Morddrohungen gegen Bürgermeister - „Das Gemotze über unsere Demokratie muss endlich aufhören“

Weil er Morddrohungen bekam, trat Markus Nierth 2015 als Bürgermeister von Tröglitz (Sachsen-Anhalt) zurück. Im Interview erklärt er, warum Facebook beim Kampf gegen ein Flüchtlingsheim eine zentrale Rolle spielte und was der Staat tun muss, um Amtsträger zu schützen

Markus Nierth bei einer Pressekonferenz mit Flüchtlingen aus Afghanistan am 11. Juni 2015
„Die Morddrohungen waren nicht das Schlimmste. Uns ist das soziale Umfeld weggebrochen“: Markus Nierth/ picture alliance

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie arbeitet als freie Reporterin und Autorin. 

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Markus Nierth war von 2009 bis 2015 ehrenamtlicher Bürgermeister der 3000-Einwohner-Gemeinde Tröglitz in Sachsen-Anhalt. Der Ort sorgte weltweit für Schlagzeilen, weil danach das örtliche Flüchtlingsheim angezündet wurde. Die Täter wurden nie gefasst. Nierth ist parteilos und wurde von der CDU für dieses Amt nominiert. Er ist evangelischer Theologe und Vater von sieben Kindern.  

Herr Nierth, Sie sind 2015 als ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Tröglitz nach Morddrohungen zurückgetreten. Wie haben Sie auf die Nachricht vom Mord an Walter Lübcke reagiert? 
Meine Frau und ich, wir waren sehr erschrocken. Wir leiden innerlich mit Familie Lübcke mit. Es ist fürchterlich zu sehen, dass nach vier Jahren vermutlich ein Rechtsextremist umgesetzt hat, was damals uns schon angedroht wurde.

Seit dem Anschlag auf den Kasseler Regierungspräsidenten häufen sich bundesweit die Morddrohungen gegen Politiker. Sie sind zwar als Bürgermeister zurückgetreten. Haben Sie trotzdem eine Sekunde lang Angst gehabt, dass es Sie auch wieder treffen könnte?
Nicht nur eine Sekunde lang, das ist inzwischen unser Alltag. Dies ist ja die Strategie der Rechtsextremisten, Angst zu verbreiten, um die Zivilgesellschaft zu lähmen. 

Bis Ende 2014 galten Sie in Ihrer 3000-Einwohner-Gemeinde als äußerst beliebt. Plötzlich aber wechselten Bürger die Straßenseite bei Ihrem Anblick. Was war passiert? 
Wir haben uns für die Aufnahme von Flüchtlingen eingesetzt. Dagegen haben Wutbürger gemeinsam mit der NPD Demonstrationen organisiert. Und da der gesellschaftliche Widerstand dagegen ausblieb, wurde meine Familie zur einzigen Zielscheibe ihres Hasses. Deshalb sollte die neunte Demonstration vor unser Privathaus führen. Als uns auch noch das Landratsamt allein ließ und sich weigerte, die Demo mit Auflagen zu belegen, zog ich die Reißleine und trat zurück. 

Ende 2014 wiesen Sie die Einwohner in einem offenen Brief auf die geplante Unterkunft hin. Darin heißt es auch: „Wir möchten eigentlich keine Asylanten in Tröglitz haben, weil wir die bisherige soziale Struktur schon durch einheimische Kriminelle und sich unsozial benehmende Menschen genügend überanstrengt sehen.“ Haben Sie den Protest damit nicht geradezu herausgefordert? 
Der Entschluss, Ärger zu machen, stand da schon fest. Sie müssen dieses Zitat im Kontext des gesamten Briefes lesen. Einerseits hab ich gesagt, auch um die Menschen abzuholen: Eigentlich haben wir schon genug soziale Spannungen. Andererseits heißt es am Ende des Briefes klar: Aber die Flüchtlinge sind nun mal da, wir sollten sie jetzt, gerade vor Weihnachten, menschenfreundlich aufnehmen. 

Trotzdem: Würden Sie das nochmal so formulieren?
Nein, das war ein Fehler. Ich hatte gedacht, dass ich es mit mündigeren Bürgern zu tun habe. Ich hätte wissen müssen, dass einige längere Texte entweder gar nicht mehr zu Ende lesen oder sich nur das herausgreifen, was in ihr Weltbild passt. 

Von wem ging denn die Stimmungsmache im Ort aus? 
Es gab im Ort schon länger das Gerücht, dass bei uns Flüchtlinge untergebracht werden sollten. Ein NPD-Abgeordneter hatte das gestreut. Daraufhin haben Wutbürger eine Facebook-Seite gegründet: „Keine Asylanten für Tröglitz.“ 

Sie reden von „Wutbürgern“. Dass Menschen, die in ihrem Leben bislang kaum Kontakt zu Zugewanderten hatten, mit Sorge reagieren, ist doch erstmal nachvollziehbar. Oder nicht? 
Nein, das war gefestigter Rassismus. Der Hauptinitiator, ein LKW-Fahrer, berichtete andauernd auf seiner Seite, wie glücklich er darüber sei, dass die griechische Polizei das „Asylantenpack“ von seinem LKW herunter gedroschen habe.

Politiker streitet darüber, ob Hassbotschaften in soziale Netzwerken die Gewaltbereitschaft fördern. Was glauben Sie: Hätte der Protest gegen das Heim auch ohne Facebook solch ein Ausmaß angenommen? 
Nein, ohne Facebook wäre es nicht so weit gekommen. Am Anfang hat die Seite die Unsicherheit und Wut im Ort mit Gerüchten und Halbwissen entfacht. Per Facebook wurden die Einladungen geteilt, so dass bald gewaltbereite Rechte aus der ganzen Umgebung dazu kamen. Ohne Facebook wären selbst die „Wutbürger“ wohl für rationale Argumente mehr zugänglich gewesen. Stattdessen wurde die Stimmung durch gezielte Hetze hochgepusht.

Haben Sie den Konflikt nicht vielleicht noch selber damit angeheizt, indem sie alle Skeptiker als „Wutbürger“ diffamiert haben?
Diffamiert? Wer Bilder von geköpften Kleinkindern benutzt oder in ekelhafter, menschenverachtender Weise über Flüchtlinge hetzt, ist nicht nur mal mehr nur Wut-, sondern schon längst ein Hassbürger! Außerdem haben wir ständig aufgeklärt, was rassistisch und was völkisch-nationalistisch ist. Erstaunlicherweise fühlten sich „die Besorgten“ dennoch als Nazis beschimpft.

Was haben Sie dagegen unternommen? 
Ich habe mehrere Gemeindebriefe geschrieben und diese mit einigen Ortschaftsräten verteilt, immer mit der Aussage: „Vorsicht Leute, lauft nicht mit der NDP!“ 

Hat das irgendwen beeindruckt? 
Ja, ich wollte meine Einwohner davon abhalten, und das gelang größtenteils auch. Nach anfangs 90 Interessierten waren bei der zweiten Demo nur noch ungefähr 30 Tröglitzer dabei, aber etwa über 100 Neonazis von außerhalb.

Was waren die schlimmsten Sätze, die Sie auf der Facebookseite lesen mussten?
Es war das Foto eines geköpften syrischen Mädchens, das der Admin der Facebookseite „Tröglitzer“ gepostet hat. Darunter schrieb er: „Das werden wir hier auch bald haben.“ 

Sind alle Nutzer der Seite mit Klarnamen in Erscheinung getreten?
Einige schon. Das waren Menschen, die ich kannte.

Haben Sie gegen die Verfasser der Hass-Posts Anzeige bei der Polizei erstattet?
Natürlich, wir haben alles zur Anzeige gebracht – auch die anderen Sachen, die uns passiert sind. Aber in keinem einzigen Fall wurde ein Verfahren eröffnet. 

Was meinen Sie mit „den anderen Sachen“?
Die Morddrohungen und andere Briefe, in denen Kot drin war. In denen stand: „Lügenpack Nierth, verzieht euch aus Tröglitz!“ Meine Frau hat da beim ersten Mal hineingegriffen. Das war eine furchtbare Entwürdigung, ein Schock, der bis heute sitzt. 

Zum Zeitpunkt der Tat haben drei Ihrer sieben Kinder noch zu Hause gelebt. Wie haben die auf die Drohungen reagiert?
Ich bin meiner Kinder zuliebe zurückgetreten, als ich erfuhr, dass eine Demo zu unserem Haus führen sollte. Ich wollte nicht, dass die hassverzerrten Gesichter der Demonstranten in ihre Kinderzimmer schauen. Natürlich wurden sie durch die Morddrohungen verängstigt. 

Welche Spuren haben die Drohungen bei Ihnen hinterlassen? 
Wir haben hier in Tröglitz keinen Raum mehr, uns gesellschaftlich mit einzubringen. Die Erde hier ist für uns verbrannt. Es hat uns bis heute viel Lebensfreude gekostet. Die Morddrohungen waren dabei gar nicht das Schlimmste. Uns ist das soziale Umfeld fast komplett weggebrochen. Ursache und Wirkung haben sich verdreht. Wir sind nun die „Nestbeschmutzer“. 

Was hat man Ihnen genau vorgeworfen?
Dass wir diejenigen gewesen seien, die die Medien in den Ort geholt hätten. Dabei waren wir ja nicht der Auslöser. Die Interviewanfragen haben wir angenommen, weil uns geraten wurde, die Morddrohungen öffentlich zu machen, um geschützter zu sein. Nachdem die örtliche Flüchtlingsunterkunft nach meinem Rücktritt abgebrannt ist, hat nicht mehr nur Deutschland, sondern Europa und die halbe Welt auf Tröglitz geschaut. Und das Interesse war ja berechtigt. 

Gab es gar keine Solidarität?
Doch, nach meinem Rücktritt gab es Anteilnahme und Blumen. Aber als die Flüchtlingsunterkunft brannte und der zweite Medienhype begann, zogen sich viele Einwohner zurück. Noch lange kamen aus ganz Deutschland viele ermutigende Briefe und Zeichen.

Sie haben danach neun Monate Polizeischutz bekommen. Wie sah der aus?
Tag und Nacht stand ein Bus mit Polizisten vor unserer Haustür, die auch Streife ums Haus liefen. 

Wie fühlt sich das an?
Als ob man die Gefahr plötzlich gespiegelt sieht. Ein paar Freunde meiner Kinder durften nicht mehr vorbei kommen. Aus unserer Tanzschule haben sich Kunden abgemeldet, weil sie Angst hatten. 

Wie groß war Ihre Angst als Familienvater? 
Riesengroß, weil man sich mehr um die Anderen als um sich selber sorgt. Ich hatte nach einiger Zeit gar nicht mehr so sehr Angst vor dem eigenen Tod. Ich habe mich eher mit der Sorge um das Danach gequält. Was würde dann aus meiner Frau und den Kindern? 

Die Strafverfolgung der Täter ist das eine. Als Sie jetzt bei Maybrit Illner in der Talkshow aufgetreten sind, haben Sie gesagt, jetzt  müsse es auch darum gehen, die schweigende Mehrheit zu mobilisieren. Warum ist Ihnen das in Tröglitz nicht gelungen?
Das fragen wir uns bis heute, zumal bei der nächsten Landtagswahl der AfD-Rechtsaußen-Hardliner André Poggenburg von 36 Prozent der Tröglitzer gewählt wurde, die NPD kam auf 5,5 Prozent. Dann gibt es eine scheinbar unpolitische Mitte, die aber dennoch politisch wirkt, weil sie dauermotzt über den Staat und somit die Rechten stärkt. Wenn nur eine Handvoll sozialer Autoritäten Gesicht gezeigt und sich zu uns gestellt hätten, hätten die Rechten nicht die Stimmungshoheit gewonnen. 

Wieviele bleiben dann noch übrig?
Ich schätze, ein Drittel der Bürger sind uns wohl gesonnen. Aber es trauen sich nicht alle, lauter zu werden. Vielleicht haben sie Angst davor, von Rechten bedroht zu werden. Vielleicht ahnen sie, dass auch sie von der Dorfgemeinschaft geächtet würden.

Der oder die Täter, die den Brandanschlag auf das Flüchtlingsheim verübt hatten, wurden nie gefasst. Welches Signal hat das an die Bevölkerung gesandt? 
Es hat verhindert, dass wir rehabilitiert wurden. Im Dorf wird ja immer noch geredet, es seien gar nicht die Rechten gewesen, sondern die Linken. Oder es sei „der Nierth“ selbst gewesen. Dabei ist es ein lautes Geheimnis, dass es einige Menschen gibt, die den Namen des Täters kennen.

Sie wohnen immer noch in Tröglitz. Hat sich die Spannung im Ort viereinhalb Jahre nach Ihrem Rücktritt gelegt
Nein, das Leben hat sich für uns eher noch verschlechtert. Man hat es uns übel genommen, dass wir auch weiterhin nicht geschwiegen haben. Der neue Ortsbürgermeister hat uns sogar ermahnt, wir sollten keine Interviews mehr geben. 

Und, was haben Sie ihm geantwortet?
Wir werden das tun, was wir für richtig halten. Es ist die Öffentlichkeit, die uns geschützt hat, weshalb die Rechten sich zurück gehalten haben.

Müssen Sie unter diesem Aspekt nicht Angst haben, dass jetzt auch dieses Interview gegen Sie verwendet werden kann? 
Ja, meine Frau und ich wählen unter den Medien-Anfragen sorgfältig aus. Es ist uns bewusst, dass jedes Interview unsere Gefahrenlage erhöhen könnte.

Warum nehmen Sie dieses Risiko trotzdem auf sich? 
Diese schweigende Mitte ist der Grund, warum ich weiter in die Öffentlichkeit gehe. Ich will nicht, dass die Rechten unser Land wieder unter ihre Herrschaft bringen. Solange die breite Bevölkerung nicht laut wird und sich mutig gegen rechten Hass und Hetze aufsteht und sich zu ihren gewählten Politikern stellt, werden auch Polizei und Justiz unsere freiheitliche Demokratie nicht wirklich schützen können.

Haben Sie nie mit dem Gedanken gespielt, wegzuziehen?
Doch, jeden zweiten Tag. Wir sind selbstständig und werden wirtschaftlich boykottiert. Ich habe unseren Hof als Familienburg für unsere Kinder gebaut, wir wollten hier unsere Enkel aufwachsen sehen. Nun werden unsere erwachsenen Töchter verständlicherweise nicht mehr zurückkommen. Und wir werden spätestens im Alter hier wegziehen.

Sie sind kein Einzelfall. Die Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger werden seit einiger Zeit statistisch erfasst. 2018 waren es 1256 Delikte. Die Zahl geht seit Jahren leicht zurück. 
Ich habe Zweifel, dass diese Statistik ansatzweise stimmt. Viele Bürgermeister trauen sich doch gar nicht mehr, Straftaten anzuzeigen, weil sie ahnen, dass sie dann sozial geächtet werden – oder weil diese sowieso nicht ernsthaft verfolgt wird.

Woher wollen Sie das wissen?
Wir haben Kontakt zu ehemaligen Kollegen. Viele sind genauso resigniert wie ich. Anzeige zu erstatten, das bringt scheinbar nichts. Es kostet bloß Zeit, Kraft und Nerven. Unsere Anzeigen zum Beispiel sind alle bei der Justiz hängengeblieben. Das hinterlässt ein sehr mulmiges Gefühl. 

Was muss der Staat tun, um Menschen wie Sie zu unterstützen?
Diese Hasskriminalität im Internet muss stärker sanktioniert werden. Und die Politik ist gefragt, Polizei und Justiz von rechten Verflechtungen zu befreien.

Sie sind als Bürgermeister zurückgetreten, das Flüchtlingsheim in Tröglitz ist abgebrannt. Die Rechten haben gewonnen. Wem soll Ihre Geschichte jetzt noch Mut machen, sich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik zu engagieren?
Das Gemotze über unsere Demokratie muss endlich aufhören. Wir müssen erkennen, was für einen Schatz wir da kaputtmachen, auch wenn es einige Ungerechtigkeiten gibt. Entweder, wir setzen uns selbst für ein besseres Miteinander ein – oder halten besser die Klappe. Diese ewige Ausrede, man könne nichts bewegen, ist Quatsch. Ich konnte als Ortsbürgermeister sehr viel bewegen, und sei es, dass ich Kinderspielplätze ausgebaut habe. Noch wichtiger aber war etwas anderes. 

Was denn?
Bürgermeister sind auch Kümmerer. Ich habe als „Seelsorger des Ortes“ ganz viel Frust abfangen können. 

Andreas Zimmermann | Di, 25. Juni 2019 - 08:52

... das dieser Mann samt seiner Familie in einer selbst gebauten Falle sitzt. Denn auch wenn man die hier aufgeführten Beispiele von Morddrohungen über Fäkalbriefe u. ä. zutiefst ablehnen muß, geht dessen ungeachtet, aus all der immer noch bestehenden Ablehnung eine Botschaft hervor. Allerdings scheint diese beim Herrn Nierth (noch?) nicht angekommen zu sein. Und zwar, wer mit derartig überhöhten Ansprüchen und ohne eigene Not gegen den Willen der Mehrheit und deren Interessen agiert, um den wird es einsam. Man nennt so etwas auch Weltfremdheit oder Arroganz, Schuld sind nicht immer nur die anderen.

Etwa der Mehrheit in Tröglitz? Aber die hat doch Herrn Nierth in das Bürgermeisteramt gewählt. Und im Gemeinderat gibt es, soviel ich weiss, eben keine AfD-/NPD-Mehrheit. Oder meinen Sie das Land Sachsen-Anhalt? Selbst wenn die AfD dort 25% bekommt, was keineswegs sicher ist, ist das keine Mehrheit.
Oder meinen sie gar die Bundesrepublik? Wohl kaum.
Diejenigen, die am lautesten schreien, die am hässlichsten drohen, zeigen ja gerade, dass sie nicht in der Mehrheit sind.

Der Herr Nierth hatte zur Wahl als OB eine Mehrheit, welche ihn ins Amt gewählt hat. Diese hat er verloren und zwar, in dem er nicht mehrheitsfähige Prioritäten (durch-?) gesetzt hat. Diese entsprachen wohl seinem persönlichen Vorlieben, aber nicht unbedingt denen der Mehrheit der Menschen seines Verwaltungsbezirkes. Und so hat er den Rückhalt in der Bevölkerung verspielt. Eigentlich eine ganz einfache und folgerichtige Sache. Aber diesen Fakt, scheint er - abseits aller unappetitlicher Details mit denen er nun konfrontiert wird - jedoch immer noch nicht realisiert zu haben. Aber mit diesem Problem ist er ja in diesem Land nicht allein.

Ihre Betrachtungen zu den anderen Mehrheiten entsprechen wahrscheinlich Ihren persönlichen Präferenzen, interessieren mich aber nicht und sind in Bezug zu diesem Artikel auch völlig irrelevant.

annehmen, dass Sie oder die Partei, die Ihnen offensichtlich nahe steht, die Mehrheit der Deutschen vertritt - nur dürften Sie bei jeder Wahl eines besseren belehrt werden. Im Übrigen ist mir nicht bekannt, dass Herr Nierth als Bürgermeister (natürlich gibt es in dem Dorf keinen OB) jemals abgewählt wurde.

Wie gnädig von Ihnen mir das zuzugestehen, denn Ihre Spekulationen darüber was ich wähle und wie künftige Wahlergebnisse aussehen werden sind ja schon eine Absurdität an sich.
Es wäre schön Herr Lenz, wenn Sie mal von Ihrem hohem ideologischen Ross heruntersteigen und jegliche Diskussionen auf Augenhöhe führen würden ohne gleich Galle zu versprühen nur weil Sie denken (was in meinem Fall noch nicht mal zutrifft) hier einen politischen Gegner jenseits Ihrer eigenen Meinung zu haben. Und das sollten Sie tun bevor die Pferde endgültig mit Ihnen durchgehen und Sie sich kräftig vergaloppieren. Ich bin schon etwas älter und weiß wovon ich hier rede, denn ich sehe Sie nämlich im vollem Galopp auf dem besten Wege in ähnlich unwegsames Gelände. Aber das ist nur ein guter Rat eines alten parteilosen Genossen. Denn bedauerlicherweise habe ich, bis auf Ihren Hinweis das Tröglitz keinen OB hat, bisher nur ideologisch stark eingefärbten Unsinn abseits des Themas von Ihnen bekommen.

dass nur AfD – Wähler die irrationale „Welcome“ - Kultur ablehnen?
Von welchen „Mehrheiten“ reden Sie eigentlich?

Wie genau die "Mehrheits" - Lage 2015 war, weiß ich nicht, aber in Ihrer Antwort auf Herrn Zimmermann beziehen Sie sich klar auf die Gegenwart.
Ich denke mal, die Ablehnung der Massenzuwanderung war und ist im Osten – völlig unabhängig von den Wahlergebnissen – immer höher als im Westen, das ist zu akzeptieren.

Herr Nierth ist damals aus nachvollziehbaren Gründen zurückgetreten, eine unschöne, bedauerliche Sache.
Gewalt ist immer zu verdammen.
(Wie Sie mir sicher zustimmen, auch die gegen AfD – Funktionäre.)

Ich bin mir sicher, dass heute eine sehr große Mehrheit, auch bundesweit, die Massenzuwanderung ablehnt und nur eine kleine Minderheit Gewalt befürwortet.

Wer von diesen Menschen was wählt, ist in der Tat irrelevant und das wissen nicht einmal Sie.

Die "Falle" bauen, tun andere. Weder dieser Bürgermeister noch andere haben 2015 und folgend "hier" gerufen, dass haben andere. Die aber haben genug Unterstützung in Politik, Medien und anderswo, um ihr Ding durchzuziehen. Nach dem was man lesen kann, sind die Leute in der Regel junge Großstädter, deren Lebensgefühl das entspricht und die wollen, dass es überall wie z.B. in Berlin-Neuköln aussieht. Selber wohnen tun die oft woanders, aber zum feiern hingehen, das ist ganz toll. In der US-Prohibitionszeit waren die illegalen Schnapsläden immer voll und ungefährlich war das für die Kunden auch meist, da die Kriminellen da aufpassten. Erinnert mich an heute.

dieter schimanek | Di, 25. Juni 2019 - 09:07

.......und die Wutbürger. Repräsentanden des Staates, was ist das eigentlich? Das sind Vertreter des Volkes also des sogenannten Souveräns, zumindest sollte es so sein. Ein solcher Stellvertreter wurde also vom Souverän beauftragt, die Stimme des Volkes umzusetzten und nicht seine eigene. Das ist aber frommes Wunschdenken. Sobald ein solcher Vertreter in Amt und Würden ist, zählt nur noch die eigene Meinung und die wird umgesetzt, basta! Ob das in der Kommune ist oder im Bund, ist völlig gleichgültig. Dabei fühlen sich solche "Volksvertreter" auch noch ungerecht behandelt. Natürlich sind Morddrohungen in keinem Fall zu entschuldigen, der Betrug am Wähler aber auch nicht. Das Gejammer um den Schwund der Volksparteien, ist das Ergebnis eines fortwährenden Betrugs am Wähler.

wie ermitteln Sie denn ganz konkret den Willen des Volkes, noch dazu in einem kleinen Dorf, in dem dann noch viele Demonstranten aus Nachbargemeinden und -städten auftauchen?
Bedeutet "Straße" automatisch "Mehrheit"? Dann würden ganz klar die Klimademonstrationen die Mehrheitsmeinung abbilden.

Wenn "Links" aus der ganzen Republik seine Anhängerschaft einbestellt, wie in Chemnitz das "Konzert gegen Rechts", wenn in Kandel die Antifa aus der ganzen Umgebung angekarrt wird, um gegen die "rechten Demonstranten" vorzugehen, in Garzweiler aus der ganzen Republik und darüber hinaus, linke und grüne "Aktivisten" zusammenkommen, um sich Kämpfe mit der Polizei zu liefern, für Sie nicht erwähnenswert. Straße bedeutet nicht Mehrheit, sondern eher "Lautheit". Und der Wille des Volkes, in diesem Fall der Bürgergemeinschaft, war doch eindeutig mehrheitlich gegen die persönliche Neigung des Bürgermeisters, wie aus dem Artikel zu erkennen war.

Christa Wallau | Di, 25. Juni 2019 - 09:48

Es ehrt den Theologen u. Vater von sieben Kindern, wenn er sich um jeden einzelnen Menschen in der Nachbarschaft in gleicher Weise kümmert. Als Mann Gottes darf er privat so handeln.
Allerdings kann er nicht verlangen, daß das Prinzip des unbegrenzten Kümmerns auch dort angewandt wird, wo es um Gemeinschaften, ja um gesamtstaatliche Verantwortung geht.

Erstens sollte er bedenken, daß keineswegs a l l e Mit-Bürger seine Überzeugungen teilen u. die Folgen der unbegrenzten Mitmenschlichkeit zu tragen bereit sind - so wie er offenbar. Radikale Christen solcher Art bilden nämlich eine absolute Minderheit.
Zweitens müssen die erwartbaren negativen Folgen für die allgemeine Sicherheit und den Wohlstand der Gemeinde, des Bundeslandes bzw. des ganzen Staates Deutschland für jeden vernünftigen (= nicht naiven) Politiker eine größere Rolle spielen als Moral. Politik ist nämlich die Kunst des Machbaren und n i c h t des Wünschbaren.
Dies bleibt - nach Christi Worten - dem Himmel vorbehalten.

gabriele bondzio | Di, 25. Juni 2019 - 10:35

Kommt man noch daran vorbei?
Man kann unmöglich Herrn Nierth diesen Konflikt aufbürden, welcher entstanden ist. Und das in der schärfsten Form und unter Einbeziehung seiner Familie. Das ist nicht nur kurz gedacht, sondern eine sehr gefährliche Sichtweise. Es gibt eine Grund- Regel in meinem Denken über Problemlösungen: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ Es fügt sich nicht immer zu einer positiven Sichtweise. Aber es schließt auf jeden Fall Gewaltlösungen aus. Wenn Menschen sich herablassen anderen Menschen mit körperlicher Gewalt zu drohen, sind sie meist nicht in der Lage. Die Sache von Ende her zu denken oder sich in deren Lage zu versetzen.
Und daran krankt unsere Zeit auf allen Ebenen, es wird sich auch keiner dem Lagerdenken entziehen können. Die dabei ablaufenden Prozesse, sind politisch gefügt worden.

Tomas Poth | Di, 25. Juni 2019 - 11:28

Ja, wir Menschen sind so, das schmerzt, ist aber unabhängig von politischen Farben oder gar dem Glaubensbekenntnis.
Es ist mühsam sich dagegen zu erwehren oder gar Hilfe von Dritten zu bekommen.
Die politische und strukturelle Macht der vorhandenen Gesellschaftsordnung hat uns etwas aufgebürdet, dass viele nicht bereit sind mitzutragen, bezüglich der Massenmigration ist es sogar die Mehrheit.
Unsere christlichen Werte werden als Hebel benutzt, um Kritik an den politischen Fehlentscheidungen zu unterdrücken.
Nur, die Masse der Migranten haben aber andere religiöse Werte und Traditionen, die unsere "Welt" auf den Kopf stellen wird.
Die Wortbeiträge der so apostrophierten "Wut- oder Hassbürger" haben sicher nicht den intellektuellen Schliff, mit dem die Mehrheit die gegen diese Migration und deren Folgen steht, von Regierungspolitik und deren Unterstützern in den Medien und Kirchen abgebügelt wird.
Demokratie ist und bleibt anstrengend, gerade und besonders in kritischen Zeiten.

gabriele bondzio | Mi, 26. Juni 2019 - 12:00

In reply to by Tomas Poth

werden als Hebel benutzt, um Kritik an den politischen Fehlentscheidungen zu unterdrücken."...genauso ist es!. Es sind aber nicht nur christliche Werte, welche dazu dienen. Es ist nicht mehr möglich, Probleme in den Raum zu stellen und von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Ohne das nicht gleich Personen mit Schaum vor dem Munde dabei sind. Fordert man reflexive Distanz, weil ganz einfach eine Weltrettung, den eignen Untergang einschließt, ist man ein Radikaler.
Das führt automatisch zur Verdichtung subjektiver Ansichten (die wohl jeder hat) und endet in einer Filterblase.
Was uns ja Herr Stegmann schwarz auf weiß geliefert hat.

Karsten Paulsen | Di, 25. Juni 2019 - 12:27

Allem voran gestellt, Gewaltandrohungen gehen gar nicht und müssen strafrechtlich verfolgt werden. Im Jahre 2015 und danach hat fast die gesamte politische Kaste versagt, da gegen bestehende Gesetzt in einem Akt der Willkür die Grenzen nicht geschützt worden sind. Das hat leider der Nierth ausbaden müssen. Seine Beschwerden sollten sich eher gegen die Regierung richten. Sein eigener Fehler war, dass er als Bürgemeister nicht die Interessen seines Ortes, sondern die Interessen der Bundesregierung vetreten hat.

Gisela Fimiani | Di, 25. Juni 2019 - 14:35

Was Ihnen geschehen ist, Herr Nierth, ist zutiefst abscheulich und einer Demokratie unwürdig.
Politisch erlaube ich mir folgende Kritik: In der Demokratie ist „Gemotze“ angelegt und erforderlich. Bürger möchten nicht „abgeholt“ (welch ein Wort), sondern, als Ihr Souverän, mit Argumenten überzeugt werden. Ihr Widerstand macht sie nicht zu unmündigen Bürgern. Deren Weltbild ist nicht das Ihre. Das muss es nicht sein. Die Demokratie braucht Politiker, deren politisches Handeln den Zweifel und die Selbstkritik begleiten. Ihre Diktion in diesem Interview zeugt von einem befremdlichen Demokratieverständnis. Auch die Widersacher gehören in der Demokratie zu Ihrem Souverän. Der persönliche, widerwärtige Angriff, sollte von der politischen, auch harschen, Kritik klar unterschieden werden. Politiker sind nicht vom Irrtum befreit. Sachlichkeit sollte die Rechthaberei ersetzen, kritisches Denken die moralische Eitelkeit ersetzen.

Andreas Klenke | Do, 27. Juni 2019 - 13:02

Der Mord an Herrn Lübcker ist strengstens zu verurteilen. In jedem Fall, nicht nur bei einem Politiker! Aber über die Äußerung von Herrn Lübcke ("Da muss man für Werte eintreten. Und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.") muss man auch nachdenken dürfen. Hätte jemand „Ausländers“ statt „Deutschen“ gesagt, wäre er mit Sicherheit als Rassist und Volksverhetzer gebrandmarkt worden.

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