Die Dinge und der Debattenverlauf in Sachen Zeh sind so erwartbar und so ermüdend / dpa

Debatte um Juli Zeh - Vom Hetzen und Treideln 

Zwei Aussagen Juli Zehs in einem Interview lassen die immer selben Personen mal wieder entrüstet auf die Barrikaden gehen. Die Dinge und der Debattenverlauf in Sachen Zeh sind so erwartbar und so ermüdend. Denn sie folgen dem immer gleichen Muster.

Autoreninfo

René Schlott, geboren in Mühlhausen/Thüringen, ist Historiker und Publizist in Berlin.

So erreichen Sie René Schlott:

„Es ist ein so leichtes Unternehmen, und es spielt sich so rasch ab, dass man sich beeilen muss, um zurechtzukommen. Die Eile, Gehobenheit und Sicherheit einer solchen Masse hat etwas Unheimliches. Es ist die Erregung von Blinden, die am blindesten sind, wenn sie plötzlich zu sehen glauben.“ Auch wenn es nach dem ersten Lesen so scheinen mag, als handelten diese Sätze vom zeitgenössischen Phänomen des „Shitstorms“ in den sogenannten sozialen Medien, so sind sie doch wesentlich älter und entstammen einem ganz anderen Kontext.

Denn das, was Elias Canetti (1905-1994) hier in seinem Jahrhundertwerk „Masse und Macht“ beschrieb, ist die „Hetzmasse“. Mit Blick auf den Zustand der Debattenkultur in diesem Land kommen Canettis Beobachtungen einem dieser Tage wieder in den Sinn, auch wenn der spätere Literaturnobelpreisträger mit der „Hetzmasse“, vor allem ein Phänomen aus der Frühzeit des Menschen beschrieb.

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Klaus Funke | Di., 24. Januar 2023 - 12:51

Eine beliebte Sportart unter Mainstream-Journalisten ist das staatlich geduldete und gern gesehene Verunglimpfen von Intellektuellen, Schriftstellern, Künstlern. Je mehr man sich zerfleischt, desto mehr abgelenkt ist das Publikum und man kann ungestört sein Zerstörungs-Handwerk ausüben. Herr Schlott ist auch so einer. Sonst hört und liest man nichts von ihm, dann wieder taucht er wie Kai aus der Kiste auf und streut sein Gift. Juli Zeh wird sich von solchen Halbgeistern nict beeinflussen lassen. Freilich, solche Kontroverseyn dienen dem Marketing ihrer Bücher und insofern hat sie was davon, aber das Ganze geht trotzdem an Kern vorbei. Und diser Kern ist: Es tut sich was im konformierten Deutschland. Auch ohne die Querdenker. Die Kluft wird tiefer. Irgendwann komt der Knall, vielleicht erst dann, wenn es unsere famosen Politiker geschafft haben, uns in den Ukraine-Krieg hineinzuziehen, so wie es die Amis wollen. Blöd, ich freu mich auf die erste russische Rakete... dann wacht D. auf.

Auf die erste russische Rakete? So wie sich vor kurzem noch auf den erstes Blackout, der allerdings ebenfalls auf sich warten lässt, freuten?

So, wie ich mich freue, wenn ich wieder feststelle, dass ausnahmslos alle Ihre Schlussfolgerungen Schüsse in den gleichen Ofen sind?

Wie z.B. der von Ihnen bereits 2015 vorhergesagte Sturz von Angela Merkel? Dass sich die Querdenker-Demos zu einer Wende 2.0 ausweiten würden, an deren Ende der von Ihnen so heiß ersehnte Regime-Change stehen würde? Oder dass Putin binnen kurzem die Ukraine platt machen würde?

Und auch jetzt, aus Ihrem russischen Exil mitten in Sachsen, sehen Sie das Volk (beinahe?) auf den Barrikaden. Die Kluft - welche eigentlich - würde tiefer? Glauben Sie etwa, dass das, was Sie in diesem Forum lesen, auch nur annhähernd repräsentativ wäre? Die tägliche Realität müsste Sie doch längst eines Besseren belehrt haben.

Ihnen bleibt ja, zum Trost, dieser alte Kinderschinken (Kai aus der Kiste), den Sie so gerne wie oft bemühen..

Das sind tatsächlich ziemlich verstörende Gewalt- und Vernichtungsfantasien, die Herr Funke da von sich gibt. Schwer zu sagen, was in seinem Oberstübchen vor sich geht. Ich hoffe für ihn, dass er sich tatsächlich nach Russland abgesetzt hat, denn das Billigen eines Angriffskrieges ist in Deutschland strafbar.
Interessant, was das Community Management des Cicero so alles freischaltet...

Krischke | Mi., 25. Januar 2023 - 08:38

Antwort auf von Kai Hügle

Lieber Herr Hügle, 

das „Community Management“ des Cicero bemüht sich vor allem darum, abzuwägen, welche Aussagen noch im Rahmen sind, welche nicht mehr. Meines Erachtens sind die von Herrn Hügle kommentierten Äußerungen - die Sie „Gewaltphantasie“ nennen - durchaus zynisch, aber sind sie ausreichend Grund, den Beitrag nicht zu veröffentlichen? Ich denke nein. In einer kontroversen Debatte, und zu der wollen wir als Cicero stetig beitragen, darf man ruhig auch mal etwas übersteuern. Und ich denke zudem, dass der pädagogische Ansatz zu Genüge bei vielen anderen Medien praktiziert wird. Im Übrigen habe ich gerade erst einen Kommentar gelöscht, der sich nicht mehr an die Regel gehalten hat.

Sportliche Grüße 

Ben Krischke 

Kai Hügle | Mi., 25. Januar 2023 - 10:51

Antwort auf von Krischke

Danke für Ihre Antwort. Wenn sich jemand über eine russische Rakete, die erste, freut, lässt das m. E. nicht mehr allzu viel Interpretationsspielraum übrig.
Ich finde es gar nicht so schlecht, dass dieser Beitrag freigeschaltet wurde, ermöglicht das das doch einen interessanten Einblick in die extremen Ränder der Gesellschaft.
Wie ernst Sie Ihre Netiquette nehmen bzw. sie umsetzen, ist natürlich allein Ihre Sache.

Helmut Bachmann | Mi., 25. Januar 2023 - 14:48

Antwort auf von Krischke

Sie haben selbstverständlich Recht Herr Krischke. Den Herren Lenz und Hügle kann man, finde ich, sogar vorwerfen, bewusst nicht verstehen zu wollen. Denn dass der Kommentar einfach zynisch ist und nicht etwa zu Erziehungsmaßnahmen auffordert ist völlig eindeutig.

Jost Bender | Mi., 25. Januar 2023 - 15:49

Antwort auf von Krischke

und für die insofern liberalere & weniger 'pädagogische' Linie beim 'Community-Management' des Cicero - sowie für Ihre Begründung in diesem Fall!

Dafür nehme ich im Zweifel sogar gerne in Kauf, dass so einiges an Kommentierungen immer wieder am Thema & am Artikel vorbeigeht.

Auch Herr Funkes erster Kommentar wurde mglw. ja so eilig verfasst, dass er offenb. keine Zeit mehr hatte, vorher den Artikel zu lesen: Dieser Eindruck drängt sich mir zumindest auf, da er die Intention & Aussage Schlotts - der ja gar nicht Zeh 'verunglimpft', sondern im Gegenteil die Twitter-Reflexe eines eingeübten Netzwerks v. moralisch Dauerempörten thematisiert - mit seinem Kommentar komplett zu verfehlen scheint.
Finde es immer wieder bemerkenswert, wie schnell so ein thread aus Kommentar & Erwiderung von jedem beliebigen Thema ausgehend in kürzester Zeit zu d. jeweiligen Lieblingsthemen 'abgleitet'.
I.d.F. aber wäre ne Löschung schade, da uns dann ja auch Lenz' Zusammenfassung entgangen wäre...

Gerhard Lenz | Mi., 25. Januar 2023 - 09:10

Antwort auf von Kai Hügle

Das erstaunt mich jetzt aber gewaltig. Schliesslich ist es der betreffende Forist selbst, der ständig damit droht, Mitforisten zu verklagen, nur wenn sie seine Meinung nicht teilen.
Denn das fällt für ihn bereits in die Kategorie strafrechtlich relevante Hetze.

So liess er vor etlichen Monaten das Forenpublikum wissen, er habe sowohl mich (für einen Beitrag) als auch den Cicero (für die Veröffentlichung desselben) verklagt.

Ich warte allerdings noch immer auf Post des betreffenden Gerichtes, das Herr F. in seinem Kommentar erwähnte...

Aber vielleicht fürchtet er auch nur, jemand könnte sich SEINE Beiträge mal genauer anschauen und dort Bedenkliches entdecken...

Es gefällt mir ganz und gar nicht.
So erhellend ich die Beiträge von Herrn Funke nicht selten finde, so sehr sollte auch für ihn gelten, dass im Cicero veröffentlichte Kommentare quasi die Zensur hinter sich haben und der Netiquette des Blattes entsprechen.
Darüberhinaus greift dann m.E. das Gebot der Meinungsvielfalt.
Ich halte es für sehr sinnvoll, als Kommentierer eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen zu haben, für den Notfall, nicht aber um "anzugreifen".
Ich bin damals von der ZEIT weg, weil ein Kommentar von mir für alle sichtbar als nicht verträglich gelöscht war.
Damals hatte ich noch eine mir nur schwer erklärliche Attitüde des Stolzes.
Das habe ich ablegen können, finde es aber bei standard-online und cicero-online besser, dass einfach ohne Zurechtweisung gelöscht wird.
Bei standard-online kann man bei Bedarf nachfragen.
Vielleicht auch hier?
Ich habe Vertrauen zu den Redaktionen und mache mich gerne von ihnen abhängig.
Ich finde es so wunderbar so vielem anzuhängen...

Auch wenn wir beide beim Thema Ukraine einer Meinung sind. Ihre Reaktion auf Herrn Funke überrascht. Führen Sie akribisch Buch, wer wann was 2015 und später hier als Kommentar verfasst hat oder haben Sie ein Universalgedächtnis, welches Kommentare von Cicero-Lesern besonders wertvoll erachtet, dass diese in Erinnerung bleiben?

Gerhard Lenz | Do., 26. Januar 2023 - 11:51

Antwort auf von Jens Böhme

Ich habe ein Universalgedächnis.

Davon abgesehen sind manche Meinungsäußerungen derart MARKANT, dass sie zwangsläufig im Gedächtnis haften bleiben.

Jens Böhme | Di., 24. Januar 2023 - 13:28

Es begann gut, als der Begriff Twitter auftauchte. Dann bog der Autor ab. Mit der Zulassung des Internet für jederman begann die neue Zeitrechnung, also ab der Jahrtausendwende. Mit Internet ist jeder jederzeit sofort und mit allem vernetzt und meinungsaffin. Das Informationsmonopol von Radio, TV und Zeitung ist gebrochen. Beide Seiten rüsten seitdem auf, um die Informationshoheit zu erlangen. Die Erregung nimmt zu, je mehr Informationsfluten. Klingt banal. Vor den Zeiten des Internet brauchte es Jahre oder Jahrzehnte für Revolution, Systemwechsel, Zeitenwende. Heute googelt man, wo die nächste Klebeaktion stattfindet und ist binnen Stunden dabei oder kann selbst wortgewaltig öffentlich Stimmung machen. Alles hat Vor- und Nachteile, auch bei Menschen und Natur.

Werner Peters | Di., 24. Januar 2023 - 13:39

Diese Frau Zeh ist die derzeit wohl am meisten überschätzte Möchtegern-Intellektuelle. Immer schon brav im Rahmen des Mainstream schreiben, das bringt ihr dort Lob. Wie jüngst im DLF, wo ihr neues Buch überschwänglich gelobt wurde. Die anderen werden folgen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di., 24. Januar 2023 - 14:36

Kommunikation der Treibstoff der Polarisierung?
Ich denke nicht und genau deshalb ist die öffentliche Kommunikation so wichtig.
Mittlerweile - aber miterlebt habe ich es nicht - glaube ich auch nicht mehr an die Massen im Faschismus, wohl aber an ausgefeilte "Propaganda".
Das ist bei mir zugegeben ein ""Rückschluss aus heutigen Erfahrungen"".
Demnach wäre die Erde schon verglüht, die Massen verelendet, die Apokalypse Tatsache, um es sehr zu überspitzen?
Es gibt viel zu kritisieren, keine Frage, es wird aber sicher auch viel getan, evtl. nur nicht ausreichend miteinander gesprochen oder aufeinander abgestimmt?
Ich glaube dennoch an eine Zukunft dieses Planeten. Sie ist nicht etwa der "verdorbenste" in Gottes weitem Kosmos, sondern vielleicht sein größtes Juwel darin.
Soviel werden wir dann nicht falsch gemacht haben?
Der Treibstoff der Polarisierung ist zwar in seinen Auswirkungen vielfach verheerend, aber nicht wirklich der Rede wert, ein "Unvermögen", wenn wir es positiv sehen wollen?

Ernst-Günther Konrad | Di., 24. Januar 2023 - 15:35

Waren es erst die asozialen Medien oder der ÖRR und die Msm, ich weiß es wirklich nicht., die mit dem Hetzen und Treideln anfingen? Da ich kein Twitter und ähnliches nutze, habe ich mal gegoogelt, wieviel bei uns in D es durchschnittlich nutzen. Ergebnis: Insgesamt belief sich die Reichweite Twitters in Deutschland auf ein Werbepublikum von etwa 7,75 Millionen (Stand: Januar 2022) Personen und belegte damit im weltweiten Ranking nach Ländern den 15. Platz. Einen deutlichen Gegensatz dazu bildeten Social-Media-Nationen wie die USA oder Japan. Manche täglich, manche nur von Zeit zu Zeit, obwohl es soll eine Art Sucht auslösen, bewegen sich auf diesem "bösen" Twitter. Dabei sind es die Nutzer Herr Schlott, die wie von Ihnen treffend beschrieben distanzlos und teils unmenschlich Sachen absondern, die sie Face to Face niemals sagen würden bzw. mit dem Risiko verbunden, sofort eine Anzeige zu bekommen oder gar einen körperlichen Verweis. Übrigens: Zwei von den Hetzern kennen wir hier auch.

Markus Michaelis | Di., 24. Januar 2023 - 20:44

Ich denke auch oft, die Jahrzehnte vor 2010 (2015 oder so) waren vielleicht eher die Ausnahme, bei der sich immer mehr gemeinsame Sichtweisen herausbildeten in einer Gesellschaft, die zumindest glaubte auf Basis dieser Sichtweisen zu funktionieren.

Ich sehe die "immer gleichen" heftigen Reaktionen aber eher als eine aktive Spitze einer gesellschaftlich breit verankerten Haltung. Ich nehme bei vielen Menschen Erschütterungen war, über Dinge, die nicht so laufen, sie sie nach eigener Auffassung laufen sollten. Das ist, nach meiner Wahrnehmung, meist mit Überzeugungen verbunden, wie es (für alle Menschen) richtig wäre und wie Gesellschaft funktionieren kann und muss.

Da es mir diese klaren menschlichen und gesellschaftlichen Regeln nicht zu geben scheint, ist der Zustand sich aufschaukelnder Erschütterungen vielleicht eher als einer der gesellschaftlichen Normalzustände zu sehen?

Jost Bender | Mi., 25. Januar 2023 - 05:32

Wer über Debattenkultur & Polarisierungs-Dynamiken in der medialen Kommunikation sprechen will, sollte auch selbst - wenigstens einen Artikel lang - so viel Selbstdisziplin aufbringen, polemische Etiketten für sehr undifferenziert adressierte Gruppen von Menschen zu vermeiden. Das gelingt dem Autor nicht: Er kann der Versuchung, selbst unsachl. zu polemisieren, offenb. nicht widerstehen & lässt seinen eigenen Affekten freien Lauf, wenn er alle vermeintlich unkritischen Befürworter v. Covid-Maßnahmen & all die völlig unterschiedlichen Befürworter einer konkreten Solidarität mit der Ukraine in einen Topf schmeißt & sie das "Waffennarren-Milieu" nennt, das angebl. auch 'ne einheitl. Meinung zu Covid-Maßnahmen gehabt hätte.
Die öffentl. Kommunikation ist nicht das Problem, sondern diese allseits grassierende Differenzierungsverweigerung!
Hab hier auch schon Juli Zeh gg. unberechtigte Kritik verteidigen müssen, obwohl ich manche ihrer Pos. nicht teile. Aber dies Buch werde ich wohl lesen.