Infantile Gesellschaft - Herrschaft der Kindsköpfe

Medien und Politik verklären den gut gemeinten Aktivismus Jugendlicher zur Weltrettungsweisheit, während die Wirtschaft von den Konsumgewohnheiten einer immer infantileren Gesellschaft profitiert. Aber wenn Erwachsene sich wie Kinder behandeln lassen, kennt der Staat bald keine Grenzen mehr

Greta Thunberg auf der UN Klimakonferenz in Madrid
Politik infantilisieren mit dem Segen der Erwachsenen: Greta Thunberg und Luisa Neubauer auf dem UN-Klimagipfel / picture alliance

Autoreninfo

Norbert Bolz ist emeritierter Professor für Medienwissenschaften. Er ist Autor zahlreicher Bücher; zuletzt erschien von ihm „Das richtige Leben“ (Verlag Wilhelm Fink, 2013). Im Jahr 2011 wurde Bolz mit dem Tractatus-Preis für philosophische Essayistik ausgezeichnet

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Kindliche Unschuld verkauft sich gut. Hier ein paar aktuelle Beispiele. „Person of the Year 2019“ des Nachrichtenmagazins Time wurde bekanntlich Greta Thunberg, die damals 16-jährige Virtuosin der inszenierten Authentizität, offenbar in Anerkennung ihrer reinen Rhetorik der Empörung: „How dare you!“ – wie könnt ihr es wagen, mich um meine Kindheit zu betrügen! Dass die Oma, die im Hühnerstall Motorrad fährt, als alte Umweltsau entlarvt wurde, verdanken wir dem Kinderchor des WDR – eine Publikumsbeschimpfung, die von vielen beschimpften Erwachsenen masochistisch genossen wird.

Das gilt auch für jene Wutattacken von Greta vor den hohen Häusern der Weltpolitik und für die freitäglichen Spektakel der Schulschwänzer, also die in Deutschland von Luisa Neubauer geschickt vermarktete Jugendbewegung Fridays for Future, die für die Rettung der Welt streikt und hüpft. Lichterketten genügen schon lange nicht mehr. Hier formiert sich ein neuer Kinderkreuzzug gegen die verstockten Erwachsenen, getragen von einer romantischen Fernstenliebe, die sich um die ganze Welt sorgt. Mit großem Erfolg übrigens – zumindest für Luisa. Siemens-Chef Joe Kaeser hat ihr einen Sitz im Aufsichtsgremium einer seiner Firmen angeboten. Die einmalige Gelegenheit, ein solches Angebot um der Authentizität ihres Engagements willen abzulehnen, hat sie sich natürlich nicht entgehen lassen.

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Christa Wallau | Mi, 29. Januar 2020 - 14:26

Eine glasklare und in allen Punkten zutreffende Analyse!
Danke. Herr Professor Bolz, und Dank an den CICERO für die Veröffentlichung dieses exzellenten Beitrags.
Am besten finde ich den Schluß:
Man braucht "keine Theorie der Gesellschaft, sondern nur g e s u n d e n Menschenverstand", um
das zu erkennen, was falsch läuft.
"Der aber ist die knappste Ressource in der
Peter-Pan-Gesellschaft."

AMEN.

Klaus Funke | Mi, 29. Januar 2020 - 14:59

Herr Bolz, ich applaudiere Ihnen. Richtig: Es hat sich eine Infantibilität entwickelt, die dazu benutzt wird, "alles Ererbte" zu vernichten. Die Frage ist: Warum? Es gibt ihm Kapitalismus keine Naivität, dann würde er sich selbst abschaffen. Und ein etwaiger sozialismus ist weder in Sicht, noch tatsächlich geplant. Wozu also dient diese Welle der Kindersicht auf die Welt? Es können nur Marktströmungen sein, die dazu dienen, dem gemeinen Volk noch unbemerkter und leichter das Geld aus der Tasche zu ziehen, es abzulenken, zu verdummen, eine bequem zu beherrschende Kindlichkeit zu erzeugen. Helfershelfer und supergefährlich sind jetzt diejenigen, die versuchen dem Ganzen einen plausiblen und sogar wissenschaftlichen Anstrich zu geben, die alle kritischen Stimmen, alle Mahner zum Schweigen bringen, in Wahrheit aber in den Hinterzimmern ihr Süppchen kochen wollen. Mao Tsedung hat es vor Jahrzehnten vorgemacht, wie man Macht vermittels der Kinder ausüben kann. Das Ergebnis ist bekannt...

Gerhard Lenz | Mi, 29. Januar 2020 - 15:54

In reply to by Gast

nach den "Enthüllungen" über die von den Demokraten gekauften US-Medien und der "Aufklärung" über die partei- und wahltaktische Verharmlosung des Linksextremismus nun also die "Hintergründe" über die Infantilisierung unserer Gesellschaft - dunkle, raffgierige Hintermänner wollen uns manipulieren und uns das Geld aus der Tasche ziehen.

Funke, Respekt. Sie haben wenigstens Fantasie.

Es freut mich, dass ich die Stöckchen hinhalten kann, wie ich will - Lenz springt drüber! Nein, natürlich kommentiere ich nicht wegen dieses sonderbaren kommunistischen Renegaten, sondern, weil es mir ein Bedürfnis ist, weil hier tolle Beiträge erscheinen und weil ich mich bei CICERO einigermaßen ernstgenommen fühle - als "Rechter" im Lenz´schen Sinne. Trotzdem, ein Vorschlag (bitte lieber CICERO, man verzeihe mir): Warum kommentiert Gerhard Lenz nicht mal bei TE? Dort wäre er der weiße Uhu. Man würde ihn rupfen. Aber dazu fehlt ihm der Mut. Ein großes M.... genügt eben nicht.

die Cicero-Redaktion? Letztere wäre da wohl der falsche Ansprechpartner. So so, Sie fühlen sich ernstgenommen? Als eine Art "anerkannter Verschwörungstheoretiker" der rechten Außenbahn?
Sind Sie sich da so sicher?

Spass beiseite. Sie kapieren es nicht. Der Cicero ist nicht TE. Auch wenn ein Grossteil der Forenteilnehmer im Cicero ebenfalls ziemlich weit rechts steht. Aber TE ist eindeutig ein Verlautbarungsinstrument der Neuen Rechten, mit geschlossener Blase und gleichfalls geschlossenem neu-rechten Weltbild. Auch (und gerade), was das redaktionelle Schaffen angeht. Also wie geschaffen für Leute wie Sie.
Das ist der Cicero nicht. Und ich hoffe, das bleibt so. Alles andere würde vielleicht einem Funke gefallen, wäre aber für den Cicero nur schädlich.

Ich habe schon in der DDR gelernt: Der 'Klassenfeind' ist überall und gibt keine Ruhe. Da kann man nicht vorsichtig genug sein. Und die 'Harmlosen' sind besonders gefährlich - weil sie nicht gleich auffallen! Ganz besonders gilt das für Kunst, Kultur, Literatur, Medien. Da hilft nur ein stets gut informierter 'Nachrichten-Dienst', der auf uns alle aufpaßt ...
Erstellen Sie doch mal eine Art modernen Index. Was darf man lesen und hören, was mit Einschränkungen unter Aufsicht nach Antrag (Akteneintrag erfolgt) und was ist 'böse' und kommt in den Giftschrank? Oder nach dem System 'Post-ZeitungsVertrieb' (PZV) der DDR eine Liste des 'zugelassenen Schrifttums'.
Zu Tichy Einblick. SIE scheinen dort ja viel zu lesen!? Wo gibt es die Präge-Stempel ('Verlautbarungsinstrument', 'neu-rechten Weltbild')? Existieren vergleichbare Stempel auch in den Farben rot und gruen?
Was wollen Sie uns mit dem wiederholten 'Labeln' von TE und der Achse des Guten mitteilen? Es klingt wie (indirekte) Werbung.

Da haben Sie aber ganz schnell eine Klage am Hals. Und das wäre auch gut so. Ich falle leider immer wieder drauf rein. Man muss Ihnen nicht antworten oder gar reagieren, man muss Sie einfach quatschen lassen, schlicht ignorieren. Frau Wallau beherrscht das souverän. Sie können sie vollpöbeln, sie antwortet nicht. Es ist wie mit einem kläffenden Hund am Gartenzaun. Einfach weitergehen, dann hört er auf. Außerdem wird er heiser. Sie sind im übertragenen Sinn schon lange heiser geworden, bis zur Lächerlichkeit. Aber gut, Sie merken das nicht. Auch CICERO nicht, oder die wollen es nicht merken, weil sie die benutzen, als Alibi. Also, von jetzt an, werde ich zu all Ihren mich betreffenden Anmerkungen schweigen und einfach weitergehen. Da hat es CICERO auch einfacher, sie brauchen nichts aussortieren. Selbstzensur, nennt man das... (bin gespannt, ob man mich veröffentlicht, oder ob hier der "Artenschutz" wieder greift)

Karl Müller | Do, 30. Januar 2020 - 08:52

In reply to by Gast

gehe ich mit. Das mediale Hochschreiben von Wahnsinn gleicht ein wenig der Cautio Criminalis, es gibt natürlich auch noch unappetitlicher Beispiel für dieses Medienverhalten aus jüngerer Zeit.

Klaus Ramelow | Mi, 29. Januar 2020 - 18:18

In reply to by Gast

Greta Thunberg glaubt an ihre Sicht der Dinge
und Luisa Neubauer schwimmt auf dieser Welle zur persönlichen Profilierung !

Ernst-Günther Konrad | Do, 30. Januar 2020 - 08:54

In reply to by Gast

Zustimmung zu beiden kommentaren. Sie drücken, wie viele hier in der Folge auch, meine Sicht der Dinge aus.
Ich lerne hier immer wieder. " ... verblasenen Idealismus..." Wieder eine neue Wortkreation in meinem Sprachschatz. Dieser Artikel ist klasse und lehrreich. Und Herr Funke, wenn ich Ihre Kommentare lese, sehr hoch halten sie das Stöckchen aber nicht. Nun gut, man darf den Frühling auch nicht überfordern.

Gefällt mir auch, Herr Konrad, habe noch einen Begriff anzubieten, der Ihnen sicher ebenfalls zusagen wird, weil er die Dinge auf den Punkt bringt (leider nicht von mir): Betroffenheitskitsch. Den Begriff finde ich deshalb so zutreffend, weil Kitsch eine Ausdrucks- und Empfindung-Weise von Epigonen ist bzw. von Menschen, die noch zu jung, zu unerfahren sind, um die Trivialität des Kitschs - des dargestellten wie des empfundenen - durchschauen zu können. Es ist die mangelnde Lebenserfahrung bzw. die mangelnde Erfahrung im Metier, die es dem Kitsch-Konsumenten unmöglich macht, diesen vom authentischen Original zu unterscheiden. Es ist die nicht durchschaute Diskrepanz zwischen diesen beiden, die den Kitsch sowie seinen Konsumenten so peinlich lächerlich macht. Wobei ich meine, dass im vorliegenden Fall die Lächerlichkeit weniger auf die schwärmerischen Jugendlichen zutrifft als auf die Erwachsenen, die sich von jenen instrumentalisieren lassen bzw. jene klandestin instrumentalisieren.

Alfred Kastner | Do, 30. Januar 2020 - 17:55

In reply to by Gast

Man könnte den hervorragenden Artikel auch auf einen Namen reduzieren: Angela Merkel. Die Kanzlerin lässt sich aus machtpolitischen Erwägungen von einer kühl inszenierten Klimahysterie treiben, die zur Zerstörung der deutschen Wirtschaft führen wird. Fakten sollen hinter immer hysterischer werdenden Katastrophenmeldungen unsichtbar gemacht werden. Inzwischen wird von den Protagonisten der Klimabewegung auch zugegeben, dass es sich nicht um das Klima, sondern um „unsere imperiale Lebensweise“, die beendet werden soll, handelt. Die politische Auseinandersetzung wurde unter Merkel in Frage gestellt durch die angebliche Alternativlosigkeit der Maßnahmen. Auch beim Thema Klima. Mittels ihres Politikstils erfolgte eine Substitution der politischen Rationalität durch die politische Romantik, die sehr viel Unheil hervorgebracht hat. Das Argument, die rationale Begründung von Politik, wurden unsichtbar hinter der Emotionalisierung und Moralisierung und der Behauptung der Alternativlosigkeit.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 29. Januar 2020 - 16:04

Schrecken meiner Studienjahre, zumindest in Germanistik und Publizistik.
Womit ich mich auch gleich als NICHT-Überflieger oute.
Dennoch eine Kritik an Herrn Bolz Nietzsche-Interpretation.
Man kann Nietzsche nicht verstehen, ohne seinen Schmerz zumindest fühlen zu wollen.
Er ist evtl. schwer verständlich, mündet aber in die Trauer über die Trennung von Gott.
Nietzsche hätte in der Peter-Pan-Geschichte vielleicht etwas anderes entdeckt, den Versuch des Mädchens, ihm und den anderen verlorenen Kindern ein Anker im Leben zu sein, sie lebendig werden zu lassen.
Peter Pan ohne Schmerz zu verstehen, das geht eben auch nicht.
Nietzsche geht es um Unterschiede, sofern er SEINEN Weg zu Gott möchte und zu Erlösung.
Individualität ist ihm Gottesverlust und Aufgabe an ihn selbst, sie zu beenden.
Das tut er, indem er sich der Ewigkeit überantwortet, der Poesie und der Musik.
Die eine Sache ist, etwas zu FfF zu schreiben, die andere und wieder nicht, etwas zu Nietzsche und Peter Pan.
Lasset die Ki...

Genaelogisch mag es auch einmal der "Herr sein Gott" (vgl. dazu Händel Belshazzar Schlusschor "I will magnify THEE" YouTube Zadlem) gewesen sein, aber Nietzsche ist auf der Höhe seiner Zeit und auch Materialist, darin Marx durchaus verwandt, es ist das lebendige Göttliche in der Zeit.
Da sollen sich bitte ALLE angesprochen fühlen.

ich habe welche und schaue auf solche Bilder wie oben evtl. spezieller, vlt. ganz falsch.
Nun kann man auf Fotos schrecklich aussehen, deshalb wieder nur mit Vorbehalt, auch dem, dass ich knuffelige Babies immer am liebsten hatte.
Kurz, auf dem Foto sieht für mich Greta Thunberg sehr weit entfernt wie Joda aus.
Sie mag dessen Weisheit haben, Hauptsache, sie erreicht auch ein ansehnliches Alter.
Achtet man bei ihr auf so etwas wie Kinderarbeit?

Gauss | Mi, 29. Januar 2020 - 16:15

Hier ein Artikel, die mir aus meinen letzten Ecken des kritischen Studentenherzen spricht…..und formuliert, was mir seit Wochen durch den Kopf geht…… Und ich frage mich: Warum gelingt die Infantilisierung so leicht? Weil sie den Konsumenten, denn der Konsument ist infantil, gebiert, und das sollen wir sein und bleiben: Dauerkonsumenten, die ohne Bedürfnisverzicht nicht leben können und daher ist die Dauertrinkflasche in den Händen der Schüler und herumirrender Erwachsener mir immer schon als ein Symbol der Verkindlichung erschienen…. Da lobe ich mir den zugegebenermaßen dauersaugenden Raucher, denn der wollte wenigsten erwachsen sein …...

Der Konsumismus(Von Konsum),ist paradoxerweise die allerletzte Hoffnung der törichten SPD noch ein Weilchen im Todestrakt der ergaunerten Scheinmacht zu verweilen.Die Hinrichtung durch den Wähler erfolgt in spätestens anderthalb Jahren.Bis dahin muß jeder Tag ein Sonntag sein.Kindische Denkweise und echter fortwährender Kindergeburtstag in einer Endlosschleife.Die SPD ist der kleine Dicke auf dem Schulhof,der mit Steinchen schmeißt und bei der kleinsten Reaktion nach dem Fräulein Lehrerin plärrt.Die SPD ist am Ende.Moralisch,politisch und was noch.Gruß,W.S.

Norbert Heyer | Mi, 29. Januar 2020 - 16:19

Wenn erwachsene Menschen an den Lippen von Greta und Luisa hängen, zeigt sich eines ganz deutlich: Sie sind nie erwachsen geworden, sie haben sich ihr kindliches Gemüt bewahrt und sehen in ihren Kindern gleichberechtigte Partner. Ihnen fehlt nicht die Erfahrung des Lebens, sie haben aber die Fähigkeit verloren, ihre Kinder davon zu überzeugen, dass die „Bäume nicht in den Himmel wachsen“, wie meine liebe Großmutter immer sagte. Auch meine Eltern haben immer dann, wenn ich Orientierung und Anleitung brauchte, mir diese überzeugend vermittelt. Das scheint heute komplett zu fehlen, sonst würden die Kinder nicht einen solchen Budenzauber veranstalten können. Wenn der Papst, Manager und Eliten Kindern huldigen, läuft etwas gewaltig schief. Am traurigsten ist aber die Tatsache, dass diese hysterischen, hüpfenden Kinder von interessierter Seite für ihre Zwecke missbraucht werden. Das hatten wir schon häufiger, das Kinder für ihre gewollte Naivität einen sehr hohen Preis bezahlt haben.

..." der emotionale Missbrauch unserer Kinder unter dem Deckmantel des partnerschaftlichen Umgangs wird Zündstoff für eine grundlegende gesellschaftliche Debatte. Wenn die Ideologie von Kindern als Partner nicht beendet wird, werden Kinder und Erwachsene krank und sich gegenseitig hassen".
( aus einem der Bücher des Arztes und Jugendpsychaters Dr. Michael Winterhoff )

Wolfgang Tröbner | Mi, 29. Januar 2020 - 16:38

dem eigentlich nicht viel hinzuzufügen ist. Nur soviel. Man sollte nicht vergessen, dass der Infantilisierung der Politik eine in dieser Form noch nie dagewesene Beschimpfung der "Alten" vorausgegangen ist, also derjenigen, die primär für den Wohlstand der Gesellschaft gesorgt haben. Die bösen alten weißen Männer mussten für nahezu alles, was tatsächlich oder vermeintlich schiefgegangen war, ihren Kopf hinhalten. Zum Dank dafür, dass sie Wissenschaft und Technik zu ungeahnter Blüte geführt haben. Aus meiner Sicht ist die Beschimpfung der "Alten" in einer Reihe zu sehen mit der Glorifizierung der Kindsköpfe.

Bert Dufaux | Mi, 29. Januar 2020 - 16:43

... nur eines haben Sie noch vergessen: Die Medien leisten ihren Beitrag zur Entmündigung, indem uns in den letzten Jahren keine Informationen mehr dargeboten werden, mithilfe derer man sich eigene Meinungen bilden kann, sondern vorgefertigte Überzeugungen, die der Konsument übernehmen soll. Dies geschieht oftmals auf sehr aggressive und aufdringliche Art und Weise. Denn Gehirnwäsche gehört dazu, will man die Gesellschaft infantil halten.

dieter schimanek | Mi, 29. Januar 2020 - 16:50

...und dann noch von der TU Berlin.
Nicht zu fassen, vollen Applaus!

"How dare you!" Wer soll G.Thunberg um ihre Kindheit betrügen? Welche Kindheit?
Ich bin Jahrgang 1946 und denke trotz vielen Entbehrungen wie unsere Nachkriegs-
bevölkerung die nächsten Jahre durchlebte, gerne an meine Kind-und Jugendzeit
in München zurück. Ohne Smartphone, Tablet,Notebook usw.
Wir waren Freunde und Freundinnen, nicht neunmalklug wie G.T. die sich von ihren
Eltern, Rentzhog und seinem Medienteam, das weltweit größte soziale Netzwerk für Klimaaktion zu schaffen und möglichst viel Geld zu verdienen.
Dafür wurde sie als Gallionsfigur und Schulabbrecherin instrumentalisiert ,wofür
sie Millionen Euro scheffelte und ihre Kindheit verkaufte.
Partizipiert haben auch Promis und usw. die sich in ihrem unwirklichem Licht
aalten bis hin zu, man glaubt es nicht, "Black Rock" und dgl.

Werner Kahl | Mi, 29. Januar 2020 - 17:45

Die überwiegende Zahl der hier argumentierenden Kommentatoren sprechen gegen den allgemein herrschenden Irrsinn in unserer Gesellschaft. Nur, sie schreiben und schreiben und schreiben; damit ändern sie leider NICHTS. Lassen Sie uns real handeln, lassen Sie uns auf die Straße gehen und zeigen, dass diese widerlichen Zustände unerträglich sind. Bald ist es zu spät, dann regieren ENDGÜLTIG Minderheiten die Mehrheiten.

Doch, Herr Kahl, etliche tun etwas. Weniger auf der Straße, denn dort kann Leib und Leben zu Schaden kommen, sondern an der Wahlurne. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Es ist in einer Demokratie nun mal so, das sich die Minderheit der Mehrheit unterzuordnen hat. Die Mehrheit der Deutschen wählt (vor allem im dominierenden Westen) immer noch wie eh und je die Altparteien, die für die heutigen Verhältnisse verantwortlich sind. 14-15 % Alternativwähler für Gesamt-DE (laut Umfragen) können eben nicht viel ausrichten, und die 30 % Alternativ-Wähler meines Heimatortes am östlichen Grenzfluss auch nicht. Aber manche Dinge können sich schnell ändern, sogar westlich von Elbe und Werra.

Leider ist es so,die schweigende Mehrheit wird nie auf die Straße gehen das bleibt den gut vernetzten Linken vorbehalten.Die gut vernetzten wollen an die Macht es ist kein Zufall dass Grün und Links das Wahlalter am liebsten ab dem 10. Lebensjahr einführen würden.Mich beruhigt dass sich die Schweigende Mehrheit nicht von der überwiegend linken Berichterstattung in den Medien beeinflussen lässt weil der gesunde Menschenverstand sie davon abhält.Die großen Volksparteien haben ihr Volk verloren, die Schweigende Mehrheit ist das Volk

gerhard hellriegel | Mi, 29. Januar 2020 - 17:47

Zwei sätze bringen es auf den punkt: 1. seid fruchtbar und mehret euch 2. macht euch die erde untertan. Jetzt haben wir es geschafft: seit etwa 200 jahren globalisierungsgewinner menschheit, globalisierungsverlierer natur: der endsieg ist nahe. Jetzt stehen wir vor einer geschichtlich einmaligen situation: das credo, das mindestens jahrtausende funktioniert hat, zeigt seine kehrseite, wird zum pyrrussieg. Erst blutet das herz, dann der verstand. Auch "erwachsene", "realistisch" denkende professoren brauchen manchmal etwas länger. Nur, warum geifert er so, merkt er, dass es nicht der job der kinder, sondern UNSER job ist - sein sollte? Merkt er, dass wir gar nicht in der lage sind, das notwendige zu tun? Merkt er, dass seine heiligen kühe schlachtreif sind? Oder wozu ist diese altkluge attitüde gut?

Durch die linksgrüne ideologische Brille. Wenn Prof. Bolz
Über infantile Gesellschaft schreibt, dann, denke ich, meint solche Aussagen wie Ihre. Die Entwicklung der letzten 200 Jahre kann man nicht einseitiger und einfältiger darstellen.
Sie greifen die christliche Zivilisation an und schreiben ihr das vermeintliche Übel der Naturzerstörung zu, zitieren die Bibel um Bevölkerungwachstum der christlichen Welt anzulasten.
Es tut weh so ein Unsinn zu lesen. Die demographische
Entwicklung der Welt sieht anders aus. Und was ist mit dem technologischen Fortschritt? Soll man darauf verzichten?Sind Malaria, Hunger, Kinderkrankheiten gut für die Natur?
Grüner Blick für wenige, das ist die Lösung der infantilen.
Ein Komentator in der „Welt“ schrieb zu den Todesfällen durch Coronavirus-„Es ist gut für das Klima und CO2 Bilanz“...So schreiben die Kinder nicht, so schreiben böse und zynische Kinder.

Hallo, lieber Mitmensch, ich bin weit davon entfernt, das der christlichen Zivilisation anzulasten. Diese Orientierung ist viel, viel älter. Diese geistige Evolution begann nicht mit dem Juden- oder Christentum. Alle heutigen Religionen haben geistige Wurzeln, für die Sie gerne 200.000 Jahre und mehr ansetzen können. Allerdings gibt es Religionen von "Naturvölkern", die mehr vom Leben in der Natur, mit der Natur verstehen als eher macht-orientierte, die da ein "untertan"-Verhältnis sehen wollen. Also kein Grund zur Aufregung - oder doch?

Dr. Katharine Schön | Mi, 29. Januar 2020 - 18:08

Ich hoffe Sie überleben den Shitstorm der mit Sicherheit kommen wird!
Es ist wunderbar zu wissen, dass in Cicero noch solche kritische Artikel erscheinen dürfen.
Vielen Dank dafür!

Ellen Wolff | Mi, 29. Januar 2020 - 18:49

Meine grauen Zellen sind begeistert ;)

Bernd Muhlack | Mi, 29. Januar 2020 - 18:55

Ein hervorragender Artikel, wenngleich vieles davon bereits des Öfteren gesagt, geschrieben wurde.

Ob des Infantilen fiel mir das Heft "Asterix in Spanien" ein. Pepe, der kleine Sohn eines spanischen Stammesführers, wird von den Römern entführt. Sie benutzen ihn als Geisel gegen diesen aufmüpfigen iberischen Stamm. Natürlich regeln Asterix, Obelix und Idefix das letztlich perfekt.
Ja, der kleine Pepe!
Immer wenn er etwas nicht bekommt, sein Wille nicht befolgt wird: "Dann halte ich eben die Luft an!" Und sein Kopf wird feuerrot, droht zu platzen!
"Ist ja schon gut, wir machen das, du bekommst das sofort!" - "PUH!"
Ca veut dire: "How can you dare?"

In der Tat, es ist alles nur noch verrückt!
Frau Dr. Merkel, die Inkarnation der 180 Grad-Drehungen von jetzt auf nachher, lässt sich sogar von marodierenden Schülern treiben, beeinflussen, übernimmt deren Hype!

Wie sagte unsere Tochter als Fruchtzwerg oft?
"Wer bestimmt hier, wo steht das?"
… na klar, wenn der Vater Jurist ist ...

Klaus Damert | Mi, 29. Januar 2020 - 19:06

Ein wunderbar treffender Beitrag. Ein Selbstläufer ist diese schlimme Entwicklung allerdings nicht. Andere Länder wie China machen da nicht mit und sind noch "hungrig"! Dort spielt in Zukunft die Zukunft, wenn sich hier nicht grundlegend etwas ändert. Die schlimme Entwicklung an unseren Schulen, wo nicht einmal Lesen, Schreiben und Rechnen mehr selbstverständlich sind, macht wenig Hoffnung für die Zukunft. Wenn jeder, der einfach nur in D existiert, ohne jede Leistung alimentiert wird, hat diese Gesellschaft keine Zukunft haben. Werte müssen erst einmal er arbeitet werden.

Jürgen Keil | Mi, 29. Januar 2020 - 19:19

Die von Ihnen aufgezeigten und kritisierten Verformungen der Gesellschaft beobachte auch ich seit einiger Zeit mit zunehmender Sorge. Ihr Beitrag ist sehr wichtig. Ein Gegensteuern, ein sachlicher Widerspruch dringend erforderlich.

C. Wolf | Mi, 29. Januar 2020 - 19:51

Grossartig! Das Abo des Cicero ist wirklich sein Geld wert. Wo sonst findet man einen solchen Artikel? Aber das ist leider auch das Problem - die Diskussion in dieser Richtung findet nicht statt.

Alexander Mazurek | Mi, 29. Januar 2020 - 20:40

… nicht dumm, aber skrupellos. Die Massen mobilisiert man mit Emotionen, nicht mit Argumenten. Letztere werden vorgeschoben und dienen scheinbarer Rationalisierung des Irrationalen, das ist gängige und bewährte Praxis seit Dr. Luder, Robespierre, Lenin, Hitler, Mao, ... Und so werden Emotionen inszenieret und zelebriert. Was eignet sich dafür besser als Kinder? Warum, qui bono? Nur wegen der Macht.

Henner Majer | Mi, 29. Januar 2020 - 23:28

Man kann Prof. Bolz nur höchstes Lob zollen. Seine Beobachtungen und Argumente verleihen ihm - leider! - eine hervorragende Alleinstellung. Bezeichnend ist natürlich, dass Prof. Bolz im Ruhestand ist und sich diese Meinung leisten kann, ohne vom Linksfaschismus im Hörsaal drangsaliert zu werden.

Bernhard Kaiser | Do, 30. Januar 2020 - 01:41

Die infantilisierte und vollkommen selbst entmündigte Gesellschaft ist aus meiner Sicht die logische Fortführung der von Foucault in seinem grandiosen Werk "Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses" (1975) beschriebenen "Disziplinargesellschaft", in der äußere Macht nach dem Prinzip des Panopticon internalisiert und in Selbstdisziplinierung umgewandelt wird und dies vor allem auch befördert durch Institutionen im Bildungs-, Sozial- und Politikbereich! Solche genialen und tatsächlich links orientierten Philosophen und Soziologen wie Foucault sucht man heutzutage leider vergeblich!

Ernst-Günther Konrad | Do, 30. Januar 2020 - 09:05

Lese auf der Welt, Greta und ihre Schwester lassen sich das FfF als Markenzeichen als Stiftung schützen.
Und weiter schreibt die Welt: "Neben der Stiftung versucht auch eine Unterstützerin Thunbergs namens Janine O‘Keeffe, sich das Markenrecht für bestimmte Produkte unter dem Namen „Fridays for Future“ zu sichern."
Die Katze ist aus dem Sack. Da muss jetzt richtig Geld gemacht werden, so lange der "Gretahype" noch anhält. Ich denke mal, wir werden demnächst Produkt mit FfF-Abildung kaufen können. Autos werden keinen DB Stern mehr haben, sondern als Elektrofahrzeug das FfF-Gütesiegel tragen.
Rucksäcke, Kaffeetassen, T-Shirts usw., sie werden alle ihren Aufkleber bekommen. Wir sind dann alle "Greta" und gedanklich gleichgeschaltet.
Eines möchte ich aber betonen. Meine Katzen bekommen kein FfF-Brandzeichen. Die fressen weiterhin Katzenfutter und fangen Mäuse.
Also Greta und Anhänger, weg von meinem Haus. Meine Katzen fressen auch kindlich gestylte Klimamäuse. Versprochen.

gabriele bondzio | Do, 30. Januar 2020 - 10:47

der sich mit vielen Beobachtungen, die ich selbst gemacht habe , deckt. Gefühlsintensitäten, die man als infantil bezeichnen muss, nehmen einen breiten Raum in der Gesellschaft ein. Es gibt nur noch wenige Menschen. Welche sich aus der Reserve trauen und Probleme selbst (und auch laut) durchdenken. Weil ihnen der gesunde Menschenverstand wichtiger, als ein Bad in der Masse ist. Dieses anerzogene Manko der geistigen Trägheit, sich an andere Meinungen anzuhängen ( z.B. in Form eines Shitstorm, der gnadenlos niedermacht, was nicht gewünscht ist), weil es dem Zeitgeist entspricht und Vorteile generiert. Nimmt großen Raum ein. Und stammt eindeutig aus der Feder von Erwachsenen. Der Zugriff auf das kindliche Gemüt ist besonders einfach, weil die Erfahrung fehlt und die Erziehung über Jahre den gesunden Menschenverstand getrübt und ausgeklammert hat.

Horst Sulz | Do, 30. Januar 2020 - 11:10

Prof. Bolz bringt es auf den Punkt: Infantilisierung der Politik - mit fatalen Folgen. Das bedeutet auch: MIßbrauch von Kindern und Jugendlichen zu politischen Zwecken. Warum ? Weil sich eine infantile Gesellschaft leichter manipulieren läßt.
Und dann beschweren wir uns über die Soldatenkinder afrikanischer Despoten.

Gisela Fimiani | Do, 30. Januar 2020 - 11:56

Herr Bolz liefert eine klare und zutreffende Diagnose zum derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft. Das Geschenk der Demokratie (nach WKII) und der folgende Wohlstand haben uns das „Faulbett“ wählen lassen. Die freiheitlich demokratische Gesellschaft ist auf Demokraten angewiesen, welche sich des Selbst-Denkens und der Eigen-Verantwortung befleißigen, welche den Mut haben, sich über Moden hinwegzusetzen und wissen, dass Moral sehr viel mit Scheinheiligkeit zu tun hat. Welche Demokratie wir wollen, müssen wir Demokraten entscheiden, sie be- und ergreifen, sie hegen und pflegen. „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, / Der täglich sie erobern muss.“ Freiheit bedingt die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Robert Friedrich | Do, 30. Januar 2020 - 14:53

Mich würde als Klimalaie mal interessieren wie Lisa und Greta die Auswirkungen der Waldbrände und Vulkanausbrüche des Jahres 2019 auf das Weltklima bewerten.
Sollten wir aus der Bilanz heraus nicht mal die unsinnigsten Vorschläge zur Klimarettung bewerten? Vieles von Schwätzern gesagte hinterfragen, es nicht einfach nachplappern?
Sind die Billionen zur Rettung des Weltklimas verantwortungsvoll und richtig eingeplant? Setzt unsere Regierung auf die richtigen Pferde?
Wer kann uns die Sorgen nehmen und Antworten frei von hysterischen Massengeschrei geben?

ich in einem Beitrag der FAZ gelesen, dass der Ausbruch des Vulkans Pinatupo, 1991 in Indonesien , innerhalb von 4 Tagen soviel Kohlendioxyd emittiert hat wie die gesamte Menschheit seit ihrer Existenz. Sollte sich diese Behauptung nur annähernd verifizieren lassen, dann scheinen mir alle Bemühungen zu denen wir verpflichtet werden sollen vergeblich. Unser Land wird dann wohl vollkommen unnötig deindustriealisiert .

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 31. Januar 2020 - 19:02

In reply to by Gast

Es mag ja sein, dass zu den schrillen Geräuschen der Apokalypse und den Evidenzen mancher Politiker es scheint, als ginge es um eine Deindustrialisierung der Bundesrepublik.
Etwas bedachter und weitsichtiger geht es schon seit JAHRZEHNTEN um eine Transformation und Weiterentwicklung der bundesrepublikanischen Industrie.
Hinzugekommen ist halt ein stetiger Anstieg der Temperaturen.
Zumindest müßte es ja dann seit 1991 gewaltige Ausschläge gegeben haben?
Bin immer sehr dankbar für solche Informationen, aber daneben gibt es industriepolitisch gesehen "Business as usual".
Bin wirtschaftspolitisch sehr interessiert, weil ich den Umgang der Menschen untereinander seit Jahrhunderttausenden höchst bemerkenswert finde.

Robert Friedrich | Do, 30. Januar 2020 - 15:06

Herr Heyer, ihrem Kommentar kann man nur zustimmen. Aber scheinbar müssen wir durch diese düstere Entwicklungsetappe hindurch. Nur wer ahnt was diese Generation hinterlässt? Was die 68er bewirkt haben können wir mit kritischem Blick bewundern, leider aber zu spät.

Maria Fischer | Do, 30. Januar 2020 - 15:40

Eine analytische aber auch spekulative Diagnose die dazu führen kann, dass der Handlungsspielraum immer diffuser wird.
Genau das ist das Ziel der derzeitigen Politik.
Die Grünen haben bei der Wahl 2017, 8,9 % der Wählerstimmen erzielt.
Das Problem „Herbst 2015“ stand klar auf dem Tisch.
Jetzt liegen sie bei ca. 23 %.
Was ist seitdem passiert und wann kam die „Kinderbewegung“ in Gang?
Arnulf Baring beklagte schon 2004 „Der seit Jahren verantwortungslose Umgang der Politiker mit dem öffentlichen Vermögen, ihre in ständigen Machtkampf erlernte Kunst, Nöte zu erfinden und mit materiellen Versprechen zuzudecken“
Nichts ist Neu an den Grünen Weltrettungsphantasien, Robert Habecks gab es schon viele, Grönemeyer veröffentlichte das Lied „Kinder an die Macht“ bereits 1986 und die Romantiker sind auch das Resultat der Aufklärung.
Europaweit hat die emotionalisierte und Infantile Politik nur in Westdeutschland Macht und Zuspruch.

Horst Kessler | Fr, 31. Januar 2020 - 15:17

Was hat man uns schon alles über Trolle erzählt,es gibt Russen Trolle, Nazi Troll die meisten hier ahnen schon dass es neuerdings auch einen Lenz Troll gibt

Juboh | Fr, 31. Januar 2020 - 21:15

für ihren wunderbaren Artikel Herr Prof. Bolz