Korruption in der Arbeiterwohlfahrt - Sozialmanager außer Kontrolle

Erst Mecklenburg-Vorpommern, dann Hessen und Thüringen, und jetzt auch noch Sachsen-Anhalt: Die Arbeiterwohlfahrt versinkt in Finanzskandalen. Ursache dafür sind selbstherrliche Sozialmanager, fehlende Transparenz und sozialdemokratischer Filz.

Jede Menge Korruption: Bei der Awo nehmen die Skandale überhand / picture alliance

Autoreninfo

Daniel Gräber hat die Awo-Affäre für die Frankfurter Neue Presse aufgedeckt. Heute arbeitet er bei den Badischen Neuesten Nachrichten.

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Daniel Gräber

Jürgen und Hannelore Richter waren in Champagnerlaune. Im April 2016 saßen sie in einem italienischen Restaurant im Frankfurter Ostend mit Geschäftspartnern zusammen und stießen auf den Pachtvertrag über ein fünfgeschossiges Bürogebäude an. Das Ehepaar, beide langjährige Manager der Arbeiterwohlfahrt (Awo), wollte dort 380 Asylbewerber unterbringen. Die Stadt Frankfurt hatte zugesichert, alle Kosten zu übernehmen. Als der Kellner fragte, was er zu essen bringen solle, antwortete Awo-Chef Jürgen Richter: „Das Teuerste, was Sie auf der Karte haben.“ Es herrschte Goldgräberstimmung, nicht nur in Frankfurt. Die Flüchtlingskrise hatte der Wohlfahrtsbranche ein neues Geschäftsfeld beschert. 

Keine vier Jahre später war die Stimmung im Keller. Ausgerechnet zum 100. Jubiläum der Awo erreichte ein Skandal um Gier, Selbstbereicherung und mutmaßlichen Betrug einen Höhepunkt, der seinen Ausgang an jenem Abend im Frankfurter Ost­end hatte. Der Frankfurter Flüchtlingsheim-Deal und dessen Folgen beschäftigten nun sogar den Bundespräsidenten. Als Frank-Walter Steinmeier am 13. Dezember 2019 in der Kongresshalle am Alexanderplatz vor den Spitzenfunktionären der Awo und der SPD die Festrede hielt, kam er um kritisch-mahnende Worte nicht herum. „Im Wettbewerb bestehen, ohne die eigenen Werte über Bord zu werfen, das ist die große Herausforderung, vor der Sie heute stehen“, sagte er. „Und wenn diese Werte in eklatanter Weise verletzt werden, dann hat die Awo ein Eigeninteresse, sich selbst an diese Werte zu erinnern und dafür zu sorgen, dass sie im Verband von allen eingehalten werden.“ Alle im Saal wussten, wen Steinmeier damit meinte: das Ehepaar Richter.

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Dr. Roland Mock | Mi, 1. Juli 2020 - 13:10

Champagner, Maserati, Villen , ein Gehalt von 376.000 Euro und - natürlich - „das teuerste was auf der Rechnung steht“: Exakt so stellen sich Sozis und ihre geistigen Verbündeten den „Kapitalismus“ vor. Und probieren ihn dann im Namen der Entrechteten, die zu vertreten sie vorgeben, gleich selbst mal aus. Es ist bekannt, daß gemeinnützige Vereine gescheiterte Existenzen aller Couleur anziehen, welche, sobald sie den Posten des Geschäftsführers ergattert haben, den Verein als ihre persönliche Beute betrachten und ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Doch das alles noch auf dem Rücken von Behinderten auszutragen (in Hamburg gibt es einen ähnlichen Fall) ist an Widerlichkeit nicht zu überbieten. Danke für den Artikel; habe von diesem Skandal nirgendwo anders gelesen.

auch die SED wusste zu leben und es wundert mich, dass es irgend jemand wundert wie Rote es sich immer wieder auf Kosten der Allgemeinheit gut gehen lassen.

Bei Tönnies ein fünfstelliges Gehalt plus vierstelligem Spesenausgleich (pro Tag!) ... aber wegen einer OP hat er ja gekündigt - solche Gründe sollte man garnicht erst nennen ... aber vielleicht glaubt es ja eine "Handvoll" ... was zur SPD passen würde ;)
Jaja, sich sorgende und in der Mehrzahl friedlich demonstrierende Bürger als MOB bezeichnen, aber die Taschen nicht voll bekommen.

Sehr geehrter Herr Dr. Mock,

die lokale Presse der VRM-Gruppe sowie auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung haben teilweise mit Sonderseiten ausführlich / detailreich, berichtet. Auch der Hessische Rundfunk / hr3-Fernsehen hat das Thema einschließlich der Rolle des Frankfurter OB und dessen Ehefrau in Exklusivsendungen mit Zuschauerbeteiligung und neuen AWO-Vertretern behandelt. Bei Interesse können Sie das googlen. Sehr interessante Storie und auch wieder bes. in F sichtbar werdend, dass eine (pol.) Krähe der Anderen nicht weh tut.

Danke für den Hinweis, Herr Zielinski. Liegt wohl daran, daß ich die FAZ vor drei Jahren wegen deren Bericherstattung über die USA abbestellt habe und seither nie wieder gelesen habe. Im übrigen: Stimmt, daß Selbstbedienungsmentalitöt kein Alleinstellungsmerkmal der Linken ist. Gibt’s in allen Parteien. Aber in diesen ganzen Vereinen, selbst in Sportvereinen, Tierschutzvereinen etc., sitzen nach meiner eigenen Erfahrung fast ausschließlich links Tickende; oft auch mit Parteibuch. Liegt wohl daran, daß der Grundsatz „Nehmen ist seliger denn geben“ bei denen in der Genetik verankert ist.

Bei Tönnies sich ein monatlich fünfstelliges Berater-Gehalt (plus vierstelligem Reisespesen-Ausgleich/Tag) zahlen lassen ... aber wurde ja inzwischen wegen OP gekündigt - diesbezüglicher Ratschlag: Lieber Begründung weglassen ... aber vielleicht glaubt es ja eine Handvoll SPD-Wähler, was dann wieder passen würde ;)
Solche Leute nehm ich nicht mehr erst - spätestens, seit er besorgte und zum größten Teil friedlich demonstrierende BürgerInnen als MOB bezeichnete!

Piere Sals | Mi, 1. Juli 2020 - 13:17

Warum ist denn in den "Leit"-Medien darüber fast nichts zu lesen. Das ist schon mehr als ein Hauch von Korruption. Das Grausame daran ist, dass dies auch noch von gewählten Volksvertretern zugelassen, unterstützt und vertuscht wird. Wenn ich da an den Wind denke, den man bei Philipp Amthor gemacht hat, aber SPD und Linke (die sogenannten Korruptionsbekämpfer) kommen in MV, Thüringen, Hessen usw. mit wahrscheinlichen Straftaten durch. Oder sind das keine?

Solches erinnert mich an die Anträge der AWO auch in Hamburg-Mitte !

Da es als sicher galt, dass Anträge der AWO auf Zuschüsse keiner besonderen Begründung bedurften, um - auf Grund der Mehrheitsverööltnisse - anstandslos genehmigt zu werden.

gabriele bondzio | Mi, 1. Juli 2020 - 14:34

Die Frage welche sich hier stellt, ist es Selbsthilfe der Arbeiterschaft oder Selbstbedienung (man muss ja mittlerweile sagen) nicht weniger Funktionäre?
So was klappt ja auch nur, wenn sehr viele unter einer Filz-Decke stecken. Bzw. wie Herr Gräber im Artikel sagt „fein gesponnenes Netz aus persönlichen Abhängigkeiten und politischer Einflussnahme zur eigenen Bereicherung“. Da gibt’s nicht nur schwarze Schafe, sondern weit mehr Gestreifte. Denn ohne allzu bereitwillige Zahlstellen und Kontrollgremien die wenig zu melden haben, gäbe es auch keine Richters.
"Versuchung ist ein Parfum, das man so lange riecht, bis man die Flasche haben möchte." (Jean-Paul Belmondo)

Christa Wallau | Mi, 1. Juli 2020 - 19:42

wie sich unter dem Deckmäntelchen der Nächstenliebe die Funktionäre der diversen sog.
Sozial-Verbände schamlos bereichern, ob nun bei
der AWO, der Caritas, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen oder sonstwo.
Überall, wo es führende Positionen mit großer Prokura zu verteilen gibt, drängen sich offenbar die Gierigsten gezielt an die Fressnäpfe und ziehen die Arbeit vieler Ehrenamtlicher mit in ihren Schmutz, indem sie sich und ihre Gesinnungsgenossen in erster Linie selbst bedienen.

Einfach nur zum Ko....!

Es muß unbedingt mehr öffentliche Kontrolle durch die Möglichkeit der Einsichtnahme jedes interessierten Bürgers in die Akten von Hilfsorganisationen geben, ebenso wie in die Einnahmen von Abgeordneten.
Ohne ständige Angst im Nacken, daß sie auffliegen könnten, ist der Geldgier von Funktionären einfach nicht beizukommen.

einen Kommentar dieses Über-blicks zu lesen.
Solche Vorgänge schaden diesen in meinen Augen immer noch wichtigen Organisationen - die AWO wurde nicht gestern gegründet.
Hoffentlich kann man den Schaden gering halten.
Natürlich bin ich Mitglied.
Kritik muss ich ganz sicher erdulden, die Existenzberechtigung lasse "ich" mir aber nicht absprechen.
Ich spende auch gerne für die Aktion "Zuckertüte".
Nun ja, Gott sei Dank nicht mehr die Probleme von vielen?

Bernd Muhlack | Mi, 1. Juli 2020 - 20:18

Natürlich ist der Zoll nicht zuständig, leider.
In Italien ist die guardia di finanza zuständig, so sie denn ermitteln darf.

Thats shocking!

Nur soviel:
"In Berlin geriet 2010 der Obdachlosenverein Treberhilfe in die Schlagzeilen, der zum Dachverband der evangelischen Diakonie gehörte. Auslöser der Affäre war ein Verkehrsverstoß. Der Chef des gemeinnützigen Sozialunternehmens wurde am Steuer seines Maserati geblitzt. Dann stellte sich heraus, dass dies sein Dienstwagen war."
Treberhilfe?
Ist das nicht der Rest, das "Unbrauchbare" beim Bierbrauen, der Kelterung, Destillation?

Treber sind jedoch auch Wohnsitzlose, Berber etc.

Bei Kauflandparkplätzen etc. offerieren sie die Obdachlosenzeitung; "arme Schweine!"
(sorry, stimmt aber!)
Dann fällt mir mal ein € runter, Huch!
Drückerkolonnen!

"Lottomillionen" für AWO et Coll.?
Glücksspiel kann süchtig machen.
Hier die Hotline der BZgA.

AWO kann auch süchtig machen, q.e.d.

Caritas, Diakonie, Wohlfahrtsverbände ...

Fässer ohne Boden!

Ellen Wolff | Mi, 1. Juli 2020 - 20:27

Und Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Da stellt sich die Frage, was haben die Politiker zu verbergen, die sich immer wieder vehement gegen Kontrollen aussprechen?

Ernst-Günther Konrad | Do, 2. Juli 2020 - 06:57

Frau Nahles wird Leiterin einer Unterbehörde des Finanzministeriums. Die AWO fest in der Hand der SPD. Nicht das andere Parteien besser wären. Da hat jede Partei unrühmliches aufzuweisen. Ich verfolge die AWO-Betrügereien schon seit den ersten Meldungen. Außer in den lokalen Presseorganen und bei HR-online war da bundesweit wenig bis gar nichts zu lesen. Passt eben nicht ins Bild der SPD. Und wer bleibt wieder auf der Strecke? Flüchtlinge, Alte und Kinder und vor allem die unbescholtenen Angestellten und ehrenamtlichen Helfer. Wo war die Kontrolle? Natürlich war die nicht vorhanden. Der Staat versagt an allen Stellen, insbesondere dort, wo Finanzüberwachung tunlichst notwendig wäre. Wir haben Rechnungshöfe ohne ausreichende Kompetenz und Personal, nur dem Gesetz dienend zu kontrollieren, überwachen und zu melden. Nur wem will man es melden, wenn die zuständigen Minister selbst aus dem Laden kommen und ihren Aufstieg aus der AWO heraus begonnen haben. OB Feldmann Ffm. auch so ein Fall.

Gisela Fimiani | Do, 2. Juli 2020 - 19:58

Warum sollten diese Vorkommnisse noch überraschen? Sie sind die zwangsläufige Folge, wenn Parteien sich den Staat zur Beute gemacht haben. Die von diesen finanzierten und geschützten „Anhängsel“ werden zwar gelegentlich von (noch verantwortungsbewußten) Journalisten ertappt und Politiker heucheln pflichtgemäß Fassungslosigkeit und Kritik. Selbstverständlich wird Reform und Abhilfe versprochen, um die verbliebenen unbequemen Journalisten zu beschwichtigen. Danach geht man zur Tagesordnung über und vermehrt seine Beute. Ich wage mir nicht vorzustellen wieviele Stiftungen, NGOs, Vereine, Vereinigungen, Verbände und unter verschiedensten Namen firmierende „Helfer und Wohltäter“ überaus auskömmlich von (im weitesten Sinn)öffentlichen Geldern leben. Ein win-win Deal für „Wohltäter“ und Parteien. Welcher Journalist wollte sich aber der Mühe und dem Wagnis unterziehen und enthüllen, wieviel Steuerzahler-Geld durch Politiker im Parteiinteresse „mißbraucht“ wird?