Merz, AKK und Spahn
Eine zweite Chance werden sich Friedrich Merz und Jens Spahn kaum entgehen lassen / picture alliance

Annegret Kramp-Karrenbauer - Die Patzer häufen sich

Mit viel Vorschuss-Lorbeeren ging die neue CDU-Parteichefin ins Amt, doch inzwischen macht sich Ernüchterung breit. Nicht erst seit ihrem gestrigen Fehltritt wegen des YouTube-Videos stellt sich die Frage: Hat Annegret Kramp-Karrenbauer wirklich das Zeug zur Kanzlerin?

Alexander Marguier

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Wahrscheinlich hat sie es wirklich nicht so gemeint. Wobei Annegret Kramp-Karrenbauers geheimnisvoll dräuende Ansage in Sachen YouTube-Video zur „Zerstörung“ der CDU zumindest missverständlich formuliert war. Oder wie soll man es interpretieren, wenn die christdemokratische Parteivorsitzende von versammelter Presse „mit Blick auf das Thema Meinungsmache“ danach fragt, was „eigentlich Regeln aus dem analogen Bereich“ seien und „welche Regeln“ für den digitalen Bereich zu gelten hätten. Das Ganze auch noch verbunden mit dem mütterlich-strengen Nachsatz, darüber werde man sich „unterhalten“ müssen, und zwar „sehr offensiv“.

Tatsächlich hinterlässt die von einer großen Werbeagentur produzierte und kurz vor den EU-Wahlen lancierte Wutrede eines bisher nicht durch politische Meinungsäußerungen auffällig gewordenen Internet-Unterhalters einen unguten Nachgeschmack. Denn es stellt sich die Frage, wer hier eigentlich Regie geführt hat und zu welchem Zweck. Klar ist aber auch: Hätte Bibi Heinicke ihren „Beauty Palace“ auf YouTube dazu genutzt, um ihren Heerscharen an Followern ausnahmsweise keine Schminktipps zu unterbreiten, sondern stattdessen zünftig gegen die Grünen abzuledern, wäre Kramp-Karrenbauers Empörung wohl etwas kleiner ausgefallen.

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Christa Wallau | Di., 28. Mai 2019 - 15:46

die sie sich selber in den Weg gelegt hat.
Als Kanzlerin wäre sie total überfordert und
gäbe auch im Ausland ein jämmerliches Bild ab.

Allerdings bin ich von den Fähigkeiten der Konkurrenten auch nicht begeistert: Weder Spahn noch erst recht Laschet haben den notwendigen Geist, Charakterstärke und Überzeugungskraft, um die CDU zu führen und im Kanzleramt eine gute Figur abgeben zu können.
Am ehesten halte ich da noch Friedrich März für
einen geeigneten Kandidaten. Allerdings paßt mir sein politisches Credo gar nicht. Ich halte ihn für einen Neo-Liberalismus-Vertreter reinsten Wassers und einen eingefleischten Atlantiker. Viel Spielraum gäbe es bei ihm nicht für eine ausgewogene, deutsche Interessenspolitik, so wie ich sie mir vorstelle und wünsche.

Jürgen Scheit | Di., 28. Mai 2019 - 16:39

Als Saarländer hatte ich mir von AKK zunächst viel mehr versprochen, da sie ihre Sache als Ministerpräsidentin in der Saarland-GroKo recht gut gemacht hatte und die Grünen im Zaum halten konnte. Trotzdem wäre F. Merz der deutlich bessere - weil in seiner Persönlichkeit stärkere & klarere - CDU-Vorsitzende gewesen.
Nunmehr erweist sich bei AKK immer mehr, dass das in der Politik scheinbar unbekannte und/oder in Vergessenheit geratene Parkinson-Prinzip nach wie vor Geltung hat: Wer auf der Treppe der Hierarchie-Pyramide nach oben will, steigt immer nur bis zur Stufe der eigenen Unfähigkeit auf - dann ist Schluss, und er/sie sollte dies schnellstens erkennen und diese Position freigeben, um möglichst keinen (weiteren) Schaden anzurichten.
Mir scheint für AKK jetzt das Beste zu sein, mit F. Merz im 4-Augen-Gespräch die Kanzler-Kandidaten-Frage in aller Sachlichkeit zugunsten FM vorab zu klären, denn dies wird ja evtl. schneller akut werden als viele ahnen, nämlich im kommenden Herbst!

ich kenne oben beschriebenes Phänomen als" Peter-Prinzip". Parkinson ist aber auch treffend ,ganz kleine Schritte und zittern bei jeder Wahl.

Lieber Herr Vetter, kleine Aufklärung: das Peter-Prinzip ist eine Art Fortentwicklung des Parkinson-Prinzips, nämlich eine Strategie, um die kritische letzte Stufe der der eigenen Unfähigkeit möglichst rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Beide Prinzipien - in den 70er Jahren als Taschenbücher erhältlich - sollten eigentlich zur Basis-Lektüre von allen 'höher hinaus wollenden' Polititikern (und Konzernchefs) gehören, dann gäbe es sicher nicht so viele Nieten auf diesen Posten. Wenn jetzt hier immer häufiger Spahn und Laschet als potenzielle Nachfolger von AM bzw. AKK genannt werden, bahnt sich - sollte dies Realität werden - die nächste Katastrophe an...

Ernst-Günther Konrad | Di., 28. Mai 2019 - 16:57

Ich schrieb schon seinerzeit zum Artikel als AKK gewählt wurde, dass ihr die Rolle des Sündebocks zukommen würde. Auf sie trifft der Spruch zu: "Gut gedacht, aber schlecht gemacht." Es war blauäugig von ihr zu Glauben, dem Polittheater in Berlin gewachsen zu sein und nur, weil sie Dutzfreundin von AM ist, wird das alles schon werden. Die Medien und einige CDUler, sowie vergangene polithistorischen Abläufe haben sie zur Kanzlernachfolgerin herbeigeredet. Sie war schon als Generalsekrätärin eine Nullnummer und ist es letztlich auch als Parteichefin. Ich wage mal die Behauptung, sie war von Merkel von anfang an als Prellbock eingeplant, niemals als Nachfolgerin. Sie ist dem Druck in der Partei, in der politischen Auseinandersetzung und schon gar nicht international gewachsen. Ich denke das weis sie eigentlich auch, wird aber ihre von AM zugewiesene Rolle einnehmen und ausfüllen. Da will Kreisklasse in der Bundesliga mitspielen. Das hat sie sich aber so ausgesucht und alles mitgemacht.

Zur Belohnung und besonderen Auszeichnung darf AKK dann Nachfolgerin von Anette Schawan auf dem Posten der Botschafterin beim Vatikan werden. Der Posten zählt zu den prestigeträchtigsten und höchstdotierten Botschafterstellen. Michael Koch (62) derzeitiger Botschafter hat dort sicher nur eine Platzhalterrolle und wird bei Bedarf bzw. bei Anruf von AM sicher gerne die Stelle wieder freimachen. Er sei ein Diplomat der alten Schule, der sich als „Diener seines Landes" empfinde, heißt es.

Hallo Herr Konrad,
diesmal bin ich etwas anderer Ansicht als Sie, in Bezug auf AKK.
Steckt da nicht ein Kalkül von AM dahinter, AKK als " Nachfolgerin" zu inthronisieren? AM würde doch niemals eine ihr ebenbürtige Person als Kanzler*in zulassen. Das würde doch ihre Unfehlbarkeit in Frage stellen?
AKK muss sich doch vorkommen wie der Hamster im Laufrad. Agiert sie gegen AM, hat sie die Ja Sager in der Partei u. Wahlvolk gegen sich.
Agiert sie nach Gutdünken von AM, ist sie nur ein Schatten derer & ohne eigene Reputation.
Sie ist also ein "gutmütiges Dummerchen". Sie hat den Posten als MP des Saarlandes aufgegeben und Parteivorsitzende der CDU geworden. Ohne Ministerposten & daher auch ohne Bezahlung.
Sie war so Naiv zu glauben, sie könnte aus dem Schaten der Übermutter treten?
Sie ist förmlich verheißt worden und ein willfähiges Bauernopfer von AM.
Solange AM das Zepter in der Hand hält, also Kanzlerin ist, ist jeder Kandidat*in zum Scheitern verurteilt!
AM: veni, vidi, vici !

Ernst-Günther Konrad | Do., 30. Mai 2019 - 19:30

Antwort auf von Roland Völkel

So weit sind wir nicht auseiander, lieber Herr Völkel. Wir können beide nicht in Merkels Kopf sehen. Ob sie nun von anfang an AKK ausnutzte oder jetzt fallen lassen wird, ergibt am Ende aus meiner Sicht die Sündenbockrolle.
Ich denke, sie reagiert immer unmittelbar aus der Situation heraus. Es dürfte nicht immer der große Plan dahinter stecken. Manchmal "drängt" sich die Lösung auch aufgrund des veränderten Sachverhaltes auf. Das sie rücksichtslos ist dürfte außer Frage stehen.

...oder meinten Sie die Umfrage vom 25. Mai, nach der eine knappe Mehrheit (42%) im Fall einer Pleite der CDU bei den Europawahlen zurücktreten sollte - während 39% einen Rücktritt ablehnt, und 19% unentschieden waren?

Frau Merkel ist nicht meine Kanzlerin, und die CDU nicht meine Partei - aber ich muss zugeben, dass nirgendwo ein akzeptabler Nachfolger in Sicht ist.

Gehen Sie nach der Beliebtheit, dürften Sie sich über einen grünen Kanzler Habeck "freuen".

Karl Napf | Di., 28. Mai 2019 - 17:04

Klar kann sie Kanzler werden.
Keine Ahnung wo, aber in Deutschland halt nicht.

Gerhard Lenz | Mi., 29. Mai 2019 - 16:57

Antwort auf von Karl Napf

...die große Frage ist: Wer wird Merkels Nachfolger? Ich sehe da zur Zeit niemanden, der in Frage kommt. Weder in der Union, noch bei der SPD.

Norbert Heyer | Di., 28. Mai 2019 - 19:14

Den Volksparteien kommt das Volk abhanden, es sucht sich junge, frische oder auch rechte Parteien als neue Heimat. Das erhöht natürlich die Nervosität der Volksparteien, die sich in einem gefährlichen Abwärtsstrudel befinden. Aber solange die ehemaligen Platzhirsche Politik gegen ihre Wähler machen und sie auf sachliche Kritik mit Arroganz und Hochmut reagieren, wird der enttäuschte Wähler sie weiterhin bis zum bitteren Ende abstrafen. Es wird spannend: Frau Nahles lässt schon bald über ihren Fraktionsvorsitz abstimmen, in der CDU scharren schon einige Herren mit den Hufen. Aber eigentlich ist der Weg der Altparteien in die Bedeutungslosigkeit kaum noch abzuwenden. Zu unbeweglich, schwerfällig und ausgebrannt kommen die Parteien daher, die eigentlich bis jetzt das politische Geschehen bestimmt haben. Auch hier gibt es wieder eine Hauptschuldige mit sehr, sehr vielen willigen Mitläufern. Jetzt rächt es sich, dass Politik jahrelang verwaltet und nicht gestaltet wurde. Das Spiel ist

Urban Will | Di., 28. Mai 2019 - 22:36

die CDU hat personell fertig.

Das ist jetzt auch nicht unbedingt eine Überraschung.

Merkel hat alles gegeben, ihre uneingeschränkte Macht zu sichern und war sehr gut darin.

Jetzt steht die B – Mannschaft nervös am Start und wartet brav, bis sie darf. So ist das nun mal bei den Schwarzen.

Trotzdem:
„Wer aufhört, Fehler zu machen, lernt nichts mehr dazu.“ (Theodor Fontane)

Also lassen wir Frau AKK noch ein wenig lernen, sie muss ja noch nicht ran.
Vielleicht wird es ihr und uns auch erspart.

Dieter Erkelenz | Mi., 29. Mai 2019 - 06:32

"wenn man von Deutschland aus den Straßburger Sitz des Europaparlaments in Frage stellt und im selben Atemzug eine Vergemeinschaftung von Frankreichs Sitz im UN-Sicherheitsrat fordert, war absehbar."
Ich (als im Grunde 'frankophiler') bin durchaus der Meinung, dass das einmal deutlich unseren Freunden jenseits des Rheins gesagt werden musste. Als Saarländerin ( betrachtet man die Geschichte ihres Landes) ist diese Replik durchaus zu verstehen.

Ich glaube das Problem sind nicht diese Forderungen - neu sind die ja nicht - sondern dass AKK nicht weiß wie man das diplomatisch macht. Man kann im Hintergrundgespräch deutlich werden, aber in der Öffentlichkeit kommt es nie gut an derart "deutsch" zu sein, wenn man mit Nicht-Deutschen kommuniziert. Ist allerdings ein häufiger Fehler, ich erinnere an die Aussagen von Merkel und Steinmeier zu Trump. Gut möglich, dass Trumps Hass auf Deutschland damit zu tun hat. Man stelle sich vor AKK würde mit Chinesen derart sprechen, wo das-Gesicht-verlieren unverzeihlich ist. Vielleicht lernt AKK das noch, ich fürchte nur das AKK halt sehr deutsch ist, was als Ministerpräsidentin OK ist, als Kanzlerin nicht. Ob Merz das kann - wer weiß? Das mit den Videos hat dann noch gezeigt, dass sie mit Krisen nicht umgehen kann, was im übrigen eine Stärke von Merkel war und ist. Auch wenn ich es für falsch halte, 2015 und folgend haben das zumindest gezeigt (Eurokrise auch).

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi., 29. Mai 2019 - 07:48

sich um ein Amt reissen wird, zu dem sie nicht berufen wird.
Ich würde der CDU nur wünschen, dass sich überhaupt ein Kandidat findet, von der Partei gewählt wird und nicht sein Dasein fristen muss, abhängig von Merkels parteipolitischer "Selbstherrlichkeit"".
Merkel wurde in das Amt gelobt, soweit ich erinnere. Die Partei stand zu ihr, egal welche Fehler sie machte.
Was einem Gutes widerfährt, das lässt man auch schon mal diejenigen spüren, die nach einem kommen.
Nicht so Merkel?
Sie stand nicht an Webers Seite und wird ihn fallen lassen, wenn man mich fragt.
Wieviele zuvor?
Nach meinem Empfinden ein beispielloser Niedergang politischer Sitten.
Andere würden vielleicht sagen business as usual?
Von mir aus.
Ich denke leider so schlecht von Merkel, dass sich öffentliche Äusserungen fast verbieten.
Schäuble war m.E. nicht Kohls Mann, sowenig wie AKK Merkels Frau.
Es wirkt genaugenommen schäbig auf mich.
Hoffentlich geht die SPD mit Nahles anständig um.
"O tempora o mores"

das schlechte umgehen mit Parteivorsitzenden kann auch die SPD gut. Ich bin lange genug in dieser Partei um schäbiges Verhalten miterlebt zu haben. Erinnern Sie sich noch an die Causa Willi Brandt / Margarita Mathiapoulis oder an den Mannheimer Parteitag Lafontaine versus Scharping?(Oskar manches hat bitter weh getan....)

Ernst-Günther Konrad | Mi., 29. Mai 2019 - 08:58

Alle reden über AKK und keiner über Merkel. Lebt die noch, ist sie gerade im Ausland, macht sie Urlaub? Ach ne, die sitzt im Hinterzimmer am Webstuhl und spinnt Fäden.
Dabei dürfte sie sich mehrfach inzwischen am Spinngarn geschnitten haben und damit es niemand mitbekommt, werden rot eingefärbte Wollknäuel der Partei zugeworfen. Sind ja genügend da, die irgendwie hoffen, mitspinnen zu können, auch ohne Webstuhl.
Angeblich hat AM für AKK, wie einst röm. Imperatoren den Daumen gesenkt. Nicht mehr ihre Wahl? Von der heimlichen ausgewählten Zuschauerin auf dem Sitz neben der Herrin, wird sie nun den Löwen zum Fraß vorgeworfen. Arme kleine Gretel, wärst du doch.. nein nicht in Düsseldorf, sondern im Saarland geblieben, bei den Kindern und dem Mann, dem Fastnachtsverein und heimelig in der versagenden saarländischen Landespolitk, es wäre dir besser gegangen. So aber passiert genau das, was für sie vorgesehen war. Sie darf eine Karnevalsfigur geben. Von der Putzfrau Gretel zum Sündenbock.

Norbert Heyer | Mi., 29. Mai 2019 - 16:06

Frau Merkel gibt freiwillig den Parteivorsitz ab, sie verschafft sich selbst damit Luft und stiehlt sich aus der Verantwortung für das desaströse Wahlergebnis. Gleichzeitig ist Frau AKK eine ihr ergebene Politikerin, die sie nicht in Bedrängnis bringt. Damit hat sie erfolgreich Herrn Merz verhindert. Der hätte jetzt nämlich ihr Druck gemacht, den Koffer zu packen. Sosehr ich ihre Politik kritisiere, muss ich die Kunst der Machterhaltung bewundern. Nach ihrem Willen soll Frau AKK weiter die Partei führen und ihr freie Hand als Regierungschefin lassen. Es rumort zwar in der Partei, aber der Klub der Klatschhasen wird niemals in der jetzigen Situation eine Revolution anzetteln. Das würde die Prozentzahlen für die Union noch weiter nach unten treiben. Die Stammwählerschaft der CDU hält zwar noch treu zur Merkelpartei, wird aber Unruhe und Königinnensturz nicht akzeptieren. Somit hat die Kanzlerin mindestens bis zu den nächsten Landtagswahlen für weitere Schlafwagen-Atmosphäre gesorgt.