Erst vom Schulgelände verwiesen, dann im Knast gelandet: Der irische Lehrer Enoch Burke / dpa

Gendern und mehr - Zeitgeistzwang durch die Hintertür

Wer besonders progressiv sein will, nutzt Sternchen im Deutschen oder Pluralpronomen im Englischen. Wer sich derweil kritisch mit dem Gendern auseinandersetzt, hört immer wieder ein und dasselbe Argument: Es werde doch niemand zum Gendern gezwungen. In der Realität sieht das längst anders aus. Wer partout nicht gendert oder sich anderem zeitgeistigen Firlefanz verweigert, wird vielerorts bereits sanktioniert.

Autoreninfo

Ben Krischke ist Leiter Digitales bei Cicero, Mit-Herausgeber des Buches „Die Wokeness-Illusion“ und Mit-Autor des Buches „Der Selbstbetrug“ (Verlag Herder). Er lebt in München. 

So erreichen Sie Ben Krischke:

„Wer nicht mal die Pronomen der eigenen Schüler*innen gebacken kriegt, sollte vielleicht auch einfach nicht in einem pädagogischen Beruf arbeiten“, hielt mir jüngst ein Twitter-Nutzer entgegen, der laut Profil für eine Hilfsorganisation kommuniziert und ansonsten irgendwas macht oder ist – da bin ich mir ob seiner kryptischen Ausdrucksweise nicht ganz sicher – mit „queer media archaeology“.

Kommentare wie diese sollte ich eigentlich ignorieren, da man nämlich Gefahr läuft, sich anschließend in den endlosen Schleifen der Gender-Debatte zu verlieren. Außerdem, da will ich ehrlich sein, fällt es mir schwer, diplomatisch auf Menschen zu reagieren, die meinen, dass Lehrer jeden zeitgeistigen Firlefanz ihrer Schüler affirmativ begleiten oder ihnen gar die eigene Weltsicht einhämmern sollten, statt zu tun, was ihre Aufgabe ist: Wissen zu vermitteln. 

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Ernst-Günther Konrad | So., 11. September 2022 - 09:18

Wieder ein treffender Artikel. Alle scheinen zu wissen, dass eine kleine, meist unbekannte Minderheit sich in Gefühlen verletzt fühlt, den Cancel Cultur betreibt und den Genderismus hauptsächlich in den asozialen Medien vorantreibt. Ich las die letzte Woche, dass ein Prof. an einer UNI beim Arbeitsgericht einen Vergleich erzielte wegen Nichtnutzung der Gendersprache und wieder hat kein Gericht mal in der Sache selbst klar geurteilt. Die CDU ist gegen das Gendern, genauso wie die AFD und was nutzt es? Die wollen einen Antrag stellen, dass im ÖRR und in den Behörden das Gendern verboten wird. Nur braucht man da eine Mehrheit. Die haben sie nicht, denn auch die FDP schwimmt auf den woken Wellen.
Ja, angeblich darf man alles sagen und denken, mit der Konsequenz, in den asozialen Medien und teils in den Msm als "Querdenker" und "rechts" stigmatisiert zu werden. Wo bleibt der Aufschrei der Gewerkschaften, des AStA, der Schülervertretungen, der GEW usw.?
Alle schauen zu und schweigen devot.

Gabriele Bondzio | So., 11. September 2022 - 10:05

Während viele Deutsche auf die Ernergiepreise/Versorgung starren, wie das Kaninchen auf die Schlange.
Und vor lauter Kopfschmerzen und Existänzängsten paralisiert sind.
Sind andere Hintertüren, neulich wieder sperangelweit offen.
"Illegale Einreisen nach Deutschland steigen wieder stark an." (Focus)

Das Gendern ist zudem die dümmste Erfindung, seit an der deutschen Sprache rumgebastelt wird.
Ein starkes "Ja" Herr Krischke, zu ihrem Artikel und besonders dem Ausspruch:
"Denn Terror bleibt Terror, unter welcher Flagge auch immer. Sei sie nun braun, rot oder bunt. Und Lüge bleibt Lüge, ...

In dieser Zeit, wo Metamorphosen, Transformationen, Zwangsneurosen von Politikern und Kleingeistern, an der Tagesordnung sind, sollen sie auch im Volk erzwungen werden.

Warum leistet sich DE eine Politiker für Spitzenämter, in denen Expertenwissen notwendig wäre. Alle diese haben zudem eine offensichtliche Resistenz gegen jegliches Schamgefühl und deutliche Umdeutungsbestrebungen der Demokratie.

Enka Hein | So., 11. September 2022 - 10:13

...und deren Protagonisten die dies mit den übelsten Methoden durch setzen, sind für mich die neuen Faschisten im linksgrünen Gewand. Es ist antidemokratisch, der neue Führer ist das Gendersternchen und man geht über, zunächst noch, Existenzen.
Man muß diese gesellschaftsspaltende Minderheit wesentlich vehementer Bekämpfen.
Dieses Gender. Ist ein weiterer Sargnagel an unserer Demokratie.
Würde mich nicht wundern wenn das gleichfalls zum großen Plan der Transformation gehört. Man eröffnet mehrere Kriegsschauplätze, um das direkte Ziel zu verschleiern.
Danke für den Beitrag.

Karl-Heinz Weiß | So., 11. September 2022 - 10:32

Die Methode hatte schon 1968 bei den Studentendemos Erfolg. Damals wurde niedergeschrien, heute wird niedergeschrieben. In der Diskussionskultur sind wir also keinen Schritt weiter. Es ist offenbar sehr einfach, demokratische Grundregeln auszuhöhlen. In den USA zeigt sich Methode hinter dieser Entwicklung-und in Deutschland ?

Gerhard Fiedler | So., 11. September 2022 - 11:52

Meine volle Solidarität gilt dem Lehrer Enoch Burke in Irland, für seinen bewundernswerten Mut mit all seinen idiotischen Konsequenzen! Ja, solche Menschen brauchen wir. Leider sind es immer zu wenig. Dennoch bewirken sie letztlich viel, wie das Beispiel Martin Luther uns zeigt. Aber auch Ihnen, lieber Herr Krischke, meinen Respekt und Dank für Ihren Beitrag zu diesem Thema! Hinsichtlich der Ablehnung dieses Blödsinns sind wir also nicht völlig allein, werden ihn schon gar nicht mitmachen und uns vielmehr dafür einsetzen, dass er ein schnelles Ende findet.

W.D. Hohe | So., 11. September 2022 - 14:20

Zudem hat das Gendern -beispielhaft- seine auslösende Ursache nur in eigenen, "innerbetrieblich" aufgebauten, vom jeweiligen "Universum-Besitzer" nicht aufzulösenden, Spannungen.
Energiefelder welche, wie jedwede Energie, sich Weg sucht, sich diesen zu "Ent"spannung zu Umwandlung bahnt.
Eine Art "Scharze Löcher."
So ist Gendern nur ein, wenn auch standardisiertes, "kosmologisch" genutztes Verfahren dieser -Mensch bezeichneten- Galaxien.
Ausgleich störender, das eigene Gleichgewicht irritierender Gravitationen>> Folge eigener Spannungsfelder.
Möglichkeiten Erhalt der eigenen Umlaufbahn? .
Hier der Aufsprung auf einen gerade vorbeirollenden Zug.
Hier dem ***Sternchen Zug.
Zielbahnhof: Kompensation

Markus Michaelis | So., 11. September 2022 - 14:31

Jede Gesellschaft muss bestimmte Sichtweisen und Sprachregelungen durchsetzen: wenn es eine in "unserem" Sinne gute Gesellschaft ist, geschieht das mit Nudging, Loben, Infoangeboten in der richtigen Richtung und ab einem Kippmoment einfach dadurch, dass alle das so sehen und normale Menschen nicht außerhalb stehen wollen. Andere Gesellschaften wenden mehr Zwang und Strafen an, aber auch unsere Gesellschaft muss mit den (hoffentlich wenigen) Abweichlern ab einem Punkt alternativlose Härte demonstrieren. Mir ist es auch kaum Möglich Alternativen dazu zu denken, weil ja sonst Gewissheiten wankten und wie sollen Menschen dann überhaupt zusammen arbeiten und leben?

Schwierig wird das ganze dadurch, dass es nicht statisch ist - wie die Anpassungsvorgänge ablaufen ist glaube ich noch ungeklärt.

Als Einzelner kann ich Gesellschaften nach innen oder außen verlassen, aber vielleicht brauchen wir mehr Vorbilder und Regeln, wie wir Gesellschaften auflösen, wenn alle nur noch erschüttert sind.

das mit der alternativlosen Härte klingt vielleicht hart. Ich versuche mir nur Gedanken zu machen wie Gesellschaft funktioniert und wie sie funktionieren könnte. In der Theorie überzeugen die besseren Argumente für soetwas wie "die" Wahrheit für alle Menschen. In der Praxis kann ich das nicht ganz sehen. Was ich sehe, ist das tiefe Verlangen nach einer gewissen Wahrheit und Werten, aber jeder hat offensichtlich andere. Es wird daher mit viel Erschütterung gegeneinander gekämpft, bis genügend Leuten die Kraft ausgeht und man sich auf irgendetwas einigt - das ist nicht beliebig, aber ganz offensichtlich auch nicht festgelegt, zumindest nichts, was wir leicht benennen könnten. Wenn eine Gesellschaft sich dann mal auf etwas geeinigt hat, wird sie diese Werte und Sichtweisen immer auch mit einer gewissen Härte verteidigen - zumindest ist es das, was ich überall sehe. Ausnahmen scheinen begrenzte Orte und Zeiten, in denen mal >90% einig sind.

Heidemarie Heim | So., 11. September 2022 - 15:05

Mit digitaler List und Tücke versteht sich. Da kommt mir in den Sinn geehrter Herr Krischke, erging es unserem Heiland nicht schon so oder ähnlich? Schon bevor er der römischen Gerichtsbarkeit vollends anheimfiel fragte ihn Pilatus:" Hörst du nicht, was sie (Hohepriester;-) dir alles vorwerfen?" ( EV
Matthäus,27) Eigentlich war dieser römische Statthalter fairer und handelte überlegter als manch heutiger Richter. Denn er befragte doch wenn ich es recht erinnere das Volk wen er begnadigen soll? Den Nazarener oder überführte Verbrecher. Schon damals siegten wahrscheinlich die wie Judas mit Silberlingen bestochenen lautesten Schreihälse über Recht und Wohlergehen. Und im Mittelalter mit noch analogen Mitteln wie Pranger, Inquisition und Hexenhammer wurde es auch nicht besser. Heutzutage macht man halt seine Silberlinge als Aktivist u. "#tagger";) Leider bin ich weder das eine noch andere und musste für mein Geld mehr tun als Liken. Nach was gräbt Bitte schön ein queerer Media-Archäologe?

Gisela Fimiani | So., 11. September 2022 - 15:55

„Terror bleibt Terror, Lüge bleibt Lüge“ mag für jenen gelten, der seine eigenen Sinne, seinen eigenen gesunden Menschenverstand betätigt. Der sich dazu Erdreistende wird aber zum Feind einer sich totalitär gebärdenden Ideologie des „Guten“. Das Gendern ist nur ein Teil dieser alle Lebensbereiche durchdringenden Ideologie. Eine all-relativierende und dekonstruierende neue „Wissenschaftlichkeit“ hat das Ziel, die Gesellschaft zu atomisieren, den Verstand zu vernebeln, Menschen zu emotionalisieren, einzuschüchtern, orientierungslos zu machen, um durch solche mentalitätsbildende Weichenstellungen die >>Revolte der Massen gegen den Wirklichkeitssinn<< (Arendt), gegen die eigene innere Leere, zu beschwören. Die willfährige, infantilisierte, unmündig-abhängig gemachte Masse unterwirft sich freiwillig dem „Guten“, der Präventivdiktatur, dem Überwachungsstaat, der Eliminierung des freien Willens. Die Banalität des Guten ist auf dem Weg, die „Banalität des Bösen“ zu übertreffen.

Gunther Freiherr von Künsberg | So., 11. September 2022 - 16:02

Die deutschen Gesetze sehen für alle möglichen destruktiven Vorkommnisse strafrechtliche Konsequenzen vor. Sowohl die Sachbeschädigung ist strafbar wie auch Tierquälerei sowie das, was man im Volksmund Vergewaltigung nennt. Die Vergewaltigung der deutschen Sprache, die Beschädigung sprachlichen Kulturgutes ist leider nicht strafbar. Wäre es aber der Fall stellte sich naturgemäß die Frage, ob §§ 20 oder 21 StGB zur Anwendung kommen, wenn mangels Einsichtsfähigkeit die deutsche Sprache mittels Genderns vergewaltigt wird.

Gisela Hachenberg | So., 11. September 2022 - 17:33

Wieder ein lesenswerter und toller Artikel von Ihnen, werter Herr Krischke. Ich mag diesen Unsinn, der sich in unserem Land, aber nicht nur hier, wie das Beispiel des irischen Lehrers zeigt, nicht mehr lesen. Ich schließe mich den Ausführungen der Foristen hier an. Es scheint so, dass es vielen Menschen trotz Corona-Wahnsinn und Ukraine Krieg, sowie kommenden Energiekrisen noch zu gut geht, wenn sie sich mit solchem Nonsens befassen!

Brigitte Miller | Mo., 12. September 2022 - 15:56

Herr Krischke für diesen Text. Damit sollte nun jedem klar sein, um was es hier geht.