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Fangfrisch vom Kutter: Nordseekrabben / dpa

Genuss ist Notwehr - Krabbenrührei: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Urlaub in Deutschland liegt in diesem Jahr voll im Trend. Rainer Balcerowiak hat es auf die Nordseeinsel Amrum verschlagen. Doch sein ganzer Urlaub wäre nur halb so schön, wenn er nicht wenigstens einmal Krabben pulen könnte.

Autoreninfo

Rainer Balcerowiak ist Journalist und Autor und wohnt in Berlin. Im Februar 2017 erschien von ihm „Die Heuchelei von der Reform: Wie die Politik Meinungen macht, desinformiert und falsche Hoffnungen weckt (edition berolina). Er betreibt den Blog „Genuss ist Notwehr“.

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Nein, von Krisen mag man in einer Genuss-Kolumne eigentlich nichts hören. Zumal die Restriktionen im Zuge der Corona-Pandemie allmählich zurückgefahren werden. Aber an dem  einen oder anderen Bezug zu dieser Krise kommt man derzeit kaum vorbei. Besonders wenn es um das Urlaubsverhalten im Reiseweltmeisterland Deutschland geht. Fernreisen sind in dieser Sommersaison schwierig bis unmöglich, selbst ins europäische Ausland könnte es teilweise kompliziert bleiben. Und wer will schon das Risiko eingehen, sich plötzlich in der Fremde in Quarantäne begeben zu müssen.

Wie dem auch sei: Urlaub in Deutschland ist in diesem Sommer der Renner. Viele beliebte Ziele sind bereits ausgebucht, nur wer in weiser Voraussicht der kommenden Ereignisse bereits sehr früh gebucht hat – stornieren kann man schließlich immer – ist auf der sicheren Seite. Aber egal, ob thailändische Küste, Kanarische Inseln oder Bayrischer Wald: Was ist schon ein Urlaub ohne eine Begegnung mit den jeweiligen regionalen Spezialitäten.

Amrum statt Kanaren

Mich hat es in diesem Jahr an die Nordsee verschlagen, auf die Insel Amrum, und das nicht zum ersten Mal. Kein Society-Hotspot wie Sylt, keine Ballermann-Imitate, sondern seeehr viel Sand, große Dünen, wunderbar weite Blicke und Ruhe. Auf der Terrasse der Ferienwohnung riecht es nach Meer, und wenn sich dann irgendwann der Appetit meldet, denkt man unwillkürlich an Fisch und Meeresfrüchte. Und da man sich an der Nordsee befindet, natürlich an Krabben.

Man bekommt Krabbengerichte vom belegten Brötchen über Salate bis hin zu raffinierten Kreationen in fast allen Imbissen und Gaststätten der Insel. Aber essen gehen kann jeder, doch bei regionalen Spezialitäten sollte man nicht auf die sinnliche Erfahrung der eigenen Vor- und Zubereitung verzichten. Bei Krabben erfordert dies einiges an Zeit und Muße, beides sollte man im Urlaub eigentlich aufbringen.

Krabben pulen – eine echte Herausforderung

Es beginnt mit dem Einkauf, für den man sich zur Verkaufssstelle des örtlichen Krabbenfischers begeben muss. Auf Amrum gibt es nur noch einen, ihn findet man am alten Seezeichenhafen außerhalb von Wittdün. Die fangfrischen Krabben werden lediglich abgekocht und nicht konserviert, geschweige denn geschält. Womit wir zur eigentlichen Herausforderung kommen: Krabben pulen!

Bevor ich mich hier in langatmigen Erklärungen dieses motorisch durchaus anspruchsvollen Vorgangs ergehe, lieber gleich eine kompakte Anleitung. Um 300 Gramm Krabbenfleisch verarbeiten zu können, muss man rund ein Kilo Krabben von Kopf und Schalen befreien, und das dauert. Natürlich kann man auch bereits gepultes Krabbenfleisch kaufen, aber das ist alles andere als frisch – aufgrund der geringen Haltbarkeit stark konserviert und hat meistens eine lange Irrfahrt hinter sich. Denn professionell werden Krabben überwiegend nicht mehr in Deutschland gepult, sondern unter anderem in Marokko. 

Krabbenrührei – der Lohn für die Plackerei

Aber irgendwann haben wir es geschafft, einige hundert Krabben verzehrfertig zu machen. Da man Krabben meistens am Morgen kauft, wäre es dann wohl die optimale Zeit für ein köstliches zweites Frühstück auf der Terrasse mit oder ohne Blick auf die Nordsee, aber immer mit ihrem Geruch in der Nase. Und wie zur Belohnung für die aufwändige Pulerei wird es jetzt ganz einfach.

Krabben in etwas Butter sanft anbraten, mit ganz wenig Salz (sie sind schon salzig) und etwas Pfeffer aus der Mühle würzen und schließlich mit verquirlten Eiern in der Pfanne verrühren. Ein bisschen gehackte Petersilie (keinesfalls Dill, das wäre ein Fall für die Geschmackspolizei) dazu, und fertig ist das Krabbenrührei, zu dem man angeröstetes Weißbrot serviert. Und alleine dieses Erlebnis ist schon eine Reise an die Nordsee wert.

Zutaten für 2 Personen:

200 Gramm Krabbenfleisch (entspricht 600-700 Gramm frischen Krabben)
3-4 Eier (je nach Größe)
1 gehäufter Esslöffel gehackte Petersilie
Butter, Salz, Pfeffer

Michaela 29 Diederichs | Sa, 13. Juni 2020 - 16:55

Und dazu ein kerniges Vollkornbrot. Schon richtig: Amrum ist wunderschön. Nur der Kniep ist mir persönlich zu breit. Bis man da endlich die Wasserkante erreicht, hat man wieder Hunger.

Bernd Muhlack | Sa, 13. Juni 2020 - 19:20

u FR ganz besonders Muschelzeuch u Fisch auf den Tisch.
Der junge Udo Lindenberg!

Nein, auf Amrum war ich nicht, jedoch in St. Peter Ording; also quasi nebenan.
OHA!
Damals Zivildienst.
Eine Ferienfreizeit mit 10 meist schwerst behinderten Kindern. Ich war neu auf der Station, Truppe, das war zu Beginn echt hammerhart!
In unmittelbarer Nähe unseres Domizils war ein Imbisswagen stationiert.
Täglich alles frisch, sehr gut!
Das war ein must-have!
Krabbenbrötchen?
5,90 DM (1990!)
Dazu natürlich ein FLENS, PLOPP!
Das ist ewig her, unvergesslich!

Ja, diese salzige Meeresluft hat etwas; macht hungrig und durstig auf "einheimisches".

Und wir fahren mittem Goggo noch Maroggo!
Dieser olle Song!
Heut zu Tage fahren Sattelschlepper diese Strecke, Fährbetrieb incl.
An Bord hin u zurück jeweils Krabben.
Das ist doch pervers, oder?

Ein Schälchen Krabben in Lake kostet etwa 3 €.
Kaufen oder nicht kaufen?

Jetzt eine frutti di mare; statt Flens ein Valpollicela.

"Meeresfrüchte" - schönes Wort...

Helmut Bachmann | Sa, 13. Juni 2020 - 20:03

die armen Krabben! Doch nicht warmmachen... Rührei schon fluffig, vielleicht mit feingeschnittenen Frühlingszwiebeln, Slaz Pfeffer, Muskat und dann die Krabben zimmerwarm daneben auf den Teller. Dazu ein wenig gute Bratkartoffeln und der Himmel öffnet sich.

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