Urwahl bei CDU/CSU - Revanche nach neuen Regeln

Ausgerechnet bei CDU und CSU entdeckt die Basis ihre Liebe zur Urwahl für die Kanzlerkandidatur. Doch insbesondere bei der Jungen Union steckt weniger das Interesse am neuen demokratischen Verfahren dahinter. Es geht um neue Chancen für einen Unterlegenen

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Rückspiel: Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer im Juni 2019

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Vom heutigen Montag an sind die halbe Million SPD-Mitglieder aufgerufen, eine neue Parteispitze zu wählen. Den ersten Teil des Contests haben sie mit ermüdend langen 23 Auftritten der Kandidaten hinter sich. Während bei den Sozialdemokraten die Urwahl in ihre zweite entscheidende Phase geht, wächst zur gleichen Zeit das Gelüst bei der Union, ihren Kanzlerkandidaten oder die Kanzlerkandidatin ebenfalls per Urwahl bestimmen zu lassen. Besonders lautstark und nachdrücklich die Junge Union, die bei ihrem Deutschlandtag schon einmal zur Anschauung ein ähnliches Schaulaufen der Kandidaten organisiert hat wie die SPD auf der Suche nach ihrem Vorsitzenden-Duo.

Dem Selbstverständnis der Sozialdemokraten entspricht diese Vorgehensweise. Sie haben es gerne lang und zäh und ausdiskutiert bis zum Schluss. Wenn aber die strukturell autoritär tickende Union ihre plötzliche Liebe zur Basisdemokratie entdeckt, ist eine gewisse Vorsicht, ein gesunder Argwohn geboten. Und tatsächlich ist diese Begeisterung für die Basisdemokratie in Wahrheit vor allem ein Misstrauensvotum gegen die Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. Die hatte in den zehn Monaten ihres Vorsitzes nicht gerade einen Lauf, und schon vorher konnte sich ein erheblicher Teil der CDU nur mit Mühe mit ihr anfreunden. Das Ebenbild von Angel Merkel wurde in ihr gesehen, ob nun zu Recht oder zu Unrecht spielt dabei gar keine große Rolle. Und ihre Emanzipationsversuche von der Machthaberin haben den Skeptikern nicht gerade neuen Grund gegeben, ihr Urteil zu überdenken.

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Ernst-Günther Konrad | Mo, 14. Oktober 2019 - 08:55

sind das. Niemand hat den Mut offen auszusprechen, das Merkel fertig hat und viele in der CDu sie eigentlich nicht mehr wollen. Nur, nicht wenige haben ihr ihre Pöstchen zu verdanken, viele sind in ihrem Dunstkreis zu Hause und atmen Merkel-THC und laden täglich ihre Batterien auf, um ihr zu winken und pflichtgehorsam zu klatschen, auch wenn sie nichts sagt und nur schwurbelt. Die haben alle keinen A... in der Hose mal tacheles zu reden und die Ursache des CDU-Problems offen anzusprechen, auszudiskutieren und einen klaren Positionswechsel zu machen. Merz ist ein Zauderer und Taktiker, er läßt andere die Kastanien aus dem Feuer holen. Und die JU, sie macht das, was sie jahrelang unter Merkel gemacht hat, sie will eine Ikone kreieren, jemand der ihnen wieder sagt, wo es lang geht, um sich anschließend zurück lehnen zu können und andere machen zu lassen. Merz ist nicht mein Kadidat. Spahn zeigt wenigstens, wie arbeiten geht. Ich nehme CDU-Angstschweiß wahr. Merkel ist noch nicht weg.

Nun, Merkels Tage sind gezählt. Spätestens mit den nächsten Bundestagswahlen geht sie in den politischen Ruhestand. Spätestens dann werden wir staunend sehr viele CDU-Leute kennlernen, die - schon immer - gegen Merkel und ihre Politik gewesen sind. Zur Zeit können sie es nur noch nicht so laut sagen ...

Natürlich sind die Tage von der gezählt. Nette Pension. Gemütlicher Lebensabend. Sie schiebt natürlich hinter den Kulissen immer noch herum. -- Was mich würgt - ja würgt - dass ist die strategische Feigheit der Lauerer. Alle wissen: Die Alte hat fertig. Und hinterlässt einen deutschen Trümmerhaufen. Und keiner traut sich aus der Deckung. Ich verstehe eins nicht: Da muss nur einer auf den Tisch hauen und sagen, was bei uns alles falsch läuft. -- Das Merkel-Gebilde erinnert mich an das Märchen "Des Kaisers neue Kleider". Alle: Oooh, aaah. Bis auf ein kleines Kind, das lautstart sagte: "Der hat ja gar nichts an!" -- Wir könnten jetzt sagen: Die muss dringend weg. -- Allerdings wird sie das - als "Ikone" dringend aussitzen bis zum für uns bitteren Ende.

Eigentlich bin ich ein Optimist, nur habe ich zwei Fragen bzw. Anmerkungen:
1. Wann endet die offizielle Regierungszeit?
2. Wann wird in der UNO ein neuer Vorsitzende(r) gewählt? ( Es ist übrigens wieder ein Europäer dran )
Was hier die gute Frau noch alles kaputt machen kann...….

Sind Sie sicher Herr Düring, dass Merkel geht? Steht nicht die Gefahr im Raum, dass Merkel angesichts der Person AKK meint, im letzten Moment die Republik retten zu müssen. Das mangelnde Format und ihre Ungeschicklichkeit können Merkel bei der Berufung AKK s nicht verborgen geblieben sein. War gerade das der Aspekt ihrer Berufung, um 2021 zu demonstrieren, dass Merkel ja wegen fehlender Alternativen weiter regieren muss Ich bin mir da nicht sicher und hoffe, Sie behalten recht

Wer in Mexiko Pflegekräfte rekrutiert, hartz 4 für genug zum Leben hält und sich im Fall des Falles für einen Putzjob nicht zu fein wäre, ist für mich nicht der richtige Mann.

Wie immer sehr pointiert und zutreffend von Ihnen argumentiert, Herr Konrad.
Ich habe bereits unmittelbar nach Merkels Ankündigung, im Jahr 2021 nicht mehr als Kanzlerkandidatin antreten zu wollen, in diesem Forum meine erheblichen Zweifel zum Ausdruck gebracht. Merkel verfügt über eine einzigartige machtpolitische Intelligenz. Ihre Volten zum Zwecke des puren Machterhalts sind legendär. Das dramatische Problem der Partei CDU ist ihre eklatante Personalschwäche, die nunmehr ganz offen zu Tage tritt.
Der „Zwergenaufstand“ der Jungen Union dürfte Merkel nur ein müdes Lächeln abringen. Merkel hat als Parteichefin all ihre Kritiker frühzeitig weggebissen.
Solange sich Merkel in der Bevölkerung ausweislich der inflationären Meinungsumfragen anhaltend hoher Beliebtheitswerte erfreuen darf, kann man es den potenziellen Nachfolgekandidaten kaum verübeln, wenn sie sich nicht aus der Deckung wagen. Die Mörder von Julius Cäsar entgingen nur knapp der Lynchjustiz durch die Bevölkerung.

Wie wahr, Herr Konrad, sie ist noch nicht weg. Aber Merz? Kramp-Karrenbauer? Spahn? Sie werden niemals der Fels in der Brandung sein. Spahn überzeugt mich nicht. Wirkliche Entscheidungen für den Souverän zu treffen,ist er für mich zu sprunghaft.
Merz als Aufsichtsrat bei BlackRock ist zu sehr in sein Hobby als Wirtschaftsfreak eingebunden. Besitzen die Kandidaten präzise Vorstellungen welche Ziel oder Werte sie realisieren wollen? Die schleichende Verwandlung unserer Demokratie in eine mediengerechte Demoskopie wird nicht aufgehalten. Heute noch ist mir unklar, was sich im Spätsommer 2015 im Machtzentrum Merkels abgespielt hat. Jedenfalls haben ihnre Motive und Handlungen Deutschland destabiliert. Sie ist eine Blackbox, die alleine Handlungsanweisungen ausspuckt. Wir, das dummeVolk, müssen willig, stumm alles befolgen und hinnehmen. Sie ist noch das Alphatier. Eine Regierungs-chefin, über deren Handlungsmotive bzw. Handeln, die Bevölkerung nur rätseln kann, bleibt unser Problem.

Ihr Vorhaben, Deutschland zu destabilisieren, gelang ihr.

Jetzt endlich erkennen alle, von Merkel finanziell abhängigen und dadurch für sie manipulierbaren EU-Staaten:
Ihr Deal mit Erdogan 2016 macht Europa für lange Zeit unüberschaubar erpressbar.

Merz ist für mich keine Alternative. Sein Ego läßt dies nicht zu.

helmut armbruster | Mo, 14. Oktober 2019 - 09:10

in freien und geheimen Wahlen. So wie in anderen demokratischen Ländern der Präsident gewählt wird (USA, Frankreich u.a.).
Geht bei uns nicht.
Stattdessen wird durch Parteiengemauschel dem Publikum ein Kandidat präsentiert. Aber das Publikum kann nur indirekt mitreden indem es die Partei des Kandidaten wählt oder nicht. Am Ende entscheidet die Partei des Kandidaten, nicht der Wähler.
Wieso nur können wir es nie machen wie die anderen? Eine Frage, die man sich in D viel zu oft stellen muss.

Da gibt es verschiedene Thesen:

Der deutsche Bürger als Hosenscheisser ist eine davon. Und wenn Sie schon
die USA und Frankreich nennen: Die USA hatten einen blutigen Bürgerkrieg,
und Frankreich hatte eine blutige Revolution. Gravierende Veränderungen
sind meistens blutig und ich wünsche DE etwas ähnliches, wenn es denn sein
muß. Kurz muß es sein, aber nicht schmerzlos.
Dem Leader auf die Backe hauen und dafür mal kurz ins Gefängnis gehen -
das reicht. Und ALLE würden klatschen.

Heidemarie Heim | Mo, 14. Oktober 2019 - 12:42

Nun hat es scheinbar auch die Union wie "GroKodilchen" SPD offenbar nötig durch solche "Miss(t)er-Wahlen gegen Wählerschwund und Machtverlust anzugehen? Oder es wie die CSU-Jugend vormachte, als sie Herrn Söder zum Gruppenfoto mit Anti-Seehofer-Plakatierung zwangen;-) ? Aber gelernt ist gelernt! Denn was wie ein Aufstand begann endete damit, dass zumindest in den ÖR-Medien Frau AKK`s Kampfrede gelobt wurde und das die Möchtegernaufständischen sie hinterher doch noch mit KH-Applaus gefeiert hätten wie ein wörtlich Popstar. Persönlich bewegten mich am Wochenende andere Themen wie der ausufernde Konflikt in Syrien samt Flucht von demnächst vielleicht auch zu uns rückkehrenden IS-Terrorgestalten und angeheiztem Flüchtlingselend mehr,als Kampfrhetoriker irgendwelcher Selbstbeschäftigungstherapieparteien. Wow! 36 Punkte gescrabbled! Dazu noch die außenpolitischen Redebeiträge unserer Bundeskanzlerin und ihrem voll drauf abgestimmten Außenminister und mein Sleepy-Wochenende war gerettet;)!

Wold-Dieter Hohe | Mo, 14. Oktober 2019 - 12:52

... unendliche Amtszeit ohne Leistungskontrolle - daran ginge jedes UNternehmen zugrunde.
WDH

Henning Magirius | Mo, 14. Oktober 2019 - 15:59

nichts als Inhalte sind jetzt in der CDU gefragt. Nur derjenige, welcher sich inhaltlich um 180 Grad von der bisherigen, 14-jährigen CDU-Regierungspolitik abwendet, ist berechtigt, sich um das Chefregierungsamt in Deutschland zu bewerben. Bei 100.000 hochwertigsten Arbeitsplätzen, die in der Autoindustrie in Kürze weggefallen sind - als direkte Folge der CDU-Regierungspolitik - kann es kein weiter so in der CDU geben. Noch nie war eine CDU seit Gründung der Bundesrepublik so wirtschafts- und arbeitnehmerfeindlich wie derzeit in der Bundesregierung.

Hubert Sieweke | Mo, 14. Oktober 2019 - 16:06

Niemanden, der es besser könnte als Merz. Der Mann hat Format, Mut, ist weltoffen und hat es in der Privatwirtschaft zum Millionär gebracht. Fast alle anderen sind durch die Partei gewackelt und unter Merkel in irgendwelche Jobs gekommen. Mit Merz könnte der Ruck durch die CDU und auch durch viele angrenzenden Wähler sausen. Mit AKK gäbe es Abwanderung in großem Stil. Aller Merkel Frust fixiert sich auf AKK.

Ich meine, Merz hat im entscheidenden Moment immer gekniffen.

Was meine persönliche Beurteilung von Herrn Merz betrifft, so kann ich Ihre Meinung leider nicht teilen lieber Herr Sieweke! Soll vorkommen, kratzt aber m.E. lediglich an der Oberfläche unserer Diskussion. Aus Sicht des Wählers, insbesondere des kritischen wie überlegten Wechselwählers kommt es doch nicht nur auf den Kopf der Bewegung an, sondern auf alle übrigen Parteienvertreter, zu denen ich bei meiner Wahl das Vertrauen haben sollte,das diese nicht aus Parteigehorsam gegenüber einem Parteisekretär/General oder der zur Ikone erhobenen Gestalt an der Spitze agieren. Die zahlreichen Negativbeispiele der Vergangenheit kann man zwar leugnen, aber dieses Verhalten würde auch ein Herr Merz nicht aus der Welt schaffen können. Nach neueren Erkenntnissen legen die etablierten Parteien inzwischen übrigens gar keinen Wert mehr auf rechte Wahlrückkehrer von der AfD.
Denn lt. parteiübergreifender Ansicht und Aussagen nach sind diese alle wissentlich nun Mittäter/Auslöser rechter Gewalt. MfG

natürlich haben Sie Recht damit, dass nicht nur der Chef, sondern die ganzen Mitläufer die Musik spielen. Aber, wie gesagt, unter AKK und all den anderen Aparatschicks wird sich nichts ändern, die haben keinen Mumm und keine ordentlich Vision. Es braucht doch zunächst jemanden, der die Karre steuert. Schauen Sie doch zu AM, die als ostdeutscher Nobody daher schlenderte, und seitdem die Agenda bestimmt. Alle anderen haben lieber gekniffen. Merz auch, aber er hätte die Stichwahl zum FV verloren, weil die vielen Flachpfeiffen in der CDU den einfachen weg zu AM suchten. Sehen Sie jemand anderes? Ob eine konservative CDU die AFD Wähler nicht dringend braucht, sehe ich etwas anders. Derzeit unterstütze ich Alternativen und nicht die konzertierte Aktion der Altparteien.
Ob Protest oder sonst was, die Altparteien müssen aus dem Gleis gebracht werden... hoffentlich auch in THÜ, wenn die AFD ca. 25+ erhält. Deshalb schreien ja die Parteien derzeit Mordio.

Susanne Dorn | Mo, 14. Oktober 2019 - 18:44

…sollte vielleicht nicht vergessen werden, dass Merz einer der “Global Player“ ist (zwar nur ein kleines Rädchen), die unser Land wissentlich und willentlich in den Ruin treiben wollen. Protegé ist Wolfgang Schäuble. Ja, die Person, die uns allen eine Inzucht-Gefahr unterstellte, weshalb unser Land mit Millionen Menschen aus aller Welt geflutet wird…

Josef Olbrich | Di, 15. Oktober 2019 - 11:23

Aus journalistischer Sicht eine gute Beschreibung des IST-Zustandes. Doch wir bedenken dabei nicht, dass AM eine Schule durchlaufen hat, die in einer Demokratie nicht gelehrt wird. So sind wir zuweilen irritiert und verstehen diese Art des politischen Handels nicht in der Konsequenz ihrer Zielsetzung. Sie selbst sagte: Ich denke vom Ende her - doch keiner von uns weis und kennt diesen Endzustand, den sie anstrebt.