Streit zwischen Lindner und Kemmerich - Die suizidalen Tendenzen der FDP

Dass Thomas Kemmerich Anfang des Jahres die Wahl zum Ministerpräsidenten mit Stimmen der AfD annahm, war ein Fehler. Doch ein Fehler ist es auch, mit ihm einen der letzten Charakterköpfe der FDP zu beschädigen. Christian Lindner könnte das noch zu spüren bekommen.

streit-christian-lindner-thomas-kemmerich-suizid-fdp
Da ist die Tür: Thomas Kemmerich und Christian Lindner / dpa

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

So erreichen Sie Christoph Schwennicke:

In den Achtzigern gab es eine recht erfolgreiche Thrash-Metal-Band namens Suicidal Tendencies. Im Moment passt der Name auch ganz gut zur FDP. 

Man muss wahrlich nicht jede Aktion des Thüringer FDP-Politikers Thomas Kemmerich gelungen finden. Kemmerich hatte sich Anfang des Jahres bundesweit berühmt gemacht, weil er sich mit den Stimmen der AfD im Thüringer Landtag zum Ministerpräsidenten hatte wählen lassen. Danach tauchte er auf Corona-Demos in fragwürdiger Gesellschaft auf. Nun ließ er wissen: Nicht die Annahme der Wahl sei der Fehler gewesen, sondern die Reaktion der anderen Parteien darauf - einschließlich der eigenen Parteispitze müsste man wohl hinzufügen. Parteichef Christian Lindner konnte Kemmerich nur zur Aufgabe seines Amtes bewegen, indem er mit dem eigenen Rücktritt drohte. 

Angebot auswählen und weiterlesen

  • Monatsabo
    i
    Unsere Empfehlung
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
     
    0,00 €
  • 3-Monatsaktion
    i
    • 3 Monate lesen, 2 zahlen für 19,60 €
    • danach 9,80 pro Monat, mtl. kündbar
    • E-Paper
    • alle Plus-Inhalte 
    19,60 €
Reinhard Benditte | Mo, 12. Oktober 2020 - 08:46

Natürlich kann Hr. Schwennicke schreiben, dass die Annahme der Wahl zum MP ein Fehler war. Nur sollte er so eine Aussage auch begründen. Für mich war der einzige Fehler das Verhalten von Hr. Lindner und der FDP, der mit seinem Kotau und seinen Bücklingen vor den anderen Parteien die FDP massiv beschädigt hat. Hr. Kemmerich hatte der FDP die einzigartige Möglichkeit verschafft, der FDP ein Profil zu geben und eine Minderheitsregierung mit der CDU zu bilden oder die CDU Thüringens als Marionette von Merkels Gnaden zu entlarven. Ja, es wäre keine einfache Aufgabe gewesen und wahrscheinlich wäre er an dem Verhalten der anderen Parteien gescheitert. Aber auch dieses Scheitern hätte der FDP bei einer neuen Wahl Vorteile verschaffen können, in dem man das undemokratische Verhalten der anderen Parteien hätte angeprangern können.Und last but not least, was ist eine Verfassung wert, wenn die Stimmen einer demokratisch in den Landtag gewählte Partei wie in der DDR nichts mehr wert sein soll.

...der war gut!

Stimmt aber: Die FDP hätte noch mehr das Image, trotz ihrer mageren Wahlergebnisse (gerade mal 5,0%) nur an Regierungssitzen interessiert zu sein, und sich dafür jetzt sogar mit Rechtsextremisten einzulassen.
Schliesslich hat man mit den Christdemokraten ewig im Bund regiert, und das trotz Wahlergebnissen von meist unter 10%!
Anders in Thüringen: Da hätte man mit der CDU gerade mal 26 Sitze gehabt - die Mehrheit liegt bei 46 - man wäre also von der AfD abhängig gewesen, denn SPD, Grüne und Linke hätten sicher bei den von Hoecke eingefädelten miesen Spielchen nicht mitgemacht.
Dass man am rechten Rand angesichts der scheinbar greifbaren Mitsprachemöglichkeit in Thüringen einen Kemmerich zum Helden macht, spricht Bände.

Der Wähler hat aber sicherlich notiert, dass der FDP - ebenso wie so manchen ostdeutschen Teilen der CDU - der Stallgeruch der Anfälligkeit für eine Zusammenarbeit mit den Rechtsextremisten der AfD anhaftet.

Liberal, bürgerlich? Fehlanzeige.

Diese Wählerin hat vor allem gemerkt, dass sich die diffamierende Gleichsetzung der gesamten AfD mit Rechtsextremisten so langsam abnutzt, Herr Lenz. Vor allem auch deshalb, weil der linke Rand so gar kein Problem damit hat, mit den Linksextremisten der Antifa gemeinsame Sache zu machen. Die AfD ist - ob Ihnen das nun passt oder nicht - eine demokratisch gewählte Partei. Und sie wird bleiben: da bin ich recht sicher, auch weil die Linken dazu beitragen durch ihre Politik. Und wenn auch ich nun in Ihren Augen zum rechten Rand zähle - auch gut, ist mir schietegal. Ich habe die immer gleichen linken manipulativen Floskeln und Worthülsen so satt. Das wirkt nicht mehr.

1) Wenn die FDP, wie Sie schreiben, nur an Regierungssitzen interessiert wäre, dann hätte die FDP 2017 die Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene erfolgreich zu Ende geführt! Nein, die FDP hat die einmalige Chance versäumt, wie man mit einer Minderheitsregierung ein Bundesland regieren kann.
2) Sie prangern an, dass man mit Rechtsextremisten hätte regieren müssen! Sie kennen den Spruch: „Hätte, hätte, Fahrradkette!“ Soweit mir bekannt, gibt es im Thüringer Parlament neben den 26 Sitzen von CDU und FDP folgende Sitzverteilung: Linke 28, AfD 22, SPD 8 und Grüne 5. Ergo wäre die Thematik gewesen, ob sich die Abgeordneten einer guten Politik aus ideologischen Gründen verweigern oder eine gute Politik für das Land Thüringen mittragen würden.
3) Und was Bände spricht, Hr. Lenz,ist die Tatsache, dass man sich mit den Extremisten, die aus der Ex-SED stammen, ohne wenn und aber ins Bett legt und eine Linksextremistin („Antikapitalistischen Linken“) B. Borchardt ins Verfassungsgericht wählt!

Ist das Ihre Logik?
1. An Regierungen darf man sich nur beteiligen, wenn man mindestens 10% der Stimmen hat?
2. Wenn sich demokratische Politiker auch von Extremisten in ein Regierungsamt wählen lassen, ist das böse?
3. Wenn sich Extremisten auch von Demokraten in ein Regierungsamt wählen lassen, ist das gut?

Liberal, bürgerlich ... geht anders!

Werter Herr Benditte.
Ich sehe es genau so. Die FDP hätte den Spieß umdrehen müssen. Man hätte CDU, SPD und Grüne darauf aufmerksam machen sollen, das duese miz einer Mauermörderpartei, direkt oder indirekt ins Bett steigt. Das bei den Linken linksextreme im Spiel sind die auch vom VS beobachtet werden
Und das was Kinder gemacht hat wird im 2021 vor die Füsse fallen.
Emmerich ist Unternehmer. Der weiss was bei seinen Leuten und im wirklichen Leben passiert.
Lindner ist ein überschätzte Selbstdarsteller.

Das Problem ist, dass dann wahrscheinlich die FDP auf Bundesebene und eventuell auch in anderen Ländern nicht mehr in Koalitionen aufgenommen worden wäre. Natürlich hätte das nicht für die CDU gegolten, die ist anders als die FDP unverzichtbar. Lindner und andere FDP-Funktionäre wären dann beruflich am Ende gewesen. Jedenfalls als Politiker, weshalb der Rücktritt Lindner dann folgerichtig gewesen wäre.

Ich danke Ihnen, dass Sie diesen Kommentar für mich geschrieben haben. Ich unterschreibe jedes Wort.
Die bodenlose Ignoranz gegenüber einer demokratisch und im Bundestag vertretenen Partei, selbst hier beim Cicero ist einfach unerträglich. Kemmerich ist übrigens auch deshalb zurückgetreten, weil seine Familie von den "Guten" in diesem wunderbaren Land massiv bedroht wurde.

Ähnlich sehe ich das auch. Kemmerich hätte wahrscheinlich keine Chance gehabt, aber er hätte den Doppelstandard entlarven können: Um die Republik daran zu erinnern, mit welchen Altkadern die Kanzlerin ihre Partei da in ein Bett zwingt.
Mutig gespielt hätte das der FDP den Weg eröffnet, sich am österreichischen Modell zu orientieren und dem Publikum zur Abwechslung mal Sachpolitik statt Gesinnungsbrei zu präsentieren. Dazu war Herr Lindner leider zu feige. Meines Erachtens hat er damit die Chance vergeigt, das Land an die schmerzlich vermisste liberal-konservative Option zu erinnern.
Aber ich zähle auch zu bösen Menschen, die das Vorgehen der Kanzlerin unappetitlich autokratisch fanden und die SED-Erben nicht mehr reflexartig für deutlich harmloser halten als die AfD. Die AfD ist das direkte Ergebnis der Politik von Dr. Merkel und fällt in die Kategorie "grauenhaft, aber notwendig".

Hans Jürgen Wienroth | Mo, 12. Oktober 2020 - 08:54

Nein, Her Schwennicke, nicht die Annahme der Wahl war der Fehler, das war gelebte Demokratie. Wo kommen wir hin, wenn Politiker nur eine Wahl annehmen dürfen, wenn sie nicht durch (die) „den Falschen“ gewählt wurden? Warum wurde Kemmerich nicht die Chance gegeben, eine „Minderheitsregierung“ mit der CDU zu bilden? Wer sagt der FDP, dass die politische Ausrichtung Lindners und Wissings dem Wählerwunsch entspricht? Schon seit 2015 hat die FDP keine (außerparlamentarische) Opposition gebildet und auch damit die AfD gestärkt.
Die FDP verliert konsequent durch die bedingungslose Distanzierung zur AfD, deren Themen aktuell mehr Wähler anspricht, als die FDP hat. Dabei gehört nur eine Minderheit in die rechtsextreme Ecke. Vielleicht sollte die FDP die Charakterköpfe nicht nur „aushalten“, sondern ihnen auch eine Chance geben. Wäre Frau Teuteberg evtl. die bessere Chefin? „Finanzielles Aushungern“ ist einer Demokratie unwürdig, schränkt sie doch dieselbe (Demokratie) ein.

Herr Wienroth, ich stimme Ihnen vollumfänglich zu und möchte noch ergänzen: Nicht nur der Charakter ist der FDP durch die Unterwerfung an Medien und Zeitgeist abhanden gekommen: Die höchst peinliche Anbiederung an die linken Strömungen, zwecks zukünftiger Regierungsbündnisse, hat auch die W ü r d e der FDP zerstört.
Zu Linda Teuteberg: Ich möchte annehmen, dass jeder welcher der FDP eine Wendung zum Guten hin wünscht, es damit verbindet, dass diese sehr bemerkenswerten Dame die neue Chefin dieser Partei wird !

Sie fragen, warum Kemmerich nicht die Chance gegeben wurde, eine Minderheitsregierung mit der CDU zu bilden. Die Antwort liegt doch auf der Hand: Eine solche Regierung hätte sich in die Abhängigkeit von einer Partei begeben, die in Thüringen (und nicht nur dort) zu weiten Teilen außerhalb des Verfassungsbogens steht. Und was den vermeintlichen "Wählerwunsch" betrifft: Woraus schließen Sie, daß "der Wähler" eine Minderheitsregierung unter Führung der FDP wollte? Nein, die Entscheidung gegen eine solche Regierung war ein Akt der politischen Hygiene. Hätte die FDP sich anders entschieden, so hätte ich mich als Stammwähler von dieser Partei verabschiedet.

"Eine solche Regierung hätte sich in die Abhängigkeit von einer Partei begeben, die in Thüringen (und nicht nur dort) zu weiten Teilen außerhalb des Verfassungsbogens steht."

Eine solche Behauptung sollen Sie anhand von Tatsachen und Fakten belegen, und zwar eingebettet im Kontext der Verfassung.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 12. Oktober 2020 - 08:56

Nicht die Annahme der Wahl war ein Fehler, sondern sich überhaupt aufzustellen, wenn man schon damit rechnen muss, von den ungeliebten AFDlern mitgewählt zu werden. Das jemand sich zur Wahl stellt ist ein normaler Vorgang und man dann diese Wahl annimmt auch.
Das dann, wie bekannt der Rücktritt befohlen wird allerdings nicht. Und dass ein Vorsitzender des gewählten Parteienvertreters sich so verhält und sich zum Spielball machen lässt, das ist auch nicht üblich. Die FDP "säubert" ihre Partei auf ihre Weise im Glauben, sie könnte dann Regierungskoalitionär werden. Sie vergisst dabei nur, dass sie hierfür mindestens fünf Prozent braucht. Und bekommt sie die? Eher nicht. Das ist Selbstverstümmelung in reinster Form. Die FDP leidet an Borderline und das führt automatisch zu einem psychischen Ausnahmezustand.
" ...weil sie sich sonst in zu große Nähe zu Reichsbürgern, Querdenkern und sonstigem Gefleuch wähnt." Sind also regierungskritische Bürger aus Ihrer Sicht nutzlose Kleintiere?

Bernhard K. Kopp | Mo, 12. Oktober 2020 - 11:24

In reply to by Ernst-Günther Konrad

Ich verstehe auch nicht warum die Wahl Kemmerichs ein Fehler gewesen sein soll. Noch weniger verstehe ich aber, warum die Fortsetzung einer Minderheitsregierung mit Ramelow und dem gesamten Netzwerk an biologischen und politischen Nachkommen von SED/Stasi in Thüringen das " kleinere Übel " sein soll. Kemmerich hätte die Chance gehabt, ohne Mehrheit im Landtag, ein bürgerlich-liberales Expertenkabinett bis zur nächsten Wahl zu leiten und eine große Zahl von verfilzten roten Socken auszusortieren. Es wäre die Chance für eine CDU/FDP-Regierung nach der nächsten Wahl gewesen. Der mit mehr als fragwürdigen Methoden herbeigeführte Rücktritt von Kemmerich hat die Linkspartei und die AfD gestärkt.

Milbers Peter | Mo, 12. Oktober 2020 - 14:05

In reply to by Ernst-Günther Konrad

Dieser Lindner hat die FDP als
politische Hans Wurst Partei hingestellt. Hiermit hat den Einheitsparteien CDU SPD usw.
einen Baerendienst erwiesen.
Sie sind absolut unwaehlbar.
Die Wahl geht eher 5% oder
noch tiefer.
Gruß Peter Milbers

Alfred Werner | Mo, 12. Oktober 2020 - 14:34

In reply to by Ernst-Günther Konrad

Sehr geehrter Herr Konrad,

Ich fürchte sehr, dass das "Gefleuch" diesem lindnerischen Saftladen bei der Bundestagswahl 2021 einen Tritt in den Allerwertesten in Form eines Wahlergebnisses von unter fünf Prozent verpassen wird.
Und diese Katastrophe eröffnet dann rein rechnerisch eine Mehrheit für RRG. Eine grauenvolle Vorstellung. Für mich jedenfalls.

Holger Jürges | Mo, 12. Oktober 2020 - 09:39

Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, muss man konstartieren, dass die FDP unter Lindner jeglichen aufrechten Charakter verloren hat. - Das ist um so bedauerlicher, als Lindner damals den noch vorhandenen Charakter famos genutzt hat, um sich gegen die faulen Kompromisse von Schwarz-Grün-Gelb zun stellen. - Die Mühlen der regierungsdevoten Medien haben dann wohl seinen Charakter zermahlen. - Frau Teuteberg, als Licht im Dunkel der Ängste der FDP fehlt nun um so mehr ! Und jetzt das Tribunal gegen Kemmerich ! - Mutlos gehen sie dem End´ entgegen: Schade eigentlich...

Gerhard Fiedler | Mo, 12. Oktober 2020 - 09:54

"Der Fehler war nicht die Wahl, sondern deren Annahme", schreiben Sie. Wieso, lieber Herr Schwennicke, soll die Annahme der Wahl zum Ministerpräsidenten von Thüringen ein Fehler gewesen sein? Was für ein Demokratieverständnis haben Sie? Nur aus parteitaktischen Gründen und im Sinne der FDP mag Ihr Argument zutreffen. Haben für Sie die Wähler der AfD denn keinen Anspruch darauf, gegebenenfalls auch im Machtgefüge einer Gesellschaft vertreten zu sein? Dass dies Ihnen oder anderen nicht gefällt, kann in einer Demokratie kein Grund dafür sein. Und warum den Linken, den Nachfolgern eines Unrechtstaates, erlaubt sein soll, was der AfD verwehrt wird, erkläre mir einer.

wogegen die AfD von vornherein als nicht kreditwürdig gilt, ist in der Tat eine interessante Frage, Herr Fiedler. Wird eine Partei zu Wahlen zugelassen, sollte man eigentlich davon ausgehen dürfen, dass sie auf dem Boden des Grundgesetzes steht, ansonsten man sie von Wahlen ausschliessen müsste. Tut man im Fall der AfD formell zwar nicht, faktisch dagegen schon. Die geschlossene "Einheitsfront" der selbsternannt "anständigen" Parteien gegen die AfD über das gesamte Parteieinspektrum hinweg ist ein europäisches Unikum, das es in gleicher Art, soweit mir bekannt, sonst nirgendwo gibt. Vordergründig vielleicht mit der NS-Vergangenheit des Landes zu erklären, wogegen die DDR-Vergangenheit der neuen Bundesländer offenbar kein Problem ist. Hintergründig womöglich eher der Versuch, die eigenen Pründe zu verteidigen, nach dem Motto: jede Stimme für die AfD ist eine verlorene Stimme, die - unter Garantie - wirkungslos bleiben wird? Eine mindestens originelle Interpretation von "Demokratie" ...

helmut armbruster | Mo, 12. Oktober 2020 - 09:59

die FDP ist nur eine +/- 5% Partei und jederzeit bereit mit jedem, der sie an der Macht beteiligt, "ins Bett zu gehen".

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 12. Oktober 2020 - 10:23

Ich hatte schon fest mit Jamaika gerechnet und Herrn Lindners Bedenken teilten wieviele?
Eine kleine Partei gegen Merkel und die Grünen, falsch, "bedrängt von Merkel und den Grünen", Lindner hat die Notbremse gezogen.
Das hat er meines Erachtens auch bei Herrn Kemmerich.
Gut möglich, dass Herr Kemmerich als Einzelner gut dastehen wird in Thüringen, jedoch immer noch fehlt evtl. dort die FDP-Klientel, gibt es einen Herrn Höcke.
Eine Frontalopposition gegen Frau Merkel war 2015 nicht möglich, weil evtl. niemand wußte, wohin sie es laufen lassen würde und weil Zuwanderung, wenn auch eher qualifizierte, aber ganz sicher auch aus dem Nahen Osten und Afrika für die FDP nicht den Schrecken darstellt, sondern aus ökonomischen Gründen selbst ins Auge gefasst wurde?
Herr Tichy war/ist auch nicht gegen Zuwanderung?
Die teils vehemente Ablehnung v. a. im Osten hätte eine FDP um die 4% pendelnd niemals konstruktiv abfangen können.
Merkel war für diese/s Politik/Experiment evtl. gut "abgesichert"?

.... sehen Sie denn eine qualifizierte Zuwanderung seit 2015? Scheinbar habe ich Tomaten auf den Augen? Und lesen Sie mal im Programm nach, selbst die AfD spricht sich für qualifizierte Zuwanderung aus, nur eben nicht in die Sozialsysteme.... wie es ja zu nahezu 100% geschieht. Und die paar, die Jobs haben, die werden auch nur durch Programme des AA oder JC über Wasser gehalten... alles Augenwischerei. Auf eigenen Füßen steht doch kaum einer.

Christa Wallau | Mo, 12. Oktober 2020 - 11:15

auf die Fahnen geschrieben.
Aber wie handelt sie ? Sie schränkt die Freiheit des Denkens u. Handelns ein, wo sie nur kann. Sich von vornherein z.B. apodiktisch gegen die Abgeordneten der AfD im Bundestag zu stellen, die SED-Nachfolger im BT dagegen zu tolerieren, ist einer freiheitlichen Partei absolut unwürdig.
Gerade die FDP müßte o f f e n sein für den Dialog mit Allen, müßte sie hören u. ihre Argumente prüfen, so lange sie sich auf dem Boden des GGes bewegen.
Stattdessen - da haben Sie recht, lieber Herr Schwennicke - "kuschelt" Lindner mit dem Mainstream.

Im übrigen pflichte ich Ihnen darin n i c h t bei, daß die Annahme der Wahl durch Herrn Kemmerich ein Skandal war. Die Demokratie hat vielmehr Schaden genommen durch den Umgang der Parteien mit diesem Vorgang. Vor allem die Kanzlerin hat in dieser Sache ihr wahres Gesicht gezeigt: Sie ist u. bleibt eine linke Ideologin, was ihr Verständnis von Demokratie anbetrifft.

Dieser Frau müßte die FDP täglich die Stirn bieten!

schreibe, was ich von Frau Merkel halte, weniger als nichts, nämlich gar nichts.
Gute bis gediegene Politik gab es in der Bundesrepublik vor Frau Merkel und da beziehe ich die FDP ganz sicher ein.
Liberale und rechtsstaatliche Grundeinstellungen bedeuten nicht, mit jedem auf Augenhöhe zu sprechen, sie bedeuten vor allem keinen gemeinsamen Weg mit nationalistischen oder etwa völkischen Ansichten.
So war zwar die AfD nicht gegründet worden, aber so scheint sie sich entwickelt zu haben.
Die Problematik des Nationalistischen/Völkischen könnte im Osten evtl. nicht als ein solches Problem erkannt werden, irgendwo las ich in einem Kommentar, dass Heimatliebe etc. ein starkes Moment des praktizierten und propagierten inneren Zusammenhalts in der DDR war, neben Völkerverständigung. Es bestätigt meine Eindrücke von DDR Fernsehen I und II her.
Marktwirtschaft war evtl. des "Teufels".
Gesellschaftliche Intelligenz konnte evtl. nicht aufgebaut werden, erst recht kein Vertrauen.
Es wird dauern!

Ich gebe Ihnen Recht, dass eine konstruktive liberale Politik offen sein müsste für andere Standpunkte. Die Annahme der Wahl Kemmerichs war kein Fehler, sondern die Reaktion darauf. Die AfD hat teilweise qualifizierte Leute, die dazu hätten beitragen können, eine zielgerichtet Politik zu gestalten. Statt gelassen diese Entwicklung zu beobachten, hat die Kanzlerin ideologisch reagiert. Sie ist in der Tat eine linke Ideologien, deren Demokratieverständnis Fragen aufwirft.

Helmut Bachmann | Mo, 12. Oktober 2020 - 11:34

Es war einmal: die Chance für seine Überzeugung einzutreten und eben auch zu kämpfen. Dies würde bedeuten, sich der neuen Einheitsfront zu stellen und ihr zu widersprechen. FDP und CDU haben sich dagegen zu Blockparteien degradieren lassen. Sicher wäre es ein Krieg an zwei Fronten. Doch der Wähler hätte es belohnt: klare Abgrenzung von rechtsextremen Tölpeln UND "Klare Kante" gegen die vereinigte, regressive Linke. Dafür gibt es sicher die Mehrheit in Thüringen und nicht nur dort.

Urban Will | Mo, 12. Oktober 2020 - 12:53

ruft der Farbige (oder darf ich das auch nicht mehr sagen ?) aus der Piratentruppe in einer Episode, als er die Gallier entdeckt und bevor dann eben das passiert, was Sie hier schreiben, die Selbstversenkung.
„Gaga“ ist auch das, was einem einfällt bei dem Gedanken an die Gelben.

Ich bin nicht Ihrer Meinung, Herr Schwennicke, dass Kemmrichs Wahlannahme der Fehler war. Natürlich auch nicht die Wahl, sie war demokratisch.
Die Fehler waren Lindners Kniefall vor der Kanzlerin, seine unmittelbar nach ihrem „Befehl“ erfolgte Fahrt nach Erfurt. Und nun die Ächtrung Kemmrichs..
Wäre ich im Feb. noch Anhänger der Gelben gewesen (was ich bis 2015 war), hätte ich dies ab da beendet.. Da bin ich wohl nicht der einzige.

Die Angst, Kante zu zeigen (wg. evtl unterstellter „Nähe“ zu Blau) sind zu Recht der Sargnagel für diese Partei.
Scheu vor Verantwortung, Chamäleon – Politik. So eine Partei braucht man nicht mehr.
Da muss Veränderung her oder ... "Adieu".

völlig Ihrer Meinung, Herr Will. Das Furchtbare ist nur: FDP ist raus, AfD (zumindest in derzeitiger Besetzung) unwählbar und der ganze Rest - Einheitspartei Deutschlands.
Wohin mit dem Kreuz ???

Helene Kaiser | Di, 13. Oktober 2020 - 12:09

In reply to by Rainer Müller-…

Ich habe früher die FDP gewählt, aber seit einigen Jahren nicht mehr.
Mein Kreuz bekommt die AFD, solange der Einheitsblock der übrigen Parteien existiert.
Auch ja ich wähle die AFD nicht wegen sondern TROTZ Höcke, weil genug andere kluge und rationale Politiker in der Partei sind.
Ich möchte Realpolitik und keine Ideologische, die eine eintretende Realität nicht akzeptiert und lieber die Gesellschaft spaltet als zuzugeben einen Fehler begangen zu haben oder einem Irrtum zu unterliegen.
Einer Wahl fernzubleiben entspricht nicht meiner Auffassung :-)

ich sehe es wie Sie! Eine demokratische Wahlentscheidung wurde durch H. Lindner negiert damit wurde auch die Partei beschädigt. Dabei war ich bisher eine große Befürworterin von H. Lindner, H. Kubicki und Frau Teuteberg. Es ist wirklich schade, dass sie nun so mutlos wirken. Mal sehen wie der Wahlkampf wird.

Armin Latell | Mo, 12. Oktober 2020 - 12:56

die Wahl zum Ministerpräsidenten mit Stimmen der AfD annahm, war ein Fehler. Klar doch! Weil Merkel „demokratiekonform“ die Wiederholung der Wahl anordnete, weil ihr das Ergebnis nicht passte! Weil ein von Antidemokraten organisierter, sogenannter Shitstorm in einer virtuellen Welt das behauptete! Weil seine Familie unter Drohungen dieses Klientels hat leiden müssen! Ich bin schon mindestens erstaunt. Jetzt wird er exkommuniziert, ein Exorzismus wird an ihm statuiert. Marcel Luthe in Berlin hat die Zeichen wohl als einer der wenigen erkannt und dieser unnötig gewordenen Partei den Rücken gekehrt. 2021 wird sie noch wesentlich schlechter abschneiden als die AfD. Dem Alleinunterhalter sei Dank.

Monika Templin | Mo, 12. Oktober 2020 - 12:59

Auch ich sehe die Annahme der Wahl zu MP nicht als einen Fehler an. Herr Kemmerich und die FDP hätten einen MP Ramelow verhindern können! Diese Chance haben sie leider vertan und werden wohl weiter - auch bundesweit - Wähler verlieren. Meine Stimme bekommt sie nun nicht mehr! Unverständlich war mir vor allem, dass Herr Lindner dem
"Willen" der Kanzlerin - die Wahl sofort rückgängig zu machen - stehenden Fusses nachgekommen ist und es war höchstens Dummheit, sich aufstellen zu lassen, da die FDP im Landtag die "kleinste" Partei war aber es war sicherlich kein Fehler, die demokratische Wahl zum MP anzunehmen. Jetzt regiert die Linke obwohl sie keine Mehrheit hatte und was sicherlich die Mehrheit der Thüringer nicht wollte. Niemand von den Altparteien stört sich an dem Verhalten der Kanzlerin, die aus der Ferne bestimmt, welche Wahl die Richtige ist. DDR lässt grüßen.

Wolfgang Tröbner | Mo, 12. Oktober 2020 - 13:09

Ein schönes Bild für eine FDP, die, wie im Artikel beschrieben, nicht anecken will, permanent Angst hat, sich in falscher Gesellschaft wiederzufinden, und sich deshalb zu keinem klaren Kurs durchringen kann. Als Wähler stellt man sich schon länger die Frage, was die Liberalen eigentlich wollen. Für das Land, aber auch für sich selbst. Die Wahl des neuen Generalsekretärs Wissing und dessen Äußerungen verstärken den Eindruck, dass sich die FDP für kein Mittel zu schade ist, nur um endlich wieder an die Fleischtröge der Macht zu gelangen. Und sei es nur als billiger Steigbügelhalter für die Roten und Grünen. Ansonsten hat die FDP ja nicht mehr viel anzubieten. Und das in einer Zeit, wo liberale Ideen gefragt wären. Aber der Verein von Lindner bleibt stumm. Eigentlich wie immer in den letzten Jahren Noch ein Wort zu Lindner. Sah es eine Weile so aus, als ob er die FDP als Partei noch retten könnte, so scheint es nun, dass er in Wirklichkeit deren Totengräber ist.

Hermann-Josef Stirken | Mo, 12. Oktober 2020 - 14:37

Dieses Ereignis ist ein Tiefpunkt der Demokratie. Es ist ein Unding, dass die sogenannten demokratischen Parteien so viel Druck auf einen Mann ausüben, der sich der Aufgabe stellt, eine Regierung zu bilden Die AfD ist keine verbotene Partei und von vielen Wählern gewählt. Ob die SED Nachfolge Partei der Demokratie näher steht ist mehr als zu bezweifeln. Das Verhalten der FDP ist charakterlos und hoffentlich bekommt sie eine Quittung

Dietrich Bomm | Mo, 12. Oktober 2020 - 15:12

Mir drängt sich das Bild auf, ob Herr Lindner nicht doch in irgendeiner Art und Weise ein Klon von Frau Merkel ist.

Ingrid Gathmann | Mo, 12. Oktober 2020 - 15:13

Die FDP tut mir nur noch Leid. Was Kemmerich gesagt hat, ist genau richtig. Nach dem Machtwort der Kanzlerin regiert nun wieder Ramelow. War das von CDU und FDP so gewollt? Nun wird Kemmerich finanziell "bestraft". Ist das liberal und demokratisch? Schade um die einst Ton angebende Partei. Niedergang der politischen Kultur. Herr Schwennicke, bedauerlich , dass Sie beim AfD-Bashing mitmachen.

Dr. Andreas Oltmann | Mo, 12. Oktober 2020 - 16:00

Auch ich bin der Meinung, der Umgang von Lindner mit Kemmerich und Frau Teuteberg ist eine Schande für eine liberale Partei, und der letzte Sargnagel. Lindner springt über jedes Stöckchen, dass man ihm hinhält, und die gesamte Partei mit ihm. Liberalität als Markenzeichen war mal, zu Zeiten von Herrn Baum und Frau Leuthäuser-Schnarrenberg und anderen, aber Lindner ist ein Narzisst und hat keine Überzeugung. Also muss er schnellstmöglich ausgetauscht werden gegen Personen mit Charisma, nicht gegen Windbeutel.
Und das bald, vor der Wahl! Sonst findet sich die Partei im nächsten Herbst selbst nicht mehr wieder im dunklen Keller der Unbedeutungslosigkeit.

Heidemarie Heim | Mo, 12. Oktober 2020 - 16:37

Meuterer Kemmerich auf die Planke als Futter für die Haie. Also wenn so die Loyalität innerhalb der Partei in Bund und zwischen den Ländern aussieht, dazu offensichtlich aus Gründen/Kalkül puren Eigenerhalts, kann man Frau Teuteberg und den anderen Abgängigen nur gratulieren von Bord gegangen zu sein. Was die unterlassene Oppositionsarbeit betrifft, so sage ich als nun ehemalige Wählerin mit Hoffnung auf eine solche,
Danke für nichts liebe FDP! MfG

ursula keuck | Di, 13. Oktober 2020 - 12:42

Die FDP hatte unter Guido Westerwelle bei der Bundestagswahl 2009 noch 14,6 Prozent der Stimmen erreicht.
Unter Lindner befindet sie sich endgültig im Todeskampf. Die Todesursache ist ihre Selbstaufgabe als marktwirtschaftliche Rechtspartei. Mit dem Schlagwort „mehr Netto vom Brutto“ hatte sie vor Jahren noch scharenweise frustrierte Unionswähler einkassiert und damit ein Rekordergebnis erzielt. Jetzt macht sie als linksliberales fünftes Rad am Wagen brav alles mit – Eurorettung, Nullzinspolitik, Energiewende, Klimahysterie, Einwanderungspolitik – was der Sozialistischer- Einheitsblock in Berlin vormacht.

Monique Brodka-Maréchal | Di, 13. Oktober 2020 - 13:29

Eine demokratische Wahl abgehalten in einer Demokratie ist ohne wenn und aber korrekt. Jedes Eingreifen bzw. rückgängig machen ist gesetzigwidrig! So einfach ist das. Wenn das Ergebnis einer Wahl nicht gefällt und beeinflusst wird, ist die Demokratie tot! Bleibt nur: das Grundgesetz ändern. So kann jede Regierung nach Gusto agieren. Sowas nennt man dann Diktatur. Oder Mafia Staat? Auch schön!

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Ebenfalls gelöscht werden ad-hominem-Kommentare, die lediglich zum Ziel haben, andere Foristen zu diskreditieren. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Generell gilt: Pro Artikel ist pro Nutzer ein Kommentar und eine Replik auf einen anderen Leserkommentar erlaubt. Kommentare, die Links zu zweifelhaften Webseiten enthalten, werden nicht veröffentlicht. Um die Freischaltung kümmert sich die Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.