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Das schwarze Schaf der Grünen: Boris Palmer / dpa

Boris Palmer und der Schutz der Corona-Risikogruppen - „Das Erheben über den schwedischen Weg ist a bisserl arrogant“

Im Mai fiel Boris Palmer noch bei den Grünen in Ungnade, weil er sagte, die Bundesregierung rette in der Coronakrise alte Menschen, die sowieso bald tot wären. Jetzt profiliert sich Tübingens OB als Retter der Rentner. Was ist da passiert?

Antje Hildebrandt

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin bei Cicero.

So erreichen Sie Antje Hildebrandt:

Boris Palmer ist studierter Mathematiker und seit 2007 grüner Bürgermeister von Tübingen.  

Herr Palmer, Ihre Mutter lebt in einem Pflegeheim in Tübingen. Wie geht es ihr? 
Zum Glück ist sie gut aufgehoben, ich hoffe, das bleibt so. Wir haben sie vorübergehend in der Kurzzeitpflege untergebracht. Bevor ich sie besuche, mache ich immer einen Schnelltest.

Um alte Menschen in Tübingen vor Covid-19 zu schützen, bieten Sie einiges an, was es woanders nicht gibt: Ein kostenloses Taxi für über 65-Jährige, Sonderöffnungszeiten für Senioren, frei verfügbare FFP2-Masken oder Selbsttests in Alten- und Pflegeheimen. Woher rührt Ihr Engagement für die Alten? 
Ehrlich gesagt, aus mathematischen Überlegungen. Und ich habe schon im April aus den Daten aus Spanien und Italien eindeutig geschlossen, dass das Virus extrem altersdiskriminierend ist und dass wir für diejenigen, die am stärksten gefährdet sind und für die Gesellschaft als ganze das Richtige tun, wenn wir besondere Schutzanstrengungen für die Alten unternehmen. 

Wie werden diese Angebote denn angenommen?
Unterschiedlich. Das Einkaufszeitfenster ist wahrscheinlich am wenigsten beachtet worden. Dagegen haben die kostenlosen Masken eine Dankeswelle ausgelöst. Sie werden auch weiterhin rege nachgefragt. Wir verteilen die ja an viele Hilfsbedürftige auch dauerhaft. Und die Schnelltests sorgen mittlerweile für lange Schlangen auf dem Marktplatz. 

Die Stadt lässt sich das eine halbe Million Euro kosten. Zahlen Sie das eben mal so aus der Portokasse?
Die Haushaltsmittel hat der Gemeinderat einstimmig bewilligt. Hier geht es ja um den Schutz von Leben und den Schutz der Intensivstationen vor Überlastung. Dafür ist eine halbe Million wieder gar nicht so viel im Vergleich zu dem, was Bund und Länder sonst für Schließungsmaßnahmen ausgeben.  

Die Sonderöffnungszeiten für Senioren hatten Sie schon im Frühjahr gefordert. Kritiker wie der Landesseniorenbeirat warfen Ihnen vor, Sie würden alte Menschen diskriminieren. 
Das haben die mir auch vorgeworfen wegen der kostenlosen Taxis. Das ist einer der Gründe, warum wir in Deutschland so wenig unternommen haben, um die Risikogruppe zu schützen: die Verwechslung von Differenzierung und Diskriminierung. Gleiches unterschiedlich zu behandeln, ist Diskriminierung. Ungleiches gleich zu behandeln, ist aber falsch. Statistiken belegen, dass in Deutschland 90 Prozent der Todesfälle die über 65-Jährigen treffen. Das Risiko, mit über 80 an Corona zu sterben, ist über 500 mal höher als mit unter 40. Wer sagt, für die über 80-Jährigen reiche der gleiche Schutz aus wie für die unter 40-Jährigen, der macht etwas grundlegend falsch. 

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Walter Bühler | Fr., 11. Dezember 2020 - 09:39

... studiert hat, sich innerhalb seiner politischen Gruppe nicht den klaren Menschenverstand rauben lässt, und das auch noch im schönen Tübingen, wo ich auch vor vielen Jahren dieses Fach studiert habe.

Mir gefällt auch, dass Palmer "more geometrico" eben nicht nur die Phrasen des medialen Mainstreams nachquasselt, sondern seine Gedanken klar formuliert und konsequent nach ihnen handelt, ohne sich vom medialen Gegenwind beirren zu lassen.

Mir gefällt auch, dass er das "bisserl Arroganz" sieht, mit dem die deutschen Mainstream-Medien über andere Länder berichten.

Es wäre schön, wenn auch in den anderen Parteien mehr von solchen nüchternen, realitätsbezogenen, selbstbewussten und vor allem handlungsorientierten Charakterköpfen zu finden wären, denen über die Parteigrenzen hinweg von allen Achtung entgegengebracht werden kann.

Dann ginge es unserer parlamentarischen Demokratie deutlich besser.

lieber Herr Bühler, war schon lange reif für den Rausschmiß. Das bewußte Mißverständnis war nur der dankbare Anlaß für die Basis. Ein Herr Habeck oder oder eine Frau Baerbock wollen sich damit als Vorsitzende befassen, ich lach mich tot. Leider sind Kretschmann und Kuhn zu opportunistisch, also zu feige, sich hinter Palmer zu stellen.

Palmer würde auch parteilos wahrscheinlich wieder Bürgermeister werden, im Gegensatz zu den grünen Genderhasen der Basis.
Leider, leider fehlen Politiker wir Palmer überall. Wären sie Standard, gäbe es die nur in Spurenelementen.

Christine lamine | Sa., 12. Dezember 2020 - 13:01

Antwort auf von August Klose

Boris Palmer hat wenigstens etwas anständiges studiert. Viele der Grünen kommen ohne Berufsabschluss aus, oder wie Claudia Roth mit 1 Semester Theaterwissenschaft. Aber Claudia wußte wahrscheinlich ganz genau, warum ihr das in der Politik trotzdem nützlich sein wird. In der SPD ist es noch ganz anders, man muss wie Kevin Kühnert gut dumm schwätzen können, dann kommt man mit Riesenschritten die Stufen der Karriereleiter nach oben auch weiter. Klein Kevin hat die Fertigkeit des Quatschens schließlich lang genug in einem Callcenter geübt. Und wenn das alles nichts hilft, dann schmückt man seine Vita mit diversen Doktortiteln aus und schon ist man wer.
Ob Christine Lagarde, Ursula von der Leyen oder Andreas Scheuer, die soviel auf dem Kerbholz haben, scheint dies heute auch niemanden mehr zu stören, ganz im Gegenteil, je schlimmer die Vergehen desto höher die Beförderungen.

Brigitte Simon | Sa., 12. Dezember 2020 - 16:56

Antwort auf von August Klose

Ich wußte nicht, daß Palmer kein Mathematiklehrer war. Doch Sie klärten mich auf, lieber Herr Klose. Gesucht wird kein Mathmatiklehrer, vonnöten ist eine Per-sönlichkeit wie Herr Palmer mit seinem Wissen, die Coronaepidemie erfolgreich zu bekämpfen. Er kann es. Wer es nicht kann, sind Merkel und Gesundheitsminis-
ter Spahn, trotz seiner umfangreichen Erfahrungen im Umgang mit der Pharma- und Medizinindustrie.

Im Jahre 2006 gründete der damals 26-jährige umtriebige Karrierist mit seinem Freund, dem damaligen Leiter seines Abgeordnetenbüros, Markus Jasper und dem Lobbyisten Max Müller eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) , über die er jahrelang an "Politas", einer Lobbyagentur für Pharmaklienten, beteiligt war obwohl er bereits ab 2009 dem Gesundheitsausschuß des
Deutschen Bundestages angehörte. Einen wortgleichen Text vom Verband der PKV abzuschreiben störte ihn nicht, so die "Leipziger Volkszeitung.
Näheres unter lobby.pedia.de - Jens Spahn usw.

Walter Bühler | Sa., 12. Dezember 2020 - 17:00

Antwort auf von August Klose

... denn von dort habe ich meine Information bezogen: "Anschließend studierte er von 1993 bis 2000 Geschichte und Mathematik für das Lehramt an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und in Sydney. Dieses Studium schloss er mit dem Ersten Staatsexamen ab." Mathematik hat man meiner Terminologie nach auch dann studiert, wenn man mit dem ersten Staatsexamen abschließt. Das gilt wenigstens in der Zeit vor Bologna.

Annette Seliger | Fr., 11. Dezember 2020 - 09:40

Liebe Leser, erwarten Sie nie, dass ihnen die Regierung die "Wahrheit" sagt - das wissen wir spätestens seit Herbst 2015 als die "Krisenkanzlerin" die Grenzen öffnete und Deutschland in ein Tollhaus verwandelte. Wir haben es mit einem Versagen der Medien zu tun, die sich mit dem Regierungshandeln gemein macht. Merkel hatte Angst vor Bildern voller LKW`s, die bei Nacht und Nebel die Corona Toten abtransportiert (siehe Lombardei) und Herr Palmer hat sich nur die Fakten angeschaut. Richtig so. Das Durchschnittsalter der an/mit Corona verstorbenen in BW liegt bei über 82 Jahren. In den Altersgruppen 0-59 Jahre gibt es bislang 126 Toten, in der Gruppe 60-69 sind es 266 Tote, in der 70-79 sind es 676 Tote. Jeden Tag sterben statistisch ca. 305 Menschen in BW. Das Risiko für einen normal konditionierten Menschen bis 75 ist marginal an Corona zu sterben. 2224 der 3292 Corona Toten sind im Alter 80-90+ = 67,5% aller Fälle. Wir müssen raus aus diesem Panikmodus und die 4. Gewalt klärt nicht auf!

mit den Argumenten der Corona-Leugnern. Dadurch bekommt Ihre Kritik natürlich einen politisch-schalen Beigeschmack.
Ihre täglich selektiv wiederholten Zahlen aus BW schaffen keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn. Dazu gehören 1.535 Verstorbene der Altersgruppe 80-89, die man, trotz ihres Alters, nicht mal eben abschreiben kann, was selbstverständlich auch für die 90Jährigen (und darüber gilt). Macht nichts, die sind eben alt? Ob Sie genauso denken werden, wenn Sie in deren Alter sind?
Auch ihr täglicher Verweis auf die angebliche Grippe-Katastrophe der Jahre 2017/2018 hinkt - da spricht man von gesichert gerade mal 1.674 (!!!) Grippe-Toten:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/vorsicht-bei-vergleich-der-zahl-…
In den letzten drei Tagen sind in Deutschland mehr als 1500 Menschen verstorben. Auch Palmer ist scheinbar geläutert: Gestern, bei Maybritt Illner, verteidigte er einen harten Lockdown. Arroganz? Kann man auch deutschen Corona-Leugnern vorwerfen!

Bekanntermassen hegen Sie keine grundsätzlichen Abneigungen gegen irgendwen.
Das sollten Sie dann auch Anderen nicht unterstellen.

Vielleicht glauben Sie, das man das Sterben grundsätzlich verhindern kann.
Das Ist bisher allerdings noch niemand gelungen

Es scheint z.Zt. eher so zu sein dass man an allem sterben darf -sogar an der Impfung - nur nicht an Covid19.
Laut Herrn Wieler vom RKI ist die Ursache, wenn alte Menschen nach der geplanten Impfung sterben, dann im Alter und in den Grunderkrankungen zu suchen.
Doch wenn alte Menschen mit einem positiven Corona-Test sterben, dann gelten sie laut RKI selbstverständlich als COVID-Tote.

Die Aussage von Herrn Palmer ist:
„Leider hat sich Europa entschieden, alles auf die Karte Kontaktbeschränkung zu setzen. Deswegen bleibt uns jetzt gar nichts mehr anderes übrig als ein kompletter Lockdown.

Das ist keine "Läuterung" sondern eine realistische Aussage die in nichts den bisherigen Aussagen Palmers widerspricht.

Sie versuchen, den vorzeitigen, vermeidbaren Tod durch ein Virus als "normales" Ableben darzustellen.
Hochbetagte sollen also an Covid sterben dürfen - ob sie das auch wollen, scheint ja nicht zu interessieren.
Offensichtlich sollen sie sich schlicht damit abfinden, wird zumindest von Seiten der Corona-Verharmloser gefordert.
Erstaunliches erfährt man: Die Impfung kann also tödlich sein. Liegt wahrscheinlich an dem Chip, den man den Geimpften eingepflanzt hat...
Aber es geht ja um Höheres: Wenn abgerechnet wird, sollen die politisch Verantwortlichen die Rechnung präsentiert bekommen, am besten aus dem Amt gejagt werden. Oder: Die ganze Pandemiebekämpfung könnte ja den eigenen Wohlstand schmälern. Oder, wahrscheinlicher, beides.
Ein Kopf der Leipziger Querdenker erkrankte selbst an Covid und musste beatmet werden. Die Übersterblichkeit liegt bei 8%, Tendenz steigend. In den USA gab es an einem Tag 3000 Tote.
Aber selbstverständlich ...keine Pandemie, alles übertrieben.

für die regelmäßigen Zahlen. Es werden jetzt zwar wieder bestimmte Personen aufheulen, aber ich finde Ihre stetiges Wiederholen als Hinweis nicht dem Mainstream hinterherzulaufen ohne das eigene Gehirn einzuschalten.
Die Panikmache unserer der linksgrünen Gemeinde greift nicht mehr. Selbst da rumort es. Aber notfalls sind ausser Mutti und Kohorten von Klatschasen alles N..
Weiter so. Und nicht vom ein oder anderen hier im Forum beirren lassen. Es sind sowieso die ewigen Plattitüden.
Aufklärung statt blinde Ideologie.

Ellen wolff | Fr., 11. Dezember 2020 - 10:03

Wenn der Rest der Grünen das Format von Boris Palmer hätte, könnte ich mir vorstellen die zu wählen. Frau Bärbock hat mit Ihrer Kampfansage gegen Boris Palmer jedoch das wahre Gesicht der Grünen gezeigt. Da tummeln sich leider zu viele nur an Macht interessierte Populisten.

Michaela 29 Diederichs | Fr., 11. Dezember 2020 - 13:39

Antwort auf von Ellen wolff

Erst einmal: Klasse Interview. Ja, die Palmers in der Partei wären auch für mich wählbar. Aber das ja Unerwünschte.

Karl Kuhn | Fr., 11. Dezember 2020 - 10:09

"Gemessen an der Gesamtbevölkerung, sind in kaum einem anderen europäischen Land mehr Menschen an und mit dem Virus gestorben [als in Schweden]. Setzen Sie da nicht aufs falsche Pferd?"

Frau Hildebrand, glauben Sie wirklich die in ihrer Frage eingebettete Behauptung? Laut Worldometer waren die Todeszahlen pro Einwohner in folgenden EU-Ländern höher:
Belgien (doppelt so hoch)
Italien
Spanien
Mazedonien
Slowenien
UK
Tschechien
Frankreich
Bulgarien

In Belgien, Frankreich, Spanien, Italien, Tschechen und UK gab und gibt es fast von Anfang an härteste Lockdowns, die aber auch nichts geholfen haben, weder bei der ersten noch der zweiten Welle - in letzterer wurde Schweden richtig satt überholt!

Journalisten beschäftigen sich doch jetzt schon seit Monaten mit diesem Thema, wie kann es dann sein, dass immer noch so wenige die relevanten Fakten zur Kenntnis nehmen wollen? Schweden ist alles andere als gescheitert, sondern hat mit einem sehr liberalen Ansatz auch nicht mehr Schaden erlitten

Christa Wallau | Fr., 11. Dezember 2020 - 10:22

Was Boris Palmer auszeichnet u. mir sehr gut gefällt, ist die Tatsache, daß ihm die Anliegen der Bürger wichtiger sind als seine Partei. Er verläßt sich nicht blind auf andere, sondern denkt selbst über Lösungen nach. Dazu gehören Klugheit u.
Charakterstärke, u. daher sind solche Leute rar!

Unser verrottetes Parteiensystem bevorzugt die Nachläufer / Karrieristen. Das ist bei den Grünen inzwischen so, bei der AfD zeichnet sich dasselbe ab, u. natürlich ist dies erst recht bei den Uralt-Parteien CDU, SPD u. FDP der Fall - es dominieren die Parteisoldaten /Claqueure.
Nur deshalb konnte es ja dazu kommen, daß
CDU u. SPD inhaltlich so entkernt sind, wie sie sich heute präsentieren.
Ohne eine grundlegende Reform wird sich da auch nichts dran ändern - zum großen Schaden für die Bürger, die ja auf die Parteien angewiesen sind u. eigentlich erwarten, daß dort eigenständiges Denken aller Akteure u. das sachliche Abwägen verschiedenster Lösungsvorschläge hoch geschätzt werden.
Pustekuchen!

Harald Lieder | Fr., 11. Dezember 2020 - 10:28

statt einzelne seiner Sätze einem Shitstorm zu unterwerfen.
Früher nannte man sowas übrigens einfach "Verleumdung".
Für mich (auch Mathematiker) insgesamt einer, der seinen klaren Verstand einsetzt - statt einer "Haltung".
Welche Fehler ihm auch immer unterlaufen sein mögen - sie sind nicht auf Mangel an Bildung zurückzuführen. Er weiß was Kobalt ist und wird es von Kobold und COBOL zu unterscheiden wissen.

Er allein reicht mir allerdings bei weitem nicht aus, seine Partei zu wählen!

gabriele bondzio | Fr., 11. Dezember 2020 - 10:42

Die Frage könnte man, Frau Hildebrandt, genausogut den anderen Regierungen bzw. der BR, stellen. Die Zustimmungsraten in der Bevölkerung(falls nicht getürkt) bei so fragwürdigen und widersprüchlichen Entscheidungen sind meines Erachtens, eine ernste Gefahr. Hier kommt die traditionelle Obrigkeitsgläubigkeit der Deutschen zum Vorschein. Obwohl auch ganz oben teilweise im Trüben gefischt werden soll. Dazu gibt es viel zu wenig substantielle Kritik, es gibt keine echte Opposition auf den Regierungsbänken. Kaum Debatten und ohne Debatten und ohne Kritik entstehen keine Gegenvorschläge, nicht einmal Vorschläge zur Verbesserung.
Corona...verdeutlicht den hierarchische Umgang besonders. Irrtümer setzen sich fest, gewinnen an Dauer.
Auch sein Satz: "Das letzte Wort hat übrigens auch nicht die Partei, sondern die Wähler."...ist mehr von Respekt, für seine Bürger getragen. Als das windige Gesäusel seiner Parteispitze.

Sebastian Bauer | Fr., 11. Dezember 2020 - 10:42

"Der schwedische Weg gilt inzwischen als gescheitert. Gemessen an der Gesamtbevölkerung, sind in kaum einem anderen europäischen Land mehr Menschen an und mit dem Virus gestorben."

Leider geht es bei dieser Beurteilung nicht um die wissenschaftliche Bewertung sondern um das Narrativ. Hier ein paar Fakten um sich dem Narrativ entgegenzustellen:
1) die Uebersterblichkeit in Schweden während der ersten 6 Monate 2020 vergleichbar mit der Uebersterblichkeit in Schweden vor 5 Jahren - Ludvigsson JF. Acta Paediatr. Epub 21 sep 2020.
2) Während des Herbstes (ab September) hatten wir Untersterblichkeit in Schweden (Euromomo, SCB)die erst vor kurzem in eine leichte Uebersterblichkeit umgeschlagen ist (trotz stark steigender Coronainfektionszahlen seit September). In der Höhe in keiner Weise vergleichbar mit z.B. der Uebersterblichkeit während der Grippe 2017.

"Normale" Erkältungen (30% Coronaviridae) haben eine Mortalität von 10% in der Hochrisikogruppe. Corona ist jetzt normaler Teil davon.

Walter Müller | Fr., 11. Dezember 2020 - 10:45

Warum ist Boris Palmer noch bei den Grünen und nicht in der FDP? Für die aktuellen Grünen ist Palmer ein unangenehmer Fremdkörper geworden. Und zwar, weil er alles Vorgekaute kritisch prüft und im Zweifelsfall lieber seinem eigenen Kopf folgt. Alles was ihn nicht überzeugt, stellt er konsequent in Frage: Liege ich vielleicht falsch? Habt Ihr bessere Argumente? Haben die anderen in der Regel nicht. Die hüllen sich dann lieber in Schweigen oder greifen ihn moralisch an. Da gerät man ins Grübeln: Wie viel inhaltliche Substanz steckt heute noch in Parteien? Sind professionell inszenierte Events mit beinahe evangelikalem Einschlag zum zentralen Erfolgsfaktor geworden? Die Politik der Grünen scheint heute ein moralisch aufgeladenes Glaubensbekenntnis geworden zu sein, das keiner sachlich-kritischen Prüfung mehr standzuhalten braucht: Wenn ich an jemanden glaube, spielt es keine Rolle mehr, was er sagt. Es stimmt einfach.

Urban Will | Fr., 11. Dezember 2020 - 11:22

für seine Politik und auch seine Aussagen. Dass seine Partei ihn deswegen mobbt, zeigt erneut, dass in dieser Sekte die Ideologie über der Politik steht.

Corona und die alles beherrschende Strategie des Dauerfeuers von Fallzahlen, des Verbreitens von Angst und Panik haben die Sinne im Land vielerorts vernebelt.

Landauf, landab, auch hier im Forum, muss man sich die dümmsten Anschuldigungen anhören, wenn man Kritik übt an der Politik der Obrigkeit.

Und die ist überfällig.
Der Boden für den nächsten, vermutlich für lange Zeit aufrecht erhaltenen totalen Lockdown ist bereitet. Und das, obwohl, wie hier im CICERO vor einiger Zeit beschrieben, selbst die Kanzlerin schlimmste Folgen befürchtet.
Und Palmer zeigt, dass man mehr Erfolg hat, wenn man seinen Verstand einsetzt und sinnvolle Dinge beschließt.
Und den Menschen somit ein Maximum an Leben lässt, denn dann sind sie weitaus bereiter, an andere Stelle auch zu verzichten.
Aber man traut ihnen halt nicht. Verheerendes Signal.

Juliana Keppelen | Fr., 11. Dezember 2020 - 12:02

bisserl arrogant."
Ja das ist es.
Aber das ist doch das Markenzeichen des "Merkellandes" immer bei den Ländern (bei denen wir uns trauen) die anders agieren und reagieren als wir uns das vorstellen stehen wir mit dem erhobenen Zeigefinger bereit, wissen es angeblich besser und schwingen die Moralkeule.
Ansonsten kann ich mich vielen Kommentaren hier anschließen, leider kann man nur eine Replik abgeben so ist man halt sehr eingeschränkt mit Zustimmungen, Ergänzungen und Gegenrede.

Manfred Sonntag | Fr., 11. Dezember 2020 - 15:07

Frau Hildebrandt, ein prima Interview. Ich bin richtig begeistert. Deshalb mein Vorschlag: "Mr. Palmer for chancellor". Endlich mal ein Lichtblick!

Kai-Oliver Hügle | Fr., 11. Dezember 2020 - 16:01

Wenn man von der Realität eingeholt und widerlegt worden ist, dann ist die andere Seite also "arrgant" und "besserwisserisch". Klasse Argument!
Zu den Fakten: Man kann Schweden natürlich auch mit Deutschland vergleichen, einem Land mit 8mal so viel Einwohnern und 10mal höherer Bevölkerungsdichte. Schon da schneidet Schweden sehr schlecht ab, obwohl die Zahlen hierzulande seit Wochen durch die Decke gehen (gestern 600 Tote!).
Aber ein Blick nach Norwegen und Finnland, wie Schweden hoch entwickelte und dünn besiedelte Länder an der Peripherie Europas (praktisch ohne Durchgangsverkehr), veranschaulicht das dramatische Scheitern der Tegnell-Politik noch deutlicher. Norwegen verzeichnet mit etwa halb so vielen Einwohnern wie Schweden bis heute nicht einmal 400 Corona-Tote! In Schweden sind es knapp 7.500, in Worten: SIEBENTAUSENDFÜNFHUNDERT!
Auch die schwedische Regierung hat nun die Reißleine gezogen und härtere Maßnahmen beschlossen. Zum Glück!
Ganz schön "arrogant" von denen...

Ihr Vergleich ist ohne Blick auf die Gesamtsterblichkeit wertlos. Wenn in Schweden mehr (grösstenteils sehr alte und vorerkrankte) Menschen an Covid19 sterben (weil, weiter verbreitet) und in Norwegen die „Alten“ an anderen Erkältungsviren sterben und beide Länder eine im langjährigen Vergleich Normalsterblichkeit haben, dann hat nicht Schweden versagt sondern einen pragmatische. Weg gefunden mit einer Krankheit zu leben die vergleichbar (Mortalität) mit einer leichten Grippe ist.

Kai-Oliver Hügle | Sa., 12. Dezember 2020 - 11:53

Antwort auf von Sebastian Bauer

Was Sie in Klammern setzen, "weiter verbreitet ", ist nun mal der zentrale Aspekt, wenn man über eine Pandemie und ihre Eindämmung spricht!
Schweden verzeichnet ungefähr 19mal so viele Corona-Tote wie Norwegen; bereinigt durch die Zahl der dort lebenden Menschen errechne ich den Faktor 10! Also wenn das nicht signifikant sein soll...
Wie gesagt, die schwedische Regierung, von der ich glaube, dass sie die Lage dort besser einschätzen kann als Sie oder ich oder ein OB in Thüringen, kommt zu einer gänzlich anderen Bewertung und hat bereits striktere Maßnahmen verhängt.

https://de.euronews.com/2020/11/17/schweden-schwenkt-covid-19-kurs-weit…

Ich sehe es einfach so, Schweden ist ein souveräner Staat mit einer anderen Mentalität, Infrastruktur und Menschendichte und wenn die Schweden im Einklang mit ihrer Bevölkerung zur Bewältigung der Krise andere Wege gehen als wir oder andere Länder so ist das ganz allein Sache der Schweden und wenn sie Korrekturen egal in welche Richtung vornehmen so ist das ebenfalls allein Sache der Schweden. Andere Länder andere Kulturen, andere Mentalität andere politische Ausrichtungen, andere Vorgehensweisen wir sollten das einfach akzeptieren, wir sind nicht der Nabel der Welt. Jedes Land hat seine Corona-Toten selber zu verantworten.

Bernd Muhlack | Fr., 11. Dezember 2020 - 18:09

Letzten MO war ich zu einer Routineuntersuchung im KH; alles OK sagte man.
Insoweit nochmals vielen Dank an unsere Foristin Sehrt-Irrek, welche meiner gedachte.

Na klar, auch ein Corona-Test: negativ.

Meine Mutter und ich wohnen im selben Haus.
Sie ist 86, geistig topfit, Pflegegrad 2.
Zweimal wöchentlich erscheint eine Pflegerin der Caritas, Hilfe bei der Grundpflege.
Ich müsse ein Negativattest (für mich!) beibringen, sonst werde die Pflege eingestellt, sagt die Caritas!
Oha, liebe Leute, nennt mir bitte die Rechtsgrundlage!
Was solls, s. o.
Ein Attest, ein Attest!
Das ist eine Momentaufnahme, mehr nicht!
Hauptsache man kann etwas lochen, abheften - gar scannen?
"Die Schwestern vor Ort" kennen wir natürlich, sie sind das letzte Glied der Kette, die berühmte A..karte!

Muttern:
"Ich bin 86 und zufrieden. Was soll ich mit einer Impfung? irgendwann ist eben Schluss, gell?"

Sie will zu Hause sterben, ohne Gedöns; "wir" haben das jur. perfekt geregelt.
Weihnachten die Enkelin per skype

Marianne Bernstein | Fr., 11. Dezember 2020 - 18:29

Was man tagtäglich lesen kann ist schlicht und ergreifend nichts anderes als Propaganda und Hetze. Natürlich ist die AfD dran Schuld, dass es in Sachsen und Bayern so viele Corona-Tote gibt. Dass diese beiden Länder an Tschechien grenzen mit ebenfalls hohen Zahlen spielt natürlich keine Rolle.
Dass eine Universitätsstadt eine eher junge Bevölkerung hat ist sehr naheliegend, ich kenne nicht so viele Studierende über 70.
Die Pandemie ist doch kein blame game, wo die Zahlen über die heute Glücklichen oder Unglücklichen entscheiden sondern etwas, wo man zielgerichtet Maßnahmen unternehmen muss und exakt das hat Herr Palmer hervorragend geschafft!
Auch in Sachsen sterben sehr wenige unter 60jährige, erst ab 70 oder 80 wird es ernst. (Was aber auch für andere Krankheiten gilt!) Man muss endlich weg von den Zahlen und hin zu einem effektiven Schutz, aber stattdessen pfuid man sich lieber an. So wird das nie was.