würde meinen zum Zionismus - als Laie gesprochen.
Ich wünsche Juden und Israelis für die Zukunft ein Leben im Angesicht ihrer Freunde und erwarte mir davon sehr viel auch für ihre spirituelle Entwicklung, mindestens ein Leben ohne Angst vor uns oder dem Islam.
Ich bin auch aufgewachsen mit LESSING/NATHAN der Weise und von mir aus NIETZSCHE/Also sprach ZARATHUSTRA...

dass ich nicht einmal weiss, ob ich irgendetwas verstehe.
Ich möchte Frieden und glaube an die Entwicklung aller Menschen zum Besten.
Ich glaube also nicht, dass der Islam nicht kompatibel zur Bunderepublik wäre.
Ich halte den Ausschluss von Sarrazin aus der SPD zwar für verkehrt, aber ich teile nicht Sarrazins Diagnosen.
Sie sagen doch, dass "unter" dem Grundgesetz auch Platz für Muslime in der Bundesrepublik ist.
Das denke ich auch, in jedem Fall aber halte ich eine Verständigung für möglich, weil evtl. gefragt werden kann, ob Christen Christus ausreichend verstehen, Muslime Mohammed und ob wir den je Anderen verstehen.
Ich halte das Verständnis des Islam hier in Europa für evtl. bislang begrenzt.
Das Alte Testament habe ich noch näher kennengelernt, Muslime habe ich in der Familie, da frage ich doch nicht nach der Religion.
Es muss also gehen, wenn man mich fragt.
Ich lasse nicht von Menschen, die sich lieben.
Da steht kein Gott vor, wie evtl. der Engel Gabriel? vor dem Paradies.
.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 3. August 2020 - 19:34

In reply to by Klaus Decker

mich über meine eigenen Irrtümer und Täuschungen weiterzuentwickeln.
Den Satz kann ich übrigens nicht nachvollziehen, weil Nietzsche sich in seiner Liebe zu Gott fast verzehrt, ebenso wie in der zur Weisheit. Er will den Tod Gottes nicht, aber es lebte nun mal sein Sohn. Es muss ihn unendlich viel Kraft gekostet haben, zuviel, um noch selbst leben zu können.
Vielleicht hat er gemeint, an den "Gott in uns" appellieren zu müssen, damit er überhaupt sagen darf, dass er seiner Meinung nach tot ist, dass wir leben sollen, im Sinne von "Gott ist tot. Es lebe Gott"?
Ich weiss es nicht. Ich würde immer anders fragen, wer um alles in der Welt will Gott sein? Wenn sich jemand die Mühe macht. Hallelujah. Deshalb bin ich Frau Merkel auch nicht ganz abhold.
Aber anderer Meinung wird man sein dürfen oder Gott wäre unfehlbar, bzw. könnte nicht überzeugen?

dass das Christentum ein Haus ist mit vielen Zimmern, in dem Alle leben dürfen.
Dieses Haus meint göttliches Leben/SIGNEN.
Lessing liess Nathan sprechen von einem Vater/ ich ergänze Mutter, wo kommen sonst die Kinder her, der "alle" Religionen seine Kinder nennt.
Lessing spricht aufklärerisch, Nietzsche auch, erweitert zu existenzieller Genealogie.
Sowohl Lessing, als auch Nietzsche sprechen von TRANSZENDENZ des Göttlichen und das Schwierige ist, dass für sie Christus SO den Anfang und "Ende" machte, im Sinne eines Kindes Gottes.
Ich denke, dass sie recht haben.
Ich vermute, dass der islam diese Bedeutung noch nicht erkannt hat, ihm also evtl. entscheidende spirituelle Dimensionen fehlen, evtl. nachgeholt werden und dass Zionismus das meint, Kind im Hause des Vaters zu sein.
Das müßte man überprüfen.
Nietzsche glaubte an den Übermenschen als göttliche Enkel/in!
Vor, mit und nach uns sind lebendige SEGEN/SIGNEN.
Vor, mit und nach dem Grundgesetz steht SO Leben, keine Religionen!
Nu?

[Sure 2,191] Und tötet sie (die heidnischen Gegner), wo (immer) ihr sie zu fassen bekommt. [Sure 2,216] Euch ist vorgeschrieben, (gegen die Ungläubigen) zu kämpfen, obwohl es euch zuwider ist. [Sure 4,76] Diejenigen, die gläubig sind, kämpfen um Allahs willen, diejenigen, die ungläubig sind, um der Götzen willen. Kämpft nun gegen die Freunde des Satans! [Sure 8, 39] Und kämpfet wider sie, bis kein Bürgerkrieg mehr ist und bis alles an Allah glaubt! [Sure 9,123] O die ihr glaubt, kämpfet wider jene der Ungläubigen, die euch benachbart sind. [Sure 47,4-5] Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt.[Sure 8,55] Als die schlimmsten Tiere gelten bei Allah diejenigen, die ungläubig sind und (auch) nicht glauben werden. [Sure 98,6] Die Ungläubigen unter den Leuten des Buches (Juden und Christen): Sie sind von allen Wesen am abscheulichsten!
Für Christen gilt das Neue Testament: Nächsten- und Feindesliebe oberstes Gebot!

Ganz falsch liegen Sie nicht, Herr Johannsen, denn das Grundgesetz ist evtl. in gewisser Weise ein im transzendentalen Sinne aufgeklärtes Testament. Klären, man lese die Etymologie.
Eine Debatte darüber, die irgendetwas davon zurücknimmt, dahinter zurückfällt, sollte evtl. niemand hier erwarten. Ich glaube, soweit kenne ich Deutsche.
Debatten darüber, wie man es weiterentwickeln kann sicher auch nicht in einem Sinne, der hinter das (transzendentale, also gewissermassen aufgeklärte) Christentum zurückfällt. Da ist vielleicht auch die Transzendentalphilosophie des Deutschen Idealismus hilfreich.
Jede/r mache es sich hier bequem, wird evtl. also nicht das Leitthema von solchen Debatten sein können, keine Nivellierung grundsätzlicher Sätze.
In diesem Sinne ein Haus für Alle und da Alle überall leben, wird Haus über unser Leben hinaus auch spirituell aufzufassen sein, im Sinne, es steht hier, es möge überall stehen.
Unser Leben steht immer auch zur Diskussion, nie aber zur Disposition...

Klaus DeckerI | Di, 4. August 2020 - 10:40

In reply to by Dorothee Sehrt-Irrek

Schon der 1. Weltkrieg hat den deutschen Idealismus als irreale Utopie entlarvt.
Wenn Sie wissenschaftlich-theologische Analyse zu den verhängnisvollen Wirkungen (bis heute!) lesen wollen, rate ich zur Lektüre von „Schöpfung und Offenbarung“ (Lütgert).
Ihre Religionsphilosophischen Ausführungen ordne ich dem Weltethos-Denken von Küng zu (nicht böse sein!).

Vielen Dank für die Herausstellung des Unterschieds zwischen den Religionen. Das grundsätzliche Problem im Umgang mit dem Islam ist die Unfähigkeit zur Reform. Die Entwicklungsgeschichten der großen Religionen sind in ihrem historischen Kontext zu betrachten und wurden von Zeitzeugen niedergeschrieben. Über die Jahrhunderte erfuhren diese Niederschriften Anpassungen und Ergänzungen für ein gedeihliches Zusammenleben in der sozialen Gemeinschaft. Eben diese Anpassungen sind im Islam unmöglich gemacht, da der Koran als unveränderliches "Wort Gottes" angesehen wird.
Da spielt es dann auch keine Rolle, wenn darauf hingewiesen wird, dass auch der Koran erst Jahrzehnte nach Mohammeds Tod aufgeschrieben und die "Un-"Taten des Propheten aus heutiger Sicht sehr zweifelhaft, wenn nicht sogar kriminell, erscheinen.
Für die Muslime sind der Koran, die mit ihm verbundenen Habiten und die Scharia oberstes Gesetz. Sie können sich in Deutschland nicht unter das Grundgesetz integrieren.

Für den Christen ist der Glaube nicht wenige wichtig als dem Muslim. Sie können mir also glauben, dass alles menschliche Grauen auf dem Irrsinn der Religion basiert. Und wenn die sich endlich einmal diskreditiert hat, springen gern die Ersatzüberzeugungen ein: Faschismus und Totalitarismus.

Ich glaube nicht dass die Bibel uns sagen kann was heute zu tun sei. Wenn man das ernst nehmen würde, müssten wir bsw. unseren Wohlstand mit allen x Milliarden Menschen teilen. Kurz: Die Bibel ist kein praktischer Ratgeber. Deshalb sind wir alle ja auch Sünder und leben ganz gut damit, während der Koran dagegen lebbar ist. Vielleicht ist das der wesentliche Unterschied? Christ sein würde damit bedeuten, die Vorgaben zu ignorieren und sich deshalb schlecht fühlen. Ein bisschen zumindest. Keine schlechte Übung um Bestehendes durch Neues und hoffentlich Besseres zu ersetzen. Vielleicht hat der Westen deshalb den Orient nach dem Mittelalter überholt und sich bis heute ständig verändert.

Manfred Sonntag | So, 2. August 2020 - 18:41

Herr Kreutz, die Reislamisierung von unten beschreiben Sie hier nicht. Dieser Prozess wird von einer elitären Gruppierung von Gelehrten betrieben. Nach meinem Verständnis wäre "unten" der normale Gläubige mit Berufen als Bäcker, Bauer, Händler etc. Am besten sieht man das in Saudi-Arabien wo die herrschende Dynastie seit vielen Jahren mit den sunnitischen Gelehrten des Wahhabismus die Macht zum gegenseitigem Nutzen bis heute teilt. Dass die Bevölkerung noch recht lange religiöse Zeremonien und Gesetze befolgt ist nicht nur im Islam weitverbreitet. Wenn Steinigungen und andere Todesstrafen durch den Mob aktiv unterstützt werden so geschieht das immer mit Unterstützung und Billigung der führenden Geistlichkeit. Nur ein Wort würde genügen um die Massaker zu beenden. Bitte verschieben Sie die Verantwortlichkeit nicht nach "unten"!

helmut armbruster | Mo, 3. August 2020 - 08:06

ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns immer noch in mittelalterlichem Denken und Fühlen bewegen würden, hätte es in Europa die Aufklärung nicht gegeben.
Nur wegen der Aufklärung kam rationales Denken und das Vertrauen auf unsere eigene Vernunft in die Welt.
In der islamischen Welt gab es nie eine vergleichbare Bewegung.
Deshalb ist dort die Religion auch heute noch eine beherrschende Kraft, denn sie wird nicht in Frage gestellt durch die Vernunft. In der westlichen Welt dagegen hat die Religion ihren früheren Einfluss verloren. (es gibt vielleicht noch 10% Gläubige).
Religion ist aber nur über den Glauben möglich. Vernunft zählt nicht. Deshalb ist jeder westliche Versuch den Islam in Richtung Rationalismus zu führen und ihn damit für die westliche Welt kompatibler zu machen, zum Scheitern verurteilt.
Denn Vernunft kommt nicht an gegen Religion, jedenfalls dann nicht nicht, wenn das Denken und die Errungenschaften der Aufklärung unbekannt und unerwünscht sind.

Meine volle Zustimmung zu Ihrer ausgezeichnete kurzen Analyse, werter Herr Armbruster. Ja, mit der Religion ist das so eine Sache: Entweder man glaubt es oder glaubt es nicht.
Wenn wir über die verschiedenen Religionen reden, dann preisen wir Europäer mit Stolz die Aufklärung im 18. Jahrhundert. Ihre Wurzeln liegen in England und Frankreich, führte letzthin zur Französischen Revolution 1789. Muslimische Länder erlebten eine solche Aufklärung nicht, auch keinerlei bürgerliche Revolution. Sie verharren in mittelalterlichem Denken und in Armut (Ausnahme: Ölstaaten). Woran liegt das? Ist es die Eigenart der dort herrschenden und praktizierten Religion, eben Islam und Scharia? Vermutlich ja, denn ein etwaiges "islamisches Gen" wurde bislang nicht entdeckt (darf auch gar nicht, da sonst Rassismus/Nazi). Ich muss an der Stelle an Thilo Sarrazin erinnern, der einmal von einem "jüdischen Gen" schrieb und damit heftigst attackiert wurde. Vorsicht!

Günter Johannsen | Mo, 3. August 2020 - 11:09

Das wäre ein Land, indem ich gerne leben würde: ohne Dominanz und Gesinnungsterror für alle Lebensbereiche mit einer ehrliche-freiheitlichen Demokratie einschließlich echter Meinungsfreiheit. Ein Land, in dem diese menschenverachtende Sharia verboten und geächtet ist! In diesem Land gibt es keine Medien, die nur das berichten, was die selbsternannte Moral-Elite dem Souverän wissen lassen will. Ich möchte in einem Land leben, wo Frauen wirklich gleichberechtigt sind und uns nicht tagtäglich vorgeführt wird, dass Frauen mit Vollvermummung oder Kopftuch die moralisch höheren Menschen sind, weil sie sich freiwillig (?) von ihren Männern züchtigen lassen!

Helmut Bachmann | Mo, 3. August 2020 - 12:10

zwischen dem Christentum und dem Islam. Bzw. einer Religion, die grundlegend überwiegend auf ein "Reich, nicht von dieser Welt" ausgelegt war und erst dann missbraucht wurde und einer Religion, die gerade aus der Verquickung von religiösen Themen und der weltlichen Macht entstanden ist. Zieht man dies beim Islam ab, bleibt ein (interessanter)judenchristlicher Kern. Doch wäre dies für sicher 99% der (gläubigen)Muslime kein Islam mehr. So ist der Islam zum endgültigen Sieg, oder zur endgültigen Niederlage verdammt. Er ist in der real existierenden Form leider nicht vergleichbar mit anderen Religionen und inkompatibel mit unserer Religionsauffassung.

Alexander Mazurek | Mo, 3. August 2020 - 12:59

... welche die Massen verführen, ob zum Islam oder zum Fortschritt.
Der Sturm auf die Bastille z.B. wurde durch die Lüge eines Marquis de Sade ausgelöst.
Die Vernunft des Juden- und Christentums haben ein Maimonides und Thomas von Aquin bewiesen, zeitgenössischen islamischen Gelehrten wie Avicenna und Averroes ist dies nicht gelungen.
Aristoteles warnte, dass "ein kleiner Fehler im Anfang am Ende ein großer wird". Und wir haben sowohl beim Islam, wie bei der Aufklärung deren viele, wie: a) die Lüge, dass jeweils "vorher" Dunkelheit herrschte, b) den Massenmord an jüdischen Stämmen oder den Katholiken der Vendée, c) die Unterwerfung unter die Scharia oder ein positivistisches "Recht", ...
Angesichts der daraus resultierenden Zwänge bleibt dem gewöhnlichen Sterblichen nur die Anpassung (Konversion), welche nicht nur das Überleben sichert, sondern auch Karrieremöglichkeiten eröffnet.
Je einfacher die Regeln, um so leichter die Anpassung, und da hat der Islam die Nase vorne.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 3. August 2020 - 16:36

Interessanter Artikel, ich habe einiges daraus gelernt. Was ich allerdings nicht mehr zu lernen brauchte ist die Erkenntnis, dass der Islam nicht reformierbar und mit anderen Religionen nicht vereinbar ist. Warum für mich die Basis der Gläubigen letztlich keine Hinwendung zu westlichen Werten wollen, zu dem was wir hier unter Demokratie verstehen ist für mich klar heraus zu lesen. Das Patriachat lebt sich im Islam aus und ermöglicht dem Mann durch Glauben und Scharia ein an sich "sorgenfreies" Leben. Für Essen, Trinken und Nachkommenschaft hat der Islam und seine Scharia bereits Vorsorge getroffen. Frauen haben die Kinder zu gebären, Haus- und Hof reinlich zu halten. Der Mann bestimmt und herrscht. Wenige der Muslime, die in islamistischen Ländern groß wurden sind bereit, sich außerhalb des Islam zu integrieren und zu assimilieren. Gerade die jungen Männer des Islam leben in Europa genauso weiter, wie sie es kennen und von Kind auf an durch ihre eigene Sozialisierung erfahren haben.

Ulrich Storr | Mo, 3. August 2020 - 17:00

Den eigentlichen Beweis bleibt der Autor meiner Auffassung nach schuldig.
Da es meist die "Gelehrten" sind, die die Oberhand behalten, scheint es eher die alte Konkurrenz zwischen dem weltlichen Herrscher und den Herrschern über den Kultus zu sein, der hier beobachtet wird. Im alten Ägypten über Jahrhunderte gut zu verfolgen.
Hier könnte sich nachteilig auswirken, dass die weltliche Herrschaft dem Nährboden der Religion entwächst. Dass in so einem Umfeld den Wächtern des wahren Glaubens eine immense Kontrollgewalt zukommt, kann nicht erstaunen.
Anders die Herrschaftsstrukturen im Westen: Zwar immer angewiesen auf den Kultus als bestätigende Kraft gab es doch auch Adel und Volk als zweites (herrschaftliches) Standbein. Mit der allmählichen Emanzipation der Weltlichen Macht entsteht Raum für die Vernunft und die Aufklärung.
Was meint der Autor also mit "unten"? Sicher nicht die Hüter des Kultus. Auch, wenn die den Aberglauben schnell unters Volk schleudern können.