Der beste Fußballer aller Zeiten ist endlich Weltmeister: Lionel Messi / picture alliance

Fußballweltmeisterschaft in Katar - Zehn Lehren aus dem Fußball-Märchen „1000 und eine Empörung“

Die Fußballweltmeisterschaft 2022 ist mit einem Finale zu Ende gegangen, das als das bestes WM-Endspiel aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen könnte. Diese WM in Katar war aber nicht nur ein spannendes und überraschendes Turnier, sondern auch ein erkenntnisreiches.

Autoreninfo

Ben Krischke ist Leiter Debatte bei Cicero Online und lebt in München. 

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„Die Stimmung in Katar ist weltmeisterlich – wir hätten da nur gestört“, sagte jüngst die Sportmoderatoren-Legende Waldemar Hartmann im Interview mit Cicero. Und nun, da diese WM mit einem nervenaufreibenden Finale zu Ende gegangen ist – diskutiert wird bereits, ob dieses Endspiel zwischen Argentinien und Frankreich vielleicht das beste der bisherigen WM-Historie sein könnte –, ist es an der Zeit für eine finale Bilanz dieser Wüsten-WM; für letzte Worte über ein Turnier, das die Gemüter erhitzt hat wie kein zweites in den vergangenen Jahrzehnten.  

1. Diese WM-Vergabe war kein Ausrutscher

Die WM in Katar war zunächst einmal kein Ausrutscher, sondern die logische Konsequenz einer rücksichtslosen Kommerzialisierung des Fußballs, die seit mindestens den 90er Jahren stattfindet. Negative Veränderungen geschehen eben weder in der Politik noch im Sport von heute auf morgen, sondern als stetiger Prozess; wie bei einer Schleuse, bei der die Öffnung des einen Schleusentores zur Öffnung des nächsten Schleusentores führt und so weiter. Bis man irgendwann an einem Punkt angekommen ist, an dem man sich verwundert die Frage stellt: Wie konnte es so weit kommen? Dass Katar diese WM austragen durfte, war also nur ein weiterer Tiefpunkt einer unschönen Entwicklung. 

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Manfred Bühring | Mo., 19. Dezember 2022 - 16:22

Aber doch nur deshalb, weil es gegen einen moralisch diskreditierten „Feind“ ging, den zu kritisieren billig und wohlfeil war. Das „doch noch“ suggeriert Hoffnung für den heimischen Journalismus, aber da sieht es von gewissen Ausnahmen abgesehen, die gesellschaftlich kaum ins Gewicht fallen, katastrophal aus. Besserung ist da nicht in Sicht. Im Gegenteil, Hofberichterstattung wird von der Bundesregierung nun auch noch üppig goutiert. Wo soll das noch hinführen?

Bis auf Ausnahmen (wie dem Cicero) wird der deutsche Journalismus seinen Aufgaben nicht gerecht. Im Gegenteil. So richtig es ist, einen Neustart für den deutschen Fußball zu fordern, so muss man auch einen kompletten Neustart für den deutschen Journalismus fordern. Der deutsche Journalismus ist aus meiner Sicht neben der herrschenden Politik hauptverantwortlich für den Niedergang unseres Landes.

Annette Seliger | Mo., 19. Dezember 2022 - 16:51

"rücksichtslose Kommerzialisierung" Auf wen bitte sollte man hier Rücksicht nehmen und warum? Das ist Profisport und der ist eben kommerziell.

"Katar kann Großveranstaltungen". Halte ich für eine These! Ob die sich für die Winterolympiade bewerben bezweifle ich.

"Der Journalismus wird seiner Aufgabe doch gerecht". Die ARD hat eine Doku gedreht. Hab ich nicht mitbekommen. War sicher so aufschlussreich wie der Sack Reis, der in China umfällt.
"Die Regierung kann Diplomatie nicht". .Dafür aber Plagiate in Bücher und getürkte Lebensläufe.

Die DNA von Sozialisten und Kommunisten. ist es sich permanent in das Leben der Bevölkerung einzumischen, vorzugeben wie man zu leben hat - eine ständige Belehrung eben.
Natürlich gilt das nicht für die sozialistischen und kommunistischen Eliten. Da nimmt man gerne Geldgeschenke aus Katar an oder jettet im Regierungsflieger nach Palau, um sich von der "Klimakrise" vor Ort zu überzeugen.
..... und alles auf Pump und Kosten der Steuerzahler!

Peter Sommerhalder | Mo., 19. Dezember 2022 - 16:51

gehört eine Fussball-WM nicht nach Katar. Das Geld hat halt leider schon seine Bedeutung, was will man machen...

Aber eins muss man zugeben: Es war hervorragend organisiert und es gab keinerlei Ausschreitungen...

Mich hat diese WM jedenfalls mehr gepackt als ich gedacht hatte (Gut, ich als Argentinien-Begeisterter, (vom Fussball und vom Land)), bin da vielleicht nicht ganz objektiv...

Hans Jürgen Wienroth | Mo., 19. Dezember 2022 - 16:55

Stellen wir uns einmal vor, diese WM hätte im Land des „Moralweltmeisters“ stattgefunden. Dann wäre niemand beim (Um-)Bau der Stadien ums Leben gekommen, allerdings hätte diese Veranstaltung vermutlich um mindestens 4 Jahre verschoben werden müssen. So wie es im dt. Fußball am Leistungswillen mangelt, so mangelt es auch auf vielen anderen Gebieten daran.
Was der Autor über die Diplomatie sagt, das gilt nicht nur für den Fußball(-Platz). Da tut sich unsere Chefdiplomatin besonders hervor, indem sie in fast jedem Land vor unserer jubelnden Presse die moralischen Ansprüche der Weltgemeinschaft an das Land hervorhebt und Besserung einfordert. Nur dort wo sie eine „große Schuld unseres Landes“ sieht, lässt sie dies weg.

Ingo Frank | Mo., 19. Dezember 2022 - 17:00

hat etwas mit Können, Arbeit, Disziplin, und Willen zum Erfolg, zu tun. Nur wer absolut auf den Erfolg fokussiert ist, dem steht auch das Glück an der Seite.
Keins dieser o.g. Kriterien erfüllte diese Fußballmannschaft, nicht einmal im Ansatz im Gegensatz zur Konkurrenz.
Außerdem spiegelt die „Mannschaft“ die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Meinungsbildung im Buntland Germany wieder in dem 2, in Worten z w e i Spieler, dass „Mundhaltefoto“ forderten, und der große Rest „überzeugt geworden ist“
Außerdem finde ich die Diskussion über die Verhältnisse in Katar, die Stadionbauten usw. höchst verlogen und scheinheilig. Wenn das alles sooo schlimm und menschenverachtend ist, warum haben z.B. die europäischen teilnehmenden Verbände im Bunde mit den jeweiligen Regierungen diese WM nicht boykottiert? Und da das eben nicht passiert ist, sollten alle Beteiligten vor allem Buntland, „ den Ball schön flach halten“.
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

Karl-Heinz Weiß | Mo., 19. Dezember 2022 - 17:03

11.Lehre: die Anzahl der toten Bauarbeiter bleibt weiter ungeklärt und interessiert ab Finalende auch niemand mehr. Sinnvollerweise bekam Lionel Messi (e i n e r der besten Fußballer aller Zeiten) einen schwarzen Umhang überreicht. Katar versteht offenbar doch Symbolik.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 19. Dezember 2022 - 17:49

stimme ich gerne zu, die WM war in der Tat eine große Leistung für so ein kleines Land, Ihre Kritik an den Begleitumständen in die eine, wie die andere Richtung leuchtet mir ein.
Das Endspiel war hin- und mitreissender Fussball, dessen Ende zu sehen ich nicht die Nerven hatte, meine Vermutung ging aber in Richtung Argentinien als Fußballweltmeister.
Im Artikel vermisse ich nur die Nennung dieses wunderbaren Songs "Dreamers", gesungen von Jung Kook (BTS) und dem einheimischen Star.
Ein sehr schönes Video dazu, das hoffen läßt.
Jetzt ist aber mal Weihnachten für mich.
Liebe Grüße in die Runde

Christa Wallau | Mo., 19. Dezember 2022 - 17:53

sagt alles:
"Ihr Kritiker könnt mich mal! Macht mir erst einmal nach, was ich hier auf die Beine gestellt habe!"
Daß er Messie den schwarzen arabischen Umhang gab und der ihn auch brav anzog, war ein weiterer Triumpf für den Scheich.

Was juckt es den Mond, wenn ihn der Hund anbellt - das wird sich mancher in Katar und in aller Welt gedacht haben, als die Deutschen ihre Moralshows im Stadion abzogen.
Völlig unglaubwürdig!
Wenn der deutsche Fußballbund und die Politik wirklich konsequent für Menschenrechte einstünden, dann hätten sie von Anfang an erklärt: Wir nehmen nicht an dieser WM in Katar teil!
Alles andere ist wohlfeiles, blödes Getue.

Genau so ist es. Vor allem, wenn man bedenkt, dass 12 Jahre von der Entscheidung die WM nach Katar zu geben bis zur Durchführung der selben gelegen haben.
Im übrigen habe ich mich über „Mond & Hund“ köstlich amüsiert und bedanke mich ausdrücklich für die lieben Worte zu einem meiner letzten Kommentare.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein gesegnetes Weihnachtsfest, bleiben Sie gesund.
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Bernd Windisch | Mo., 19. Dezember 2022 - 18:15

Heute Morgen titelt die FAZ Lionel Messi wird skrupellos instrumentalisiert. Aber erst Tage nach dem die teutsche „One Love“ Mannschaft an der Instrumentalisierung gescheitert war. An der Instrumentalisierung und am Rest auch.

" So entfachte das große Finale eine passende Schlusskontroverse für eine WM, die bis zum Ende ein großes Missverständnis blieb."

Ich möchte zwischen den Jahren ins Ausland. Gibt es vielleicht die Möglichkeit irgendwo neutrale Nummernschilder zu erwerben?

Jens Böhme | Mo., 19. Dezember 2022 - 18:56

Wäre es dem DFB soo wichtig gewesen, unbedingt den WM-Ausrichter zu diskreditieren, stand es dem DFB frei, die WM-Teilnahme rechtzeitig abzusagen. DFB und ein paar andere Fußballstaaten geht es nicht um Katar und Menschenrechte sondern um den inneren Zustand der FIFA, dem man angehört. Ähnliche Töne gibt es auch zur UEFA, wo immer mal wieder eigenständige Meisterschaften - ohne den Kontinentalverband - als Option diskutiert werden. Es geht also nur um die Geldverteilung.

Heidemarie Heim | Mo., 19. Dezember 2022 - 19:26

Schöne Nachlese geehrter Herr Krischke! Aber um zu verstehen was es mit der Seele so ziemlich jeden Sports oder dem gelebten Sportsgeist auf sich hat muss man wohl selbst mal als Einzelkämpfer oder Teamplayer Leistung sowie die Liebe dazu erbracht haben. Das Ganze mit dem Gedanken des Fairplay verknüpfend, wozu auch die Anerkennung für die Leistung des Gegners zählt sowie die Bemühungen des Veranstalters, der den jeweiligen Wettkampf ausrichtet. So gesehen hat es das kleine Katar letztendlich geschafft die besten Fußballer der Welt ins rechte Licht zu rücken und das Runde wieder ins Eckige zu bekommen. Auch mich als eigentlich nicht so in den Ballsport verliebte begeisterte dieses wirklich bis auf die letzte Minute spannende und bis zum umfallen erkämpfte Spiel beider Mannschaften. Ganz davon abgesehen, dass da auch genügend für das weibliche Auge an Appetitlichen;) den Platz bevölkerte;-). Frohe Feiertage, falls man sich vorher nicht mehr spricht! Liebe Grüße an ALLE!

Werner Zillig | Mo., 19. Dezember 2022 - 19:30

"Die WM in Katar war zunächst einmal kein Ausrutscher, sondern die logische Konsequenz einer rücksichtslosen Kommerzialisierung des Fußballs, die seit mindestens den 90er Jahren stattfindet."

Die Frage ist hier wie in vergleichbaren Fällen: Wie das ändern?! Es ist ja heute jedem schon unbenommen, sich die Regionalliga anzuschauen, wo es vergleichsweise unkommerziell zugeht, und den Kommerzfußball beiseite zu lassen. Aber wo das große Geld regiert, ja nun, da ist halt Kapitalismus in Reinkultur. Noch einmal: Wie soll das denn bitteschön geändert werden?

Werner Zillig | Mo., 19. Dezember 2022 - 19:40

Und dann auch das noch:

"Die kritische Berichterstattung rund um die WM-Vergabe und die Menschenrechtssituation in Katar ... Über die Rechte von Homosexuellen in Katar, über die Situation der Gastarbeiter und die Ungleichbehandlung der Frau im Emirat."

Wenn man den Blickwinkel nur ein wenig verschiebt, dann sieht die Sache ganz anders aus: Schwule und Frauen haben es vielleicht vergleichsweise gut hierzulande. Aber die Niedriglöhner in aufreibenden Jobs sind die Sklaven der BRD. Und es schert sich keiner wirklich um sie. Früher waren Briefträger BEAMTE, heute ist da eine Riege von Ausgebeuteten, die von Tür zu Tür hetzen, auf dass es den Großkopfeten an der Konzernspitze berauschend gut gehe. Der Herr Zumwinkel ist noch nicht vergessen! Wo sind da die passenden Armbinden der Fußballer?! Nur _ein_ Beispiel!

Osvaldo Pugliese | Mo., 19. Dezember 2022 - 23:14

Gut, dass Deutschland rausgeflogen ist, so konnten sich die fußballaffinen über die WM freuen und das Ereignis feiern, ohne den ewigen Miesepeter Deutschland. Faeser war unhöflich, ungehobelt, roh, arrogant, überheblich. Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen? Da wird mir übel. Bitte haltet Euch an unsere Regeln, war die Bitte der Kataris. So, wie wir andere "Gäste" bei uns darum bitten. Warum sollten unsere Gäste sich an unsere Bitten halten?

Jens Böhme | Di., 20. Dezember 2022 - 06:54

Antwort auf von Osvaldo Pugliese

Die Fußball-WM sind eine FIFA-Veranstaltung, keine Veranstaltung des Gastgeberlandes.

Osvaldo Pugliese | Mi., 21. Dezember 2022 - 07:50

Antwort auf von Jens Böhme

habe ich auch nicht behauptet.

Wolfram Fischer | Di., 20. Dezember 2022 - 08:54

Großteils einverstanden.
Und doch an einem Punkt mein massiver Widerspruch: "Der Journalismus wird seiner Aufgabe doch noch gerecht."
DER Journalismus wird seiner Aufgabe insofern in weiten Teilen überhaupt nicht gerecht, als die Kritik an bestimmten Verhältnissen in diesem sich i.W. aus den muslimischen Kodices speisenden Land geradezu verpflichtend ist (was ich als richtig ansehe - die Themen werden ja genannt und es gäbe mehr davon), während Kritik an gewissen Bevölkerungskreisen auf Grund deren sich aus den gleichen, mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung 100% inkompatiblen, weil aus ebendiesen muslimischen Kodices speisenden Normen als Islamophobie, antimuslimischer Rassismus, Diskriminierung, Ausländerhass, Nazitum und dgl. moralisierender Blödsinn totgeprügelt wird in großen Teilen DES Journalismus.
Das ist - mit Fug und Recht: Schitzophrenie!
Insofern noch einmal: DER Journalismus wird seiner Verantwortung NICHT gerecht.

Ernst-Günther Konrad | Di., 20. Dezember 2022 - 09:55

Da haben Sie sich sprachlich aber noch sehr zurückgehalten Herr Krischke. Alles was Sie schreiben kann ich durchaus nachvollziehen und ist für mich auch teilweise richtig. Aber:
Einige Foristen hier geben gute Einwände zur Ihrer 10 Punkte Kritik, die durchaus auch ihre Berechtigung und diskussionswürdig sind. Ob Katar wirklich diese WM so gut organisiert hat, versehe ich mit einem Fragzeichen. Warum? Berichterstattung aus dem Volk heraus hat nicht stattgefunden und die Massengräber der getöteten Bauarbeiter hat niemand übertragen. Und ja, Messie gönne ich den Erfolg, da bin ich absolut bei Ihnen.
Was aber Ihre Aussage zum Journalismus anbetrifft, so hat dieser für mich völlig versagt. Warum? Jetzt die Moralkeule schwingen und seit der Bekanntgabe des Austragungsortes nach kurzem Aufstöhnen solange Ruhe zu halten, um jetzt dann doch, weil politisch unterstützt, alle Fehler dieser Welt bei Katar zu finden, scheint mir zu einfach. Jedenfalls haben sich da viele die Taschen vollgemacht.

C. Jahn | Di., 20. Dezember 2022 - 10:23

Ich bin durchaus der Meinung, dass Boykott eine richtige Antwort war. Wenn man anerkennt, dass die Schleusen einer unerträglichen Kommerzialisierung des Fußnalls erst dieses Turnier in die menschenrechtsfragliche Wüste verlagert haben, ist auch die geeignete Replik, dort anzusetzen. Es vermittelt eine Botschaft an die Fußballverbände, wenn ein Turnier öffentlich ins Leere läuft, weil die Vergabepraxis des Austragungsortes unerträglich ist. Leider aber war der Boykott halbherzig. Viele, die das Turnier aufgrund des Austragungsort stark kritisierten, schauten es sich trotzdem an. Die Sucht am Fußballspektakel ist da offenbar stärker als der mögliche Einsatz, ein Zeichen gegen die Korrumpierung der Fifa zu seten. Und so öffnet sich dann, Herr Krischke, wieder eine ihrer besagten Schleusen auf dem Weg der Frage: "Wie konnte es soweit kommen". Es ist wie mit Wählern, die maximal unzufrieden sind, aber trotzdem weiter die Wählen, die sie unzufrieden machen.